Dienstag, 20. Dezember 2022

Dürfen Fettaktivist*innen Diät machen?

Offenbar stellt sich diese Frage. Denn es geschieht gar nicht so selten, dass öffentlich sichtbare Vertreter*innen von Fat Acceptance abnehmen. Genaugenommen wirkt es manchmal gar so, als ob der Rückfall in die Diätkultur für viele dicke Ikonen nur eine Frage der Zeit ist. Gabourey Sidibe, Adele, Melissa McCarthy und Rebel Wilson fallen mir als besonders prominente Ex-Dicke spontan ein.

Selbst Tess Holliday hat offenbar abgenommen und der Außenwelt das Ergebnis stolz präsentiert. Als Antwort auf den Backlash, der zu erwarten gewesen war, servierte sie dann eine überstandene Anorexie als Grund. Mein Ton verrät es vermutlich – ich habe da erhebliche Zweifel. So oder so finde ich ihr Vorgehen mächtig schattig.

Gerne passiert die Gewichtsabnahme infolge der Einsetzung eines Magenbandes. Oder mit straffen Diät- und Trainingsprogrammen, für die im wirklich ungünstigsten Fall auch noch gleichzeitig Werbung gemacht wird. Nach eigenen Angaben wird immer aus gesundheitlichen Gründen diätet, nie weil frau doch lieber etwas normschöner sein will. Diese Darstellung ist in den meisten Fällen bestimmt nicht ganz aufrichtig. Und natürlich sind die, die Hoffnung in die Unterstützung und Repräsentanz gesetzt oder sich durch das Vorbild gestärkt gefühlt haben, häufig enttäuscht bis sauer. Zu Recht.

Aber die Antwort lautet: 

Ja, dürfen sie. Fettaktivist*innen dürfen dünn werden. Sie dürfen sich auch kleine Teufelshörnchen in die Stirn implantieren lassen. (Yes, that is a thing.) Es können selbstverständlich alle mit ihren Körpern machen, was immer sie wollen.

Die echte, unterliegende Frage ist natürlich, ob eine Fettaktivistin Diät machen und trotzdem für die Sache eine glaubwürdige Vertreterin sein kann.

Die Antwort ist: 

Nein.

Es ist nicht möglich, das, für dessen Akzeptanz eigentlich gekämpft werden soll, gleichzeitig mehr oder weniger erfolgreich am eigenen Leib zu bekämpfen. Egal, was meine Gründe sind. Ich kann mich, an dem Punkt angekommen, vielleicht noch als Ally (Verbündete) bewerben, aber ich kann auf keinen Fall weiter Vorreiter*in sein. Ich kann auch nicht privat Pelzmäntel tragen und öffentlich als Präsidentin von PETA auftreten. Die akzeptierende Haltung zum Fett ist, wie jede konfliktträchtige gesellschaftliche Baustelle, eine grundsätzliche und ethische Angelegenheit. Sie ist ernst - und auch in der Praxis ziemlich klar umrissen. Sie erfordert auf jeden Fall Konsequenz bis in den privaten Bereich, sonst bleibt sie wirkungslos.

Wenn ich zu dieser Konsequenz nicht mehr in der Lage bin oder keine Lust mehr dazu habe, dann muss ich abtreten, aus dem Club austreten und ehrlich sein. Wenn meine bisherige Karriere womöglich darauf aufgebaut war, als Vorbild und/oder Sprachrohr für die Fettakzeptanz-Community zu wirken, dann sollte diese Karriere beendet sein. Da hilft übrigens auch kein scheinheiliges Umschulen auf milde, sinnlose „Body Positivity“.

Wenn ich mich als öffentlich agierende Fettaktivistin dazu entscheide, mein Gewicht maßgeblich zu verringern, sollte ich das begreifen, umsetzen und vor allem den Anstand aufbringen, bestimmte Dinge bitteschön ganz zu unterlassen:

1. Es ist unredlich und eine vollständige Abkehr vom ehemaligen Grundsatz, wenn sich eine Ex- Fettaktivist*in dazu versteigt, auch noch Werbung für Diäten, Pulver, Pillen, Tees, Trainingsprogramme oder Fitnessclubs zu machen.

2. Zumeist zutiefst subjektives, womöglich selbstzufriedenes und im schlimmsten Falle triggerndes öffentliches Geschwärme über die Gesundheit, die durch die Gewichtsreduktion erheblich verbessert worden sei, ist auf jeden Fall zu unterlassen.

3. Es wäre auch nett, das Publikum mit der Behauptung zu verschonen, es gehe beim Abnehmen nicht ums Abnehmen, sondern um Self Care oder Wellness oder Healing oder was auch immer für einen blumigen Scheiß. Und die Überwindung einer Essstörung gar mit großer Geste als Erklärung und Rechtfertigung aus dem Ärmel zu ziehen, ist respektlos und ekelig.

