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Dienstag, 12. April 2016

Follow me around 45: Homestory





Was ich unter meinem Computer fand

2 Blaubeeren - halb matschig, halb vertrocknet.

Das Projekt, in dreißig Tagen 500 Gegenstände aus meinem Haushalt zu entfernen, ist zunächst einmal gescheitert. Die dreißig Tage sind seit 4 Tagen vorüber, und ich bin noch immer erst bei Gegenstand Nr. 243. Ich hatte mir das Ganze leichter vorgestellt. Aber das entmutigt mich nicht wirklich, denn ich werde einfach weiter Buch darüber führen, was rausfliegt, weil es einen dazu erzieht, genau hinzusehen, wo sich die Möglichkeit jeweils ergibt, den Haushalt auszudünnen. Und irgendwann werde ich die 500 erreichen. Und vermutlich noch immer weitermachen. An einigen Stellen, vielleicht auch im Keller, den ich in den letzten Jahren Xmal aber eben in den vergangenen Wochen noch nicht ausgemistet habe, werde ich womöglich die Methode der Beraterin Marie Kondō anwenden. Beim Aussortieren rät sie dazu, in Kategorien vorzugehen und alle Mitglieder der Kategorie, die sich im Haus befinden, an einem Ort zusammenzutragen. So beginnt man die Arbeit dann mit einem Haufen aller Bücher oder aller Küchenutensilien. Der dann folgende Auftrag ist, den Haufen in einem Rutsch abzuarbeiten, indem man sich bei jedem Gegenstand fragt, ob er "einem Freude bereitet". Alles, was diesen Test nicht besteht, muss raus. Während mir das für die meisten Bereiche zu rabiat und auch nicht sehr realistisch erscheint, wäre es für die Kisten mit Weihnachtsdekoration vielleicht ganz sinnvoll.

Was ich beim Aussortieren allerdings auch immer deutlicher lerne und über mich selbst erkenne, ist, dass ein plötzlicher Verlust von Dingen oder ein deutlicher Rückgang der Vorräte (z.B. Gesichtscreme oder insbesondere Katzenfutter) tatsächlich mitunter ein regelrecht nagendes, irrationales Gefühl der Unsicherheit und sogar Armut, aber auch des Verlassenseins erzeugen kann. Darum füllen sich hier bei mir Lücken auch immer wieder so schnell. 

Andererseits habe ich einen  Horror vor "dunklen Ecken" (z.B. hinterm Klo oder unter dem Waschbecken in der Küche) und vor der Ungewissheit über die Inhalte von Behältnissen...darum auch der weiterhin andauernde Prozess, alles mit Etiketten zu versehen. 

Mitterweile bin ich zu dem Schluss gekommen, das ich schlicht ein diffiziles Gleichgewicht erreichen (noch lange nicht da) und dann erhalten muss. Und obwohl ich mich viel mit Minimalismus in der Lebensgestaltung beschäftigt habe und die Idee wirklich attraktiv finde (ich war schon vor über 10 Jahren eine begeisterte Leserin von Küstenmachers "Simplify Your Life"), ist sie vermutlich nicht gut für mich. Und ehrlich auch unmöglich.

Ebay 

...war früher besser. Da - ich hab's gesagt. Ich bin eine nörgelige Omama, und ich habe ebay echt satt, nachdem ich den Service nach Ewigkeiten mal wieder und erst seit zwei Wochen genutzt habe. Ich finde die Seite, ihre Menüpunkte, Führung und Abfolge zum Teil erstaunlich unübersichtlich, unlogisch und sie scheint technisch ohnehin oft am Rande des Zusammenbruchs vor sich hinzuschlottern. Aber vielleicht hatte ich auch nur sehr viel Pech.

Dann war da noch das Ärgernis, dass von bisher sieben Verkäufen zwei nicht zustande kamen, weil die Käufer ihre Rechnung nicht mehr bezahlt haben. Das war mir in den zehn Jahren davor noch nie passiert. Hm, moderne Zeiten...

