Posts mit dem Label psychische Gesundheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label psychische Gesundheit werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 15. Dezember 2023

Letzte Durchsage (für 2023)

DAS 5. TREFFEN DES CLUBS DER DICKEN DAMEN

Das Treffen findet am 29.12.2023 um 19:00 auf Skype statt. Jede*r kann sich anmelden und dazukommen - schreibt einfach eine Mail an office(at)nicola-hinz.com. Zukünftig werden die Ankündigungen der Treffen unter dem Tab "Club" zu finden sein.

WEIHNACHTSPOST

An alle, die eine wollten, ist nun eine Karte per Snail Mail unterwegs. Wobei Snail Mail von Jahr zu Jahr wörtlicher zu nehmen ist. Wenn sie nicht (oder nicht pünktlich) ankommt, entschuldige ich mich ausdrücklich, aber der Service der Post ist wirklich unglaublich unzuverlässig geworden. Dauernd geht etwas verloren oder braucht länger als eine Urlaubskarte aus den USA in den Siebzigern. 

DAS CLUB-FORUM

Wie es scheint, wird das Forum, das ich zur Gründung des Clubs eröffnet habe, nicht genutzt. Ich überlege, es zu schließen. Irgendwelche Gegenstimmen? :)


NH

Mittwoch, 13. Dezember 2023

Rachearie* - und kein Abgesang


Heute wäre der siebte Jahrestag meiner Beziehung gewesen, wenn es die Beziehung noch gäbe. Diese endete in diesem Sommer - am siebten Juli, um genau zu sein. Was dann kam, war mein freier Fall. Garniert mit Lügen und Hinhalten und unbegreiflichen Peinlichkeiten und Demütigung und Beleidigungen und Drohungen und übler Nachrede und noch mehr Bösartigkeit. Ich bin auf absurd langatmige Weise über Monate hinweg verlassen und abserviert worden. Zuerst hieß die Trennung nur "Pause". Dass ich das geglaubt habe und als Grund für Hoffnung begriff, hat vermutlich auf der anderen Seite für ordentlich viel Häme und Belustigung gesorgt. Getriggert durch, wie ich nur vermuten kann, Scham und den Wunsch, schon wieder alles Belastende zu verdrängen, hat mein Ex-Partner dann an einem bestimmten Punkt plötzlich alle Kommunikation unterbunden, was echt unpraktisch war angesichts der Tatsache, dass es trotz allem noch administrative Dinge zu klären gibt. Nun werden wir womöglich sogar um eine juristische Auseinandersetzung nicht mehr herumkommen. 

Nein, ich weiß bis heute nicht so ganz genau, wohin mit meiner Wut. Und ich nehme weiterhin Tabletten, damit die erlebte Verletzung, die die entscheidende Kirsche auf dem Kuchen des Grauens war, mich nicht daran hindert, irgendwie durch die Tage zu kommen. 

Eine Leserin schrieb mir, sie sei manchmal erschrocken, wenn sie meine Blogposts liest. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass die rückhaltlose Thematisierung der persönlichen Katastrophe und der Unwille, sich endlich davon zu lösen und gutgemeinte, konventionelle Ratschläge zur Heilung anzunehmen, ungewöhnlich drastisch und redundant wirken. Aber meine Grundsätze zur Heilung widersprechen nun einmal ganz klar dem, was therapeutische Angebote gängigerweise im Repertoire haben.

1) Ich werde den Teufel tun und vergessen. Und ich werde mich auch nicht künstlich und verbissen ablenken.

2) Ich werde nicht die "Klügere" sein, die nachgibt (und in der Folge verliert).

3) Ich werde nie verzeihen und womöglich dem Täter am Ende noch alles Gute wünschen. Ha, soweit kommt das noch! Es wäre verlogen. Und weder souverän noch "erwachsen", sondern eher schwächlich und sinnlos - egal, was immerzu überall behauptet wird.

4) Ich werde Wut nicht als fortgeschrittene, vorübergehende Station in einem niedlichen, abgestuften "Heilungsprozess" begreifen, sondern als nie versiegende Energiequelle.

