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Freitag, 5. September 2014
Follow me around 7: Dame ohne Unterleib
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Donnerstag, 14. August 2014
Follow me around 5: Und du so?
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Montag, 21. Juli 2014
Follow me around 3
Schön ist das nicht
Kennt das noch jemand, dass einem bei so ziemlich jeder Unternehmung mit mehr als einer Unbekannten fast unvermeidlich erst einmal alles um die Ohren fliegt? Nichts ist jemals einfach. So ziemlich alles, was einem wichtig ist, muss erkämpft werden. Wenn es mal nicht so ist, ist man komplett verwirrt und kann es nicht recht fassen. Durch den Impuls trotzdem zu rackern, um zu erringen, kann man dann gute, leichte Sachen auch schnell wieder dazu bringen, zu verschwinden. Und zwar noch bevor man sie als das erkannt hat, was sie sind.
Jedenfalls schüttelte ich enthusiastisch die Dose, drückte dann den kleinen Knopf, und es sagte vorwurfsvoll "kriggsch", worauf ich einen eingerissenen, blutigen Nagel und das Gesicht voller Sahne hatte. Der Dinosaurier auf dem Fensterbrett sah aus, als sei er in einen Schneesturm geraten und was ich heute außerdem noch gelernt habe, wäre dieses: Sprühsahne aus Jalousien zu putzen ist eine Schlacht, die man nicht gewinnen kann.
Ich sprühte noch einmal und traf diesmal, erregte aber auch die Aufmerksamkeit des Katers, der entschlossen auf meinen Schoß kletterte, fasziniert an mir roch und anfing, mir die Sahne vom Arm zu lecken. Als ich ihn endlich trickreich aus dem Bild befördert hatte, war die Sahne flüssig und unlesbar. Dafür tropfte sie umso wilder und unkontrollierbarer ÜBERALL HIN.
So ist das. Immerzu kracht irgendetwas zusammen und/oder auf den Boden, wo es dann in die hinterste Ecke und/oder unter den Schrank kullert. Wenn man dann hinterher kriecht, findet man einen Haufen von Dingen, die man wirklich lieber niemals gesehen hätte. Die Welt, in der ich lebe, ist eine gigantische Handtasche, in der konsequenterweise alles, was man braucht, gerade unauffindbar ist. Und wenn man dann die kleine Taschenlampe am Schlüsselbund anknipsen will, um die Sache hilfreich zu erhellen, ist die Batterie alle.
Was allerdings so schnell nicht verloren gehen wird, ist der Geruch der Sprühsahne auf der Haut. Dem war auch mit Körperpeeling irgendwie nicht beizukommen.
Das bisschen Haushalt
Nun mache ich nur noch Essen, das roh, oder für die Mikrowelle geeignet ist. Auf diese Weise schlagen mir zwar keine offenen Flammen mehr entgegen, dafür wird jetzt oft alles wieder kalt, bevor ich dazu komme, es aus der Küche abzuholen. Ja, ich vergesse zu essen. Ich habe tonnenweise Wichtigeres zu tun - äußerlich wie innerlich. Am vergangenen Wochenende habe ich hauptsächlich von Wassereis gelebt. Ich glaub' übrigens, daran könnte ich mich durchaus gewöhnen. Abendessen am Stiel. Gar kein Abwasch mehr...bis auf die Katzenteller. Die allerdings sind insbesondere bei den aktuellen Temperaturen eine echte Herausforderung.Hm, vermutlich hätte der Kater keine Probleme damit, auf Pappteller umzusteigen. Ich weiß, mein Kampf mit der Küche soll mir etwas sagen. Aber es wäre geprahlt, zu behaupten, ich wüsste wirklich, was.
Hautbild
Auch was meine Haut mir mit ihrem absurden Ausbruch mitteilen wollte, ist mir ich nicht so recht klar. Oder sagen wir, ich verstehe einfach nicht, warum sie so lange gewartet hat, und sich ausgerechnet jetzt als Spiegel der Seele aufspielen musste. Und ich will, dass sie wieder damit aufhört und traue ihr nicht. Darum beschmiere ich sie immer weiter mit antibiotischer Creme, damit sie ja die Klappe hält. Sie rächt sich und lässt einfach die Verfärbungen, die von der Dermatitis geblieben sind, nicht so richtig abklingen. So habe ich noch immer eine reduzierte, rötliche Weltkarte mitten im Gesicht. Links Südamerika, rechts Russland - und meine Nase als Bergkette dazwischen.
Obendrein habe ich bei großer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit immer ein Problem mit juckenden Pickelchen auf der Stirn. Normalerweise rücke ich diesen ziemlich erfolgreich mit Kortison zu Leibe. Aber in diesem Jahr geht das ja nicht. Also kratze ich mich viel am Kopf und trage weiterhin kein Make-up. Das könnte der m,kkkkk.l-öööö (Kater ist über die Tastatur gewandert) Anfang einer völlig neuen Phase des Ugly Girl Projects sein...ich bin mir nur nicht sicher, ob ich dafür bereit bin. Für die ungeschminkte Wahrheit.
NH
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Freitag, 30. Mai 2014
Suchbild 2
Und wie läuft es nun eigentlich mit der Suche nach Liebe?...Steht alles. Wie in meinem algigen Wasserbecken auf der Terrasse…
Der Fehler, den man dann allerdings AUF KEINEN FALL machen sollte, ist nachzusehen, wer einen alles bestaunt und angeschrieben hat…denn der Tümpel ist nach wie vor voller Frösche, denen man bereits vom Mond aus ansehen kann, dass aus ihnen niemals ein Prinz werden wird. Und es stärkt das Selbstbewusstsein halt oft nicht wirklich, zu erfahren, wer sich da wahrhaftig alles Chancen ausrechnet. Mit Fotos, auf denen sie eine Weihnachtsmütze tragen und eine Flasche Bier in der Hand halten. Und mit Profiltexten, in denen nach Frauenkörpern gesucht wird, die zu „seinem Körper passen“. Beunruhigend auch immer wieder, für wie viele Männer es offenbar eine Empfehlung zu sein scheint, „mal zu schaun, was so kommt“ und zu betonen, dass sie andere leben lassen.
