Sonntag, 11. Oktober 2015

THE THIN PRIVILEGE PROJECT - Der Auftakt

So dick sehen wir uns nicht wieder. Jedenfalls nicht in den kommenden Monaten.

Ich weiß, wie es ist, dick zu sein. Denn die meiste Zeit meines Lebens galt ich als dick, oder war es tatsächlich. Ich habe "a fat mind", und ich verwende einen englischen Ausdruck in Ermangelung eines treffenderen auf Deutsch. Ich werde in meiner Interaktion mit der Welt von einem inneren, dicken seelischen und weltsichtlichen Programm gesteuert. Ich sehe alles durch eine "dicke" Brille. Daran ist nicht Verwunderliches. Wer im Kindergarten seine erste Diät macht, dem ist diese naturgemäß irgendwann auf der Nase festbetoniert. Im Unterschied zu früher, weiß ich nun, dass sie da ist, und wo sie herkam.

Ich weiß tatsächlich nicht, wie es ist, dünn zu sein. Das ist mir, wie so vieles, erst in letzter Zeit klar geworden. Aber es ist wahr. Denn ich war als Dünne immer ohne Bewusstsein. Buchstäblich wie gelähmt. Im Kopf weiter dick. Weiterhin auf der Flucht vor Spiegeln, bzw. auf Kriegsfuß mit meinem Äußeren und was meine Behandlung durch andere anging, zumeist mit nach innen gerichtetem Blick und mit der Decke über den Kopf gezogen, wie ein Kind in Gespensterangst.

Ich erinnere mich schon an plötzliche Komplimente und an das Gefühl großer, unter bitterer Entbehrung erstrittener Erleichterung, die sich hauptsächlich aus der Vorstellung speiste, dass ich dünner auch nicht mehr so unangenehm auffallen würde. Stolz war ich trotz des gewonnenen Kampfes gegen meinen eigenen Körper auf mein Post-Diät-Ich in der Regel eher nicht so sehr. Und mit den Komplimenten hatte ich immer Probleme und nahm sie eher zur Kenntnis als an - für gewöhnlich mit innerlich schnaubender Indignation und dem Gedanken: "Das könnt Ihr euch jetzt auch dahin schieben, wo die Sonne nicht scheint."

Obendrein war ich als Erwachsene ohnehin nie lange genug am Stück gleich dünn, um mich im Land von Thin Privilege einzurichten und genau umzusehen, oder um überhaupt zu begreifen, dass ich dort jetzt, zumindest theoretisch, wohnte.

Das hole ich jetzt nach. Wenn ich es schaffe.

Immer wieder mal ziehen sich dünne Leute im Rahmen eines Experiments für einen Tag einen Fat Suit an. Meistens sind sie hinterher demonstrativ erschüttert über die Behandlung, die sie als künstlicher Moppel erfahren haben. Ich kann mir immer gar nicht vorstellen, dass der Unterschied, insbesondere in so kurzer Zeit, so deutlich und offensichtlich wahrnehmbar ist. Ich bin als Dicke im Leben wenig persönlich gehänselt oder beschimpft worden - auch als Kind nicht. Meine Erfahrung dicker Stigmatisierung war immer eher dadurch geprägt, unsichtbar zu sein, ignoriert zu oder still gemieden zu werden. Leute haben hinter meinem Rücken über mein Fett geredet. Das heißt nicht, dass es auf mich keine Auswirkungen hatte.

Ich werde nun mein eigenes Experiment machen und versuchen, mir einen Thin Suit zuzulegen. Wie anders ist es wirklich dünn(er) zu sein? Wie anders wird man behandelt? Wie wird man wahrgenommen und gespiegelt? Wie viel leichter ist es, sich Gehör zu verschaffen, sich durchzusetzen oder Zustimmung zu erwirken? Wie viel freundlicher, interessierter und aufmerksamer begegnen einem andere Menschen? Wie viel mehr kann man sich erlauben, ohne automatisch die Sympathie anderer zu strapazieren/verlieren?

