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Sonntag, 22. Oktober 2023

Wie es mir so geht - Teil 2


Ich befinde mich in Woche 14 meines Sitzengelassenwerdens durch den Ex und habe seitdem meine Befindlichkeit hier ja regelmäßig beschrieben. Ich dachte mir, damit höre ich auch nicht so bald wieder auf. : ) Im Moment gibt es ein paar Hauptgebiete, auf denen ich mich um Bewegung und Fortschritt bemühe, oder auf denen ich mich schlicht zur Ablenkung betätige. Als da sind:

Psychische Gesundheit

Nicht gut. Dosis erhöht. Könnte pausenlos heulen. Und das ist keine Floskel, sondern wahr. Damit mache ich gefühlt Rückschritte. Allerdings steigt auch die Wut weiter. Ich hätte nicht vermutet, dass das eigentlich noch möglich ist. Und Wut soll ja tragen. Ich stelle sie mir allerdings vor, wie ein Rettungsfloß, das sich erst noch viel weiter aufblasen muss, um mich sicher durch das Unwetter zu bringen.

Die Hüfte

Sie schmerzt immer, mal mehr, mal weniger. Und sie sorgt dafür, dass ich mich nun schon seit längerer Zeit mit der Barrierefreiheit an öffentlichen Orten befassen muss, denn ich benötige für meine Behinderung zumindest ein Geländer. Das ist ein neuer Blick auf die Welt. Was ich dabei in ihr erfahre und erkenne, ist - mal wieder - nicht gut. 

Ich habe nun einen Termin beim Orthopäden - Ende November.

Haussuche und Wohnungsverkauf

Die Wohnung ist seit einer guten Woche auf dem Markt und noch nicht verkauft. : ) Dass wurmt mich enorm, denn jetzt, wo ich mich durchgerungen habe, will ich, dass es am liebsten vor drei Monaten schon erledigt gewesen wäre. 

Heute habe ich einen weiteren Bungalow auf dem Land besichtigt. Mit einer erstaunlichen Ansammlung von Wespen um den Rahmen des Küchenfensters herum, einem Garten voller überwucherter (leerer) Tiergehege und einer Bahntrasse direkt auf dem Hügel über dem Grundstück. Das Beste am Ganzen war mal wieder das Abendlicht auf der Fahrt. Und viel Himmel hatten wir auch wieder. (s.o.)

Der Roman

Ich muss mir endlich einen Ort suchen, an dem ich all die Post-It-Notizen und Servietten konsolidiere, auf denen ich mir dauernd Notizen mache. Ich habe ein Dutzend Anfangsszenarien. Die Konzeption und Planung fließen, aber der Prozess ist, wie gerade alles, ziemlich chaotisch. Ich überlege, doch Agenturen anzusprechen.

Dating

Nun, lasst mich anhand folgender Begebenheit darstellen, wie es da so läuft.

In meinem Profil auf einer Dating-Plattform steht u.a.: „Ich mag echte Kerle, die keine Angst vorm Gendern haben.“

Darauf bekam ich von einem (nach eigenen Angaben) Zweiundvierzigjährigen ohne Bilder im Profil folgenden aufgeregten Aufsatz zugeschickt (Rechtschreibfehler und leicht entglittene Syntax wurden wie im Original belassen):

„Ich weiß nicht ob man darüber lachen oder weinen soll. Du bist doch eine erfahrene, gebildete, kunstliebende und wie es scheint unabhängige Frau. Wie kann man dennoch auf diesen Zug aufspringen? Ich wollte Dich schon öfter anschreiben aber deine woke Ideologie macht es einem echt schwer.

Gerade Literaturliebhaber die mit der Schönheit der Literatur bewandert sind sollten so etwas wie gendern verachten und intelligent genug sein das dies keine Toleranz schafft und sich niemand außer 1-2 Prozent die eher an einer Identitätsstörung leiden, anspricht.

Entschuldige das ich mich so auskotze aber das sind so schlimme unnötige First World Problems und ich fand es schade das so eine Frau wie Du darauf so einen Wert liegt.

Sorry, ich bin eigentlich sehr lieb und vor allem ein sehr toleranter Mensch. Sehr Integer.“

Meine Antwort: „Heul doch.“

Frau ist offenbar nirgendwo sicher vor homo- und transphoben Männerrechtlern. Da ist frau im Dating-Zirkus dann schon froh, wenn sie es nur mit ganz normalen luschigen Idioten zu tun kriegt, die vor dem ersten Telefonat auf dem Sofa einschlafen. Ganz ehrlich – dass passiert mir jetzt regelmäßig, dass sich ein Mann nach dem verpasssten Termin so dafür entschuldigt. Das, oder sie hatten Rücken und konnten nicht aufstehen. Lügen die alle? Oder liegt das daran, dass die Typen jetzt auch alle sieben Jahre älter sind und ohne Ende schwächeln?

 

NH

Mittwoch, 15. Februar 2017

Follow me around 54: Valentinstage

Zwei Tage nachdem ich in meinem Fragebogen zum Jahresende auf die Frage nach der wichtigsten Erkenntnis aus 2016 geantwortet hatte, dass ich einen Mann so dringend brauche, wie ein Fisch das berühmte Fahrrad, hatte ich dennoch eine weitere Verabredung mit jemandem, der mich auf einem der Partnersuche-Portale, bei denen ich mich eigentlich gerade abmelden wollte, doch noch gefunden und angeschrieben hatte.

Eine etwas längere Unterbrechung mittendrin mitgerechnet, hatte ich zu diesem Zeitpunkt bekanntlich vier Jahre Online-Dating hinter mir und die Nase erklärtermaßen gestrichen voll.

Unsere erste Begegnung fand im Museum der Arbeit statt - bemerkenswerterweise auch noch in einer Ausstellung rund um das Thema Entscheidungsfindung. Mit Übungen, nach deren Erledigung ein Computer analysieren sollte, was für ein Entscheidungstyp man ist. Im Prinzip war die Ausstellung wie ein begehbarer Psychotest in einer Frauenzeitschrift. Wir amüsierten uns in spontaner Einigkeit angesichts der Schlichtheit  des Ausstellungskonzeptes und hatten obendrein die Öffnungszeiten nicht beachtet, so dass wir ohnehin nur eine knappe Stunde hatten, um all unsere Entscheidungen zu treffen. Bei uns beiden ging seither dann aber auch immer alles ziemlich schnell. In Windeseile haben wir einen Entwicklungsstand erreicht, bei dem wir uns gegenseitig anrufen, um die Einkaufsliste fürs Abendessen zu besprechen und jeder des anderen Schlüssel in Verwahrung hat. Bei mir lag zwischenzeitlich nun sogar schon männliche Bekleidung im Wäschekorb. Ist das zu glauben...?

Nur zwei der Rosensträuße, die ich in meinem Leben bekommen habe, waren von einem Mann (der Rest war von meiner Mutter zu Geburtstagen). Tatsächlich habe ich diese beiden Sträuße von ein und dem selben Mann erhalten. In den letzten zwei Monaten. Und ich musste 45 werden, damit das passiert.

Am vergangenen Valentinstag stellten wir nun fest, dass wir es auf den Tag genau seit bereits neun Wochen miteinander ausgehalten haben. Ich staune Bauklötze. Ich hatte ja gar keine Ahnung mehr, was Paaralltag so ausmacht. So hatte ich z.B. auch kein Bewusstsein mehr dafür, dass einer womöglich sofort eine Nachricht schreibt, ob er sich Sorgen machen müsse, wenn ich eine Verspätung nicht rechtzeitig ankündige. Weil er sich Sorgen macht. Um mich. Unfassbar.

Nun habe ich natürlich von euch auch Nachfragen erhalten, wo ich stecke. Danke dafür, ihr Guten! Ich bin noch immer hier. Aber zuerst hat das Blog darunter gelitten, dass alles zu traurig war. Und nun ist alles zu aufregend. Und die Zeit rennt bekanntlich, wenn man Freude hat. Ich jedenfalls komme zu so gut wie nichts anderem mehr.

Irgendwann kommt vielleicht wieder eine gewisse Ordnung in die Sache... : )

NH

Samstag, 10. September 2016

Follow me around 52: Neid



Für einen winzigen Augenblick dachte ich, ich hätte plötzlich doch jemanden gefunden, mit dem vielleicht irgendwann unter Umständen eventuell eine Beziehung möglich werden könnte. Das Gefühl dauerte genau einen Tag. Und dann floppte zunächst alles wieder ins verhaltene, zwischenmenschliche Chaos, um danach, wie gewöhnlich, zu freudloser, grotesker Leere zu werden.

Warum kann ich nicht wenigstens einmal im Leben genau das bekommen, was ich in der gegenwärtigen Lebenssituation auch am dringendsten will? 

Einer meiner Nachbarn, Endreißiger, stockig und stumpf, trüber Tassenblick, langsamer Kopf, fragwürdige Grammatik, kümmert sich einen Scheiß um irgendwas auf der Welt, Socken in den Sandalen zum Iron-Maiden-T-shirt, verkauft übrigens seine Wohnung, um mit seiner (eigentlich noch recht neuen) Freundin zusammenzuziehen. Die beiden tragen schon Parkettmuster in einer Plastikwanne mit sich herum und stellen sie gelegentlich im Treppenhaus ab, so dass ich aus dem Staunen nicht mehr herauskomme. Irgendwann erwischt es offenbar jeden. Niemand kommt auf Dauer ohne Deckel davon. Nur an mir bliebe offenkundig auch dann keiner hängen, wenn ich fortan ausschließlich mit einer magnetischen Rüstung durch die Gegend liefe.

Man fragt sich, wie der Rest der Welt es schafft, doch am Ende immer wieder zumindest zeitweise in konventionelles Fahrwasser zurückzufinden, während man selbst seit seiner Geburt nicht im Stande gewesen ist, aus dem Strudel, der einem damals offenbar zugewiesen wurde, herauszurudern. Das ist selbstverständlich eine gänzlich sinnlose Frage, die sehr viel Realität ausblendet, das weiß ich auch, danke sehr - aber so fühlt sich nun einmal an. Und ich werde grün vor Neid, wenn ich mir vorstelle, wie die beiden (mein Nachbar und seine Freundin) in ihren Caterpillar-Sandalen durch Möbelhäuser laufen, auf der Suche nach einem Eckalcantarasofa in Rost, auf dem sie dann beide genug Platz haben, um sich beim Fernsehen lang auszustrecken.

Einmal würde ich noch gern so richtig gewollt werden, bevor ich komplett ergraut und verschrumpelt bin. Aber es sieht verdammt nicht gut aus. Und eigentlich hatte ich das Unterfangen ja auch aufgeben wollen.

Die hier ja schon öfter bemühte Rebecca Niazi-Shahabi macht sich natürlich zu Recht darüber lustig, dass Beziehungsfähigkeit aus ihrer Sicht wirklich nur von einer Sache abhängt, nämlich von der Bereitschaft, die eigenen Erwartungen an einen Partner möglichst radikal herunterzuschrauben. Wie ich dereinst schon berichtete, habe ich das sogar versucht...und bin dann abserviert worden, weil der, den ich gar nicht so schrecklich gern wollte, sich kurzerhand in jemand anderen verliebt hat, die sich erstaunlicherweise auch in ihn verliebt hat. Offenbar verlieben sich pausenlos Leute ineinander. In mich allerdings nicht. Aber ich kann das nicht ändern. Das wenigstens habe ich begriffen.

