Posts mit dem Label Dinge werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Dinge werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 17. Juli 2020

Krempelgespräche Teil 1

Eigentlich sollte es ein Video über den Kampf gegen die Dinge sein, der einfach nicht endet - aber eigentlich ist es wohl mindestens ebenso ein Katzenvideo geworden. Damit müsste es dann ja eigentlich auch sehr viel häufiger gesehen werden, als all die anderen.

Obwohl ich ihn im letzten Winter unter dem Eindruck des Erfolgserlebnisses in meinem Keller ausgerufen hatte - den großen Sieg - ist klar, dass ich mich zu früh gefreut hatte. Das Problem ist, dass noch immer zu viel seinen Weg in meinen Haushalt findet, das da gar nicht erst sein sollte. Während also Aussortieren in großem Stile nicht mehr das Hauptthema ist, geht es nun darum, Dinge gar nicht erst aufzunehmen und dann naturgemäß wieder verwalten und abwickeln zu müssen. Die genaue und kleinschrittige Auseinandersetzung mit einzelnen Gegenständen dient nach wie vor der Analyse und Betrachtung der emotionalen und gedanklichen Blockaden, die eine immer wieder daran hindern, sich schneller von Krempel zu lösen, was regelmäßig dazu führt, dass der Erhalt der Erfolge und Bemühungen der letzten Jahre in Gefahr gerät. Clutter-Jojo - the struggle is real!

Einen Teil 2 wird es noch geben, dafür wird schon neues Material gesammelt, was noch immer nicht besonders schwierig ist. Ich hoffe aber, dass ich dann selbst endlich genug von diesem Projekt gelernt habe. ICh WILL einfach endlich fertig sein. Und das nicht mit den Nerven. Allerdings ist da ja noch die Garage...





NH


Vielleicht braucht ihr ja frischen Lesestoff :) - den gäbe es hier:

Mittwoch, 2. Oktober 2019

Decluttering: Handtaschenreport

Anders als früher, habe ich diesmal unter dieser Rubrik nicht nur meine Handtasche gelehrt und aufgeräumt (obwohl ich das auch mal wieder tun könnte), sondern mich mit meinem gesamten Taschenbestand beschäftigt. Das war langwierig - das entstandene Video ist fast eine Stunde lang. Aber es war auch für mich interessant, den "Trennungkampf" noch einmal von außen beobachten zu können. Das schwierige, innere Verhandeln für und wider einen Gegenstand, den ich oftmals seit Jahen nicht gesehen, geschweige denn benutzt habe. Es hängt noch immer so viel an den Dingen. Insbesondere die Handtaschen meiner Mutter waren eine Herausforderung. Denn hier ging es insgesamt um die letzten Überlebenden - ich weiß, ich werde nicht müde, es zu betonen, aber ALLES, was ich besitze ist bereits viele Male bearbeitet worden im Kampf gegen die Dinge.

Eigentlich sollte 2019 dieser Kampf ja beendet werden. Ein für alle Mal. Dummerweise wird das Jahr langsam kurz und der Angriff auf den Keller ist noch nicht einmal gedanklich groß begonnen worden. Das Ziel aber bleibt. Ich gebe mich erst zu Silvester geschlagen und verspreche, das nächste Vlog kommt aus eben jenem Keller.

Bis dahin - hier ist mein Taschenfilmchen:




NH



MEHR LESESTOFF GIBT ES HIER:




Mittwoch, 12. Juni 2019

Decluttering: Haben Sie auch so ein Problem mit Anthropomorphismus?



Seit Beginn des Jahres habe ich 639 Dinge aussortiert. Regelmäßige Leserinnen wissen, dass es über die letzten Jahre tausende und seit meiner Kindheit Zehntausende Dinge waren, mit denen ich mich auseinandersetzen und über die ich Entscheidungen fällen musste, weil die Dinge sich immer und immer wieder ausgebreitet haben, wie eine massige Hydra über deren schnarchende Köpfe man pausenlos stolpert und im eigenen Zuhause einfach nicht vorankommt. Mit dem Putzen nicht. Mit der Selbstorganisation nicht. Mit Entspannung und Freude nicht. Denn Dinge im Übermaß erzeugen Stress. Das ist wissenschaftlich untersucht worden und stimmt tatsächlich für Frauen mehr als für Männer.

