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Mittwoch, 26. Juni 2019

Decluttering: Unter der Spüle

Ich arbeite weiter an meiner Wohnung und den Dingen darin. Ist ja nicht so, dass ich nur gegen Erbstücke, Schuhe und emotional aufgeladenen Nippes kämpfen würde. Ich bin auch im Bereich Haushalt aus unerklärlichen Gründen komplett über-ausgestattet mit Produkten, deren Kauf mir vermutlich das Gefühl geben sollten, dass ich in Sachen Dreck und Wohnungspflege gar nicht so nachlässig bin und schon irgendwie alles im Griff habe(n werde). Das ideale Ich lässt grüßen.

Allerdings: Mit Putzmitteln muss man etwas putzen, wenn sie nützlich sein sollen. Duuuh. Sonst werden sie alt und verstopfen die Umgebung. Von der Verschwendung, etwas doppelt und dreifach einzukaufen, weil man angesichts der Menge und der Unübersichtlichkeit gar nicht mehr auf dem Radar hat, wie viele Flaschen und Packungen man vom Gleichen schon besitzt, ganz zu schweigen.

Hier ist der filmische Beweis - für das Dilemma UND den Bearbeitungsversuch.

PS: Ich würde mich wirklich sehr über ein paar neue AbonnentInnen und Däumchen bei YouTube freuen. Denn ich mache jetzt doch eine Serie aus dem Kampf gegen die Dinge.




Mehr zum Thema: PLATZ DA!


NH

Freitag, 25. Mai 2018

VLOGGING: Decluttering 1 / Aussortieren


Ich habe das im letzten Post versprochene erste Video zum Ausmisten tatsächlich gedreht und, zack!, auch einfach gleich veröffentlicht. Sehen könnt ihr es HIER. 

Ich plaudere darin ein wenig über die Tücken des Aussortierens von emotionalem und anderem Kram, den man aus höchst irrationalen aber auch vielfältigen Gründen überhaupt jemals aufgehoben hat. Bei dem Filmchen handelt es sich auch um so eine Art Auftaktveranstaltung zum Themenkreis Horten und Aufräumen, weil ich dazu noch eine ganze Reihe von Beiträgen plane. Denn ich befinde mich bekanntlich seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) und immer weiter im Kampf gegen die Dinge in meinem unmittelbaren Lebensraum. Und wenn ich Kampf sage, dann meine ich das auch ganz genau so. Außerdem wird man halt irgendwann beim langjährigen Ringen mit der eigenen Problematik ganz nebenbei auch zur Expertin für eben diese. Wenn es um Strategien und Methoden des Ausmistens geht, macht mir so leicht keine was vor. Wie auf dem weiten Feld der Diäten habe ich alles ausprobiert und vieles scheitern sehen.

Allerdings werde ich nicht aufhören, aufzuräumen. Anders als im Falle von Diäten, bin ich hier nach wie vor überzeugt, dass sich der Kampf lohnt, und dass das erwünschte Ergebnis auch erhalten werden kann. Denn das Leben ist so viel einfacher, wenn alles im Haus einen Platz hat, der idealerweise auch noch leicht zu erreichen ist. Gerade heute habe ich im Auto so darüber nachgedacht, dass ich eigentlich mittlerweile nur noch sehr wenig Zeit damit verbringe, Dinge zu suchen. Die Regel "ein Platz für alles und alles an seinem Platz" ist bei mir zu Hause tatsächlich inzwischen umgesetzt worden. Mein größtes Problem ist nun, den Strom von Dingen, die hereinkommen, wirksamer zu verringern. Soll heißen: Ich schleppe noch immer viel zu viel neuen Kram an, der oft erst einmal keinen Platz hat. Und das nicht nur organisatorisch, sondern buchstäblich. Dann muss Altes raus, um Platz zu schaffen. Aber sich zu trennen, ist oft nicht einfach, Und dann kommt alles ins Stocken, Ärger und Überforderung blühen ganz schnell wieder in grellen Farben und man bekommt das vertraute Gefühl, schlicht niemals wirklich Herrin der Lage zu sein.

Meine Herausforderungen für die kommenden Monate liegen im Keller (mal wieder), in der Küche, dem Schafzimmer und dem Kabäuschen. Also eigentlich überall, wobei Schlafzimmer und Keller am gruseligsten sind. Der Keller ist, nachdem er bereits ein paarmal recht aufgeräumt und organisiert gewesen ist, im Augenblick wieder so voll, dass mir Kartons entgegen fallen, wenn ich die Tür öffne.

Im Schlafzimmer ist der Kleiderschrank das größte Projekt. Darin ist im Augenblick nicht genug Luft für all meine Kleider. Die stehen zum Teil in Wäschekörben davor. Gleichzeitig habe ich Schwierigkeiten, im vollgestopften Schrank meine Kleidung für den Tag morgens schnell und einfach zu finden. Das größte Ziel ist aber Vereinfachung. Ich bestehe quasi darauf, dass der Alltag leicht wird. Da ist überhaupt der Grund, warum ich das Chaos und die Dinge so verbissen aufhalten will.

Und irgendwann werde ich dann die Kamera todesmutig in den Keller tragen. Da gibt es genug  Material für einen zünftigen Messie-Mehrteiler. Aber vorerst nun erst einmal eine milde Einleitung auf YouTube. Es würde mich übrigens außerordentlich interessieren, über euer Verhältnis zu den Dingen auch etwas zu erfahren. : )

NH

Freitag, 11. Mai 2018

Follow me around 58: Aufholen

DAS will ich. Eine Festung. (Dömitz)
Also, ich entschuldige mich gleich schon einmal im Vorfeld, mit Nachdruck und bei fast allen, die in den letzten 18 Monaten irgendetwas von mir wollten, oder denen ich versprochen habe, dass ich mich melde. Ich habe es nicht getan, und werde es womöglich auch so schnell nicht nachholen. Darüber hinaus hat eine notwendige Wiederbelebung meines Handys gestern mein WhatsApp getötet. Wenn wir also lose Pläne hatten, besteht eine gute Chance, dass ich sie jetzt komplett aus den Augen verliere. Ich verspreche lieber nichts mehr.

Außer dass ich in den kommenden Tagen Nicole Jägers unsägliches "Nicht direkt perfekt" ausgelesen haben werde und dann hier garantiert die Rezension dazu schreibe. Der ganze Krampf kann schließlich nicht umsonst gewesen sein. Ich lese im Auto. Wenn ich zwischen zwei Terminen Wartezeit überbrücken muss. Da kommt man nicht rasend schnell voran. Heute fiel mir im Buchladen zufällig Sarina Nowaks "Curvy" in die Hände. Das nehme ich dann als nächstes mit ins Auto. Ich musste sie googeln...Sie lacht wirklich sehr, sehr viel auf ihren Unterwäschebildern, nicht wahr?...Aber ich versuche ja, unvoreingenommen zu sein. Hüstel.