Mit der Akzeptanz hingegen  tue ich mich weiterhin denkbar schwer. Und habe mich so gestern in durchwachter Nacht bei Gleichklang.de angemeldet, den Mitgliedsbeitrag für ein Jahr bezahlt und es nach kaum mehr als 15 Minuten auch schon bereut. Ich hatte offenbar überlesen, dass man sich bei Gleichklang.de nicht selbst auf die Suche nach einem Partner machen darf, sondern dass einem basierend auf den persönlichen Angaben, die man auf einem recht langen Fragebogen hinterlegen muss, Partnervorschläge unterbreitet werden. Wenn man Glück hat. Ich habe bisher ganze sechs Vorschläge erhalten. Einer der für mich ausgewählten Kandidaten hat übrigens das Asperger-Syndrom. Oh, wie sehr ich mir ein paar Wendungen und Ereignisse in meinem Leben wünschen würde, die sich mal ausnahmsweise nicht automatisch zur Satire eignen.

Aber es geht nicht nur um nicht funktionierende Beziehungen. Gepaart mit beruflichen Pleiten, stetig zunehmender Dünnhäutigkeit und Empfindlichkeit, sowie unendlicher Müdigkeit haben sie mich nach jahrelanger Pause mal wieder ins Sprechzimmer meines Psychiaters gebracht. Der fragte mich, was er mich auch zuvor immer gefragt hat: "Warum darf es Ihnen denn eigentlich nicht gut gehen?" Ich glaube, dabei kommt er sich verwegen kryptisch vor, also lasse ich ihn. Gleichwohl wusste ich, auch wie immer, natürlich keine Antwort darauf. Dann fand er, ich sei reif für eine stationäre Behandlung. Sechs Wochen mit Gruppensitzungen und Kunsttherapie. Yippie! Als ich das ablehnte, riet er mir zu einem Yoga-Kurs ("Den bezahlt vermutlich sogar Ihre Kasse."), und ich erinnerte mich wieder, warum ich ihn so lange nicht aufgesucht hatte.

Mein Leben steht weiterhin wie ein Sumpf. Während die Welt um mich herum aus den in diesem Jahr besonders zahlreichen und gefühlt unendlich langen Urlauben wiederkehrt, entwickelt und ergibt sich hier rein nichts - außer den Neurosen. Ich gehe nirgendwohin. Außer nach nebenan zu Ilse, die mir einen Kaffeebecher mit einem Froschkönig darauf geschenkt hat, als Glücksbringer, "damit mein Prinz bald kommt". Das Ergebnis war, dass ich über ihrem Pflaumenkuchen Rotz und Wasser geheult habe. Ich bin mir nicht ganz sicher, was ich nun tun soll. Mit mir, dem Blog und auch sonst.

Und morgen ist schon wieder Flohmarkt. Diesmal direkt vor meiner Haustür; das ist wenigstens nicht so anstrengend. Und man muss nicht bereits um sechs Uhr mit dem Aufbau beginnen. 1890 Gegenstände weniger...immerhin.

NH

Samstag, 30. Juli 2016

Follow me around 50: Life Update


So nennt man das ja unter Blogger- und Vloggerinnen, wenn man sich länger nicht gemeldet hat, und mal schnell vorbei kommt, um Bescheid zu sagen, dass man noch lebt.

Ja, ja - ich lebe noch. Gerade so. So fühlt es sich an. Tatsächlich habe ich gestern morgen in Endlosschleife gedacht: "Jetztsterbeichgleichjetztsterbeichgleichjetztsterbeichgleich..." Ich fühlte mich bei Aufstehen so mies, dass ich mir nicht mehr sicher war, ob ich es bis über die Schwelle zum Badezimmer schaffen würde.

Der desolate Zustand ist zu zwei Dritteln seelisch und zu einem Drittel körperlich begründet. Die Mischung macht's: Sehr wenig und schlechter Schlaf, die Schwüle der letzen Tage, viel Bücken, Schleppen und auf dem Boden-Herumgerutsche, Sorgen um die berufliche Zukunft, Sorgen um Geld, Sorgen um den Kater (der fraß plötzlich nicht richtig), relative persönliche Einsamkeit, relative persönliche Enttäuschung und (bekanntlich) eine Art Grundverbitterung über den Stand meines Lebens, eine wachsende Unfähigkeit, der Flut der täglichen Ärgernisse etwas entgegenzusetzen, und all das natürlich entscheidend und unablässig befördert durch die psychischen Anstrengungen beim Aussortieren.

1321 Gegenstände weniger 

...seit Beginn meiner letzten von unendlich vielen Ausmistaktionen, die übrigens im März begonnen hat und deren Ziel es war, sich in 30 Tagen um 500 Gegenstände zu erleichtern.

Aussortieren ist und bleibt das Stichwort. Und obwohl Ausmisten schwer ist und dieses ohnehin schwere Zeiten sind, muss es gerade jetzt sein. Oder besser: Gerade deswegen. Der Kram ist Denkmal und Anklage und Hindernis und Energieräuber. Er muss erledigt werden, damit die Dinge hier anders laufen. Ich kann ihn nicht länger im Weg herumstehen lassen und denken, ich könnte mein Leben erfolgreich um ihn herumleben. Er ist Symptom und Ursache zugleich.

Dass der Prozess so lange dauert (mitunter eben sogar Jahre) mag für Außenstehende unverständlich sein, aber besteht nun einmal aus einer Vielzahl von Schritten, von denen jeder mehr oder weniger emotional besetzt ist.

Zunächst muss man alles hervorkramen und begutachten, dann entscheiden, ob man den Gegenstand behält oder nicht. Um dieses zu bewerkstelligen, gibt es verschiedenen Methoden, die je nach Situation greifen können. Uff. Wenn man ihn behält, muss man entscheiden, wie er in Zukunft verwahrt, bzw. mit den anderen Dingen, die bleiben, organisiert werden soll, so dass der Alltag mit ihm reibungslos läuft.

Bei den Gegenständen, die gehen, stellen sich natürlich noch viel mehr Fragen. 1.783.655 Fragen, um genau zu sein: Soll das gespendet, verschenkt, verkauft oder weggeworfen werden? Wer soll es kriegen? Wer könnte es wollen? Wenn es in den Müll soll, in welchen Müll? Wenn verkaufen, wie? Und wo bis dahin lagern? Grundsätzlich gilt es, aussortierte Dinge so schnell wie möglich wegzuschaffen, damit man gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt, und sie doch behalten will.  Das finale Abwickeln der Dinge ist aber fast nie so leicht, wie man sich das vielleicht vorstellt. In der Tat kann es gerade da ganz schön höllisch werden, es sei denn man bestellt einen Container, wirft alles hinein und denkt sich "Nach mir die Sintflut". Aber wer das so einfach kann, der hat vermutlich ohnehin kein Problem in diesem Bereich. Ich muss mich nun für kommenden Monat für die Teilnahme an Flohmärkten anmelden, obwohl ich mir geschworen hatte, dass ich das im Leben nie wieder tun würde.

Grüße von Gustav 

Beim Impfbesuch beim Tierarzt haben mich die großartigen Helferinnen wieder auf den letzten Stand darüber gebracht, wie es Gustav bei seinen neuen Menschen so geht. Und alles läuft prima. Er darf mittlerweile raus, kommt aber immer wieder zuverlässig nach Hause und verträgt sich sogar mit dem anderen Kater im Nachbarhaus. Natürlich bin ich noch immer und immer wieder unendlich erleichtert. Es sticht ein wenig, dass er und Corbinian sich nicht vertragen konnten...aber was hatten wir am Ende wirklich für ein unendliches Glück in dieser Sache.

Und dann auch noch das...

Wie durch Zufall bin ich in den letzen Wochen mit drei Männern kollidiert (zwei neu, einer alt). Das war vor allem im Abgang nicht schön - in keinem der drei Fälle. Wobei ich es bei einem hätte wissen können - bei dem war es jetzt der zweite Anlauf nach langer Zeit. Ich bin auch echt zu bescheuert.

Aber egal wie sorgfältig und, anders lässt es sich fast nicht sagen, kleinlich frau auswählt, mit wem sie ja wenigstens mal telefonieren oder einen Kaffee trinken könnte - am Ende implodiert stets alles. Gerne mal über einer Diskussion über weibliche Endungen in der deutschen Sprache und darüber, ob es denn nun wirklich nötig sei, Ampelweibchen einzuführen. Wohlgemerkt, diese Themen werden nicht von mir auf den Tisch gebracht. Im Leben käme ich nicht darauf. Vielmehr ist es so, dass Männer in einer Kennenlernsituation, die eigentlich im Idealfall zu einer Partnerschaft führen sollte, unbegreiflicherweise gern beginnen, mit mir zu streiten. Es ist, als ob auf meiner Stirn plötzlich der Schriftzug "radikale Feministin" (was ich vermutlich auch bin) sichtbar wird. Und dann geht es los. Dann fangen sie an, sich ganz und gar ohne Angriff zu verteidigen, was das Zeug hält. Obwohl sie mich kurz vorher noch für ganz hübsch und freundlich gehalten haben. Dass ich ab dem Punkt dann schnell genervt bin von all dem aufgewiegelten Gejaule um Privilegien und dieses auch äußere - das gebe ich unumwunden zu.

Die letzen männlichen Flops - ich habe sie mir, wie fast alle zuvor, nicht selbst gesucht. Sie haben mich, wie immer, auf einer Dating-Seite im Internet gefunden. Warum ich mich bei all dem Ungemach, und obwohl ich es schon lange vorhabe, nicht endlich bei finya.de abgemeldet habe? Ach, wer weiß...es wäre halt so schön und buchstäblich wunderbar, wenn doch noch der Richtige käme und mich dann auch noch ertragen könnte. Irgendwer, ich glaube, es war eine Freundin, nannte es "dem Schicksal zumindest eine Chance geben".

Zur Strafe für meine Inkonsequenz und Trudelei bekam ich dann von der Plattform unlängst als "Partnervorschlag" meine letzte und zutiefst traurig verlaufene große Liebe untergeschoben. Ich blinzelte, schluckte und klickte dann auf das Bildchen, obwohl ich das sicher nicht hätte tun sollen...whatever. Sieht ganz so aus, als ob wir beide ähnlich unverkäuflich sind. Was damit zu tun haben könnte, dass wir uns in vielerlei Hinsicht verdammt ähnlich sind.

Jetzt guck doch nicht schon wieder so empört, weißt du doch selber.

Der Himmel verschwindet

Das Haus nebenan wird immer höher. Die Vermutung ist, dass auf den ersten Stock nun noch so eine Art Penthouse gesetzt wird. Was auch immer es ist, ich werde danach von meinen Fenstern aus den Himmel nicht mehr sehen können. Wie es möglich war, eine Genehmigung für einen solchen Bau an dieser Stelle zu bekommen, ist mir schleierhaft.