Mir wurde bereits mein Kinderzimmer regelmäßig zu voll und zu unübersichtlich. Vor allem die Bücherregale quollen in Blitzgeschwindigkeit immer wieder über, nachdem ich eingeschult worden war und richtig lesen konnte. Erst packte ich den Überschuss in Kisten und lagerte diese im Keller. Später wurden regelmäßig Dinge gespendet. Oder auf dem Flohmarkt angeboten.

Oh, die Zahl der Flohmärkte, auf denen ich in meinem Leben herumgesessen habe. Oh, die Sonntage, an denen man um vier Uhr aufsteht, um sich am Zielort mit anderen VerkäuferInnen über die Platzvergabe zu streiten. Oh, die Hitze, der Regen, der Wind, die alles durcheinander bringen...und oh, die Erleichterung bei jedem Teil, das den Tapeziertisch im Austausch für einen Minimalbetrag verließ. Finanziell lohnte sich das Ganze selten. Unterhaltsam war es zumeist weniger als anstrengend und ärgerlich. Die letzten Male bin ich mit übereifrig und verbissen um Centbeträge handelnden KundInnen zunehmend regelrecht aneinandergeraten. Tatsächlich habe ich ihnen Gegenstände aus der Hand genommen und ihnen erklärt, ich würde das Ding lieber der nächsten, die es will schenken, als es ihnen zu überlassen. Ich sah ein, dass das ein sicheres Zeichen dafür war, diese Phase meines Lebens endgültig abzuschließen. Keine Flohmärkte mehr. Jedenfalls nicht hinter dem Verkaufstisch.

Ohnehin war der Flohmarkt immer nur eine von einer Reihe mehr oder weniger erfolgreicher Strategien, Dinge, die man für wertvoll hielt, nicht kampflos und umsonst dem roten Kreuz zu überlassen. Dabei setzte sich der empfundene Wert in der Regel zu verschiedenen Anteilen aus emotionalen und echten monetären Erwartungen zusammen. Schließlich hatte man für den Pullover selbst 80 Euro bezahlt. Damals vor zwanzig Jahren. Weil er so schön orange und kuschelig war, und man sich damit im Winterurlaub in einer verschneiten Hütte visualisiert hatte. Nun war er ungetragen, der Traum dahin, der Kleiderschrank viel zu voll und der Pullover nichts mehr wert. Wenn man sowas tausendmal aushalten und dann einen Entscheidung über die Gegenstände fällen muss, kann das schon ganz schön schlauchen.

2009 war das Jahr der großen Flut der Dinge, denn da starb meine Mutter. Ich erbte den Inhalt eines mittelgroßen Hauses voll mit Dingen und verbrachte über zwei Monate vor Ort, um sie zu sichten und zu sortieren. Jeder Gegenstand in dem Haus ist durch meine Hände gegangen, bevor über sein Schicksal entschieden wurde. Und während das Haus meiner Mutter überhaupt nicht unordentlich oder vollgestopft gewirkt hatte, wurde sehr schnell klar, was für Geheimnisse Schränke und Abstellräume im Zaum gehalten hatten.

Eigentlich dachte ich am Ende, dass ich gar nicht so viel von ihr behalten hatte - bis die Umzugsleute weg waren und der Rest des Nachlasses meiner Mutter mein gesamtes Wohnzimmer von Wand zu Wand (und bis zur Decke) füllte und nur noch ein sehr schmaler Gang bis zu Fenster freigeblieben war. Am Abbau dieser Festung aus Sachen arbeite ich bis heute. Ich musste meinen eigenen Haushalt verkleinern, um ihren (und zum Teil den meines Vaters) zu integrieren. Trotzdem war der Kram noch immer zu viel für den Platz, den ich hatte und habe. Und der Kram, der alles verstopfte, war, selbstverständlich, hochemotional besetzt. Habe ich eigentlich schon einmal erwähnt, dass ich noch Tupperware aus den Sechzigern besitze?