Insgesamt bin ich gerade tatsächlich in eher mieser Stimmung. In einem netten Kommentar wurde vermutet, dass ich in dieser Phase meines Lebens zu glücklich sei, um Blogposts zu schreiben. Das bin ich nicht. Ich bin einfach selbstorganisatorisch so weit ins Hintertreffen geraten, seit Mann und Hund in die Alltags- und Lebensplanung einzubeziehen sind, dass an den Seiten vieles von dem, was mir durchaus auch wichtig wäre, runtergefallen ist. Ich bin jetzt so eine, die bei Einladungen von Freundinnen Sachen sagt, wie "Das muss ich kurz mit Oliver abklären" oder "Ich frag mal gerade, ob wir da was vorhatten". Und während ich über Mann und Hund weiterhin sehr froh bin, bin es ich über das sich vertiefende Chaos nicht. Die beiden (nicht mehr ganz so) Neuen brauchen Zeit und Platz in jeder Hinsicht. Sie machen Unordnung und Lärm - buchstäblich und auch sonst. Und ich habe als neurotische Einzelgängerin zunehmend echte Adjustment-Schwierigkeiten. Als ob mein eigener Klumpatsch im Alltag früher nicht schon genug Herausforderung für mich gewesen wäre. Der Göttin sei Dank verstehen sich die Tiere wirklich prächtig. Corbinian findet es super, dass er jetzt einen eigenen Hund hat. Wie es so meine Natur ist, versuche ich in der Zwischenzeit, uns alle nebst persönlicher Eigenheiten und Bedürfnisse zu koordinieren. Und scheitere mitunter im ganz großen Stil. Mir ist auch klar, dass es hier kaum eine zufriedenstellende Lösung gibt. Wo man viel und eng aufeinander hockt, da ist es eben so, dass man sich auch in die Quere kommt. So sind Beziehungen, die nicht locker sind. Und locker sind wir nicht.

Während ich das hier schreibe, sehe ich meinen neuen Nachbarn aus den Augenwinkeln seine Terrasse putzen. Er kommt mir dabei sehr nah. Mindestabstände zur Grundstücksgrenze sind halt oft nicht wirklich menschenfreundlich. Und nicht einen Zentimeter mehr hatten die neuen Nachbarn zu erübrigen. Zur Erinnerung: Ich habe mir vor 9 Jahren eine Wohnung ausgesucht, von deren Fenstern aus ich in dichte Gärten schaute. Erst in meinen und dann zusätzlich in den dahinterliegenden. Dann wurde vor ca. zwei Jahren das alte Häuschen mit dem großen Garten verkauft und von den neuen Besitzern mit dem geschmacklosesten, raffgierigsten Versorgungsbunker bebaut, den man sich so denken kann, bzw. der gesamte Garten wurde zugeschüttet, um die Besitzer, deren alte Eltern und noch drei zusätzliche Mietparteien gestapelt auf dem Gelände unterzubringen. Die Nachbarschaft fragt sich noch immer, wie die überhaupt die Baugenehmigung für so ein Ungetüm bekommen haben. Und erst bei der letzten Kommunalwahl scheint das Zukleistern des Ortes mit überdimensionierten Horrorkästen ein Thema von gewisser Dringlichkeit geworden zu sein. Zu spät für uns. Mir ging es mit der Baustelle nebenan ein Jahr lang wie einem Gorilla in einem WWF-Werbespot, während die Bullodozer eine Schneise durch den Urwald schlagen und sekündlich seinen Lebensraum niederwalzen.

Dummerweise hat sich das Gefühl nicht wirklich verändert. Die neuen Bewohner, die sich komplett freiwillig und für viel Geld (wir reden hier nicht von "bezahlbarem Wohnraum") so einquartiert haben, dass sie ihren Nachbarn direkt in die Fenster glotzen und in die Suppe spucken können, sind nämlich nicht dezent und unsichtbar. Dafür aber zwanghaft und freudlos. Sie fegen und wischen ihre Terrasse. Feucht. Manchmal auf Knien. Sie beziehen ihre Gartenmöbel zu deren Schutz mit Plastikfolie. Sie verteilen über Tage hinweg mit aufwendiger Planung und viel Geraschel graue Holzstückchen am Rand der Terrasse, um möglichen Unkräutern Einhalt zu gebieten. Unablässig werden Sitzkissen, Gartenlaternen in allen Formen und Keramikhühner hin und her drapiert, um den perfekten Camping-Chic endlich zu erreichen. Und wenn es dann dunkel wird, bescheinen solarbetriebene Libellen in Multicolor das Werk...Ja, ich bin ein Snob. Hab nie etwas anderes behauptet.

Und ich kann einfach nicht weggucken und nicht aufhören, mich zu grämen. Die Geräusche und die Bewegung im Augenwinkel sind wie eine nervige, hochmotorige Stubenfliege. Die Sinnlosigkeit des aufgeregten Treibens auf der Terrasse nebenan schafft mich, und einen hohen Zaun kann ich mir zur Zeit nicht leisten. Abgesehen davon, dass über den Zaun hinaus ja auch noch immer zwei Drittel des Grauens in die Höhe ragen würden. Bäume wären ganz gut. Aber die brauchen bekanntlich ein paar Jahrzehnte.

Ich will (eigentlich) weg.

Oliver und ich haben längst darüber gesprochen zusammenzuziehen. Wir haben sogar schon Häuser angesehen. Aber dann kam wieder was dazwischen. Gleichzeitig stehen mir beim Gedanken an eine Konsolidierung unserer Haushalte zumindest innerlich die Haare zu Berge. Ich bin mit der kompletten Ordnung und dem Decluttern, also Ausmisten meiner Habe, wie mit all meinen Projekten, erheblich im Rückstand. Aber ich bin noch dabei. Mehr oder weniger versessen und manchmal für Außenstehende vermutlich gar ein wenig verbissen. Aber ich weiß halt, dass Ordnung und das Beseitigen von Kram ganz sicher wirken, wenn es um Lebensqualität geht. Natürlich weiß ich auch, wie beschwerlich die Reise ist, und plane genau dazu schon seit langem eine Reihe von YouTube-Videos. Wenn es gut läuft, drehe ich das erste doch endlich mal nächste Woche.

NH

Samstag, 30. Juli 2016

Follow me around 50: Life Update


So nennt man das ja unter Blogger- und Vloggerinnen, wenn man sich länger nicht gemeldet hat, und mal schnell vorbei kommt, um Bescheid zu sagen, dass man noch lebt.

Ja, ja - ich lebe noch. Gerade so. So fühlt es sich an. Tatsächlich habe ich gestern morgen in Endlosschleife gedacht: "Jetztsterbeichgleichjetztsterbeichgleichjetztsterbeichgleich..." Ich fühlte mich bei Aufstehen so mies, dass ich mir nicht mehr sicher war, ob ich es bis über die Schwelle zum Badezimmer schaffen würde.

Der desolate Zustand ist zu zwei Dritteln seelisch und zu einem Drittel körperlich begründet. Die Mischung macht's: Sehr wenig und schlechter Schlaf, die Schwüle der letzen Tage, viel Bücken, Schleppen und auf dem Boden-Herumgerutsche, Sorgen um die berufliche Zukunft, Sorgen um Geld, Sorgen um den Kater (der fraß plötzlich nicht richtig), relative persönliche Einsamkeit, relative persönliche Enttäuschung und (bekanntlich) eine Art Grundverbitterung über den Stand meines Lebens, eine wachsende Unfähigkeit, der Flut der täglichen Ärgernisse etwas entgegenzusetzen, und all das natürlich entscheidend und unablässig befördert durch die psychischen Anstrengungen beim Aussortieren.

1321 Gegenstände weniger 

...seit Beginn meiner letzten von unendlich vielen Ausmistaktionen, die übrigens im März begonnen hat und deren Ziel es war, sich in 30 Tagen um 500 Gegenstände zu erleichtern.