Ich weiß, dass ich grausam klinge. Aber der Online-Dating-Prozess ist einer, bei dem man grausam wird. Man denkt über Menschen nach und denkt im selben Zusammenhang das Wort „Schrott“. Genau genommen eignet sich die oben geschilderte Übung auch sehr gut dazu, die eigenen fiesen Seiten mal so richtig zu erkunden. Wer sich bisher für eine nette Person gehalten hat – viel Glück mit dem neuen Ich. ; )
Ich hatte unlängst für ca. ganze zwei Wochen solch ein Eitelkeitsprofil bei Shop-A-Man. Da müssen sich Männer darum bewerben, von Frauen in deren Einkaufswagen gelegt zu werden, um diese dann kontaktieren zu dürfen. Insgesamt funktioniert das Ganze wie die Hackordnung in einer amerikanischen High-School-Komödie. Es geht vielleicht in zweiter Linie darum, einen Partner zu finden. Aber in der Hauptsache dürfte es das Ziel der meisten Teilnehmer sein, "beliebter" zu werden, bzw. zumindest in der fantastischen Resterampenwelt von Shop-A-Man seinen Marktwert kräftig zu erhöhen. Dazu muss man auf der Plattform möglichst umtriebig sein. Und so kam es, dass ich, nach dem Abklingen des obligatorischen Runs auf frische Mitglieder, am Ende meines Aufenthalts nur einen Beliebtheitsgrad von 76% hatte. Das bedeutet angeblich, dass 76% aller Frauen, die auf der Seite registriert sind, unbeliebter waren als ich. Und das klingt vielleicht gar nicht so niedrig, ist es aber. Tatsächlich war ich damit im Shop-A-Man-Universum ziemlich unten durch. Werte von über 90% waren zumindest bei den meisten „Produkten“ („Männern“ Anm. der DD), die mir dort begegnet sind, die Regel. Selbst der Herr, der schrieb „Ich mag am liebsen Frauen mit blondem Haaren. Und ich mag es ordentlich und sauber.“ hatte es bereits auf satte 88% gebracht. Oy vey… könnte ich nur auf Bestellung alles so gründlich vergessen, wie das, was ich gerade aus der Küche holen wollte…
Eigentlich wollte ich mich ja auch mit der Schilderung meiner Erfahrung bei Elitepartner.de gar nicht mehr groß aufhalten. Unrat soll man vorbeischwimmen lassen. Jedenfalls war das Lebensmotto meiner Mutter. Nicht, dass es ihr jemals wirklich gelungen wäre, sich nicht zu empören… Erstens bin ich also genetisch vorbelastet und dann dachte ich auch, dass ich damit, dem halbseidenen Horrorladen ein Jahr lang monatlich 40 Euro zwischen die Fänge geworfen zu haben, jetzt wenigstens das Recht erworben habe, hier eindringlich davor zu warnen, sich dort einzuschreiben. Da bin ich natürlich nicht die Erste. Das Internet ist voll von Schreckensberichten. Mit seinen rabiaten Geschäftspraktiken am Rand der Sittenwidrigkeit ist der Anbieter bisher nicht nur einmal von der Verbraucherzentrale verklagt bzw. abgemahnt worden. Und wer verärgert oder in der Überzeugung, gar keinen Vertrag mit Elitepartner geschlossen zu haben, Zahlungen zurückhält, bekommt es mit noch viel schattigeren Inkassounternehmen zu tun, die allesamt offenbar auch schon zweifelhafte Internet-Berühmtheit erlangt haben.
Vielleicht würde man sich über rechtswidrige Vertragsklauseln gar nicht aufregen, wenn der gebotene Service umso erfreulicher und erfolgreicher wäre. Aber Auseinandersetzungen mit dem Kundenservice sind, als würde man ohne Narkose die Fußnägel gezogen bekommen. Und auch die Partnersuche auf dem veralteten Portal mit den albernen Milchglasbildern der Suchenden, den unendlich vielen inaktiven Profilen, den abwegigen Standardnachrichten, die man verschicken muss, weil nichts anderes geht, sowie den endgültigen Absagen, nach denen man sich nicht noch einmal anders entscheiden kann, fühlt sich in etwa so an, als wollte man sich in einer eisernen Lunge am Zeh kratzen. Und weil da so gut wie niemand ist, antwortet auch ohnehin keiner auf die stümperhaft vorformulierten Anfragen, die man vielleicht doch noch versendet. Gucken kommt erst recht keiner. Gibt ja auch nichts zu gucken. Man kann sein Bild auch dann nicht allgemein sichtbar machen, wenn man dieses ausdrücklich wünscht.
Was dann doch noch kam, aus dem Elitetümpel der „handgeprüften“ Nutzerprofile, war, bis auf einen wirklich ganz netten Kardiologen, der im letzten Jahr mein allererstes Online-Date überhaupt war, eine gänzlich verwunderliche Mischung aus Fußfetischisten, androgynen Frisörinnen, cULTURAL SOCIOLOGISTs mit Realschulabschluss, Herren, die von Beruf „Sonstiges“ sind oder – ungelogen – unter „Kuhpedikeur“ firmieren. Nachdem meine kostenpflichtige Mitgliedschaft vorbei war, füllte ich mein Profil übrigens für ein paar Tage, bevor ich es endgültig löschte, neu aus und war fortan eine Privatdetektivin aus Weißrussland, 52 Jahre jung, 1,85 m groß und Mutter von 5 Kindern. Und erstaunlicherweise plötzlich ein Renner – das soll heißen, dass ich tatsächlich mehrere Partneranfragen auf einmal bekam, was noch nie vorgekommen war. Die konnte ich aber leider nicht mehr lesen, weil ich ja kein Premium-Mitglied mehr war. Nun könnte man auf die Idee kommen, dass man mich mit fingierten Nachrichten einfach dazu motivieren wollte, einen neuen Vertrag abzuschließen, aber wer würde denn wohl jemals auf so unredliche Weise Kundenfang betreiben?...Im Elitepartner-System schreibt man „Weißrussland“ übrigens mit „ss“ im Weiß. Nun ja, Rechtschreibung ist halt auch bei der Mehrzahl der mir bekannt gewordenen männlichen Nutzer der Plattform keine echte Stärke, also dürften solche Patzer weiten Teilen der elitären Kundschaft kaum auffallen. Aber auch die hanebüchenen Psychotests, die ja selbst in Frauenzeitschriften dieser Tage eher aus der Mode gekommen sind, oder das groteske Ergebnis der pseudo-wissenschaftlichen „Persönlichkeitsanalyse“, die allein schon einen Wert von 100 Euro haben soll, sind Zumutungen für alle, die das Denken nicht lassen können. Und wir wollen auch schweigen, über die Artikel, die man zum Thema Partnersuche auf der Seite präsentiert bekommt, und die so vielverheißende Titel tragen, wie: „Küss mich! Was Sie über Bussis, Schmatzer und Co. wissen sollten“. Ich habe übrigens einmal versucht, im strunzbiederen Forum einen Thread zum Thema Vorliebe für runde Körper und die Dating-Chancen von Dicken zu platzieren. Diese Unternehmung wurde gleich ganz geblockt, bzw. nicht freigeschaltet. Also: FINGER WEG!
Wohl so ziemlich jedes andere Portal dürfte besser sein, weil zumindest unterhaltsamer – selbst Shop-A-Man. Wobei ein gewisser Grad an Unerschrockenheit bei der aktiven Partnersuche, sei es on- oder offline, wohl grundsätzlich ausgesprochen hilfreich ist. Andererseits habe ich ja auch schon über den Segen berichtet, den Kontaktbörsen im Internet bringen können, wenn man über eine so deviante Körperform verfügt, wie ich. ; )
Und obendrein kann ich am Ende eigentlich gar nichts anderes berichten, als dass ich im Internet sehr wohl Liebe fand. Eine große gar. Allerdings nur meine für jemand anderen. Der mich im Teich zwar zuerst ausmachte und aufmischte, aber dann doch nicht wollte. Und das ist in der Tat nichts anderes als schrecklich. An jedem verdammten Tag seither.
So steht’s im Moment.
© Nicola Hinz 2014
Dienstag, 25. März 2014
Die Liebe zur Masse
![]() |
| © candybeach.com 2014 |
Theo
und ich kennen uns bereits ein Weilchen, und ich dachte, er sei ein
Fettliebhaber. Darum hatte ich auch schon lange vor, ein Interview für Das Lied
der dicken Dame mit ihm zu führen. Gleich am Anfang des folgenden Gespräches stellte sich dann heraus, dass er gar keiner ist…irgendwie.
Trotzdem - nichts ist für jemanden, der mit seinem Körper hadert, hilfreicher beim Perspektivenwechsel,
als die Wertschätzung eines anderen, dessen Meinung einem wichtig ist und den
man ernst nimmt. (Besonders, wenn derjenige 1,90 m groß ist und Oberarme hat
wie Mr. Proper. ; )) Achtung: Wer etwas gegen Ausdrücke wie „Titten“ und „Arsch“
sowie eine gewisse Deutlichkeit bei Gesprächen über Sexualität hat, sollte an diesem Post besser vorbeisurfen.
