Donnerstag, 3. April 2014

Idiotenfund

"Mein Name ist Thomas Grau. Ich bin Idiotenjäger und stets auf dem Weg zum nächsten Idiotenfund."*

 
Niemand - also, zumindest niemand, der noch alle Hühner auf dem Hof hat - käme wohl auf die absurde Idee, einer Person mit dunkler Hautfarbe den Rat zu geben, doch endlich aufzuhören, sich über die sowohl offene als auch unterschwellige Diskriminierung aufgrund besagter Hautfarbe zu beschweren, weil diese Abweichung von in dem jeweiligen Kulturkreis gefühlten Majoritätsnormen ja schließlich nicht die Schuld derer sei, die diskriminieren.

Niemand, der halbwegs bei Vernunft ist, würde einem Menschen mit dunkler Hautfarbe nahelegen, sich diese bleichen zu lassen, um "normal" und damit nicht mehr das Opfer von Diskriminierung zu werden. Obwohl das natürlich sehr wohl geht. Und im Klima eines globalen Schönheitsrassismus, der untrennbar mit der Vorherschaft westlicher Schönheitsideale verknüpft ist, natürlich auch überall geschieht. Um prominente Beispiele zu finden, muss man nicht lange suchen: Auch Beyoncé und Rihanna waren scheinbar nicht immer ganz so blass wie heutzutage. Zudem werden weltweit tausendfach Nasen schmaler operiert, Lippen verkleinert und Schlupflider verändert, damit die Gesichtszüge westlich-kaukasischen Vorbildern gleichen.

Auch würde man wohl kaum jemandem, der von rassistischer Diskriminierung betroffen ist, dazu raten, sich einfach nicht um die feindliche Welt da draußen zu kümmern, und sich stattdessen schlicht selbst zu lieben, weil es dann offenbar egal ist, ob man täglich die öffentliche, mediale Verächtlichmachung und Stigmatisierung der eigenen Person aushalten muss, geringere berufliche Aufstiegschancen hat, etc. Möglicherweise hilft ein dickes Fell, die individuelle Situation besser zu meistern - eine Lösung des Problems an sich ist sie keinesfalls.

JA, ABER FETT...

...ist etwas ganz anderes als Hautfarbe/Geschlecht/Behinderung/sexuelle Orientierung, oder? Am Fettsein ist man ja selber SCHULD. Das ist kein Schicksal, das ist das weithin sichtbare Ergebnis einer FALSCHEN Lebensführung. Wären Dicke nicht so faul, dumm, trotzig, deviant, etc., würden sie sich anpassen. Und abnehmen. Oder sie hätten es gar nicht erst so weit kommen bzw. sich so gehen lassen. Und müssten dann auch nicht rummaulen, dass sie Benachteiligung erfahren.

Sizeism, die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer Körpermasse, gilt als die letzte gesellschaftlich noch immer hinreichend und weitgehend akzeptable Art der Selbsterhöhung auf Kosten anderer. Dicken gegenüber darf man sich noch immer klar überlegen fühlen und dieses auch unmissverständlich zum Ausdruck bringen. Es handelt sich einerseits um ästhetische, aber natürlich vor allem um moralische Überlegenheit. Eben aus den oben dargelegten, wenn auch reichlich schattigen Gründen. Wer sich selbst durch sein "Fehlverhalten" über die Grenzen des "Normalen" und "Richtigen" katapultiert, lädt Schuld auf sich. Schädigt gar das Gemeinwesen. Und gehört ermahnt. Am besten pausenlos. Das bringt dann auch das eigene Selbstwertgefühl so richtig ordentlich voran.

Natürlich sind die Gründe für ein hohes Körpergewicht vielfältig. Natürlich sind Körper ohnehin verschieden. Natürlich kann nicht jeder schlank werden, wenn er nur diszipliniert genug ist. Natürlich ist ein besonders hohes Gewicht oftmals gerade das Resultat jahrelanger Diäten, also quasi des verbissenen Kampfes um "Normalität". Aber im Grunde ist das alles vollkommen unerheblich. Denn Dicke schulden niemandem Rechenschaft für ihr Dicksein. Was die Gesellschaft ihnen allerdings schuldet, ist das, was sie allen Menschen aufgrund ihres Menschseins schuldet - Gleichbehandlung und Respekt.