Konsumstreik

Obwohl ich nun schon das letzte 30-Tage-Selbstoptimierungsprojekt nicht wirklich zufriedenstellend abgeschlossen habe, spiele ich mit der Idee, schon wieder eine weitere Herausforderung anzunehmen. Diesmal geht es darum, für dreißig Tage nichts zu kaufen, bzw. kein Geld für irgendetwas auszugeben, das nicht zu den fixen monatlichen Kosten (Miete, Versicherungen, etc.) gehört. Also...für fast nichts. Es ist sehr wohl zulässig, ein paar Einschränkungen zu machen, damit das Leben nicht gar zu unerträglich wird. Ich würde hier weiter Klopapier, Katzenfutter, Cola Light und Benzin auf der Einkaufsliste erlauben. 

Abgesehen davon müsste ich aber tatsächlich Vorräte aufbrauchen und verzichten. Das würde mit einer Klatsche gleich mehrere Biester erwischen. Ich sollte wirklich sparen, und würde es im Zuge dieses Experiments zwangsläufig tun. Ich muss Sachen aufbrauchen, um alte Bestände loszuwerden und mich weniger eingeengt zu fühlen, und das würde ich auf diese Weise schaffen. Außerdem käme, wenn alles glatt läuft, kein neuer Kram dazu. Und ich würde mir mal wieder vergegenwärtigen, mit wie viel weniger ich auskommen kann, wenn ich muss / es mir fest vornehme. 

Ein Hauptgrundsatz bei der Umsetzung dieses Projektes ist natürlich, dass man spontan beginnen muss. Ohne Vorbereitung und selbstverständlich ohne vorherige Hamsterkäufe für die Vorratskammer. Und darum beginne ich...jetzt.

NH


Samstag, 22. März 2014

Beutezug*

Ja, ich habe mich über die Oberflächlichkeit klassischer Beauty-Blogs beschwert. Und ja, ich nehme sie mitunter nicht besonders ernst. Aber jetzt, wo ich eigentlich shopping-faste, habe ich plötzlich zumindest Gefallen daran gefunden, anderen beim Auspacken ihrer Einkäufe zuzusehen.

Um genau zu sein, habe ich Trisha Paytas auf YouTube entdeckt. Paytas ist eine runde, blonde Vloggerin mit Sitz in Kalifornien, und sie präsentiert fast täglich ein schrilles Konsumtheater, das schwer zu toppen ist. Außerdem haben wir beide den selben Lieblingsplatz: Beverly Center in Los Angeles. An sich sind ihre Hauls ebenso unbeabsichtigte wie absichtslose Kunstform. Sie sind eingebettet in eine Flut von mittlerweile über 900 Videos, die sie produziert hat. In vielen von diesen beschäftigt sich Paytas mit Religion, Politik, Beziehungsfragen sowie ihrer Sicht der Dinge im Allgemeinen. In ihren Haul-Videos könnte man den Eindruck bekommen, sie sei eine zwar überkandidelte aber im Grunde bodenständige, warme und gelegentlich fast selbstreflektierte junge Frau. Gräbt man sich weiter durch ihren Kanal, begreift man jedoch schnell, dass sie auch zutiefst verstört ist und sich zwischen religiösem Fundamentalismus und ihrer Lebensrealität als Ex-Pornodarstellerin/Prostituierte aufreibt. Sie verteilt die Fragmente ihrer persönlichen Tragödie in kleinen aber erschütternden Portionen zwischen ihren pinkfarbenen und quietschigen Abenteuervideos.

"My energy just comes from the mall." (Trisha Paytas)

Die meisten ihrer Werke handeln von Make-up, parfümierten Kerzen und Handtaschen, für die sie Tausende ausgibt. Paytas lebt fürs Einkaufen. Und davon. Denn Haul-Videos sind für die richtig erfolgreichen Vloggerinnen Big Business. Wer regelmäßig sechsstellige Klickzahlen mit seinen Filmchen erreicht, kann erstaunliche Einnahmen durch Werbung und Sponsoring erzielen.

In meinem eigenen und EINZIGEN kleinen Haul-Experiment für blutige Anfängerinnen sage ich, dass ich glaube, dass die Hauptattraktion von Hauls tatsächlich in den Geschichten liegt, die jemand über sich erzählt, wenn er andere in seine Einkaufstaschen gucken lässt. Der Hintergrund der Präsentation (oft das Schlafzimmer der Vloggerin) verrät eine Menge, ebenso wie die Vorliebe für bestimmte Produkte oder die Akribie und die besonders in Paytas' Fall offenbar werdende Besessenheit, Dinge in nutzlosen und erdrückenden Mengen zu erwerben. Zehn verschiedene Lippenstiffte sind vielleicht noch nützlich, einhundert sind es nicht mehr. Ich weiß, wovon ich rede. Und es ist diese im tiefsten Kern substanzlose Komplexität, die Paytas selbst zwischendurch immer wieder thematisiert, wenn sie über ihre "Kaufsucht" spricht. An einem bestimmt Punkt filmt sie eine große Menge von Einkaufstüten, deren Inhalt sie einfach nicht mehr ausgepackt hat - ihr fehlte dazu am Ende die Lust.

