Sonntag, 26. April 2015

Das gelbe Kleid - revisited

Das gelbe Kleid hatte ja in den letzten Jahren immer wieder mal seinen Auftritt. Es begann mit meiner Suche nach meinem Wunschkleid, dann folgte der Wunsch, ich könnte es in meiner tatsächlichen Größe bekommen und schließlich mit dem Kauf dieses Kleides, das meinem Wunschmodell zumindest ziemlich nahe kam und damals tatsächlich in einer Größe 50/52 zu haben war.

Das Kleid ist ein Symbol und Begleiterin auf der jahrelangen, oft mühsamen Reise zu dicker Selbstakzeptanz. Die Aufgabe war immer, das Kleid, wo es nun sogar schon in meiner Größe existiert, auszuführen und so richtig SICHTBAR zu werden. In langen zeitlichen Abständen habe ich es aus dem Schrank geholt und immer mal wieder anprobiert. Warten musste das Kleid auf seinen großen, öffentlichen Auftritt allerdings bis heute. Anlässlich dieses Ereignisses habe ich mich bemüht, eine meiner sehr seltenen und eher holprigen OOTD-Produktionen auf die Beine zu stellen.

Mittlerweile habe ich allerdings auch begriffen, dass das Kleid eben nicht nur für ein dickes Ich eine Herausforderung ist, sondern dieses auf für eine dünne Nicola wäre. Es verschiebt sich bei jeder Bewegung. Es ist durchsichtig. Es wird nur durch zwei klitzekleine Knöpfe und zwei Schläufchen aus Fädchen zugehalten. Der Ausschnitt ist sehr tief, klappt leicht auf und ist im Prinzip unberechenbar, wenn man nicht alles extra-gründlich zubindet. Obwohl ich mit Nacktheit heutzutage kaum mehr Probleme habe - die sehr reale Gefahr, mitten auf der Straße oder bei einem Kunden im Büro plötzlich im Schlüpper dazustehen, ist keine angenehme Vorstellung, egal ob dick oder dünn. Man muss es halt dann auch endlich begreifen: Dieses perfekte Kleid ist nun einmal gar nicht perfekt für ein echtes Leben. Und obwohl ich das Kleid (besonders die Farbe) noch immer sehr mag, hat sich mein Geschmack wohl auch etwas verändert. Mein perfektes Kleid sähe heute womöglich doch ein wenig anders aus. Auf jeden Fall hätte es weniger Eigenleben. Mal sehen, vielleicht mache ich mich noch einmal auf die Suche.

Heute habe ich nun den Rat befolgt, den mir  eine Leserin bereits vor Jahren gab: Ich habe unter dem Kleid Vorrichtungen installiert, die unerwünschtes Nackigmachen verhindern. Leggings und ein langes T-shirt. Was ich dabei außerdem festgestellt habe, ist, dass ich mich durchaus an den Anblick meiner Beine, (insbesondere auch der Knie und Oberschenkel) in farbigen Strümpfen gewöhnen könnte. Das ist u. U. mal etwas, was ich zukünftig öfter in die/der Welt tragen werde.

Ansonsten ist zwischen dem gelben Kleid und mir alles wie sonst auch - wir sind beide ungebügelt.



Kleid: alt, von Manon Baptiste
Schuhe: alt, Primark UK
Leggings: weiß nicht mehr
T-shirt: sehr alt, H&M
Kette, alt, ZARA
Armreif: alt, Topshop London






Links: Badezimmerspiegel-Selfie mit Dreckwäsche und Gerümpel. Rechts: Die Entdeckung der eigenen Oberschenkel.















© Nicola Hinz 2015

Kommentare:

  1. Ihr seht toll aus! Das Kleid. Und du. Super, mehr davon.

    VG Edda

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  2. Ahhh, das gelbe Kleid! Endlich wieder!

    Mein allererster Gedanke: Verdammt cooler Look. Gerade mit dem farbigen "Drunter" und den Schuhen. Damit würd ich sowas von auf die Straße gehen.

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  3. Diese Schuhe! Nichts gegen das Kleid, aber diese Schuhe! Wow. Die sind toll. Das Kleid auch. Ich mag diese Wickelkleider sehr und habe auch 2-3 davon. Praktisch habe ich sie aber noch nie solo getragen. Immer Jeans drunter, alternativ ne Leggins und für obenrum ein Top. Diese Kleider gelten zwar als das Figurwunder für kurvige Frauen, aber wie sich die Frau in diesen Dingern bewegen soll, ohne halbnackt rumzustehen, das habe ich noch nicht rausgefunden. ;)

    Wunderbare und sehr sympathische Bilder übrigens.

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  4. Das viertletzte und das vorletzte Bild - die sind einfach nur geil.
    Das grüne T-Shirt knallt fast noch besser als das Kleid ;)

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  5. Ich finde das Kleid toll! Und habe schon bei der Lektüre des ersten Beitrags dazu gegoogelt und frustriert festgestellt, dass es nicht mehr erhältlich ist. Super-Hingucker! Und mit Leggings und Shirt dann auch kundentauglich ... was, wie du richtig schreibst, nicht Frage des Gewichts, sondern der jäh entstehenden "Offenherzigkeit" ist.
    Fazit: zieh das Ding an ... es steht dir fabelhaft!!!
    (Und solltest du es online irgendwo mal in 46 ... wenns klein ausfällt auch 48 ... sehen ... Nachricht bitte!!! Ich stelle mir das gerade über einer schwarzen Marlene-Hose mit einem langen Zebra-Schal vor ...)
    Liebe Grüsse von RRP

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  6. Hallo Nicola,
    eine wunderschönes Frau in einem
    wunderschönen Kleid.....
    Trau Dich, es auszuführen!
    Liebe Grüsse
    Margie

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  7. Jaaaa... Mut zur Farbe... du siehst toll aus und passt da perfekt in die Kulisse vor deinem Kunstwerk (an das erinnere ich mich ja aus einem vorherigen Posting). Mir gefällt das grüne T-Shirt ja besonders gut und, wenn ich das so anmerken darf, das schreit doch nach einem OOTD für den FattieFashionFunChallenge... da ist nämlich das Thema im Mai GRÜN :-)
    Ansonsten habe ich für neue Lieblingskleider Lindybop entdeckt... ich bin so dermaßen begeistert, dass ich ganz freiwillig Werbung mache, wobei das natürlich Geschmackssache ist.
    Liebe Grüße!

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  8. @ALLE


    Danke Ihr Lieben für all das Feedback und die Komplimente. Das Kleid und ich haben uns sehr gefreut! Ich glaube, es wird Zeit, dem Kleid seine eigene Kolumne zu geben... : )

    Liebe Grüße
    Nicola

    P.S. In GRÜN habe ich tatsächlich auch noch so Einiges, was noch nie auf der Straße mit mir spazieren gegangen ist.

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  9. Liebe Nicola,

    endlich habe ich mal auf deinem Blog nachgeschaut und finde gleich diesen tollen Blogpost mit fantastischen Bildern, wow!

    Schön, dass wir uns in Berlin getroffen haben :)

    Liebste Grüße an dich!
    Magda

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