Thin(ner) Privilege

Thin Privilege steht für die Existenz von Bevorzugung und Vorteilen, die Menschen erleben, weil sie dünner sind als andere. Ebenso umfasst es die Abwesenheit von Stigmatisierung und Diskriminierung, die dicke(re) Menschen im Gegensatz erfahren, weil sie eben dick(er) sind. Tatsächlich greift Thin Privilege in Abstufungen: Eine dünnere Dicke kommt eher in den Genuss von Bevorzugung als eine dickere Dicke. Thin Privilege funktioniert, wenig überraschend, ganz genau dem selben Grundsatz folgend, wie unsere fettphobische Gesellschaft/Kultur auch: Je dünner desto besser.

Mehr Informationen, Beispiele und eine gründliche Erläuterung des Konzeptes "Thin Privilege" gibt es hier: This is Thin Privilege.

Versuchsaufbau

Es geht hier nicht darum, sich doch endlich all das zu holen, was einem als dicker Menschen alles entgeht. Das Ziel ist nicht, sich Vorteile zu verschaffen, indem man sich nun doch anpasst. Das ist schon deshalb nicht so, weil ich ja gar keine rechte Kenntnis habe, was mich erwarten könnte. Wie gesagt, ich leide unter ziemlicher Amnesie, was die Außenwelt in meinen dünnen Zeiten angeht. Es geht darum, heute zu guter Letzt zu begreifen, was für Vorteile Thin Privilege überhaupt mit sich bringt, und wie weitreichend sie sind. Es geht, genau genommen, um die Einschätzung des Ausmaßes der Benachteiligung, der ich als Dicke im Alltag in sämtlichen Lebensbereichen ausgesetzt bin und war, indem ich mir die Erfahrung des Gegenteils aus erster Hand verschaffe.

Für all das muss ich abnehmen. Klar. Das an sich bedeutet ja mittlerweile keinen totalen Bruch mit meinen Grundsätzen mehr, weil ich im Bemühen, meinen Zuckerwert unter Kontrolle zu bringen, gezwungenermaßen ohnehin seit geraumer Zeit möglichst wenige Kohlenhydrate esse und mein Gewicht nach und nach reduziere. Für das Experiment wäre es allerdings günstig, etwas schneller Gewicht zu verlieren. Idealerweise sollten Leute die Veränderung plötzlich und deutlich mitbekommen und keine Zeit haben, sich graduell daran zu gewöhnen.

Wie viel dünner muss ich wohl werden, um Thin Privilege zu erleben? Nun, auch das werde ich auf diesem Wege wohl herausfinden. Ich weiß ja, wie man abnimmt. Das wissen schließlich alle Dicken. Und natürlich weiß ich alles über die Risiken. Nicht zuletzt bin ich mir über die fette Chance auf einen erneuten Clash mit Jojo sehr wohl bewusst. Und erst die Haut, oh, die Haut, die bei all dem Auf und Ab immer so leidet... Trotzdem - die Diät wird hier nicht zu Thema werden. Jedenfalls nicht im Hinblick darauf, wie ich abnehmen werde. Höchstens könnte ich die psychischen Auswirkungen stark reglementierter Ernährung thematisieren, denn auch hier gilt das, was für das Dünnsein ebenso stimmt: Ich habe nie wirklich darauf geachtet, was eine Diät mit der Seele eigentlich alles macht. Am liebsten war es mir bei Diäten natürlich immer, dass die Seele möglichst wenig Theater veranstaltet. Das ist ja auch, wie ich heute vermute, das berühmte "Klick", das es einem erlaubt, eine Diät durchzuhalten: das Klicken, wenn sich die rebellische Seele selbst ausknipst.


P.S. Und morgen nun Speed Dating. Und ich hab keine Ahnung, was ich anziehen soll. Oh Göttin...


NH

Kommentare:

  1. Bin sehr gespannt auf das Experiment.Nach meiner Erfahrung ist es nicht so, dass die Anerkennung proportional zu den abgeworfenen Pfunden wächst etc.. Egal wie viel man abgenommen hat, wird man nach wie vor als übergewichtig mit allen "Folgen" angesehen, außer man hat es in das Lager der Untergewichtigen geschafft. Dann spielen jedoch Merkmale wie hängende ehemalige Fettschürze, große Nase etc. eine Rolle. Man ist immer als "Ehemalige" erkennbar und damit Außenseiter. Besonders schlimm sind Komplimente, meist aus der nahen Umgebung, für die Abnehmleistung; man habe es "geschafft".Ja was denn? Dabei ist man der selbe Mensch wie vorher, nur kann man möglicherweise schneller zum Bus rennen....
    Wie gesagt, interessant.