T(heo):
Ich glaube, ich bin eigentlich gar kein ausgesprochener Fettliebhaber. Ich bin
eher ein Fettrealist.
N(icola):
Was bitte ist denn ein Fettrealist?
T:
Fettrealist heißt, dass ich nicht alles was Fett ist in den Himmel lobe, nur
weil es Fett ist. Es gibt gutes und…nicht so gutes Fett.
N:
Welches Fett ist denn eher unbeliebt bei dir?
T:
Na, ich sag mal, der Fettrand am Nackensteak…
N: Au
weia.
T:
Spaß beiseite. Ich glaube, wenn bei Oberschenkeln das Fett in überlappenden
Lagen so ausgeprägt wäre, dass man sich grabenderweise dem Leckerchen nähern
müsste, das würde mich eher abstoßen. Aber lass‘ uns das einfach mal positiv
formulieren, das ist einfacher und macht den Ausdruck „Fettrealist“ im Verlauf
vielleicht klarer. Mann findet halt immer irgendwelche Attribute besser oder
schlechter. Ich erfülle ja dieses männliche Klischee und finde große Brüste
besser als kleine, einen großen Arsch besser als einen kleinen und außerdem
finde ich, dass das Gefühl in der Umarmung besser ist, wenn da mehr ist. Eine
gewisse Brustgröße haben Frauen aber in der Regel nicht, wenn sie nicht sehr
dick sind und eben auch an anderen Stellen eine entsprechende Körpermasse
aufweisen. Es sei denn, es sind fake Titten, und fake Titten sind ja…nicht so
schön. Die sehen auch peinlich aus…
N:
Falsche Titten? Die findest du peinlich?
T:
Ja! Ich finde sie peinlich. Und sie fassen sich zunächst einmal auch ganz
schlecht an. Für mich ist die Haptik ja viel wichtiger als die Optik. Darum
finde ich hängende Brüste viel besser als stehende, es sei denn natürlich, es
sind riesengroße, echte, stehende Brüste…und vielleicht existiert ja so ein
Paar auch irgendwo auf der Welt.
N:
Da kommt einem halt immer die Schwerkraft ins Gehege.
T:
Bei Kunsttitten nicht, die sitzen immer mittig und aufrecht. Aber zurück zum
Fettrealisten. Ich habe also eine Vorliebe für besonders voluminöses Frausein.
Also die Rubensfrau – in diese Richtung geht es schon. Aber kennst du die Zeichentrickfigur
Jessica Rabbit? Die hat auch diese extremen Eigenschaften. Extremer Busen, extremer
Arsch, aber dann ebenfalls eine extreme Taille, wie eine Sanduhr. Mit Fettrealist meine
ich also in diesem Fall, den persönlichen Kompromiss zu finden. Es ist eine
Frage des Gesamtbildes. Und wenn die Brust nicht mehr weiter fällt, als der
Bauchumfang, finde ich das nicht mehr attraktiv. Obwohl ich natürlich auch gern
in einen weichen, runden Bauch greife.
N:
Es gibt also Grenzen, was die Fettfülle angeht?
T: Fett
ist bei mir kein Fetisch. Ich erinnere mich da an den Film Feed, in dem es um
einen Mann geht, der eine Frau mästet, bis sie nur noch völlig unbeweglich als
Fleischberg dahinvegetiert. Das war auf verstörende Weise faszinierend, aber
sexuell stimulierend finde ich das nicht.
N: Wie
steht es denn mit der Unterwelt von dicken Frauen? Mit fleischigen Schamlippen
zum Beispiel?
T: Je
dicker die Schamlippe, desto größer die Spannung, was wohl dahinter sein mag!
N:
Auch in Zeiten, in denen Frauen sich den Unterleib vom Schönheitschirurgen
aufräumen und alles zurechtstutzen lassen?
T:
Tun sie das? Ach, doch – davon habe ich auch schon gehört. Aber ich habe es
nicht verstanden.
N: Naja,
damit das alles übersichtlich und sportlich aussieht.
T:
Na, aber es gibt halt viele verschiedene Ausprägungen. Mal sind sie so, und dann wieder
so. Und dann so. Und dann hier so. Und dann da so. Oder auch so.
N:
Ich habe ja auch eine überlappende Schamlippe…
T: Ja.
Dann lass uns doch mal eine Situation konstruieren, in der das relevant sein
könnte.
N:
Also, was mich ja tatsächlich schon erstaunt, ist die Furchtlosigkeit vor
dunklen Winkeln und Ecken, die viele dicke Frauen an ihren Körpern selbst nicht
so genau kennen, bzw. mitunter regelrecht vermeiden, schon. Ich hatte mir z.B.
jahrelang die Innenseite meiner Oberschenkel nicht mehr so richtig angesehen,
bevor ich mit meinem Selbstakzeptanz-Projekt anfing.
T: Ja,
und das ist nicht deine Zuckerseite, das wissen wir beide.
N: Erzähl‘
mal etwas, über das Gefühl, unter einer dicken Frau zu liegen.
T:
Ich glaube, unter ist noch geiler als über, weil man voll umfasst ist, von
allem. Man hat die Hände auf dem Hintern, wenn man möchte und man kann
gleichzeitig im Tittenmeer ertrinken.
Eigentlich ist das für mich die ideale Stellung. Oben ist aber auch gut, weil
man alles so schön im Blick hat.
N:
Wie ist das mit all den vermeintlichen Makeln, die das Selbstbewusstsein von
Frauen so stark beeinflussen können? Streifen, Wellen, Dellen? Stört dich das
gar nicht?
T:
Wenn sie nicht da wären, wäre es besser. Aber sie stören mich auch nicht. Sie
sind nicht im Fokus der Wahrnehmung, denn die Brüste und der Hintern sind zu groß und zu
prächtig. Und womöglich in Bewegung. Und wenn man dann nur noch die Hand auszustrecken
braucht, um sie anzufassen, wen sollen in dem Zusammenhang – was war das?
– Streifen, Wellen und Dellen
interessieren? Wellen und Dellen klingt unterhaltsam. Wie ein Fahrgeschäft auf
dem Dom.
N: Wie
ist es mit angezogenen dicken Frauen? Gibt es etwas, das sie besser nicht tragen sollten?
T:
Ich finde, dicke Frauen sollten nicht in Leggings herumlaufen. Wenn sie schon
ein Statement machen wollen, dann sollten sie in Latex das Haus verlassen.
N:
Ich würde das ja heutzutage fertigkriegen.
T:
Das glaube ich nicht. Du gehst nicht so über die Mönkebergstraße und kaufst bei
Karstadt ein.
N:
Doch, das mach‘ ich.
T:
Sag‘ mir wann und wo. Ich halte die Kamera…Besser noch als Latex, wäre ja Körperfarbe.
N:
In Körperfarbe gibt’s mich schon im Internet.
T:
Aber nicht, wie du so durch die Fußgängerzone läufst. Da hätten wir doch mal eine Aktion – einen
Auflauf von lauter stolzen, dicken Frauen in Körperfarbe. Das wäre Femen, Teil
2!
N:
Was symbolisiert weibliches Fett?
T:
Ich würde eher sagen „Was symbolisiert Weiblichkeit? Fett.“
N:
Oh!
T:
Das beantwortet jetzt vielleicht nicht die Frage, aber meine Antwort finde
ich viel geiler als deine Frage…Na schön. Fett ist weich. Fett ist
Geborgenheit. Fett ist warm. Fett ist Energie. Fett ist Sicherheit. Dicke
Frauen haben ja oft fast etwas Mütterliches. Sie sind keine Bedrohung, sondern können
Bedrohungen abwehren – einfach mit ihrer Präsenz.
N: Hattest
du schon immer eine Vorliebe für runde Frauen, oder gab es einen bestimmten
Auslöser?