Dass ein Haul Produktinformationen liefert, scheint eher zweitrangig. Die Gründe für die große Beliebtheit dieser Videos dürften eher auf voyeuristischer Ebene zu finden sein. Viele Vloggerinnen entsprechen dieser Nachfrage durch konsequentes "Oversharing" ihrer Geschichten. Dass die Requisiten aus den Videos oft im nächsten Drogeriemarkt gekauft oder mit einem Klick im Internet bestellt werden und so auch von der Zuschauerin besessen werden können, füttert die Illusion einer besonders engen Verbindung und gemeinsamer Interessen. Und natürlich sind viele der "Beauty Gurus" auf Youtube verhältnismäßig leicht zugängliche "Berühmtheiten", die auf Kommentare und Tweets durchaus noch persönlich reagieren.

Black Friday ist der Freitag nach Thanksgiving und in den USA der wichtigste Einkaufstag des Jahres, denn er gilt als Auftakt für das Weihnachtsgeschäft. Laut Yahoo Shine wurden allein am letzten Thanksgiving-Wochenende 6000 Haul-Videos bei YouTube hochgeladen. Die Konkurrenz unter den beutejagenden Frauen ist im Internet also mittlerweile überwältigend groß - ebenso wie das interessierte Publikum.

*Mein Beutezug


Im Zuge der Vorbereitungen auf meinen "Haul" sind meine guten Vorsätze, nichts Unnötiges mehr zu kaufen, natürlich wieder aus dem Fenster geflogen. Allerdings ist Hauling auch keine Disziplin, in der ich es je zu großer Virtuosität bringen werde. Dafür fehlen mir für diese Art des Herzeigens das Herzblut und die Dringlichkeit. Ich mache lieber noch ein paar Fotos von mir in Unterwäsche - die geben (vermutlich) auch weniger preis. ; )

NH

Sonntag, 2. März 2014

You can't buy it

Retail Therapy*

Decke des Waterfront Food Courts

Es ging mir echt mies - und was habe ich gemacht? Ich habe mich ins Auto gesetzt und bin anderthalb Stunden nach Bremen gefahren. Nicht, um die Bremer Stadtmusikanten zu besuchen, sondern, um zu Primark im Waterfront-Einkaufszentrum zu gehen. Auf der Fahrt habe ich versucht, nicht zu denken. Und beim Einkaufen wollte ich das ebenfalls lieber vermeiden. Insbesondere so innere Nachfragen wie "Was willst du denn bitteschön damit?" sollten tunlichst unterbleiben.

Primark ist eine Art moderner Pilgerort. Vor allem für junge Frauen. In einem WELT-Artikel von 2012 heißt es: "Bye-Bye Popstars, hello Primark!" Es ist billiger als H&M. Aber natürlich kein bisschen weniger Pop - im Gegenteil. In großen, braunen Papiertüten wird die Beute von den riesigen Konsum-Schlachtfeldern geschleppt. Denn das ist es, was diese Läden sind. Und sie stehen für alles, was diesen Planeten irgendwann über die Klippe befördern wird. Wegwerfkleider. Vollkommene Skrupellosigkeit bei der Verschwendung von endlichen Ressourcen. Ausbeutung von Arbeiterinnen in Bangladesch. Zwar macht Primark Ethik im Hinblick auf den Umgang mit den Herstellern ihrer Produkte zu einem zentralen Thema auf der Firmenwebsite, aber ein T-Shirt für drei Euro ist in diesem Universum eines ganz sicher nicht - Fair Trade.