Aussortieren ist und bleibt das Stichwort. Und obwohl Ausmisten schwer ist und dieses ohnehin schwere Zeiten sind, muss es gerade jetzt sein. Oder besser: Gerade deswegen. Der Kram ist Denkmal und Anklage und Hindernis und Energieräuber. Er muss erledigt werden, damit die Dinge hier anders laufen. Ich kann ihn nicht länger im Weg herumstehen lassen und denken, ich könnte mein Leben erfolgreich um ihn herumleben. Er ist Symptom und Ursache zugleich.

Dass der Prozess so lange dauert (mitunter eben sogar Jahre) mag für Außenstehende unverständlich sein, aber besteht nun einmal aus einer Vielzahl von Schritten, von denen jeder mehr oder weniger emotional besetzt ist.

Zunächst muss man alles hervorkramen und begutachten, dann entscheiden, ob man den Gegenstand behält oder nicht. Um dieses zu bewerkstelligen, gibt es verschiedenen Methoden, die je nach Situation greifen können. Uff. Wenn man ihn behält, muss man entscheiden, wie er in Zukunft verwahrt, bzw. mit den anderen Dingen, die bleiben, organisiert werden soll, so dass der Alltag mit ihm reibungslos läuft.

Bei den Gegenständen, die gehen, stellen sich natürlich noch viel mehr Fragen. 1.783.655 Fragen, um genau zu sein: Soll das gespendet, verschenkt, verkauft oder weggeworfen werden? Wer soll es kriegen? Wer könnte es wollen? Wenn es in den Müll soll, in welchen Müll? Wenn verkaufen, wie? Und wo bis dahin lagern? Grundsätzlich gilt es, aussortierte Dinge so schnell wie möglich wegzuschaffen, damit man gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt, und sie doch behalten will.  Das finale Abwickeln der Dinge ist aber fast nie so leicht, wie man sich das vielleicht vorstellt. In der Tat kann es gerade da ganz schön höllisch werden, es sei denn man bestellt einen Container, wirft alles hinein und denkt sich "Nach mir die Sintflut". Aber wer das so einfach kann, der hat vermutlich ohnehin kein Problem in diesem Bereich. Ich muss mich nun für kommenden Monat für die Teilnahme an Flohmärkten anmelden, obwohl ich mir geschworen hatte, dass ich das im Leben nie wieder tun würde.

Grüße von Gustav 

Beim Impfbesuch beim Tierarzt haben mich die großartigen Helferinnen wieder auf den letzten Stand darüber gebracht, wie es Gustav bei seinen neuen Menschen so geht. Und alles läuft prima. Er darf mittlerweile raus, kommt aber immer wieder zuverlässig nach Hause und verträgt sich sogar mit dem anderen Kater im Nachbarhaus. Natürlich bin ich noch immer und immer wieder unendlich erleichtert. Es sticht ein wenig, dass er und Corbinian sich nicht vertragen konnten...aber was hatten wir am Ende wirklich für ein unendliches Glück in dieser Sache.

Und dann auch noch das...

Wie durch Zufall bin ich in den letzen Wochen mit drei Männern kollidiert (zwei neu, einer alt). Das war vor allem im Abgang nicht schön - in keinem der drei Fälle. Wobei ich es bei einem hätte wissen können - bei dem war es jetzt der zweite Anlauf nach langer Zeit. Ich bin auch echt zu bescheuert.

Aber egal wie sorgfältig und, anders lässt es sich fast nicht sagen, kleinlich frau auswählt, mit wem sie ja wenigstens mal telefonieren oder einen Kaffee trinken könnte - am Ende implodiert stets alles. Gerne mal über einer Diskussion über weibliche Endungen in der deutschen Sprache und darüber, ob es denn nun wirklich nötig sei, Ampelweibchen einzuführen. Wohlgemerkt, diese Themen werden nicht von mir auf den Tisch gebracht. Im Leben käme ich nicht darauf. Vielmehr ist es so, dass Männer in einer Kennenlernsituation, die eigentlich im Idealfall zu einer Partnerschaft führen sollte, unbegreiflicherweise gern beginnen, mit mir zu streiten. Es ist, als ob auf meiner Stirn plötzlich der Schriftzug "radikale Feministin" (was ich vermutlich auch bin) sichtbar wird. Und dann geht es los. Dann fangen sie an, sich ganz und gar ohne Angriff zu verteidigen, was das Zeug hält. Obwohl sie mich kurz vorher noch für ganz hübsch und freundlich gehalten haben. Dass ich ab dem Punkt dann schnell genervt bin von all dem aufgewiegelten Gejaule um Privilegien und dieses auch äußere - das gebe ich unumwunden zu.

Die letzen männlichen Flops - ich habe sie mir, wie fast alle zuvor, nicht selbst gesucht. Sie haben mich, wie immer, auf einer Dating-Seite im Internet gefunden. Warum ich mich bei all dem Ungemach, und obwohl ich es schon lange vorhabe, nicht endlich bei finya.de abgemeldet habe? Ach, wer weiß...es wäre halt so schön und buchstäblich wunderbar, wenn doch noch der Richtige käme und mich dann auch noch ertragen könnte. Irgendwer, ich glaube, es war eine Freundin, nannte es "dem Schicksal zumindest eine Chance geben".

Zur Strafe für meine Inkonsequenz und Trudelei bekam ich dann von der Plattform unlängst als "Partnervorschlag" meine letzte und zutiefst traurig verlaufene große Liebe untergeschoben. Ich blinzelte, schluckte und klickte dann auf das Bildchen, obwohl ich das sicher nicht hätte tun sollen...whatever. Sieht ganz so aus, als ob wir beide ähnlich unverkäuflich sind. Was damit zu tun haben könnte, dass wir uns in vielerlei Hinsicht verdammt ähnlich sind.

Jetzt guck doch nicht schon wieder so empört, weißt du doch selber.

Der Himmel verschwindet

Das Haus nebenan wird immer höher. Die Vermutung ist, dass auf den ersten Stock nun noch so eine Art Penthouse gesetzt wird. Was auch immer es ist, ich werde danach von meinen Fenstern aus den Himmel nicht mehr sehen können. Wie es möglich war, eine Genehmigung für einen solchen Bau an dieser Stelle zu bekommen, ist mir schleierhaft.

Ich hatte vor Monaten bereits ein Informationsverfahren bei der Bauaufsicht angestrengt, und als es in die zweite Phase gehen sollte, den Vorgang an unsere Hausverwaltung abgegeben, weil die sich angeboten hatte, mir die Arbeit ab da abzunehmen. Ich war erstaunt und dankbar. Danach kam nix mehr. Weil die Hausverwaltung offenbar Besseres zu tun und ich schlicht keine Energie mehr hatte, um sie auf angemessene Weise zu erinnern...Irgendwann in meinem Leben möchte ich mal die sein, die sich anderen auf massive und permanente Art aufzwingt, sei es durch Lärm, Dreck, Gestank Verrücktheit, Mauern oder Hindernisse, und damit einfach so davon kommt. Ich wüsste gern, wie sich das anfühlt. Es muss eine Befriedigung sein, die ich gern kennen würde. Wahrscheinlich könnte man diese aber ohnehin nur so richtig spüren, wenn man nicht zu sehr über sich selbst nachdenkt und nicht womöglich Zweifel oder ein schlechtes Gewissen hat.

Coming soon

Heute kam ein Mängelexemplar von Nadja Hermanns "Fettlogik überwinden" mit der Post. Amazon macht natürlich auch immer fleißig Vorschläge - und offenbar "kauften Kundinnen, die Nicole Jägers Schwindeldiätbuch gekauft haben, auch dieses", was nicht ohne Ironie ist, da die beiden "Camps" von Anhängern sich augenscheinlich auf den Tod nicht ausstehen können, und einer der höchstbewerteten  und längsten Kommentare zu Nicole Jägers Buch ein negativer ist - und den Titel "Fettlogik" trägt.

