Donnerstag, 25. Juli 2024
Follow me around 60: Nach Hause
Donnerstag, 5. Oktober 2023
An die Arbeit
Go ahead. Make my day.
(Clint Eastwood in Sudden Impact, 1983)
Der Ex liest scheinbar mit. Und die neue Partnerin schreibt mir jetzt regelmäßig Briefe - randvoll mit Beschimpfungen. Das ist einerseits beängstigend und meiner ohnehin schon angeschlagenen Verfassung nicht wirklich zuträglich.
Andererseits ist es natürlich hochinteressant.
So wie vieles an der gesamten Situation - wenn Frau schließlich die Ruhe findet, die verstreuten Einzelteile genau unter die Lupe zu nehmen.
Ich habe ja schon an anderer Stelle darüber gesprochen, wie dankbar ich bin, durch das Unglück des Verlassenwerdens zum Schreiben zurückgefunden zu haben. Die große Krise des plötzlichen Beziehungsendes war quasi die Wiedergeburt des Blogs. Endlich hatte ich wieder Zeit, Grund und Drive zu schreiben - so merkwürdig das vielleicht noch immer anmutet.
Die Dankbarkeit dafür ist in der Tat ziemlich unendlich. Die Rückkehr zum Schreiben war offenbar die vielzitierte Tür, die sich inmitten all des Terrors, der mir in den letzten Wochen nur so um die Ohren geflogen ist, plötzlich für mich geöffnet hat.
Es hat öfter Phasen in meinem Leben gegeben, in denen ich buchstäblich um mein Leben geschrieben habe. Meistens als sehr junge Frau und mit der Hand. Und nicht für eine Veröffentlichung geeignet. Das ist diesmal anders.
Ich setze mich nun endlich zurück an den Schreibtisch und mache mich an den lang geplanten Roman - allerdings mit einem ganz neuen thematischen Kernstück: Schlammschlacht, Verrat, Betrug und Psycho-Thrill. Das könnte dann womöglich sogar mal ein Erfolg werden. : ) Und weil wir das Jahr 2023 haben, muss ich nicht einmal auf eine*n Agent*in oder einen Verlag warten, um das Buch auf den Markt zu bringen. Das kann frau heute ja bequem selbst. Ein Toast auf Amazon und BoD! : ) Mit Cola Zero wohlgemerkt - Alkohol verträgt sich nicht mit meinen Medikamenten...
Was lustig klingt, ist halt noch immer ziemlich blöde Realität. Ich habe bereits davon erzählt, dass ich zum ersten Mal nach Jahrzehnten wieder regelmäßig Beruhigungsmittel nehme. Und das tue ich selbstverständlich weiterhin, bis ich mich stabil genug fühle. Ich habe auch über die besondere Erfahrung von Passive Suicidal Ideation (die Vorstellung, dass es besser wäre, nicht mehr zu leben, aber ohne konkrete Pläne, sich zu töten) die ich nun in meine lange Liste von (Er-)kenntnissen aufnehmen kann, berichtet. Es wäre mir nach wie vor lieber, mir wäre nicht passiert, was mir passiert ist. Aber nun ist u.a. ein neues Projekt aus den Trümmern entstanden. Und das ist eine wirklich gute Überraschung.
Eine Lehre über das Schreiben, die ich schon lange mit mir herumtrage, stammt aus einer Sitcom. Ich weiß nicht mehr, wie sie hieß, wer mitspielte oder irgendetwas. Ich erinnere mich nur an eine Episode, in der eine erfolgreiche Schriftstellerin eher widerwillig einem/einer Ratsuchenden Folgendes mitgibt: Schreibe das, von dem du nicht willst, dass sie es wissen. Es war mir bisher gar nicht bewusst, aber im Prinzip ist es das, was ich seit Jahren bereits tue. Ich schreibe und zeige auf dem Blog Dinge, die anderen unangenehm wären. Und mich auch ein wenig Überwindung kosten. Auf jeden Fall denke ich, dass ich diesen Grundsatz für meinen angepeilten kleinen Roman ebenfalls beherzigen und ausbauen sollte.
"You know who you are. And you will be in the book."*
Als ich dem Ex vor ein paar Wochen davon erzählte, dass ich in all der Trauer und Einsamkeit zu einem vor langer Zeit bereits angefangenen Manuskript zurückgefunden und ein wenig daran gearbeitet hätte, hat er sich scheinbar noch für mich gefreut. Wie niedlich im Rückblick. Da wusste ich allerdings auch noch nicht, dass der alte Entwurf nur das Gerüst für eine ganz frische Arbeit sein würde.
Es ist noch nicht so lange her, dass er den Kontakt komplett abgebrochen hat. Das erfolgte, als ich erfuhr, wer die neue Partnerin ist und ihm die Neuigkeit mitteilte. Offenbar war dieses Detail etwas, was unter allen Umständen hätte geheim bleiben sollen. Ich persönlich frage mich ja noch immer, warum eigentlich. Dass diese Information für mich kein Geheimnis blieb, nimmt er offenbar ausgerechnet mir übel. Das ist womöglich Geschmackssache, aber ich wäre ja eher auf die Quelle sauer. Ich würde mich vermutlich fragen, von wo die Information indiskreterweise eigentlich in die Welt hineingeraten ist (und zwar offenbar so gründlich, dass sie es überhaupt durch die Welt bis zur Ex-Freundin geschafft hat). Es würde vermutlich auch helfen, endlich einmal ganz genau hinsehen. Also, am besten mit offenen Augen.
NH
Freitag, 15. September 2023
Ich bin noch da
Ich bin hier. Ich gehe nirgendwohin.
Und ich weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Denn zwischendurch dachte ich, ich würde mich einfach auflösen und spurlos verschwinden.