Wie dem auch sei - 2019 wird das Jahr sein, in dem ich den Kampf gegen die Tyrannei der Dinge gewinne. Eine Niederlage kommt nicht in Frage. Ende 2019 werde ich in einer klar strukturierten, organisierten Wohnung wohnen, die leicht zu managen ist und in der keine Schublade klemmt, weil sie zu viel enthält. Ich werde in meinen Keller hineingehen können, und einfach so das finden, was ich brauche. Und ich werde Kleider auf ihren Stangen locker hin und her schieben können.

Dass das weiterhin eine schwierige Angelegenheit ist, die mit viel Seelensuche, Selbsterkenntnis und Verhaltenssteuerung einhergeht, ist klar. Ich habe noch einmal ein Video dazu gedreht - in dem rede ich auch über Anthropomorphismus und darüber, dass der nichts als Scherereien macht...




Mehr zum Thema: PLATZ DA!


NH


Freitag, 25. Mai 2018

VLOGGING: Decluttering 1 / Aussortieren


Ich habe das im letzten Post versprochene erste Video zum Ausmisten tatsächlich gedreht und, zack!, auch einfach gleich veröffentlicht. Sehen könnt ihr es HIER. 

Ich plaudere darin ein wenig über die Tücken des Aussortierens von emotionalem und anderem Kram, den man aus höchst irrationalen aber auch vielfältigen Gründen überhaupt jemals aufgehoben hat. Bei dem Filmchen handelt es sich auch um so eine Art Auftaktveranstaltung zum Themenkreis Horten und Aufräumen, weil ich dazu noch eine ganze Reihe von Beiträgen plane. Denn ich befinde mich bekanntlich seit Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) und immer weiter im Kampf gegen die Dinge in meinem unmittelbaren Lebensraum. Und wenn ich Kampf sage, dann meine ich das auch ganz genau so. Außerdem wird man halt irgendwann beim langjährigen Ringen mit der eigenen Problematik ganz nebenbei auch zur Expertin für eben diese. Wenn es um Strategien und Methoden des Ausmistens geht, macht mir so leicht keine was vor. Wie auf dem weiten Feld der Diäten habe ich alles ausprobiert und vieles scheitern sehen.

Allerdings werde ich nicht aufhören, aufzuräumen. Anders als im Falle von Diäten, bin ich hier nach wie vor überzeugt, dass sich der Kampf lohnt, und dass das erwünschte Ergebnis auch erhalten werden kann. Denn das Leben ist so viel einfacher, wenn alles im Haus einen Platz hat, der idealerweise auch noch leicht zu erreichen ist. Gerade heute habe ich im Auto so darüber nachgedacht, dass ich eigentlich mittlerweile nur noch sehr wenig Zeit damit verbringe, Dinge zu suchen. Die Regel "ein Platz für alles und alles an seinem Platz" ist bei mir zu Hause tatsächlich inzwischen umgesetzt worden. Mein größtes Problem ist nun, den Strom von Dingen, die hereinkommen, wirksamer zu verringern. Soll heißen: Ich schleppe noch immer viel zu viel neuen Kram an, der oft erst einmal keinen Platz hat. Und das nicht nur organisatorisch, sondern buchstäblich. Dann muss Altes raus, um Platz zu schaffen. Aber sich zu trennen, ist oft nicht einfach, Und dann kommt alles ins Stocken, Ärger und Überforderung blühen ganz schnell wieder in grellen Farben und man bekommt das vertraute Gefühl, schlicht niemals wirklich Herrin der Lage zu sein.

