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Sonntag, 26. Juni 2016

Follow me around 48: Traurige Tage


Ich bin mir sicher, dass Gustav bis dahin schon etwas geahnt hat, aber als ich sein Terrassenkörbchen reingeholt und mit seinem Futter und Spielzeug gefüllt habe, wusste er es auch ganz sicher - irgendetwas Einschneidendes würde passieren. Er lag lang auf dem Teppich und keuchte ein wenig. Ich weiß nicht, ob wegen der Hitze, oder ob ihn die Panik ergriff.

Er hörte auf, sich zu beschweren, dass er nicht mehr raus durfte und ging plötzlich auch Corbinian aus dem Weg. Der entspannte sich zusehends, als ob er begriffen hatte, dass es nicht sein Koffer war, der gepackt worden war und jetzt auf die Abreise wartete.

Erst vor einigen Tagen hatte ich durch Zufall herausbekommen, was Gustavs Lieblingsessen ist - gekochtes Huhn. Damit habe ich ihn dann bis zum Aufbruch den Tag über vollgestopft. Ich weiß, dass die Chancen, dass ihm so bald wieder jemand Huhn kocht, nicht sehr groß sind. So freundlich und fürsorglich die Leute, die ihn aufgenommen haben auch sein mögen, so viel Aufwand wie bei mir, wird dort vermutlich nicht betrieben werden.

Er konnte nicht mehr bleiben.

Er hat es sich selbst vermasselt. Er hätte Corbinian einfach aus dem Weg gehen müssen, anstatt ihn zu triezen, ihn im Garten und in der Wohnung zu scheuchen und zuletzt sogar richtig zu attackieren. Corbinian hatte sich in den letzten Tagen nur noch verkrochen. In Ecken oder auf Schränken. Er hat auch nur noch auf dem Tisch gefressen, um Gustav stets im Auge zu behalten. Und er hatte sich nicht mehr in den Garten getraut, weil Gustav ihn auch da verfolgte. Da wird man selbst zutiefst unvernünftig und verlangt Vernunft vom Tier: "Warum bist du nur so dumm!? Warum, warum, warum nur!? Hör doch einfach damit auf, und du kannst für immer bei uns bleiben!!" Und ich hätte es mir so gewünscht, dass er bleibt.

Als ich mich dann angesichts der verzweifelten Lage, in der sich Corbinian befand, steinschweren Herzens und heulend entschieden hatte, Gustav ins Tierheim zu bringen, und erst mit dem Tierheim Süderstraße und danach mit der Göttin und der Welt telefonierte, stellte ich fest, dass Tierheime ganz offensichtlich nicht in jedem Fall für Tiere zuständig sind, sondern in der Regel eher dafür, sie sich vom Leib zu halten: "Damit haben wir ja gaaar nichts zu tun!", "Da sind wir ja gaaar nicht zuständig!", "Da sind Sie bei uns ja gaaanz falsch!". Der Ton gedehnt bis patzig. Der Hamburger Tierschutzverein herrschte mich an, dass meine 22 Jahre Mitgliedschaft hier überhaupt keinen Unterschied machen würden. Vielleicht hätte ich American Express um Hilfe bitten sollen ("Membership has its privileges") - weniger sinnlos und unerfreulich wäre das auf jeden Fall nicht geworden.

Man ist verzweifelt und ziemlich allein mit einem echten Problem, und es ist mal wieder niemand zuständig. Alle anderen sind zuständig. Sollen die doch machen. Die Polizei zumindest hätte Gustav dann doch abgeholt, und wenn die ihn ins Heim bringt, so erkärte mir ein hilfreicher Beamter, "müssen die das Tier auch aufnehmen". Aber ich wollte den Kater eigentlich ja ohnehin gar nicht so recht hergeben - und ihn schon gar nicht verhaften lassen.

Wer mir dann wirklich half, waren zwei Mitarbeiterinnen unserer Tierarztpraxis. Eine von ihnen hat ihre Pferde auf einem Hof untergebracht, der Gustav dann nach einem Anruf von ihr ein Zuhause angeboten hat. Dort wohnt er zukünftig umgeben von Kühen, Schafen, Pferden und Reitern. "Bekommt er dort denn auch Aufmerksamkeit und Streicheleinheiten?" - "Ja, natürlich!" - "Gibt es denn dort noch mehr Katzen, wo er doch gerade solche Probleme mit Corbi hatte?" - "Ja, eine andere Katze. Aber die wohnt im anderen Haus auf dem Gelände. Und auf dem Hof können die sich gut aus dem Weg gehen." - "Er wohnt also auch drinnen?" - "Ja, er kann raus und rein. Und er bleibt auch erst einmal ein paar Tage drinnen, um sich an die neuen Menschen zu gewöhnen." - "Und er wird auch ein ruhiges Plätzchen speziell für sich haben?" - "Ja!"

