Freitag, 30. Dezember 2011

Wie im Himmel

(© Gahan Wilson - Danke Barbara! : ))

Ich könnte wetten, dass meine Therapeutin sich das irgendwie anders gedacht hatte, als sie mir vorschlug, mich einmal am Tag vor den Spiegel zu stellen und zu mir zu sagen "Du bist liebenswert, so wie du bist". Ich weiß ja dann immer nicht recht, was ich tun soll – den Spiegel zerschlagen, oder mich kaputt lachen. Mein Verhältnis zu mir selbst ist halt – na sagen wir mal – komplex. Bemerkenswerterweise soll ich natürlich gar nicht so bleiben, wie ich bin. Sonst wäre ich ja schließlich nicht ihre Patientin. Veränderung ist der Kern ihres Geschäfts – ohne Veränderung schlägt man in der Therapie irgendwann im Niemandsland auf. Wozu also jetzt noch der ganze Aufwand mit dem alten Ich?

ODER ABER: Man hört auf, sich zu entschuldigen.

Auf der Reise zu mir selbst, so stellt sich nun heraus, bin ich einmal im Kreis gelaufen, und wer macht mir die Tür auf: Eine alte Jungfer mit mieser Laune und Doppelkinn – und Menschenskind, war ich vielleicht froh, sie zu sehen! Je stärker die Bemühungen, sich von ihr zu entfernen, desto größer der Widerstand. Jetzt weiß ich auch warum – hätte man mich im Zuge all des therapeutischen Aufwands dazu bewegen wollen, mir einen Arm amputieren zu lassen, wäre das vermutlich auf ähnliche Weise gescheitert. Ich hätte ihn einfach nicht hergegeben. Und ich gebe sie auch nicht her. Sie ist Teil meiner Show. Und – egal wie weit man die Definition vielleicht auch ausdehnen muss – ich bin ein Showgirl, sonst wäre ich schließlich überhaupt nicht hier.

Ich will mich selbst nicht liebenswert finden. Die bloße Vorstellung fühlt sich einfach nur an, wie eine zu enge Unterhose. Ich fänd es zwar echt magisch, wenn ein bestimmter Herr endlich zu eben jener Einsicht gelangen könnte (Yes, YOU! Call me!), aber im Gegensatz zu allem was die Folklore des positiven Denkens uns lehren will, ist es weder notwendig noch ausschlaggebend, dass man sich selbst liebt, um geliebt zu werden. Das weiß jeder, der den Lauf der Welt ein paar Jahrzehnte beobachtet hat. Aber wo war ich…ach ja – also, ich persönlich würde auch nicht meinen eigenen "Like Button" drücken (aber ich bedanke mich vielmals bei den beiden, die es getan haben : )). Ich will viel lieber denken können, was ich will (auch über mich selbst) – und sei es noch so garstig. Denn das ist es, was ich bin. Und ganz nebenbei habe ich das Gefühl, dieses Blog wird davon noch richtig profitieren.

Und selbstverständlich halte ich weite Teile des Lebens für eine schiere Zumutung: Von der Steuererklärung über das Fernsehprogramm und die neue Brigitte Diät bis hin zum Tod – ABER ich entschuldige mich nicht mehr dafür. NIE MEHR! Ich habe es vermutlich schon einmal gesagt, ich sage es gern immer wieder: Was für eine Einstellung sollte man denn zu Wasserrohrbrüchen und Bankenskandalen bitteschön auch sonst haben?

Ach, und wo es nun schon seit Oktober als Merkwürdigkeit auf meinem Schreibtisch liegt: Was für eine Einstellung ist eigentlich die richtige, wenn man von einer dumpfbackigen, im Ursumpf der 50er festgekeilten Autorin namens Danijela Pilic beim bloßen Blättern in einer Frauenzeitschrift auf folgende Art und Weise angepöbelt wird: "Kennt jeder: Frauen, die allein sind (…) Die Verbitterte: Sie hasst Männer, und, wo wir schon dabei sind, auch Kinder, weil sie wahrscheinlich nie welche haben wird. Dafür liebt sie ihre sieben Katzen abgöttisch (…) Nachts weint sie in ihre Kissen und hat Angst davor, tagelang nicht entdeckt zu werden, wenn sie sterben sollte." Das Bild zu diesem Artikel ist übrigens eine Vogelscheuche. Damit hier kein Missverständnis entsteht – die Chefredaktion des Magazins Myself hat ihr gestattet, über uns alle (und insbesondere über all ihre Leserinnen, die obendrein auch noch was dafür bezahlt haben) herzuziehen, egal ob mit Familienanhang oder tatsächlich alleinstehend, weil sie schlicht unterstellt, dass es eine richtige und eine falsche Art des Frauenlebens gibt und die "falsche" mit der muffigen Lustigkeit einer Schülerzeitung diffamiert. Oder um mal ein themennahes Beispiel zu verwenden: Sie ist ungefähr so nervig wie eine von diesen verbiesterten Ex-Dicken, die sich gerade zum Rothorn Run angemeldet haben, und sich vorher noch kurz in eine Talk-Show setzen, um dort zu behaupten, dass es schier ein Ding der Unmöglichkeit sei, als dicker Mensch ein halbwegs zufriedenes Leben zu führen. Man kann über trutschige Modestrecken ohne Models und die nächste abwegige "Diätenwende" auf dem Cover ja sagen, was man will (und das werde ich auch noch), aber das wäre der Brigitte vermutlich nicht passiert.

Wahrscheinlich könnte man sich den Mist des Lebens vorübergehend schöntrinken. Schöndenken – wer weiß. Mein Grundsatz ist ja immer, so Einiges für möglich zu halten und möglichst wenig zu glauben. Wenn mich zum Beispiel in Hamburgs City ein verdächtig übereifriger Passant wild und wichtig mit den Armen fuchtelnd anhält und mir vorschreiben will "Sie müssen zurück, da geht es nicht weiter!", kann es durchaus vorkommen, dass ich erst einmal…tja, nun…weiterfahre. Ich mache mir halt gern selbst ein Bild. Glauben kann ein feines Lebenskonzept sein. Wie Optimismus. Oder wie Karma. Bis sie ausscheren, wie ein überlanger Schwertransport auf einer richtig engen Dorfkreuzung. Guten Menschen passieren schlimme Dinge. Am Ende gibt es doch Erdbeben der Stärke 8,9 im Nordosten Japans. Obwohl man geglaubt hat, dass das nicht möglich ist. Und eines Tages stellt sich womöglich heraus, dass der liebe Gott in Wahrheit eine "Crazy Cat Lady" ist – so eine, wie die, vor der die Frau Pilic so große Angst hat. Und die natürlich schon längst ihren festen Platz in der Ahnengallerie der Popkultur-Archetypen hat. Sie ist ein bisschen die Hexe des 21. Jahrhunderts, die neue wilde Frau.

Und wo wir gerade beim Thema waren: Eine Vorgängerin meiner jetzigen Therapeutin hatte mir mal als Hausaufgabe aufgegeben, meinen persönlichen Misthaufen zu zeichnen. Was ich prompt vergaß, woraufhin sie mir eine Standpauke hielt, und ich die Arbeit mit ihr abbrach. Aber vielleicht hole ich das jetzt doch noch nach – und male den höchsten und schönsten Haufen persönlichen Mists, den je eine Therapiepatientin gemalt hat – oder je malen wird. Und es erfüllt mich schon jetzt mit tiefer Zufriedenheit, mir vorzustellen, wie weit man von der Spitze meines Misthaufens wohl sehen könnte.

Kurz vor Weihnachten warf ich also tatsächlich einen Blick in den Spiegel. Und fand just meine innere Crazy Cat Lady – zum ersten Mal (hat ja auch nur zwei bis drei Jahrzehnte gedauert). Und ich beschloss, endlich die zu werden, die ich ohnehin bin. Und mich nicht mehr zu entschuldigen. Das wäre mein erster Vorsatz fürs neue Jahr. Mein zweiter ist, endlich und endgültig auf eine vegane Ernährung umzusteigen. Drittens hoffe ich, mehr zu schreiben. Viertens muss ich mich noch immer entscheiden, ob und – wenn überhaupt – wie viel ich abnehmen will (ja, die Frage steht nun doch wieder im Raum). Fünftens plane ich, im Sommer ins Tierheim zu gehen und wieder zwei Notfellchen zu adoptieren. Außerdem soll möglichst bald mein kleines Kunstprojekt zum Thema Körperimage und Schönheitsideal (The Ugly Girl Project) in Schwung kommen. Und ein kurzer Aufsatz zu Sinn, Aussage und Absicht ist bereits in Arbeit. Wenn jemand von euch sich auch kreativ mit dem Kampf um Selbstwert und gegen die verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers befasst, würde ich es mir wirklich sehr freuen, etwas darüber zu erfahren.

Na, ihr Lieben – dann rutscht mal schön!

Ich hoffe, wir sehen uns im Neuen Jahr wieder…also, im Prinzip…gleich. : )

NH

Donnerstag, 8. Dezember 2011

THE UGLY GIRL PROJECT: Abwarten. / Wait.


© Nicola Hinz, 2011

Montag, 7. November 2011

Happy diet to me!


Das ist jetzt noch in meinem Kühlschrank:

2 Plastikfische gefüllt mit Sojasoße
2 Fläschchen Champagner
2 Becher mit Bio-Buttermilch (im Januar abgelaufen)
1 Glas mit Senf
Der ewige Apfel
(Er ist mindestens 6 Monate alt und verändert sich nicht mehr – damit ist er wirklich das perfekte Symbol für meine Lebenssituation – nicht weil er ewig frisch bleibt, sondern weil für ihn offenbar auch alles einfach stillsteht…obwohl, wenn der Apfel erzählen könnte, was es ist, das ihn zusammenhält, bekäme er umgehend seine eigene Werbesendung auf QVC. Mein Verdacht ist allerdings auch, dass das, was den Apfel knackig bleiben lässt, Menschen in größeren Dosen eher dahinrafft.)

Zusätzlich befinden sich im Kühlfach (zwischen zwei dicken Schichten aus Eis):

2 aufgerissene Pakete mit Alaska Seelachs (das war Kasimirs Lieblingsessen) und eine Tupperdose mit dem Rest des letzten Weihnachtsrotkohls von meiner Mutter (also von Weihnachten 2008).

Mein Kühlschrank ist jetzt also ein Museum. Ein Museum, in dessen leeren Gängen die Schritte von zufälligen Besuchern minutenlang widerhallen würden. Der im wahrsten Sinne des Wortes coolste Kühlschrank, dessen Inhalt ich in letzter Zeit gesehen habe, gehört einem Künstler, der seine Küche mehr oder weniger zu einem Gewächshaus umfunktioniert hat – weil er sie zum Kochen schlicht nicht benötigt. Sein Kühlschrank allerdings ist gefüllt bis zum Bersten…mit Schokolade UND Filmen für seine nicht-digitale Kamera. Viel mehr Stil kann ein Kühlschrank wohl kaum haben.

Ich persönlich halte mich seit ein paar Wochen mit Tiefkühlpizzen, Weißbrot und Schokoriegeln über Wasser. Das hat mich einer Größe 4/Size 0 (wäre es nicht wunderschön?) natürlich nicht einen Schritt nähergebracht – eher einer Größe 50, aber was diese Art der Ernährung mit Rohkost immerhin gemein hat, ist, dass man nicht kochen muss. Allerdingst muss man auch nichts mehr schälen und raspeln. Was einem noch mehr Zeit lässt, sich zu grämen – aber auch mehr Zeit, um zu arbeiten, was letztendlich auch notwendig war, als ich dann verquollen und zerknittert unter der Decke hervorgekrochen kam, um die Aufträge, deren Erledigung ich Kunden irgendwann mal zugesagt hatte, vielleicht doch noch zu beenden.

Zwischendurch habe ich das Knarren der Knie gar nicht mehr gehört – und auch nicht gefühlt. Ich war zu beschäftigt und zu panisch, meine beruflichen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen zu können.