5) Ich werde mich revanchieren - auf total legale Weisen.

6) Ich werde Wut zu Kunst machen.

7) Ich werde mich und meine Wut immer weiter ins Schaufenster stellen, solange es mir und anderen hilft.

8) Ich werde nie behaupten, dass diese Phase meines Leben für irgendeinen Scheiß gut gewesen sei.

9) Ich werde mich nie aus der Arena verdrücken, um billigen, unechten "inneren Frieden" zu finden.  Der bedeutet mir nichts. Ich strebe bekanntlich stattdessen nach Genugtuung.

10) Ich verlange eine Entschuldigung. Ich wäre also tatsächlich bereit, echten Frieden zu schließen. Aber wenn sie nie kommt, die Entschuldigung, dann endet auch die Forderung nie. Damit kann ich auch gut leben.

Die Weihnachtstage werden, allein verbracht, voraussichtlich eine harte Zeit. Aber ich werde sie, wenn möglich, auch nutzen, um mich nach besten Kräften zu ordnen und in Stellung zu bringen. Und ich wünsche allen, denen es zum Jahresende ähnlich geht, genug Bestimmtheit, klare Gedanken und ausreichend Egoismus, um weiterzumachen.

See you on the other side, ihr Lieben! 
Happy Everyhing - und ein akzeptables Neues.


*Königin der Nacht


NH


Samstag, 2. Dezember 2023

Der Fragebogen 2023


52 Jahre (fast) und arg zerfleddert. Noch 100mal ausgelaugter zur Weihnachtszeit als sonst. Aber die Frisur sitzt. ;) #Fuck2023.
 

Ich fülle ihn seit 2011 zum Jahresende hier auf dem Blog aus. Diesmal kommen die Antworten nach einer ziemlich langen Pause. Die Fragestellung variiert von Ausgabe zu Ausgabe, aber in der Regel nicht sehr viel. Für alle, die gern vergleichen - die letzten Antworten von 2018 sind hier, von 2017 hier, von 2016 hier und die aus den Jahren davor, hier.

1. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie war Dein Jahr? 2. 

2. Zugenommen oder abgenommen? Abgenommen. Und zwar sehr viel auf einmal in der zweiten Jahreshälfte. Die brachte bekanntlich die Hölle (DLDDD berichtete), die dann auf die bereits existierende Hölle gestapelt wurde.

3. Was war das beste Buch? Ich komme ja seit Jahren nicht mehr dazu zu lesen. Ich bestelle bekanntlich manchmal ein paar Bilderbücher für die Sammlung, um schöne Post bzw. ein Highlight im Geschleppe des Alltags für mich zu organisieren. 



4. Mehr Geld oder weniger? Zuletzt mehr. Single zu sein ist für mich deutlich preiswerter.

5. Mehr Blogleserinnen, oder weniger? Ihr werdet jetzt langsam mehr, seit ich im Juli den Betrieb hier wieder aufgenommen habe. Das macht mich echt froh. Das Blog war ein Anker in den letzten Monaten.

6. Was war der beste Film, den du 2023 gelesen hast? Am meisten gefreut, habe ich mich vor ein paar Stunden über das hier: The Bat, 1995. Nein, kein Witz. Ich sehe mir in letzter Zeit nur ein einfaches und harmloses Programm an, das mich weder fordert, noch groß aufregt. Humor ist mittlerweile sehr viel besser für mich als Horror. Teil meiner Überlebenstrategie waren übrigens in den letzten Monaten nachts auch vorrangig die Golden Girls. Ich kann noch immer nicht glauben, dass ich mittlerweile in ihrem Alter bin. Und so gar nicht golden. Nur zerknittert.

7. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? Nichts. Nein, auch keine nützlichen Erfahrungen mehr, die eine wachsen lassen. Ich bin offiziell ausgewachsen Ich brauche keine zusätzlichen Lektionen vom Leben. Schon gar nicht, wenn sie mich fast umbringen.