T:
Da muss ich mal zurückblättern in meiner Liebschaftsgeschichte. Meine
Partnerinnen waren tatsächlich alle sehr unterschiedlich. Ich hatte
Freundinnen, die gängigen Schönheitsstandards durchaus entsprachen. Und es
waren auch sehr dicke Frauen dabei, aber ich glaube, und das ist die
Kernbotschaft hier, dass nicht ständig irgendwelche Schubladen aufgerissen
werden sollten. Ihr (Frauen) guckt vielleicht auf eure Einzelteile und seid
verunsichert, aber „er“ sieht zunächst das Ganze. Und dann guckt er ohnehin auf
seine Favorites.
N:
Na, ich weiß nicht, ob der Blick überall so freundlich ist. Erkläre es mir noch
einmal – warum bleibst du da, wo andere, im übertragenen Sinne, schreiend raus rennen? Dem Druck
gesellschaftlicher Normen folgend, oder aus welchem Grund auch immer.
T:
Weil ich eine Frau holistisch wahrnehme. Und übrigens auch als Person. Frauen
ziehen ihr Selbstbewusstsein oft ganz extrem aus ihrem Äußeren. Das ist nicht wirklich klug, denn damit setzen
sie dann natürlich von Anfang an auf ein sterbendes Pferd.
NH
Sonntag, 9. Februar 2014
Zum Kugeln
Sind sie nicht hübsch?
Ich LIEBE ja Plastik in klaren, knalligen Farben. Das ist auch der Grund, warum ich jetzt im Besitz von drei Paaren Vaginalkugeln, sowie einer Analkette bin. Die Ostereier und die Kette stammen von einer Dildo-Party, zu der ich vor Kurzem eingeladen war (ein Haul, ein Haul!*) - das ist quasi eine Tupperparty, nur halt mit Vibratoren und anderen nützlichen Produkten wie Toy-Reiniger, billigen, aufdringlich riechenden Massageölen, quietschbuntem Badesalz, Lotion für frisch rasierte Körperregionen, etc.
Ja, die Dildo-Verkaufspräsentation war überraschenderweise in weiten Teilen mit Körperpflegeprodukten befasst. Wie ich später von der "Dildo-Fee" persönlich erfuhr, ist das ein Zugeständnis an die Tatsache, dass offenbar auch heutzutage noch viele Kundinnen leicht an ihre Grenzen kommen, wenn bei Kaffee und Schnittchen zu viel von Penetration die Rede ist. Und der kühlende und knisternde Schaum, den ich am Ende zusätzlich erworben habe, lässt sich im Sommer auch ganz hervorragend für heiße und geschwollene Füße verwenden. Man muss sich nicht alles zwischen die Beine schmieren, was hier die Runde machte. Nicht einmal das Gleitgel - das eignet sich nämlich auch sehr schön als Handcreme.
All das Phallusartige, das dann doch noch herumgereicht wurde, war zumeist pastellfarben, hatte lustige Tierköpfe, oder sah aus, wie Softeis. Seit wann ist es eigentlich abgemachte Sache in Biedermeierland, dass Frauen lieber vibrierende Delfine als Schwänze in ihrer Vagina haben? Ist es gar eine Frage von sauber gegen schmutzig / unschuldig gegen unanständig? Ich kann nicht umhin zu sagen, dass mich dieser Verdacht einigermaßen betroffen macht. Die anwesenden Einkäuferinnen hielten sich der Reihe nach auf Anraten der Dildo-Fee die Maschinchen an die Nasespitze, um die vermeintlich beachtliche Vibrationsleistung zu erfahren und be-uhhten und be-ahhten auch wahrlich den offenbar durchschlagenden Effekt. Ich war nicht beeindruckt - ich glaube ja, dass sich da seit dem Kauf meines ersten und einzigen Vibrators vor rund zwanzig Jahren nicht viel geändert hat. Das nervige Geräusch ist auf jeden Fall noch immer da. Und die Position der Häkchen an einigen der Geräte, die angeblich die Klitoris adequat stimulieren sollen, ist auch noch immer die selbe - und mir nach wie vor ein Rätsel.
Das Highlight der Veranstaltung war eine vibrierende Vaginalklammer mit Fernbedienung. Diesen Teil der Gerätschaft, so hieß es, könne man dann ja dem Partner anvertrauen, weil Männer doch so viel Spaß an Technik haben. Das fanden scheinbar alle lustig - außer mir natürlich. Eine Fernbedienung mit der ein anderer die Vorgänge in meiner Muschi kontrolliert - geht's noch?! Für den Partner dürfte das unter Umständen natürlich ausgesprochen praktisch sein, denn wenn er über die eine Fernbedienung verfügt, muss er die für den Fernseher ja im Prinzip ebenfalls gleich gar nicht mehr aus der Hand legen. Und womöglich die Hosen runterlassen.
Ich persönlich habe ja grundsätzlich nicht sehr viel übrig für Sex mit Platzhaltern. Ich finde, sie sind irgendwie wie diese Tampons mit den prüden Applikatoren. Sie halten einen fern von sich selbst. Man macht sich halt die Hände nicht "schmutzig". Ein "Auflegevibrator" für die Klitoris? Ernsthaft? Für jemanden, der seit geraumer Zeit um Selbstakzeptanz, Selbsterfahrung und das Abschütteln von Scham ringt, scheinen sie ein eher steriles und damit eindeutig entgegengesetztes Verständnis von weiblicher Körperlichkeit und Körperbewusstsein zu symbolisieren. Naja..., und wenn man mich fragt, ist Sex im Idealfalll ohnehin stürmische und achtsame Kommunikation mit jemand anderem, den man so richtig toll findet.
Was nun allerdings die Kugeln angeht - diese dienen natürlich weniger der Stimulation, als dem Training des Beckenbodens. Wenn die Unterwelt schön straff ist, ist das schließlich gut fürs Gefühl und obendrein hat frau bessere Chancen, sich nicht irgendwann beim Husten ins Höschen zu machen. Von diesen Hochglanz-Schönheiten kann man also gar nicht genug haben. ; )
*"Haul" (Beute): Blogger-Ausdruck für die Präsentation von Einkäufen.
NH

Ich LIEBE ja Plastik in klaren, knalligen Farben. Das ist auch der Grund, warum ich jetzt im Besitz von drei Paaren Vaginalkugeln, sowie einer Analkette bin. Die Ostereier und die Kette stammen von einer Dildo-Party, zu der ich vor Kurzem eingeladen war (ein Haul, ein Haul!*) - das ist quasi eine Tupperparty, nur halt mit Vibratoren und anderen nützlichen Produkten wie Toy-Reiniger, billigen, aufdringlich riechenden Massageölen, quietschbuntem Badesalz, Lotion für frisch rasierte Körperregionen, etc.
Ja, die Dildo-Verkaufspräsentation war überraschenderweise in weiten Teilen mit Körperpflegeprodukten befasst. Wie ich später von der "Dildo-Fee" persönlich erfuhr, ist das ein Zugeständnis an die Tatsache, dass offenbar auch heutzutage noch viele Kundinnen leicht an ihre Grenzen kommen, wenn bei Kaffee und Schnittchen zu viel von Penetration die Rede ist. Und der kühlende und knisternde Schaum, den ich am Ende zusätzlich erworben habe, lässt sich im Sommer auch ganz hervorragend für heiße und geschwollene Füße verwenden. Man muss sich nicht alles zwischen die Beine schmieren, was hier die Runde machte. Nicht einmal das Gleitgel - das eignet sich nämlich auch sehr schön als Handcreme.