Seit mein Ex-Partner mich sitzenließ (DLDDD berichtete), wollen viele der Menschen, mit denen ich Kontakt habe, dass ich ab jetzt was "nur für mich" tue. Und davon bitte ganz viel. Je mehr Aktionismus, desto besser. Das hat in der letzten Zeit zu etlichen frustrierenden Immobilienbesichtigungen und nebenbei noch zu vier Dates geführt. Drei der Letzteren waren natürlich mal wieder ganz genau so, dass frau sich erstens fragte, wie sie in diesen Film geraten war und zweitens, wie sie aus der Nummer einigermaßen höflich wieder rauskommen sollte. Das vierte war freundlich, aber trotzdem sinnlos.
Es fühlt sich so an, als ob die ganze Welt darauf besteht, dass es bei mir nun endlich auch mal wieder besser werden muss. Jetzt ist auch mal gut mit all dem Kummer. Ist doch schon ganze drei Monate her. Move on. Ich soll mich um mich selbst kümmern. Um mein eigenes Glück. (Wenn ich das Wort schon höre/sehe, könnte ich tatsächlich kotzen.) Denn für unser Glück sind wir ja bekanntlich selbst verantwortlich. Lohnt sich doch nicht, noch viel Energie für den Kerl zu verschwenden. Du kannst halt niemanden zwingen, bei dir zu bleiben. Vergiss den Idioten. Die bekommen schon, was sie verdienen, nämlich einander. Wir können ja mal wetten, wie lange das mit der Neuen hält. Alles ehrlich und unterstützend gemeint...Und trotzdem sitze ich da und denke, "aber ich wollte ihn ja gar nicht loswerden". Ich will und wollte nichts von alledem. Dennoch soll ich, schwupps, bitte endlich aufhören zu trauern.
Die offizielle Frist, bis frau in den Augen der Umwelt zum Crazy Ex-Girlfriend wird, das einfach nicht in der Lage ist, gedanklich souverän und erwachsen loszulassen, habe ich vermutlich längst überschritten.
Ich finde es dennoch wichtig, gerade hier darüber zu reden, dass es nicht notwendigerweise hilft, pausenlos ins Motivationshorn zu tröten, sobald jemand im Leben hingeknallt ist und sich die Knie offenbar bis zum Knochen aufgeschlagen hat. Krone richten, aufstehen, weiter...eigentlich ist das doch nur grausam. Was ist das eigentlich für ein Druck? Und eine Missachtung der inneren Realität eines verletzten Menschen?
Ich wiederhole es immer wieder gern: Schöner scheitern my ass.
Ich sehe die Türen entweder nicht, die sich im Fall des Endes von etwas angeblich überall öffnen. Oder, und das halte ich für wahrscheinlicher, sie sind nicht wirklich da. Ich habe außerdem keinen Bedarf mehr, an Unglück zu wachsen. Ich bin groß genug.
Im Grunde bin ich, ich erzählte es mindestens schon einmal an anderer Stelle, mit allem Wichtigen gescheitert, was ich so vorhatte. Und ich bin über 50. Ich werde das Gefühl nicht los, dass da auch nicht mehr viel kommt. Natürlich kann ich gleichzeitig den gutgemeinten Aufschrei schon hören, dass da selbstverständlich noch eine ganze große Welt wartet. Aber es ist eine freundliche Lüge, dass es nie zu spät ist. Ich hab keine Ahnung, wie viel Arbeit, Energie und Disziplin in aufbringen müsste, um irgendeinen meiner eigenen Ansprüche noch einzuholen, aber ich weiß ziemlich genau, dass ich sie momentan auf keinen Fall hätte. Im Augenblick kann ich dank MS und anderer medizinischer Probleme nicht einmal anständig geradeaus laufen. Durchschlafen wäre was. Hm...fat chance.*
Ich bin auch beruflich häufig gescheitert. Drei Verlage haben je ein Buch von mir verlegt, und es hinterher bitter bereut, weil sie alle gefloppt sind. Alles, was ich je mit Freude hergestellt habe, war etwas, was dann niemand wollte - mitunter nicht einmal geschenkt. Bücher, Blogposts, Schmuck, Kunst - alles so gut wie unverkäuflich.
Dass ich übrigens auch keinen Oscar für das beste Drehbuch gewonnen habe (quasi das Ur-Ziel, mit dem ich das Studium in Los Angeles begann) ist da wohl keine weitere Erwähnung mehr wert. Ja, die Fallhöhe ist so hoch, wie die Erwartungen. Also arbeite ich seit Jahrzehnten in einem Job, den ich gut kann, der aber nicht Teil des Originalplanes war. Und der im Augenblick nicht genug Geld reinbringt, um andere Ziele von der Bucketlist zu streichen, z.B. gelegentlichen Urlaub in irgendeinem interessanten Land zu machen UND die restlichen Rechnungen zu bezahlen.
Jede Beziehung, die ich gern behalten hätte, ging mir verloren. Und der dazugedachte Film vom Garten mit dem Zaun um das beschützende Haus und dem Bewusstsein, einen Platz zu haben, an den ich ganz sicher gehöre - nichts davon habe ich erreicht (nicht einmal für einen kurzen Moment).
Was ich aus meiner Geschichte gelernt habe, ist, dass meistens irgendetwas fürchterlich schief läuft.
Dafür habe ich offenkundig eine endlose Auswahl an Belegen parat. Ich habe es beispielsweise auch nicht geschafft, meine Mutter über die berühmten fünf Jahre Überlebenszeit zu hieven (was mein erklärtes Ziel war nach ihrer Krebsdiagnose), obwohl ich mich dafür komplett verantwortlich gefühlt und hart daran gearbeitet habe. Sie aber hat die zweite Chemo dann nicht vertragen. Ich verstehe viel von Verlust. Ich gewöhne mich trotzdem nicht daran. Ich weiß, das ist ebenfalls keine besonders exklusive menschliche Erfahrung. Darum teile ich sie hier, damit andere, denen es hilft, das zu wissen, es eben wissen.
