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Donnerstag, 12. Februar 2015
Sonntag, 5. Oktober 2014
Follow me around 8: Mittendrin
Ich guckte eines Tages von oben auf meinen Bauch und stellte fest, dass er dieser Tage wie ein Spitzkohl aussieht. Also, wie gesagt - nur von oben jetzt. Ich habe eine punktuelle, ziemlich harte Ausstülpung oberhalb des Nabels, die entnervend in die Welt zeigt. Wenn ich mich setze oder liege, verschwindet sie. Das war offenbar auch das Problem von zwei Ärzten, die es in den letzten Wochen mit meiner verbeulten Mitte zu tun bekommen hatten. "Legen Sie sich mal hin", hatte es schlicht nicht gebracht. Denn das, was man im Stehen hätte ertasten können, verschwand beim Liegen schlicht wieder durch ein Loch in seine Höhle. Meine Bauchhöhle, um genau zu sein. Die Darmschlingen, die sich durch meine Bauchdecke schlängeln, bzw. herauskippen, wenn ich stehe, sind offenbar wie flinke, listige Tierchen.
Ich wusste, irgendetwas stimmt nicht. Aber zwei Ärzte hatten mir gesagt, dass ich mir keine Sorgen machen muss. Ich spürte die Beule, die ein wenig hin- und herwaberte, aber beim Stehen und gehen immer da war. Trotzdem dauerte es sage und schreibe bis gestern Abend, bis mich endlich so etwas wie Panik ergriff. Ich stand in der Küche und bekam keine Luft mehr. Dann wurde mir regelrecht blümerant. Mein Bauch fühlte sich an wie ein Korsett. Ich hasste, hasste, hasste ihn mit seinem unberechenbaren und aufdringlichen Inhalt und die Tatsache, dass er mich nun doch dazu zwang, mich ernsthaft mit ihm zu befassen. Vor meinem inneren Augen tanzten Bilder von Tumoren, die sich mit rasender Geschwindigkeit zu Globusgröße entwickeln und mich und mein Leben sprengen würden...
Zwar brachten mich eine Beruhigungstablette und etwas Recherche im Internet langsam wieder auf den Teppich, denn ich ich hatte einen Anfangsverdacht und dann nach ein paar Minuten fast so etwas wie eine Bestätigung desselben: Nabelbruch. Davon stirbt man nicht. Das sollte man nur irgendwann mal operieren lassen.
Aber sicher war ich mir natürlich erst, als ich heute in eine Notfallpraxis im Krankenhaus am Ort ging, und dem Arzt dort meinen nackten Bauch strategisch in aufrechter Position präsentierte. Der sagte: "Ja, das ist es. Man kann auch die Bruchöffnung fühlen." Dann schrieb er mir auf, bei welchem Professor er an meiner Stelle das Loch in der nächsten Zeit mal flicken lassen würde. (Jetzt hoffen wir mal, er und ich haben uns diagnostisch nicht total vertan.)
Zu viel Druck
Meine Mitte ist entzwei. Die Balance ist flöten, alles läuft in diesem Jahr noch etwas mehr aus dem Ruder als sonst, und ich werde offensichtlich und buchstäblich langsam dünnhäutiger, statt resilienter. Der Körper steckt nicht mehr weg, sondern serviert einem ein Projekt nach dem nächsten. Erst Haut, dann Zucker und jetzt ein Loch im Bauch. Ich weiß die umwerfende Symbolik zu schätzen. Aber ich habe keine Zeit, krank zu sein. Und ganz ehrlich: Es war beleibe nicht notwendig, mir jetzt abermals zu erklären, dass ich meine Mitte finden und mehr respektieren soll. Das weiß ich tatsächlich alles schon. Allein, ich kenne den Weg zu meiner Mitte nicht so recht.
Kram
Und weil das so ist, habe ich, auch an diesem Wochenende, mal wieder begonnen zu graben. Im wahrsten Sinne des Wortes und in meiner persönlichen Geschichte zugleich. Denn mein nächster Lebensraum ist noch immer ein Ich-Museum ungeahnter Fülle. Vorgestern habe ich säckeweise alte Fotos und Dias fortgeworfen. Dann tatsächlich Bücher. Schwupps - in den Müll damit. Ich habe keine Zeit mehr, lange nach Abnehmern zu suchen. Ich muss die Organisation und Vereinfachung des Alltags endlich schaffen, um die Hände für Freude und Balance überhaupt frei zu haben.
