Freitag, 10. April 2020

Corona-Lockdown Tag 26


Was wir wirklich bräuchten, wäre eine ordentliche und nachhaltige Regenzeit. Erstens blieben dann alle leichter #zuhause. Und zweites müsste ich meine Nachbarn über Ostern weder sehen noch hören. Die halten nämlich, wie von der Kanzlerin vorgeschlagen, gern mal engen Kontakt mit ihren Lieben (oder wem auch immer) über das Telefon. Auf ihrer Terrasse. Schreiend. 

Drittens brauchen wir das Wasser. Dringend. Während wir uns mit dem Virus herumschlagen, macht der Klimawandel offenbar keine Pause und alles ist knochentrocken und der Grundwasserspiegel, der sich gerade erst etwas erholt hatte, sinkt wieder. Ich persönlich liebe Regen ja ohnehin. Schon immer. Mein idealer Zustand ist es, bei warmem, plätscherndem Regen mit einem Buch am Fenster zu sitzen. 

Beim Schneiden des zweiten Kellervideos ist klar geworden, dass ich schlicht nicht in der Lage bin, sinnvoll filmisch zu dokumentieren. Und technisch reißt offenbar keine meiner Kameras mehr besonders viel. Trotzdem war es mir ein Bedürfnis, dieses Projekt jetzt auch endlich, weil und wie ja immer wieder angekündigt, abzuschließen.



Wohlgemerkt - vorher sah der Keller so aus:




Er war nicht begehbar. Jetzt ist er es. Und das, obwohl Möbel aus der Wohnung nun noch extra dort eingelagert worden sind. Damit ist das Kapitel jetzt erledigt. Nun geht es daran, den Erfolg und die Ordnung aufrechtzuerhalten. Wir wissen alle, dass das das Schwerste ist. Bei Facebook habe ich schon über meinen Verdacht gesprochen, dass es womöglich so etwas wie Jojo-Decluttering gibt. Ich werde es wohl mal googeln und mich dann wieder hier melden. Bis dahin wünsche ich euch schöne Feiertage, bzw. wie immer - Happy Everything.

NH

Vielleicht braucht ihr ja Lesestoff - den gäbe es hier:

Sonntag, 5. April 2020

Corona-Lockdown Tag 21



Schön ist das nicht.


Ich bin ja keine, die das Leben liebt. Ich bin eine, die am Leben hängt, weil sie immer hofft, dass gleich noch was ganz Tolles passiert. 

Wohlgemerkt, es muss schon einfach so passieren, denn um Großartiges planvoll herbeizuführen - dazu fehlt mir seit jeher die nötige Energie, bzw. das anpackende oder verbissene Gemüt einer konventionell als erfolgreich wahrgenommenen Persönlichkeit. Natürlich wäre ich viel erfolgreicher, wenn ich trotz Krise und allgemein nicht so doller Verfassung früh morgens, sagen wir mal so um sechs, aufstehen und all das tun würde, was dafür notwendig ist, damit alles viel besser läuft. Der Versuch, alles zu tun, wenn frau für nur viel weniger Kraft hat, würde vermutlich wie immer direkt in die Selbstoptimierungsfalle führen. Frau denkt, das Unmögliche muss jetzt endlich doch gehen. Diesmal wird der inneren Antagonistin bestimmt beizukommen sein. Aber dann geht, so wie vormals, fast nichts und frau fühlt sich noch viel bescheuerter als vorher. Und die Verzweiflung über das erneute Versagen lähmt zusätzlich.

Jetzt hätte ich doch endlich mal Zeit für Rückengymnastik und Weiterbildung und Werbung und Social Media Networking und das Erstellen einer eigenen App. Ja, ist klar. Geschafft habe ich in drei Wochen weitgehend untätiger Corona-Krise meine Ablage (bis auf den Batzen von Dokumenten, die noch eingescannt werden sollen, versteht sich). Dafür habe ich mittlerweile alle Episoden der DDR-Kinderserie Spuk im Hochhaus gesehen. Stellenweise fast ein wenig wie Fellini...