Ich hatte vor Monaten bereits ein Informationsverfahren bei der Bauaufsicht angestrengt, und als es in die zweite Phase gehen sollte, den Vorgang an unsere Hausverwaltung abgegeben, weil die sich angeboten hatte, mir die Arbeit ab da abzunehmen. Ich war erstaunt und dankbar. Danach kam nix mehr. Weil die Hausverwaltung offenbar Besseres zu tun und ich schlicht keine Energie mehr hatte, um sie auf angemessene Weise zu erinnern...Irgendwann in meinem Leben möchte ich mal die sein, die sich anderen auf massive und permanente Art aufzwingt, sei es durch Lärm, Dreck, Gestank Verrücktheit, Mauern oder Hindernisse, und damit einfach so davon kommt. Ich wüsste gern, wie sich das anfühlt. Es muss eine Befriedigung sein, die ich gern kennen würde. Wahrscheinlich könnte man diese aber ohnehin nur so richtig spüren, wenn man nicht zu sehr über sich selbst nachdenkt und nicht womöglich Zweifel oder ein schlechtes Gewissen hat.

Coming soon

Heute kam ein Mängelexemplar von Nadja Hermanns "Fettlogik überwinden" mit der Post. Amazon macht natürlich auch immer fleißig Vorschläge - und offenbar "kauften Kundinnen, die Nicole Jägers Schwindeldiätbuch gekauft haben, auch dieses", was nicht ohne Ironie ist, da die beiden "Camps" von Anhängern sich augenscheinlich auf den Tod nicht ausstehen können, und einer der höchstbewerteten  und längsten Kommentare zu Nicole Jägers Buch ein negativer ist - und den Titel "Fettlogik" trägt.

Bereits beim ersten Durchblättern von "Fettlogik" wird klar, dass das Werk vermutlich ganz genauso toxisch sein wird, wie ich es mir gedacht habe. Und ich habe mir für eine Sekunde überlegt: "Warum willst du dir das eigentlich antun?" Aber hey, dazu sind wir ja eigentlich hier...Ich werde jetzt erst einmal den "Forscher Rüther" googeln. Der wird im Buch auf Seite 153 augenscheinlich mir nichts, dir nichts als wissenschaftliche Quelle in den Ring geworfen, hat aber keine Fußnote und ist im Quellenverzeichnis unter seinem Namen nicht zu finden. Der "Forscher Rüther"...?! Ehrlich jetzt? Das kann ja heiter werden.


NH

Montag, 2. Mai 2016

Walking Vlog #2: Die dicke Dame sucht die Liebe (nicht mehr)

Ich habe mich also wieder auf die Socken gemacht und habe die Kamera mitgenommen*. Dummerweise hatte ich vom letzten Mal wenig gelernt (oder schon wieder alles verdrängt) und so habe ich auf den Wind das himmlische, nervige Kind natürlich wieder überhaupt nicht geachtet. Mit dem unbefriedigenden Ergebnis, dass ich an einigen Stellen Untertitel einblenden musste, so als wäre ich mit einem sehr exotischen Dialekt in eine Doku-Soap geraten...

Die Themen Liebe und Partnerschaft sind bekanntlich keine, bei denen ich zu den Gewinnerinnen gehöre. Und dieser Beitrag wird vermutlich der letzte zum Thema sein - es sei denn, ich mache im Zuge des Thin Privilege Projektes noch erhellende Erfahrungen auf dem Gebiet.

Oder ich schwinge mich doch noch einmal einsam und verfügbar dreinblickend auf einen Barhocker. Das passiert aber nicht absehbarer Zeit - auch deshalb nicht, weil mir Zeit und das Geld für Cocktails fehlen - und bei meinem Glück mit den Männern müsste ich mich vermutlich den ganzen Abend auf eigene Kosten mit Flüssigkeit versorgen. Selbst dann, wenn einer anbeißt...

Das ist überhaupt ein Punkt, den ich im Vlog gar nicht angesprochen habe, obwohl ich ihn mir auf meine Stichwortliste gesetzt hatte: Wenn Männer mit einem einzigen Aspekt der Emanzipation WIRKLICH GANZ UND GAR NICHT UND NIEMALS UND UNTER KEINEN UMSTÄNDEN EIN PROBLEM haben, dann damit, dass sie nicht mehr automatisch diejenigen sind, die die Rechnung zahlen. Eigentlich ist es meiner Erfahrung nach eher so, dass sie automatisch nicht mehr die sind, die einladen. Dafür finden sie aber überhaupt nichts dabei, sich automatisch einladen zu lassen und so lassen Professoren, die zehn Jahre älter sind als ihr Date, dieses anstandslos den Kaffee zahlen. Nicht alle, wohlgemerkt. Aber fast alle und unabhängig davon, wie gut es ihnen finanziell geht...Seufz.

Das war es also. 

Ein "Lebens-Update" gibt es im nächsten Blogbeitrag. Ich bin schon gefragt worden, wo ich denn bin, und dazu kann ich nur sagen: Weiterhin so ziemlich außer mir. Aber dazu später mehr. Hier kommt jetzt das Filmchen. Links zu alten Beiträgen aus meiner Dating-Geschichte findet ihr darunter.

Samstag, 23. Januar 2016

Follow me around 39: Eine schreckliche Geschichte


Listen. I wish I could tell you it gets better, but... it doesn't get better. You get better. (Joan Rivers)*


Unlängst hatte ich die unendlich beschämende Erfahrung, mich im Theater während der Zugabe aus der Mitte einer Sitzreihe quetschen zu müssen. Die betroffenen Parteien sahen davon ab, aufzustehen und ihre Knie aus dem Weg zu nehmen. Schließlich war ich die unmögliche Aggressorin mit dem unzulässigen Verhalten.Und an einer Stelle steckte ich dann fest und stand auf den Zehenspitzen. Und geriet in echte Panik. Ich dachte ich falle um. Ich dachte, ich kippe rückwärts und in die vor uns liegende Reihe. Ich dachte, ich falle auf jemanden. Den demoralisierenden Effekt, den dieses Ereignis auf mich hatte, die niederschmetternde Erniedrigung, die ich als dicke Frau empfand, traf mich aus dem Hinterhalt wie eine sich plötzlich vor mir öffnende Autotür. Ich hatte schlicht nicht erwartet, mich in meinem Leben jemals noch einmal so zu fühlen. Am Ende gewann ich die Kontrolle zurück, entkam, indem ich über fremde Füße trampelte, sah in entsetze/genervte Gesichter und atmete hundertmal "Entschuldigung, Entschuldigung, Entschuldigung" auf sie herab.

Die Welt ist zu klein für mich.

Es wird ja immer mal wieder diskutiert, ob Dicksein eine Behinderung ist. 2014 hatte der Europäische Gerichtshof im Falle eines dicken Tagesvaters (160 kg) in Billund, Dänemark ein Urteil gefällt, dass besagt, dass "chronische Adipositas" eine Behinderung sein kann. Und während man gegen Dicke diskriminieren , bzw. sie aufgrund ihres Dickseins entlassen darf, werden Menschen mit Behinderungen in der EU gesetzlich vor Diskriminierung am Arbeitsplatz geschützt.

Ich würde sagen, Dicksein ist es sehr wohl mitunter eine Behinderung. Schließlich erfahren Menschen zumeist dann Behinderung, wenn sie bestimmten körperlichen "Normalitätsstandards" nicht entsprechen und darum bei ihrer Interaktion mit der Welt, die nicht auf sie und ihre individuellen Parameter eingestellt ist, immer wieder auf Hindernisse und Störungen treffen und sich in der Folge auch noch komplett unverdient unwohl in ihrer Haut fühlen.

Hier ist die Welt in der Verantwortung. Ein Welt, die weniger gedankenlos, großzügiger und vielfältiger konstruiert wäre, würde in der Tat viele Menschen weniger behindern. Ausreichend große Sitze im Flugzeug oder Toilettenkabinen, in denen sich jeder ohne Schwierigkeiten um sich selbst drehen kann (insbesondere in öffentlichen Gebäuden) betrachte ich mithin als Menschenrecht.

Taxi nach Nirgendwo 

Joan Rivers' kluges Zitat (s.o.) hat mir vor ein paar Tagen eine gute Freundin geschickt. Und gerade weil es so wahr ist, macht es mich so unglaublich betroffen. Und sowas von müde. Ich will aber gar nicht mehr besser werden. Ich habe ja auch schon gesagt, dass ich keine verdammte Lektion mehr brauche. Ich will, dass ich endlich gut genug bin,VERDAMMT! Ich VERLANGE, dass ES besser wird, und ich will nur noch alle Viere von mir strecken und den Zufall mit freundlicher Effizienz alles regeln lassen. Ich will, dass die Dinge und Fragen endlich durch glückliche Fügung an ihre Plätze fallen. Ich will nix mehr schieben und schleppen und denken. Ich will nicht. Ich will nicht mehr.

Aber natürlich ist auch hier alles kompliziert und inkonsequent, denn es liegt bekanntlich nicht in meiner Natur, die Dinge einfach so sein zu lassen, wie sie sind. Ich tue bisher immerzu irgendetwas, um die Welt zu beeinflussen, auch wenn es meistens schief geht. Und es gibt genug, von dem man denken würde, dass ich es gelernt hätte - aber wohl nie lernen werde...

Darum habe ich mich vor einigen Tagen auch wieder bei verschiedenen Partnerbörsen angemeldet. (Mein Profilname ist TaxinachX bei Finya.de und rubensfan.de.) Im wahren Leben treffe ich ja bekanntlich auf keine Männer, die was wollen könnten, und auf den Portalen gaukelt einem zumindest die Flut des männliches Interesses in den ersten Tagen nachdem man ein frisches Profil eingestellt hat, vor, dass vielleicht doch noch etwas zu holen ist.

Leider ist der Kick für das Selbstbewusstsein  nicht mehr so stark, wie der, den man sich auf diese Weise vielleicht noch vor zwei Jahren verschaffen konnte. Weil die Desillusion mittlerweile schon von Anfang an mit im Boot sitzt. Die Tatsache, dass einem anfänglich listenweise Fische ins Netz gehen, wird sofort dadurch zu Tode dadurch relativiert, dass man sie fast alle umgehend als so klein und hässlich erkennt, dass man sie im Minutentakt auch zurück ins trübe Wasser wirft. Viele der Männer in meiner Altersklasse sind ohnehin aus zweiter Hand. Sie waren in großen Zahlen verheiratet und haben Kinder. Irgendwelche Frauen fanden diese Typen irgendwann begehrenswert genug, um sie zu heiraten und sich mit ihnen zu vermehren. Wer um alles in der Welt waren diese Frauen? Aber das frage ich mich natürlich auch oft bei Frauen, die bestimmte Ehemänner behalten haben.

Einige erkennen einen wieder und begrüßen einen, wie eine alte Bekannte. Andere können sich die Häme nicht verkneifen, dass man es offenbar auch nicht geschafft hat, dem Singledasein anhaltend zu entfliehen, und nun wieder dazu gezwungen ist, mit ihnen in der Dating-Hölle auszuharren. Bitterkeit bricht sich Bahn. Einsame Seelen schlagen regelrecht um sich. Und ich verstehe sie: Eigentlich ist das alles nur zum Kotzen. Quälendes, elendes und tagelanges Hin-und Hergeschreibe in Einzelsätzen mit Männern, die man nicht auf Anhieb so unattraktiv fand, dass man sie nach dem ersten blutleeren Anschreiben sofort in die Wüste geschickt hat. So, wie es sich eigentlich gehört hätte. Was frau hier wirklich noch immer lernen kann, ist, wie entscheidend eine noch rigidere Abgrenzung und noch weniger Rücksichtnahme auf die Gefühle anderer im Sinne von Selbsterhalt sein können.

