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Sonntag, 17. Dezember 2023
The Ugly Girl Project: Closure
NH
Dienstag, 20. Dezember 2022
Dürfen Fettaktivist*innen Diät machen?
Offenbar stellt sich diese Frage. Denn es geschieht gar nicht so selten, dass öffentlich sichtbare Vertreter*innen von Fat Acceptance abnehmen. Genaugenommen wirkt es manchmal gar so, als ob der Rückfall in die Diätkultur für viele dicke Ikonen nur eine Frage der Zeit ist. Gabourey Sidibe, Adele, Melissa McCarthy und Rebel Wilson fallen mir als besonders prominente Ex-Dicke spontan ein.
Selbst Tess Holliday hat offenbar abgenommen und der
Außenwelt das Ergebnis stolz präsentiert. Als Antwort auf den Backlash, der zu
erwarten gewesen war, servierte sie dann eine überstandene Anorexie als Grund.
Mein Ton verrät es vermutlich – ich habe da erhebliche Zweifel. So oder so
finde ich ihr Vorgehen mächtig schattig.
Gerne passiert die Gewichtsabnahme infolge der Einsetzung
eines Magenbandes. Oder mit straffen Diät- und Trainingsprogrammen, für die im
wirklich ungünstigsten Fall auch noch gleichzeitig Werbung gemacht wird. Nach
eigenen Angaben wird immer aus gesundheitlichen Gründen diätet, nie weil frau
doch lieber etwas normschöner sein will. Diese Darstellung ist in
den meisten Fällen bestimmt nicht ganz aufrichtig. Und natürlich sind die, die Hoffnung
in die Unterstützung und Repräsentanz gesetzt oder sich durch das Vorbild
gestärkt gefühlt haben, häufig enttäuscht bis sauer. Zu Recht.
Aber die Antwort lautet:
Ja, dürfen sie. Fettaktivist*innen
dürfen dünn werden. Sie dürfen sich auch kleine Teufelshörnchen in die Stirn
implantieren lassen. (Yes, that is a thing.) Es können selbstverständlich alle
mit ihren Körpern machen, was immer sie wollen.
Die echte, unterliegende Frage ist natürlich, ob eine
Fettaktivistin Diät machen und trotzdem für die Sache eine glaubwürdige
Vertreterin sein kann.
Die Antwort ist:
Nein.
Es ist nicht möglich, das, für dessen Akzeptanz eigentlich
gekämpft werden soll, gleichzeitig mehr oder weniger erfolgreich am eigenen
Leib zu bekämpfen. Egal, was meine Gründe sind. Ich kann mich, an dem Punkt
angekommen, vielleicht noch als Ally (Verbündete) bewerben, aber ich kann auf
keinen Fall weiter Vorreiter*in sein. Ich kann auch nicht privat Pelzmäntel
tragen und öffentlich als Präsidentin von PETA auftreten. Die akzeptierende Haltung
zum Fett ist, wie jede konfliktträchtige gesellschaftliche Baustelle, eine
grundsätzliche und ethische Angelegenheit. Sie ist ernst - und auch in der
Praxis ziemlich klar umrissen. Sie erfordert auf jeden Fall Konsequenz bis in
den privaten Bereich, sonst bleibt sie wirkungslos.
Wenn ich zu dieser Konsequenz nicht mehr in der Lage bin
oder keine Lust mehr dazu habe, dann muss ich abtreten, aus dem Club austreten
und ehrlich sein. Wenn meine bisherige Karriere womöglich darauf aufgebaut war,
als Vorbild und/oder Sprachrohr für die Fettakzeptanz-Community zu wirken, dann
sollte diese Karriere beendet sein. Da hilft übrigens auch kein scheinheiliges
Umschulen auf milde, sinnlose „Body Positivity“.