Währenddessen geht Oliver in regelmäßigen Abständen mit dem Hund raus und kommt mit den merkwürdigsten Geschichten zurück. Der Sachsenwald steht voller Autos mit hamburger Kennzeichen, dabei ist Schleswig-Holstein für Touristen gesperrt. Am Bahnhof treffen sich Grüppchen von Fahrradfahrer*innen zur gemeinsamen Ausfahrt, die garantiert nicht alle im selben Haushalt wohnen. Ein paar Häuser weiter sitzen lauter junge Leute im Garten und scheinen tatsächlich noch immer so etwas wie eine Party zu feiern. Auf dem Gehweg vor dem Haus schieben Großeltern ihre Enkel vergnügt in einer Schubkarre hin und her - und just in diesem Augenblick sehe ich gerade eine alte Frau aus dem Nachbarbunker mit ihrem Enkel über den Parkplatz gehen. Die wohnen übrigens auch nicht zusammen... Millionen von Menschen zerbröselt die wirtschaftliche Existenz, während vor allem auch diejenigen, deretwegen wir das alles hier in der Hauptsache veranstalten, sich mitunter an gar nichts halten, um sich selbst und andere zu schützen. Das macht mich sauer. Verdammt noch viel saurer, als ich es naturgegeben ohnehin schon bin. Und die Sonne hilft ebenfalls überhaupt nicht. Was wir bräuchten, wären fortgesetzte Schneestürme bis Ende April.

Beim Sortieren von Papieren bin ich auf einen Ordner mit Themen für das Blog gestoßen. Zum Teil sind da sogar schon fast fertige Texte drin. Handschriftlich. Einiges werde ich nicht mehr verwenden, weil es sich inzwischen komplett überholt hat. Für andere Themen ist jetzt mitten in der Krise ihre Zeit definitiv gekommen, z.B.für das Folgende. Der Text stammt aus dem Winter 2018. Der Inhalt ist allerdings so aktuell wie damals.

Ich werde unsichtbar 


Unlängst haben sich zwei Frauen beinahe auf mich gesetzt. Am selben Ort. In einem zeitlichen Abstand von ca. 15 Minuten. Ich saß auf einer Bank an einem Tisch des Restaurants im Völkerkundemusem in Hamburg (heute heißt es Markk) und wartete auf Oliver, der dabei war, das Essen zu holen. Seit über einem Jahrzehnt esse ich einmal im Jahr im Herbst die Sieben Köstlichkeiten vom Büffet, wenn ich zum Markt der Völker gehe.

Während ich so in meiner Tasche herumkramte, näherten sich von linkes hinten eine junge und eine alte Frau. Die Junge hielt ein Baby im Arm. Die Alte verkündete, dass sie - ach ja - Glück gehat hätten, freie Plätze gefunden zu haben. Während der Platz mir gegenüber tatsächlich frei war, saß auf meinem Platz ja...ich. Die laute Oma schob sich mir nichts dir nichts in meine Reihe und zwang mich und Oliver, der gerade mit unseren Tellern angekommen war und sich gesetzt hatte, uns aneinanderzuquetschen. Ich sah ihn an und fragte laut: "Sag mal, kannst du mich sehen?" Er guckte mich verwirrt an, worauf ich ihm meine Befürchtung erklärte, nun endgültig unsichtbar geworden zu sein. Woraufhin die Idiotin sich munter und unerklärlich ahnungslos in unsere Unterhaltung einklinkte und bekundete, dass sie manchmal auch das Gefühl habe, nicht gesehen zu werden. Insbesondere Ausländer seien ja oft so unhöflich. Aber ihre Lösung sei es nun, sich bewusst innerlich groß zu machen. Dabei lächelte sie mir aufmunternd zu. Offenbar war alles mal wieder nur eine Frage der inneren Einstellung, und ich hatte die falsche. Darum hatte sie ja jetzt auch meinen Platz.