Bei Blog-Posts, in denen es um Diäten oder Sex geht, verdreifacht sich hier regelmäßig die Klickzahl. Insbesondere die Kombination der Stichworte "Vorher" und "Diät" im vorangegangenen Beitrag war in dieser Hinsicht ausgesprochen erfolgreich. Wollte ich dieses Blog zu alter Blüte puschen, müsste ich vermutlich einfach nur wieder von meinem Diät-Alltag erzählen, meine Sit-ups filmen, pfiffige, kalorienarme Snacks erfinden und Graphiken über meinen Gewichtsverlauf erstellen.

Das alles werde ich selbstverständlich nicht tun.

Trotzdem - in einer essgestörten Gesellschaft gehen Diäten immer. Fünfundreißig Prozent aller Diätassistentinnen in Österreich sind ja schon geradewegs auf dem Weg in die Orthorexie**- wäre doch gelacht, wenn das für den Rest der Weltbevölkerung nicht auch zu schaffen ist. Und kaum eine Frau, in der das Thema Ernährung nicht zumindest gedanklich die Missionarin hervorbringt (ich nehme mich hier nicht aus). Denn über RICHTIGE Ernährung wissen wir alle Bescheid. Und unser Gott ist in der Regel größer als all die anderen - insbesondere dann, wenn wir gerade mit irgendeiner hinreichend komplexen Methode ein paar Kilos losgeworden sind.

In einer essgestörten Gesellschaft herumzuerzählen, dass Diäten langfristig dick machen und statistisch sogar die Lebenszeit verkürzen, und dass Ernährungsrichtlinien mitunter schneller veraltet und für die Tonne sind, als wir den Nährwert von Magerquark nachschlagen können***, ist, als ob man sich auf einer Tagung Wiedergeborener Christen dazu aufschwingt, seine Zweifel bezüglich der Wahrscheinlichkeit einer unbefleckten Empfängnis durch ein Megaphon zu brüllen. Die Chancen auf einen Rausschmiss stehen gut. Das ändert jedoch nichts daran: Starre Ernährungsvorschriften sind Religion. Kollektive Gewichtskontrolle ist Religion. Womit wir dann auch geradewegs wieder bei dem Konzept der Schuld wären.

Denn was ist schon Religion ohne Schuld? Was von Dicken gefordert wird, ist selbstverständlich keine Anpassung an eine statistische "Normalität". Die Realität in Deutschland ist, dass die meisten von uns (mehr als die Hälfte) schon längst als "übergewichtig" verbucht werden. Die "Normalität", die durch Missachtung, Anfeindung und Respektlosigkeit erzwungen werden soll, ist ein kulturelles, ideologisches Ideal****. Es ist, um genau zu sein, Fiktion. So wie die unbefleckte Empfängnis halt. Und dient zur moralischen Selbsterhöhung. So wie Scripted Reality im Nachmittagsfernsehen.

Körperfett hat nichts, aber auch nichts mit Moral zu tun.

Soviel dazu.

NH


*Google Werbespot. Herr Grau jagt eigentlich "Meteoriten", aber jeder versteht nur "Idioten".
**Orthorexie ist der krankhafte Zwang, sich "gesund" zu ernähren, wobei die selbstgesteckten Regeln immer strenger werden. Ich beziehe mich hier auf eine Studie von Wissenschaftlern der der Universität Innsbruck und der Medizinischen Universität Wien, veröffentlicht in der Ernährungs-Umschau 52 (2005) Heft 11 S. 436-439
***z.B. Rajiv Chowdhury (Cambridge University) et. al. - Studie zum Einfluss von tierischen Fetten auf die Herzgesundheit (vor wenigen Tagen veröffentlicht)
****Joyce L. Huff "Access to the Sky" in The Fat Studies Reader (New York University Press, 2009)

Kommentare:

  1. Ich hoffe Du nimmst es mir nicht krumm, aber ich finde Deine Posts in letzter Zeit sehr einseitig. Diäten sind doof, alle anderen sind auch doof und Ärzte sowieso. Wie soll denn eine Gesellschaft mit dem Problem der Fettleibigkeit umgehen? Ist Akzeptanz von einem ungesunden Lebensstil ein erstrebenswertes Ziel? Müssten nicht viel mehr auch bald Fettlebern auf Schokolade gedruckt werden? Und sind nicht auch Dicke genau so gehässig, wenn sie einen noch Dickeren sehen oder schmunzeln milde über den Jogger, der an Ihnen vorbeihechelt?