Und dann ist da viel dummes Gerede über mein Gewicht. Mehr noch, als es in meiner Erinnerung in der Vergangenheit gab. Gewicht ist DAS Thema - so oder so. Einige finden es noch immer nicht "so schlimm", dass ich dick bin und verstehen meine säuerlichen Reaktionen darauf nicht. Einige finden dicke Frauen allerdings besser, als die immer und immer wieder bemühte "Hungerharke". Und wundern sich, dass ich es nicht lustig finde, wenn sie die Körper von Frauen, die nicht dick sind, runtermachen. Einige finden mich nicht dick genug. Einige wiederum glauben nicht, dass ich dick bin, weil ich (ungelogen) "doch so ein hübsches Gesicht habe". Danach will frau eigentlich allen nur noch ins Gesicht springen.

Bei Finya.de lautete mein Profiltext zunächst: "Ich suche einen Mann, der klug und gebildet ist. Und Ironie versteht. Das ist eigentlich auch schon alles." Bemerkenswert war, wie viele Männer daraufhin versuchten, dadurch auf meine grüne Seite zu gelangen, indem sie die geistigen Kapazitäten ihres Geschlechtes regelrecht dissten - immer reich versehen mit Smileys: "Ich verstehe die Ironie in "einen Mann, der klug und gebildet ist :-)", "Ein kluger und gebildeter Mann - du kleiner Scherzkeks, du! ;-)", "Du suchst also gar keinen Mann, du suchst eine Frau! :-))))". Und dann sogar noch: "Hast du in deiner Karriere als Frau schon einmal einen klugen und gebildeten Mann gesehen???".

Ja, hab ich.


NH

* Hör zu. Ich wünschte, ich könnte dir sagen, dass es besser wird, aber...es wird nicht besser. Du wirst besser.

Sonntag, 10. Januar 2016

Die dicke Dame sucht die Liebe / Ausgelesen: ...

Marie Laveaus's Everything-You-Need Xecutive Voodoo Kit for Love, gekauft 1997 in New Orleans, nie benutzt - offenbar...

Bauer attackiert Frau

Und am ersten Tag des Jahres war es dann (fast) soweit. Endlich, nach 20 Jahren, würde ich mal all das anwenden können, was ich im Selbstverteidigungskurs im (Frauen-)College gelernt hatte. Erst zwei Finger gezielt und scharf in die Augen rammen, dann mit aller Kraft zwischen die Beine treten und dann alles tun, was noch nötig ist, um genug Zeit zu haben, um sich in Sicherheit zu bringen. Was einer durch den Kopf geht, wenn sie plötzlich annehmen muss, jetzt könnte es zum ersten Mal in ihrem Leben so richtig brenzlig werden, weil ein notgeiler Großgrundbesitzer (siehe "In Eile") sie nach dem gemeinsamen, ganz friedlichen Abendessen auf einem eiskalten und mäßig beleuchteten Parkplatz trotz deutlichen Protests festhält und sich anschickt, ihr die Kleider vom Leib zu reißen, war zunächst einmal für den Bruchteil einer Sekunde dieses. Dann schoss mir ernsthaft Jenny Holzers Arbeit "Men don't protect you anymore", durchs Hirn, direkt gefolgt von der rettenden, inneren Ermahnung: "LÄRM MACHEN! LÄRM MACHEN! LÄRM MACHEN!" (Danke, Wells College.) Als ich anfing ihn anzuschreien, ließ mein Angreifer mich tatsächlich los, sprang in sein Auto und fuhr ab. Ich stieg in meins und legte meinen Kopf in die Hände. Dabei stellte ich fest, dass ich im Gerangel offenbar einen meiner Ohrringe verloren hatte. Ich habe ihn nicht wiedergefunden. Ich beweinte ihn ein wenig. Und mich auch.


Die Bibliothek des Grauens

Im Grunde schien es nach dem letzten Erlebnis dann beinahe ein wirklich sinnloses, müßiges Unterfangen, tatsächlich noch die Ratgeber zur Partnersuche durchzugehen, die ich mir vor Weihnachten aus der Bücherei mitgenommen hatte. Aber ich tat es trotzdem, denn ich witterte, wie so oft, allerschaurigste Realsatire. Und behielt Recht.

"Wer sagt, dass Männer glücklich machen?", Eva Gerberding und Evelyn Holst, 2013

Beide Autorinnen sind übrigens verheiratet und haben Kinder in die Welt gesetzt. Darüber, dass Kinder womöglich auch nicht glücklich machen, haben sie sogar ein Zweitbuch geschrieben. Dem vorliegenden Bändchen merkt frau selbstverständlich von vorn bis hinten an, wie heilfroh die Schreiberinnen sind, nicht zu ihrer sitzengebliebenen Zielgruppe zu gehören, und so beginnt das Ganze dann auch munter mit eben diesem Vergleich: Sich mit Größe 44 abzufinden, ist, wie sich mit Männerlosigkeit abzufinden. (S.11) Besser wäre es, nicht so fett zu bleiben, aber man kann halt trotzdem eine lustige Dicke/Singlefrau werden, denn wenn wir nicht in der Lage wären, unseren Kummer über die verpatzte Partnersuche zu verdrängen, "würden wir alle zu verkniffenen, Männer hassenden Furien werden." (S.13) An diesem Punkt wurde mir natürlich klar, dass ich vermutlich nur vom bloßen Weiterlesen zur Furie werden würde, aber ich tat es trotzdem. Und lernte, dass ich für Sex und Fortpflanzung keinen Mann brauche. Ich kann es mir doch tatsächlich selbst machen und Sperma kann ich per Post bekommen. Und da Männer in ca. 125.000 Jahren aufgrund ihres genetischen Defektes (das Y-Chromosom) aussterben werden, gewöhnt frau sich ohnehin am besten beizeiten daran, ohne sie auszukommen. Na, das ist doch mal tröstlich.

Und dann kommt das Klagelied der achtundreißijährigen Conny: "...ich (habe) das Gefühl, als wäre ich die Einzige, die es nicht geschafft hat. Das, was vor mir Millionen von Frauen anscheinend mühelos hinbekommen haben: einen Mann zu finden, der sie heiratet." (S. 24) Dass Conny keinen abkriegt, ist kein Wunder. Denn sie hat vermutlich schon wieder viel zu hohe Ansprüche: "Es ist einfach so, je weniger wir erwarten, desto mehr bekommen wir. Je anspruchsvoller wir sind, desto größer ist der Haufen verschreckter Männer, die sich in die Arme pflegeleichterer Frauen flüchten." (S. 29) Die höchsten Singlequoten haben statistisch akademisch gebildete Frauen und "bildungsschwache" Männer. Also muss eine "tolle" Frau ihre tollen Ansprüche aufgeben, oder allein bleiben. Frau hätte jung "zugreifen" müssen (S. 52), aber da hat sie eben immer gedacht, da kommt noch etwas Besseres. Und sie wollte ja außerdem unbedingt erst ihr Studium beenden und ein wenig Karriere machen. Selbst schuld also.

In den Augen der Autorinnen sind Frauen auch daran selbst schuld, dass sie zu schnell und viel zu sehr lieben, und Männer so zusätzlich in die Flucht treiben, denn "nichts finden Männer lästiger, als Frauen, die sie mit Liebe zuschütten" (S.62). Welcher Mann kann das auch wollen - eine gebildete, selbständige Frau, die ihn aus voller Seele liebt? Apropos Seele, auch die Eva und die Evelyn versteigen sich gern zu eben jener Theorie, die ich hier auf dem Blog schon mehrmals und auch jetzt als esoterischen Bullshit bezeichne: Nur mit leichter Seele und ohne den Wunsch, einen Partner zu finden, wird frau angeblich doch noch einen finden. (S. 57) Darum raten die Autorinnen dazu, sich den Partnerwunsch regelrecht abzutrainieren. Ich frage mich indessen, ob die beiden so auch nach ihren Autoschlüsseln suchen. Die nächste biologistische Unterstellung folgt sogleich: "Früher oder später ist der Kinderwunsch da." (S.74) Es sei denn, so die Autorinnen, frau ist ein etwas wunderliches Exemplar mit leicht rabiater Grundeinstellung. Also so eine wie ich.

Am Ende plädieren die Autorinnen dafür, sich mit einer "kleinen" Liebe zufrieden zu geben. Das mag resignativ sein, ist aber angesichts der faktischen Unvermittelbarkeit der hoffnungslos überqualifizierten Akademikerin mit ihren neurotischen Erwartungen und der wummernden biologischen Uhr womöglich die reife und pragmatische Lösung, um nicht zu sagen, der letzte Ausweg. Und immerhin: "Verheiratete Männer sind oft die besseren Liebhaber, weil sie sexuell ausgehungert und deshalb sehr dankbar sind." (S. 123) Hm, Man-Sharing also...

Im Sinne der Selbsterkenntnis schließt das Werk mit einer Typisierung der Frauen, die unter Garantie jeden noch so bindungswilligen Kerl abschrecken. Während man Männer sehr wohl mit "Sex und guter Laune" einfangen könne, seien diese weiblichen Exemplare auf jeden Fall hoffnungslose Fälle (ab S. 171). Meiner persönlichen Analyse zufolge, handelt es sich bei mir selbst um eine hochexplosive Mischung aus der "Naturbelassenen" (politisch korrekt), der "Bedürftigen" (mag Duftkerzen und hat immer eine 2. Zahnbürste da), sowie der Dauernörglerin (denn die ist nie zufrieden).

All das giftige Gegurgel gegen Männer und vor allem Frauen findet dann auch am Ende sein polterndes Finale in folgender Festellung: "Okay wir sind uns einig, dass zu unserem Lebensglück nicht unbedingt ein Mann gehören muss, aber dass es (...) natürlich MIT schöner ist als OHNE." (S. 175) Ja, die Großbuchstaben sind Teil des Zitats. Soll vermutlich heißen: Männer sind Scheiße. Aber Frauen ohne Männer sind noch viel scheißer.

"Die Diva Taktik - Warum starke Frauen bei Männern ein leichtes Spiel haben", Martin Fraas, 2010

Martin Fraas stimmt den Autorinnen der oben durchlittenen Lektüre nicht zu. Er behauptet schlicht, Männer wollten "lieber eine stolze Löwin als ein braves Schaf." (S. 12) Außerdem sagt er, was immer und immer wieder gern in Ratgebern für Singlefrauen steht: Männer wollen angeblich nichts, was sie leicht haben können. Diese Theorie beißt sich allerdings mit der Feststellung, die sich ebenfalls durch alle hier besprochenen Ratgeber zieht, nämlich, dass Männer gern den Weg des geringsten Widerstandes wählen, bzw. in Beziehungen mitunter regelrecht faul seien. Außerdem ist der Rat, sich als Frau rar zu machen, meiner Auffassung nach in der Regel nichts anderes, als eine puritanische Ermahnung, nicht gleich mit jedem ins Bett zu hopsen. Fraas schlägt tatsächlich vor, Kandidaten erst nach 5 Dates mit Sex quasi zu belohnen. Da ist sie auch schon wieder, die alte Unterstellung: Männer wollen Sex dringender, als Frauen - darum können und sollten Frauen ihn auch taktisch und im Prinzip zur Manipulation nutzen. Außerdem hat der Autor folgenden Rat zu vergeben: "Strahlen Sie unmissverständlich und selbstbewusst aus, dass es keine echte Alternative zu Ihnen gibt." Das klingt gut. Gleichwohl habe ich sofort erst einmal auf YouTube nach einem Tutorial gesucht. Das erklärte dann auch, warum ich beim "Diva-Test" am Ende des Buches mit nur 28 von 60 möglichen Punkten total abgeschmiert bin: "Sorry, aber auf dem Weg zur Diva haben Sie noch Nachholbedarf. (...) Nehmen Sie sich ganz bewusst vor, ab und zu auch Ihren verrückten Seiten eine Chance zu geben." (S. 154) Ehrlich jetzt?! Na, wenn der Martin das sagt...