All das Phallusartige, das dann doch noch herumgereicht wurde, war zumeist pastellfarben, hatte lustige Tierköpfe, oder sah aus, wie Softeis. Seit wann ist es eigentlich abgemachte Sache in Biedermeierland, dass Frauen lieber vibrierende Delfine als Schwänze in ihrer Vagina haben? Ist es gar eine Frage von sauber gegen schmutzig / unschuldig gegen unanständig? Ich kann nicht umhin zu sagen, dass mich dieser Verdacht einigermaßen betroffen macht. Die anwesenden Einkäuferinnen hielten sich der Reihe nach auf Anraten der Dildo-Fee die Maschinchen an die Nasespitze, um die vermeintlich beachtliche Vibrationsleistung zu erfahren und be-uhhten und be-ahhten auch wahrlich den offenbar durchschlagenden Effekt. Ich war nicht beeindruckt - ich glaube ja, dass sich da seit dem Kauf meines ersten und einzigen Vibrators vor rund zwanzig Jahren nicht viel geändert hat. Das nervige Geräusch ist auf jeden Fall noch immer da. Und die Position der Häkchen an einigen der Geräte, die angeblich die Klitoris adequat stimulieren sollen, ist auch noch immer die selbe - und mir nach wie vor ein Rätsel.
Das Highlight der Veranstaltung war eine vibrierende Vaginalklammer mit Fernbedienung. Diesen Teil der Gerätschaft, so hieß es, könne man dann ja dem Partner anvertrauen, weil Männer doch so viel Spaß an Technik haben. Das fanden scheinbar alle lustig - außer mir natürlich. Eine Fernbedienung mit der ein anderer die Vorgänge in meiner Muschi kontrolliert - geht's noch?! Für den Partner dürfte das unter Umständen natürlich ausgesprochen praktisch sein, denn wenn er über die eine Fernbedienung verfügt, muss er die für den Fernseher ja im Prinzip ebenfalls gleich gar nicht mehr aus der Hand legen. Und womöglich die Hosen runterlassen.
Ich persönlich habe ja grundsätzlich nicht sehr viel übrig für Sex mit Platzhaltern. Ich finde, sie sind irgendwie wie diese Tampons mit den prüden Applikatoren. Sie halten einen fern von sich selbst. Man macht sich halt die Hände nicht "schmutzig". Ein "Auflegevibrator" für die Klitoris? Ernsthaft? Für jemanden, der seit geraumer Zeit um Selbstakzeptanz, Selbsterfahrung und das Abschütteln von Scham ringt, scheinen sie ein eher steriles und damit eindeutig entgegengesetztes Verständnis von weiblicher Körperlichkeit und Körperbewusstsein zu symbolisieren. Naja..., und wenn man mich fragt, ist Sex im Idealfalll ohnehin stürmische und achtsame Kommunikation mit jemand anderem, den man so richtig toll findet.
Was nun allerdings die Kugeln angeht - diese dienen natürlich weniger der Stimulation, als dem Training des Beckenbodens. Wenn die Unterwelt schön straff ist, ist das schließlich gut fürs Gefühl und obendrein hat frau bessere Chancen, sich nicht irgendwann beim Husten ins Höschen zu machen. Von diesen Hochglanz-Schönheiten kann man also gar nicht genug haben. ; )
*"Haul" (Beute): Blogger-Ausdruck für die Präsentation von Einkäufen.
NH
Sonntag, 24. November 2013
Geschenkt: Blowjob
Für einen Beitrag über den mir in der Hauptsache eher suspekten Siegeszug von "Erotic Fiction" bzw. Porn-Literatur für Frauen habe ich mir Sasha Greys "The Juliette Society" gekauft. Erstens, weil ich hier damit gerechnet habe, wenigstens von Mutti-Porn (50 Schattierungen...Gähn) verschont zu bleiben, und weil in einer Rezension behauptet wurde, die Schilderung des Blowjobs auf Seite 64 allein wäre das Ganze schon wert (ist sie ehrlich nicht). Wie es dem Genre gebührt, ist das Buch im Grundton eisig und gänzlich humorlos, aber natürlich prallvoll mit leicht überschaubaren Sexbeschreibungen, so dass man es sich damit bei Gelegenheit durchaus schon mal ganz gemütlich machen kann. Ich vermute sogar, es wäre ein perfektes Badewannebuch - wenn ich eine hätte. Es handelt sich bei diesem Exemplar um die englische Origininalausgabe, aber es ist sprachlich einfach (allerdings nicht komplett unintelligent). Die Autorin, Sasha Grey, ist heute Mitte Zwanzig und war offenbar schon als Teenager eine äußerst zielstrebige und erfolgreiche Pornodarstellerin.
Warum erzähle ich das alles? Weil ich aus Versehen ZWEI Exemplare ihres Buches bestellt habe. Wer das zweite gern hätte, kann mir bis zum 01.12.2013 eine Nachricht über das Kontaktformular oben rechts schicken. Dann entscheidet das Los. ; ) Die Adresse erfrage ich anschließend bei der Gewinnerin.
UPDATE: Das Buch ist unterwegs an seine Gewinnerin. Vielen Dank an alle, die mitgemacht und ihre Nachrichten geschickt haben. : )
Donnerstag, 18. April 2013
Knall auf Fall
Wohlgemerkt: Springen, aber mit dem Kopf zuerst eintauchen – diesmal hatte ich vor, mit einem echten Plan an den Start zu gehen. Es gab also im Voraus ein paar Dinge zu bedenken:
1. Was will ich?
Ich sage jetzt einfach, wie es ist: Ich wollte zunächst einmal Sex, ohne die Sorge, wie mein Körper dabei wohl aussieht. Ich wollte Sex ohne Körperscham. Das hatte ich als schlanke Frau nicht wirklich und als dicke erst recht nie. In meinem Leben hatte ich für eine Anzahl von Jahren keinen und für eine weitere Anzahl so gut wie keinen Sex – AUS SCHAM. Wie bereits an anderer Stelle angerissen, halte ich Sex mit offenen Fettliebhabern für eine großartige Chance für dicke Frauen, genau das zu bekommen, und ich hatte mich nun nach zugegebenermaßen kurzer aber heftiger innerer Debatte doch entschlossen, diese zu ergreifen. Zweitens hätte ich gar nichts gegen eine Partnerschaft. Und ich hatte so die Vorstellung, man könnte zwei Fliegen mit einer Klappe…aber da war er halt, der Haken.
2. Was will ich nicht?
Möglichst wenig Anfragen von Schmierlappen und Dumpfbacken
sowie BWL Studenten, die „reifen“ Frauen gern die Füße massieren. Das war das
oberste Ziel. Denn obwohl man nichts, was bei einer ersten Kontaktaufnahme in
einem solchen Forum geäußert wird,
persönlich nehmen darf, piekst unpassende
Anmache trotzdem immer ein wenig und
kann einem irgendwie doch den Abend versauen. Hinzu kommt, dass dumpf nicht unbedingt
böse ist, und unter höflichen Menschen vielleicht trotz allem eine Absage
verdient – dazu hatte ich diesmal weder Zeit noch Lust. Um Riff-Raff also gleich abzuschrecken, waren die Fotos ohne
Grinsen („Warum schaust du denn so böse?“) und die Profiltexte in der Regel entsprechend
streng (jaja, mit positivem Unterton)
formuliert und vollgestopft mit
Anforderungen an einen idealen Partner. Einige Besucher schafften es kaum, bis zum Ende meiner Ausführungen und
konnten hinterher trotzdem nicht die Klappe halten: „der Text ist aber schwer bin
nicht sicher op ich dass alles Kapiert habe.“ …Jaaa, ich weiß, wo war er bloß,
der Knopf für die Falltür?