Aber jetzt ist das Thema wieder auf der Tagesordnung. Und die Eckpunkte sind weiterhin:
• Ich werde nicht so bleiben, wie ich bin (obwohl ich es für eine attraktive Idee halte), weil es gesundheitlich vermutlich im Desaster enden wird.
• Ich will endlich eine Umstellung auf eine vegane Ernährung erreichen.
• Ich will, dass die Beschäftigung mit Essen trotzdem langfristig eine eher untergeordnete Rolle in meinem Leben spielt.


Da mein Kühlschrank nun ohnehin gerade leer ist, habe ich mir gedacht, dass dies mal wieder ein guter Zeitpunkt für ein paar Tage „Auftaktfasten“ wäre. Und ich werde heute beginnen – mit Gemüsebrühe, Wasser und dem goldenen Blüten-Wundertee, den ich aus China mitgebracht habe, weil er einen nicht nur uralt werden lassen, sondern auch strahlend schön machen soll…im Augenblick wäre ich allerdings schon froh, wenn ich aufrecht gehen könnte, ohne Grimassen zu schneiden. Das würde mich vermutlich auch schon irgendwie ansehnlicher machen. Mein Zahnarzt sagte mir übrigens unlängst, ich hätte traumatischen Zahnfleischrückgang am rechten Eckzahn. Ja, mein Zahnfleisch und ich passen offenbar ziemlich gut zusammen – und scheinbar hängt dieses Gebrechen über mehrere Ecken mit meinem verspannten Rücken zusammen. Um es kurz zu machen – mein „System“ braucht Entlastung und Klärung. Und weiterhin weniger Gepäck. In jeder Hinsicht.

Und absolut gar nichts daran ist neu. Außer dass ich auf dem letzten Stück Weg, anstatt komplett zu verzweifeln, tatsächlich ein völlig neues Grimmigkeitsstadium erreicht habe (wer hätte gedacht, dass das möglich wäre). Gleichzeitig habe ich neuerdings immer öfter das Gefühl, ich werde es womöglich noch bis zu „I don’t give a fuck“ schaffen, wenn es darum geht, was andere von mir denken könnten. Und ich habe ja schon immer vermutet, dass dort die Leichtigkeit wohnt. ; )

NH

Samstag, 17. September 2011

7 Leben

Also das hier hat jetzt nichts mit Diät zu tun. Aber - ist ja mein Blog - plötzlich fiel mir ein/auf, dass ich hier ja machen kann, was ich will. Und ich will ein bisschen etwas über den Kater schreiben, denn er ist am vergangenen Montag gestorben.

Knapp zehn Jahre haben wir miteinander verbracht. Er ist an dem Tag bei mir eingezogen, an dem wir die letzte von vier alten und kranken Katzen hatten einschläfern lassen müssen. Er war wie ein pelziger Rettungsring, und den Vorbesitzern, die ihn vermutlich einfach im Stich gelassen hatten, so dass er sich eine neue Bleibe suchen musste und mich wie durch ein Wunder fand, werde ich für ihre Verantwortungslosigkeit ewig dankbar sein.


Ich hatte Kasi verdient. Und er mich. Er hatte eine wuchtige, freundliche Persönlichkeit. Er hat mich regelmäßig morgens um vier geweckt, weil er halt fand, dass das eine gute Zeit war, um wach zu sein. Erst patschte er mir mit der Pfote ins Gesicht und stieg dann immer von links über meinen Kopf, sprang auf den Boden, lief ums Bett herum und begann die Prozedur von vorn - bis ich aufstand und eine frische Dose aufmachte. Wir waren wie ein altes Paar. Hätte er sprechen können, wir hätten regelmäßig die Sätze des anderen beendet. Er hat meiner kranken Mutter jeden Abend durchs Telefon etwas vorgeschnurrt, bevor sie vor zwei Jahren starb. Die beiden waren im letzten Jahrzehnt meine Familie. Und nun sind beide weg.

So wie sechs weitere Katzen vor Kasimir:

Molly war meine erste Katze. Sie war eine Amazone. Sie versteckte sich in Büschen und sprang einem plötzlich an die Füße. Aber sie war heißgeliebt. Sie mochte uns auch. Sie lief unserem Auto hinterher, wenn wir in den Urlaub fuhren, so dass wir umdrehen und sie ins Haus bringen mussten. Und dann mussten wir uns aus dem Staub machen, bevor sie durch die Katzenklappe im Keller wieder hervorschoss. Leider wurde sie nicht sehr alt, weil sie von Jägern auf dem Feld hinterm Haus erschossen wurde. Wo ich jetzt schon einmal dabei bin: Es ist NICHT NORMAL, Freude daran zu haben, Tiere zu töten. Es ist roh, unzivilisiert und falsch.


Pünktchen und Anton waren Geschwister. Wir nahmen sie als Babys zu uns, um die Trauer um Molly besser zu bewältigen. Anton war schön und stolz. Pünktchen war schlau. Die beiden hingen aneinander, und als Pünktchen mit 16 an einer Nierenerkrankung starb, hatte Anton auch keine Lust mehr, wurde schwach und folgte seiner Schwester.



Wenn es irgendwo gemütlich ist, spricht sich das unter Katzen herum, so dass unsere WG über die Jahre drei neue Mitglieder bekam. Nach und nach saßen sie alle irgendwann vor dem Fenster und wollten einziehen.

Moses kam zuerst dazu. Er war der freundlichste Kater, den ich je getroffen habe. Gutmütiger sogar als Kasimir. Er rollte sich auf den Schultern, Rücken und Hüften seiner Leute zusammen, sobald sie sich irgendwo hinlegten. Er wurde recht alt, und wäre noch älter geworden, wäre er nicht vor ein Auto gelaufen.


Pietzke zog einige Jahre nach Moses in die Katzen-WG. Mit Getöse erreichte er uns durch die Nacht. Laut klagend und ausgehungert lief er mir im dunklen Garten entgegen, als ich gerade panisch und auf der Suche nach Anton war, der mal wieder nicht pünktlich nach Hause gekommen war. Er schlang drei Dosen Futter hinunter, hörte auf zu jammern - und dann setzen wir uns zusammen vors Haus und warteten auf Anton. Pietzke und ich waren ab da Verbündete. Wir hatten eine geheime Zeichensprache. ; )


Zuletzt kam Bobby. Bobby entschloss sich, aus der Nachbarschaft zu uns zu ziehen, weil es ihm, dort wo er war, nicht gut ging. Seine schlechten Erfahrungen hatten ihn misstrauisch gemacht. Er lebte fortan mit uns, aber hielt vornehme Distanz zu allen - bis auf Pietzke, mit dem er schließlich Rücken an Rücken auf Pietzkes Lieblingssessel schlief.


Bobby hatte eine Immunschwäche, und nachdem wir in kurzen Abständen Moses, Pünktchen, Anton und Pietzke verloren hatten, die offenbar alle ungefähr im gleichen hohen Alter gewesen waren, mussten wir auch ihn einschläfern lassen.

Und was mache ich jetzt? Ich bin absolut frei. Ich bin für niemanden mehr zuständig. Freunde sagen einem, man soll sich am besten gleich ins Auto setzen und zum Tierheim fahren. Und ich habe auch daran gedacht. Aber der Tod ist bekanntlich nichts für Feiglinge. Mensch oder Tier - die Wahrheit ist, dass die Seele da mitunter keinen großen Unterschied macht, wenn die Verbindung zu dem, der gestorben ist, stark genug war. Und irgendwo habe ich dieses Zitat gelesen - ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat - dass es viel Mut braucht, sein Herz an etwas zu hängen, das man vermutlich überleben wird. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Mut noch einmal aufbringe. Insgeheim hatte ich in den letzten Tagen immer gehofft, das die Antwort einfach wieder plötzlich auf meiner Terrasse sitzt.

NH

Dienstag, 16. August 2011

Die Verortung der weiblichen Hölle - oder: Lass gut sein.

Und - habt ihr’s schon gelesen? Na was wohl - Charlotte Roches „Schoßgebete“…Ich? Na um Himmels Willen…ich hab’s natürlich nicht gelesen...seid ihr verrückt, oder was? ; ) Man muss sich ja nun nicht noch extra Ärger aufhalsen, wenn im Leben eh schon alles so beschwerlich ist – der Kater hat eine Altersallergie und wir wissen nicht wogegen, und ich ändere dauernd die Stühle vorm Schreibtisch, weil ich dort so viel Zeit verbringe, dass ich nicht mehr weiß, wie ich sitzen soll. Mein Hintern, anders als der der Frau Roche, ist plattgesessen ein wie Mühlenrad.

Alice Schwarzer bezeichnet das Werk übrigens als „verruchte Heimatschnulze“…Und ich neige dazu, ihr zu glauben. Dass das deutsche Feuilleton sich beinahe geschlossen dazu verstiegen hat, mit vereinten Kräften aus dem Buch nach Roches „Feuchtgebieten“ einen zweiten Megaseller machen zu wollen, ist obendrein verdächtig…den Erfolg des Vorgängers des aktuellen Buches hatte die Autorin ja noch so erklärt: „Pimmel, Muschi und Aua – das interessiert doch alle.“

Woher ich nun über den Hintern der Frau Roche Bescheid weiß? Tja, in Ermangelung größerer Zeitfenster lese ich im Augenblick nur noch auf dem Klo. Und was liegt bei mir auf dem Klo? Die Zeit. Auf dessen Magazin-Cover Frau Roche als strenge Handarbeitslehrerinnenkarikatur verkündet: „Wenn ich keinen Sex habe, habe ich Angst.“ Ja…hm…bedauerlich für sie.

Im Gespräch mit Jana Hensel kommt dann heraus, dass sie in der Tat voller Angst ist. Angst, nicht ernstgenommen zu werden („Ich hasse Schriftsteller, die ernstgenommen werden wollen.“). Oder Angst, nicht krass genug zu sein („Aber wie so viele Süchte, die ich hatte, ging auch die (Anorexie) Dank der Therapie vorbei und wurde durch andere Süchte abgelöst: Alkohol, Shopping – you name it, I had it!“). Frau Roche ist also nach eigenen Angaben eine Sucht-Hopperin, bei der die „Süchte“ kommen und gehen, wie Mückenstiche. Das scheint der Natur einer Sucht grundsätzlich zu widersprechen. Aber das schreckt die Frau Roche nicht. Sie war „bis vor Kurzem noch magersüchtig“. Jetzt isst sie aber „was sie will, wann sie will.“ (Wie oft haben wir den abgegrabbelten, unfairen und überheblichen Satz eigentlich schon von Prominenten gehört?) Insgesamt kann man angesichts dieser Ausführungen nur staunen, wenn man selbst sich fast sein ganzes Leben lang mit einer Essstörung oder einer anderen Sucht herumgeschlagen hat.