"Scheißkerle", Roman Maria Koidl, 2010

Wie der Titel u. U. vermuten lässt, ist der Autor nicht sehr optimistisch, wenn es um Beziehungen und insbesondere die Rolle seiner Geschlechtsgenossen darin geht. Anders, als vielleicht zu vermuten gewesen wäre, ist der Titel nicht ironisch gemeint.

Wie schon die Eva und die Evelyn, spricht auch er von "mehr guten Frauen als guten Männern" (S. 14). Soll heißen: Statistisch setzt sich die Gruppe derjenigen, die keinen Partner abgekriegt haben, mehrheitlich aus akademisch ausgebildeten "Superweibern" und "männlichen Hartz-IV-Empfängern" zusammen. Das führe dazu, dass Frauen ihre Ansprüche zwangsläufig herunterschrauben und sich nicht selten mit irgendwem zusammentun würden, nur um nicht ganz ohne Anhang zu sein. Der Autor scheint diesen Umstand ehrlich zu bedauern und versucht zu warnen: Dass Männer mit Frauen, die sie eigentlich gar nicht so besonders toll finden, mehr oder weniger feste Beziehungen eingehen, sei tatsächlich die Regel, und kein Einzelfall. Wenn ein Mann verliebt sei, dann würde die gemeinte Frau das auch auf jeden Fall wissen, denn "wenn ein Mann es ernst meint, setzt er Himmel und Hölle in Bewegung, um sie zu erobern." (S. 45) Außerdem gibt er zu bedenken, dass es "keine "komplizierten" Situationen mit Männern" gibt. "Wenn eine Situation mit einem Mann "kompliziert" ist, ist sie immer verlogen. Ohne Ausnahme." (S. 48) Die entscheidende Frage ist in einer Beziehung mit einem Mann also laut Koidl nicht, ob er einen guten Charakter hat, sondern vielmehr, ob sein Interesse groß genug ist. Das bestimmt sein Verhalten innerhalb der Verbindung.

Tatsächlich hat der Autor noch ein paar andere, eigentlich ganz hilfreiche, weil auf gesundem Menschenverstand basierende Hinweise (ab S. 215):

1. Frau sollte die Reißleine konsequent und zeitig ziehen.
2. Eine Geliebte spielt für immer die zweite Geige.
3. Wenn ER sich keine Mühe gibt, sollte frau die Sache beenden.
4. Was schon am Anfang kompliziert ist, wird vermutlich niemals blühen.
5. Frau sollte die Suche dennoch nicht aufgeben, aber sich klar darüber sein, dass die Voraussetzungen halt stark erschwert sind.
Und schließlich:
6. "Suchen Sie sich einen Kerl, der Sie liebt." (Tutorial?...Anyone?)

"Wann kommt denn endlich der blöde Prinz auf seinem dämlichen Gaul! 100 Tipps, wie Sie Ihren Traummann finden", Oliver Stöwing, 2009, vom Grabbeltisch

Auf dem Rückcover wird der Autor dieser Perle als "Frauenflüsterer" bezeichnet. Sollte frau den Herrn Stöwing ernsthaft irgendwann, irgendwo flüstern hören, sollte sie rennen, rennen, rennen, was die Absätze hergeben.

Laut Stöwing braucht frau für die "Prinzenjagd (...) Zeit, Energie und Geld." (S. 19) Was sie auch braucht, wenn sie darauf besteht, sich Stöwings Ergüsse komplett zu Gemüte zu führen, sind verdammt starke Nerven.

Ich werde mich darauf beschränken, nur eine Hand voll  seiner absurden und teilweise unerträglich langatmigen "Tipps" wiederzugeben:

1. Das Ziel, einen Partner zu finden, sollte in zeitliche Etappen unterteilt werden, z.B. Bis Mitte Juli Sex haben.
2. Manche Frauen "leiden an Futtersucht und verringern dadurch ihre Marktchancen."
3. Frau sollte Frauen nachahmen, die bei Männern erfolgreich sind (Diese leuchtenden Beispiele nennt der Autor "Mrs. Wunderbar", S. 74.)
4. "Ein sexy Body braucht Bewegung." (S. 86)
5. "Hunger ist kein Defizit, das sofort behoben werden muss." (S. 93) Und ja, der Autor meint den Hunger nach Essen.
6. Und was die Handtasche betrifft: "Für ein Date wählen Sie besser ein schlichtes, zeitloses Modell mit dezentem Label." (S. 151)
7. "Ein Quasselhuhn wird ihm schnell auf die Nerven gehen." (S. 156)
8. "Männer wollen fitte Frauen." (S. 191)
9. "Packen Sie mit an, wenn es etwas zu tragen gibt." (S. 193)
10. "Zügeln Sie Ihre Launen!" (S. 196)
11. "Ein Mann muss nicht aussehen, wie Hugh Jackmann, damit Sex Spaß macht." (S. 206) (Anm. d. dicken Dame: Wer ist Hugh Jackmann?)
12. "Forcieren Sie niemals das Thema Kinderkriegen..." (S. 265)
...

13. Was immer Sie tun: Verschwenden Sie nicht Ihre letzten fruchtbaren Jahre damit, bescheuerte Ratgeber von frauen- und im Prinzip ebenso männerhassenden Idioten zu lesen. 

NH



Sonntag, 25. Oktober 2015

Follow me around 34: Budenkoller

Ich habe es getan - ich habe mich wieder im Fitness-Studio angemeldet. Hach, wie haben sie mir gefehlt, die aufgepumpten Männer mit den Halbkörpertätowierungen und den gezupften Augenbrauen.... Nicht wirklich. Aber nun habe ich nach 20 Jahren mal wieder einen Ausweis fürs Drehkreuz.

Ich spielte laut mit dem Gedanken, in den kommenden Monaten gern ein paar Geräte für bestimmte Körperteile nutzen zu können, bräuchte aber ein Studio, das wirklich günstig da liegt, wo ich auch oft und sozusagen natürlicherweise vorbeikomme, wo es niemals, wirklich niemals Parkprobleme und vor allem großzügige Öffnungszeiten gibt. Teuer sollte es bittesehr auch nicht sein. Ich hatte da auch schon eins im Auge, und ein schwuler Bekannter sagte dann, da würde er nicht hingehen wollen, denn er habe gehört, dass sei eine echte "Muckibude" voll mit lauter hypereitlen Muskelmännern, die dort voreinander angeben würden. Und schwupp - gekauft! Wenn ich schon turnen muss, dann will ich wenigstens die passende Show dazu sehen. Tatsächlich weiß ich zufällig, dass zwei meiner verpatzten Ex-Dates dort auch Mitglied sind/waren. Einer von ihnen litt bedauernswerterweise an einer Testosteroninsuffizienz, der andere an einer Gehirnzelleninsuffizienz. Aber das Risiko, einem von ihnen dort zu begegnen, halte ich angesichts all der anderen Vorteile jetzt einfach mal aus. Überhaupt muss man ja erst einmal hingehen.

In Eile

Und dann noch: Speed Dating. Ach, geh' mir wech.

Nicht die Männer waren das Problem. Die waren nämlich zu 50% gar nicht angetreten. Hatten tatsächlich die Schwänze eingezogen und waren der Veranstaltung ferngeblieben. Doch dann begannen die Dates in meiner Altersgruppe auch noch viel zu spät und wurden kurzerhand von zehn auf fünf Minuten verkürzt, vermutlich, weil "Love Angel" Arthur auch irgendwann mal Feierabend haben wollte. Die Organisation war schlecht. So schlecht, dass wir Gutscheine für ein weiteres, kostenfreies Speed Dating in Anspruch nehmen können. Wenn wir unbedingt wollen. Ich überlege noch.

Unter den fünf Männern, die anwesend waren, waren drei durchaus freundliche Gesprächspartner, sowie eine Nervensäge ohne böse Absicht, die ich aus einem Dating-Forum vom Sehen (auf meiner Besucherliste) schon kannte. Er erkannte mich auch - das war klar, aber wir haben es lieber nicht angesprochen. Der zweite echte Flop war ein Zahnarzt, der Golftennispolo spielt, pausenlos in die exotischsten Länder reist, schnelle Autos fährt und ansonsten sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viel arbeitet. Hinterher waren sich in der "Frauenlounge" (also einer Ecke in der Turmbar) alle einig - das war DER ARSCH DES ABENDS. Überhaupt - Freundinnen hätte frau auf dem Event sehr viel leichter finden können, als einen Mann. Und es war ja auch mal interessant zu sehen, mit was für Frauen ich in meiner Altersklasse so oben auf dem Single-Regal sitze. Und ja, da scheinen sie sich wirklich zu tummeln, die starken Weiber mit dem trockenen Humor ; ).

Mein letztes Fünf-Minuten-Date hatte ich übrigens mit dem - einen Tusch bitte und das Augenrollen nicht vergessen - Vertreiber eines Diätprogrammes... Der hielt mich für gefundenes Fressen und wandelte unsere Unterhaltung mit leichtfüßigem Pragmatismus in ein Verkaufsgespräch um. Seufz. Darauf kam es aber dann auch schon nicht mehr an. Zumindest war er ganz hübsch und brachte eine zum Lachen.

Nach der Veranstaltung hatte jeder 48 Stunden lang Zeit, seine Dates im Internet zu bewerten. Erstens konnte man angeben, ob und wen man gern wiedersehen würde. Und zweitens konnte man einen ganzen Fragebogen zu den anderen Personen abarbeiten und ihren Sympathiewert, das Aussehen, die Kleidung, die Körpersprache und noch irgendetwas bewerten. Von den fünf Männern hatten nur zwei von dieser Möglichkeit überhaupt Gebrauch gemacht. Von diesen beiden (und ich weiß nicht, wer sie waren, weil man diese Informationen nur bei Übereinstimmung bekommt) wollte mich einer gern treffen und einer fand offenbar, dass ich ziemlich Scheiße aussehe.

Der Gründlichkeit halber hatte ich ja zwei Termine gebucht, bei zwei verschiedenen Veranstaltern. Der zweite Termin wäre heute gewesen. Ist aber abgesagt und auf den 22. November verschoben worden. Vermutlich gab es von vornherein nicht genug männliche Anmeldungen und ich war fast froh, mich heute nicht mehr aufrüschen zu müssen.

Trotzdem, wenn ich an das Universum glauben würde, würde ich mittlerweile den Verdacht hegen, es will schlicht verhindern, dass ich jemanden neues kennenlerne.