Ehrlichkeit in Bezug auf meinen Körperumfang und gegebenenfalls
eine Klausel, die im Profiltext noch einmal extra auf diesen Umstand hinwies, waren
natürlich obligatorisch.
3. Egoistisch und effizient sein
An nette, aber unpassende Anfragen verschickte ich Standard-Absagen.
Den Rest des Ausschusses versuchte ich geflissentlich zu ignorieren. Das gelang nicht immer.
Ich habe ja dieses bestialische Wesen in mir, diese Mischung aus einem Hulk und Fräulein
Rottenmeier, und wenn die Impertinenz mir zu sehr entgegenspritzt, dann bricht
es halt mitunter aus mir heraus, wie ein mutierter Alligator durch den New
Yorker Asphalt…; ) Trotzdem – no men were harmed in the making of this post. ;
)
4. Weite StreuungIch ging in der Tat weit, um mich anzupreisen: rubensfan.de, secret.de, neu.de, finya.de, elitepartner.de
Also, die gute Nachricht zuerst:
Sexpartner zu finden, ist für dicke Frauen im Internet ganz
leicht. Und das Angebot ist nicht schäbig: Fettliebhaber sind überall, und
nicht selten sind sie besonders groß, hübsch, breitschultrig und
überdurchschnittlich gebildet. Obendrein muss frau sie eigentlich nicht suchen,
denn sie finden einen schon, besonders wenn man sich deutlich als BBW (Big
Beautiful Woman) ausweißt. Eine Bekannte sagte, wahlweise könne man gut das
Wort „Rubens“ im Profilnamen verwenden. Ich kann mir jedoch nicht helfen - wenn
diese peinliche, muffige Bezeichnung fällt, wünsche ich mir automatisch noch
immer, in einer Size Zero zu versinken.
Um Sex mit jemandem zu haben, sollte man ihn sexy finden.
Punkt. Nicht mehr und nicht weniger. Noch besser wird’s natürlich, wenn man den
anderen ehrlich mag. Und man kann wohl sagen, dass meine Planung zunächst durchaus
zu den erhofften Ergebnissen führte – in den letzten sechs Wochen hatte ich
zwölf Verabredungen mit neun Männern, die allesamt über solide Kenntnisse der
deutschen Orthografie, eine schicke Hülle, Humor und ein ausgeprägtes
Selbstbewusstsein, sowie eine Vorliebe für runde Frauenkörper verfügen. Alle
bis auf einen hatten mich zuerst kontaktiert. Neun mag viel klingen, heißt aber
nicht, dass ich nicht jeden von ihnen äußerst sorgfältig ausgesucht hätte. Ich
wollte schließlich Hauptgewinne, denn ich hatte fest vor, aus diesem Versuchsaufbau
auf jeden Fall mit gestärktem Selbstwertgefühl hervorgehen. Und vier von ihnen
waren auch welche (Hauptgewinne) – drei zumindest im Bett. ; ) Und ich danke
ihnen aus vollstem Herzen. Tatsächlich haben sie mich mit ihrem freundlichen Blick
auf und ihrer Freude an meinen Körper so viel weitergebracht auf meinem Weg der
dicken Selbstakzeptanz, dass ich am liebsten eine Party für sie schmeißen
würde. Zu dumm, dass ich zumindest von einem nicht einmal eine Telefonnummer
hätte, um ihn einzuladen.
Es ist also möglich, in relativ kurzer Zeit relativ viele
Männer abzuarbeiten und abzuwickeln, ohne dabei groß in emotionale Verwicklungen
zu geraten. Das war mir neu. Dass offenbar keine der Begegnungen ein echtes Potential für Dauer hatte, war auch
in Ordnung. Man kann nicht immer alles gleich haben, dachte ich mir. Doch dann ging das Experiment jäh zu Ende.
Das Fett ist nicht das Problem
Denn dann habe
ich mich verknallt. So richtig und in voller Fahrt. Zum ersten Mal seit Jahren.
Wir saßen am Küchentisch, und ich stand neben mir, starr vor Schreck. Ein
Wunder, dass ich nicht im Laufe des Abends noch angefangen habe, zu stottern
und nervöse Ticks zu entwickeln. Es war schrecklich. Und dann wollte er mich
nicht mehr. Nicht wegen meines Körpers, sondern verständlicherweise wegen meiner
Verstocktheit. Die mochte er so wenig, dass er sich in den folgenden Tagen nicht
einmal mehr für den wie sauer Bier angebotenen Sex erwärmen konnte (und da muss
man sich meiner Erfahrung nach schon als besonders fieses Schrapnell in das
Bewusstsein des anderen gebohrt haben, wenn der andere männlich ist). Es war
eine Variante, die mir bis dato nicht untergekommen und deren Möglichkeit mir
auch nie in den Sinn gekommen wäre: Dass mein dicker Körper beliebter sein
könnte als der Rest. Es war eine fürchterliche Lektion, aber offenbar auch eine
notwendige Erfahrung, Abweisung nicht aufs Fett schieben zu können, sondern zu
realisieren, dass man es allein mit purer Persönlichkeit (oder vielmehr mit
einem Mangel an Ebensolcher) komplett verbockt hat, als es einem wirklich,
wirklich wichtig gewesen wäre. Es ist halt die Wahrheit: Du bist immer dann am
besten, wenn’s dir eigentlich egal ist. Was total unfair und sinnlos ist. Und
das Fett ist nicht das Problem. Womöglich stimmt, was Kate Harding ihren Leserinnen
zuruft: Was man dick nicht auf die Reihe kriegt, würde man dünn auch nicht
besser machen. Und fürs Seelenheil hätte es nun nicht einmal einen Zweck, alten
Mustern entsprechend den Plan zu fassen, dünn und schön zu werden, nur um es ihm
zu zeigen, denn etwas Dünnes würde er ja vermutlich gar nicht so dringend gezeigt bekommen
wollen.
NH
Dienstag, 26. Februar 2013
Sonntag, 10. Februar 2013
Vielleicht Sex
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| © Nicola Hinz |
Was in meinem Lebensplan für eine SEHR,SEHR,SEHR lange Zeit auf Eis lag, ist mit meinem Entschluss, mich auf die Reise dicker Selbstakzeptanz zu begeben, fast automatisch und für mich selbst ein wenig überraschend wieder zum Thema geworden. Aber wenn jemand Reisen im Flugzeug, Arzttermine, das Tragen von gelben Wickelkleidern und sommerliche Kopfsprünge in öffentliche Schwimmbäder aufschiebt, dann liegt es nahe, dass er natürlich erst recht Beziehungen aufschiebt, in dessen Verlauf irgendwann die Hüllen fallen sollen...
Golda Poretsky's Body Positive Dating Master Class
Nachdem ich mir nun Mut angelesen und bereits einen kuriosen Ausflug in die Welt des Online-Datings unternommen hatte, dachte ich mir, es ist doch Zeit für noch ein wenig mehr Starthilfe von Expertinnen und habe gestern an etwas teilgenommen, das den wunderbar altmodischen Namen "Teleseminar" trägt, und im Prinzip eine Reihe von Vorlesungen war, an denen man live über das Internet teilnehmen konnte - mit der Möglichkeit, Fragen an die Dozentinnen zu richten.