    Petra, bisher stille Leserrin

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  2. Ganz unabhängig von deinem Experiment möchte ich doch mal einwerfen, dass "je dünner desto besser" definitiv nicht stimmt und auch nur das Ergebnis eines gefärbten Blicks auf die Realität darstellt. Tatsächlich ist es so, dass jede Abweichung von der Norm abgestraft wird, gleich, ob diese Abweichng zu viel oder zu wenig bedeutet. Ich kenne eine Mutter, deren Sohn ist von Natur aus sehr dünn und wurde jahrelang deswegen extrem gehänselt, was dazu geführt hat, dass sie heute ernsthaft davon überzeugt ist, dicke Menschen hätten es gesellschaftlich gesehen leichter als zu dünne. Was natürlich Quark ist, aber noch einmal verdeutlicht, dass nicht das "zu viel" das Problem ist, sondern das "nicht wie alle anderen sein".
    Von daher fürchte ich, dass dein Projekt nicht wirklich funktionieren wird, weil dieses Thin Privilege zu kurz greift. Dünne Menschen haben keine Vorteile, weil sie dünn sind. Die Studien, die ich kenne, belegen nur, dass Menschen, die als attraktiv wahr genommen werden, es tatsächlich in bestimmten Situationen leichter haben. Da fällt das Dünn sein natürlich mit rein, weil es bei uns allgemein als Teil von Attraktivität gesehen wird, aber das kannst du nicht einfach umdrehen - dünn allein macht noch keinen attraktiven Menschen. Das wäre dann auch wieder nur der Blick durch die dicke Brille: wenn ich erst mal dünn bin, wird alles ganz anders (also viel besser) - Lebensmotto und Tragik fast jeder diätgebeutelten Dicken.

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  3. Man wir dünn definitiv von der Umgebung anders behandelt, sei es im Klamottenladen, von der Familie, Freunden , Arbeitsplatz und nicht zuletzt von den Männern. Die Frage ist nur, werde ich anders behandelt, weil weniger Kilos oder weil meine Ausstrahlung eine andere ist, das Selbstwertgefühl durch die 'Leistung' des Abnehmens gewachsen.
    Ich kenne beide Seiten, nun seit fast 10 Jahren wieder die dicke,die sich im Moment mal wieder verringern will.
    Allerdings muss ich dazu sagen, dass es mit fortschreitendem Alter trotz hohem Gewicht mit dem Selbstwert und der Ausstrahlung besser wurde. Ich fühle mich als dicke 50 jährige wesentlich akzeptierter als als junge Übergewichtige. Kommt da die Freiheit des Alters hinzu? Oder sollte ich tatsächlich mit der Zeit gelernt haben, mich 'trotzdem' zu mögen und strahle das aus? Wer weiß das schon... Vor zwei Monaten war ich allerdings so unglücklich über die Schnauferei, die stetig wachsenden Hüftpolster und weil ich mir in den Kopf gesetzt habe, Zara-Klamotten tragen zu wollen (Haha, Zara geht bis 42, wobei die 42 eher eine 38/40 sein soll) , dass ich wieder einmal beschloß, abzunehmen. Bei mir also kein Experiment mit ideologischem Überbau, sondern pure Eitelkeit. Und aus Gesundheitsgründen. ;)
    Schönen Sonntag!
    Elke

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  4. " Das ist ja auch, wie ich heute vermute, das berühmte "Klick", das es einem erlaubt, eine Diät durchzuhalten: das Klicken, wenn sich die rebellische Seele selbst ausknipst."

    Beim lesen deines Blogs und oben genannten Satzes ist mir gerade aufgefallen, dass es sich bei mir genau umgekehrt verhält:
    Der berühmte "Klick", der es mir ermöglicht, eine Diät = Lebensweise durchzuhalten (am liebsten natürlich für immer), knipst eigentlich jedesmal wieder den rebellischen Teil meiner Seele an.
    Vielleicht aber auch liegen meine Streifzüge durch sämtliche Kleidergrößen von 38 bis 46 lediglich am Ungleichgewicht zwischen Kalorien-Aufnahme und Verbrauch.

    Herzliche Grüße
    bucusa

    P.s.: Wie war dein speed-dating?!