Dann allerdings wurde neben ihrer Tochter ein Platz auf der gegenüberliegenden Bank frei, und so setzte sie sich um, um näher bei der Enkelin zu sein. Ich war gerade auf meinen alten Platz zurückgerückt, als abermals von links hinten eine Frau kam und sich fröhlich fast auf meinen Schoß setzte. Sie hatte einen Mann im Schlepptau, und weil Oliver und ich ja fast mit dem Essen fertig zu sein schienen, passte das ja richtig super. Oliver und ich starrten uns an, und ich schwöre, in diesem Augenblick hatte jeder am Tisch enormes Glück, dass ich es vor lauter Verblüffung wieder nicht so recht schaffte, mich innerlich ganz groß zu machen. Tatsächlich muss man zugeben, dass wir wohl eher die Flucht vor so viel Unverschämtheit und Blödheit nahmen. Wir rafften das Geschirr zusammen und stießen noch so etwas wie "Jetzt reicht's!" aus, woraufhin die Frau mit angeschlossenem Mann fröhlich rief: "Es war aber nicht unsere Absicht, Sie zu vertreiben!", während sie bereits unsere Plätze eingenommen hatten. Ich machte kehrt, ging auf sie zu und zischte: "Und WAS GENAU war dann Ihre Absicht?" Ich konnte Olivers Sorge um den Landfrieden hinter mir spüren und sah die gähnende Leere in den Augen der nun nicht mehr ganz so fröhlichen Frau. Und dann entschied ich mich, einfach zu gehen. 

Es war, so meine ich mich zu erinnen, in einem Interview mit Bascha Mika, in dem ich zum ersten Mal von der Unsichtbarkeit der mittelalten Frau gehört habe. Ich weiß nicht mehr, ob ich es schon erwähnt habe, aber ich konnte mir beim besten Willen nicht vorstellen, wie dieses Phänomen sich tatsächlich als Lebenrealität manifestieren könnte. Kurz, ich hielt es für Quatsch, bis es anfing, mir zu passieren. Ich bin jetzt Ende vierzig, und Frauen, die deutlich älter sind, setzen sich auf mich drauf, wie auf ein Möbel. Ich kann mit 110 kg Lebendgewicht, von durchschnittlicher Körperhöhe und eingehüllt in pinkfarbene Wolle vorn in der Schlange beim Bäcker stehen und der Mann mit dem grauen Gesicht und der grauen Windjacke hinter mir kommt plötzlich vor mir dran. Neulich spazierte ein Herr bei Aldi in der Schlange kurzerhand an mir vorbei und stellte sich vor mir an. Er bemerkte seinen Fehler allerdings irgendwie doch noch und war ein wenig beleidigt, als ich ihm nahelegte, seinen Platz jetzt einfach zu behalten, denn sowas würde mir jetzt ohnehin andauernd passieren. Offenbar falle ich außerdem mittlerweile aus jeder Rangordnung heraus. Alte Frauen laufen grundsätzlich in mich hinein, wenn ich nicht Platz mache, genauso wie junge Männer. 

Als dicke Frau kannnte ich bisher das zermürbende Spannungsfeld aus der Unsichtbarkeit als weiblicher Mensch einer- und der Hypervisibilität als devianter Körper andererseits. Das ist übrigens auch ein verdammt unangenehmer Zustand. Ob komplette Unsichtbarkeit besser ist? Wenn ich demnächst ungehindert durchs Weißen Haus schlendern kann, dann ja.

Da ist noch mehr...
in dem Ordner mit Blogmaterial, das sich lohnen würde. Hoffentlich komme ich in den nächsten Tagen wieder in die Puschen - bis dahin #bleibtzuHause.

NH


Vielleicht braucht ihr ja Lesestoff - den gäbe es hier:



Sonntag, 22. März 2020

Corona-Lockdown Tag 7



Im Keller


Die Lage auf meiner Corona-To-Do-Liste:

1. Ablage machen - noch nicht.

2. Kundenakten auf den letzten Stand bringen - erledigt.

3. Anzeige schalten, um vermehrt Übersetzungsdienste anzubieten - nö.

4. Die gesamte Dreckwäsche iim Haus waschen - ist jetzt Olivers Projekt.

5.  Küche auf Vorderfrau bringen - in meinen Träumen.

6. Den Backofen reinigen - natürlich nicht.

7. Kellervideos schneiden - wenigstens das erste ist fertig und HIER zu sehen. Es ist vom letzten Winter, als ich fest entschlossen war, die Dinge noch vor Weihnachten zu besiegen. Kein halbes Jahr später ist schon wieder klar, dass dieser Sieg nicht nachhaltig ist, wenn man nicht ständig auf der Hut ist. Bei Facebook habe ich heute schon vom "Jojo-Aussortieren" gesprochen. Es ist ja immer irgendwas.