Bereits beim ersten Durchblättern von "Fettlogik" wird klar, dass das Werk vermutlich ganz genauso toxisch sein wird, wie ich es mir gedacht habe. Und ich habe mir für eine Sekunde überlegt: "Warum willst du dir das eigentlich antun?" Aber hey, dazu sind wir ja eigentlich hier...Ich werde jetzt erst einmal den "Forscher Rüther" googeln. Der wird im Buch auf Seite 153 augenscheinlich mir nichts, dir nichts als wissenschaftliche Quelle in den Ring geworfen, hat aber keine Fußnote und ist im Quellenverzeichnis unter seinem Namen nicht zu finden. Der "Forscher Rüther"...?! Ehrlich jetzt? Das kann ja heiter werden.


NH

Freitag, 1. Juli 2016

Follow me around 49: Baustellen


Gustav geht es gut.


Frau Behr, ihres Zeichens Tierarzthelferin, Pferdebesitzerin und Vermittlerin von Gustavs neuem Zuhause hatte ja gesagt, dass ich mich in ca. einer Woche melden solle, um zu erfahren, ob Gustav in der neuen Umgebung zurecht kommt. 

Ja, eine Woche ist der tränenreiche Abschied nun schon wieder her. Aber ich weine gelegentlich noch immer ein wenig vor mich hin und hatte von gestern auf heute eine unruhige Nacht, weil mich zunehmend gruselige Fragen und horrende Befürchtungen plagten: Was, wenn irgendetwas schief gegangen ist? Was, wenn es ihm da nicht gefällt? Was, wenn er weggelaufen ist?...Um 9:30 Uhr stand ich heute auf der Matte, bzw. am Empfang der Praxis. 

Frau Behr, die Liebe, rannte gerade von einem Behandlungszimmer zum nächsten, winkte, rief, sie habe jetzt leider gar keine Zeit, aber Gustav gehe es sehr gut, und alles habe sich ganz wunderbar eingespielt. Dann hob sie beide Daumen, um sicherzustellen, dass ich die gehörten Informationen auch ganz sicher richtig einordnen konnte, und ich wischte mir imaginären Schweiß von der Stirn und rief: "Vielen, vielen Dank!"

Puh, das scheint geschafft.

881 Dinge weniger.


Bis jetzt. Und eigentlich wären es mehr, wenn ich nicht manchmal Gruppen von Gegenständen als nur einen Posten vermerken würde. Aber ich arbeite mich auch noch immer und immer weiter vor. Und ich blase das, was in dieser Organisationsphase vor ein paar Wochen als "30 Day Decluttering Challenge" begann, erst ab, wenn ich hier fertig bin. Mit allem. An diesem Wochenende ist vielleicht die Küche dran. Oder zumindest ein Teil von ihr. Auch da gibt es Schubladen, über dessen Inhalt ich nichts mehr weiß, weil ich seit dem Umzug vor sechs Jahren nicht wirklich hineingesehen habe. 

Oh, leere Oberflächen! Nach einem Leben voller Kampf gegen die Übermacht der Dinge, sehe ich jetzt endlich Land. Irgendwann erreicht man den Punkt, da will man nur noch Platz (da!), Ordnung und reibungslose Alltagsabläufe - auch im Kleinsten. Besonders, weil ohnehin kaum jemals etwas leicht zu sein scheint, und ich nun wirklich keine Energie mehr zu verkleckern habe. 

Die Wirkung wird täglich deutlicher. Weniger Kram führt zu mehr Ordnung, Ordnung zu Vereinfachung, Vereinfachung zu weniger Stress, weniger Stress zu mehr Freude, Klarheit und Zeit. Und zumindest Klarheit und Zeit meine ich tatsächlich schon fühlbar etwas mehr zu haben - das mit der Freude kommt vielleicht, wenn ich erst einmal die Abstellkammer zum Xten Mal bezwungen habe.

Tonnen - in Worten: TONNEN von Modeschmuck habe ich unlängst aussortiert. Dabei bin ich nach der Konmari-Methode vorgegangen. Man nimmt jedes Teil aus einer bestimmten Kategorie in die Hand und fragt sich, ob es "Freude in einem entfacht". Nur Dinge, die das tun, können bleiben. Für Modeschmuck eignet sich die Methode gut, weil man den ja niemals wirklich braucht - während man aber z.B. den Dosenöffner sehr wohl braucht, obwohl ich den trotzdem nicht besonders leiden kann. Eigentlich habe ich eine regelrechte Abneigung gegen ihn, wenn ich es recht bedenke...

Anders als zu früheren, reicheren Zeiten werde ich mich in naher Zukunft daran machen, den Schmuck zu fotografieren und Ohrring für Ohrring bei Ebay zu verscherbeln. Ich bin bekanntlich alt und brauche das Geld - und dieser Tage nun ganz besonders, denn:

Der Computer ist hin.


Ja, der Albtraum wurde wahr. Und ich bin selbst am erstauntesten, dass ich das offenbar überlebt habe. Der Bildschirm wurde einfach schwarz, das heftige Schnaufen der Lüftung verstummte, aber die Maschine ging nicht aus. Als ich sie dann ausstellte, um sie neu zu starten, was ja vorher noch immer geklappt hatte, machte es auch nicht mehr ärgerlich "Ping", sondern seufzte nur noch leise und resigniert mit schwachem Stimmchen... Das war das letzte, was ich von ihr gehört habe. Sie lässt sich nicht mehr hochfahren, und ich habe nun die Aufgabe, eine Entscheidung hinsichtlich der Verschrottung zu treffen. 

In einem lichten Moment habe ich mich daran erinnert, dass die Festplatte noch bis zum Rand voll ist mit hausgemachter Pornographie, an die mich die Maschine jetzt ja nicht mehr heranlässt, um sie zu löschen, bevor ich das Gerät aus den Händen gebe. Und dann habe ich natürlich auf irgendwo gelernt, dass man eine Festplatte ohnehin nicht wirksam und vollständig leeren kann...der Computer muss aber weg, weil er in mir schlicht keine Freude mehr entfacht. 

So, wer hierzu im eigenen Interesse u. U. noch ein paar Lösungsvorschläge zu unterbreiten hätte, möge jetzt sprechen (oder so). Oder für immer schweigen...

NH


Sonntag, 12. Juni 2016

Follow me around 47: Räumungen


Plötzlich habe ich so viel Platz, dass ich gar nicht weiß, wohin damit. Ich habe quasi gar keinen Platz für den Platz. Ja, Platz kann man natürlich bewegen und verschieben. Ich tue das bereits seit Tagen - und nun auch schon den ganzen Nachmittag. Und ich habe schlicht überhaupt gar keine Übung darin, Teile meines Raumes einfach leerstehen zu lassen. Es verwirrt mich regelrecht.

Aus den angepeilten 500 Gegenständen, die ja innerhalb eines Monats meinen Haushalt verlassen sollten, sind nun, mit mehrwöchiger Verspätung, am heutigen Tag 700 geworden. Das hängt auch maßgeblich mit den ca. 250 Büchern zusammen, die ich in den letzten paar Tagen habe gehen lassen, und obwohl das nur gut 10% der Bibliothek waren, macht sich das Verschwinden der Dinge im Ganzen nun doch langsam bemerkbar.