Aber auch was mein Engagement auf dem Blog angeht, bin ich wohl eher gescheitert. Fettakzeptanz in Kombination mit radikalem Feminismus ist noch immer eine Nische auf halbwegs verlorenem Posten. Dicke Models auf dem Cover der VOGUE hin oder her. Inzwischen ist der Terror der Normschönheit auf Instagram verantwortlich für eine Zunahme von Suiziden unter jungen Frauen. Frau kommt so unendlich langsam voran. Outlets wie Printmedien und Fernsehen entscheiden sich längst wieder (eigentlich schon immer) für andere, mildere Quellen, wenn sie mit lächerlicher und harmloser Body Positivity Alibibeiträge produzieren wollen. Reichweite ist das Stichwort. Und nach dem Ende der Diäten auf dem Blog schmolz die langsam weg.
Gibt es eigentlich so etwas, wie schöner aufgeben? Ich kann ja immer noch Rebecca Niazi-Shahabis Bücher zum Thema empfehlen. Sie schlägt vor, alle großen und kleinen Ziele auf eine Liste zu schreiben und diese dann kurzerhand wegzuwerfen. Das sei der wahre Schlüssel zu einem akzeptablen Leben.
Vielleicht hätten wir das als Paar tun sollen. Nicht die Beziehung aufgeben. Sondern die To-Do-Liste. Am besten wäre das vermutlich gleich am Anfang passiert.
Ich sitze hier und überlege jetzt schon, wie es dieses Jahr mit Weihnachten wohl werden wird. Gehe ich dann allein am 23. Dezember zum traditionellen Einkaufsbummel in die Stadt und begucke die Hektik der anderen Einkaufenden, während ich weiß, dass bei mir längst alle Vorbereitungen abgeschlossen sind? Wie wird es sich anfühlen, wie früher, in den ersten Jahren nach dem Tod meiner Mutter, über die Feiertage mit niemandem mehr zu reden? Und dann sind da die Theaterkarten, die wir nach unserer Trennung noch zusammen gebucht haben, um uns im Herbst vielleicht doch noch einmal "neu kennenzulernen". Was für ein großes Kino das war...
Mittlerweile habe ich außerdem das Gefühl, ein Strategiewechsel ist zur Verarbeitung überfällig. Ich sollte mir ein paar Stunden auf einer Shooting Range genehmigen, denn das habe ich seit Jahren vor. Oder mit Squash anfangen. Noch so ein nie abgearbeiteter Punkt auf der Liste. Wenn mir die Entzündung in der Hüfte nur nicht so wehtäte. Vielleicht miete ich mir aber endlich mal den Porsche, den ich immer fahren wollte und verbringe etwas Zeit auf der Autobahn, bevor wir doch noch eine Geschwindigkeitsbegrenzung kriegen.**
NH
*Keine Chance.
**Ja, das wäre ohnehin ein Wunder, wenn wir uns in diesem Land endlich dazu durchrängen. Da muss frau sich wenigstens keine Sorgen machen, dass sie mit ihren Träumen vom Rasen zu spät dran ist.
Sonntag, 10. Januar 2016
Die dicke Dame sucht die Liebe / Ausgelesen: ...
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| Marie Laveaus's Everything-You-Need Xecutive Voodoo Kit for Love, gekauft 1997 in New Orleans, nie benutzt - offenbar... |
Bauer attackiert Frau
Und am ersten Tag des Jahres war es dann (fast) soweit. Endlich, nach 20 Jahren, würde ich mal all das anwenden können, was ich im Selbstverteidigungskurs im (Frauen-)College gelernt hatte. Erst zwei Finger gezielt und scharf in die Augen rammen, dann mit aller Kraft zwischen die Beine treten und dann alles tun, was noch nötig ist, um genug Zeit zu haben, um sich in Sicherheit zu bringen. Was einer durch den Kopf geht, wenn sie plötzlich annehmen muss, jetzt könnte es zum ersten Mal in ihrem Leben so richtig brenzlig werden, weil ein notgeiler Großgrundbesitzer (siehe "In Eile") sie nach dem gemeinsamen, ganz friedlichen Abendessen auf einem eiskalten und mäßig beleuchteten Parkplatz trotz deutlichen Protests festhält und sich anschickt, ihr die Kleider vom Leib zu reißen, war zunächst einmal für den Bruchteil einer Sekunde dieses. Dann schoss mir ernsthaft Jenny Holzers Arbeit "Men don't protect you anymore", durchs Hirn, direkt gefolgt von der rettenden, inneren Ermahnung: "LÄRM MACHEN! LÄRM MACHEN! LÄRM MACHEN!" (Danke, Wells College.) Als ich anfing ihn anzuschreien, ließ mein Angreifer mich tatsächlich los, sprang in sein Auto und fuhr ab. Ich stieg in meins und legte meinen Kopf in die Hände. Dabei stellte ich fest, dass ich im Gerangel offenbar einen meiner Ohrringe verloren hatte. Ich habe ihn nicht wiedergefunden. Ich beweinte ihn ein wenig. Und mich auch.
Die Bibliothek des Grauens
Im Grunde schien es nach dem letzten Erlebnis dann beinahe ein wirklich sinnloses, müßiges Unterfangen, tatsächlich noch die Ratgeber zur Partnersuche durchzugehen, die ich mir vor Weihnachten aus der Bücherei mitgenommen hatte. Aber ich tat es trotzdem, denn ich witterte, wie so oft, allerschaurigste Realsatire. Und behielt Recht.
