Donnerstag, 14. August 2014

Follow me around 5: Und du so?



Schweigen.

Mal wieder. Und ich hatte geahnt, dass es so sein würde. Aber irgendwann hätte ich die Traurigkeit und die Enttäuschung ohnehin aushalten müssen. Und ich hatte mich entschieden, es hinter mich zu bringen. Trotzdem fühlt(e) es sich an wie Ersticken. Kein Lufthauch. Kein Augenzwinkern. Keine Erlösung. Nur grimmige Zurückweisung und unbezwingbarer, gleichförmiger, bitterer Ernst.

Oh, mein hübsches Ei, es ist mir zerbrochen! Beim Putzen der Schale. Ich hatte seine Haltbarkeit überschätzt, obwohl ich es natürlich mittlerweile hätte besser wissen müssen. Manchmal will man einfach so sehr, dass etwas funktioniert. Man würde auch alles Mögliche tun, wenn man nur wüsste, was. Aber egal, was man dann tut, man gräbt irgendwie nur immer weiter an der Grube, in der man ohnehin schon sitzt. Und man kann es einfach nicht begreifen: WARUM NICHT VERDAMMT, WARUM KLAPPT DAS HIER NICHT?!?

Und als ich dann hineinsah, in das Innere des Eis, war da gar keiner mehr. Nur eines von diesen großen, grauen, altmodischen Tonbandgeräten. Das Band war abgelaufen, und bei jeder Umdrehung klackte das schleifende Ende. Leise.

Crazy Cat Lady

Und nun? Sucht die dicke Dame weiter nach der Liebe. Was sonst? Obwohl das für mich selbst im Augenblick ein etwas nebliger und anstrengender Gedanke ist. Aber es ist gut für das Blog. Denn dann gehen mir die haarsträubenden Geschichten vermutlich so bald nicht aus. Es sei denn, ich sollte womöglich doch mal Glück auf dem Gebiet haben. Ich rechne jedoch nicht mit Wundern. Fürs Erste habe ich einen neuen Profilnamen bei Finya.de: CrazyCatLady. Der Popkultur-Archetyp der wunderlichen  Frau ohne Anhang - damit kann ich mich selbstverständlich erstklassig identifizieren. ; )

Wie ich bereits des Öfteren berichtet habe: Sex ist im Internet leicht zu kriegen. Auch und vor allem für dicke Frauen. Liebe ist natürlich nicht leicht zu finden. Aber sie ist schon etwas Großartiges. Ich habe eine junge Freundin, die einen sehr anstrengenden Job aber gleichzeitig äußerst ambitionierte finanzielle Ziele hat. Sie baut unter ziemlichen persönlichen Einschränkungen und sehr diszipliniert an der Zukunft mit ihrem Lebensgefährten. Liebe trägt - und zusammen ist man offenbar erstaunlich stark, vorausgesetzt natürlich, dass man auch wirklich zusammengehört.

Live und in Farbe

Ihr Beruf ist Camgirl. Knochenarbeit, wenn man mich fragt. Als ich allerdings hörte, wie viel sie damit verdient, sah ich mich im Internet ein wenig um. Und dann habe ich mir Gedanken über die verschiedenen Ebenen gemacht, die hier tatsächlich zu betrachten / zu erfahren wären. Mich interessiert ja immer die Kommunikationsdynamik. Dann sind da Macht- und Geschlechteraspekte. Wer hat da die Macht? Zahlende Männer oder bezahlte Frauen? Wie viel Respekt bringen die Kunden mit? Dann geht es, klar, um Sexualität und wo / wie sie sich darstellt. Wie prägt die Tatsache der Bezahlung die Begegnung? Was, wenn die Kundschaft so richtig nett ist? Was, wenn sie ein Kotzbrocken ist?

Und wenn ich ganz ehrlich bin: Als ich vor ein paar Tagen mit meiner Freundin und einer ihrer Kolleginnen über die Reeperbahn geschlendert bin, kam ich mir neben den beiden hochsichtbaren, hochsexuellen, superschlanken, halb so alten Frauen mal wieder vor, wie ein altes, krümeliges Stück Toast. Ein fades, frisch vereinsamtes und leicht tragisches Es. Auch hier kommt das Experimentieren vor einer öffentlichen Kamera ins Spiel und zwar im Hinblick auf Selbstakzeptanz. Wenn mich in einer Bar schon keiner anspricht, und auf der Straße keiner guckt, würde trotzdem jemand dafür bezahlen, mit mir zu flirten? Dass jemand Geld dafür bezahlen würde, meinen Körper live anzusehen, da bin ich mir mittlerweile ziemlich sicher. Wenn er auf Fett steht - natürlich! Sei es drum.