Aber wovor hat Frau Roche nun am meisten Angst? Und warum ist sie im thematischen Rahmen dieses Blogs überhaupt von Interesse? Naja, sie hat halt obendrein eine SCHEISSANGST, hässlich zu sein. Es ist diese Angst, die sie – anders als alle anderen, die sie eher herzeigt wie Trophäen – versucht zu leugnen. Gleichwohl ohne Erfolg. Sie mag ein Opfer von Schönheits- und Schlankheitswahn gewesen sein. Aber sie besteht darauf, dass das jetzt nicht mehr so ist. Und dann wird das Ganze wirklich ärgerlich: „Ich verachte Frauen, die Yoga machen, um keine schlaffen Oberarme zu bekommen.“

Verräterisch ist jedoch auch der Raum, den die platitüdenfarbene Erörterung der Problematik körperlicher Attraktivität im Gespräch mit Frau Hensel einnimmt. Die sagt ihr, dass sie einen „geilen Arsch“ habe und dieses auch wisse. Vorher hat uns Frau Roche allerdings gerade mitgeteilt, dass sie für eben jenen Hintern gar keine Übungen mehr mache – da haben wir es wieder, dass Märchen von der Frau, die sich vom Schönheitszwang befreit hat, aber trotzdem ein straffes Hinterteil besitzt. Es war die Allgegenwart retuschierter Frauenbilder, die sie krank gemacht hat, aber nun ist sie ja wieder gesund. Sie findet Frauen, „die langsam verfallen viel schöner“. Dummerweise sind es die gerade diese „Verfallenden“, denen sie bereits am Anfang des Gesprächs sanfte Geringschätzung entgegenbringt: „Einsamkeit, (…) das ist doch was für alte Leute, die zur Massage gehen, damit sie mal von jemandem berührt werden.“ Sexuell nicht attraktiv zu sein, davor hat sie selbst möglicherweise am meisten Angst – und macht Sexualität zu einem exklusiven Bewertungskriterium, das als Alternative zur bloßen Schönheit dient und das offenbar nur Auserwählte auf obskure Art und Weise anzuwenden wissen: „Ich sehe Menschen an, wenn sie lange Zeit mit niemandem geschlafen haben.“ Frau Roche kennt sich aus: „Mit 35 oder 40 ist die Gefahr, körperlich zu vereinsamen (…) sehr groß.“ Ich bin mir nun ziemlich sicher, dass sie regelmäßig beides – zumindest gedanklich – gegen andere verwendet: deren uncoole Vereinsamung sowie ihre fetten, klumpigen Pos. Im Leben würde ich ihr jetzt kein Buch mehr abkaufen, weil man ihr schlicht nichts abkaufen sollte. Alice Schwarzer hofft indessen auch, dass junge Frauen sich nicht zu sehr auf die gestörte Charlotte verlassen mögen, sollten sie auf der Suche nach Lösungen für persönliche Verwirrung sein, denn, so wendet sie sich an die ehemalige Freundin, „du hast nicht die Lösung, du hast das Problem.“

Ich sag es jetzt einfach mal – der „Ehrlichkeit bis zur Selbstaufgabe“ halber: Bloß weil Papier bedruckt ist, heißt das noch lange nicht, dass es irgendetwas anderes ist als Klopapier. ; )

NH

Sonntag, 7. August 2011

Zwischenruf: Altweibersommer!


Und wenn die Oberarme im Sommerwind flattern und die Sonne es nicht schafft bis auf den Grund der Dellen am Oberschenkel zu scheinen - immer dran denken, während man vor den Augen einer ganzen Gruppe von Grundschulkindern einen Bauchklatscher vom 1-Meter-Brett macht:

"Du hast keine Seele. Du bist eine Seele. Du hast einen Körper."
(C.S. Lewis)

NH

Mittwoch, 27. Juli 2011

Zwischenruf: Der blanke Sommer

Darum sag' ich ja auch immer, man soll sich tunlichst von Fernsehern fernhalten, denn es führt unweigerlich ins Verderben, wenn man die Höllenmaschinen einschaltet. Naja, jedenfalls stehen die Chancen für Schrecken und Chaos ziemlich gut. Wobei das natürlich wie alles eine Frage der Einstellung ist. Wer Freude daran hat zu beobachten, wie Frauen in großer seelischer Not ausgebeutet werden, um auf möglichst billige Art und Weise Sendezeit zu füllen, für den gibt es offenbar bereits schon seit 4 Staffeln eine echte Alternative zu Bauer sucht Frau ; ): Extrem Schön bei RTL2, dienstags um 22:10.

Ich hatte ja mal wieder keine Ahnung, was alles möglich ist, bis mir jemand davon erzählte. Und das hier ist beileibe kein Fernsehtipp. Es ist mehr eine Art Erfahrungsbericht. Immerhin kann man sich mit dem Thema Selbsthass und Körperbild kaum drastischer auseinandersetzen, als den Körper in einer nicht unblutigen Monsteroperation unter Einsatz seiner Gesundheit bzw. seines Lebens und von Kameras festgehalten umformen zu lassen. Ich erinnere mich, wie beeindruckt ich von der Radikalität der Operations-Inszenierungen der Künstlerin Orlan war, deren Erhöhungen über den Augen nach wie vor ein Symbol für die Konflikte und Möglichkeiten der Selbstgestaltung sind. Eine ihrer Feststellungen war, dass die Haut in der man steckt, ohnehin nie zum dem passt, was man gerade sein will.



Die Möglichkeiten, sein Körperbild selbst zu bestimmen, sind heute scheinbar beinahe unendlich. Ich kann mit meiner Erscheinung machen, was ich will - vorausgesetzt ich habe einen freien Willen. Warum gehen eigentlich nicht mehr Leute zum Chirurgen, um sich Spock-Ohren machen zu lassen? Oder um auszusehen, wie ihre Großmutter, die sie sehr bewundert haben - und die eine richtig große, stolze Adlernase hatte? Naja, weil man das eben nicht macht. Alle würden denken, man spinnt! Der Chirurg würde den Eingriff ablehnen! Und in die Bewerbung zur Teilnahme an "Extrem schön" sollte man das auch nicht schreiben. Wir sind nicht frei. Wir bekommen dauernd gesagt, was "extrem schön" ist. Und den Kandidatinnen wird offenbar gleich "ein neues Leben" mitgeliefert - implantiert, wenn man so will.

Was man zunächst sieht, sind geschundene Körper. Dass es schorfig und anstrengend werden würde, hatte ich vermutet. Ich sehe Nicole dabei zu, wie sie sich windet und "vor Schmerzen kaum atmen kann", während die Musik mit grotesker Theatralik immer weiter anschwillt. Und mir geht aus irgendeinem Grund die biblische Drohung "unter Schmerzen sollst du (...) gebären"* durch den Kopf. Dann schwant mir Übles: Hier wird jemand für seine Hässlichkeit bestraft und gleichzeitig errettet. Aber kein Zuschauer soll auf die Idee kommen, eine Errettung sei so einfach zu haben.
*(Ich sehe gerade, Orlan verwendet die Bibelstelle in ihren Ausführungen auch - vermutlich war sie mir deshalb so präsent. Auf jeden Fall bezeichnet Orlan sie als das, was sie auch ist - als lächerlich.)

Während Nicoles Ehemann dafür ist, die Sache abzubrechen, macht Nicole tapfer weiter und verdient und erleidet sich so am Ende eine neue Nasenspitze, einen Po, der mit Fett aus ihrer eigenen Taille aufgepolstert wurde, ein neues Kinn, gestraffte Augenlider, Silikonkissen in der Brust, einen gestraften Bauch sowie - man höre und staune "weibliche" Zähne. Überhaupt ist jetzt endlich alles an ihr weiblich, weiblich, weiblich! Man fragt sich, was die mehrfache Mutter vorher war - eine gigantische Arbeiterameise vom Planeten Zuberon?

Nicole hat vor, von nun an durch das Leben zu tanzen. Man wünscht es ihr. Und trotzdem wünscht man sich viel mehr, man hätte das alles lieber nicht miterlebt. Man wünscht sich, Nicole hätte sich selbst einfach mal die Haare gewaschen und sich einen neuen Zahnarzt gesucht. Und hätte dann gesagt "ihr könnt mich alle mal". Und man hätte sich niemals in ihre Wiedergeburt im Operationssaal hineingezappt. Man versteht den Selbsthass und die Selbstzweifel der Kandidatinnen so erschreckend gut - und fühlt gleichzeitig, dass es höchste Zeit ist für einen Aufstand der Hässlichen...nur selber anführen möchte man ihn lieber auch nicht...

Mein neues Lieblingswort ist übrigens "Fettverteilungsstörung".

Und wo ich nun schon auf Krawall gebürstet bin: Sollte jemand gerade die Bunte letzter Woche zur Hand haben?...Ja?...Ist es nicht fabelhaft, wie unverkrampft die Redaktion die Begriffe "Schlankheitswahn" und "lustvoll" miteinander verknüpft? Die in sonnengelben Lettern gestellte Frage "Macht dünn glücklich?" kann man damit wohl getrost als beantwortet betrachten. Klar, Hungern ist die pure Freude. Fast so schön, wie sich lustvoll die Haare auszureißen. Oder sich lustvoll vor einen Zug zu werfen. Die Chefredakteurin Riekel gibt in ihrem "Bild der Woche" dann noch zu bedenken, dass Dünnsein das "Ticket in die Society" sei. Ebenfalls bemerkenswert - der kleine Beitrag über Frauen-Fußball auf Seite 71. Alice Schwarzer erklärt im Kasten links: "Am besten, eine Fußballerin erregt Aufsehen mit dem Ball - und nicht mit dem Busen." Und rechts kürt die Bunte dann die "fünf attraktivsten Spielerinnen". Mit Verlaub - im Sommerloch kann es doch immer noch ein wenig schwärzer werden, als man denkt.

Und das Abendessen steinreich:


Ja doch, ich mache weiterhin Diät...Mal sehen, in was für Gesellschaft ich da noch gerate.

NH

Dienstag, 5. Juli 2011

Musikantenknochen

Erst dachte ich ja, meine Schuhe knarren. Und dann dachte ich, es sei das Ächzen der Stufen unter mir, als ich mich leise schnaubend am Geländer ins obere Stockwerk zog. Dann wurde mir schlagartig klar, dass da eine Tonspur zu viel war. Es ist ein kleines, fieses Geräusch, das genau zu dem leichten Schabegefühl in den Knien passt. Dass meine Knie es offensichtlich über lange Zeiträume nicht leicht hatten, war mir natürlich klar. Dass sie inzwischen ein Lied davon singen können, war es nicht.



Die Idee, sich endlich als dicke Dame zu akzeptieren und kurzerhand eine zu bleiben, hat mir, wie bereits gesagt, sehr gefallen. Nur meinen Gelenken gefällt sie nicht. Und ohne die geht es irgendwann nicht mehr weiter.

Dafür habe ich mir zum Diät-Neustart allerdings das GRÖSSTE Motivationskleid ALLER bisherigen Motivationskleider* ausgesucht – Größe 42. Pink statt Gelb. Und eben auch nicht extra angefertigt, sondern von der Stange. Aber für das ultimative Wunschkleid in XXL ist nun keine Zeit (und auch keine Motivation) mehr da. Es wird also ernst. Was ich in den letzten Wochen angedacht und ausprobiert und unterbrochen habe, muss nun möglichst schnell klappen: Eine vegane, vorrangig rohe, fettarme Diät. Und vielleicht gönne ich mir für die Haut ein paar – jetzt hätte ich fast „Stromstöße“ gesagt ; ) – Ultraschallbehandlungen. Außerdem: Hanteln schwingen. In die Pedale treten. Und womöglich endlich einmal im Morgenrot, noch vor dem ersten wackeren Rentner, ins Schwimmbad gehen. Habe ich etwas vergessen? Ach ja: Die Waage bleibt weiter im Schrank. Vorher-Nachher-Fotos gibt es NACHHER, weil der Druck ohnehin schon groß genug ist.

Überhaupt: Das gute alte Diät-Tagebuch. Ein bisschen fühlt es sich so an, als ob seine Zeit wirklich vorbei ist. Körperpolitik ist interessant. Fragen nach dem Körper-Image und warum so viele von uns in ihren eigenen Körpern einfach keine Heimat finden – das alles ist interessant. Kalorien und Sit-ups sind es nicht schlicht nicht mehr. Jede von uns weiß alles über Energiebilanzen und Turnübungen. Mal ehrlich – von uns hätte es doch keine ernsthaft überrascht, dass eine Milchschnitte mehr Kalorien hat, als ein Stück Sahnetorte. Wir wissen, dass die Werbung lügt. Ganz besonders wenn es um „sportliche“, „nicht belastende“ Schokoriegel geht. Uns kann man nichts vormachen. Nach jahrzehntelangem Training in Sachen Ernährungskontrolle/Ernährungszwanghaftigkeit lesen wir sozusagen automatisch die Nährwertangaben auf der Rückseite jeder Packung, bevor wir sie kaufen. Hat uns nicht wirklich dünn gemacht. Aber verwundert sind wir nicht – offenbar anders als die Verbraucherschützer von Foodwatch, die Ferrero für den großen Milchschnittenbetrug unlängst den Goldenen Windbeutel verliehen haben. Ha – Amateure! ; ) Was für ein naiver und weltfremder Denkfehler anzunehmen, dass Menschen sich „gesund“ ( was immer das ist) ernähren würden, wenn sie nur wüssten, wie das geht. Wir wissen es längst. Zumindest wissen wir alles Mögliche. Aber es gibt unendlich viele Gründe, trotzdem in eine Milchschnitte zu beißen.