8. Mehr bewegt oder weniger? Am liebsten gar nicht. Schmerzen bei jeder Bewegung. Scheiß Schleimbeutelentzündungen.

9. Worauf bist du stolz: 2023 ist das Jahr, in dem ich endlich komplett und mit Konsequenzen begriffen habe, dass eine fleischfreie Ernährung zwar besser ist als nichts, aber dass sie im Hinblick auf Ethik und Umweltschutz nicht reicht. Ich bin stolz und vorsichtig optimistisch, dass ich den endgültigen Ausstieg aus Milchprodukten und Eiern nun zum Jahresende auch wirklich geschafft habe. Es hat lange gedauert. Ich habe viel experimentiert (und ja, mit Bio-Produkten "getrickst"). Am Ende brauchte es dann extra viel Hilfe durch Social Media Aktivismus, um das Wissen um die horrende Quälerei, die Milch und Eier mit sich bringen, komplett in Taten münden zu lassen. 

10. Die beste Idee: Ein Hotelzimmer in Frankfurt zu buchen - für die Buchmesse im kommenden Jahr. Die habe ich tatsächlich nur ein einziges Mal besucht und hatte wenig Zeit, mich richtig umzusehen, weil ich als Autorin da war. Laaang ist es her. Dann hat mir Corona zuletzt einen Strich durch den Plan gemacht. Nun muss es endlich klappen.

11. Das schönste Geschenk: Der Club der dicken Damen und all seine Mitglieder. Für nichts bin ich seit sehr langer Zeit so dankbar gewesen. Es scheint mir noch immer wie ein Wunder, dass wir uns auf so schnell und gründlich zu einem erstaunlichen Freund*innenkreis zusammengefunden haben. Ich freue mich so sehr, mit euch ins nächste Jahr gehen zu können.

12. Lieblingslied 2023: Ruin von The Pierces, My Silver Lining von First Aid Kit, Suburban House von Holly Macave (mit Lana Del Ray)

13. Die meiste Zeit wo verbracht? Gefühlt im Bett. Es ging nicht mehr anders.

14. Die größte Enttäuschung: ...war nur wieder noch eine Enttäuschung.

15. Die beste Investition: Eine große Magnettafel, auf der ich den Plot meines angestrebten Romans so richtig schön übersichtlich entwerfen kann.

16. Die wichtigste Erkenntnis: Es ist möglich, neue gute Freund*innen zu finden.

17. Wie verbringst du Weihnachten? Allein mit den Katzen, mit dem Kartoffelsalat meiner Mutter und Michel in der Suppenschüssel. Vielleicht fahre ich ein, zwei Tage vorher nach Berlin, an einen paradiesischen Ort: zu Hennwack, dem größten Antiquariat, das ich kenne.

18. Was wünschst du dir für das kommende Jahr? Genugtuung. Aufmerksamkeit. Und Flow.

19. Was ist dein wichtigstes Ziel für 2024: Siehe oben. Plus mehr Geld. Und schmerzfreies Laufen.

20. Und was jetzt? Atmen. Und Schritt für Schritt voran. Irgendwo hier habe ich schon einmal den Wahlspruch einer meiner früheren Therapeutinnen verkündet: Das Leben ist Kampf. Ich habe wieder vor, ihn irgendwie zu gewinnen. Ein wenig fühlt es sich jetzt so an, als hätte ich genug sediert herumgesessen und geschlafen. Aber Rückfälle sind nicht ausgeschlossen. Ich wünsche uns allen, die es brauchen können, wie im letzten Fragebogen von 2018, Nerven aus Stahl und Kraft, die zum Durchhalten reicht. 


HAPPY EVERYTHING!