"Wer sagt, dass Männer glücklich machen?", Eva Gerberding und Evelyn Holst, 2013
Beide Autorinnen sind übrigens verheiratet und haben Kinder in die Welt gesetzt. Darüber, dass Kinder womöglich auch nicht glücklich machen, haben sie sogar ein Zweitbuch geschrieben. Dem vorliegenden Bändchen merkt frau selbstverständlich von vorn bis hinten an, wie heilfroh die Schreiberinnen sind, nicht zu ihrer sitzengebliebenen Zielgruppe zu gehören, und so beginnt das Ganze dann auch munter mit eben diesem Vergleich: Sich mit Größe 44 abzufinden, ist, wie sich mit Männerlosigkeit abzufinden. (S.11) Besser wäre es, nicht so fett zu bleiben, aber man kann halt trotzdem eine lustige Dicke/Singlefrau werden, denn wenn wir nicht in der Lage wären, unseren Kummer über die verpatzte Partnersuche zu verdrängen, "würden wir alle zu verkniffenen, Männer hassenden Furien werden." (S.13) An diesem Punkt wurde mir natürlich klar, dass ich vermutlich nur vom bloßen Weiterlesen zur Furie werden würde, aber ich tat es trotzdem. Und lernte, dass ich für Sex und Fortpflanzung keinen Mann brauche. Ich kann es mir doch tatsächlich selbst machen und Sperma kann ich per Post bekommen. Und da Männer in ca. 125.000 Jahren aufgrund ihres genetischen Defektes (das Y-Chromosom) aussterben werden, gewöhnt frau sich ohnehin am besten beizeiten daran, ohne sie auszukommen. Na, das ist doch mal tröstlich.
Und dann kommt das Klagelied der achtundreißijährigen Conny: "...ich (habe) das Gefühl, als wäre ich die Einzige, die es nicht geschafft hat. Das, was vor mir Millionen von Frauen anscheinend mühelos hinbekommen haben: einen Mann zu finden, der sie heiratet." (S. 24) Dass Conny keinen abkriegt, ist kein Wunder. Denn sie hat vermutlich schon wieder viel zu hohe Ansprüche: "Es ist einfach so, je weniger wir erwarten, desto mehr bekommen wir. Je anspruchsvoller wir sind, desto größer ist der Haufen verschreckter Männer, die sich in die Arme pflegeleichterer Frauen flüchten." (S. 29) Die höchsten Singlequoten haben statistisch akademisch gebildete Frauen und "bildungsschwache" Männer. Also muss eine "tolle" Frau ihre tollen Ansprüche aufgeben, oder allein bleiben. Frau hätte jung "zugreifen" müssen (S. 52), aber da hat sie eben immer gedacht, da kommt noch etwas Besseres. Und sie wollte ja außerdem unbedingt erst ihr Studium beenden und ein wenig Karriere machen. Selbst schuld also.
In den Augen der Autorinnen sind Frauen auch daran selbst schuld, dass sie zu schnell und viel zu sehr lieben, und Männer so zusätzlich in die Flucht treiben, denn "nichts finden Männer lästiger, als Frauen, die sie mit Liebe zuschütten" (S.62). Welcher Mann kann das auch wollen - eine gebildete, selbständige Frau, die ihn aus voller Seele liebt? Apropos Seele, auch die Eva und die Evelyn versteigen sich gern zu eben jener Theorie, die ich hier auf dem Blog schon mehrmals und auch jetzt als esoterischen Bullshit bezeichne: Nur mit leichter Seele und ohne den Wunsch, einen Partner zu finden, wird frau angeblich doch noch einen finden. (S. 57) Darum raten die Autorinnen dazu, sich den Partnerwunsch regelrecht abzutrainieren. Ich frage mich indessen, ob die beiden so auch nach ihren Autoschlüsseln suchen. Die nächste biologistische Unterstellung folgt sogleich: "Früher oder später ist der Kinderwunsch da." (S.74) Es sei denn, so die Autorinnen, frau ist ein etwas wunderliches Exemplar mit leicht rabiater Grundeinstellung. Also so eine wie ich.
Am Ende plädieren die Autorinnen dafür, sich mit einer "kleinen" Liebe zufrieden zu geben. Das mag resignativ sein, ist aber angesichts der faktischen Unvermittelbarkeit der hoffnungslos überqualifizierten Akademikerin mit ihren neurotischen Erwartungen und der wummernden biologischen Uhr womöglich die reife und pragmatische Lösung, um nicht zu sagen, der letzte Ausweg. Und immerhin: "Verheiratete Männer sind oft die besseren Liebhaber, weil sie sexuell ausgehungert und deshalb sehr dankbar sind." (S. 123) Hm, Man-Sharing also...
Im Sinne der Selbsterkenntnis schließt das Werk mit einer Typisierung der Frauen, die unter Garantie jeden noch so bindungswilligen Kerl abschrecken. Während man Männer sehr wohl mit "Sex und guter Laune" einfangen könne, seien diese weiblichen Exemplare auf jeden Fall hoffnungslose Fälle (ab S. 171). Meiner persönlichen Analyse zufolge, handelt es sich bei mir selbst um eine hochexplosive Mischung aus der "Naturbelassenen" (politisch korrekt), der "Bedürftigen" (mag Duftkerzen und hat immer eine 2. Zahnbürste da), sowie der Dauernörglerin (denn die ist nie zufrieden).