Das war mir alles klar, und trotzdem habe ich mich gezielt ins Getümmel geworfen, weil es meiner Stimmung entsprach und mir Fairness und die Umwelt total am Arsch vorbeigingen. Ich meine, wer in meinem Alter hätte als Teenager je geglaubt, dass er in nicht allzu ferner Zukunft mit Einkaufskörben durch Bekleidungsgeschäfte wandern und diese mit Kram beladen würde, der so billig ist, dass es sich kaum lohnt, ihn überhaupt anzuprobieren. Wobei mir das meiste bei Primark natürlich ohnehin nicht passt - die größte erhältliche Größe scheint 48 zu sein. Aber Schlüpper, Schuhe (vegan, weil Plastik), Schmuck und Schminke gehen ja irgendwie immer. Und so schleppte ich meine drei Tüten erst zum Auto und ging dann wieder zurück, um aufs Klo zu gehen. Die Toilettenfrau rief mir beim Verlassen hinterher: "Hab' noch einen schönen Tag, Schatz!" Ab da ging es mir endlich besser.

Das Ritual, das früher Shopping-Touren folgte, hieß bei mir zu Hause (also zwischen mir und meiner Mutter) "Schätze vorzeigen" - quasi die altmodische und sehr viel privatere Variante des auf Blogs heute so weit verbreiteten "Hauls". Man machte sich etwas Warmes zu trinken und setzte sich mit all seinen Tüten aufs Sofa. An die Hälfte der Einkäufe erinnerte man sich am Ende des Tages tatsächlich gar nicht mehr so genau, und es kam hin und wieder eine echte Überraschung zum Vorschein...ohne jemanden, dem man am Ende seine Neuzugänge vorführen kann, ist es nicht das Selbe.

Das teuerste, was ich bei Primark erworben habe (für 15 Euro), war etwas, das ich schon lange haben wollte - ein Paar glänzende, hautfarbene Platform-Pumps. Insgesamt hatte ich 37 Teile in meinen Papiertüten. Und das, nachdem ich erst so stolz darauf war, kistenweise aussortiert zu haben. Also nahm ich mir nach dem Ausflug zu Primark vor, doch mal wieder eine Fastenkur zu machen - eine Shopping-Fastenkur, wie sie Isis Unveiled hier auch vorschlägt. Und weil ich am Freitag schon wieder rückfällig geworden bin (siehe unten), werde ich ab jetzt noch einmal anfangen. Keine neuen Kleider mehr für wenigstens zwei Monate, denn ich habe von allem genug. Und dank der fettakzeptierenden Umstrukturierung meines Kleiderschrankes, passt mir das alles sogar. Ein Umstand, der mir übrigens noch immer wie ein Wunder vorkommt. ; )

Der Nude-Schuh



No more nasty knickers**

Am vergangenen Valentinstag hatte ich nichts vor. Also ging ich los, um mir Unterwäsche zu kaufen - so als ob ich etwas vorhätte. Der Plan war gar nicht so einfach umzusetzen. Weil es halt nach wie vor ohnehin nicht leicht ist, große Größen in regulären Geschäften zu bekommen. Ich finde ja z. B. die Wäschekollektion von Dita von Teese ausgesprochen schön, aber natürlich kann man mit einer Größe 52 und einer H-Cup davon nur träumen. Und muss halt auf sein Glück hoffen. Ich wurde in der Boutique Bizarre auf der Reeperbahn fündig, aber das eher zufällig, da die nicht anwesende Geschäftsführerin "es eigentlich nicht schön findet, wenn zu viel in großen Größen herumhängt". Die Verkäuferin bedauerte dies und war ausgesprochen freundlich - und hätte mir einen ganzen Haufen transparenter Spitzenunterwäsche in Pink und Grün und Beige verkaufen können - wenn sie sie denn im Angebot gehabt hätte...



In der Darkside Boutique (auch Reeperbahn) ging man eher therapeutisch an die dicke Frau heran. Der Verkäufer bot an, mir dabei zu helfen, das zu finden, was in meiner Größe überhaupt im Laden vorhanden sei - damit ich mich nicht "totsuchen" müsse. Denn schließlich sei ich ja gekommen, "um etwas Schönes für mich zu kaufen". Ganz offenbar wirkte ich auf ihn, wie eine verwirrte Reisende vom Planeten der fetten Mauerblümchen. Ich erklärte ihm dann, dass das, was ich bräuchte eben jene pofreie, grüne Bloomer-Unterhose am Ständer dort drüben sei - in meiner Größe. Hatte er nicht. Natürlich nicht. Strapsgürtel in 52 und dazu noch in einer anderen Farbe als Rot oder Schwarz? Hatte er nicht. Vielleicht die Kollegen im anderen Laden im Erdgeschoss. Wenigstens ein Paar strassige Handschellen? Hatte er nicht. Vielleicht die Kollegen unten.Wohlgemerkt - die Darkside Boutique wirbt auf ihrer Website damit, ein auch für runde Kundinnen ergiebiges Angebot zu haben. Aber die "Kollegen unten" hatten in der Tat mehr in großen Größen. Und mehr Licht. Und mehr Humor. Und ja, die Wäsche kriegt auch noch jemand zu sehen. ; ) .