Meine Herausforderungen für die kommenden Monate liegen im Keller (mal wieder), in der Küche, dem Schafzimmer und dem Kabäuschen. Also eigentlich überall, wobei Schlafzimmer und Keller am gruseligsten sind. Der Keller ist, nachdem er bereits ein paarmal recht aufgeräumt und organisiert gewesen ist, im Augenblick wieder so voll, dass mir Kartons entgegen fallen, wenn ich die Tür öffne.

Im Schlafzimmer ist der Kleiderschrank das größte Projekt. Darin ist im Augenblick nicht genug Luft für all meine Kleider. Die stehen zum Teil in Wäschekörben davor. Gleichzeitig habe ich Schwierigkeiten, im vollgestopften Schrank meine Kleidung für den Tag morgens schnell und einfach zu finden. Das größte Ziel ist aber Vereinfachung. Ich bestehe quasi darauf, dass der Alltag leicht wird. Da ist überhaupt der Grund, warum ich das Chaos und die Dinge so verbissen aufhalten will.

Und irgendwann werde ich dann die Kamera todesmutig in den Keller tragen. Da gibt es genug  Material für einen zünftigen Messie-Mehrteiler. Aber vorerst nun erst einmal eine milde Einleitung auf YouTube. Es würde mich übrigens außerordentlich interessieren, über euer Verhältnis zu den Dingen auch etwas zu erfahren. : )

NH

Samstag, 30. Juli 2016

Follow me around 50: Life Update


So nennt man das ja unter Blogger- und Vloggerinnen, wenn man sich länger nicht gemeldet hat, und mal schnell vorbei kommt, um Bescheid zu sagen, dass man noch lebt.

Ja, ja - ich lebe noch. Gerade so. So fühlt es sich an. Tatsächlich habe ich gestern morgen in Endlosschleife gedacht: "Jetztsterbeichgleichjetztsterbeichgleichjetztsterbeichgleich..." Ich fühlte mich bei Aufstehen so mies, dass ich mir nicht mehr sicher war, ob ich es bis über die Schwelle zum Badezimmer schaffen würde.

Der desolate Zustand ist zu zwei Dritteln seelisch und zu einem Drittel körperlich begründet. Die Mischung macht's: Sehr wenig und schlechter Schlaf, die Schwüle der letzen Tage, viel Bücken, Schleppen und auf dem Boden-Herumgerutsche, Sorgen um die berufliche Zukunft, Sorgen um Geld, Sorgen um den Kater (der fraß plötzlich nicht richtig), relative persönliche Einsamkeit, relative persönliche Enttäuschung und (bekanntlich) eine Art Grundverbitterung über den Stand meines Lebens, eine wachsende Unfähigkeit, der Flut der täglichen Ärgernisse etwas entgegenzusetzen, und all das natürlich entscheidend und unablässig befördert durch die psychischen Anstrengungen beim Aussortieren.

1321 Gegenstände weniger 

...seit Beginn meiner letzten von unendlich vielen Ausmistaktionen, die übrigens im März begonnen hat und deren Ziel es war, sich in 30 Tagen um 500 Gegenstände zu erleichtern.

Aussortieren ist und bleibt das Stichwort. Und obwohl Ausmisten schwer ist und dieses ohnehin schwere Zeiten sind, muss es gerade jetzt sein. Oder besser: Gerade deswegen. Der Kram ist Denkmal und Anklage und Hindernis und Energieräuber. Er muss erledigt werden, damit die Dinge hier anders laufen. Ich kann ihn nicht länger im Weg herumstehen lassen und denken, ich könnte mein Leben erfolgreich um ihn herumleben. Er ist Symptom und Ursache zugleich.

Dass der Prozess so lange dauert (mitunter eben sogar Jahre) mag für Außenstehende unverständlich sein, aber besteht nun einmal aus einer Vielzahl von Schritten, von denen jeder mehr oder weniger emotional besetzt ist.