Dass Kram einen erstickt und daran hindert, frei zu leben und sich nicht dauernd mit bombastischen Nebensächlichkeiten abzuplagen, ist klar. Wenn man an seine Lieblingsdinge nicht rankommt, oder Sachen nicht wegräumen kann, oder sich überall in der Wohnung kleine Horrorecken bilden, dann saugt das Energie und macht mich persönlich auch schon lebenslang fahrig und unzufrieden. Ich kämpfe gegen die Flut der Dinge solange ich denken kann. Auch bereits als Kind, als die ersten Bücherkisten in der Keller mussten, weil das Kinderzimmer zu klein wurde. Allerdings sind die Rückschläge schwer und die Energie und Konsequenz selten ausreichend. Einer meiner besonderen Feinde ist ja Kabelsalat. Das wird sich jetzt ändern. Alle Kabel werden demnächst zusammengerafft und BESCHRIFTET. Diesmal soll alles anders werden. Endgültig.
Im Bad habe ich eine Schachtel gefunden, in der sich alte Kosmetika von meiner Mutter befinden. Dass diese bisher nicht geöffnet worden ist, hat bestimmt seine Gründe. Es war halt noch nicht Zeit. Und ich habe gelernt, zu akzeptieren, dass das Loslassen auch fünf Jahre später noch immer nicht komplett stattgefunden hat.* Die Existenz der inzwischen brüchigen Nivea-Creme in meinem Haushalt ist ein hervorragendes und vermutlich sogar ziemlich drastisches Beispiel für "emotional clutter". Das meiste, was wir haben, obwohl es keinen klaren Zweck erfüllt und eigentlich nur immer im Weg herumliegt, dürfte in diese Kategorie fallen. Fotos von Leuten, die meine Eltern (aber ich nicht) kannten. Bücher mit Widmung (an meinen Vater), die ich bestimmt nie lesen werde. Steine. Federn. Muscheln. Postkarten. Skizzenblöcke von meiner Mutter. CDs von Ex-Freunden mit Musik, dich ich nie so recht leiden konnte. Die Stühle aus dem Esszimmer meiner Kindheit, die ich immer mal aufarbeiten lassen wollte. Material für Kunstprojekte, die einfach nicht passieren. Und wer weiß, ob jemals.
Inzwischen gibt es ja massenhaft professionelle Hilfsangebote, um sein Leben auszumisten und sich von Ballast zu befreien. Vollgestopfte Häuser sind nichts ungewöhnliches. Das steht fest. Längst befasst sich auch die Wissenschaft mit dem Haben und Horten.
Wie bei allem, was das Leben besser machen soll, muss man ein wenig aufpassen, dass es nicht zur Ersatzreligion wird. Akribische Selbstorganisation als Selbstzweck ist genauso wenig zielführend wie ein Putzzwang, wenn es schließlich darum geht, sich der Macht der Dinge am Ende des Tages zu entziehen. Wenn sie sich in der weiteren Welt da draußen eigentlich nicht zurechtfinden, hilft es nichts, wenn Menschen in der Abstellkammer auch nicht die kleinste Kleinigkeit mehr dem Zufall überlassen. Obwohl es gelegentlich schon ausgesprochen faszinierend sein kann, sie dabei zu beobachten.
Obendrein kann es leicht dazu kommen, dass bei dem Unternehmen Selbst- und Haushaltsorganisation zunächst einmal noch mehr Kram ins Haus geschleppt wird... ; )
*Vielleicht vlogge ich mal das Entpacken und Auflösen - als leicht morbide Alternative zum herkömmlichen "Unboxing".
NH
Sonntag, 17. November 2013
Sonntag, 13. Oktober 2013
THE UGLY GIRL PROJECT: The body in color 2 / Der Körper in Farbe 2
Und dafür brauche ich den Platz: Für weitere Abdrücke meines runden Körpers auf Leinwand. Hatte ich mich bisher nur nach vorn auf den Untergrund fallengelassen, so habe ich mich diesmal in der Hauptsache hingesetzt mit der Absicht, mein Hinterteil und die Spuren, die es zu hinterlassen imstande ist, näher zu erforschen. Ein wenig kriegrisch fühlte ich mich auch - besonders, als mir die Strukturkügelchen in die Hände fielen. ; )
Den bloßen Körper als Malwerkzeug zu verwenden, war und ist eine der wichtigsten Übungen auf meinem Weg zur dicken Selbstakzeptanz. Was kann der ungeliebte, getriezte oder vernachlässigte Körper alles sein, wenn man ihn lässt? In Farbe bekommt er neue Rollen, in denen man ihn nie kannte, und die mich immer wieder in Erstaunen versetzen.