Ich bin mit der Verwaltung eines Übermaßes an Dingen beschäftigt, so lange ich denken kann. Ich habe bereits als Kind sortiert und umgeräumt und organisiert und gelagert. Wenn Dinge gingen, verhielt es sich ironischerweise immer ganz genauso wie mit meinem Gewicht nach Diäten - sie kamen multipliziert wieder zurück.

Als ich noch zu Hause wohnte, war ich außerdem involviert in die Verwaltung der Dinge meiner Mutter. Wie viele Nachkriegskinder hatte sie eine Hang dazu, Gegenstände zu horten, "weil man sie ja irgendwann noch einmal brauchen könnte." Das führte auch zu ewigen Kreisläufen des vernunftgetriebenen Aussortierens und des anschließenden, fast trotzig anmutenden Wiederanhäufens. In der Doppelgarage, die zur Wohnung gehörte, die wir einige Jahre bewohnten, nachdem sich meine Eltern getrennt hatten, war jedenfalls nicht einen Tag lang Platz für ein Auto.

Meine Mutter wohnte vor ihrem Tod allein in einem kleinen Haus auf ca. 120 Quadratmetern. Ihre Wohnräume waren nicht vollgestopft mit Kram. Er lag nicht überall offen herum. Das wahre Ausmaß ihres Festhaltens an Gegenständen eröffnete sich mir erst nach ihrem Tod, als ich ihre Schränke öffnete und zwei Monate lang jedes einzelne ihrer Besitztümer in die Hand nahm, bevor ich entschied, was damit geschehen sollte.

Sie besaß ungefähr 50 BHs. Weil man nie weiß, ob man nicht auf der Straße umkippt und ins Krankenhaus muss, war es in ihrer Welt eine Frage der Ehre, auch in einem medizinischen Notfall unter keinen Umständen in abgewetzten Unterkleidern erwischt zu werden. Aber die alten Dinge wurden mal wieder nicht weggeworfen, sondern für schlechte Zeiten aufgehoben. Die älteste Dose in den Tiefen ihres Vorratsschrankes war übrigens 10 Jahre alt.

Ihr Haus beherbergte neben allem anderen auch einige Sammlungen: Eine Glassammlung, eine Hühnergöttersammlung (Steine, die natürlicherweise ein Loch haben), eine Stuhlsammlung, eine Sammlung chinesischer Glücksbringer,...irgendwann fand ich mich am Glascontainer wieder und warf - quasi in Selbstverteidigung - Cocktailgläser aus den 50er Jahren hinein. Denn man kann halt nur so viele Kisten mit Spenden überall in der Stadt anliefern.

Und ich fand Gebirge aus Bett- und Tischwäsche - hoch und scharf gebügelte Kante auf Kante aufgestapelt. Der Besitzerinnenstolz, die Tiefe der Verschriebenheit und der Bemühungen im Dienste der Dinge erschütterte und rührte mich zugleich. Einen Stapel antiker Leinenhandtücher habe ich damals, so wie er war, mitgenommen und in meinen Schrank gelegt. Er war ein Denkmal an die Liebe für die Dinge, die im Leben meiner Mutter immer eine übergeordnete Rolle spielten. In der Zwischenzeit bin ich dazu übergegangen, die streng aufbereiteten Handtücher in der Küche zu verwenden und habe das Denkmal damit aufgelöst.

Sich jetzt noch einmal gezielt und systematisch von Gegenständen zu trennen, ist auch deshalb weiterhin so anstrengend, weil die Dinge nach wie vor mit Gefühlen und Erinnerungen und Plänen aufgeladen sind. Und je mehr ich meine Besitztümer und vor allem auch die ererbten gehen lasse, desto schwerer und emotional geladener werden die Entscheidungen für oder gegen die Dinge, denn vieles von dem, was jetzt wieder zur Disposition steht, habe ich in einem vorherigen Aussortierungsprozess nicht aufgegeben, und dafür gab es zum jeweiligen Zeitraum eben Gründe, die jetzt vielleicht weniger schwer wiegen, aber sich deswegen noch lang nicht komplett aufgelöst haben. Seit zwei Tagen habe ich nun einen blasigen, juckenden Ausschlag an beiden Händen, der, wenn man dem Internet glauben darf, zu einem erheblichen Anteil stressinduziert sein dürfte. Mit den Dingen gerät einem halt auch die eigene Geschichte wieder in die Finger.

Aber es muss sein. 

In diesem Jahr gewinne ich ihn ein für allemal - den Kampf gegen die Macht der Dinge. Am Ende dieses Jahres bin ich nur noch von Dingen umgeben, die mir wirklich gut tun, und deren Anwesenheit einen Zweck und Sinn hat. Außerdem werden es nur noch so viele Dinge sein, dass der Alltag komplett reibungslos und störungsfrei organisiert werden kann. Dazu muss übrigens noch sehr viel mehr Kram hier raus, denn: "You cannot organize the clutter, and if you want to live an organized life, you have to minimize the things that you have."* (Kathy Roberts, TheTidyTutor.com)

Wissenschaftlich erforscht und herausgefunden wurde in der Tat, dass Frauen auf unübersichtliche Räume voll mit Kram und Unordnung mit einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen reagieren. Männer tun das übrigens nicht. (UCLA)

Wobei man bei einigen Dingen schon eine geistesblitzartige Eingebung haben muss, um sie überhaupt eines schönen Tages als überflüssiges Gerümpel zu erkennen. Bei mir ging heute nun endlich der hässliche Mixer, in dem der letzte Smoothie vor ungezählten Monden angerührt wurde. Smoothies my ass...


*Du kannst Krimskrams nicht organisieren, und wenn du ein organisiertes Leben führen willst, musst du die Dinge, die du hast, minimieren."

NH

Dienstag, 12. April 2016

Follow me around 45: Homestory





Was ich unter meinem Computer fand

2 Blaubeeren - halb matschig, halb vertrocknet.

Das Projekt, in dreißig Tagen 500 Gegenstände aus meinem Haushalt zu entfernen, ist zunächst einmal gescheitert. Die dreißig Tage sind seit 4 Tagen vorüber, und ich bin noch immer erst bei Gegenstand Nr. 243. Ich hatte mir das Ganze leichter vorgestellt. Aber das entmutigt mich nicht wirklich, denn ich werde einfach weiter Buch darüber führen, was rausfliegt, weil es einen dazu erzieht, genau hinzusehen, wo sich die Möglichkeit jeweils ergibt, den Haushalt auszudünnen. Und irgendwann werde ich die 500 erreichen. Und vermutlich noch immer weitermachen. An einigen Stellen, vielleicht auch im Keller, den ich in den letzten Jahren Xmal aber eben in den vergangenen Wochen noch nicht ausgemistet habe, werde ich womöglich die Methode der Beraterin Marie Kondō anwenden. Beim Aussortieren rät sie dazu, in Kategorien vorzugehen und alle Mitglieder der Kategorie, die sich im Haus befinden, an einem Ort zusammenzutragen. So beginnt man die Arbeit dann mit einem Haufen aller Bücher oder aller Küchenutensilien. Der dann folgende Auftrag ist, den Haufen in einem Rutsch abzuarbeiten, indem man sich bei jedem Gegenstand fragt, ob er "einem Freude bereitet". Alles, was diesen Test nicht besteht, muss raus. Während mir das für die meisten Bereiche zu rabiat und auch nicht sehr realistisch erscheint, wäre es für die Kisten mit Weihnachtsdekoration vielleicht ganz sinnvoll.