Zunächst muss man alles hervorkramen und begutachten, dann entscheiden, ob man den Gegenstand behält oder nicht. Um dieses zu bewerkstelligen, gibt es verschiedenen Methoden, die je nach Situation greifen können. Uff. Wenn man ihn behält, muss man entscheiden, wie er in Zukunft verwahrt, bzw. mit den anderen Dingen, die bleiben, organisiert werden soll, so dass der Alltag mit ihm reibungslos läuft.

Bei den Gegenständen, die gehen, stellen sich natürlich noch viel mehr Fragen. 1.783.655 Fragen, um genau zu sein: Soll das gespendet, verschenkt, verkauft oder weggeworfen werden? Wer soll es kriegen? Wer könnte es wollen? Wenn es in den Müll soll, in welchen Müll? Wenn verkaufen, wie? Und wo bis dahin lagern? Grundsätzlich gilt es, aussortierte Dinge so schnell wie möglich wegzuschaffen, damit man gar nicht erst auf dumme Gedanken kommt, und sie doch behalten will.  Das finale Abwickeln der Dinge ist aber fast nie so leicht, wie man sich das vielleicht vorstellt. In der Tat kann es gerade da ganz schön höllisch werden, es sei denn man bestellt einen Container, wirft alles hinein und denkt sich "Nach mir die Sintflut". Aber wer das so einfach kann, der hat vermutlich ohnehin kein Problem in diesem Bereich. Ich muss mich nun für kommenden Monat für die Teilnahme an Flohmärkten anmelden, obwohl ich mir geschworen hatte, dass ich das im Leben nie wieder tun würde.

Grüße von Gustav 

Beim Impfbesuch beim Tierarzt haben mich die großartigen Helferinnen wieder auf den letzten Stand darüber gebracht, wie es Gustav bei seinen neuen Menschen so geht. Und alles läuft prima. Er darf mittlerweile raus, kommt aber immer wieder zuverlässig nach Hause und verträgt sich sogar mit dem anderen Kater im Nachbarhaus. Natürlich bin ich noch immer und immer wieder unendlich erleichtert. Es sticht ein wenig, dass er und Corbinian sich nicht vertragen konnten...aber was hatten wir am Ende wirklich für ein unendliches Glück in dieser Sache.

Und dann auch noch das...

Wie durch Zufall bin ich in den letzen Wochen mit drei Männern kollidiert (zwei neu, einer alt). Das war vor allem im Abgang nicht schön - in keinem der drei Fälle. Wobei ich es bei einem hätte wissen können - bei dem war es jetzt der zweite Anlauf nach langer Zeit. Ich bin auch echt zu bescheuert.

Aber egal wie sorgfältig und, anders lässt es sich fast nicht sagen, kleinlich frau auswählt, mit wem sie ja wenigstens mal telefonieren oder einen Kaffee trinken könnte - am Ende implodiert stets alles. Gerne mal über einer Diskussion über weibliche Endungen in der deutschen Sprache und darüber, ob es denn nun wirklich nötig sei, Ampelweibchen einzuführen. Wohlgemerkt, diese Themen werden nicht von mir auf den Tisch gebracht. Im Leben käme ich nicht darauf. Vielmehr ist es so, dass Männer in einer Kennenlernsituation, die eigentlich im Idealfall zu einer Partnerschaft führen sollte, unbegreiflicherweise gern beginnen, mit mir zu streiten. Es ist, als ob auf meiner Stirn plötzlich der Schriftzug "radikale Feministin" (was ich vermutlich auch bin) sichtbar wird. Und dann geht es los. Dann fangen sie an, sich ganz und gar ohne Angriff zu verteidigen, was das Zeug hält. Obwohl sie mich kurz vorher noch für ganz hübsch und freundlich gehalten haben. Dass ich ab dem Punkt dann schnell genervt bin von all dem aufgewiegelten Gejaule um Privilegien und dieses auch äußere - das gebe ich unumwunden zu.