Ein Schwein ruft mich an

Allerdings ist es ja nun in den letzten Tagen nicht wirklich so gewesen, dass ich zuwenig männliche Aufmerksamkeit bekommen hätte. Und als Krönung kriegte ich dann doch nach 20 Jahren plötzlich auch mal wieder einen "obszönen" Anruf. Nachts um zwölf - da ruft hier sonst nur noch Ilse an, denn die sieht ja immer, ob noch Licht ist. War das wohl ein Zufall nach all dem, was hier auf dem Blog vorangegangen war? I think not. 

An all die besserwisserischen Heulsusen und Spinner, die hier in den letzten Tagen vorbeigetrieben sind, und die heutzutage offenbar noch immer Bücher kaufen müssen, um überhaupt zu wissen, dass Wenigessen oft dünner macht: Immer schön die Lippen zusammenpressen, damit ihr nicht am Ende zu viel von meinem Staub schluckt!

Es sei denn, da kommt mittendrin noch ein richtig schicker und schlauer Fettliebhaber mit wedelnden Armen um die Ecke gerannt und  ruft "Neiiiin!" - dann wäre das Thin Privilege Project nämlich mit einem Schlag sowas von gestorben, das kann ich euch aber versprechen. ; )


NH

Sonntag, 20. September 2015

Follow me around 31: Saturday Night Life


Ich hab's getan. Ich habe mir bei Penny eben die ersten Weihnachtskekse des Jahres gekauft. Außerdem eine Geburtstagskarte mit einem Leoparden drauf. Die schicke ich mir dann in drei Monaten selbst. Dann noch einen "glitzernden Prinzessinnen-Pack" von Lillifee, sowie zweimal die selbe Ausgabe von Wendy, weil ich bitteschön gleich ZWEI von den beiliegenden Fashion Cats haben wollte, denn die tragen auch Krone und bringen sogar ihr eigenes Schloss jeweils gleich mit. Erst hatte ich die Eingabe, heute Abend noch eine ganze Stadt aus Fashion Cat Schlössern zu errichten, aber dann dachte ich an all die Entrümpelungsarbeiten der letzten Jahre und hielt mich zurück. Obwohl - was könnte es Besseres geben, als Katzen in Fertigbauschlössern? Überhaupt sagt mir die Vorstellung, dass der magische Status und das Leben einer "Prinzessin" sozusagen im praktischen Starter-Kit zu bekommen ist, wirklich zu. Wie cool wäre das? Und als vermutlich ziemlich radikale Feministin habe ich bekanntlich trotzdem mit Pinkifizierung kein Problem whatsoever. Schon gar nicht mit meiner eigenen.

Die Dicke Dame Dating Tour - Teil 1

Was uns zur Suche nach einem "König" bringt. Wenigstens habe ich mich nun endlich zum Speed Dating angemeldet - und der Gründlichkeit halber für gleich zwei Veranstaltungen. Am 11.10.2015 sitze ich ab 21 Uhr in der Turmbar in Hamburg (der Veranstalter ist DateYork) einer Hand voll wildfremden Männern gegenüber und hoffe wirklich nur das Beste, bzw. dass das Ganze nicht auch wieder in komischer Tragik endet. Und für den Fall, dass beim allerersten Daten am laufenden Band keiner abfällt, habe ich auch noch eine zweite Buchung für den 25.10.2015, um ab 16 Uhr in der Gecko Bar (der Veranstalter ist speeddating.de) Kandidaten auf den Zahn zu fühlen. Wobei ich bei meiner Altersgruppe (40 bis 54 bzw. 56) nur hoffen kann, dass da noch alle Teilnehmer die meisten ihrer Zähne haben. Herrje, wann bin ich eigentlich so alt geworden...

Rettet die Wale




Vorsicht bei diesem Bild: Satire!

Vor ca. 10 Jahren habe ich mal in einer Talkshow gesessen, und Frank Elstner auf seine Nachfrage hin erklärt, dass es sehr wohl möglich ist, Vegetarierin und dick zu sein. Denn ich war immerhin ein ziemlich deutliches Beispiel dafür.

Der Grund, warum ich dieser Tage immer mal wieder einen Anlauf unternehme, mich weitgehend vegan zu ernähren, ist, dass ich es für eine plausible, ethische  Entscheidung halte. Auf Fleisch und jetzt auch auf andere Tierprodukte zu verzichten, ist nichts, was ich aus primär gesundheitlichen Gründen unternehme. Meine Motive waren und sind in erster Linie moralisch. Als ich mit ca. 12 Jahren aufhörte, Fleisch zu essen, war es nicht schick, vegetarisch zu sein. Es war eher dünnlippig, freudlos und auf ausgewaschene und ungekämmte Weise "alternativ". Zumindest ist das die Atmosphäre, die meine Erinnerung noch so hergibt.

Der Veganismus, der mir heute so begegnet, hat mehrere Ausläufer, von denen die Mehrzahl mir mitunter unerträglich eitel und durch elitäres Gehabe geprägt zu sein scheint. Es ist selbstverständlich im Augenblick super stylish, vegan zu sein. Und während es Tieren natürlich egal sein kann, warum sie verschont bleiben, so ist doch fraglich, ob die "Mode" Veganismus nicht womöglich, wie alle Moden, am bitteren Ende ein klares Verfallsdatum hat.

Das gilt besonders im Hinblick auf die Tatsache, dass Veganismus auch deshalb boomt, weil er angeblich dünn macht. Für viele ist er lediglich ein neuer Diätversuch. Und als solcher, wird er bei Scharen von Vegan-for-Fit-Anhängern scheitern und abgebrochen werden. Attila Hildmans vegane Fitnessratgeber und Kochbücher (mit ihrem grammatikalisch eigentümlich abwegigen Titel) werden womöglich in ihrer Mehrheit zusammen mit der "Dukan Diät" und "Schlank im Schlaf" auf Regalen verstauben, während ihre Käufer schon längst wieder zu alten, tier-un-freundlichen Ernährungsweisen zurückgekehrt sein werden.

Besonders ärgerlich wird die Verbindung von Veganismus und Body Shaming natürlich, wenn sie ausgerechnet von einer Tierschutzvereinigung gezielt und bewusst instrumentalisiert wird. PETA hat sich hier in den vergangenen Jahren einen berühmt-berüchtigt fiesen Ruf erworben. Und müsste, wenn alles mit rechten Dingen zuginge, mehr potentielle Mitglieder verschreckt als gewonnen haben. Auch hat  PETA natürlich wiederholt das deutlichste Beispiel dafür präsentiert, was passiert, wenn Tierschutz keine Überzeugung, sondern nur ein Accessoire ist: Mehrere der prominenten Frauen, die sich für PETAs Anti-Pelz-Kampagnen über die Jahre hinweg nackig gemacht haben, wurden später selbstverständlich wieder im Pelzmantel gesichtet. PETA basht bekanntlich nicht nur systematisch dicke Menschen, sondern erstaunt auch immer wieder mit grellem Sexismus. Von halbnackten Frauen in Ketten bis zur Verharmlosung von sexueller Gewalt - die Tierschützer schrecken werbetechnisch so leicht vor nichts zurück. Schließlich sind sie kein Club für die "ethische Behandlung von Frauen". Darum können sich dann ja andere kümmern.

Unter der Überschrift "Vegan for Fat" hat Ulrich Bender im Vegan Magazin (April/Mai 2015) darüber geschrieben, dass vegane Ernährung mitnichten automatisch schlank und straff macht. Er muss es wissen, denn er ist ein dicker Veganer, der vegane Diätprogramme versucht, aufgegeben und sich dann entschieden hat, nun doch dick zu bleiben, obleich er als dicker Veganer mitunter mit besonderem Unverständnis konfrontiert wird, weil er doch eigentlich und dem veganen Klischee zufolge gar nicht dick sein kann. Er überlegt, einen  Verein zu gründen: "Die anonymen fetten Veganer". "...wir werden (...) darüber sprechen, wie wir es schaffen, trotz fantastischer tierleidfreier und vitaminberstender Nahrung mit schlechtem Gewissen und Übergewicht durchs Leben zu watscheln."

NH

Sonntag, 13. September 2015

DER HIMMEL WAR SO BLAU...

...wie eine blaue Kaffeekanne.*

Diese großen Wendungen des Herzens, bei denen jemand plötzlich einem fahrenden Zug hinterher hetzt oder in letzter Sekunde auf den Flughafen stürmt - die gibt es nicht. Nur in Büchern und Filmen. Dort natürlich haufenweise, weil wir sie uns so sehr wünschen. Wir wünschen uns Wunder im Bewusstsein des anderen zu unseren Gunsten. Aber sie passieren einfach nicht. Oder so schleppend und zögerlich, dass man sich wirklich niemals sicher sein und die gefühlte Musik zum Ereignis auch unmöglich so lang anschwellen kann. Es ist zum Verzweifeln. Die Realität schweigt und beißt. Liebe beißt. 

Ich arbeite noch immer am Plan für die DICKE DAME DATING TOUR 2015. Speed Dating und Barhocken und so. So recht mag ich mich noch immer nicht aufraffen. Mit einer erfolglosen Tanzveranstaltung und einem weiteren grotesken Date aus der Hölle auf dem Konto der Fehlschläge, gab es in den letzten Wochen wirklich keine Zeichen, die dazu geeignet wären, eine zu ermutigen. Trotzdem weiß ich natürlich, dass mir kein Partner vor die Füße fallen wird. Ich kann mich nicht auf glückliche Zufälle verlassen - davon gab es in meinem Leben so gut wie keine. Ich muss immer was machen, damit was passiert. Und selbst dann ist kaum etwas jemals leicht. 


Hokuspokus

Ich habe hier bereits öfter erzählt, dass ich vor 20 Jahren eine große Anhängerin des "positiven Denkens" war. Als ich vor ein paar Wochen mal wieder im esoterischen Buchladen Wrage im Uni-Viertel war, habe ich, fast wie aus alter Gewohnheit, ein, zwei Bücher zum gleichen Thema mitgenommen. Tatsächlich sind Bestellungen beim Universum und das Gesetz der Anziehung offenbar auch nach Jahrzehnten noch immer Goldesel auf dem Esoterik-Markt. Allerdings natürlich nur für die AutorInnen und Gurus. 

Das Gesetzt der Anziehung besagt, dass Menschen die Dinge im Leben anziehen, bzw. "manifestieren", mit denen sie sich gedanklich am intensivsten beschäftigen, denn Gedanken sind angeblich eine Form von Energie, die Umstände und Gegenstände erschaffen kann. Wissenschaftlich ist das Konzept nicht. Und darüber hinaus ist es auch noch zutiefst bösartig und destruktiv, weil es Menschen auch für alles Schlechte, das ihnen im Leben geschieht, die Verantwortung zuschiebt. Wer krank ist, Opfer einer Straftat oder einer Naturkatastrophe, betrogen oder entlassen wird und keine Prada-Tasche hat, hat seine Gedanken einfach nicht unter Kontrolle, denn während positive Gedanken gute Dinge manifestieren, sind negative Gedanken genauso kreativ und führen zu Tod und Teufel. Und wenn es dazu kommt: Selbst Schuld!