Was ich beim Aussortieren allerdings auch immer deutlicher lerne und über mich selbst erkenne, ist, dass ein plötzlicher Verlust von Dingen oder ein deutlicher Rückgang der Vorräte (z.B. Gesichtscreme oder insbesondere Katzenfutter) tatsächlich mitunter ein regelrecht nagendes, irrationales Gefühl der Unsicherheit und sogar Armut, aber auch des Verlassenseins erzeugen kann. Darum füllen sich hier bei mir Lücken auch immer wieder so schnell. 

Andererseits habe ich einen  Horror vor "dunklen Ecken" (z.B. hinterm Klo oder unter dem Waschbecken in der Küche) und vor der Ungewissheit über die Inhalte von Behältnissen...darum auch der weiterhin andauernde Prozess, alles mit Etiketten zu versehen. 

Mitterweile bin ich zu dem Schluss gekommen, das ich schlicht ein diffiziles Gleichgewicht erreichen (noch lange nicht da) und dann erhalten muss. Und obwohl ich mich viel mit Minimalismus in der Lebensgestaltung beschäftigt habe und die Idee wirklich attraktiv finde (ich war schon vor über 10 Jahren eine begeisterte Leserin von Küstenmachers "Simplify Your Life"), ist sie vermutlich nicht gut für mich. Und ehrlich auch unmöglich.

Ebay 

...war früher besser. Da - ich hab's gesagt. Ich bin eine nörgelige Omama, und ich habe ebay echt satt, nachdem ich den Service nach Ewigkeiten mal wieder und erst seit zwei Wochen genutzt habe. Ich finde die Seite, ihre Menüpunkte, Führung und Abfolge zum Teil erstaunlich unübersichtlich, unlogisch und sie scheint technisch ohnehin oft am Rande des Zusammenbruchs vor sich hinzuschlottern. Aber vielleicht hatte ich auch nur sehr viel Pech.

Dann war da noch das Ärgernis, dass von bisher sieben Verkäufen zwei nicht zustande kamen, weil die Käufer ihre Rechnung nicht mehr bezahlt haben. Das war mir in den zehn Jahren davor noch nie passiert. Hm, moderne Zeiten...

Konsumstreik

Obwohl ich nun schon das letzte 30-Tage-Selbstoptimierungsprojekt nicht wirklich zufriedenstellend abgeschlossen habe, spiele ich mit der Idee, schon wieder eine weitere Herausforderung anzunehmen. Diesmal geht es darum, für dreißig Tage nichts zu kaufen, bzw. kein Geld für irgendetwas auszugeben, das nicht zu den fixen monatlichen Kosten (Miete, Versicherungen, etc.) gehört. Also...für fast nichts. Es ist sehr wohl zulässig, ein paar Einschränkungen zu machen, damit das Leben nicht gar zu unerträglich wird. Ich würde hier weiter Klopapier, Katzenfutter, Cola Light und Benzin auf der Einkaufsliste erlauben. 

Abgesehen davon müsste ich aber tatsächlich Vorräte aufbrauchen und verzichten. Das würde mit einer Klatsche gleich mehrere Biester erwischen. Ich sollte wirklich sparen, und würde es im Zuge dieses Experiments zwangsläufig tun. Ich muss Sachen aufbrauchen, um alte Bestände loszuwerden und mich weniger eingeengt zu fühlen, und das würde ich auf diese Weise schaffen. Außerdem käme, wenn alles glatt läuft, kein neuer Kram dazu. Und ich würde mir mal wieder vergegenwärtigen, mit wie viel weniger ich auskommen kann, wenn ich muss / es mir fest vornehme. 

Ein Hauptgrundsatz bei der Umsetzung dieses Projektes ist natürlich, dass man spontan beginnen muss. Ohne Vorbereitung und selbstverständlich ohne vorherige Hamsterkäufe für die Vorratskammer. Und darum beginne ich...jetzt.

NH


Sonntag, 10. Mai 2015

Follw me around 23: Warenausgabe

UFO-Regen

Das schlimmste Chaos ist im Kopf. Und der schlimmste mentale und gleichzeitig zumeist physische "Clutter" sind alte und auf unbestimmte Zeit aufgeschobene Handwerks- oder Kunstprojekte. Ich selbst dachte, ich wäre so gut wie durchorganisiert. Und ich besaß ganz bewusst noch immer vier sorgfältig gepackte und markierte "Kunstkisten" in der hintersten Ecke der Abstellkammer - mit Farben und...Kram. Der irgendwann irgendwie verwendet werden sollte. Unverwirklichte Ideen, die Raum im Gehirn UND in der Wohnung besetzen, belasten und engen sozusagen doppelt ein.

Am Freitagabend stand ich vor den Kisten und begriff plötzlich dieses: Im Umgang mit aufgeschobenen, energiefressenden Projekten, die so viel Platz aufbrauchen, gibt es ab heute nur noch zwei Methoden: Jetzt machen. Oder aufgeben. Vermale die Farben, bevor sie vertrocknen oder sich zersetzen. Mach endlich was mit dem restlichen Zeugs, oder wirf es weg.

Am Samstagmorgen fuhr ich zu Bösner (Großhandel für Kunstbedarf), um die nötigen Leinwände zu kaufen. Bösner ist immer gefährlich für mich...also im Hinblick auf ungeplante Ausgaben und das Füllen meines Heims mit neuem Kram. Gefährlicher als Schuh- und Buchläden zusammen. Bösner ist nun einmal voll mit Stiften, Tuben, Pinseln, Papier, Zeitschriften, Büchern, Rahmen und Skizzenblöcken, die ich alle unbedingt will. Das Geschäft mit nur den Leinwänden wieder zu verlassen, habe ich auch diesmal nicht geschafft. Achtung, es folgt ein Haul. Zu meiner Verteidigung - er besteht aus hauptsächlich flachen Dingen. Man kann das alles gut stapeln...


Die Liste der Gegenstände, die ich in meinem davor bereits mehrmals aussortierten Kunstfundus bis gestern gehortet habe, ist noch immer lang: Federn, Stoffblumen, Plastikspielzeug, Totenköpfe, hautfarbene Luftballons (die gibt es ja schließlich nicht so oft - siehe unten), Muscheln, Drähte, Schläuche, Glitzerstaub, amerikanische Flaggen, Plastikplättchen (siehe oben) Knetmasse, noch mehr Glitzerstaub, Regen-Capes für den einmaligen Gebrauch...ja, auch das.

Ausräum- und Organisationsexperten raten bei emotionalem Clutter ja gern mal dazu, ein Foto vom fraglichen Objekt zu machen, um sich dann besser davon trennen zu können. So habe ich es vor Jahren bereits mit Teilen meiner Schuhsammlung gemacht. In diesem Falle dachte ich, man könnte auf diese Weise den Kunst-Clutter auch gleich zum Werk machen, für das er ja eigentlich auch vorgesehen war.

Mit Lippenstiftspuren.







Zwei der Leinwände (80x100 cm) haben nun schwer zu tragen. Obwohl ich nach den beiden folgenden Bildern auch Schluss gemacht  und beschlossen habe, den Rest der Farben zu verschenken. Ich habe bemerkt, warum die Kunst in Kisten lag. Das Malen strengt mich an, weil ich es im Augenblick gar nicht mehr so dringend will. Jedenfalls nicht unter den aktuell gegebenen Bedingungen.