Die Veranstaltung dauerte sieben Stunden, die längste Pause gab einem zehn Minuten, um sich frischen Kaffee zu verschaffen, die Ausbeute sind zwanzig Seiten mit Notizen und die Einsicht, dass es wahrscheinlich doch kein so guter Plan ist, darauf zu warten, dass der Rockstar in der Rüstung endlich sein Pferd auf der Veranda abstellt. Wo immer er gerade herumscheppern mag - von allein findet er vermutlich so bald nicht zurück. Also - und ich hatte es natürlich befürchtet - es hilft alles nichts: Man muss sich selbst nach ihm auf die Suche machen. Oder zumindest Wegweiser aufstellen. Darüber hinaus - und das ist natürlich der Kern des Problems - muss man sich selbst in seinem dicken Körper mental rüsten, bzw. Stolz auf, Freude an und einen selbstbewussten Umgang mit seiner aktuellen Fülle trainieren, damit der ganze Aufwand am Ende nicht umsonst war. Denn Scham und richtig guten Sex trifft man selten gemeinsam an - eine Tatsache, auf die auch die Rednerinnen der Body Positive Dating Class natürlich immer wieder eindrücklich hinwiesen.
Von den sieben Vortragenden, Fettaktivistinnen und Publizistinnen mit dem Arbeitsschwerpunkt Sex/Beziehungen und alle in den USA lebend, waren mir die meisten bereits bekannt, weil ich ihre Blogs oder Bücher zuvor gelesen hatte. Über Rebecca Weisteins "Fat Sex" habe ich hier schon berichtet, Virgie Tovars "Hot & Heavy" und Hanne Blanks "Big Big Love" hatte ich gerade beendet. Gastgeberin und Schlussrednerin war Golda Poretsky, die mit ihrer Firma Body Love Wellness dicke Frauen dabei unterstützt, sich vom Diätzwang zu befreien und den Mut zu fassen, ihr Leben nicht mehr aufzuschieben, bis sie in eine bestimmt Kleidergröße passen.
Sheri Winston: "You don't have to be a certain size to be a sex goddess." (Du must keine bestimmt Kleidergröße haben, um eine Sexgöttin zu sein."
Sheri Winston, ihres Zeichens ganzheitliche Sex-Trainerin, lieferte den ersten Beitrag und die Erkenntnis, dass die Qualität von Sex und Orgasmen schlicht eine Frage von Übung ist. Und üben sollte man so viel wie möglich - insbesondere allein, weil einem das die Möglichkeit gibt, sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren und sich selbst (wieder/besser) kennenzulernen. Für dicke Frauen, die eine lange Periode der Entfremdung vom eigenen Körper hinter sich haben, ist neuer Schwung beim Solo-Sex der erste Schritt. Besonders schön fand ich hier den Hinweis, Atmung und "Geräusche" nicht zu vernachlässigen. Wer sich nicht traut zu stöhnen, weil die Nachbarn es vielleicht hören könnten, verzichtet auf wertvolle Orgasmusbeschleunigung. In dem Zusammenhang musste ich an die Aussage der Performance-Künstlerin Annie Sprinkle denken, die sich eigenen Angaben nach in einen Orgasmus hineinatmen kann. Das wäre ja auch praktisch. Zum Beispiel wenn man mal wieder im Stau steht. ; )
11.02.2013 - Nachtrag: Das mit dem Atmen und den "Geräuschen" habe ich jetzt einfach mal beim Fahren auf der Autobahn probiert, denn das ist ja auch immer so eintönig - und da hört einen garantiert niemand. Ich habe so getan, als würde ich einen Pornofilm sychronisieren und RICHTIG VIEL KRACH dabei gemacht. Meine Güte, das fördert WIRKLICH die Durchblutung - und das mit beiden Händen am Steuer. Ein bisschen habe ich allerding die Kontrolle über die Geschwindigkeit verloren, gut, dass ich in keine Radarfalle gerauscht bin... ; )
Rebecca Jane Weinstein: "If you think you're hot, others will think you're hot." (Wenn du dich selbst sexy findest, werden dich andere sexy finden.)
Rebecca Jane Weinstein las eine Passage aus ihrem Buch "Fat Sex", und ich hatte die Gelegenheit, ihr zwei Frage dazu zu stellen. Die erste war, ob es für die Menschen, die sie für das Buch interviewt hat, einfach war, sich zu öffnen. Rebeccas Antwort war, dass sie von deren Bedürfnis, ihre Erfahrungen mitzuteilen und ihre Geschichten (zumeist als dicke Frauen auf der Suche nach einer selbstbestimmten Sexualität) zu erzählen manchmal schlicht überwältigt war. Auf die zweite Frage, ob sie auch negative Reaktionen auf das Buch erhalten hätte, sagte sie, dass sie eigentlich von der großen Unterstützung, auch in den Medien, überrascht war, dass jedoch oft ein "Aber" in den positiven Reaktionen mitschwang (ABER es ist ungesund, dick zu sein). Die wichtigste Erkenntnis, die Rebecca aus der Arbeit an "Fat Sex" gewonnen hat, ist übrigens, dass es wirklich Selbstbewusstsein ist, das attraktiv macht.
Cija Black: "Don't ever settle." (Gib' dich nie einfach zufrieden.)
Cija Black hat ein Buch über Online-Dating geschrieben und rät allen, aber insbesondere dicken Frauen, einen kleinen Fragenkatalog abzuarbeiten, bevor sie sich überhaupt daran machen, sich im Internet auf die Suche nach Partnern zu begeben: Wer bist du JETZT eigentlich? Was steht dir zu? (Sie schlägt vor, eine Liste aufzustellen: Zehn gute Dinge, die man im Leben verdient.) Wie sind Menschen bisher mit dir umgegangen? Kann das so bleiben? Was für Grenzen habe ich, und wie kann ich dafür sorgen, dass sie respektiert werden? Bin ich bereit, meine Komfortzone zu verlassen? Natürlich ruft auch sie dazu auf, seinen Mut zusammenzunehmen und sich so zu lieben, wie man ist - und verweist auf eine Übung, die die Macht des Bildes nutzt: Die Erstellung eines Vision Boards mit positiven Abbildungen dicker Körper. Auf meine Frage, wie man beim Online-Dating mit Ablehnung am besten umgeht, antwortete sie: Nicht zu viel erwarten, Körbe nicht persönlich nehmen, nicht zu schnell zu viel Gefühl investieren, zu vielen Verabredungen gehen, denn das übt. Außerdem, so pflichtet Golda ihr hier bei, ist es nicht so schlimm, wenn das Date am Dienstag schlecht läuft, weil das nächste ja schon am Donnerstag ist.
Virgie Tovar: "Cuteness is a state of mind." (Hübschsein ist Einstellungssache.)
Mit Virgie Tovar ging es zur Sache. In ihrer Kurzvorstellung zum Seminar teilte sie uns bereits mit, dass sie am 21. Januar mit einem grauäugigen Spanier auf einer portugiesischen Terrasse im Mondlicht und mit dem Rauschen des Meeres in den Ohren Sex gehabt hat. Das können vermutlich nicht viele von uns behaupten. ; ) Virgie gibt zu bedenken, dass dicke Körper anders sind, als nicht-dicke und darum mitunter auch anderen Sex haben (sollten). Wenn unsere Kultur und die gängigen Abbilder von Sexualität nicht so "schlank-zentrisch" wären, wüssten wir das als Dicke und würden uns besser darauf einstellen, indem wir gleich passendere Positionen bzw. Techniken wählen. Wenn Virgie z.B. oben ist, "hüpft" sie nicht auf und ab, sondern rollt ihr Becken ("grind and gyrate"). Ach, und Sex Toys sind großartig! Und wie findet Frau nun Übungspartner? Ganz einfach: Man macht sich hübsch, frischt den Lippenstift auf, ändert seine Einstellung zu sich selbst, hält Augenkontakt, flirtet - und lässt Visitenkarten drucken, die man möglicherweise interessierten und interessanten Kandidaten in die Hand drückt (mit Namen, E-Mail-Adresse und vielleicht Telefonnummer). So einfach ist das. Wenn es nicht gerade schwierig ist, vermute ich. Virgie besteht darauf: Es gibt da draußen Leute, die mit dir schlafen wollen. Mein Problem ist weiterhin: Was, wenn ich die nicht will? Und die, die ich will, wollen mich nicht?