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  5. Hm, dein letzter Blogeintrag macht mich doch ein wenig traurig. Es wirkt auf mich, als ob das Thema Fettakzeptanz nun völlig über Bord wirfst und dich nun doch wieder dem Diätregime unterwirfst. Ich habe dich immer dafür bewundert, dass du offensichtlich den Ausstieg aus dem Hunger-Hamsterrad gefunden hast. Aber ich glaube, dass dieser Wunsch, endlich dünn zu sein, sich eben doch nicht wegargumentieren lässt. Egal wie oft einem der Verstand sagt, dass es unvernünftig und kurzsichtig ist einem Ideal nachzulaufen, das nicht zu einem passt.

    Ich glaube, dass eine meiner Vorschreiberinnen sehr recht hat. Es geht nicht allein darum dünn zu sein. Ein wenig Attraktivität gehört wohl auch dazu. Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass das thin Privilege wohl vor allem von Menschen wahrgenommen wird, die sich den "du hast so ein hübsches Gesicht" - Spruch als Dicke anhören durften. Ich habe viel mit Adipositas-Operierten zu tun und da ist die Wandlung durchaus sehr unterschiedlich. Nicht jeder wird dünn automatisch auch attraktiver.

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  6. Dieser Text ist so interessant, daß ich ihn seit zwei Tagen im Hinterkopf spazierentrage. Ist es okay, wenn ich meine eigenen Gedanken dazu in meinem Blog festhalte? (Und entsprechend verlinke, natürlich.)

    Viele Grüße von Betsi, der bunten Kuh

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  7. @Betsi

    Selbstverständlich - lass die Gedanken frei! : ) Ich bin natürlich auch sehr gespannt, sie dann zu lesen.
    Liebe Grüße
    Nicola

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  8. Hmhm...Dünn war ich ja noch nie wirklich, hatte aber mal eine ausgeprägte Diätzeit. Mit Sport und WW habe ich 20kilos abgenommen. Das wars dann aber auch.Meine Güte hab ich mich gequält, weil ich unbedingt unter 100 Kilo kommen wollte.Mein Normgewicht nach hirnrissiger Tabelle wären 80kilo. Nach einem 1 Jahr Dauerstress mit Sport, gerne auch mal täglich 7-10 km joggen und minimal Zufuhr an Nahrungsmitteln und einer komplett ruinierten Hüfte hab ich es eingestampft.
    Ich hätte keinen Bock mehr mich zu quälen, und ich hatte keinen Bock mehr auf mein Gewicht reduziert zu werden.Vorher war ich dick, aber niemand hätte sich je erdreistet mich auf offener Straße derart exaltiert auf meine "tolle Diät, wieviel hast du denn verloren, also ich möchte ja auch schon lange, wie machst du das denn genau, also echt Wahnsinn was du schon alles abgenommen hast..." Blablabla angesprochen.
    Ich fand DAS echt dröge.Wie als wenn es eine Megamordsleistung wäre.Natürlich ist das anstrengend, aber unter uns Kriegsjournalisten oder Ärzte in Krisengebieten leisten wirklich mal was.
    Schlussendlich hatte ich eine grösse 44, auch da gab es natürlich mehr Klamotten, aber ich mag garnicht so aussehen wie alle anderen. ..
    Ich hab schon immer genäht,weil ich eine eigene Idee von Kleidung habe.Und DAS hat mich schlussendlich frei gemacht von diesem Körperoptimierungswahn. Ich muss nicht mehr in engen,stickigen Kabinen rumhängen und mich in Dinge quetschen die ich eigentlich eh nicht will, ich muss nicht mehr verschämt und eigentlich unüberzeugt Kleidung kaufen, die sich irgendein Jemand ausgedacht hat, der keine Ahnung von Bequemlichkeit hat,oder in Nichtfarben die ich öde finde.
    Ich kann mich durch mein Selbermachen so gestalten wie ich das möchte,und mir für mich vorstelle .Und dadurch das ich mich wohl fühle in meiner Kleidung, verliert die Vorstellung davon wie andere mich finden könnten völlig an wert, da ich mich so mag, in dem was ich trage.
    Ich bin völlig frei davon mich in Bilder pressen zu müssen, die sich andere von mir als Dicker ausgedacht haben könnten..
    (Was sie wohl tragen will, in diesem Herbst die arme dicke Frau ? Hmm wie wäre es mit Teddybärendruck auf lila, das
    macht so schön freundlich ...)