Malen, besonders, wenn es großformatig ist, bedeutet, dass das Wohnzimmer zum Atelier wird. Man kann nicht mehr gerade durchs Zimmer laufen, sondern muss ständig ausweichen. Man fühlt sich unter Zeitdruck, weil man eben im Anschluss nichts liegen lassen kann, um später weiter zu arbeiten, wenn man seinen Wohnraum in absehbarer Zeit wieder als solchen nutzen will. Malen macht Dreck. Und ich arbeite in letzter Zeit so hart daran, Flächen frei und sauber zu halten, dass mir das Auflösen der Kisten durch Verarbeitung der Materialien vorkam, wie ein gewaltiger und fast gewaltsamer Rückschritt. Wenn ich irgendwann wieder malen will, brauche ich dafür einen anderen Ort. Das steht fest.

Zwischendrin wurde ich richtig wütend auf den Kater, als er durch die nasse Farbe wanderte. Ich kreischte entnervt. Er war für ca. zwei Stunden beleidigt und sprach nicht mehr mit mir (kein Witz, der Kater erzählt mir für gewöhnlich immer was, wenn er oder ich nach Hause kommen).





Obwohl ich mit den beiden Arbeiten am Ende gar nicht so unzufrieden war, wie zwischendurch (das erste wollte ich beinahe mittendrin wegwerfen), sprach mir die dritte gestern vermutlich doch am meisten aus der Seele.


Während die meisten Gegenstände nach ihrem Fototermin in die Tonne wanderten, durften diese vier danach doch bleiben. Ich finde sie einfach zu schön. Ganz ohne zukünftiges Projekt. Nun...vielleicht, um jemanden nass zu machen...



NH

© Candybeach.com 2014


Freitag, 3. April 2015

Follow me around 21: Schon wieder Ostern

Ich war tatsächlich im Keller und - dank neuerdings durchgehender Beschriftung - erfolgreich bei der Eierjagd. Und meinen Lieblingsosterhasen habe ich obendrein (fast) auf Anhieb gefunden. Das war im letzten Jahr noch anders und sehr viel anstrengender.

Trotzdem wurde mir klar, dass drei Osterkisten (und sieben mit Weihnachtsdekoration) schlicht noch immer zu viel und emotional gar nicht mehr nötig sind. Das bedeutet, dass der Keller noch einmal ausgeräumt und -sortiert werden wird. Es kribbelt regelrecht in meinen Fingerspitzen, bei dem Gedanken, mich noch einmal durch den Bestand an Erinnerungen und Dekorationen zu graben und mich gegebenenfalls endlich zu verabschieden. Das wird ein Fest!


Macht Euch schöne Tage!




© Candybeach.com 2015

Sonntag, 29. März 2015

Küchenpsychologie

Die Strategie, die Küche (fast) gar nicht mehr zum Kochen zu nutzen, funktioniert. Seit ich mein Essen in den meisten Fällen nur noch auspacke und auf einen Teller lege, bleibt die Küche chaosfrei. Alles, was dreckig wird, kommt sofort in die Spülmaschine. Das ist die Regel - die Arbeitsoberfläche muss immer gleich freigeräumt werden, und im Spülbecken darf nichts über Nacht liegen bleiben.

Das klappt jetzt sogar mit den Katzentellern. Corbi hat sich plötzlich geweigert, von Papiertellern zu fressen, aber ich komme klar. Auch im Kopf und in der Seele wird es klarer, ohne die Kämpfe mit der Küche und bei der Nahrungszubereitung im Nacken. Ich esse Salat. Und Obst. Und Cracker. Und Dosensuppen.

Durch die Vorgabe, dass nicht wirklich gekocht werden kann, fallen außerdem viele mögliche Einkaufsüberlegungen und -entscheidungen  automatisch weg. Und man spart enorm viel Zeit. So viel Zeit, dass ich meine gebeutelte Küche nach langer Zeit mal wieder auf Hochglanz poliert habe. Was hat mich eigentlich geritten, als ich mir vor ca. 4 Jahren eine Küche in tannengrünem Lack kaufte? Ich fand sie schön. So einfach war das. Und hatte ich hatte schlicht keine Ahnung, dass ich mich mit ihrem Erhalt aus so verrückten Gründen so schwer tun würde. Aber jetzt spiegelt sich der Garten wieder in den Schranktüren.

Die Küche nach dem letzten großen Aufräumen am 15. März.
Die Küche am 21. März. Hier ist keine Aufräumaktion mehr vorangegangen.
Die Küche am 27. März.

NH

Sonntag, 11. Januar 2015

Follow me around 13: Die Ordnung während des Sturms

Für jeden Gegenstand einen Platz, und jeder Gegenstand an seinem Platz - fast fertig!


Ich habe ja schon geschrieben, dass das Organisieren meiner Wohnung im letzten Jahr und zuletzt auch noch über die Feiertage eine wirkliche Verbesserung und Erleichterung für die Bewältigung meines Alltags und meine Zufriedenheit bedeutet. Ich liebe es, zu wissen, wo alles ist und was wo drin ist. Ich finde es wunderbar, jetzt jeden Gegenstand, der hier mit mir wohnt, auch zu kennen. (Kontrollfreak, der ich nun einmal bin.) Das heißt beileibe nicht, dass meine Wohnung jetzt leer ist. Ich habe herausgefunden, dass es nicht Leere ist, die ich brauche. Ich brauche strukturierte Fülle. Wenn ich zu sehr ausdünne, füllt sich das Regal fast wie von selbst wieder mit Dingen, bzw. es entsteht das überstarke, quälende Bedürfnis, einen Eisbären aus Meissener Porzellan und eine solarbetriebene Winkekatze hineinzustellen. Jojo-Diäten im häuslichen Bereich nach Ausmistaktionen sollen keine Seltenheit sein, habe ich mir sagen lassen. Also lässt man lieber wohlgeordnet gleich etwas stehen, was man mag.

Eine Freundin sagte, die Videos amerikanischer Declutter- und Organisationsexpertinnen, die man bei YouTube in Mengen finden kann, machen ihr regelrecht Angst. Ich kann das durchaus verstehen. : ) Das mit dem Organisieren des Haushaltes und ALL der Dinge, die sich darin befinden, kann süchtig machen. Und fanatisch. So wie alles eben. Und dann hat man natürlich gleich wieder das nächste Problem. Man hat immer noch bessere Ideen. Und man findet noch immer schönere Körbe oder Dosen oder Ordner. Und man muss ohnehin noch alle handgeschriebenen Schilder durch gedruckte ersetzen. Und eigentlich könnte man immer Keller ja auch gleich noch einmal durch alles durchgehen, denn vielleicht hat sich das Verhältnis zu bestimmten Gegenständen in den letzten Monaten schon wieder komplett geändert, und es könnte noch mehr weg...irgendwann muss man es auch wieder gut sein lassen. Ich habe ja sogar eine neue Arbeitstasche, sowie eine neue Kosmetiktasche für unterwegs angeschafft - mit mehr und größeren, viiiel besseren Fächern. Ich habe meinen Kühlschrank in Sektionen unterteilt. Und ich habe die Füllung aus Kissen genommen, die Hüllen gefaltet und sie fein säuberlich weggelegt. Die Kissenberge wurden einfach zu hoch. Und ja - ich habe neuerdings "Organisations-Clutter". Behälter ohne Einsatzort. So kann es gehen. Mein Projekt ist fast abgeschlossen. Das muss ich jetzt begreifen, und mich, mal wieder im Leben, disziplinieren. Nur noch ein paar Kabel müssen geordnet und beschriftet werden. Und da sind noch einige alte Akten, die aussortiert werden sollen.