8. Büro ordnen - also bitte!

9. Alles Andere auf meiner Liste - no way!


Stattdessen:

1. Skip-Bo gespielt.

2. Läden nach Klopapier und Milch durchsucht. (Kein beschissener Witz.)

3. The Shape of Water gesehen. 

4. Frauenzeitschriften und Ü-Eier gekauft, so als wäre ich bereits im Krankenhaus.

5. Suppe gekocht - und zwar so viel, dass wir seit Dienstag daran essen. Das Schnippeln hat mich einfach beruhigt.

6. Spazieren gegangen in meiner Feldmark - solange es noch geht. Ich rechne mit einer weiteren Verschärfung von Beschränkungen, und sie wären mir auch recht, wenn damit alles umso schneller wieder vorbei ist.

Zwischendurch 


fällt einen die Sorge um die nicht so ferne Zukunft mit kleinen Messerchen unvermittelt von hinten an. Nachdem ich den Montagsschock hinter mir hatte, war ich ganz kurz dankbar dafür, morgens ausschlafen zu können und nicht im Stau zu stehen. Und die Vorstellung, was ich noch alles schaffen würde in all der geschenkten Zeit, ließ mich innerlich ein wenig schweben und singen. Aber das hat nicht lang gehalten. Erstens war die wirtschaftliche Panik nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben (so, wie hoffentlich die Mehrzahl meiner Aufträge) und zweitens ist nach einer Woche ersichtlich, dass ich gar nicht viel schaffe, wenn mir Strukturen komplett wegbrechen. Und ich bin mir sicher, dass ich auch damit nicht allein bin. Dass ich überhaupt noch weiß, welchen Tag wir haben, liegt daran, dass ich jeden Tag mehrere Stunden damit zubringe, Nachrichten zu hören, zu sehen und zu lesen.

Es wird vermutlich Zeit, den Wecker wieder zu stellen und sich straffere Ziele zu setzen, so als ob es morgen wieder ins Rattenrennen ginge, dem man immer so gern entkommen wäre - bis es eben aus heiterem Himmel nicht mehr stattfand. Waschen, anziehen und mit einem Plan in den Tag gehen - ab morgen werde ich das wieder versuchen. Heute ist ja noch Sonntag...

Übrigens wünsche ich jeder und jedem, der jetzt schnulzige Videos verbreitet, in denen die ganzen angeblichen Segnungen, die das Corona-Virus mit sich bringt (mehr Zeit fürs Wesentliche - was immer das ist, Zusammenhalt und bewussterer Umgang zwischen den Menschen, Balkonkonzerte in Italien, Entlastung der Umwelt usw.) mit schwülstiger Musik und in grotesker New-Age-Optik beschworen werden, dass sie oder er vom eigenen (garantiert angelegten) Klopapiervorrat verschüttet wird. Es gibt Situationen, an denen ist nichts gut. Zumindest dann nicht, wenn man sich wirklich als Teil einer Gemeinschaft begreift. Und nicht nur gern kitschiges Geschwafel darüber postet. Punkt.

Bleibt zu Haus, ihr Lieben. Aber das tut ihr ja ohnehin schon.Ich wünsche uns allen Gute Nerven, Abstand, Vernunft und Gesundheit. Es geht vorbei. 

NH

Vielleicht braucht ihr ja Lesestoff - den gäbe es hier:



Montag, 16. März 2020

Corona-Blues


Leichter wird es nicht.