Wenn ich mich als öffentlich agierende Fettaktivistin dazu
entscheide, mein Gewicht maßgeblich zu verringern, sollte ich das begreifen,
umsetzen und vor allem den Anstand aufbringen, bestimmte Dinge bitteschön ganz zu
unterlassen:
1. Es ist unredlich und eine vollständige Abkehr vom
ehemaligen Grundsatz, wenn sich eine Ex- Fettaktivist*in dazu versteigt,
auch noch Werbung für Diäten, Pulver, Pillen, Tees, Trainingsprogramme oder
Fitnessclubs zu machen.
2. Zumeist zutiefst subjektives, womöglich selbstzufriedenes
und im schlimmsten Falle triggerndes öffentliches Geschwärme über die
Gesundheit, die durch die Gewichtsreduktion erheblich verbessert worden sei,
ist auf jeden Fall zu unterlassen.
3. Es wäre auch nett, das Publikum mit der Behauptung zu verschonen,
es gehe beim Abnehmen nicht ums Abnehmen, sondern um Self Care oder Wellness
oder Healing oder was auch immer für einen blumigen Scheiß. Und die Überwindung
einer Essstörung gar mit großer Geste als Erklärung und Rechtfertigung aus dem
Ärmel zu ziehen, ist respektlos und ekelig.
4. Lauter sorgfältig produzierte aber auch deutlich
erschlankte Selfies von sich zu posten, um dann so zu tun, als seien die
Komplimente, die in einer von Diät-Kultur geprägten Welt auf jeden Fall kommen,
unerwünscht, ist verlogen und rettet auf keinen Fall die eigene Integrität. Vielmehr sind die vorgetäuschte Überraschung und Vehemenz, mit der positive Kommentare
zum Diäterfolg mitunter zurückgewiesen werden, geradezu erbärmlich.
5. Sich als ehemals Dicke noch immer basierend auf der Identität einer betroffenen Dicken gegen die Diskriminierung Dicker zu engagieren wird spätestens dann lächerlich, wenn das Gruppenfoto gemacht wird. Ich kann nicht in den Genuss von Thin Privilege kommen und so tun, als habe sich an meiner Position im Kampfgeschehen nichts Grundsätzliches verändert.
HAPPY EVERYTHING und bis zum nächsten Jahr!
NH
Donnerstag, 25. März 2021
Alles muss raus - oder: ein Rant - TEIL 1
Ich habe eine Ausgabe des Curvy Magazines erworben (die Ausgabe für Sept, Okt, Nov. 2020). Bekanntlich habe ich für Frauenzeitschriften nicht viel übrig. Und ja, ich glaube, dass die Möglichkeit, schöne Kleider zu tragen, nicht den Mittelpunkt fettaktivistischer Arbeit ausmachen kann. Natürlich bin ich mir auch bewusst, dass weite Teile des Publikums das anders sehen, bzw. dass schöne Kleider in großen Größen und dicke Models in Magazinen ihnen reichen würden, weil ihr Ärger über die eigene Diskriminierung sie schlicht noch immer nicht weiter trägt.
Nun ja, auf jeden Fall ist das Modemagazin für dicke Frauen vollgestopft mit Fat Shaming. Quelle surprise, I know. Die Brigitte könnte hier regelrecht noch etwas lernen. Zwischen den Seiten tut sich auch in diesem Fall wieder genau die Hölle auf, in die alle Beteiligten immer geraten, wenn dicke Frauen, die die Ambivalenz dem eigenen Fett gegenüber niemals überwunden haben (siehe Barbara Schöneberger), einfach so tun als ob, weil sie glauben, dass es sich vermarkten lässt. Was dann oft nicht einmal der Fall ist.
Auf Seite 11 beginnt Susanne Ackstaller ihren Kommentar "Dick sein als Chance" mit der Überlegung, dass sie "die Vorteile eines dünneren Ü50-Ichs durchaus (sieht)!" Auf ihrem Instagram-Account gab es übrigens zu den Festtagen im letzten Jahr auch eine gute Portion Selbstherabsetzung: "Platze gerade aus meiner Jeans, weiß jetzt, warum es "Plätzchen" heißt."