Basis-Schlachtplan für ein organisiertes, vereinfachtes Zuhause

1. Aussortieren/Sichten: Das ist mitunter ein langer Prozess und viel Arbeit. Auch emotionaler Art. Und ich weiß wirklich wovon da die Rede ist. Expertinnen raten, bei jedem Gegenstand einen kleinen Fragenkatalog abzuklopfen: Brauchst du den Gegenstand? Benutzt du den Gegenstand regelmäßig? Ist der Gegenstand einer deiner Lieblinge/magst du ihn sehr? Wenn die Antwort auf alle diese Fragen immer wieder "Nein" ist, sollte der Gegenstand natürlich weg. Daran habe ich mich offenbar nicht ganz gehalten. Manchmal verwischen halt auch die Linien. Und was heißt schon "brauchen"?

Beim Wegschmeißen sollte man in der Hitze des Moments aber auch nicht unangemessen streng zu sich sein - es gibt Dinge, an denen hängt man eben einfach. Und wenn sie halt nur bis in alle Ewigkeit in einer Schachtel im Schrank liegen werden. Dann wiederum behält man andere Dinge, die man nicht mag, weil man sich schuldig fühlt: "Das war ein Geschenk von..." oder "Das war aber so teuer...". Das sind aber natürlich keine guten Gründe, um etwas zu behalten, das einem das Leben und den Alltag zumüllt, oder einen immerzu ärgert, wenn man es sieht.

Mitunter muss man auch Projekte aussortieren und aufgeben: Man wird die alte Kaffeemaschine nicht mehr reparieren. Punkt. Sie kann weg und aus dem Weg. Ich selbst musste begreifen, dass ich mein Parkett nicht mehr abschleifen und wachsen werde. Also, jedenfalls nicht in den nächsten Jahren. Kann der Kanister mit dem Hartwachs-Öl auch endlich aus der Abstellkammer. Dafür habe ich das Dutzend Hosen, das ewig herum lag, weil sie alle zu lang waren, endlich zur Schneiderin verfrachtet, damit ich sie noch mal anziehen kann, bevor sie mir zu weit werden. Die drei Kisten mit Sachen für den Flohmarkt stehen allerdings noch immer da im Flur herum. Inzwischen hat Corbi sie zu seinem Hochsitz erklärt und ich habe ihm eine Decke draufgelegt. Er wird sie vermissen, wenn sie gehen. Vielleicht wird es dann Zeit für einen neuen Kratzbaum. Es gibt halt auch hässlichen Kram, der wirklich notwendig ist.

Dinge zu verschenken oder zu spenden, ist natürlich befriedigender, als wegzuwerfen. Ich selbst habe über die Jahre oft Dinge hierher gebracht: Oxfam.

2. Ist alles, was ich regelmäßig brauche, leicht zugänglich? Kann ich die täglichen Abläufe im Haushalt vereinfachen, wenn ich Dinge umräume oder anders organisiere?

3. Schubladen, Regale und Schränke durch Unterteilung strukturieren.

4. Platz gewinnen durch stapelbare Behältnisse.

5. Alles schneller finden durch Beschriftung.

6. Gibt es Flächen, die immer frei bleiben sollen oder müssen?

7. Optische Einheitlichkeit beruhigt und schafft Ordnung fürs Auge.

8. Möglichst kaum etwas Neues mehr ins Haus lassen, das nicht automatisch und in absehbarer Zeit aufgebraucht wird, so wie z.B. Kaffee, Klopapier und Deo.

Eine einfache Übung wird auch das nicht. Aber wenn es einfach wäre, würde es ja auch jeder machen. Spaß beiseite...es verhält sich mit Krempel und Organisation natürlich so, wie es eigentlich mit allem sein sollte. Nur wenn er einen wirklich stört, einen einschränkt und daran hindert, ein schönes Leben zu führen, muss man sich auch daran machen, ihn zu bearbeiten. ; ) Bei mir war es so. Ich glaube, jetzt ist es ok.



Was vom Make-up übrig blieb.



Schilder helfen dabei, sich an die neue Ordnung auch zu halten.




NH

Freitag, 5. Dezember 2014

Follow me around 11: Unboxing

Im Zuge meines Organisierungs- und Aussortierungs-/Trennungsprojekts habe ich nun die Kiste geöffnet, in der ich die übrig gebliebenen Kosmetika meiner Mutter bis heute aufgehoben habe. Nein, gefilmt habe ich das "Unboxing" nicht, obwohl es ja angedacht war. Mir ist bewusst, dass das Aufbewahren von Hustenbonbons und benutzter Seife einen morbiden Hauch mit sich trägt. Aber es war meine Art, zu trauern. Bis jetzt, denn heute ist es Zeit für die meisten der Gegenstände zu gehen. Weil ich bekanntlich so viel Platz brauche, wie ich mir nur erkämpfen kann - gedanklich und natürlich räumlich. Dass hier eine ganz klare Verbindung besteht, war mir ja schon immer klar. Aber erst jetzt lichtet es sich um mich herum so deutlich, dass ich den Effekt anhaltender Ordnung und Klarheit der Dinge zum ersten Mal so richtig zu spüren beginne. Und dabei bin ich noch lange nicht fertig damit, meine Vergangenheit zu bändigen und zusätzlich die täglichen Material- und Informationsschlachten zu koordinieren. Ich kann es gar nicht erwarten, zu erfahren, wie viel leichter das Leben dann wohl erst sein wird.

Was nun die Kosmetik-Box meiner Mutter angeht, so treffen keine der folgenden Kriterien, die einem eigentlich dabei helfen sollen, zu entscheiden, ob man etwas wegschmeißt oder nicht, auf ihren Inhalt zu: 1. Benutzt du es? 2. Brauchst du es? 3. Liebst du es? Ich benutze und liebe nichts aus der Box. (vielleicht mit Ausnahme des Lippenstiftes und des Lavendelwassers). Trotzdem habe ich nicht alles weggeworfen.Vielleicht könnte man am ehesten sagen, ich brauche den kleinen Rest einfach wirklich noch, um mich weiter zu verabschieden. Wie gesagt, ich bin ja noch längst nicht fertig...

Ist noch geblieben: die letzte Flasche des Eau de Toilettes. Meine Mutter war wie ich - 
sie wechselte selten im Leben den Duft.
Die Puderdose aus der Handtasche.Estee Lauder und nachfüllbar.
Uralter Lippenstift - und wenn ich "uralt" sage, dann  meine ich ca. aus den 60er Jahren. Von Revlon. Auch nachfüllbar. Ein Beweis, dass das Festhalten von Gegenständen in der Familie liegt.
Eine Cremedose von Avon - vermutlich auch aus den 60ern. Ich habe als Kind damit gespielt. Früher war mal eine Parfum-Creme drin - mit dem Namen "RAPTURE".
Lavendelwasser - ein Erbstück von meiner Großmutter. Ich habe mich nicht getraut, es zu öffnen.
Nagelschere - noch ein Erbstück von der Mutter meiner Mutter, war aber durchaus noch lange in Gebrauch in unserem Haushalt.
Lippenstifte - mit charakteristischen Abnutzungsformen.
Meine Mutter hatte (fast) immer rote Fußnägel.
Und ja - ihre Loyalität Dingen gegenüber war mitunter fast unendlich. Diese Klammern kamen in den letzten Jahren jeden Morgen beim Föhnen zum Einsatz.
Der Kamm.
Die letzte Dose Nivea.

Schlussendlich: Die kleine Box bleibt. Alles, was in der großen ist, geht.












NH

© Candybeach.com 2014