All das giftige Gegurgel gegen Männer und vor allem Frauen findet dann auch am Ende sein polterndes Finale in folgender Festellung: "Okay wir sind uns einig, dass zu unserem Lebensglück nicht unbedingt ein Mann gehören muss, aber dass es (...) natürlich MIT schöner ist als OHNE." (S. 175) Ja, die Großbuchstaben sind Teil des Zitats. Soll vermutlich heißen: Männer sind Scheiße. Aber Frauen ohne Männer sind noch viel scheißer.
"Die Diva Taktik - Warum starke Frauen bei Männern ein leichtes Spiel haben", Martin Fraas, 2010
Martin Fraas stimmt den Autorinnen der oben durchlittenen Lektüre nicht zu. Er behauptet schlicht, Männer wollten "lieber eine stolze Löwin als ein braves Schaf." (S. 12) Außerdem sagt er, was immer und immer wieder gern in Ratgebern für Singlefrauen steht: Männer wollen angeblich nichts, was sie leicht haben können. Diese Theorie beißt sich allerdings mit der Feststellung, die sich ebenfalls durch alle hier besprochenen Ratgeber zieht, nämlich, dass Männer gern den Weg des geringsten Widerstandes wählen, bzw. in Beziehungen mitunter regelrecht faul seien. Außerdem ist der Rat, sich als Frau rar zu machen, meiner Auffassung nach in der Regel nichts anderes, als eine puritanische Ermahnung, nicht gleich mit jedem ins Bett zu hopsen. Fraas schlägt tatsächlich vor, Kandidaten erst nach 5 Dates mit Sex quasi zu belohnen. Da ist sie auch schon wieder, die alte Unterstellung: Männer wollen Sex dringender, als Frauen - darum können und sollten Frauen ihn auch taktisch und im Prinzip zur Manipulation nutzen. Außerdem hat der Autor folgenden Rat zu vergeben: "Strahlen Sie unmissverständlich und selbstbewusst aus, dass es keine echte Alternative zu Ihnen gibt." Das klingt gut. Gleichwohl habe ich sofort erst einmal auf YouTube nach einem Tutorial gesucht. Das erklärte dann auch, warum ich beim "Diva-Test" am Ende des Buches mit nur 28 von 60 möglichen Punkten total abgeschmiert bin: "Sorry, aber auf dem Weg zur Diva haben Sie noch Nachholbedarf. (...) Nehmen Sie sich ganz bewusst vor, ab und zu auch Ihren verrückten Seiten eine Chance zu geben." (S. 154) Ehrlich jetzt?! Na, wenn der Martin das sagt...
"Scheißkerle", Roman Maria Koidl, 2010
Wie der Titel u. U. vermuten lässt, ist der Autor nicht sehr optimistisch, wenn es um Beziehungen und insbesondere die Rolle seiner Geschlechtsgenossen darin geht. Anders, als vielleicht zu vermuten gewesen wäre, ist der Titel nicht ironisch gemeint.
Wie schon die Eva und die Evelyn, spricht auch er von "mehr guten Frauen als guten Männern" (S. 14). Soll heißen: Statistisch setzt sich die Gruppe derjenigen, die keinen Partner abgekriegt haben, mehrheitlich aus akademisch ausgebildeten "Superweibern" und "männlichen Hartz-IV-Empfängern" zusammen. Das führe dazu, dass Frauen ihre Ansprüche zwangsläufig herunterschrauben und sich nicht selten mit irgendwem zusammentun würden, nur um nicht ganz ohne Anhang zu sein. Der Autor scheint diesen Umstand ehrlich zu bedauern und versucht zu warnen: Dass Männer mit Frauen, die sie eigentlich gar nicht so besonders toll finden, mehr oder weniger feste Beziehungen eingehen, sei tatsächlich die Regel, und kein Einzelfall. Wenn ein Mann verliebt sei, dann würde die gemeinte Frau das auch auf jeden Fall wissen, denn "wenn ein Mann es ernst meint, setzt er Himmel und Hölle in Bewegung, um sie zu erobern." (S. 45) Außerdem gibt er zu bedenken, dass es "keine "komplizierten" Situationen mit Männern" gibt. "Wenn eine Situation mit einem Mann "kompliziert" ist, ist sie immer verlogen. Ohne Ausnahme." (S. 48) Die entscheidende Frage ist in einer Beziehung mit einem Mann also laut Koidl nicht, ob er einen guten Charakter hat, sondern vielmehr, ob sein Interesse groß genug ist. Das bestimmt sein Verhalten innerhalb der Verbindung.
Tatsächlich hat der Autor noch ein paar andere, eigentlich ganz hilfreiche, weil auf gesundem Menschenverstand basierende Hinweise (ab S. 215):
1. Frau sollte die Reißleine konsequent und zeitig ziehen.
2. Eine Geliebte spielt für immer die zweite Geige.
3. Wenn ER sich keine Mühe gibt, sollte frau die Sache beenden.
4. Was schon am Anfang kompliziert ist, wird vermutlich niemals blühen.
5. Frau sollte die Suche dennoch nicht aufgeben, aber sich klar darüber sein, dass die Voraussetzungen halt stark erschwert sind.
Und schließlich:
6. "Suchen Sie sich einen Kerl, der Sie liebt." (Tutorial?...Anyone?)
"Wann kommt denn endlich der blöde Prinz auf seinem dämlichen Gaul! 100 Tipps, wie Sie Ihren Traummann finden", Oliver Stöwing, 2009, vom Grabbeltisch
Auf dem Rückcover wird der Autor dieser Perle als "Frauenflüsterer" bezeichnet. Sollte frau den Herrn Stöwing ernsthaft irgendwann, irgendwo flüstern hören, sollte sie rennen, rennen, rennen, was die Absätze hergeben.
Laut Stöwing braucht frau für die "Prinzenjagd (...) Zeit, Energie und Geld." (S. 19) Was sie auch braucht, wenn sie darauf besteht, sich Stöwings Ergüsse komplett zu Gemüte zu führen, sind verdammt starke Nerven.