Dass ich überhaupt dazu komme, mich hier mal wieder zu melden, liegt natürlich daran, dass ich Freiberuflerin bin und mir seit gestern und heute Morgen - na, ich sage mal - 90% meiner Aufträge für diese Woche weggebrochen sind. Bei jemandem, der ohnehin immer von Existenzängsten geplagt wird, wäre vermutlich jetzt der exakt richtige Moment, eine Flasche Wein zu öffnen, die Füße hochzulegen, und sich möglichst ordentlich zu betrinken, damit der verzweifelte Druck in der Brust aufhört. Aber das ist hier keine Option, denn ich trinke ja nicht. Stattdessen hatte ich heute mit allen Kund*innen noch einmal Kontakt, um ihnen gute Gesundheit zu wünschen und sie gleichzeitig dazu zu ermuntern, mich nicht zu vergessen, wenn dieser ganze Albtraum halbwegs eingedämmt ist. Dann habe ich mir auch schon einmal die Kontaktdaten des für mich zuständigen Jobcenters rausgesucht - sowas beruhigt mich. Ich bin IMMER (über-)vorbereitet. Zumindest auf alles, auf das man sich vorbereiten kann. Meine Sitzung mit meiner Therapeutin läuft in dieser Woche übrigens über Skype.

Und nun stecke ich hier im Zwangsurlaub. Ungewaschen und noch im Schlafanzug - und das ist nie ein gutes Zeichen. Ich weiß, ich bin guter und großer Gesellschaft, aber solch eine Erkenntnis hilft bekanntlich auch nie. Es ist die eigene kleine, elende Welt, die sich um eine zuzieht wie ein Korsett. Ganz kurz hatte ich gedacht, die Dinge laufen zum Jahresanfang ganz gut. Und dann das...ich bin mir auch hier total bewusst, dass auch das kein Einzelschicksal ist, aber Jammern tut zumindest gut. 

Mit all der freien Zeit, die ich in den nächsten zwei bis sechs Wochen vermutlich haben werde, könnte ich meine Wohnung streichen. Oder sie noch einmal komplett durchsortieren und dabei Vlogs drehen. Ich könnten auch endlich meine Kellervideos schneiden und veröffentlichen. Ich könnte ein Büchlein schreiben, den Inhalt von sechs Kisten bei ebay einstellen (ja, sowas steht hier noch immer rum), Rückengymnastik machen, die Ablage machen, das gesamte Bad entkalken, die gesamte Küche entfetten, Kundenakquise betreiben (für die Zeit nach dem Virus), mich als linker Troll im Internet herumtreiben und Aktivismus betreiben, mit Verwandten telefonieren, Quiche backen, autogenes Training machen, all meine Bilderbücher ansehen, alles in meinem Kindle lesen und mir die Fußnägel schneiden. Eben all das, was seit Ewigkeiten liegenbleibt. 

Webseiten mit gut gemeintem Rat für Selbständige ermuntern eine*n in der Tat dazu, sich in Ermangelung von Aufträgen in eben jene aufgeschobene Arbeit daheim zu stürzen, damit frau nicht zu viel grübelt oder sich gar in Depressionen verliert. Eine Bekannte gab dazu heute zu bedenken, frau könne unmöglich sofort damit beginnen, den Putzlappen zu schwingen, denn dazu sei der zu verdauende Schock einfach viel zu groß. Soweit es mich betrifft, stimmt das tatsächlich. Ich schaue erstarrt den Eichhörnchen beim Spielen auf der Terrasse zu. Im Nachbargarten tummeln sich Mütter und Kinder und machen gemeinsam Krach in der Sonne...die haben offenbar...gar nichts begriffen. Fehlt nur noch, dass sie die Großmütter mit dazu bitten. So wie gestern.

Wer sich weiterbilden möchte: ) - Social Distancing 

Insgesamt beschleicht mich ohnehin das Gefühl, dass ich jetzt nicht mehr zur Arbeit darf, weil die Doofen sich einfach mal wieder nicht zurücknehmen konnten und können. Wer ist denn bitte vor ein paar Tagen noch im Risikogebiet Ski gelaufen und lässt sich bei der Rückkehr nicht testen, sondern wandert geradewegs in Büro? Wer geht denn auf Corona-Partys? Wer tut das alles, bitte sehr? Und auch, dass frau jetzt selbst gezwungen ist, gegen Hamsterkäufer*innen anzuhamstern, die in ihrer kopflosen und raffigen Panik (kurz bevor sie sämtliche Kinder der Nachbarschaft zusammen auf den Spielplatz schicken) künstliche Versorgungsengpässe erzeugen, finde ich einfach nur zum Kotzen. Sie tun wirklich immer genau den Scheiß, den frau auch von ihnen erwatet hätte.