In der Phase in meinem Leben, in der ich mein Höchstgewicht erreicht hatte und jeder Gang vor die Tür gefühlsmäßig eine Mutprobe bedeutete, ging ich so gut wie nie einkaufen. Ich kaufte insbesondere keine neuen Hosen mehr. Meine Schenkel allerdings zerrieben die, die ich besaß, in ziemlich kurzer Zeit. Aus anfänglich dünnen Stellen wurden bald faustgroße Löcher, manchmal mit augeribbelten, harten Rändern, die beim Aneinanderschaben der Beine noch zusätzlich die Haut aufrissen. Ich lief nicht selten mit offenen Wunden durch die Welt. Geduckt, mit dem Wunsch, einfach unsichtbar zu werden und gleichzeitig mir übermäßig bewusst, dass ich existierte - durch den schneidenden Schmerz bei jedem Schritt.

Manchmal zog ich die Löcher mit ein paar großen Stichen provisorisch zusammen, so dass sich wieder Schorf über den unter dem Stoff liegenden Abschürfungen bilden konnte. Wenn die Fäden rissen, fing alles von vorne an. Ich weiß heute, dass das eine von mir selbst verordnete Bestrafung war. Ich hasste meine Körper und in letzter Konsequenz mich selbst so sehr, dass ich für eine ziemlich lange Zeit keinerlei Anstalten machte, das Elend endlich zu beenden. Aus meiner Sicht verdiente ich die Schmerzen und die Peinlichkeit, in zerfledderten Hosen herumzulaufen, weil ich eine hässliche, disziplinlose Versagerin war. Ich verdiente nichts, was das Leben in diesem monströsen, ekelhaften Körper hätte erleichtern können.

Klar, irgendwann begann ich dann doch, mir wieder öfter heile Hosen zu kaufen, weil ich schließlich im Leben trotz allem irgendwie funktionieren musste, und weil es natürlich unangenehm ist, wenn andere einem auf die blutigen Schenkel und die Unterhose gucken können. Aber ich ertappte mich im Laufe der Zeit immer wieder mal dabei, die kaputten Hosen nicht früh genug auszusortieren. Erst als ich vor ungefähr zwei Jahren meine Selbst- und Fettakzeptanz-Reise antrat, SCHWOR ich mir an einem bestimmten Punkt, dass mir das nie wieder passieren würde - ich würde nie wieder wundgeschrabbelte Stellen an den Oberschenkeln haben.

Seitdem kaufe ich regelmäßig neue Hosen - mehr, als ich brauche. Bisher habe ich sie allerdings meistens nicht anprobiert. Sie wurden im Laden einfach auf Verdacht mitgenommen oder im Internet bestellt - und dann aus Zeitmangel in den meisten Fällen schlicht behalten. (Auch so ein eigenartiges, schwer abzuschüttelndes Verhalten aus meinen Zeiten als unglückliche Dicke: Ich habe Umkleidekabinen in dicken Phasen weitgehend gemieden.) Das hat mitunter noch immer dazu geführt, dass ich zwar Hosen trage, die zwischen den Beinen heil sind, aber trotzdem nicht gut sitzen und darum eher unbequem sind. Am Freitag habe ich nun Hosen anprobiert, bevor ich sie gekauft habe. Und das tue ich ab jetzt immer. Das war eine notwendige Übung, und dafür habe ich auch mein Fasten unterbrochen. Hier schließt sich übrigens noch eine Reihe von weiteren, verwandten Entschlüssen an: Keine ungemütlichen oder unhübschen Unterhosen mehr! Keine BHs mit ausgeleierten Trägern mehr! Keine zu kleinen Schuhe mehr! Nichts, was den ganzen Tag zwickt oder kratzt! Naja...mit einer Ausnahme ; ).


Die Katze im Sack!

*Einzelhandelstherapie
**Keine scheußlichen Unterhosen mehr

NH