    Ich gebe Dir völlig recht, dass Diäten und auch der Zwang nach Gesundheit falsche Wege sind, aber auch als selbst dickes Mädchen kann ich eine wohlwollende Akzeptanz dieses Zustandes nicht gut heißen. Diabetes als Volkskrankheit ist nur einer der Gründe warum eine Gesellschaft ein massives Übergewicht nicht tolerieren darf. Und ja, der Mensch als Rudeltier ist darauf gepolt andere Rudelmitglieder auf seine Fehler aufmerksam zu machen. Besser wäre es natürlich die Menschen an die Hand zu nehmen und so zu unterstützen wie sie es wollen und brauchen. Und da würde auch ein ganz anderes Thema ansetzen: Nämlich Ursachenforschung, denn wie Du richtig sagtest gibt es unterschiedliche Gründe und mir fällt keiner ein, der ein guter Grund wäre. Fettleibigkeit wird doch eigentlich immer aus schlechten Gründe geboren [Kummer, Stress, Verzweiflung, Überforderung, Unkenntnis, Faulheit, usw.] - wie soll das dann glücklich machen?

    Dennoch empfinde ich es so als ob es durchaus ein Umdenken gibt und Diäten immer mehr als Schwachsinn enttarnt werden.

    Selbstakzeptanz unbedingt und auch in schweren Zeiten, aber die Verherrlichung von massivem Übergewicht - Nein Danke.

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  2. Ich tue mich - selbst stark übergewichtig - sehr schwer mit Fettakzeptanz. Natürlich sollte man niemanden aufgrund körperlicher Merkmale diskriminieren. Allerdings finde ich es problematisch Übergewicht in eine Reihe mit Behinderungen, Hautfarbe, etc. zu stellen.

    Denn das Problem ist nunmal, dass es sich hier nicht nur um optische Konformitätszwänge in der Gesellschaft handelt, sondern, dass gesundheitliche Probleme ab einem bestimmten Grad an Übergewicht vorprogrammiert sind.

    Hier muss man einfach unterscheiden zwischen Frauen in 38/40, die sich - plakativ gesagt - ein Thigh Gap erhungern wollen, um dem Laufstegschönheitsideal zu entsprechen und echtem Übergewicht.

    Für mich ist das bei mir selbst (BMI über 40) längst keine optische Frage mehr. Mich stören die körperlichen Einschränkungen enorm. Und wie du selbst erfahren musstest, hat man ein sehr hohes Risiko für metabolische Erkrankungen. Deshalb setze ich mich natürlich auch sehr viel mit Ernährung auseinander und bin ständig damit beschäftigt, weil ich mein Gewicht reduzieren möchte.

    Die gesundheitlichen Zusammenhänge das Übergewicht betreffend kann man ja nicht einfach ignorieren. Mir ist da der Spagat zwischen Fettakzeptanz (Nehmt auf keinen Fall ab, akzeptiert euch wie ihr seid!) und den gesundheitlichen Folgen noch nicht so ganz klar. Wie händelst du das denn nun?

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  3. Selbstakzeptanz ist für mich der einzige Weg mit Anfeindungen irgendwelcher Natur klarzukommen. Es gibt immer Menschen, die eine nicht sein lassen können. Wegen dem Geschlecht, dem Gewicht, der Hautfarbe oder warum auch immer. Es gibt immer einen Grund. Für mich schliesst Selbstakzeptanz Veränderungen am Ich nicht aus. Hass aber ist doch keine Lösung. Weder Fetthass, noch Fremdenhass, noch Selbsthass noch Hass auf "die Gesellschaft".

    LG Anne

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    1. Mir ist wichtig, dass ich nicht als Phrasendrescherin rüberkomme. Ich habe mich 34 Jahre meines Lebens als abgelehnt und nicht ok empfunden. Teils Folge meiner Erziehung, teils Folgen von Mobbing und anderen Vorfällen. Der Blick der anderen auf mich bestimmte über mein Wohl und Wehe. Seit kurzer Zeit merke ich, wie sich da was ändert. Die Fremdbestimmung in meinem Kopf nimmt ab! Scheiss drauf was andere als richtig für mich befinden! Es ist ein unbeschreibbar schönes Gefühl. Ich wünsche dir, dass du das auch erfahren kannst.