Ich werde mich darauf beschränken, nur eine Hand voll seiner absurden und teilweise unerträglich langatmigen "Tipps" wiederzugeben:
1. Das Ziel, einen Partner zu finden, sollte in zeitliche Etappen unterteilt werden, z.B. Bis Mitte Juli Sex haben.
2. Manche Frauen "leiden an Futtersucht und verringern dadurch ihre Marktchancen."
3. Frau sollte Frauen nachahmen, die bei Männern erfolgreich sind (Diese leuchtenden Beispiele nennt der Autor "Mrs. Wunderbar", S. 74.)
4. "Ein sexy Body braucht Bewegung." (S. 86)
5. "Hunger ist kein Defizit, das sofort behoben werden muss." (S. 93) Und ja, der Autor meint den Hunger nach Essen.
6. Und was die Handtasche betrifft: "Für ein Date wählen Sie besser ein schlichtes, zeitloses Modell mit dezentem Label." (S. 151)
7. "Ein Quasselhuhn wird ihm schnell auf die Nerven gehen." (S. 156)
8. "Männer wollen fitte Frauen." (S. 191)
9. "Packen Sie mit an, wenn es etwas zu tragen gibt." (S. 193)
10. "Zügeln Sie Ihre Launen!" (S. 196)
11. "Ein Mann muss nicht aussehen, wie Hugh Jackmann, damit Sex Spaß macht." (S. 206) (Anm. d. dicken Dame: Wer ist Hugh Jackmann?)
12. "Forcieren Sie niemals das Thema Kinderkriegen..." (S. 265)
...
13. Was immer Sie tun: Verschwenden Sie nicht Ihre letzten fruchtbaren Jahre damit, bescheuerte Ratgeber von frauen- und im Prinzip ebenso männerhassenden Idioten zu lesen.
NH
Freitag, 24. Juli 2015
Follow me around 30: Umnachtung
Die letzte Woche fing schon schlecht an, als sie eigentlich noch gar nicht angefangen hatte. Ich wurde am Samstagabend auf einer eigentlich sehr schönen Party an einem Tisch platziert, an dem u.a. bereits ein Steuerberater/Lokalpolitiker und seine dicke Frau saßen. Sie war mit echtem und falschem Glitzerkram geschmückt, wie ein Weihnachtsbaum und brachte die passende sprudelige Stimmung gleich mit. Erst dachte ich nur, sie wäre halt eine von diesen, wie ich finde, unangenehmen Dicken, die mit überzogen fröhlicher Hoppla-jetzt-komm-ich-Attitude die Tatsache ausgleichen wollen, dass sie, so wie ich, zu einer als minderwertig empfundenen Bevölkerungsschicht gehören. Später stellte ich fest, dass sie auch ausgesprochen unhöflich war, denn sie setzte sich nach dem Essen zwischen mich und meine Nachbarin und blockte mich aus der Unterhaltung, indem sie mir ihren Rücken zudrehte.
Wahrscheinlich hatte sie es mir übel genommen, dass ich ihren Mann dabei erwischt hatte, ein nicht besonders heller Schwätzer zu sein. Wir konnten vom Tisch aus den Michel (St. Michaelis, Hamburg) sehen. Meine Nachbarin sagte: "Oh, der Michel!" Er erklärte ihr im Brustton der Überzeugung, das sei nicht der Michel. Mein Google sagte, dass er schlicht Unrecht hatte. Und das sagte ich ihm dann. Der Mann belehrte halt mal wieder besonders gern Frauen. Nacheinander meine Nachbarin, dann mich und schließlich sogar seine eigene Frau. Dummerweise lag er mit so ziemlich allem falsch. Heutzutage ist das ja im Zweifel besonders schnell und leicht nachzuweisen. Was manche Ehefrauen so aushalten...aber vermutlich sieht sie nichts bzw. alles ganz anders. Sie nannte ihn stolz "großer Bär". Ein Bild vom "kleinen Bären" (das Kind heißt tatsächlich "Urs") hatte sie mir bereits Sekunden nachdem ich mich an den Tisch gesetzt hatte, unter die Nase gehalten.
Was bedeutet diese Episode nun eigentlich? Ich kann öfter mal gar nicht so gut mit anderen Dicken. Das hat mich immer ein wenig frustriert, wenn das passiert ist. Aber warum eigentlich? Schließlich sind wir nicht automatisch im selben Club. Und Dicke sind nicht automatisch bessere Menschen. Das denkt man nur immer, wegen ihrer persönlichen Diskriminierungsgeschichte, die sie schließlich, wie wir alle, irgendwie schon haben müssen. Aber nicht jede(r) kommt am Ende des Spülganges mit der gleichen Gemütsverfassung und Weltsicht wieder heraus. Und Solidarität ist im Alltag und auch sonst ja ohnehin immer so eine Sache. So wie Angela Merkel keine Verpflichtung hat, Politik für Frauen zu machen, und darüber hinaus nun auch über das mühsam erstrittene Recht verfügt, ganz genauso reaktionär und machthungrig zu agieren, wie jeder reaktionäre und machthungrige Mann, haben Dicke natürlich keine Verpflichtung, ausgerechnet zu mir nett zu sein.Und sind sie halt oft auch nicht.
Konkurrenz unter Dicken?