Krieg und Frieden rund um den Körper. Normen, Schönheit, Hässichkeit, Selbstwahrnehmung und Selbstwert, Diskriminierung…All das interessiert mich mittlerweile viel mehr, seit klar ist, dass ich mich nicht mehr vorranging aus ästhetischen Gründen in eine neue Diätschlacht stürze. Und darüber werde ich in Zukunft weiter schreiben.

Was ich immer vorhatte und dann doch nie umgesetzt habe, war ein Diät-Vlog. Das heißt aber nicht, dass ich nicht in den letzten Jahren immer mal wieder Anläufe genommen und es im Zuge dieser zu einem erstaunlich umfangreichen Archiv mehr oder weniger drolliger Filmdokumente über den Kampf gegen die eigene Unlust gebracht hätte (sogar einschießlich einer neueren Liegestütze-Sequenz aus drei verschiedenen Perspektiven). Jetzt, wo es 2011 ist und ich eben mein erstes Video im Internet hochgeladen habe, überlege ich, die „Highlights“ zusammenzuschneiden. Sozusagen als Abgesang… ; )

P.S.: Sollte sich jemand von euch kreativ mit dem Thema Essstörung, Fett-Akzeptanz, Körperimage, etc. auseinandersetzen, oder interessante KünstlerInnen kennen, die zu diesem Thema arbeiten, würde ich mich sehr freuen, von euch zu hören.** Ich selbst plane auch ein kleines visuelles Project. Der Anfang dazu war es ja, sich in voller farbbeschmierter Pracht auf Leinwände zu pressen.

*Das muss sein - ist Tradition!

**office(at)nicola-hinz.com

NH

Sonntag, 26. Juni 2011

The heat is on!


Sollte sie nun wirklich kommen am morgigen Siebenschläfertag – DIE MONSTERHITZE – sollte man nicht unvorbereitet sein. Und schon gar nicht als dicke Dame. Schüsseln mit Eiswasser für die Füße dürfen auf dem Balkon nicht fehlen, ebenso wie der Fächer und das Gesichtsspray in der Handtasche.

In der Zwischenzeit habe mich entschieden, wieder abzunehmen. Ich werde also nicht dick bleiben. Obwohl es viele gute Gründe gibt, die dafür sprächen. Wie ich zu dieser Entscheidung gelangt bin, erzähle ich in einem anderen Post.

Die Konsequenz ist, dass ich wieder Diät machen werde, und das wiederum hat mich gleich dazu veranlasst, mal wieder einen Smoothie zu erfinden – diesmal eine Art Erste-Hilfe-Cocktail für die heißen Tage.


The Big Apple

4 knackige Äpfel
ca. 30g frischer Ingwer
½ Galiamelone
2 Bananen
2-3 wilde Pfirsiche
ca. ¼ Liter Ginger Ale (Ja, ich weiß – Zucker und "Chemie", ist hier aber absolut notwendig!)*
2 Hände Crushed Ice

(für 4 - 5 Portionen)

NH


*Jahaaa, kannst du mir schon glauben! ; )

Mittwoch, 22. Juni 2011

Samstag, 18. Juni 2011

Vom anderen Planeten


Und wo wir gerade davon sprachen: Ein Püppchen / Fetisch aus Stein oder Ton, das das Körperideal des Künstlers und seiner Zeit wiederspiegelt?...Ich habe bei Ausgrabungen / beim Aufräumen in meinem Keller MEINE persönliche Venus von Willendorf wiedergefunden. Sie ein Relikt aus den späten 80ern. Und das war VOR Kate Moss und Heroin Chic. Von mir im Kunstunterricht erstellt. Das Thema war vermutlich: „Nehmt mal einen Klumpen Ton und macht was Schönes damit.“ Und das habe ich getan. Ich weiß, dass es eine weibliche Figur ist, auch wenn man es im Prinzip nicht sieht. Allerdings wäre es mir als Teenager nie in den Sinn gekommen, bei freier Aufgabenstellung ein Kunstwerk zu fabrizieren, das sich nicht mit MIR, MIR, MIR beschäftigt hätte. Dafür wird überdeutlich, dass ich etwas für lange, dünne Hälse und knochige Schultern übrig hatte. (Kann auch nicht sagen, dass es heute ganz und gar anders wäre.)




Erst war ich erschüttert, als ich sie auspackte. Garantiert war ich auch gerade wieder dabei, eine Diät zu machen, als die Figur entstanden ist, denn ich habe als junges Mädchen immer irgendwie Diät gemacht. Zumindest im Kopf. Und ich musste natürlich sofort an Pro Ana Ästhetik denken. Die Verherrlichung von sich dahinschleppendem, ausgemergeltem Weltschmerz. Und ich bin überzeugt, dass die Figur eine unbeabsichtigte, aber umso deutlichere Darstellung einer vorhandenen Essstörung sowie des ewigen Kampfes mit dem eigenen Körper und nicht erfüllten Idealen ist. Und sie ist bereits über 20 Jahre alt.


Aber: Obwohl die Figur wie die Venus von Willendorf kein Gesicht hat, scheint sie erstaunlicherweise trotzdem einen Ausdruck zu haben, vielleicht sogar mehrere. Und sie hat Arme, die ihren langen, dünnen Oberkörper nach außen hin definieren und abgrenzen. Dafür verfügt sie weder über einen Unterleib (genau genommen knickt sie gerade an der Stelle besonders weit ein), noch über echte Beine. Sie hat eine Art Sockel – auf dem sie jedoch erstens recht stabil steht, und in dem zweitens eine unbestreitbare Dynamik steckt. Sie scheint sich trotz allem vorwärts zu bewegen. Möglichweise schwebt oder wabert sie aber auch eher, als dass sie wirklich einen Fuß vor den anderen setzt. Glücklicherweise marschiert sie zumindest nicht. ; ) Sie hat Richtung, Ernsthaftigkeit, Haltung und irgendwie – Bestimmtheit. In der Hinsicht ist in der Tat das, was ich immer sein wollte. Und insofern erzählt sie die uralte Geschichte von dem Leben und dem Ich, für das das Dünnsein immer als symbolischer Platzhalter herhalten musste.


Nun steht sie also auch auf dem Schreibtisch, neben der kleinen, dicken Venus (die, wenn man ehrlich ist, allein auf ihren Füßchen ja gar nicht stehen kann). Ich finde, sie sind ein interessantes Paar. Aber wer bin ich?

NH

Dienstag, 14. Juni 2011

Zwischenruf: Menschen bei Maischberger

Shushan hat mich auf eine Fernsehdiskussion zum Thema - Dick bleiben?/Dünn werden? - aufmerksam gemacht, die heute Abend in der ARD läuft:

Menschen bei Maischberger
14. JUNI 2011, 23.45 UHR
Schluss mit schlank: Lieber dick als auf Diät?


NACHTRAG:

Ja, da staunt man. Was für ein Reigen. Was für eine Leere. Nicht, dass einen das jetzt groß überrascht hätte. Eine sinnvolle, ergiebige Zusammenstellung der Gäste ist halt nicht jedes Redakteurs Sache. Aber lernen kann man ja immer was. Zum Beispiel scheint es nunmehr Gewissheit – im Land der Brigitte-Diät, in dem 50% aller jungen Frauen bis 18 bereits mindestens eine Diät gemacht haben, macht in Wirklichkeit gar keiner mehr Diät. Weil Diäten nichts bringen und sogar ungesund sind, das weiß doch inzwischen jeder – sogar beim öffentlich-rechtlichen Fernsehen. Klingt ja auch so freudlos: „Ich mache Diät. Und darum bin ich nicht dick.“ Da könnte man sich genauso gut vor eine Kamera setzen und verkünden: „Der Grund für mein frisches Aussehen ist schlicht, dass ich bis unter die Mütze mit Botox vollgepumpt bin.“ Aber das ist eine BILD-Schlagzeile, die keiner will. Zu oberflächlich. Zu schroff. Zu ehrlich.

Nun wissen wir also: Beate Wedekind wurde in jungen Jahren ein Opfer der Buttercremetorte, die in den 50ern offenbar auf jedem Nierentisch herumstand, hatte seitdem immer enorme Gewichtsschwankungen und ist nun gerade wieder dick. Das will sie aber nicht bleiben, denn Größe 46 ist doof. Eine Diät will sie auch nicht. Jetzt ändert sie wohl irgendwas an ihrer Ernährung. Was genau, ist mir entgangen.

Barbara Becker (Fitnessexpertin aus Florida ; )) isst „alles, aber langsam.“ Sie hält sich NATÜRLICH auch an keinen Diätplan, um schlank zu bleiben, sondern achtet eben einfach nur auf ihr Gewicht und ihre Ernährung – und macht sich dann zwischendrin wohl mal gern einen „grünen Saft. Oder einen Shake“ - ah ja…

Und dann ist da Klausi Beimer, der ja nun so schön tanzen kann, OBWOHL er ein Moppel ist. Der will auch abnehmen. Aber nicht extrem. Und auch nicht mit einer Diät. Sondern irgendwie. Mit Bewegung oder so. Und weniger Stress will er halt haben, denn der bringt ihn dazu, zu viel zu essen.

Bernhardt Ludwig ist ein Diät-Kabarettist, aber leider kein besonders lustiger. Dafür ist er wandelnde Satire. Er schlägt vor, nur jeden zweiten Tag zu essen, damit „der Muskel am Fett nascht.“ Das ist halt auch ne‘ Art der Nahrungsumstellung.

Dr. Gunter Frank, dem offenbar „die Übergewichtigen vertrauen“, rauft sich sichtlich innerlich die Haare, ist aber zu höflich, um WIRKLICH dazwischen zu gehen. Insbesondere die ARD-hauseigene, ewig die Zähne fletschende Ernährungsexpertin Dagmar von Cramm kann er auf den letzten Metern der Phrasendrescherei nicht mehr stoppen, so dass diese dann auch noch Werbung für ihr Werk „Ab 50 in Form“ machen kann, denn (und ich paraphrasiere hier total unzulässig), „wenn dann endlich die Kinder aus dem Haus sind, wird es ja auch mal Zeit, etwas gegen diese unmöglichen Rettungsringe zu unternehmen.“

Ich habe es schon immer gesagt, und ich sage es noch einmal: Ich WEISS, dass Diäten was bringen. Wer eine einhält, wird dünner. Wer mehr Energie verbraucht, als er hinzufüttert, der nimmt ab. Wer sein Essen reguliert, einschränkt, zuteilt – der wird oder BLEIBT dünn. Und all diese Leute, die ab jetzt keine Diät mehr machen, sondern nur „bewusster essen und Sport treiben“ machen trotzdem eine. Bei Diäten muss man auf etwas verzichten. Auf was, kommt auf die Glaubensrichtung an. Zucker. Fett. Was auch immer. Auf jeden Fall muss man sich Energieeinheiten verkneifen. Das ist natürlich nicht für jeden gleich schmerzhaft. Vielleicht kann man den Verzicht für sich abmildern, weil der Diätplan gut zu einem passt. Den meisten fällt es verdammt schwer. Ach und noch etwas, was ich sicher weiß: Diäten sind für immer. Ein „normal essen“ gibt es nach einer Diät nicht mehr. Entweder man zügelt und reguliert auf die eine oder andere Weise weiterhin, oder man wird wieder dick. Wie die Frau Wedekind. Na, oder wie ich halt… ; ).

Will man das noch? Will man doch noch eine Runde drehen und wieder hoffen, dass man am Regal mit der Schokolade in Zukunft nicht aus der Kurve fliegt?

Das ist sie ja – meine große Frage. Und obendrein: Die Chancen, dass man nicht nur wieder das zunimmt, was man verloren hat, sondern noch dicker wird, als man vorher war, stehen nicht schlecht. Und ehrlich – DAS kann ich meinen Knien nun erst recht nicht mehr zumuten.