Samstag, 9. Februar 2019
Die allerletzte Presseschau: Barbara Schöneberger und der Fatsuit
Die Frau Schöneberger trägt auf dem aktuellen Cover der nach ihr benannten Frauenzeitschrift einen Fatsuit. Etwas lappig, in leicht glänzender Hautfarbe mit pinkfarbenen Brustwarzen auf den tief sitzenden Stoffbrüsten. Am Ende des Hefts gibt es dann ein Bild des leeren Fatsuits, also eines dicken, künstlichen Körpers ohne Kopf, Füße und Hände. Weil die Frau Schöneberger ja nicht wirklich dick ist, und das Publikum nur zur Sicherheit (und zum millionsten Mal) darauf hinweisen musste.
In einem von der Frau Schöneberger zusätzlich auf Instagram veröffentlichten Video ist sie zu sehen, wie sie sich mit dem Fatsuit bekleidet eine Servierschüssel schnappt und den Inhalt mit einem großen Löffel in sich hineinschaufelt. Und dann muss sie ganz doll kichern und versichert, sie habe nichts gegen Dicke.
Wie anstößig und daneben, aber auch, wie vielsagend das alles ist, muss nicht erklärt werden. Und wo es doch erklärt werden muss, da sollte frau sich nicht niederlassen.
Ich habe überhaupt nur etwas von der Sache mitbekommen, weil Magda Albrecht in der März-Ausgabe des Magazins Barbara einen Artikel über Selbstakzeptanz veröffentlicht hat, und hinterher bei der Mädchenmannschaft einräumen musste, dass sie offenbar ihre Hausaufgaben vorher nicht gemacht hatte.
Angeblich hatte sie das Desaster nicht vorhersehen können, obwohl sie "ehrlicherweise nichts anderes erwartet hat". Häh? Wie jetzt? Sie hatte also (k)eine Ahnung, mit wem sie sich da einließ? Alle waren "cool"schreibt sie in ihrer entsetzten Stellungnahme. Und viel bezahlt haben sie für den Artikel auch. Da kann doch keiner auf die Idee kommen (wollen), dass die womöglich überhaupt nichts Gutes im Schilde führen, oder?
Erkenne deine Feindin
Und mich hat natürlich mal wieder keine gefragt. Denn dass das Magazin der Moderatorin Barbara Schöneberger bereits seit den ersten Ausgaben im Wesentlichen ein Zeugnis ihrer eigenen Ess- und Körperbildstörung ist, lag auf der Hand. Vor genau einem Jahr, also für die Märzausgabe 2018, stand auf dem Cover das Wort "Mampf" und die Frau Schöneberger hatte Kuchen im Haar, in der Faust und überall um sich herum. Sie schwamm in Kuchen und die Titelgeschichte lautete: "Aber bitte mit Sahne - Gerade sind wieder alle auf Diät. Da machen wir nicht mit, oder? Ein Heft über sinnlosen Figurwahnsinn und heiß geliebte Fressorgien."
Wenn man sich am (gelegentlichen) "Fressen-dürfen" in regelmäßigen Abständen so abarbeitet, wie andere Frauenzeitschriften an Gewichtsverlust und Diäten und gleichzeitig immer Witze über "Hüftgold" machen muss, dann ist das nicht Body Positivity oder Fettakzeptanz. Dann stimmt da was nicht. Dann hat man ein gravierendes Problem, in das man andere aber nicht unter dem Deckmantel der "Alle-sind-irgendwie-auch-schön-Bewegung" mit hineinziehen sollte. Das ist nicht nur kein Dienst an der Leserinnenschaft, es ist schlicht und ergreifend schon wieder unredlich. Ohnehin ist die ständige Verknüpfung vom großen Fressgenuss mit Dicksein echt nur noch zum Kotzen.