Mittwoch, 22. November 2023

Memory Lane

Die Feldmark hinter Kuddewörde in Schleswig Holstein, 2022


Ich bin kein Zauberer, doch kenn einen Trick
Leih mir irgendwas, ich geb' dir einen Müllhaufen zurück
Ein'n Müllhaufen zurück, ein'n Müllhaufen zurück
Ich verwandele dein Lächeln in ein'n bestürzten Blick 

(Antilopen Gang: Hokus Pokus)

Irgendjemand hat mich für den Newsletter des 3Pagen Versands angemeldet. Ich hab keine Ahnung wer und warum, aber ich bekam die Aufforderung, meine Registrierung zu bestätigen - mit dem Hinweis:  "Sollten Sie diese Mail nicht angefordert haben, dann können Sie die E-Mail ignorieren." Ich aber habe die fremde Registrierung bestätigt, weil ich durch diese kleine Merkwürdigkeit in einem kuriosen Wägelchen auf die Straße der Erinnerung geschoben wurde. Der Katalog des 3Pagen Versands (1954 gegründet) mit seinen kitschigen Dekoartikeln und den betulichen, bunten Haushaltsartikeln war ein Teil meiner frühen Kindheit in den Siebzigern. Er lag regelmäßig frisch auf dem Wohnzimmertisch und ich hatte einen riesigen Spaß, all die wunderbaren, sinnlosen Dinge anzusehen., die damals wie heute vorgaben, absolut essentiell zu sein. 

Vor ein paar Jahren erinnerte ich mich durch puren Zufall daran und forderte aus schierer nostalgischer Neugier den Papierkatalog an, den das Unternehmen noch immer verschickt. Ich war überrascht, wie wenig sich scheinbar verändert hatte und war fasziniert von den kunstvoll und komplett unironisch gezwirbelt formulierten Texten, die die Produkte anpriesen. Von innen erleuchtete, winkende Pinguine, solarbetriebene Libellen, Teetassen mit Veilchen bedruckt...ich kam aus der Freude gar nicht mehr raus. An meinem Esstisch wurde dann für einige Zeit wieder eine Tradition daraus, jeden neuen Katalog genau zu studieren, und es war hervorragendes Entertainment, denn mein Ex-Freund las mir die Texte in angemessen grandios-theatralischer und begeisterter Rede vor. Ich habe regelmäßig geweint vor lachen. Es war großartig. Zum Dank an den Versand habe ich ein paar kleine Bestellungen aufgegeben. Aber nicht genug - irgendwann wurde die Zustellung des Katalogs wieder eingestellt. Und nun poppte plötzlich diese Mail auf.

Seit ich noch tiefer im Jammertal stecke, als vor dem Verlassenwerden ohnehin schon, fordern alle möglichen Leute, die in therapeutischen Berufsfeldern arbeiten, dass ich mich bitte darauf konzentriere, was im Leben alles gut war/ist. Frau wird pausenlos dazu ermahnt, sich auf das Positive zu konzentrieren und sich ins Bewusstsein zu rufen, dass niemals alles nur schlecht ist. Es ist unmöglich, dass alles nur schlecht ist - das soll ich bitte jetzt endlich begreifen! 

Nun, solange mein Gegenüber sich nicht dazu versteigt, mir einreden zu wollen, alles - auch jede persönliche Katastrophe - sei für etwas gut, bleibe ich zumeist noch halbwegs höflich. Wer insistiert, guckt allerdings leicht mal schnell betroffen aus der Wäsche, wenn ich fertig bin. 

Manchmal machen sie lenkende Vorschläge, um mir auf die Sprünge zu helfen. Das geht immer schief:

"Sie haben doch so eine schöne Wohnung." - "Ja, die ich mir vielleicht irgendwann nicht mehr leisten kann, und die Sorge lässt mich nachts nicht schlafen. Außerdem finde ich sie schon lange nicht mehr besonders schön. Aber es kauft sie mir auch keiner ab, wie es aussieht."

"Aber Sie haben doch zwei süße Katzen." - "Ja, die ich mir vielleichtt irgendwann nicht mehr leisten kann, und das erfüllt mich täglich mit Panik. Außerdem halten sie mich nachts wach und fallen mir immer öfter auf die Nerven. Dann fühle ich mich dafür schuldig, dass ich von ihnen genervt bin. Und dass ich nicht mehr mit ihnen spiele, weil mir die Energie fehlt."