Ich bin bereits in all diesen Kategorien gescheitert: mit der besten dicken Freundin, diversen Stammtischen für dicke Frauen, auf dicken Tanzparties, sowie in Internetforen für Dicke. Es macht mich als Feministin nicht froh, von Bissigkeit und Konkurrenzgebaren unter Frauen zu sprechen, weil es mir viel lieber wäre, das bliebe in meiner Welt nur ein abgedroschenes Klischee, aber oft waren es wohl wirklich solche Schwingungen, die mich dazu gebracht haben, mich von entsprechenden Zusammenschlüssen wieder zu trennen. "Wenn du immer und überall fast ausschließlich auf dicke verbissene Konkurrentinnen statt Schwestern triffst, bist am Ende womöglich doch du selbst die, die immer automatisch konkurriert", schallt es aus naseweiser Quelle über die Straße. Wer weiß...
Was ich weiß (und vermutlich auch hinreichend mitgeteilt habe) ist, dass meine Wut stetig auf jene wächst, die sich anpassen, den Kopf einziehen, insgeheim noch immer auf dünne Zeiten hoffen, und den Kampf für die eigene gesellschaftliche Akzeptanz und gegen die eigene Diskriminierung im günstigen Falle anderen überlassen. Im schlechteren stemmen sie sich noch gegen derartige Bemühungen. Dicke Anti-Dicke sind mir genauso ein Rätsel, wie Antifeministinnen. Auf beide bin ich mitunter so sauer, dass ich gelegentlich mit dem Gedanken spiele, doch noch eine Karriere als Autorin seifiger, antiemanzipatorischer Frauenromane zu starten, in denen dicke, tramplige Heldinnen regelmäßig schön und schlank werden, bevor sie endlich doch noch ihr Glück finden.
Meine Therapeutin hat mich letzte Woche Donnerstag in einer Gruppensituation beobachtet (therapeutische Kochgruppe in ihrer Praxis) und mir danach am Dienstag mitgeteilt, ich hätte so viel unnahbarer gewirkt, als im normalen Gespräch und damit womöglich die anderen Gruppenmitglieder verunsichert. Das fand ich bemerkenswert, denn ich hatte mich einfach nur zurückgehalten, um explizit niemanden zu verschrecken. Mir ist bewusst, dass ich leicht zu viel werden kann, wenn ich meine Ansichten, Überlegungen, meinen Humor und meine Abneigungen zu deutlich austeile. Darum nehme ich mich im direkten Zusammentreffen mit anderen oft zurück. Offenbar mit dem Ergebnis, dass man mich dann leicht für unzugänglich hält. Schöner Mist.
"Zu viel" zu sein, ist eine Erfahrung, die ich mehr als hundertmal gemacht habe. Und das eben nicht nur, was meinen Körper angeht. Ich bin im persönlichen Umgang oft bemüht, Menschen nicht zu überfordern, weil es nicht meiner Erfahrung entspricht, dass ich besonders gemocht werde, wenn ich da den Rahmen sprenge.
Während kapriziöses Drama beispielsweise geradezu ein Lebens- und Erfolgsrezept vieler Frauen im Umgang mit Männern zu sein scheint und sie offenbar niedlich, geheimnisvoll und schutzwürdig erscheinen lässt, hat bei mir "Kompliziertheit" eigentlich immer nur dazu geführt, dass sich andere abwenden. Mich hebt keiner fasziniert vom Boden auf, streicht mir über den Kopf und hält mein emotionales und geistiges Übermaß für eine Aufforderung, sich zu Rettungsaktionen aufzuschwingen. Warum eigentlich nicht, wollte ich von meiner Therapeutin wissen. Das ist sowas von unfair. Wusste sie aber auch nicht.
Das Ende vom Lied
Als Beispiel für oben beschriebenes Dilemma endete in dieser Woche die spaßhafte Androhung durch mich, persönlich ein Geburtagsständchen vorzutragen, unbegreiflicherweise in einem weiteren zwischenmenschlichen Bruch. Wahrscheinlich hätte ein Video von mir mit Sprühsahne auf dem Busen (wie im letzten Jahr) mehr Anklang gefunden, aber dazu hatte ich keine Lust. Wahrscheinlich hätte ich mich wieder komplett zurück halten sollen - ich weiß schließlich, dass Geburtstage eine kniffelige und empfindliche Angelegenheit sein können. Aber es war mir ein Bedürfnis, mich einfach zu melden. Genau genommen war es mir ein Bedürfnis, vom Empfänger mal wieder wahrgenommen zu werden. Aber er hat mich scheinbar abermals nicht gesehen. Und nach zwei Jahren, in denen ich mich in dieser Verbindung oft wie der letzte Dreck gefühlt und mich trotzdem weiter bemüht habe, weil sie mir so furchtbar wichtig war/ist, habe ich dann so deutlich gesagt, was ich denke, dass von nun an zumindest ich selbst nicht mehr in der Position bin, hier, wie vielleicht vormals noch möglich, eine Rückabwicklung vorzunehmen. Und da ich wirklich nicht damit rechne, dass mir derjenige plötzlich vom Boden aufhilft, weil er mich so niedlich findet - one down, no one to go.*
Nachtwanderung
Sonntagnacht wanderte ich allein durch den Ort. Zwei junge Menschen kamen mir im Dunkeln auf dem Bürgersteig mit einem Hund entgegen. Die Frau lief auf meiner Seite direkt auf mich zu. Es bestanden zwei Möglichkeiten: Entweder sie weicht hinter oder vor ihren Begleiter aus, oder sie rennt direkt in mich rein. Und das hat sie dann auch getan. Offenen Auges. Weil sie bis zum letzten Moment hinter ihren stylischen Brillengläsern geglaubt hat, dass die dicke Alte schon einen Schritt zur Seite und auf die Straße machen wird, wenn sie in Paarformation auf mich zurauscht...
...War dann regelrecht ein wenig schmerzhaft, der Zusammenstoß. Und von ihrer Seite erstaunlicherweise komplett stumm. Während ich die Augen rollte und seufzte "Unfassbar!", begannen die beiden erst einige Meter die Straße hinauf damit, sich wieder murmelnd zu unterhalten.