NH
© Nicola Hinz 2013
Montag, 16. September 2013
Zimmer 8309 - revisited
Fatshion ist ein großartiges Konzept. Und ein riesiger Anspruch an ihre Akteurinnen. Dicke Körper im Alltag durch Kleidung noch auffälliger zu machen und sich als dicke Person so bewusst herzuzeigen, um die Sehgewohnheiten und Beurteilungsmechanismen einer in weiten Teilen fettphobischen Umwelt herauszufordern, ist logisch, bestimmt wirksam und kann hochkreativer Aktivismus sein. Shapewear hingegen wäre feige. Aber das bin ich auch. Feige und unsicher. Und meine VBO (Visible Belly Outline) ist noch immer nicht wirklich meine Freundin. Genauso wenig wie meine nackten Knie. Bei beiden bin ich immer wieder erstaunt und tatsächlich ein wenig verstört, wenn ich sie wirklich genau betrachte und mir dann vorstelle, mit ihnen als körperpolitische Eine-Frau-Demonstration auf die Straße zu marschieren - und wie sie dabei munter vorneweg laufen, ohne zumindest brav in Form gepresst worden zu sein. Es hilft nichts - ich muss es mir eingestehen: gefühlsmäßig bin ich beim Gang zur Arbeit noch immer eine Baucheinzieherin.
Dabei ist der sich abzeichnende Bauch ein Symbol der Fettakzeptanzbewegung, auf dessen Bedeutung ich abermals durch das Blog der fabelhaften Rachele* aufmerksam gemacht wurde. In ihrer Schilderung, wie sie lernte, ihre VBO schön zu finden, beschreibt sie eine ähnliche Reihenfolge - auch sie hat zuerst mit ihrem nackten Bauch Frieden geschlossen. Sie berichtet außerdem, dass es für ihre spezifische Bauchform mittlerweile einen eigentlich herabsetzenden Begriff gibt, den sie aber für sich erobert und angenommen hat: gunt. Ihr Bauch (gut) hängt ein wenig, so dass er ihre Vagina (cunt) verdeckt. Das tut mein Bauch nicht, aber ich habe einen ziemlich fleischigen Venushügel (pussy pouch), der hervorsteht und sich in engen Kleidern natürlich abzeichnet. Ich sage "natürlich", als hätte ich mit meinem Pussy Pouch gerechnet. Als hätte ich ihn in mein neues Bekleidungskonzept fest eingeplant. Hatte ich aber nicht. Ich wusste, dass er da ist. Ich hatte nur nicht verinnerlicht, dass er immer da ist. Es ist eine Sache, der Welt endlich wieder seinen Busen entgegenzustrecken - mit dem Unterleib, egal wie gern man ihn auch hat, bedarf das Ganze scheinbar doch noch ein wenig mehr Überlegung.
Zurück zum Bauch: Meiner ist dick (klar!) und dazu weiß, gestreift, weich, ein wenig klumpig und birnenförmig. Er besteht aus einer einzigen kugeligen Masse - will sagen, er hat keine Ringe. Dafür hat er eine Art Saum, der wie ein breites Lächeln von der einen Hüfte zur anderen verläuft und mündet in eine leichte Fettschürze, die auf meinem Pussy Pouch aufliegt, wenn ich mich bücke oder sitze. Mein Bauchnabel befindet sich in der Mitte, aber seine Mundwinkel zeigen nach unten, wenn ich stehe. Ich mag meinen Bauch. Wirklich. Unter Stoff jedoch sieht man nur noch so etwas wie wogende Unregelmäßigkeit. Der Bauch verliert sozusagen an Persönlichkeit und Profil, wenn er in (enganliegende) Kleidung verpackt wird. Was für ein Dilemma... ; )
Aber ich werde es vermutlich lösen. Irgendwie. Und plane nunmehr eine Reihe von guten, alten OOTDs (Outfit of the Day), die ja das Kerngeschäft fast jedes Modeblogs sind, sich aber in diesem Falle auch als Übung in Selbstbehauptung und Selbstakzeptanz eignen dürften. Von Disziplin ganz zu schweigen.
Der Versuchsaufbau ist wie folgt: Die Kleidung darf nicht verhüllen, sondern muss hervorheben. Röcke sind besser als Hosen (weil ich seit Jahren keine Röcke getragen habe, der Beine wegen). Farben sind besser als Schwarz. Genau genommen wären allerdings Outfits am besten, die auch an einer schlanken Person auffallen würden - nicht unbedingt durch Geschmacklosigkeit, aber durch Kühnheit oder Originalität...oder so. Kurz: Ich sollte mich vermutlich flugs auf die Suche nach meiner verschütteten inneren Carrie Bradshaw begeben.
Und das Ganze muss dann natürlich nach oder vor dem Foto auf die Straße befördert werden. Und damit meine ich zumindest die Straßen der Stadt Hamburg und keinen Gang bis zum Gartenzaun. Puh...wünscht mir Glück.
*Rachele scheint leider zumindest vorübergehend ihre Aktivitäten als Bloggerin eingestellt zu haben - zum Glück ist sie aber noch recht aktiv bei Tumblr.
NH
© Nicola Hinz 2013
Sonntag, 26. August 2012
THE UGLY GIRL PROJECT: Black Hole / Schwarzes Loch
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