NH

Montag, 13. Juni 2011

Vorher - Nachher

Ja, was denn nun?


Vorher/Nachher – das Lieblingsthema aller Diätgeplagten! Nichts demonstriert die Wucht einer dünnen Neugeburt wirkungsvoller, als eine alte Hose, in die man jetzt zehnmal reinpasst. Und vor einigen Wochen dachte ich mir auch noch, dass es für eben solch eine Gegenüberstellung toll wäre, das GLEICHE Kleid in zwei Größen zu haben. Fündig wurde ich bei H&M. Das kleine Schwarze gab es in 46 und 38. Hätte es auch noch in 36 am Ständer gehangen, ich hätte die 38 vermutlich umgangen. Größe 46 ist außerhalb der Abteilung für große Größen bei H&M übrigens auch nicht selbstverständlich. Und was ist das da noch? Das Gepunktete da hinten? DAS ist eine Größe 32, eine SIZE 0, meine Herrschaften! Kommen Sie und staunen Sie! (War übrigens genauso schwer zu finden wie die 46.) Gut, da krieg' ich jetzt noch nicht einmal einen Oberschenkel rein, aber was soll ich sagen…ich dachte mir THINK SMALL. Wo ich jetzt schon mal dabei war, mich wieder aufs Abspecken vorzubereiten…warum nicht nach den Sternen greifen? Oder war es doch ein Griff ins Klo? Dabei wäre es absolut nicht sicher, welche Größe am Ende am besten aussehen würde. Würde ich es tatsächlich schaffen, mich zurück in eine 38 zu hungern, ist die große Frage natürlich nach wie vor, wie meine strapazierte Haut mit der Situation umgehen würde. Würde sie sich schlicht seufzend selbst zusammenfalten, wie ein geplatztes Gummiboot?


Schiffbruch? In Größe 38? Ist das denn überhaupt möglich? Mein Gott, mein Leben lang schien mir alles besser als Fett…Da gab es ja auch mal eine Studie…lasst mich mal kurz nachsehen…Genau, so war es: 5% aller dort Befragten würden lieber einen Arm oder ein Bein verlieren, als dick zu sein (Rudd Center for Food Policy and Obesity at Yale, 2006).


Und als ich vor einer Woche in Berlin war, habe ich mir in einem Museumsshop einen Venus-von-Willendorf-Briefbeschwerer gekauft. Ich dachte, das passt und gibt mir Kraft. Auf dem Weg zur Kasse ist sie mir runtergefallen, so dass ihr eines der hängenden Brüstchen abgeplatzt ist. Das war schon mal kein guter Start. Übrigens – nennt mich Dumpfbacke – aber ich habe jetzt erst begriffen, dass die Figur tatsächlich Arme hat. Zweigdünne, angewinkelte Ärmchen, die auf dem Brustansatz ruhen. Ich hatte sie immer für eine Art Verzierung gehalten. Proportional gesehen hat die Venus natürlich einen riesigen Kopf. Gesichtslos zwar, weil mit starren Locken umwickelt, aber immerhin…was bleibt dicken Damen auch anderes übrig, als was im Kopf zu haben, nicht wahr? ; ) Und WAS man so alles im Kopf hat! Seit ich versuche, mein Fett zu akzeptieren, fällt mir zum ersten Mal auf, wie ungehalten ich tatsächlich auf das Fett anderer reagiere. Ich wandere durch sommerliche Innenstädte, sehe runde Knie und Arme und ziehe pausenlos entsetzt (natürlich nur gedanklich) Luft durch die Zähne und denke, was ich vermutlich schon immer gedacht habe: Der Rock könnte aber länger sein. – Die hat aber Mut. – Au weia. – Muss das denn sein? So blöd das klingen mag, aber wirklich bewusst war es mir nicht, dass ich meine innere Heidi Klum stets bei mir trage und kritischer durch die Welt laufe, als jeder Model-Scout. Das war dann auch der Punkt, an dem meine Therapeutin die Stirn kräuselte und sagte: „Ja, das ist auch genau der Grund, warum Sie denken, alle anderen sehen dicke Menschen genauso negativ. Dabei wissen Sie gar nicht, ob das auch stimmt!“ Klar bin ich neidisch auf alle, die sich „trauen“. Und klar sehe ich durch die Brille der Selbstverachtung. Sie ist festgewachsen und bewertet pausenlos – hauptsächlich und zu allererst jedoch mein eigenes Spiegelbild. Wer hätte gedacht, dass das wahre Ausmaß der Abscheu vor dem eigenen Fett und dem anderer Menschen just in dem Augenblick so klar zutage tritt, in dem man versucht, es endlich zu akzeptieren? Aber dass ich ein Einzelfall mit einem isolierten Problem bin, glaube ich im Leben nicht. Nicht in der Welt des Fetts. Da jemanden zu finden, der der Sache komplett emotions- und/oder meinungslos gegenübersteht – ha, den würde ich gerne treffen!

Habe ich schon erwähnt, dass der Pro-Ana Post mittlerweile der meistgelesene dieses Blogs ist?

Wenn ich erzähle, dass ich mich in diesen Tagen mit der Frage herumschlage, ob ich dünn werden oder dick bleiben soll, gibt es keine geteilten Meinungen. Abnehmen ist besser! Da scheinen sich alle einig zu sein. Eigentlich nicht überraschend. Die einhellige Meinung unter den Befragten: Zur Fett-Aktivistin kann man auch dünn(er) noch werden - wenn man das UNBEDINGT will. Genauso gut könnte man offenbar eine Umfrgae starten, ob man sich die Biene Maja auf die Stirn tätowieren lassen soll. ; ) Eine kernige, achtzigjährige Verwandte sagte zu mir: "Nu' hab' dich doch nicht so Mädchen. Zieh' doch mal die Jacke aus, das ist doch viel zu warm!" Und ich sagte: "Ja, aber meine Oberarme..." Und sie rief: "Wozu willst du denn deine Arme verstecken - das sind doch ganz und gar vernünftige Arme!" Als ich sie später fragte, ob ich ihrer Meinung nach abnehmen oder so bleiben sollte, wie ich bin, antwortete sie: "Ich finde, du solltest abnehmen. Nicht weil du so nicht absolut in Ordnung wärst, sondern weil du selbst so ein Problem damit hast. Es hält dich einfach zurück."

Und was macht die aufgewühlte dicke Dame jetzt? Ich dachte mir, ich suche mir andere dicke Damen zur Beratschlagung. Möglicherweise eine Selbsthilfegruppe. Vielleicht muss man auch selbst eine gründen…

NH

Donnerstag, 2. Juni 2011

Märchenstunde

In ihrem Blogpost „The Fantasy of Being Thin“ beschreibt Kate Harding, dass sie sich Jahre nach ihrer Entscheidung, keine Diät mehr zu machen, gar nicht mehr daran erinnern kann, wie es war, zwischen dem Wunsch, dünn zu werden und dem, endlich mit dem eigenen dicken Körper Frieden zu schließen, hin- und hergerissen zu sein. (Hier habe ich an den Rand geschrieben „Aber an eben jenem Punkt bin jetzt.“) Kate Harding ist eine Fett-Aktivistin, Bloggerin und Mitautorin eines Buches über Fett-Akzeptanz (Lessons from the Fat-o-Sphere: Quit Dieting and Declare a Truce with Your Body).

Warte nicht auf schlanke Zeiten blablabla. Schiebe nicht dein Leben auf blablabla. Lebe so, als wärst du dünn BLA!BLA!BLA! Ganz neu dürfte den meisten von uns solch kerniges Aufmunterungsgerassel nicht mehr sein. Alles gut gemeint und vielleicht sogar irgendwie richtig. Und alles verdammt leicht gesagt. Und was dabei immer mitschwingt, ist das kleine böse Wörtchen „trotzdem“. „Trotzdem“ heißt aufzugeben, und nicht, sich klar zu entscheiden.

Hardings Ansicht nach ist es so verdammt schwer, diese endgültige Entscheidung gegen weitere Diäten zu treffen, weil man sich damit auch gleichzeitig gegen das Fantasie-Ich entscheidet, das von der Hoffnung auf die nächste Diät lebt. Unser dünnes Fantasie-Ich dient u. a. als hervorragende Entschuldigung, wenn die Dinge im wahren, dicken Leben nicht so richtig laufen. Und das tun sie ja oft nicht. Zumindest nicht so gut, wie erhofft. Das wiederum dürfte bei den meisten Menschen so sein. Aber als dicke Dame hat man die vermeintliche Ursache des Versagens an Bauch und Hüften immer gleich bei sich. Das ist praktisch. Und verhindert laut Harding gleichzeitig, dass man ernsthaft nach Problemlösungen abseits der Gewichtsabnahme sucht. Oder akzeptiert, dass es hier und da einfach keine Lösung gibt, weil man schlicht nicht in der Lage ist, bestimmte Probleme zu beseitigen oder gewisse Ziele zu erreichen. Das stellt sich spätestens dann heraus, wenn man dünner wird. Hardings These ist: Was man als dicker Mensch nicht auf die Beine stellt, wird man auch nicht wahrmachen, wenn man erst einmal dünn ist. Das sind fürwahr rosige Aussichten.

Freudvoll oder nicht – eine Überprüfung dieser Theorie anhand der eigenen Diätgeschichte ist ja nicht so schwer. Wenn ich zurückdenke - wie viel zufriedener und erfolgreicher war ich eigentlich in dünnen Zeiten? (In Zeiten mit einer Kleidergröße von 36-38…Ja, die gab es.)

War das Körpergefühl besser? – Ja. Doch. Schon. Man hatte halt weniger zu tragen und passte problemlos in jeden Flugzeugsitz. Und wie war es mit Beziehungen? – Naja…wenigstens hatte ich welche. Richtig lang gehalten hat keine. War mein Selbstbewusstsein größer? – Wenn ich es recht überlege – nein. Selbstbewusstsein und Mut kommen meiner Erfahrung nach eher mit zunehmendem Alter als mit schwindenden Kilos. Hat es wenigstens mehr Spaß gemacht, Kleider zu kaufen? – Ja. Und fand ich mich schön? War ich mit meinem Körper zufrieden? – Das kann ich sogar ganz klar beantworten: Nein. Ich war NIE wirklich zufrieden mit meinem Aussehen. Ich fange auch in dieser Hinsicht erst jetzt an, gnädiger mit mir zu werden. Und wie war es mit dem beruflichen Erfolg in dünnen Tagen? War ich klüger, berühmter, reicher? – Erm…Nö. Es stimmt schon, was Harding sagt. Wenn man kein Buch schreibt, kann man auch keins verkaufen. Und am meisten geschrieben habe ich beispielsweise in der Zeit, in der mein Gewicht seinen absoluten Höchststand erreichte.

Ich hatte also eine dünne Realität. So besonders schillernd war sie, wie eben gesehen, eigentlich nicht. Nicht gemessen an dem, was meine Vorstellungskraft auch jetzt noch imstande ist, sich auszumalen – so bunt, prächtig und in 3D, dass man es tatsächlich noch immer für eine wahre Option hält. Wenn man nur wieder dünn wird, wird diesmal alles anders...

Meine 6 Lieblingsfantasien vom dünnen Leben:

PLATZ 6: Ich lasse mir ein Leoparden-Tattoo machen, das sich vom Beckenknochen bis über den (superstraffen) Oberschenkel erstreckt.

PLATZ 5: Ich schmettere in einer Karaoke-Bar einem vor Verblüffung starren Publikum „My Heart Will Go On“ entgegen, und meine Haare wehen dabei dekorativ in der Brise einer Windmaschine.

PLATZ 4: Ich spreche fließend Japanisch. Und sehe großartig dabei aus. (Wie kommt es, dass mein dünnes Ich plötzlich Japanisch kann?...Ja, was weiß ich denn. Wer wird denn da anfangen, Erbsen zu zählen? Es ist ja schließlich nicht…real…hm.)

PLATZ 3: Ich sitze als Expertin in einer politischen Talkshow. Und bin SOWAS von schön.