Die Autorin Pam Grout schlägt in ihrem Buch E² (Ullstein, 2013) neun "Experimente" vor, die die Leserin selbst durchführen kann und die Zweiflern beweisen sollen, dass das Gesetz der Anziehung doch funktioniert. Ich habe ganz offenbar viel zu viel Zeit - auf jeden Fall habe ich das 1., 2., 4., 5. und 8. Experiment gemacht. Tatsächlich habe ich auch zu jedem brav ein "Laborprotokoll" ausgefüllt. Zwar habe ich davon abgesehen, mir eine Wünschelrute aus Kleiderbügeln zu basteln. Und ich habe auch nicht über meinem Essen gebetet und so versucht, innerhalb von 72 Stunden ein Pfund abzunehmen. Aber ich habe mich darauf konzentriert, einen Tag lang so viele gelbe Autos wie möglich wahrzunehmen, und habe es tatsächlich auf 38 gebracht. Aber obwohl es so schön gewesen wäre, sich eines Besseren belehren zu lassen, so traf doch, wie früher, nichts ein, auf das ich mich für jeweils 48 Stunden konzentriert habe. Das Universum blieb stumm und selbst Antworten auf ganz einfache Fragen schuldig, gab keinen Laut von sich und verteilte ebenso wenig auch nur die kleinsten, wahrscheinlichsten Geschenke (eine Aufgabe war, sich zu wünschen, dass innerhalb von zwei Tagen IRGENDETWAS Bemerkenswertes oder Unerwartetes passieren würde). Selbst das, worauf die Autorin natürlich zählt und was den meisten LeserInnen des Buches zumindest bei einigen der absichtlich höchst allgemein gehaltenen Experimente entgegen kommen und zu einem ansatzweise positiven Ergebnis führen dürfte, half mir in keinem der Versuche weiter - der glückliche Zufall. Innerhalb einer Woche geschah nicht ein einziges Mal zufällig irgendetwas, das ich mit viel Wohlwollen als Lächeln der universellen Energie hätte deuten können.

Schöne Scheiße.

Was mich am meisten ärgerte und im Übrigen auch erschreckte, war das starke, mir sehr vertraute Gefühl der Frustration und des Versagens, dass das Scheitern der sinnlosen und natürlich komplett verrückten "Experimente" in mir hervorrief. Wider besseres Wissen. Wir sind nur begrenzt in der Lage, unsere Angelegenheiten zu steuern. Aber es ist so verdammt schwer, das zu akzeptieren.

What would you do today if you didn't despise yourself?**

Inzwischen lese ich mir nun selbst laut Bücher vor. Unworthy (Penguin, 2015) von Anneli Rufus liest sich stellenweise tatsächlich wie ein Selbstgespräch. Es geht um Selbsthass und um Strategien, ihn schrittweise zu überwinden und hinter sich zu lassen. Ich kann nun meine eigene Stimme an einigen Stellen vor Betroffenheit kippen hören. Rufus weiß, wovon sie redet.Und wir sind Mitglieder im gleichen Club. Obwohl ich nun schon so lange als dicke Frau an meiner Selbstakzeptanz arbeite, musste ich feststellen, dass ich auf die Frage auf dem Cover (s. o.) noch immer so gar keine rechte Antwort habe. 

Genauso wenig verspüre ich aber offenbar den Impuls, automatisch einzuwenden: "Aber ich hasse mich doch gar nicht!" Weil die Sache wirklich nicht so eindeutig ist. Man kommt von so weit her und kommt doch noch immer nicht an. Und Rückfälle sind auch heute noch keine Seltenheit. Anneli Rufus hat zehn Fallen für Selbsthasser identifiziert: Nicht zu wissen, was man will; Probleme, die eigene Identität zu finden; Bedauern; Angst vor der Welt; Schweigen; Probleme, wirklich erwachsen zu werden; zu leicht aufzugeben, übermäßige Loyalität mit denen, die uns schaden; Zweifel am eigenen Potential - und harsche Selbstkritik. 

Ich muss mich genauer im Blick behalten. Denn eine ambivalente und vorsichtige Einstellung zu mir selbst fühlt sich für mich noch immer sehr viel natürlicher und stimmiger an, als rosarote Selbstliebe. Und dabei geht es nicht nur um Fett. Ich habe mich in den letzten Jahren auf mein Fett und seinen Platz in der Welt konzentriert, aber dabei sind vermutlich weitere Gründe für ein geringes Selbstwertgefühl eher unbearbeitet geblieben. Dabei wüsste ich wirklich gern, was ich in kompletter Abwesenheit von Selbstablehnung tun würde.


NH

* Frau Entes großer Tag (Pixi Buch 64)

** Was würdest du heute tun, wenn du dich nicht verachten würdest? (Unworthy, Anneli Rufus)

Mittwoch, 12. August 2015

DIE DICKE DAME SUCHT DIE LIEBE: Das Herz ist ein einsamer Jäger*



Reality TV

Es hilft ja nix. Ich muss mich wieder auf die Suche machen. Ich will nämlich nicht allein sein. Ich will einen Lebenspartner. Denn zusammen ist man weniger allein. Und gleichzeitig hätte ich gern jemanden, für den ich in ein brennendes Haus zurücklaufen würde (außer dem Kater). Denn das gibt so etwas wie Sinn. Außerdem möchte ich zu jemandem gehören, jemanden unterstützen und mich auch festhalten können, wenn alles sonst eher wackelig ist.

Nun bin ich natürlich noch älter, als vor zwei Jahren und, es lässt sich nicht anders sagen, durch die Flops der hinter mir liegenden Dating-Phase ein wenig geschwächt und entmutigt.

Das zweitgrößte Hindernis ist und war mein Fett. Nicht, weil ich mich hässlich finde. Obwohl ich in letzter Zeit immer mal meine sich abermals leerende Haut betrachte und mir schon überlege, ob das jemandem, der nicht explizit darauf steht, doch noch irgendwie vermittelbar ist. Das Fett macht die Männerjagd schwieriger, weil es den Kreis der Interessierten, an denen ich auch interessiert bin, deutlich verringert. Das ist eine rein statistische Angelegenheit, der auch mit dickem Selbstbewusstsein nur schwer beizukommen sein dürfte: Die meisten Männer wollen, aus welchen Gründen es auch sei, noch immer keine dicke Partnerin (jedenfalls nicht öffentlich und offiziell), und damit wollen die meisten tollen Männer auch keine. Und tolle Kerle an sich gibt es ohnehin nicht wie Sand am Meer. 

Das wiederum bringt uns zum immer-und-ewigen Hauptproblem, dem eigenen Anspruch.
Klar, ich könnte zumindest mal versuchen, komplett offen zu sein. Für alles. Grrr. So wie es einem dusselige Selbsthilfebücher für Single-Frauen immer vorsorglich weismachen wollen. (Gibt es eigentlich ähnliche Dating-Ratgeber für Männer, abseits unsäglicher Pickup-Artistry? Und wird denen auch immer nahegelegt, mit ihren Partnerschaftszielen stets hübsch weit unten anzusetzen? Note to self: Bitte googeln!) Wenn man so ziemlich jeden nehmen würde, bleibt selbstverständlich auch einer kleben. Wenn alles, was man noch erwartet, ist, dass der Zukünftige möglichst nicht dreißig Jahre älter und kein verrückter Massenmörder ist, kann man das Aufgebot innerhalb von ein paar Stunden bestellen. Aber so läuft das halt nicht – und insbesondere bei mir hat sich nach den Erfahrungen der letzten Zeit ein noch zusätzlich erschwerender Antagonismus eingeschlichen. Ich mag zwar älter und unstraffer und noch unvermittelbarer sein denn je, aber will gleichzeitig nicht mal mehr einen doofen Prinzen auf’m Pferd. Ich. will. einen. König.

WANTED (am besten lebendig). Gestandener Mann mit Charakterstärke, persönlicher Größe, klarer Haltung und starker Schulter. Ferner unerlässlich: Intelligenz, Kreativität, progressive und liberale Grundeinstellung, schwarzer Humor, Selbstreflektiertheit, Kommunikativität, Leidenschaft, Feingefühl, Mut, sowie anständige Rechtschreibung. Muss in meinen Augen schöne Augen und Hände, sowie eine angenehme Stimme haben, gut riechen und Katzen mögen. Und Sex. Nett muss er übrigens nicht sein. Respektvoll ist besser.


Nun sagt mal, das ist doch nicht wirklich zu viel verlangt, oder? Das kann doch so unmöglich nicht sein! Also echt, jetzt…

Die DICKE DAME DATING TOUR 2015 beginnt übrigens todesmutig (meine Therapeutin wird stolz sein, wie Bolle) am kommenden Samstag (15. August), so ab 22:30 Uhr im Goldbekhaus. Da findet die Winterhuder Tanznacht statt…Göttin steh‘ mir bei.


NH


*Carson McCullers

Samstag, 21. März 2015

So ziemlich



"Du bist ziemlich dick. Darf Dein Partner denn auch ziemlich dick sein ? Oder betreibst Du hier eine Art von Doppelmoral ?"(Nachricht an mich, erhalten bei finya.de am 20.03. um 18.05 Uhr von einem Mitglied mit dem Profilnamen "Firstforward", nach eigenen Angaben 44 Jahre alt, Profil ohne Foto - die liebe ich ja ohnehin immer ganz besonders.)


Man könnte weinen. Wenn es nicht so komisch wäre. Und ja - es wird wirklich höchste Zeit, Worten auch Taten folgen zu lassen und endlich alle meine Profile auf Dating-Plattformen platt zu machen, bevor sie mich doch noch schaffen.  
Natürlich habe ich Fuckfucker oderwieauchimmer nicht direkt geantwortet, sondern habe ihn nur geblockt. Aber ich werde seine Frage beantworten. Hier. Weil ich mir ziemlich sicher bin, dass sie vielen auf den ersten Blick gar nicht so abwegig und anmaßend vorkommt, wie sie tatsächlich ist. Ich könnte mir sogar vorstellen, dass viele Leute unbedarfterweise sagen würden, dass man "sowas" doch durchaus auch mal fragen dürfen muss.
Also:
Erstens: Dicke haben selbstverständlich keinerlei Verpflichtung, andere Dicke attraktiv zu finden. Schon gar nicht als potentielle Partner. So wie für jemanden mit blauen Augen oder langen Haaren oder großen Füßen ganz sicher keine Obligation besteht, sich zu Partnern mit blauen Augen, langen Haare oder großen Füßen hingezogen zu fühlen. Im Hinblick auf Vorlieben bei der Partnerwahl Moral ins Spiel zu bringen (so es sich nicht um Pädophilie handelt), passiert meiner Erfahrung nach nur Menschen, die noch viel, viel, viel verbitterter sind als ich. Wir alle sind jedoch sehr wohl dazu verpflichtet, andere nicht auf der Basis körperlicher Eigenschaften herabzusetzen, zu diskriminieren und ihrer Würde zu berauben.
Zweitens bin ich tatsächlich nicht dumm genug, um nicht ziemlich genau zu verstehen, was der unsympathische Steller der vorangestellten Frage tatsächlich gemeint hat: Der Frager findet schlicht, dass Dicke hässlich sind. Um sich überhaupt mit ihnen abzugeben, muss man in seinem Universum schon ganz gehörig Toleranz und Milde mitbringen, um dann erfüllt von Edelmut über die ekelerregende Hülle hinwegzusehen und sich womöglich für innere Werte zu interessieren. Und wenn Dicke einen solch enormen Kraftakt von anderen verlangen, werden sie ja wohl bereit sein, diesen ebenfalls auf sich zu nehmen. Was da außerdem ganz deutlich mitschwingt ist dieses: Wer hässlich ist, kann nicht einfach ankommen und womöglich mehr verlangen, als ihm zusteht. Denn es steht Hässlichen nun einmal nicht viel zu. Am besten bleiben sie also ohnehin gleich unter sich.
Tja. Was soll man dazu sagen? Zunächst siehe natürlich „Erstens“. Und dann erlaube ich mir, hier auf einen offensichtlichen und zutiefst egozentrischen, aber natürlich oft gemachten Denkfehler hinzuweisen: Denn das, was ich selbst hässlich finde, muss noch lange nicht für den Rest der Welt auch hässlich sein…Aber natürlich war ich all meinen Fettliebhabern immer ausgesprochen dankbar, dass sie sich so großzügig überwunden haben, mir ein wenig Aufmerksamkeit zu schenken, obwohl sie selbst so gar nicht dick und hässlich waren. ; ) Allerdings ist es ja auch längst kein Geheimnis mehr, dass ich dieser Tage sehr viel mehr Probleme habe, meine inneren Werte dauerhaft an den Mann zu bringen, als meine äußeren.
Damit drittens keiner auf die verwirrte, nörgelnde Idee kommt, ich würde mich vor einer persönlichen Antwort drücken: Klar könnte mein Partner dick sein. Er könnte aber auch muskulös oder dünn sein. Denn ich gucke zuerst in Gesichter und Augen. Und dann auf Hände. Dann kommt die Stimme. Der Geruch. Und dann das Gehirn. Wenn ich all das wirklich will, will ich vermutlich auch den Rest. Denn das ist dann ohnehin schon ein Lottogewinn.
Und viertens habe ich das dringende Bedürfnis, vorzuschlagen, dass Idioten endlich unter sich bleiben sollten. Zu ihrem eigenen Besten. Denn dann müssen sie auch unter dem Rest von uns nicht immer so schrecklich leiden.