Die Frau Schöneberger befindet sich im ständigen Krieg mit ihrem Aussehen, und weil sich der so gut verkauft, auch und neuerdings ja gerade in der halbherzigen Leugnungsversion, kann sie ihn nun bereits seit Jahren mit Hilfe einer ganzen Redaktion öffentlich und für Geld austragen. Und natürlich, wie sollte es auch anders sein, am Ende mal wieder auf Kosten ihrer Leserinnen, d.h. auf Kosten anderer Frauen.
Das betrügerische Getue, diätfrei zu sein, ohne es jemals gewesen zu sein, das ewige Herumreiten auf der unfairen Notwendigkeit, schön zu sein und das manische Oszillieren zwischen kuscheliger Selbstherabsetzung und unaufrichtigem, aufgescheuchtem, orientierungslosem Toleranzgebaren und Fressorgien hätten der nach eigener Aussage medienerfahrenen Fettaktivistin Magda Albrecht ja eigentlich schon als Wegweiser dienen können. Aber vielleicht sieht man etwas nicht, wenn es schlicht zu nah an einem dran ist.
Wie hätte z.B. das "super-professionelle und herzliche Team" (Magda Ablrecht) der Barbara denn eigentlich wissen sollen, dass Magda Albrecht und lustige Fatsuits auf dem Cover nicht so richtig zusammenpassen? Magda Albrecht tut doch in ihrem Buch (Fa(t)shionista) genau dieses: Sie kokettiert mit ihrem angeblich ewigen Hunger und macht ihren eigenen Körper immer wieder mit milder, lustig gemeinter Missbilligung und "Offenheit" über ihr schwieriges Verhältnis zu eben jenem Körper runter. Das soll vielleicht authentisch wirken, weil sie damit signalisiert, dass sie sich wie jede andere "normale" Frau, also Nicht-Aktivistin und Nicht-Autorin, nur sehr schwer von Schönheitsnormen abgrenzen kann.
Am Ende kommt es aber leider nur genauso larmoyant rüber, wie das Gejammer über ihren offenkundigen Aktivismus-Burnout, das der Erfahrung mit der Fatsuit-Barbara folgt: "Ich war zwar hochgradig genervt, stellte mir aber die Frage, die ich mir in den letzten Jahren immer öfter stelle: Was bringt es, wenn wir uns immer und immer und immer wieder über Dinge aufregen?" Dabei ist das, was ihr jetzt mit der Barbara passiert ist, ist genau das, was passieren muss, wenn man glaubt, es sei legitim, im Umgang mit der Öffentlichkeit immer wieder auf Witzeleien, Augenzwinkerei und Versöhnlichkeit zu setzen, wenn es aber eigentlich um den eigenen Körper und seine ständige Missachtung durch diese Öffentlichkeit geht. Selbst im Artikel in der Barbara schreibt sie noch von "übergewichtigen Moppeln" (S. 54) und spürt den glitschigen Boden unter sich scheinbar überhaupt nicht.
Und das hier ist dann auch noch passiert...
Wenn es dann um das Erheischen männlicher Validierung geht, steht die fröhlich-freie Fresserei übrigens plötzlich überhaupt nicht mehr an erster Stelle, denn, so instruiert uns die Frau Schöneberger im Editorial zur aktuellen Fatsuit-Ausgabe: "Wenn Sie also einen neuen Partner blenden wollen, dann ist beim ersten Date nicht so wichtig, was Sie zum Essen auftischen, sondern die perfekte Lichtsituation bringt den Abschuss! Merke: 20 Kerzen machen zehn Jahre jünger und zehn Kilogramm schlanker!" (Anm. d. Dicken Dame: Allein die Vorstellung, dass Frauen im Jahre 2019 Männer beim ersten Date bekochen...aber geschenkt.)
Ach, und hatte ich erwähnt, dass die Frau Huber von der Brigitte auch in der Chefredaktion der Barbara verantwortlich zeichnet? I know, right?
NH






