AM STRAND DER DICKEN DAME


Mein Name ist Nicola Hinz, und Das Lied der dicken Dame begann 2005 als persönliches Diät-Tagebuch – unter dem Titel Candybeach. Die Bild am Sonntag nannte es das „lustigste Diät-Tagebuch Deutschlands“ und veröffentlichte Auszüge in einer wöchentlichen Kolumne. Später wurden die Einträge auch als Buch (Die Stunde der Waage) herausgebracht. Es ist leicht, und ich würde behaupten, dass es schlicht unseren medialen Gewohnheiten entspricht, dem dicken Menschen in seinem Bemühen und Versagen, sich an Körpernormen anzupassen und „gesellschaftsfähig“zu werden, immer etwas Komisches abzugewinnen. Das geht ganz offensichtlich und nicht zuletzt Dicken selbst so – Galgenhumor und sich selbst auf die Schippe zu nehmen sind sicher nicht die schlechtesten, aber eben doch ÜBERLEBENSstrategien. Heute kann ich eines sagen: Ein Diät-Buch veröffentlicht zu haben, aber gleich danach mit Lichtgeschwindigkeit wieder zuzunehmen, ist überhaupt nicht lustig. Und ich weiß sogar noch mehr: Leben, die von Diätkarrieren geprägt sind, sind im Allgemeinen alles andere als spaßig. Aber auch 2011 begann Das Lied der Dicken Dame, nachdem das Blog im Winterschlaf gewesen war, wieder als Diät-Tagebuch. Ich wollte noch immer dünn werden. Ich hatte einfach keinen besseren Plan. Aber dann wuchs plötzlich die Ambivalenz. Und es drängten sich auf einmal Fragen auf, die mir vorher nicht wirklich in den Sinn gekommen waren, oder die ich zumindest bis dahin nicht ernst genommen hatte, weil sie immer vom verwegenen Wunsch, im itsy-bitsy-teenie-weenie Strandbikini über eben jenen Strand des Lebens zu schweben, übertönt wurden. Wie dick muss man eigentlich durch einen sich aufschaukelnden Jo-Jo-Effekt werden, um zu merken/sich einzugestehen, dass da irgendetwas nicht stimmen kann? Mein höchstes (gemessenes) Gewicht war übrigens 133 kg. Ohne Diäten hätte ich das mit ziemlicher Sicherheit nicht erreicht. Wie viel Geld und Zeit ist man bereit, weiterhin in das schwarze Loch der Diät-Industrie zu schleudern, wenn man eigentlich schon immer mal nach Venedig wollte, aber irgendwie nie dazu gekommen ist? Warum sollen dicke Menschen sich mies fühlen, bloß weil sie dick sind? In wessen Interesse ist es eigentlich, ganze Gesellschaften in eine kollektive Essstörung zu treiben und die Wahl eines Ernährungs- und Trainingsprogrammes zur Ersatzreligion werden zu lassen? Wer sagt, dass dick gleich hässlich ist? Und ist dick wirklich automatisch ungesund? Dieses Blog versucht von nun an, diesen Fragen nachzugehen. Es ist kein Diät-Tagebuch mehr. Vielmehr beschäftigt es sich fortan damit, wie Dicke den Strand erobern und in ihren runden Körpern endlich in Ruhe wohnen können. Es geht um Selbsterkenntnis, Selbstbestimmung und Selbstbewusstsein.

Profil der dicken Dame:

Lieblingstiere: KATZEN. Mir geht es da wie Vicco von Bülow mit seinen Hunden: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“
Lieblingsfilme: Halloween (der erste von 1978), Jaws (Der Weiße Hai, auch der von 1975), Mon Oncle von Jacques Tati, Creature from the Black Lagoon, Alfred Hitchcocks Rear Window (Fenster zum Hof), Ingmar Bergmans Das Schweigen und The Party mit Peter Sellers.
Lieblingsfarben: Maigrün, Türkis
Wie werden deine nächsten beiden Katzen heißen? Willow und Tippi, wenn ein Kater dabei ist, Gustav.
Lieblingsessen: Pommes, der Weihnachtskartoffelsalat meiner Mutter
Gibt es Gespenster? Das will ich doch hoffen.

Bist du Feministin? Klar!
Lieblingslieder (beim Sitzen auf einer Schaukel): Get used to it (Kitty Solaris), More (Sisters of Mercy)
Lieblingsbücher: Ich kann mir gar nicht vorstellen, wie man ohne Geschichten durchs Leben kommen soll. Im Augenblick habe ich ca. 2000 Bücher – das ist der Rest nach einer beschwerlichen Phase des rigorosen Aussortierens vor drei Jahren. Jetzt warte ich halt nur noch auf die Zeit, in der ich auch wieder dazu kommen werde zu lesen. Wobei es sich bei einem großen Teil um Bilderbücher handelt, denn die sammle ich. Es gibt tatsächlich gar nicht so viel, das mich mehr erfreut, als Mäuse und Käfer, die mit karierten Tischdecken und bunten Hüten in Baumwurzeln und Fliegenpilzen wohnen. Meine wahren Lieblingsbücher sind allerdings noch immer die, die meine Kindheit wirklich geprägt haben: Astrid Lindgrens Kalle Blomquist habe ich unzählige Male gelesen, genauso wie Tove Janssons Das große Muminbuch. Und natürlich die Katze mit Hut, die dann von der Augsburger Puppenkiste ins Fernsehen gebracht wurde. Ach, und Die glücklichen Inseln hinter dem Winde von James Krüss! Die Liste ist eigentlich endlos…Ich weiß, das klingt alt und verknöchert, aber es ist einfach so: was war das für ein Privileg, mit und in diesen Geschichten leben zu können, ohne dass einem jemals plärrende Klingeltöne, eine Xbox oder SchülerVZ dazwischengekommen wären ; ). Die Plots der Krimis meiner Lieblingsautorin Celia Fremlin sind übrigens auch alle noch handyfrei. Mein allererstes Buch hat mir mein Vater geschenkt, als ich ein Jahr alt war. Man beachte die Bissspuren - ich habe die Materie damals buchstäblich verschlungen (hat da etwa eben jemand "verfressen" gesagt!?).


Lieblingsorte: Beverly Center in Los Angeles, die Feldmark hinter dem Haus in Kuddewörde, der Strand an sich
Wo willst du hin? Tokio. Dann Delhi. Und ansonsten in einen Swimming-Pool, den ich für mich allein habe.
Wenn du es heute treffen würdest, was würdest du zu deinem 9jährigen Ich sagen? Sei stolz auf deinen Körper und werde Künstlerin. Fang gleich mit beidem an!
Wenn du dir drei bewegliche, reale Gegenstände wünschen könntest, die du dann aber nicht verkaufen oder weggeben darfst, welche wären das? Ich hätte gern David Hockneys „A Bigger Splash“. Ich würde es neben dem Schreibtisch aufhängen. Zweitens eine 50 cm Birkin Bag aus Krokodilleder (nur die Ruhe - ich weiß, das ist nicht gerade vegan, aber ich werde ja auch keine kriegen), und drittens einen frisch überholten 1980er Porsche Carrera in Apfelgrün.


Lieblingswetter: warmer Wind, keine Sonne
Woran glaubst du? Freiheit, Respekt, Würde
Was steht auf deinem Grabstein? Nicki war hier.

NH