Die letzen männlichen Flops - ich habe sie mir, wie fast alle zuvor, nicht selbst gesucht. Sie haben mich, wie immer, auf einer Dating-Seite im Internet gefunden. Warum ich mich bei all dem Ungemach, und obwohl ich es schon lange vorhabe, nicht endlich bei finya.de abgemeldet habe? Ach, wer weiß...es wäre halt so schön und buchstäblich wunderbar, wenn doch noch der Richtige käme und mich dann auch noch ertragen könnte. Irgendwer, ich glaube, es war eine Freundin, nannte es "dem Schicksal zumindest eine Chance geben".

Zur Strafe für meine Inkonsequenz und Trudelei bekam ich dann von der Plattform unlängst als "Partnervorschlag" meine letzte und zutiefst traurig verlaufene große Liebe untergeschoben. Ich blinzelte, schluckte und klickte dann auf das Bildchen, obwohl ich das sicher nicht hätte tun sollen...whatever. Sieht ganz so aus, als ob wir beide ähnlich unverkäuflich sind. Was damit zu tun haben könnte, dass wir uns in vielerlei Hinsicht verdammt ähnlich sind.

Jetzt guck doch nicht schon wieder so empört, weißt du doch selber.

Der Himmel verschwindet

Das Haus nebenan wird immer höher. Die Vermutung ist, dass auf den ersten Stock nun noch so eine Art Penthouse gesetzt wird. Was auch immer es ist, ich werde danach von meinen Fenstern aus den Himmel nicht mehr sehen können. Wie es möglich war, eine Genehmigung für einen solchen Bau an dieser Stelle zu bekommen, ist mir schleierhaft.

Ich hatte vor Monaten bereits ein Informationsverfahren bei der Bauaufsicht angestrengt, und als es in die zweite Phase gehen sollte, den Vorgang an unsere Hausverwaltung abgegeben, weil die sich angeboten hatte, mir die Arbeit ab da abzunehmen. Ich war erstaunt und dankbar. Danach kam nix mehr. Weil die Hausverwaltung offenbar Besseres zu tun und ich schlicht keine Energie mehr hatte, um sie auf angemessene Weise zu erinnern...Irgendwann in meinem Leben möchte ich mal die sein, die sich anderen auf massive und permanente Art aufzwingt, sei es durch Lärm, Dreck, Gestank Verrücktheit, Mauern oder Hindernisse, und damit einfach so davon kommt. Ich wüsste gern, wie sich das anfühlt. Es muss eine Befriedigung sein, die ich gern kennen würde. Wahrscheinlich könnte man diese aber ohnehin nur so richtig spüren, wenn man nicht zu sehr über sich selbst nachdenkt und nicht womöglich Zweifel oder ein schlechtes Gewissen hat.

Coming soon

Heute kam ein Mängelexemplar von Nadja Hermanns "Fettlogik überwinden" mit der Post. Amazon macht natürlich auch immer fleißig Vorschläge - und offenbar "kauften Kundinnen, die Nicole Jägers Schwindeldiätbuch gekauft haben, auch dieses", was nicht ohne Ironie ist, da die beiden "Camps" von Anhängern sich augenscheinlich auf den Tod nicht ausstehen können, und einer der höchstbewerteten  und längsten Kommentare zu Nicole Jägers Buch ein negativer ist - und den Titel "Fettlogik" trägt.

Bereits beim ersten Durchblättern von "Fettlogik" wird klar, dass das Werk vermutlich ganz genauso toxisch sein wird, wie ich es mir gedacht habe. Und ich habe mir für eine Sekunde überlegt: "Warum willst du dir das eigentlich antun?" Aber hey, dazu sind wir ja eigentlich hier...Ich werde jetzt erst einmal den "Forscher Rüther" googeln. Der wird im Buch auf Seite 153 augenscheinlich mir nichts, dir nichts als wissenschaftliche Quelle in den Ring geworfen, hat aber keine Fußnote und ist im Quellenverzeichnis unter seinem Namen nicht zu finden. Der "Forscher Rüther"...?! Ehrlich jetzt? Das kann ja heiter werden.