      Lieber Gruss
      Anne

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  4. Ich weiß nicht, wie das bei Euch ist – aber ich persönlich habe nicht das Gefühl, dass die Chefredakteurin, die dieser Tage die nächste Frühjahrsdiät aufs Cover ihrer Publikation hievt, irgendein Interesse an unserer Gesundheit hat. Sie hat nicht einmal ein Interesse daran, dass wir endlich schön und glücklich (weil dünn) werden. Das kann sie doch auch gar nicht, weil sie davon lebt, dass wir versagen, versagen, versagen. Denn wenn wir aufhören, uns mies zu fühlen, und unser Bedürfnis an Hilfe zur Selbstoptimierung sinkt, kann sie ihren Laden womöglich bald zumachen. Wer sich OK findet, ist keine gute Konsumentin mehr. Und Käuferschichten aus Männern heranzuzüchten, die bereit sind, ähnlich hohe Summen ausgeben wie Frauen, wenn es um die Verbesserung der eigenen Person geht – das wird vermutlich noch ziemlich lange dauern.

    Gesundheit ist eine sehr komplexe und individuelle Angelegenheit. Ob und wann jemand eine Krankheit bekommt kann tatsächlich niemand wirklich vorhersagen. Trotzdem tun wir gern so, als ob wir es könnten. Die unbedingte Koppelung von Dicksein an Krankheit hat jedenfalls nichts mit der Realität zu tun. Sie wiederspricht insbesondere den wissenschaftlichen Erkenntnissen der letzten Jahre, und man würde denken, dass dieses zumindest Anlass zum gesellschaftlichen Innehalten und einem Überdenken der Lage geben würde. Auch die Tatsache dass das verbissene gesellschaftliche Bekämpfen des Fettes eher zu seiner Vermehrung beizutragen scheint, müsste einem doch eigentlich Kopfzerbrechen machen. Aber das alles geschieht nicht wirklich. Oder nur am Rande. Und die Frage ist doch, warum? Meine Vermutung wäre abermals: Es geht halt nicht um Gesundheit. Die Sorge um die Gesundheit wildfremder Menschen ist Vorwand und Totschlagargument zugleich. Es geht um den Erhalt einer gesellschaftlichen Transferfläche für negative Selbstwahrnehmung. An irgendwem muss man es ja auslassen – was immer man eben so auszulassen hat.

    Meine Sicht ist folgende: Wenn man sich wirklich um die Gesundheit der Bevölkerung sorgen würde, würde man statt Ernährungsrichtlinien Aktionen für gegenseitige Akzeptanz in die Welt bringen. Man würde dem Fitness-Stress ein Ende bereiten, indem man Menschen endlich nicht mehr pausenlos ermahnt, gesünder und dünner zu werden, weil ihnen sonst Schreckliches blüht. Denn Stress macht in der Tat krank - und dick. Man würde runde Kinder rund sein lassen und dafür sorgen, dass sie in einem Klima von Toleranz groß und stark werden, denn das Ende von Scham und Schuld ist der beste Schutz davor, immer mehr Gewicht zuzunehmen. Und wer seinen Körper nicht Tag aus Tag ein als zu bezwingenden Gegner wahrnimmt, hat vielleicht auch mehr Freude, für ihn zu sorgen. Ach, und wenn man wirklich daran interessiert wäre, dass alle sich abwechslungsreich ernähren, dann würde man dafür sorgen, dass auch alle über genug Mittel verfügen, dieses zu tun.

    Abgesehen davon finde ich selbstverständlich, dass jeder mit seinem Körper machen sollte, was er will. Es liegt mir im Prinzip auch fern, andere erwachsene Menschen davon abzuhalten, Diäten zu machen. Woran mir am meisten gelegen ist, ist die Anerkenntnis, dass Abnehmen einen nicht automatisch zum besseren, gesünderen und schöneren Menschen macht.

    Liebe Grüße
    Nicola

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  5. @Anne

    Selbstbestimmung und Selbstakzeptanz sind bestimmt die Schlüssel zur eigenen Zufriedenheit, aber auch zu gesellschaftlicher Veränderung, dieser Überzeugung bin ich auch unbedingt.

    Aber ich bin ja zusätzlich auf Krawall gebürstet ; ). Ich habe extrem viel Wut (was ich nicht schlimm finde, weil Wut einen auch antreibt), sowie ein ausgeprägtes Bedürfnis, diese zu äußern. Und natürlich bin ich auf die gesellschaftlichen Umstände verdammt wütend. Wir dicken Mädchen werden schließlich nicht mit dem Programm geboren, dass wir hässlich und verbesserungswürdig sind. Selbstverachtung ist kein natürlicher Teil von uns. Die bekommen wir doch erst später ins Gepäck geschmuggelt. Vielen von uns wurde/wird das Leben so streckenweise zur Hölle. Ohne Grund. Ohne Verstand. Darauf kann man doch nur wütend sein. Und ja, ich würde mir sehr wünschen, dass sich hier insgesamt endlich etwas Entscheidendes ändert.