Und nun ist schon wieder Freitag.
*Noch einer erledigt, keiner mehr da.
NH
Freitag, 26. Dezember 2014
Outside
Samstag, 18. Oktober 2014
Follow me around 9: Das Ende der Jagd
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| Schmetterlingsnetz 1 |
Betrachten wir das Experiment hiermit als abgeschlossen.
Dating down*
Sonntag, 17. August 2014
Follow me around 6: Heul-doch-Haul
Mir ist eiskalt.
Darum all die neuen, kuscheligen Schals. Ich habe das drängende Bedürfnis, mich vor weiterer seelischer Auskühlung zu bewahren. Und mir fiel zunächst nichts Besseres ein, als einfache Symbolik in Form von wärmendem Stoff. Zwischendurch hätte man trauernde Wetterfühligkeit nicht vermutet. Rage vielleicht schon. Ich habe heute im Regen mit wildem Eifer meine Büsche beschnitten (ich habe noch die Blätter im BH, um es zu beweisen) und mich dann klitschnass und barfuß mit dem Computer an eine zugige Stelle gesetzt, so als wollte ich unbedingt krank werden. Tatsächlich dachte ich auch bei mir, was sonst immer Eltern sagen: "Du holst dir den Tod." Dann wurde mir klar, dass es sich nicht lohnt, krank zu werden, wenn da ohnehin keiner kommt und Suppe macht. Also, symbolische Suppe.
Ich gebe es zu: Ich will jemanden, der mir warme Suppe bringt. Der sagt, das ist doch alles nicht schlimm. Der sagt, lass mich das mal machen. Der sagt, das ist doch kein Problem. Und der recht hat. Und dann ist auch auf einmal alles gar kein Problem.
Wenn ich es jedoch ganz genau bedenke, hätte ich, lieber noch als Suppe, gern ein Feuer. Ja, das ist es: Ich will jemanden, der ein Feuer für mich macht, und mir Geflügelwürstchen und Auberginenscheiben auf den Grill wirft! Ich will jemanden, der sich sorgt und mich füttert. Mit Neuigkeiten, Erkenntnissen, Freude und Anwesenheit.
Das klingt nicht sehr emanzipiert. Ist es vermutlich auch nicht. Das Bemerkenswerte ist jedoch, dass einen als Frau ohnehin weder ausgeprägte Selbständigkeit noch eingestandene Bedürftigkeit für Männer besonders interessant zu machen scheinen. Es ist mitunter wohl eher doch angepasste Verfügbarkeit, die einen da so richtig nach vorn bringt. Aber weil ich dann eben doch so eine fürchterliche Zicke und Kampfemanze bin, hat natürlich genau die - im Gegensatz zu meiner Bedürftigkeit - ziemlich klar umrissene Grenzen.
Die Schals sind aber auch gut für Fatshion-Gehversuche. Das ist mir bei meiner letzten Bemühung , mich sichtbarer anzuziehen, klar geworden. Ein körperbetontes Kleid trägt sich für mich leichter, wenn ich einen Schal dabei habe. Nicht einmal um den Hals. Sondern einfach in der Hand oder gar in der Tasche.Wenn es ganz schlimm kommt, habe ich eine Schutzhülle dabei. Die Vorstellung hilft mir.
Samstagnacht LIVE
Ich brauche bekanntlich all die Hilfe, die ich kriegen kann. Und jetzt erst recht. Denn ich habe beschlossen, dass ich so bald an keinem Samstagabend mehr allein zu Hause hocken werde. Oder auf der Terrasse meiner bald achtzigjährigen Nachbarin. Eine Freundin sagte mir unlängst: "Man kann bei der Suche nach der Liebe halt nichts erzwingen. Entweder es passiert, oder es passiert nicht." Hat man je etwas Deprimierenderes gehört? ; ) Geduld ist nicht wirklich ein Programm auf meinem Rechner. Akzeptanz noch viel weniger. War es noch nie. Und nun erst recht nicht mehr, denn man wird bekanntlich nicht jünger. Und zumindest meiner Erfahrung nach gibt es in der Tat nichts Gutes, außer man tut es. Klar kann man was tun, und trotzdem oder gerade deshalb in der Hölle landen. Aber wie wahrscheinlich ist das? Ich rede ja immerhin auch nicht von "einfach machen". Ich rede von "machen und denken".
...Und weißt du eigentlich, was mich auch ärgert? Dass wir den Wein nie aufgemacht haben.
Ich werde ab jetzt samstags konsequent ausgehen. Mit männlicher Begleitung oder ohne. Abgesehen vom Internet werde ich mich auch in der Welt verschärft auffindbar machen. Ich werde buchstäblich barhoppen. Ich werde zu Ausstellungseröffnungen gehen.Vielleicht werde ich doch wieder Mitglied im Fitnessstudio. Vielleicht höre ich ganz auf zu essen und gehe stattdessen mal auf eine Single-Städtereise. Womöglich belege ich am Ende auch noch irgendwelche Wochenend-Yogakurse. Und ich gehe wieder zu Ü100-Partys. Ich werde die Männerjagd zum Projekt machen. Und, wie es so meine Art ist, zum semi-wissenschaftlichen Experiment. Was ich im letzten Jahr so unternommen habe, war nur Anlauf. Und ja, während ich das hier schreibe, steht mir schon vor Anstrengung der Schweiß auf der Stirn.
Ach, und übrigens: TheKissingBooth (Meine Kussbude) in der Kategorie "Heißer Flirt" bei LiveJasmin.com öffnet nächsten Dienstag zwischen 16 und 19 Uhr.
NH

