4. Lauter sorgfältig produzierte aber auch deutlich erschlankte Selfies von sich zu posten, um dann so zu tun, als seien die Komplimente, die in einer von Diät-Kultur geprägten Welt auf jeden Fall kommen, unerwünscht, ist verlogen und rettet auf keinen Fall die eigene Integrität. Vielmehr sind die vorgetäuschte Überraschung und Vehemenz, mit der positive Kommentare zum Diäterfolg mitunter zurückgewiesen werden, geradezu erbärmlich.

5. Sich als ehemals Dicke noch immer basierend auf der Identität einer betroffenen Dicken gegen die Diskriminierung Dicker zu engagieren wird spätestens dann lächerlich, wenn das Gruppenfoto gemacht wird. Ich kann nicht in den Genuss von Thin Privilege kommen und so tun, als habe sich an meiner Position im Kampfgeschehen nichts Grundsätzliches verändert.


HAPPY EVERYTHING und bis zum nächsten Jahr!

 

NH

 

 

Donnerstag, 31. März 2022

Zwischenmeldung

Heute, in diesen Zeiten, fand ich das hier in meinem Postfach:

Hallo Nicola,

ich bin heute über deinen Blog gestolpert. Als ich deine Fimo-Vagina sah 
war ich allerdings etwas enttäuscht, denn es ist eine VULVA. Die Vagina ist 
nur der Kanal an sich, das Äußere, das du  hier mit Fimo abgebildet hast 
ist allerdings die Vulva. Speziell in Sachen Körperakzeptanz unter Frauen 
finde ich es sehr wichtig, dass in diesem Zusammenhang die korrekten Worte 
verwendet werden. Darum mein Hinweis und der Wunsch von mir ob du dein Werk 
vielleicht lieber anatomisch korrekt als Fimo-Vulva bezeichnen magst.

Ich weiß nun nicht, wie ich darauf reagieren soll. Ich meine...ich weiß natürlich, wie ich darauf reagiere. Aber ich weiß nicht, wie ich reagieren soll. Vielleicht könnt ihr mir ja weiterhelfen und Vorschläge machen...





Cat Content:

Meine Mädchen: Tippi und Willow

Manchmal helfen bekanntlich nur Katzenbilder. Besonders schön ist das Leben hier weiterhin nicht, aber der Einzug von Willow nach Corbinians Tod war für uns alle ein Hauptgewinn. Tippi hat in ihr ihre Meisterin im Toben und Wetzen gefunden. Natürlich ist sie viel schneller als Corbi und verfügt überdies naturgemäß über viel mehr Energie. Dafür wird sie in den Pausen von Tippi bemuttert und geputzt. Und Tippi teilt ihre Hängematte. Noch geht das. Bis die Kleine der Großen über den Kopf wächst.

Außerdem: Schneckenpost zu Ostern


Das Declutter-Ziel im letzten Jahr war es, 1000 Gegenstände nachhaltig auszumisten. Das habe ich auch geschafft, aber gereicht hat es nicht. Nachdem ich im letzten Jahrzehnt ganze Lastwagenladungen aus meinem Besitz entfernt habe, fühle ich mich immer noch nicht leicht genug und verbringe noch immer viel zu viel Zeit damit, Dinge zu verwalten. Vom Jojo der Dinge ganz zu schweigen. Das Ziel für 2022 sind nun weitere 3000 Gegenstände. Momentan bin ich nicht gut im Zeitplan, denn ich bin erst bei 400. Unter diesen 400 Objekten ist ein Stapel Osterkarten. Neue Osterkarten, wohlgemerkt. Denn nachdem ich nun eisern keine Weihnachtskarten mehr gekauft habe, kam es zu einer bemerkenswerten Suchtverschiebung - und bei DM gab es in Nähe der Kasse sehr schöne Hasenkarten für 50 Cent das Stück. Das wurde mir zum Verhängnis...

Lange Rede, kurzer Sinn:

Statt Weihnachtskarten biete ich nun Osterkarten per Schneckenpost. Wenn ihr gern einen analogen Ostergruß vom Strand (Candybeach.com : )) im Briefkasten hättet, sendet mir einfach wieder eure Adresse an office(at)nicola-hinz.com oder über das Kontaktformular. Am besten bis zum 11.04.22. Wie versprochen, hebe ich eure Adressen nicht auf (es sei denn, wir haben uns nun schon öfter gegenseitig Briefe geschickt); darum sendet mir eure Adresse bitte auch dann, wenn ihr schon einmal Weihnachtspost von mir bekommen habt. Ich würde mich freuen. 

NH