    Liebe Grüße
    Nicola

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  6. Nicola, was den Part mit den Lifestylezeitschriften und Frühjahrsdiäten angeht, gebe ich dir vollkommen Recht. Aber das war nicht der Punkt, um den es mir ging. Die Marketingabteilungen von Liga-Produkten interessieren sich bestimmt mehr für mein Portemonnaie als für meine Gesundheit.

    Aber wie sieht das bei mir persönlich aus? Ich persönlich kann meinen dicken Körper niemals akzeptieren und annehmen wie er ist. Weil ich weiß wieviel besser ich mich bewegen könnte, wenn ich schlanker wäre. Ich fühle mich oft nicht wohl in meinem Körper unabhängig davon, was nun "die Gesellschaft" meint. Und so sehr ich mich auch dagegen wehre, merke ich, dass es mir mit weniger Kilos gesundheitlich deutlich besser geht.

    Und nun nochmal meine Frage: Wie lässt sich das mit der eigenen dicken Selbstakzeptanz vereinbaren? Wie kann ich einen Zustand annehmen, indem ich mich eigentlich nicht wohlfühle?

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  7. Seit Wochen muss Frau E aus B mit jeder Viertelstunde haushalten und hat das Bloglesen stark beschränkt und sich das Kommentieren verboten.

    Doch jetzt draf kurz mal etwas raus:


    Sei so, wie du sein willst und nicht so, wie es von dir erwartet wird.
    Sei der Krawallherd einer fetten Revolution, wenn du es so willst - es wird das Richtige sein.


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  8. Ich tue mich auch etwas schwer mit der Gleichsetzung von Hautfarbe und Körpergewicht. Aber sei es drum. Letztlich wäre für mich die Frage, was mehr Kraft/Zeit/Lebensenergie kostet - das Abnehmen oder der Kampf um die dicke (Selbst)Akzeptanz.
    Für mich selbst waren meine beiden übergewichtigen Lebensphasen die unglücklichsten. Ich war dick, weil ich traurig und frustriert war, weil ich mir selber egal war. Ich wurde nie wirklich wegen meines Gewichts gemobbt, trotzdem war ich mir sicher, dass ich damit nie glücklich werden würde. Ich hätte mich selbst belogen, wenn ich mir das eingeredet hätte. Ich wollte nicht so aussehen. Ich fand es nicht schön - egal, ob es Männer gibt, die sowas toll finden. Und eigentlich auch egal, ob die neuesten Studien sagen, Übergewicht ist gar nicht so schlimm. Für mich war das.
    Bitte nicht missverstehen: Wenn jemand aus tiefster Überzeugung dick bleiben will, sich so gut und schön findet - super. Aber die These, dass alle Dicken glücklicher werden, wenn sie sich nur so akzeptieren wie sie sind, finde ich eben so nicht zutreffend.
    LG
    Jess

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  9. @Barbara

    Wenn es dir gesundheitlich viel besser geht, wenn du abnimmst, dann nimm' ab! Das meine ich total ernst. Wenn die emotionalen und körperlichen Mühen einer Diät gegen die Vorteile des Leichterwerdens geringer wiegen, dann werde leichter.
    Ich denke bei Fettakzeptanz geht es darum, so dick bleiben zu können, wie man ist, WENN MAN WILL, ohne mit Benachteiligung und ständiger öffentlicher Abmahnung leben zu müssen. Und dicke Selbstakzeptanz hat natürlich vorrangig auch sehr viel mit der Überwindung von Schönheitsdiktaten zu tun.

    Vielleicht ist in der Zwischenzeit ja auch ein Blick auf die Möglichkeiten von HAES(Health At Every Size) ganz lohnend.

    Liebe Grüße
    Nicola

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  10. @Frau E aus B

    Na, da bin ich ja beruhigt, dass Sie mal wieder vorbeischauen! Haben Sie denn meine "Besprechung" der "Friseuse" gesehen?

    "Fette Revolution" - Ha, das wäre wohl meine meine Antwort auf die Frage: Wovon träumst du eigentlich nachts?" ; )

    Liebe Grüße
    Nicola

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  11. @Jess

    Ich verstehe natürlich, was du meinst. Und ja, Rebellion kostet Kraft. Aber sie verteilt ihre ihr eigenen Belohnungen, wenn sie gelingt.