NH

Sonntag, 5. Oktober 2014

Follow me around 8: Mittendrin



Ich guckte eines Tages von oben auf meinen Bauch und stellte fest, dass er dieser Tage wie ein Spitzkohl aussieht. Also, wie gesagt - nur von oben jetzt. Ich habe eine punktuelle, ziemlich harte Ausstülpung oberhalb des Nabels, die entnervend in die Welt zeigt. Wenn ich mich setze oder liege, verschwindet sie. Das war offenbar  auch das Problem von zwei Ärzten, die es in den letzten Wochen mit meiner verbeulten Mitte zu tun bekommen hatten. "Legen Sie sich mal hin", hatte es schlicht nicht gebracht. Denn das, was man im Stehen hätte ertasten können, verschwand beim Liegen schlicht wieder durch ein Loch in seine Höhle. Meine Bauchhöhle, um genau zu sein. Die Darmschlingen, die sich durch meine Bauchdecke schlängeln, bzw. herauskippen, wenn ich stehe, sind offenbar wie flinke, listige Tierchen.

Ich wusste, irgendetwas stimmt nicht. Aber zwei Ärzte hatten mir gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Ich spürte die Beule, die ein wenig hin- und herwaberte, aber beim Stehen und gehen immer da war. Trotzdem dauerte es sage und schreibe bis gestern Abend, bis mich endlich so etwas wie Panik ergriff. Ich stand in der Küche und bekam keine Luft mehr. Dann wurde mir regelrecht blümerant. Mein Bauch fühlte sich an wie ein Korsett. Ich hasste, hasste, hasste ihn mit seinem unberechenbaren und aufdringlichen Inhalt und die Tatsache, dass er mich nun doch dazu zwang, mich ernsthaft mit ihm zu befassen. Vor meinem inneren Augen tanzten Bilder von Tumoren, die sich mit rasender Geschwindigkeit zu Globusgröße entwickeln und mich und mein Leben sprengen würden...

Zwar brachten mich eine Beruhigungstablette und etwas Recherche im Internet langsam wieder auf den Teppich, denn ich ich hatte einen Anfangsverdacht und dann nach ein paar Minuten fast so etwas wie eine Bestätigung desselben: Nabelbruch. Davon stirbt man nicht. Das sollte man nur irgendwann mal operieren lassen.

Aber sicher war ich mir natürlich erst, als ich heute in eine Notfallpraxis im Krankenhaus am Ort ging, und dem Arzt dort meinen nackten Bauch strategisch in aufrechter Position präsentierte. Der sagte: "Ja, das ist es. Man kann auch die Bruchöffnung fühlen." Dann schrieb er mir auf, bei welchem Professor er an meiner Stelle das Loch in der nächsten Zeit mal flicken lassen würde. (Jetzt hoffen wir mal, er und ich haben uns diagnostisch nicht total vertan.)

Zu viel Druck

Meine Mitte ist entzwei. Die Balance ist flöten, alles läuft in diesem Jahr noch etwas mehr aus dem Ruder als sonst, und ich werde offensichtlich und buchstäblich langsam dünnhäutiger, statt resilienter. Der Körper steckt nicht mehr weg, sondern serviert einem ein Projekt nach dem nächsten. Erst Haut, dann Zucker und jetzt ein Loch im Bauch. Ich weiß die umwerfende Symbolik zu schätzen. Aber ich habe keine Zeit, krank zu sein. Und ganz ehrlich: Es war beleibe nicht notwendig, mir jetzt abermals zu erklären, dass ich meine Mitte finden und mehr respektieren soll. Das weiß ich tatsächlich alles schon. Allein, ich kenne den Weg zu meiner Mitte nicht so recht.