"Sie waren in Ihrer Beziehung doch auch nicht komplett glücklich. Da ist es doch gut, dass Sie jetzt frei für etwas schönes Neues sind." - "Ich habe mich nicht getrennt, weil ich nicht den letzten Funken Hoffnung auf eine fröhlichere Zukunft aufgeben wollte. Und diese Hoffnung hing an der Beziehung und unseren Plänen. Ich wollte nicht zugeben, dass ich Jahre an ein augenscheinlich sinnloses Projekt verschwendet hatte, das mir trotzdem so sehr am Herzen lag. Ich wollte ein Zuhause und es war, verdammt nochmal, wirklich der schlechteste Moment für einen solchen Schlag, weil es mir eh schon so fürchterlich mies ging. Und Waren Sie in letzter Zeit mal auf einem Partnersuche-Portal? Schön ist es da wirklich nicht. Ach, und hatte ich schon erwähnt, dass der Ex neuerdings versucht, über gemeinsame Bekannte an Informationen über mich heranzukommen? Das ist ein ganz schön gruseliger Gipfel, das kann ich Ihnen sagen."

"Sie können doch stolz sein, dass Sie in Ihrer beruflichen Laufbahn so vielen Menschen Unterstützung und Hilfe haben zukommen lassen." - "Wissen Sie, was ich eigentlich beruflich vorhatte? Einen Oscar für das beste Drehbuch zu gewinnen."

"Was könnten Sie sich denn heute noch Gutes tun, um es sich ein bisschen schön zu machen?" - "Ich will lieber nicht auch noch im Knast landen. Gehe ich wohl besser schlafen."

"Es wird wieder besser. Es dauert eben nur seine Zeit." - "Was soll das heißen, wieder besser? Ich erinnere mich wirklich nicht daran, dass es nachhaltig gut war. Ich erinnere mich hauptsächlich an 52 Jahre Kampf. Und jetzt bin ich langsam zu müde für all das."

Mir ist nicht klar, was die Tatsache, dass nicht alles im Leben schlecht war oder ist, damit zu tun hat, dass ich dieser Tage dieses Leben immer öfter nicht mehr will. Ich soll doch eigentlich auch immer im Jetzt leben. Oder wie war das bitte noch? Und wäre vorher tatsächlich so ziemlich alles wunderbar gewesen, würde es mir jetzt wirklich besser gehen, wenn ich mich an das erinnere, was ich mit einem Fingerschnippen verloren habe? 

Ich erzähle ja immer wieder gern von einem Zitat, das ich vor Jahrzehnten in einer Traumschiff-Episode aufgeschnappt habe: Es ist besser, etwas gehabt und verloren zu haben, als es nie besessen zu haben. Ich bin mir heute nicht mehr sicher, ob ich das so unterschreiben würde. Mir scheint, der Preis für vieles, was sich gelegentlich oder kurz gut anfühlt, ist hinterher oft unverhältnismäßig hoch.

Im Grunde ist das Herumgereite auf dem Hervorheben des Positiven genauso hilfereich, wie der Hinweis, dass es anderen Menschen in ihren Lebensgeschichten noch viel schlechter geht/ging. Der Vergleich ist wirkungslos, egal ob mit dem eigenen oder anderen Leben. Denn das individuelle Leiden im Innern ist immer unvergleichlich. Und ja, das eigene Hemd lässt sich nicht ausziehen.

Einkaufen hilft. Vielleicht bestelle ich irgendetwas Leuchtendes bei 3Pagen.

NH

Sonntag, 22. Oktober 2023

Wie es mir so geht - Teil 2


Ich befinde mich in Woche 14 meines Sitzengelassenwerdens durch den Ex und habe seitdem meine Befindlichkeit hier ja regelmäßig beschrieben. Ich dachte mir, damit höre ich auch nicht so bald wieder auf. : ) Im Moment gibt es ein paar Hauptgebiete, auf denen ich mich um Bewegung und Fortschritt bemühe, oder auf denen ich mich schlicht zur Ablenkung betätige. Als da sind:

Psychische Gesundheit

Nicht gut. Dosis erhöht. Könnte pausenlos heulen. Und das ist keine Floskel, sondern wahr. Damit mache ich gefühlt Rückschritte. Allerdings steigt auch die Wut weiter. Ich hätte nicht vermutet, dass das eigentlich noch möglich ist. Und Wut soll ja tragen. Ich stelle sie mir allerdings vor, wie ein Rettungsfloß, das sich erst noch viel weiter aufblasen muss, um mich sicher durch das Unwetter zu bringen.