    Erst als ich das begriffen habe, habe ich aufgehört mich dauernd und ständig beobachtet und dick und nicht in Norm passend zu fühlen. Ich nehm das wirklich kaum noch war, und ich bin immer noch dick und gross und hab eine sehr tiefe Stimme.Das wird sich nicht ändern. Natürlich gibt es Momente wo ich körperlich gern fitter wäre, aber das ist kein Gewichtsproblem, unfit ist man auch wenn man dünn ist und nur faul auf der Couch abhängt.

    Und ich finde dich jedenfalls wunderschön.
    Liebe Grüße
    Stella

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  9. Diese Entscheidung bewegt hier viele Leserinnen. Klar, manche befürchtet, dass du sozusagen vom Glauben abfällst - weil Dünnwerdenwollen ja "böse" ist ...;)

    Was gibt es anderes zu sagen als: dein Leben - deine Entscheidung. Sieh es spannende Reise - mit Glück ein bisschen näher zu dir und dem, was du bist, hin.

    Ja, es ist schade, dass du das "schlanke Leben " seinerzeit nicht so bewusst wahrnehmen konntest. Egal. Machst du das jetzt.

    Ich fand diese Erfahrung, wenngleich ich mehr schlanke als dicke Zeiten hatte, sehr spannend. Und ja - bei mir hat es viel verändert.
    Ich war ein dünnes Kind, ein dicker Teenager, dann ein verbissen ehrgeiziger und darum bald schlanker Teenager, eine schlanke ( aber nie zufriedene, weil nicht "dünne" ) junge Studentin, dann eine nach unterdrücktem Frust dicke ( Größe 46) Anfang 30igerin, die nach der ersten echten Ernährungsumstellung eine schlanke bis dünne Mitt- und heute Endreissigerin wurde.

    Metamorphose mit Nebenwirkungen, die ich so vorher nicht auf dem Schirm hatte und die innerlich viel zum Wachstum beigetragen haben.

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  10. @Petra

    Herzlich willkommen in der Kommentarspalte! : ) Interessant was du sagst: Aus dem Status der "Anderen" kann man sich gar nicht heraushungern. Das würde sich ja tatsächlich irgendwie mit den Erfahrungen decken, die ich Leben bisher nach Gewichtsverlust hatte. Wir werden sehen.

    @Tilia

    Na also, wenn der dünne Sohn deiner Freundin eine Tochter wäre, ein irgendwie "apartes" Gesicht hätte und 1,80 groß wäre, könnte sie ihr Studium damit finanzieren, auf Laufstegen in Frühjahr und Herbst Kleider auf Laufstegen vorzuführen. Sie wäre auch nicht wie alle anderen, sondern "besser". Leider besagen die Studien, die ich kenne, dass dicke Menschen z.B. weniger verdienen als nicht-dicke. Ihnen wird nicht nur unterstellt, dass sie hässlich sind, sondern auch all der andere Kram: Faulheit, Dummheit, Langsamkeit, Krankheit. Und bei Thin Privilege geht es genau um all das.

    @Elke

    Ja, die Freiheit ist eine wirklich großartige Sache. Ich hätte das nie gedacht, aber ich freue mich jetzt schon darauf, wie egal mir die Meinung der Welt erst in dreißig Jahren sein wird. ; )

    @bucusa

    Und wie lange fühlst du dich da so für gewöhnlich am Stück "angeknipst"? : ) 38 bis 46 ist ja eine ziemliche Spanne, besonders wenn man sich innerhalb von kurzen Intervallen hin und herbewegt. Bericht zum Speed-Dating folgt. : )

    @Anonym

    Kein Grund zur Traurigkeit. Ich werfe doch Fettakzeptanz nicht über Bord, ich habe Erkenntnisbedarf und Forscherinnendrang. Das ist der Grund, warum ich Vieles tue, was eigentlich gar nicht so viel Spaß macht. Ob es klappt, steht eh noch in den Sternen. Wie viel ich abnehme auch. Ich habe längst nicht mehr den Wunsch "endlich dünn zu sein". Ich habe allerdings schon, wie immer wieder mal berichtet, den Wunsch, meinen Zuckerwert unter Kontrolle zu bringen.