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| "Nicki im Wunderland", ca. 1995 © Nicola Hinz |
Beim Vortrag von Tasha Fierce gab es bei mir ein kleines technisches Problem - ich konnte sie leider nur sehr schwer verstehen. Tasha beschäftigte sich mit Vorurteilen über die Sexualität von dicken Frauen - so sind dicke Frauen in den Köpfen vieler offenbar "dankbarer" für Sex und geben sich mehr Mühe, ihren Partner zu befriedigen, weil sie weniger Auswahl haben und darum weniger verlangen können. Und weil sie weniger Gelegenheit haben und nehmen müssen, was kommt, sind sie auch für den Glöckner von Notre Dame einfach und schnell ins Bett zu kriegen. Diese idiotischen Ideen entbehren schon deshalb jeder realen Basis, weil dicke Frauen Sex eben gerade aufgrund erheblicher Hemmungen oft ganz vermeiden. Tashas Rat an die dicke Frau, die endlich wieder sexuell richtig aktiv werden will, ist weitgehend ein Echo der vorangegangenen Vorträge: Selbstbestimmtheit üben und sich endlich klar gegen Diäten entscheiden. Masturbieren, was das Zeug hält, um herauszufinden, wie der eigene Körper aktuell funktioniert. Dann allen Mut zusammennehmen und sich einfach vor einem Partner nackig machen. Und wenn man den Mut nicht hat, dann tut man eben einfach so, als hätte man ihn (?!).
Hanne Blank: "What do you want?" (Was willst du?)
Hanne Blank griff die oben bereits erwähnten Klischees über dicke Frauen und ihre sexuellen Möglichkeiten wieder auf. Ihrer Ansicht nach dürfen dicke Frauen nicht auch noch selbst in die selbe Denkfalle geraten und am Ende glauben, sie könnten keine zu hohen Anforderungen stellen. Ihr Vorschlag war, eine genaue Erhebung über die eigenen sexuellen Vorlieben zu machen. Was für Sex will ich eigentlich haben? Das scheint eine einfache Frage und meine spontane Antwort war "Ich will alles!", was aber natürlich nur bewies, dass ich mir über die schiere Fülle der Möglichkeiten so spontan keine Gedanken gemacht hatte. Und sobald ich es tat, wurde mir sofort klar, dass es da verdammt viel gibt, was ich definitiv NICHT will. Natürlich hilft es, die eigenen Präferenzen und Grenzen gut zu kennen. Denn wie soll man etwas finden, von dem man nicht weiß, wie es eigentlich aussieht? Und das macht auch Hanne klar: Man verdient es, das zu bekommen, was man sich wünscht. Auch als dicke Frau.
Golda Poretsky: "I'm awesome and anyone who's with me is really lucky." (Ich bin toll, und jeder, der mit mir zusammen ist, hat wirklich Glück.)
Golda Poretskys abschließender Beitrag befasste sich mit dem Erstellen wirksamer Online-Dating-Profile. Ihr Rat ist, an die Sache heranzugehen, als wolle man ein Produkt an den passenden Käufer bringen. Die Frage, die man sich in der Tat stellen soll, lautet somit auch: Wer ist der ideale Konsument (Partner), und wie erreiche ich ihn am wirksamsten? Texte sollten kurz, knackig und positiv sein. Ein wenig Exzentrik, Drolligkeit oder Exotik kann nicht schaden, Ehrlichkeit ist allerding Trumpf. Das gilt übrigens auch für Bilder, die möglichst vorteilhaft aber nicht erheblich schöner oder jünger sein dürfen, als man wirklich ist. Am interessantesten fand ich die Idee, eine konkrete Handlungsaufforderung im Profil zu platzieren: "Wenn du dich gern auf einen Kaffee mit mir treffen würdest, sende mir eine Nachricht." Laut Golda sollte das mit dem Kaffee übrigens schnell über die Bühne gehen - lange E-Mails, die hin und her geschickt werden, können dieses Treffen nicht ersetzen und sind ihrer Auffassung nach mithin kontraproduktiv. Hab' ich doch immer gesagt. ; )
Wieder was gelernt.
Darf man den Dozentinnen glauben, ist Pragmatismus gepaart mit Kühnheit und dickem Selbstbewusstsein das Gebot der Stunde, wenn es darum geht, sein Liebesleben aufzumöbeln. Wer möglichst schnell viele Frösche küsst, hat bessere Chancen, dass ein Prinz darunter ist. Jeder Frosch, der einer bleibt, ist in ihren Augen trotzdem eine neue Chance, sich weiterzuentwickeln und dazuzulernen. Selbstbewusstsein gewinnt, wer seinen Körper kennt und schätzt - und weiß, was er will. So weit so gut.
Tatsächlich hatte ich bei der Veranstaltung viel Spaß. Es hat mir Kraft gegeben und Mut gemacht, von den Erfahrungen dieser starken Frauen zu hören, etwas über ihre erfolgreiche Reise zur Selbstakzeptanz zu erfahren und ein ums andere Mal zugerufen zu bekommen: Du bist großartig und wunderschön, so wie du bist! Jetzt geh raus und zeig es allen! Hab Spaß! Hab Sex! Sei du selbst! Und hol dir die Liebe, die du auch verdienst, denn die wartet da draußen schon auf dich! Genau genommen war das Ganze am Ende mehr ein Energietransfer und eine Reihe von Pep-Talks (oft basierend auf dem eigenen Beispiel - "wenn ich das kann, kannst du das auch") als alles andere.
Was bleibt ist trotzdem die atemlose Frage: Woher den Mut und das Selbstbewusstsein nehmen? Vermutlich muss man sie tatsächlich bauen wie ein Haus aus Lego. Immer wenn man wieder mal einen kleinen Schritt vorwärts und vielleicht eine positive Erfahrung gemacht hat, kommt ein neuer Stein dazu. Was mir ganz klar fehlte, war die gründlichere Thematisierung der offensichtlichen Mühsamkeit eben jenes Prozesses.
Und was einerseits zunächst und auch im Großen und Ganzen heilsam war, war in seiner Redundanz am Ende dann trotzdem manchmal etwas nervig. Auch der wiederholte Hinweis, dass es egal ist, welche Kleidergröße man trägt, weil Sexiness ohnehin von innen kommt, scheint mir nicht ohne Falltür. Entweder mein dicker Körper ist wunderschön und sexy oder nicht. Und wenn er es ist, wer braucht dann noch den Hinweis auf innere Werte? Außerdem, und das mag ein ganz persönliches Problem von mir sein, aber wenn man mir zu oft sagt, ich soll mich "hübsch machen und positiv sein", treten automatisch meine Adern an der Schläfen hervor und mein innerer Hulk beginnt zu rumoren. Dabei ist mit "Hübschmachen" natürlich auch ein Akt der Selbstliebe gemeint. Ich soll es mir wert sein, dass ich mich im bestmöglichen Zustand der Welt präsentiere. Allerdings tue ich das immer. Der Zustand in dem man mich auf der Straße antrifft, ist immer der beste, der mir in der gegebenen Situation und mit dem momentan zur Verfügung stehenden Selbstwertgefühl möglich war. Und das ist trotzdem oft ohne Lippenstift. Und eher unfröhlich obendrein. Womit wir wieder bei o.g. Frage wären.
Trotzdem, das Seminar war ein Bausteinchen, und ich habe das Gefühl, ich werde mich jetzt bald irgendetwas trauen, um mein Liebesleben tatsächlich in Fahrt zu bringen. Ich weiß nur noch nicht, was. ; )
NH
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