PLATZ 2: Hunderte von Frauen stehen in Schlangen stundenlang um den Block, um eine signierte Kopie meines Kriminalromans zu bekommen. Und ich sehe toll aus.

Und schließlich PLATZ 1 (Trommelwirbel): Hunderte von Männern drängeln sich, um mein Autogramm zu bekommen - auf MEINEM PLAYBOY-COVER!

Über meinem Schreibtisch hängt seit Jahren das berühmte Zitat von George Eliot: „Es ist nie zu spät, das zu sein, was man hätte sein können.“ Ich habe es bestimmt schon einmal erwähnt, denn bis vor Kurzem hätte ich auch immer noch behauptet, dass es im Kern wahr ist. ALLES IST MÖGLICH, wenn man nur WILL, oder? Aber Kate Harding zufolge wird es erst möglich, sein dickes Ich zu akzeptieren, wenn man sein dünnes Fantasie-Ich in die Wüste schickt. Wenn man akzeptiert, dass man DAS nie sein wird. Man wird gegebenenfalls nicht nur nicht dünn sein, man wird womöglich auch keinen Oscar gewinnen, kein zweites Facebook erfinden und auch nicht Bundeskanzlerin werden. Womöglich ist im Leben NICHT alles immerzu möglich, egal wie stark man es will. (Und wenn ich mir so meine Oberschenkel ansehe, dann wird es vermutlich Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen.) Aber das bedeutet nicht, dass gar nichts möglich ist und dass das Leben nicht doch immer noch erheblich besser werden kann, als es ist. Wenn man sich nicht dauernd für das, was man nicht erreicht, bestraft. Und/Oder wenn man etwas unternimmt. Und dafür könnte mehr Energie zur Verfügung stehen, wenn für den Kampf gegen das Fett nicht mehr so viele Ressourcen draufgehen würden.


Wir Sind Helden - Müssen Nur Wollen von EMI_Music

Und selbst wenn man sich entschließt, das Gewicht wieder zu verlieren, ist eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen dünnen Märchenwelt notwendig. Denn Abnehmen allein ist höchstwahrscheinlich nicht die Lösung (wofür auch immer) – und der Effekt, wenn man von der kurzlebigen Euphorie beim Schließen des Reißverschlusses absieht, vielleicht bei Weitem nicht so dramatisch und umfassend, wie ausgemalt.

Kate Harding verabschiedete sich auf ihrer persönlichen Reise zur Selbst-Akzeptanz von der Vorstellung, eine Alpaka-Farm zu betreiben und George Clooney zu heiraten. Einen Fantasie-Heiratskandidaten habe ich übrigens auch:…na, das verrate ich jetzt doch nicht. Man weiß ja nie ; ).

NH

Sonntag, 29. Mai 2011

Wie das Veilchen im Moose...

Bei den Themen Krankheitsrisiko Übergewicht sowie Fett-Akzeptanz laufen mir gleichermaßen regelmäßig die Abonnentinnen weg. Was soll mir das sagen? Beides ist offenbar nichts, womit man einen Blumentopf gewinnt. Ist ja klar. Sonst gäbe es davon ja auch mehr auf Hochglanz-Titelblättern zu sehen. Wäre ich also Redakteurin eines Frauenmagazins, dessen Kampf um die Auflage täglich gefochten wird – was würde ich tun? Riiichtig: Tun, was sie alle tun und noch einen schicken Diät-Plan und noch mehr Motivationstips posten…Oder noch mehr zum Thema Pro Ana, denn das scheint ein echter Renner zu sein. Es stellt sich die Frage, was die meisten neuen Leserinnen hofften zu finden, als sie über die Eingabe des Suchbegriffs Pro Ana via Google bei uns gelandet sind. Ich frage mich auch, wie es mit den Leserinnenzahlen aussehen würde, wenn ich es machen würde wie Kenneth Tong.

Im Jahr 2009 war der Herr Tong sage und schreibe 5 Tage im britischen Big Brother Camp. Der für die Sendung zuständige Psychologe bezeichnete ihn danach als einen „Soziopathen wie aus dem Lehrbuch“. Seine warholschen 15 Minuten im internationalen Scheinwerferlicht verschaffte er sich allerdings, als er Anfang des Jahres bei Twitter eine Kampagne startete, in der er angeblich den baldigen Vertrieb einer „Size Zero Pill“ ankündigte, im Vorfeld von „kontrollierter Anorexie“ schwafelte und fässerweise Häme und Bösartigkeiten über nicht-dünnen Menschen ausschüttete. Was folgte war – wie nicht anders zu erwarten – eine Welle von Empörung. Prominente, allen voran Rihanna, verlangten von Twitter, den gemeingefährlichen Herrn Tong zu stoppen und sein Konto zu sperren. Der hatte innerhalb weniger Tage mehr Presse generiert, als sich vermutlich selbst einer wie er je in seinen wildesten Träumen ausgemalt hätte: Von Grazia, über die Sunday Times bis zum Guardian sprangen sie alle auf den Zug des Soziopathen Tong. Und hätten letztendlich allesamt kostenfrei Werbung für ihn und seine Diät-Pille gemacht. Denn wo viel laute Missbilligung wütete, da war natürlich ebenso viel Neugier, Interesse und Zuspruch – u. a. direkt von der zukünftigen Zielgruppe auf Twitter. Doch Tong beendete das Ganze, bevor der Rummel noch größer wurde, indem er erklärte, es habe sich alles nur um ein „Medienexperiment“ gehandelt, das allerdings erschreckend glatt gelaufen sei. Er distanzierte sich von „Managed Anorexia“ und kündigte an, einer britischen Organisation zur Bekämpfung von Essstörungen einen substantiellen Betrag spenden zu wollen. Die Frage, ob Tong wirklich vorgehabt hatte, eine Size Zero Pill auf den Markt zu bringen, wird ungeklärt bleiben. Wenn das tatsächlich sein ursprünglicher Plan gewesen sein sollte, dann war er längst nicht so skrupellos, wie alle gedacht hatten. Denn er musste schließlich die Küche verlassen, weil es ihm dort zu heiß wurde. Offenbar ist es unter bestimmten Voraussetzungen unmoralisch, Menschen zu sagen, sie sollen dünn werden. Es sei denn, sie sind dick - dann ist es quasi eine Bürgerpflicht. Oder man nennt es „komplette Nahrungsumstellung“. Dann ist es auf so gut wie jeden anwendbar, aber scheinbar längst nicht so anstößig wie Tong’s „You deserve a skinny body“. Ich habe es schon einmal gesagt, aber ich sage es immer wieder gern: Die Küche, die Tong zu heiß wurde, ist die selbe, in der sich Fotoredakteurinnen, Modelagenten und Modeschöpfer Tag für Tag gemütlich einrichten.

Moral hin und/oder her. Das Schuld-Karussell in den Medien dreht sich für alle Körperformen. Zu dick, was immer das ist, ist in der Regel schlecht. Aber zu dünn, was immer das ist, ist es mitunter auch! Wobei hier bei der Bewertung oft schlicht und ergreifend die Platzierung der Kamera den Ausschlag gibt. Wird Angelina Jolie, um deren aderdurchzogene, magere Unterärmchen* sich alle Jahre wieder Journalisten in aller Welt so große Sorgen machen, tatsächlich nun schon seit Anbeginn der Zeit immer dünner und dünner UND kränker und kränker UND gestörter und gestörter? Und wenn ja, wie schafft sie es bloß, dabei am Leben zu bleiben und Filme zu drehen? Oder ist sie seit Jahren einfach nur…dünn? Und wieso können wir sie es nicht einfach sein lassen? Weil wir alle wissen, was gut für sie ist, aber sie einfach nicht hören will? Das kommt der dicken Dame irgendwie bekannt vor. Während die Maßregelung des übergewichtigen Körpers allerdings in der Hauptsache auf echter Abscheu basieren dürfte (sowie auf der Angst und Selbstverachtung des „normalgewichtigen“ Betrachters), ist es beim untergewichtigen Körper vielleicht doch eher Neid. Weil da jemand verdammt nah am medial vermittelten Ideal dran ist. Dass man den eigenen Körper nicht kurzerhand gestalten kann, wie man will, ohne dass man sich rechtfertigen bzw. erklären muss, dürfte auch fast jeder wissen, der jemals eine Schönheitsoperation hat machen lassen. Schönheitsoperationen sind wie Crash-Diäten: Das Ergebnis ist oftmals durchaus erstrebenswert. Der Weg dahin jedoch ist in den Augen des Publikums weiterhin eigentlich unzulässig. Unehrlich. Riskant.

Ein GUTER Körper wäre einer, in dem sein-e Besitzer-in Frieden und Selbstbestimmtheit leben kann, egal was für eine Form er hat. Wer hat so einen Körper? Ich nicht. Nicht weil er dick ist. Weil mir Mut und Kraft dazu fehlen. Noch.

Hilf‘ mir, dünn zu werden, damit ich endlich einmal das Gefühl habe, verdammtnochmal irgendetwas wert zu sein.** Wer hat sich je wertlos gefühlt, weil irgendetwas an seinem Körper zu dick war? Wem kommen solch tiefe Verzweiflung und Verletztheit bekannt vor? Einfach mal die Hand heben…na also. Muss man eine 16-jährige Drama-Königin, um die Dringlichkeit und tiefe Traurigkeit dieses Wunsches zu begreifen? Ich denke nicht.

In den letzten Tagen ist mir gleich zweimal das passiert, was ich vorher eigentlich nur aus den Berichten anderer dicker Menschen kannte – spontane Beschimpfung und Beleidigung durch wildfremde Leute. In Geschäften. Das eine war in der Tat eine Verkäuferin, die sich bei ihrer Kollegin über mich und meine Kleiderwahl ausließ (genau genommen echauffierte sie sich über die Größe des Kleides, das ich kaufen wollte), während ich im Prinzip neben ihr stand. Sie wusste, dass ich sie genau hören konnte. Aber es war ihr egal. Erst begreift man es nicht so recht. Und dann weiß man echt nicht, was man machen soll. Ärgert mich immer noch, aber so war es. Und ich habe nichts gesagt. Nur erstaunt geguckt...Allerdings halte ich mir noch immer die Option offen, ihrem Arbeitgeber mitzuteilen, dass es vermutlich langfristig besser fürs Geschäft ist, wenn das Personal erst dann lautstark über die Kundschaft herzieht, wenn diese die Ware bereits bezahlt hat…Und dann ging ich gestern in ein Möbelgeschäft, weil ich dachte, da sei man sicher vor den Verkäufern – zumindest solange man sich mit seinem Elefantenhintern nicht auf Kinderstühlchen quetscht. Dummerweise hatte ich nicht mit den anderen Kunden gerechnet. Ich ging an einem Tisch vorbei, an dem eine andere Frau auch vorbeigehen wollte. Sie wich dann zwar aus, aber nicht ohne mir etwas entgegen zu zischen, von dem ich nur das letzte Wort verstand: FETT! Erstaunlich wie weh das tut, wenn man ehrlich ist. Und dann ertappt man sich dabei, wie man darüber nachdenkt, dass man doch schon viel fetter war als heutzutage - warum geschieht einem das denn ausgerechnet jetzt? Als ob man es früher eher verdient hätte, so behandelt zu werden. Man sucht doch tatsächlich nach Gründen, oder gibt sich gar selbst die Schuld. Wie ein dickes, fettes Veilchen zieht man beschämt den Kopf ein und versucht, sich im moosigen Schatten unsichtbar zu machen. Nach all der Zeit und der Erfahrung, die man hat. Dabei gibt es nur einen Grund, warum einem so etwas passiert: Die, die da pöbeln, sind Idioten. So einfach ist das. Das nächste Mal, wenn jemand dir als dicker Dame auf welche Art und Weise auch immer nahelegt, dich zu verstecken, dich zurückzunehmen, den Mund zu halten, oder es endlich gut sein zu lassen, verpass‘ ihnen eins – ein Veilchen.