    Liebe Grüße
    Nicola

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  12. "Riot, don't diet!"

    Grundsätzlich bin ich ja für (Diät-)Rebellion und vor allem seit sich das Frauen/Körperbild in der Gesellschaft immer mehr Richtung size zero bewegt.
    Da frage ich mich dann oft schon, w o Fettakzeptanz beginnt... bei Normalgewicht, Übergewicht oder erst bei Adipositas?!
    Und warum eigentlich darf/soll sich eine übergewichtige Frau nicht in chicen Klamotten zeigen?!
    Warum tauschen selbst Hersteller, die für Oversize-Mode bekannt sind, Schaufensterpuppen mit Gr.42 in Puppen mit Gr.38 um und zeigen ihre Modelle an idealgewichtigen Models mit der Begründung, sich ein zeitgemäßeres Profil, sowohl in Bezug auf die neue Kollektion selbst als auch in der Außendarstellung geben zu wollen...??!!!
    Die Models haben durchwegs Top-Maße und werden zur Not virtuell mit Photoshop optimiert.
    Vielleicht sollten gerade die Mode-Hersteller UND Medien mit dem Umdenken ganz schnell anfangen ....

    bucusa

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  13. @bucusa

    Wer hätte gedacht, dass aus uns eines Tages Diät-Rebellinnen werden, oder? : )

    Und ja: Erstaunliche Begründung für dünne Models in Mode für Dicke - man fragt sich, was der Begriff "zeitgemäß" hier wohl wirklich zu bedeuten hat.

    Wobei - bei den trutschigen Scheußlichkeiten, die da oft noch immer im Schaufenster hängen, kommt es auf den Körperumfang der Puppe so oder so nicht an - also, was jetzt die "zeitgemäße" Präsentation angeht. ; )

    Liebe Grüße
    Nicola

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  14. Werde mich gefällig durch die letzten Artikel wühlen, um wieder auf dem neuesten Stand zu sein und für die Osterferien die Candybeach-Flatrate buchen. :-D

    E aus B

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  15. @Karin

    Ja, du hast offenbar ein dickes Fell. Nicht gerade, wenn du aus Frust isst, offenbar...Aber sonst wohl schon. Da hast du Glück. Wenn es so ist.
    LG
    Nicola

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  16. Ich denke nicht, dass das nur Glück ist. Vielmehr das Ergebnis harter Arbeit und stetiger Auseinandersetzung mit dem Thema “wenn ich nicht ändern kann, was und wie ich bin, warum zum Henker sollte ich mich von meiner Wirkung auf andere so sehr beeinflussen lassen?“ Wichtig ist mir eigentlich nur, wie ich mit mir selbst klarkomme. Ob andere mich lieber anders sähen, das ist nicht meine Baustelle. Ich lege Wert darauf, nett, höflich und zuvorkommend mit meinen Mitmenschen umzugehen. Optisch zu gefallen oder dem Mainstream anzugehören interessiert mich nicht. Dennoch halte ich nicht (aus vorgenannten Gründen) die Fett-Fahne hoch und kämpfe um Anerkennung dicker Menschen allgemein oder meiner Person insbesondere nur im Hinblick auf meine hervorstechendste Eigenschaft. Zuerst einmal muss man den Kampf gegen sich selbst gewinnen, das kostet schon genug Kraft. Und wie gesagt, mit Glück allein gewinnt man den nicht. Aber das ist ein Kampf, den es sich lohnt zu kämpfen.

    Karin

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  17. Selbstakzeptanz hilft nur, mit sich selbst im Reinen zu sein. Die Gesellschaft ändern kann man aber - vor allem argumentativ - so nicht. Da müsste irgendeine Plattheit in die diversen Journaillen - und von da in die Hirne - vordringen, welche auch noch die letzte Dumpfbacke versteht. Die Idee mit der Religion wäre vielleicht was. Man könnte ja Herrn Calmund kreuzigen und ihn als Flusspferd auferstehen lassen (das lässt sich leicht faken). Und schon haben wir vielleicht so eine Art "Bomber-Messias".

    Ich habe aufgehört, missionieren zu wollen. Wer mich nicht so mag, wie ich bin, kann mich mal.
    Ich bin dick. Die sind doof. Ich könnte abnehmen.

    Basta!

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