Kurz, ich bin mit all diesen Menschen jetzt zu Haus eingeschlossen und kann sie nicht ausstehen.Ich sitze noch mehr in der Falle als sonst.

Oliver meint, jetzt müssten wir dann eigentlich zu Haus wirklich den Urlaub machen, zu dem wir sonst nie kommen. Spiele spielen, reden, laufen und schlafen. Wenn uns die Hitze des Klimawandels einholt, bevor das Virus erledigt ist, könnte ich ja mal den aufblasbaren Pool, der im letzten Sommer nicht mehr zum Einsatz kam, endlich auf der Terrasse aufstellen...Ich hoffe von ganzem Herzen, dass es dazu nicht kommen wird. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.



NH

Sonntag, 22. Dezember 2019

Adventsblog 5: Stille


Der Plan war ein anderer. Ich hatte vor, an jedem der Tage vom ersten bis zum zweiundzwanzigsten Dezember einen Blogpost zu verfassen. Das hat bekanntlich nicht geklappt. Der Stichtag war gestern (gerade ist Mitternacht), und das hier ist nur Blogpost Nummer fünf. 

Ich habe es indessen gerade noch hinbekommen, meine Küche von den Geschirrbergen der letzten Wochen (nein, kein Witz) und das Schlafzimmer vom Labyrinth aus Wäsche und Gedöns zu befreien, bevor das Christkind kommt und die Hände überm Kopf zusammenschlägt. Am Ende war das Ziel bis hierher nur noch, die Feiertage nicht in totaler häuslicher Verwahrlosung zu verbringen. Ein weiterer Plan war nämlich auch, dass am 22. Dezember mein letzter Arbeitstag ist - sei es in- oder außerhäusig. Und das bis zum 6. Januar. Das werde ich nicht ganz hinbekommen, aber ich habe beschlossen, mich, egal wie oder was, zumindest weitgehend an diesen Teil der Planung zu halten.

Und so ist nun hier auf dem Blog, aber auch sonst alles Mögliche aufgeschoben. Das Programm lautet essen, rumsitzen und zu schlafen, wenn einer danach ist. Und im Augenblick kann ich mir gar nicht vorstellen, dass mir jemals wieder nach etwas anderem sein könnte.

Aufgeschoben sind also auch die Kellervideos und Rezensionen, die hier halbfertig herumliegen. Ich habe Geschichten über Unsichtbarkeit, Aktivismusmüdigkeit, höllische Nachbarschaft und natürlich Entrümpelung - alle im Entwurfsstadium und nun alle verschoben ins nächste Jahr. Wenigstens ist der Keller fertig. Und nach quasi Jahrzehnten des Aussortierens habe ich 2019 noch einmal gut 750 Gegenstände aus meinem Haushalt geworfen. Darauf bin ich immerhin stolz. Abgesehen von einem Stapel überflüssiger aber mächtig bunter Kissen, über die (am besten in den kommenden Tagen) noch Entscheidungen gefällt werden müssen, habe ich den Kampf gegen die Dinge für beendet erklärt. Und übrigens auch für gewonnen. Das bedeutet nicht, dass meine Wohnung leer ist. Sie ist jetzt nur so organisiert, reduziert und handhabbar, dass ich nicht pausenlos an der Aufgabe meiner Selbstorganisation verzweifle - und das war sie vorher definitiv nicht. Bis vor ein paar Tagen noch nicht. 

2020 kommen nun andere Dinge dran. Ich kann es kaum erwarten zu sehen, WAS sie sind.

Habt alle einen guten Jahresausklang - wir sehen uns (hoffentlich) auf der anderen Seite wieder. Da soll es schließlich Kekse geben. ; )

HAPPY EVERYTHING!

NH