Die Hüfte

Sie schmerzt immer, mal mehr, mal weniger. Und sie sorgt dafür, dass ich mich nun schon seit längerer Zeit mit der Barrierefreiheit an öffentlichen Orten befassen muss, denn ich benötige für meine Behinderung zumindest ein Geländer. Das ist ein neuer Blick auf die Welt. Was ich dabei in ihr erfahre und erkenne, ist - mal wieder - nicht gut. 

Ich habe nun einen Termin beim Orthopäden - Ende November.

Haussuche und Wohnungsverkauf

Die Wohnung ist seit einer guten Woche auf dem Markt und noch nicht verkauft. : ) Dass wurmt mich enorm, denn jetzt, wo ich mich durchgerungen habe, will ich, dass es am liebsten vor drei Monaten schon erledigt gewesen wäre. 

Heute habe ich einen weiteren Bungalow auf dem Land besichtigt. Mit einer erstaunlichen Ansammlung von Wespen um den Rahmen des Küchenfensters herum, einem Garten voller überwucherter (leerer) Tiergehege und einer Bahntrasse direkt auf dem Hügel über dem Grundstück. Das Beste am Ganzen war mal wieder das Abendlicht auf der Fahrt. Und viel Himmel hatten wir auch wieder. (s.o.)

Der Roman

Ich muss mir endlich einen Ort suchen, an dem ich all die Post-It-Notizen und Servietten konsolidiere, auf denen ich mir dauernd Notizen mache. Ich habe ein Dutzend Anfangsszenarien. Die Konzeption und Planung fließen, aber der Prozess ist, wie gerade alles, ziemlich chaotisch. Ich überlege, doch Agenturen anzusprechen.

Dating

Nun, lasst mich anhand folgender Begebenheit darstellen, wie es da so läuft.

In meinem Profil auf einer Dating-Plattform steht u.a.: „Ich mag echte Kerle, die keine Angst vorm Gendern haben.“

Darauf bekam ich von einem (nach eigenen Angaben) Zweiundvierzigjährigen ohne Bilder im Profil folgenden aufgeregten Aufsatz zugeschickt (Rechtschreibfehler und leicht entglittene Syntax wurden wie im Original belassen):

„Ich weiß nicht ob man darüber lachen oder weinen soll. Du bist doch eine erfahrene, gebildete, kunstliebende und wie es scheint unabhängige Frau. Wie kann man dennoch auf diesen Zug aufspringen? Ich wollte Dich schon öfter anschreiben aber deine woke Ideologie macht es einem echt schwer.

Gerade Literaturliebhaber die mit der Schönheit der Literatur bewandert sind sollten so etwas wie gendern verachten und intelligent genug sein das dies keine Toleranz schafft und sich niemand außer 1-2 Prozent die eher an einer Identitätsstörung leiden, anspricht.

Entschuldige das ich mich so auskotze aber das sind so schlimme unnötige First World Problems und ich fand es schade das so eine Frau wie Du darauf so einen Wert liegt.

Sorry, ich bin eigentlich sehr lieb und vor allem ein sehr toleranter Mensch. Sehr Integer.“

Meine Antwort: „Heul doch.“

Frau ist offenbar nirgendwo sicher vor homo- und transphoben Männerrechtlern. Da ist frau im Dating-Zirkus dann schon froh, wenn sie es nur mit ganz normalen luschigen Idioten zu tun kriegt, die vor dem ersten Telefonat auf dem Sofa einschlafen. Ganz ehrlich – dass passiert mir jetzt regelmäßig, dass sich ein Mann nach dem verpasssten Termin so dafür entschuldigt. Das, oder sie hatten Rücken und konnten nicht aufstehen. Lügen die alle? Oder liegt das daran, dass die Typen jetzt auch alle sieben Jahre älter sind und ohne Ende schwächeln?

 

NH