NH

Samstag, 18. Oktober 2014

Follow me around 9: Das Ende der Jagd

Schmetterlingsnetz 1

Betrachten wir das Experiment hiermit als abgeschlossen.

Seit ich auf Online-Dating-Plattformen nach nichts außer einer festen Partnerschaft suche, wird es, wie bereits berichtet, ausgesprochen zäh. In meinem Postkasten im biederen Dating Cafe herrschte gähnende Leere - bis gestern, weil da nämlich der letzte Tag meiner Mitgliedschaft war. Eigenartig, wie das Geschäft auf diesen Seiten immer kurz vor Ladenschluss so überdeutlich anzieht.

Bei Neu.de schaue ich gar nicht mehr rein. Das Publikum ist schlicht zu deprimierend und in vielerlei Hinsicht zu alt, obwohl die Mitgliedschaft dort noch für ein knappes Jahr bezahlt ist. Bei Zoosk ist eine Menge los. Wer fortgesetzt Bewegung und eine große Auswahl will, dem würde ich diese Partnerbörse durchaus empfehlen. Aber für mich war dort auch nach einem Monat Schluss. Ich bin zu schlapp, um die Schlechten immer weiter ins Kröpfchen zu sortieren, wenn es vor den Augen bereits nur noch flimmert.

Ich hätte zu gern noch einmal gewusst, wie echte (Ver)bindung geht, bevor ich alt und grau werde. Aber sei es drum. Einer könnte mich retten. Wenn er wollte. Will er nicht. Ich könnte ihn im Gegenzug auch ein bisschen retten. Wenn er wollte. Will er nicht. Ich gehe neuerdings immer mit Wärmflasche ins Bett. Kein Scherz - die wärmt meine Seele und meine zerlöcherte Mitte, und das ohne Wenn und Aber.

Schmetterlingsnetz 2

Dating down*

Sex ohne alles hingegen wäre noch immer kein Problem. Wenn man ihn noch wollte. Ich will ihn, glaube ich, nicht, obwohl ich eigentlich ein wenig Rehabilitation auf dem Gebiet gebrauchen könnte...

Es war eigentlich immer eine meiner Grundregeln, und dennoch habe mich zuletzt dämlicherweise selbst nicht daran gehalten: Es ist eine ganz schlechte Idee, die eigenen Erwartungen bei der Partnersuche der Qualität des aktuellen Angebots anzupassen. Andere mögen es Oberflächlichkeit nennen, ich nenne es Bauchgefühl. Und damit ist nicht zu spaßen.

Natürlich ist da aber auch der einfältige Rat, den jede berufene Stelle gerne gibt: Ansprüche zurückfahren. Sich mal auf jemanden einlassen, der die Eierstöcke auf den ersten Blick nicht hüpfen lässt, weil er vielleicht doch zu spießig, einfach gestrickt, langweilig oder buckelig erscheint...denn das könnte alles nur Tarnung sein. Ein schwaches Bild, projeziert auf Pergamentpapier, durch das dann zur Belohnung für die Überwindung eigener, vermessener Standards der wahre Prinz dahinter auf  seinem feurigen Ross zu gegebener Zeit hervorbrechen wird. Das zumindest ist die Annahme, die Autoren von Büchern mit schlicht gelogenen Titeln wie "Make Every Man Want You" (Marie Forleo) im Brustton der Überzeugung unters Weibervolk streuen. Aber auch auf den Dating-Portalen im Internet wird immer wieder vehement daran erinnert, dass man besonders als Frau willens sein muss, tiefer zu graben und hinter die Kulissen zu schauen, um verborgene Schätze der Männerwelt zu heben.

Meine Damen: So wird es nicht laufen. Warum sollten tolle Männer sich mit verschrobener Mittelmäßigkeit tarnen, wenn es auf einem Dating-Portal doch auch ihr Ziel sein dürfte, sich möglichst attraktiv zu präsentieren? Wieso sollten sich dort lauter Supermänner auf geheimer Mission tummeln? Die sind schon so, wie ihre Profile: Sie geben sich Namen wie Master666 und posieren dann fürs Foto vor Wasserkochern auf Spitzendeckchen. Oder sie haben ein kluges Profil. Dann sind sie vermutlich auch nicht ganz dumm.

Und wer live bereits nach dem ersten Händeschütteln nach Lahmheit und schlechtem Sex riecht, bei dem wird es keine Überraschungen der spritzigen Art geben. Ich hab's ausprobiert. Ich war sehr gründlich und hatte dank dieses Umstandes am Ende den schlechtesten Sex meines Lebens. Zweimal. Ist schwer zu entscheiden, wer der traurigere von beiden war. Und bevor ich mich sodann aufraffen und von meiner Seite die Abschlussgespräche initiieren konnte, hatten sich beide Kandidaten spontan anderweitig verknallt und mich ihrerseits ohne viel emotionales Trara schriftlich abserviert. Wenn einen dann auch schon die nicht mehr wollen, die man selbst auch nicht gewollt hätte, wird es langsam kritisch. ; ) Man kann die Nase rümpfen und sich lustig machen so viel wie man will - Tatsache ist, dass man den betulichen Langweilern mit ihren behaarten Rücken, ihren kurzen Schwänzen sowie ihrer Humorlosigkeit nicht gut genug war.



Fette, geile Weiber (tanzend)

Etwas, was ich früher (also vor dem Einstig ins Online-Dating) noch nie hatte, ist ein kleines (sehr dünnes und auch nur symbolisches) schwarzes Büchlein mit Nummern von Männern, die man als Single-Frau im Notfall anrufen kann. Also, im Prinzip Typen, mit denen man ehrlich nicht zusammen passt, sich aber aus unbestimmten Gründen gut genug versteht, um locker in Kontakt zu bleiben. Da meldet man sich dann einfach mal, wenn man  z.B. jemanden braucht, der mit einem auf eine Ü100-Party geht. So wie ich gestern Abend. "Oh ja, lass uns fette, geile Weiber angucken gehen!" freute sich Richard durchs Telefon. Natürlich nur, um mich mal wieder zu ärgern.

Richard, mit seiner Vorliebe für Fülle aber ohne Ü100-Erfahrung (h65tttttttttttttttttttttttttttttt - geheime Botschaft vom Kater), hatte mich seinerzeit dazu bewegen wollen, im fleischfarbenen Oma-Hüfthalter und mit hohen Stiefeln durch sein Wohnzimmer zu stöckeln. Nun ist es nicht so, dass ich nicht bei Gelegenheit dazu bereit wäre, etwas Bestimmtes anzuziehen, wenn es meinen Partner scharf macht. Nur muss man dafür auch mein Partner sein. Und warum kann man mit mir noch einmal keine Beziehung haben, Richard? - "Du würdest mich einfach fertigmachen. Du bist so ein unglaublich anstrengendes und resolutes Menschenkind." - Ach ja, das war es... Und dann machte sich Richard am Rande des Tanzbodens doch tatsächlich an die einzige dünne Dame heran, die da herumstand, bis ich ihm sein Jacket entgegen schleuderte und sagte: "Ab nach Hause!" 

Eigentlich hatte ich über die Party schreiben wollen. Aber es gibt nicht viel zu erzählen. Wenig Publikum, viele freie Sitzplätze, Leere auf der Tanzfläche. Um halb zwölf warteten die Taxis auf Fahrgäste vor der Tür. Und Richard sagte, als wir gingen: "Von all den Frauen, die ich heute hier gesehen habe, haben allenfalls zwei oder drei den Eindruck gemacht, dass sie sich in ihren Körpern richtig wohl fühlen und sich nicht verstecken wollen." Und ich glaube, er hatte recht. Traurig irgendwie, aber so war es.

Barhocken

Wohlgemerkt und das letzte Mal verkündet, für alle, die es noch einmal hören wollen/sollen: Sex zu bekommen, ist für dicke Frauen kein Problem im Internet, wo Leute mit spezifischen Vorlieben gehäuft und konzentriert auf einen zusteuern.

Auf freier Wildbahn sah und sieht das anders aus. Da will mich so, wie ich bin, offenbar weiterhin keiner. Für gar nichts. Ich habe auch dieses schon öfter gesagt, ich sage es noch einmal: Nichts macht einen so auffällig und gleichzeitig so unsichtbar wie Fett.

Meine grundsätzliche Annahme/Erfahrung ist nach wie vor diese: Desexualisiert und entfraut durch sein Fett muss man sich keine Sorgen um plumpe Abschleppversuche machen. Man kann den ganzen Abend in Ruhe in der Öffentlichkeit herumlungern, ohne dass einem jeMANNd zu nahe kommt. Selbst dann nicht, wenn man sich strategisch und äußerlich aufgerüstet im passenden Rahmen, also in einer nächtlichen Barlandschaft platziert. Dafür muss man dann aber auch alle Martinis selbst bezahlen. Und das kann teuer werden.

Und obgleich die Männerjagd nun vorzeitig auf Eis gelegt worden ist, werde ich dieses Experiment auf jeden Fall noch einmal machen. Ich werde mich in die Bar begeben. Noch ist nicht ganz klar, wann. Aber es wird so kommen. Denn womöglich ist mit meiner neuen Einstellung zu mir selbst ja alles anders. Vielleicht war es ja meine Säuerlichkeit als Dicke und nicht mein Fett, die mir die Männer in dicken Zeiten stets effektiver vom Leib gehalten hat, als Pockennarben oder Schwefeldünste. Wäre ja mal nett, das wenigstens zu wissen.

NH