Ich habe mich dann ohnehin gegen den Teil mit dem Strippen entschieden. Man muss halt seine Grenzen kennen. Aber flirten / reden kann man jetzt mit mir. Für Geld. Gut, vermutlich nur ein paar Male. Auf jeden Fall verfüge ich nunmehr über ein Konto bei LiveJasmin.com. In wahrer Performancekunst-Manier habe ich mich für diesen Profilnamen entschieden: TheKissingBooth. Und ich werde dann auch noch Öffnungszeiten für meine Kussbude festlegen. (Kann ich ruhig erzählen. Traut sich vermutlich eh' keiner, den ich kenne, womöglich mal vorbeizukommen. ; )) Darüber hinaus habe ich inzwischen bereits Visionen davon, Männern in Hamburgs Innenstadt vor einer Kamera für Küsse Geld zu bieten. Das wäre dann wahrscheinlich der Tag, nach dem ich mich fortan ALLES traue.

Bei LiveJasmin.com gibt es neben den regulären Strip-Angeboten die Kategorien "Flirt" und die noch züchtigere "Freundschaft". Wer in diesen arbeitet, darf sich vor der Kamera nicht ausziehen. Ich dachte mir, das dürfte für den von mir angestrebten Erkenntnisgewinn ausreichen. Außerdem haben Besucher die Möglichkeit, die Camgirls live zu sehen und über das Chat-Fenster anzusprechen, bevor sie sich für einen kostenpflichtigen Privatchat entscheiden. Ein wenig wie die Schaufenster in der Herbertstraße. Mein erster potentieller Kunde meldete sich und sendete über den Gratis-Chat ein Herzchen, als ich gerade mit nacktem Gesicht, wüstem Haar und im alten Schlafanzug aus Versehen online war, weil ich eigentlich  nur mal die Funktionen ausprobieren wollte. Ich klickte panisch auf "Exit". Blöd irgendwie. Das hätte immerhin mein erster Verdienst als ein Teil der Erotik-Industrie sein können. Und das ganz ohne Erotik.

Mit der Arbeit als Stripperin vor der Kamera verhält es sich aus meiner Sicht übrigens wie mit allen Dienstleistungen, die von Frauen im Sexgeschäft mehr oder weniger direkt am Kunden erbracht werden. Ich finde, Frauen sollten gefälligst auch das GANZE GELD kriegen, das sie bei solchen Tätigkeiten erarbeiten. Als ich meine Freundin am Abend an ihrem Arbeitsplatz absetzte, lernte ich ihren Agenten kennen...Wäre sie meine Tochter, was sie, wie gesagt, durchaus sein könnte, ich hätte sie unter keinen Umständen dort bleiben lassen.

Wenn meine Mutter hier und da mal nachfragte, was ich denn mit einem Philosophiestudium zu guter Letzt beruflich machen werde, antwortete ich ihr immer, Pornostar oder Auftragsmörderin. Woraufhin sie ihre Augen rollte und seufzte. Aber das Abbilden des eigenen Körpers in Bewegung und bestimmten Situationen ist heute sozusagen Teil meines Selbstakzeptanzprogrammes. Und gut Ding will Weile haben, aber irgendwo in der Weite des Internets ist es nun soweit...was für ein Glück, dass ich nicht daran glaube, dass sie von einer Wolke auf mich herab sieht. Ich bekäme kein Auge mehr zu. ; )

NH

Kommentare:

  1. Hallo Nicola,

    ich verkörpere das wunderbare Klischee der CrazyBirdLady :D
    Und bin (Dauer-)Single.
    Du bist also nicht allein!

    Herzliche Grüße
    Andrea

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  2. Jetzt muss ich aber doch echt lachen: Diese Aktion im alten Schlafanzug vor der Cam - das hätte soooooo ich sein können!!
    Finya?? Kenn ich - war ich auch! Oftmals ist es ermüdend und langweilig gewesen - immer dieselben Gesichter und so. Aber manchmal findet man sich irgendwie doch ;)
    Und zu den Eingangsworten: Es tut mir echt leid für Dich :( Trennungen sind immer scheiße. Jedenfalls am Anfang.

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  3. @Andrea
    Wir brauchen ein Club-Abzeichen und ein Motto! ; )

    @Helma
    Ich war schon lange nicht mehr bei Finya. Ich hoffe, es gab inzwischen mal eine frische Lieferung. ; )
    Von Trennung könnte man vermutlich nur reden, wenn es auch ein Zusammen gegeben hätte. Es war aber eher ein fortwährend misslingender Versuch (meinerseits). Leider.


    Liebe Grüße
    Nicola

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