    @Stella

    Ja, du beschreibst das, was ich gern noch mal aus erster Hand beobachten würde. Und ich würde Menschen auch gern mit ihren Prioritäten konfrontieren. Dass man sich womöglich nur grämt über positive Reaktionen, kann ich mir gut vorstellen Das habe ich in der Vergangenheit auch schon. Man erfährt dann eben endlich, wie scheiße die Welt einen vor der Gewichtsabnahme gefunden haben muss. Dass ich dich sehr um deine Fähigkeit, Kleider selbst zu kreieren und herzustellen, habe ich ja schon gesagt. : )

    @Anonym

    Dass die Entscheidung bei wirklich sehr vielen Leserinnen des Blogs Befürchtungen wachruft, glaube ich nicht wirklich. Seien wir mal ehrlich - bei den meisten habe ich bestimmt nicht bewirkt, dass sie ihre eigenen Diätbemühungen endlich und für immer aufgeben. ; ) Natürlich ist es auch legitim, abnehmen zu wollen, aber sich in der Zwischenzeit als Dicke etwas besser und und mutiger im eigenen Körper zu fühlen - und darum ein Blog wie meins zu lesen. Ich mache mir jedoch mittlerweile nur noch wenige Illusionen, was die "Radikalisierung" Dicker und die Verbreitung echter Fettakzeptanz angeht.


    Vielen Lieben Dank für Euer Feedback und herzliche Grüße
    Nicola





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  11. Schade, dass du es nicht schaffst fat acceptance nicht selber schaffst zu leben.
    Dabei meine ich gar nicht sein Experiment, ich bin selbst ein großer Freund von Selbsterfahrungsexperimenten (habe die vor kurzem mit der Prostitution gemacht).

    Aber wenn du ehrlich zu dir selbst bist, ist dir klärt, dass du es machen willst, um dünner und damit weniger diskriminiert zu sein.
    Du hast dein fettes Ich nie akzeptiert, dann wärst du auch wie du bist attraktiv. Dem Attraktivität hängt nicht mit dem Körpergewicht zusammen, sondern viel mehr mit Ausstrahlung, die man bekommt, wenn man sich wohl in seiner Haut fühlt. Und genau das ist fat acceptance.

    Diesem Eindruck habe ich unter anderem, da du schreibst, als dünner Mensch würde man weniger unangenehm auffallen.

    Liebe Grüße trotzdem,
    Miria

    Ps. Bin auf deine Berichte bezüglich deines Experiments gespannt.

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  12. @Miria


    Mir und anderen Dicken sagen zu wollen, was mir "klar würde", wenn ich nur "ehrlich zu mir wäre" hat eben gerade etwas weiter oben auf diesem Blog zu einem ziemlichen Boxkampf geführt. Lass uns hier nicht wieder von vorn anfangen.

    Die Vorstellung, dass Schönheit von innen kommt und eine Frage von "Ausstrahlung" ist, ist eine zutiefst romantische, aber hat leider nichts damit zu tun, wie "Schönheit" gesellschaftlich gemessen und bewertet wird. Die Schönheit, die alle haben wollen, weil man damit in unserer Welt am besten fährt, und die uns fast objektiv definierbar erscheint, ist weitgehend ein Ergebnis aus Sehgewohnheiten, Körperpolitik und kultureller Prägung.

    Mit Verlaub, wenn Claudia Schiffer jemals von ihrer Ausstrahlung hätte leben müssen, hätte sie im Pappkarton schlafen müssen, denn sie ist für ihre holzige und eher spröde-farblose Persönlichkeit bekannt. Sie ist ein Top-Model gewesen, weil sie bestimmten, geltenden Attraktivitätsparametern (über)entsprach, noch eine Prise Apartheit/Abweichung im Aussehen hatte - und Glück hatte.

    Du wirst in den Augen der anderen nicht schön, bloß weil du dich selbst schön findest. Es ist gut, sich nicht selbst zu hassen. Aber das allein ändert nicht die Umwelt - auch über diese Art des positiven Denkens und warum das Quatsch ist, habe ich mich hier ja schon oft und lang verbreitet.

    Als dicker Mensch fällt man negativ auf. Nicht weil Dicksein negativ ist, sondern weil weite Teile der Umwelt es dafür halten.

    Ich sag dir, was ich WIRKLICH WILL: Ich will dick sein und nicht dauernd ermahnt, belehrt und beschimpft werden. Ich will, dass sich jeder gleich gut fühlen kann, egal, wie er aussieht.

    Liebe Grüße
    Nicola



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