Kram

Und  weil das so ist, habe ich, auch an diesem Wochenende, mal wieder begonnen zu graben. Im wahrsten Sinne des Wortes und in meiner persönlichen Geschichte zugleich. Denn mein nächster Lebensraum ist noch immer ein Ich-Museum ungeahnter Fülle. Vorgestern habe ich säckeweise alte Fotos und Dias fortgeworfen. Dann tatsächlich Bücher. Schwupps - in den Müll damit. Ich habe keine Zeit mehr, lange nach Abnehmern zu suchen. Ich muss die Organisation und Vereinfachung des Alltags endlich schaffen, um die Hände für Freude und Balance überhaupt frei zu haben.

Dass Kram einen erstickt und daran hindert, frei zu leben und sich nicht dauernd mit bombastischen Nebensächlichkeiten abzuplagen, ist klar. Wenn man an seine Lieblingsdinge nicht rankommt, oder Sachen nicht wegräumen kann, oder sich überall in der Wohnung kleine Horrorecken bilden, dann saugt das Energie und macht mich persönlich auch schon lebenslang fahrig und unzufrieden. Ich kämpfe gegen die Flut der Dinge solange ich denken kann. Auch bereits als Kind, als die ersten Bücherkisten in der Keller mussten, weil das Kinderzimmer zu klein wurde. Allerdings sind die Rückschläge schwer und die Energie und Konsequenz selten ausreichend. Einer meiner besonderen Feinde ist ja Kabelsalat. Das wird sich jetzt ändern. Alle Kabel werden demnächst zusammengerafft und BESCHRIFTET. Diesmal soll alles anders werden. Endgültig.

Im Bad habe ich eine Schachtel gefunden, in der sich alte Kosmetika von meiner Mutter befinden. Dass diese bisher nicht geöffnet worden ist, hat bestimmt seine Gründe. Es war halt noch nicht Zeit. Und ich habe gelernt, zu akzeptieren, dass das Loslassen auch fünf Jahre später noch immer nicht komplett stattgefunden hat.* Die Existenz der inzwischen brüchigen Nivea-Creme in meinem Haushalt ist ein hervorragendes und vermutlich sogar ziemlich drastisches Beispiel für "emotional clutter". Das meiste, was wir haben, obwohl es keinen klaren Zweck erfüllt und eigentlich nur immer im Weg herumliegt, dürfte in diese Kategorie fallen. Fotos von Leuten, die meine Eltern (aber ich nicht) kannten. Bücher mit Widmung (an meinen Vater), die ich bestimmt nie lesen werde. Steine. Federn. Muscheln. Postkarten. Skizzenblöcke von meiner Mutter. CDs von Ex-Freunden mit Musik, dich ich nie so recht leiden konnte. Die Stühle aus dem Esszimmer meiner Kindheit, die ich immer mal aufarbeiten lassen wollte. Material für Kunstprojekte, die einfach nicht passieren. Und wer weiß, ob jemals.

Inzwischen gibt es ja massenhaft professionelle Hilfsangebote, um sein Leben auszumisten und sich von Ballast zu befreien. Vollgestopfte Häuser sind nichts ungewöhnliches. Das steht fest. Längst befasst sich auch die Wissenschaft mit dem Haben und Horten.

Wie bei allem, was das Leben besser machen soll, muss man ein wenig aufpassen, dass es nicht zur Ersatzreligion wird. Akribische Selbstorganisation als Selbstzweck ist genauso wenig zielführend wie ein Putzzwang, wenn es schließlich darum geht, sich der Macht der Dinge am Ende des Tages zu entziehen. Wenn sie sich in der weiteren Welt da draußen eigentlich nicht zurechtfinden, hilft es nichts, wenn Menschen in der Abstellkammer auch nicht die kleinste Kleinigkeit mehr dem Zufall überlassen. Obwohl es gelegentlich schon ausgesprochen faszinierend sein kann, sie dabei zu beobachten.

Obendrein kann es leicht dazu kommen, dass bei dem Unternehmen Selbst- und Haushaltsorganisation zunächst einmal noch mehr Kram ins Haus geschleppt wird... ; )





















*Vielleicht vlogge ich mal das Entpacken und Auflösen - als leicht morbide Alternative zum herkömmlichen "Unboxing".

NH