Aber wo wir gerade über Kleider sprechen: Ich bin ja immer noch auf der Suche nach MEINEM Kleid, nach dem Kleid, das wirklich sagt, wer ich bin und das ich TROTZ MEINER GRÖSSE GERN IN MEINER GRÖSSE HÄTTE, aber im Laden nie bekommen werde, so dass ich es werde nähe lassen müssen. Und ich glaube, ich habe es u. U. doch schon gefunden. Vielleicht sogar in Gelb. Aber vielleicht auch eher in Mauve. Da bin ich noch unentschieden. Na, was meint ihr - wie würde das hier wohl in einer Größe 46 aussehen? Die Vorstellung muss man auch erst einmal aushalten, nicht wahr? ; )


Grundsätzlich habe ich ja gesagt, dass ich weiterhin plane, Gewicht zu verlieren. Was allerdings das Rohkostprogramm betrifft...da werde ich nun doch lieber auf Entwarnung warten. Ich hasse eigentlich Panikmache und habe trotzdem schweren Herzens Gurken entsorgt. Aber über den nächsten Salat werde ich dann auch aus gegebenem Anlass den wunderbaren Veilchenessig gießen, von dem ich durch Shushans Blog erfahren habe.

*Ist ganz interessant! Einfach mal googeln: Angelina Jolie veins – der letzte Eintrag auf der ersten Ergebnisseite ist bereits von 2006.

**helpmegetthin.tumblr.com ist ein Pro Ana Motivationsblog

NH

Sonntag, 22. Mai 2011

AUS DEM ARCHIV: Pro Ana - die Religion des Verhungerns


Der folgende Text wurde 2007 bereits bei candybeach.com veröffentlicht - damals (bezeichnenderweise) unter der Rubrik "Body Watch". Er beschäftigt sich mit der Subkultur Pro Ana, deren Ausgangspunkt und Grundlage Magersucht ist. Ich stelle den Artikel hier aus gegebenem Anlass nochmals zur Information für alle Interessierten ein, weil ich gerade an einem neuen Blogpost arbeite, der sich ebenfalls mit dem Thema "Essstörungskultur" beschäftigen wird.

...

„Man kann nie zu reich oder zu dünn sein.“ Wallis Simpsons Zitat ist einfach so wunderbar zickig, ironisch und übertrieben, dass ich es gerahmt und auf meine Fensterbank gestellt habe. Ironie muss man allerdings als solche erkennen und verstehen. Fehlt dieses Verständnis, kann es verdammt unangenehm werden – sowohl für die direkt Betroffenen als auch für das erschrockene Publikum. Das Publikum wäre in diesem Fall ich – und wie es einem manchmal im Kabarett oder bei Zaubervorstellungen passieren kann, besonders dann wenn man in der ersten Reihe sitzt, gerät man leicht in Gefahr, unbeabsichtigter Weise ein Teil des Spektakels zu werden.

Pro Ana (Pro Anorexie) ist kein ganz frisches Phänomen. Die „Bewegung“, deren Anhängerinnen Anorexie nicht (nur) als gefährliche Essstörung verstanden wissen wollen, sondern vielmehr als ästhetisches Manifest und Lifestyle, entstand bereits vor Jahren in den USA und hat sich seitdem mit rasendem Tempo ausgebreitet – auch deshalb, weil nicht geringe Teile des Publikums im Verlauf der Entwicklung in die Show eingestiegen sind – schlicht weil sie ohnehin anfällig und damit leichte Beute waren. Weil sie sich zu dick und hässlich fühlten und davon träumten stattdessen schön und schlank zu sein und die Nahrungsaufnahme des eigenen Körpers endlich unter Kontrolle bringen wollten, um dieses Ziel zu erreichen. Pro Ana macht ihrem Namen alle Ehre und leistet ganze Arbeit im Dienste der Mitgliederrekrutierung und der Verbreitung einer lebensgefährlichen Krankheit – der Magersucht. Es gibt eine eigene Pro Ana Subkultur, die ihre eigenen Symbole hat (Libellen, Schmetterlinge, Feen sowie einen Farb-Code, der anzeigt, ob man Pro Ana (rot) oder Pro Mia (Bulimie, lila) ist) und ihre eigene spezifische Bilderwelt, in der Mode und Märchenromantik mit einer morbide-schicken Szenerie der stilisierten Selbstzerstörung und Verzweiflung kombiniert werden.

„Thinspirations“ – Sammlungen von Bildern von superdünnen Mädchen und Frauen sind ein zentrales Element der Subkultur. Manche Bilder sind zusätzlich bearbeitet, um die abgebildeten Frauen noch abgemagerter aussehen zu lassen. Hervorstehende Beckenknochen und deutlich hervortretende Rippen sind hierbei offenbar von besonderem Interesse. Die Bilder sollen dazu motivieren, „durchzuhalten“ und natürlich immer dünner zu werden. Gleichzeitig schaffen und stützen Sie den grundsätzlichen atmosphärischen Hintergrund für die Bewegung. Pro Ana ist eine weibliche Kultur, und sie romantisiert konsequent das Leiden des ewigen Mädchens in einer rauen, plumpen Welt. Außerdem gibt es da Anas zehn Gebote. Gebot 1 lautet: Wenn du nicht dünn bist, bist du nicht attraktiv. Gebot 2 besagt: Dünn zu sein ist wichtiger, als gesund zu sein. Und - als hätte man es nicht schon geahnt – lautet das 9. Gebot: Du kannst nie zu dünn sein. Die Bewegung hat sogar ihre eigene Ernährungspyramide, der zu entnehmen ist, dass das Hauptnahrungsmittel Wasser sein sollte, gefolgt von Diät-Pillen und Light-Getränken.

Trotz periodischer öffentlicher Aufschreie, wenn das Thema mal wieder zum Thema gemacht wird, blüht Pro Ana weiter. Daran hat auch die Tatsache, dass z. B. Internet-Service-Provider und Suchmaschinen wie Google versucht haben, Pro Ana-Inhalte zu begrenzen bzw. zu entfernen, nicht viel ändern können. Viele der einschlägigen Webseiten schotten sich mittlerweile mit Passwörtern ab, und so manches Pro Ana Forum gleicht einem elitären Club, für dessen Aufnahme man sich bewerben und dann empfohlen werden muss. Die meisten der Pro Ana Internet-Angebote, fordern Besucher auf, sich zunächst eine Erklärung durchzulesen, in der einerseits erklärt wird, dass man nicht wirklich „Pro Ana“ sei, sondern sehr wohl wisse, dass man es hier mit einer Krankheit zu tun hat, die man nicht verherrlichen sollte. Andererseits werden Besucherinnen gewöhnlich aufgefordert, wieder zu gehen, wenn sie nicht schon anorektisch sind, weil der Besuch der Website eine Essstörung „triggern“, also erst hervorrufen könnte. Dass es auf den meisten dieser Seiten nicht um Romantisierung der Anorexie und des Verhungerns geht, sondern um das „Leben mit einer Krankheit“ geht, dürfte mehrheitlich ganz klar eine Schutzbehauptung und somit schlicht nicht wahr sein – ihre optische und auch inhaltliche Ausstattung sprechen zumeist eine andere Sprache. Dass diese Seiten „triggern“, also zu einem Ausbreiten der Magersucht erheblich beitragen, ist hingegen erwiesen.

Nun hatte ich ja eigentlich vor, mich an dieser Stelle auch mal mit Themen zu beschäftigen, die nicht Diät-bezogen sind, aber nun geht es heute doch nicht anders. Denn: Ich sitze in der ersten Reihe – das wurde mir bei der Recherche in der schaurigen Welt der „Pro Ana“ klar. Ich bin eigentlich AUCH immer wieder mit meiner Kleidergröße befasst. Ich würde AUCH gern weiterhin Gewicht verlieren. Ich will AUCH auf keinen Fall wieder zunehmen. Ich wünsche mir AUCH immer mal wieder, meine Selbstkontrolle in Bezug auf Essen wäre verlässlicher und besonders die im Internet zu findenden Pro Ana „Thinlines“, die helfen sollen, diese Kontrolle über den eigene Hunger auszuüben, kommen mir irgendwie bekannt vor: „Nichts schmeckt so gut, wie dünn zu sein sich anfühlt.“ Oder: „Der Unterschied zwischen Wollen und Brauchen ist Disziplin.“ So etwas hatte ich garantiert auch schon am Kühlschrank zu stehen – zumal ich ohnehin eine Freundin der positiven Selbstsuggestion bin. Vor diesem Hintergrund jedoch, muss man doch schlucken. Und ist ein bisschen entsetzt. Ich finde sehr schlanke Körper AUCH schön (schöner als meinen) – und vieles von dem, was den Pro Anas als „Thinspiration“ dient, sehe ich mir AUCH gern an. Jede Frau, die ein Abo für ein beliebiges Hochglanz-Modemagazin hat, tut das. Deshalb ist Pro Ana so erfolgreich und so gefährlich: Weil die meisten von uns ohnehin schon ein wenig Pro Ana sind. Wie gesagt, man muss verdammt gut auf sich aufpassen. Der Weg von der Überesserin zur Nichtesserin, von der einen Essstörung zur anderen ist weniger unwahrscheinlich, als man vielleicht denkt. Ich würde gern schließen mit einem Zitat aus meiner Lieblings-Fernsehsendung „Absolutely Fabulous“: Es muss ein wirklich besonderer Moment sein, wenn Frauen auf dem Friedhof endlich das Gewicht erreichen, das sie immer haben wollten.“ Wallis Simpson war keine Idiotin – sie hat es NICHT ernst gemeint. Wer zu dünn ist, wird sterben. Punkt.

NH

Samstag, 14. Mai 2011

Körper sind politisch!

"Fat Bottomed Girls" von Kim Selling:

"SKINS" Open Mic: Kim Selling from Champ Ensminger on Vimeo.


NH

Eat rice!


So, nun kommt die große Frage: Kann man auch dann noch Fett-Akzeptanz-Aktivistin sein, wenn man dünn ist? Oder ist das, als würde man als Tierschützerin Pelz tragen?

Denn, Kinners, so großartig ich die gerade erst entdeckte Möglichkeit finde, endlich eine stolze dicke Dame zu werden – meine Gesundheit macht mir nun doch in der Tat einen fetten Strich durch die Rechnung. Undefinierte Verdauungsprobleme, Brustkrebsverdacht, polyzystische (ups, Spuckeregen!) Eierstöcke, die offenbar aussehen wie Gewürzgurken, eine Gebärmutter, die in einer nie abebbenden Flut von Östrogen macht was sie will, ächzende Knie, geschwollene Füße und ein Blutzuckerspiegel, der unweigerlich eines schönen Tages zum Angriff blasen wird, wenn ich ihn lasse.

Das Ausmaß der Misere war nicht spürbar. Ich dachte eigentlich, ich wäre halbwegs gesund. Und dann ging ich zum Arzt. Das war vor anderthalb Jahren. Und seitdem bin ich tausend Tode gestorben. Hatte ich mir irgendwie anders vorgestellt. Man könnte sich natürlich einfach dafür entscheiden, zukünftig wieder einen weiten Bogen um jede Arztpraxis zu machen. Theoretisch. Aber wer erst einmal im Panikkarussell sitzt, der steigt da so leicht auch nicht mehr aus. Schon gar nicht bei voller Fahrt. Wenn einem Heerscharen von medizinischem Personal im Team mit Medien und Fachliteratur nahelegen, dass man „das alles unbedingt abklären muss“, damit man sich im Falle eines Supergaus (soll für gewöhnlich heißen Krebs) nur ja nicht um die Möglichkeit einer Heilung bringt, dann springt man nicht mehr ab. Ehrlich, wer soll so viel Mut und Seelenstärke aufbringen?

Panik ist natürlich das Stichwort. Dicke Damen und Herren werden damit ja ohnehin gern übergossen – wie aus Kübeln. Mit Tabascosauce, damit es auch schön brennt. Wir wissen es ja bereits – wir sind alle des Todes (Krebs, Herzversagen, Narkoserisiken, Nierenversagen, Lungenembolien, usw.) – und besonders dicke Damen mittleren und höheren Alters laufen sozusagen stündlich Gefahr vom im Fettgewebe selbstproduzierten Östrogen über die Wupper befördert zu werden. Oder zumindest ordentlich Federn und Eierstöcke zu lassen – so wie ich gestern.

Das Problem ist und bleibt: Nicht Genaues weiß man nicht. Und auf dem Schlachtfeld der wissenschaftlichen Studien wird richtig Dicken wenig Hoffnung gemacht, dass ihr Gewicht nicht doch irgendwann zu Schwierigkeiten führen könnte. Selbst Udo Pollmer, die Stimme der Anti-Diät-Vernunft, legt sich bei einem BMI über 40 lieber nicht fest, und redet stattdessen sehr viel davon, dass ein paar Kilo mehr auf den Rippen besonders bei Senioren eher positiv zu bewerten sind. Was bitte genau sind „ein paar Kilo mehr“? Mein Verdacht ist: Auf die meisten von uns hier trifft weder das eine noch das andere zu. Als Errungenschaft gegen den Diätwahn galt vor zwei Jahren das Ergebnis einer kanadischen Studie (BMI and Mortality: Results From a National Longitudinal Study of Canadian Adults) das besagt, dass man mit einem BMI von 25 bis 29 die längste Lebenserwartung hat. Wobei alles über 25 weiterhin schon als übergewichtig gilt. Eine echte Revolution sähe anders aus. Eine echte Beruhigung auch.

Richard Klein, amerikanischer Literaturprofessor und Autor eines frühen Fett-Akzeptanz-Werkes (Eat Fat, 1996) stellte im Postskriptum seines Buches fest, dass „wenn Fett in medizinischer Hinsicht gefährlich wird und Abnehmen zu einer Frage von Leben und Tod, (…) nur noch eine Entziehungskur“ hilft. Zu diesem Schluss kam er trotz seiner Verehrung für dicke Schönheit, als seine Mutter im Schlaf beinahe an ihrem Übergewicht erstickte, weil es in bestimmten Lagen ihre Lunge zusammendrückte. Was er zu ihr ab da sagte, war:

„Eat rice.“

Kurzum: Ich hätte gern Frieden mit meinem dicken Körper geschlossen. Aber die Entscheidung kam just in einem Augenblick, in dem mein Körper mir, womöglich gerade weil er dick ist, scheinbar keinen Frieden mehr gönnen will. Ich mag keine Lebensangst. Ich mag keine Schmerzen. Ich mag keine Wartezimmer. Ich mag keine Krankenhäuser. Ich will in Zukunft möglichst wenig mit ihnen zu tun haben.

Um auf meine Frage eingangs selbst zu antworten: Die amerikanische Organisation NAAFA (National Association to Advance Fat Acceptance), die bereits seit 1969 gegen die Diskriminierung dicker Menschen kämpft, definiert ihre Ziele so: Unser Ziel ist es, eine Gesellschaft zu erschaffen, in der Menschen aller Körpermaße in allen Lebensbereichen Akzeptanz, Würde und Gleichheit erfahren.

Ich denke, das müsste eigentlich jeder unterschreiben können. Auch jeder, der nicht dick ist.

Nun werde ich also doch wieder dünn. Weil es für mich nicht anders geht. Ich habe vorsorglich den Abdruck meines dicken Körpers auf ein weiteres halbes Dutzend Leinwände gepresst...schließlich ist es nun der Plan, solche Bilder bald nicht mehr produzieren zu können.

Wenn die Fäden sich aufgelöst haben, filme ich dann meine ersten Push-ups - was für eine Freude. ; ) NH

Freitag, 6. Mai 2011

Der Club der dicken Damen

Die Mitgliedschaft kündigen und sich weiter auf der Straße zum Mittelmaß durchhungern, oder einfach Frieden mit dem Fett schließen? Das ist weterhin die Frage. Der Club der dicken Damen ist voll mit großartigen, schönen Frauen. Das hatte ich bisher überhaupt nicht wirklich begriffen. Hier ist jedenfalls als Zwischengang eine sehenswerte Doku zum Thema von Margitte Kristjansson:

The Fat Body (In)visible from Margitte Kristjansson on Vimeo.


ANMERKUNG (hinzugefügt am 15.01.2012): Leider ist an dieser Stelle nur noch der Trailer für den Film zu sehen - und der Erwerb der DVD ist offenbar auch ausschließlich für öffentliche Institutionen (Universitäten, Bibliotheken, etc.) vorgesehen, zu einem unerschwinglich hohen Preis. Eigentlich unverständlich. Sicherlich gäbe es eine große Zahl privater Käuferinnen. So bringt man eine Botschaft jedenfalls nicht flächendeckend unter die Leute. Und verdient vermutlich auch weniger Geld mit diesem Projekt, als man eigentlich könnte (sollte es darum gehen).

Die Website zum Film ist hier: The Fat Body (In)visible Website

NH

Montag, 25. April 2011

Metamorphosen

Umgeben von Ostereiern und mit einem Kopf voll wüster, wilder Gedankenknoten kann schon so Einiges passieren. Ich für meinen Teil habe mich mit Farbe eingerieben und auf Leinwände fallen lassen – eine Übung, die ich nur empfehlen kann. Besonders, wenn man mit dem eigenen Körper mindestens eine Rechnung offen hat und der Ausgang noch mehr als ungewiss ist. Wie runde, bunte Insekten sehen sie aus, meine Bauchklatscher. Wobei es sich bei den Facettenaugen um meine Brustabdrücke handelt. Ich zeige sie auch alle her (die Bilder - nicht die Brüste, jedenfalls ist das im Augenblick nicht Stand der Planung). Hier. Und vielleicht in einer kleinen Ausstellung. Irgendwann in diesem Jahr, wenn die Bilder ganz fertig und ich bereit bin.

Denn die Antwort auf die Frage, wohin die Reise geht, ist so unklar wie nie zuvor. Dick bleiben oder dünn werden? Und ich höre schon alle rufen: GESUNDES MITTELMASS! Oh bitte…WAS soll das sein? Von Mäßigung verstehe ich viel. Denn das tut jede dicke Dame. Beim Essen und auch sonst. Ich sage nur: Dicke Mädchen sind nette Mädchen. Dass mich das besonders gesund gemacht hat, kann ich nicht wirklich behaupten. Wer versucht, gleichzeitig nach Paris und Oberfelsberg zu reisen, der wird nirgends ankommen. Punkt. Bei Experten heißt dieses Prinzip dann ja auch noch immer gern „Der Weg ist das Ziel“.

Es geht bei mir nicht mehr um Kleidergrößen. Es geht um echte, schlotterige, nervöse Selbstidentität. Und ich habe nur fast vier Jahrzehnte gebraucht, um an diesen Punkt zu kommen. Das ist doch mal was. Die Vorstellung, sich wirklich und wahrhaftig gegen eine weitere Diät zu entscheiden, wäre mir noch vor einigen Monaten vorgekommen, wie eine Einladung zur Bata-Illic-Karaoke-Nacht. Jetzt ist das etwas anders.

Was ich NICHT meine: Die Idee vom Dünnsein aufzugeben, „weil man es ohnehin nicht schafft“. Ich rede nicht davon, sich mit leisem oder auch augenzwinkerndem Bedauern „abzufinden“, und „trotzdem“ Freude am Leben zu haben (so nett die Frau Asgodom auch ist). Jeder kann dünn werden. Aber zum ersten Mal in meinem Leben entsteht in mir die Vorstellung, dass es nicht nur ein grotesker Unfall ist, dass ich dick bin, sondern dass es womöglich ein integraler Bestandteil meiner eigenen Identität ist, der gar nicht verändert werden SOLLTE.

(Wenn hier jemand von euch in seiner Entwicklung schon weiter ist als ich – ich freue mich auf jeden Fall über Erfahrungsaustausch: office(at)nicola-hinz(dot)com)

Ferner habe ich unlängst so eine Art Wette abgeschlossen. Zwar werde ich mich nicht mit im Winde wehender Fettschürze vom Dreimeterbrett stürzen, an einem Samstagnachmittag, bei praller Sonne...und es vorher noch mit einem Megaphon ankündigen – aber was ich vorhabe, ist trotzdem eine Art Mutprobe für mich: Ich habe die Aufgabe, im Badeanzug in ein öffentliches Schwimmbad zu gehen, und zwar nicht erst in drei Monaten, sondern möglichst gleich. Das mag albern klingen, aber ich habe das – wie so vieles – seit Jahren nicht gemacht, und auch nicht in meiner aktuellen Größe. Ich hatte gar keinen passenden Badeanzug. Mein Kleiderschrank spuckte nach langem Suchen etwas aus, das mit mir im Augenblick so viel zu tun hat, wie ein Edmund Stoiber mit Rhetorik:


Ich will mich hier nicht schon wieder über die Unbill des Kleiderkaufs in Übergrößen auslassen, aber ehrlich: Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass es vorteilhaft ist, dicken Frauen in Badebekleidung nun zusätzlich so eine Art Gardine (wahlweise mit Fransen oder Pailletten) um den Leib zu schlingen? Da kann man nur hoffen, dass man sich beim Sprung ins kalte Wasser nicht verheddert und sich an den Pailletten schneidet. Aber, jajaja, lassen wir das verbiesterte Gejammer (zumindest für den Augenblick)…ich habe dann ja Glück gehabt, und noch etwas Passendes gefunden.

Krawumm!

Darf ich vorstellen, das wahre Leben. Aber wenigstens in angenehm unaufdringlicher Farbgebung und mit gnädiger Raffung in allen kritischen Abteilungen.

Wenn ich mich u. U. dafür entscheide, nicht mehr abzunehmen, dann muss ich mich so, wie ich jetzt bin, im Badeanzug unter Leute wagen. Und Leute gucken womöglich. Aber ich werde mich selbstverständlich NICHT dafür entscheiden, nie mehr an einem öffentlichen Ort ins Wasser zu gehen…
Vielleicht übe ich ja erst einmal an einem einsamen See……Bei Nacht. ; ) NH

Dienstag, 12. April 2011

Der Tanz der dicken Dame

Oh, hier ist etwas Sehenswertes! Den Tanz einer dicken Dame (bzw. des englischen Comedy-Stars Katy Brand):



Echten Hüftschwung gibt es eben da, wo Hüften sind! ; )

NH

Sonntag, 10. April 2011

Sauregurkenzeit

Kinder, wie die Zeit vergeht. In gut 8 Monaten ist schon wieder Weihnachten…Jaha, sagte da eine Freundin, aaaber vorher kommt ja nun doch noch der Sommer…egal wie viele Rettungsringe man zu viel hat.

Darum hier eine weitere Smoothie-Erfindung aus meiner Testküche zum Thema „Trink dich schön, bevor es andere tun“, die übrigens viel besser schmeckt, als ich selbst vorher erwartet hätte.

Gurkenkönigin

1 Salatgurke
1-2 Stangen Rhabarber (gut geschält! : ))
ca. 100 g gelbe Cherrytomaten
2 EL Rapsöl
2 EL Agavendicksaft
1-2 EL Apfelessig
100 ml Mineralwasser
ca. 6 frische Minzblätter
Salz
Pfeffer

(reicht für 1 bis 2 Portionen)


Dummerweise ist wieder mal etwas dazwischengekommen, und ich werde vielleicht schon wieder eine Blog-Pause machen müssen.

Sollte ich mich in den nächsten Tagen also nicht blicken lassen, heißt das allerdings NICHT, dass es auch eine Diät-Pause gibt. Das Ziel bleibt: Ich will mich in diesem Sommer im Badeanzug ertragen können und mich hinaus ins wilde Leben trauen. Entweder, weil ich so viel abgenommen habe, dass ich mein Spiegelbild in Ordnung finde, oder weil ich mit dem, was ich im Spiegel sehe, auch bei hohem Gewicht leben und mich so akzeptieren kann. Ich halte es für möglich, dieses Ziel zu erreichen – hoffentlich könnte ich nicht ebenso gut wieder anfangen, an den Weihnachtsmann glauben. ; )

Ach, und wer es nicht gesehen hat – hier eine interessante Fernsehrunde zum Thema Übergewicht mit der Autorin Sabine Asgodom. Danke an Rena für den Hinweis.

SWR Nachtcafé

NH