Er wird seinen Namen behalten, er konnte sein Körbchen, sein Spielzeug und sein Futter mitnehmen. Er bekam vor seiner Abreise einen frischen Chip (weil er bis dahin keinen gehabt hatte), und ich kann mich in ein paar Tagen in der Praxis erkundigen, wie er sich eingelebt hat...eigentlich hatten wir unfassbares Glück. Trotzdem rannen mir während der Übergabe am Freitagabend ohne Unterlass die Tränen über das Gesicht. Es war kein wirkliches Weinen. Kein Schluchzen und Rotzen mehr. Vielmehr ein stetes Rinnsal, wie aus einem Wasserhahn.

Obwohl sie furchtbar nett waren, müssen sie mich in der Praxis für einen wunderlichen und komplett überemotionalen Kontrollfreak halten.Und buchstäblich sowie auch ganz allgemein für nicht ganz dicht. Ich weiß, dass sie es entweder schon tun, oder kurz davor waren. Und ich würde es ihnen nicht übel nehmen. Ich betrachte mich im Spiegel und denke, vielleicht bin ich es ja auch nicht. Dicht. Aber ich habe auch immer wieder das kleine entsetzte Gesichtchen von Gustav vor Augen, das mich auf der Fahrt in die neue, unbekannte Zukunft vom Nebensitz verzweifelt und anklagend anstarrte und anschrie, während er gleichzeitig vor Angst den Katzenkorb mit Pipi tränkte.

Und dann beobachte ich Corbinian, der sich in seinem Zuhause und im Garten scheinbar wieder wohl fühlt und bereits am Freitag alles darin innerhalb von ein paar Stunden für sich zurückerobert hat. Ich kann mir trotzdem nicht helfen - fast halte ich es für möglich, dass Gustav jetzt am Ende sogar das bessere Katzenleben erwartet. In unaufgeregter Umgebung, mit relativ großer Freiheit und im Kontakt mit mehreren bodenständigen Menschen, während Corbi weiterhin ziemlich unmittelbar und ungefiltert mir, meinen Neurosen und meiner schier bodenlosen Verlustangst ausgesetzt sein wird.

...

Ich habe mir mein Leben anders vorgestellt.


NH

Sonntag, 12. Juni 2016

Follow me around 47: Räumungen


Plötzlich habe ich so viel Platz, dass ich gar nicht weiß, wohin damit. Ich habe quasi gar keinen Platz für den Platz. Ja, Platz kann man natürlich bewegen und verschieben. Ich tue das bereits seit Tagen - und nun auch schon den ganzen Nachmittag. Und ich habe schlicht überhaupt gar keine Übung darin, Teile meines Raumes einfach leerstehen zu lassen. Es verwirrt mich regelrecht.

Aus den angepeilten 500 Gegenständen, die ja innerhalb eines Monats meinen Haushalt verlassen sollten, sind nun, mit mehrwöchiger Verspätung, am heutigen Tag 700 geworden. Das hängt auch maßgeblich mit den ca. 250 Büchern zusammen, die ich in den letzten paar Tagen habe gehen lassen, und obwohl das nur gut 10% der Bibliothek waren, macht sich das Verschwinden der Dinge im Ganzen nun doch langsam bemerkbar.

Ich bin mit der Verwaltung eines Übermaßes an Dingen beschäftigt, so lange ich denken kann. Ich habe bereits als Kind sortiert und umgeräumt und organisiert und gelagert. Wenn Dinge gingen, verhielt es sich ironischerweise immer ganz genauso wie mit meinem Gewicht nach Diäten - sie kamen multipliziert wieder zurück.

Als ich noch zu Hause wohnte, war ich außerdem involviert in die Verwaltung der Dinge meiner Mutter. Wie viele Nachkriegskinder hatte sie eine Hang dazu, Gegenstände zu horten, "weil man sie ja irgendwann noch einmal brauchen könnte." Das führte auch zu ewigen Kreisläufen des vernunftgetriebenen Aussortierens und des anschließenden, fast trotzig anmutenden Wiederanhäufens. In der Doppelgarage, die zur Wohnung gehörte, die wir einige Jahre bewohnten, nachdem sich meine Eltern getrennt hatten, war jedenfalls nicht einen Tag lang Platz für ein Auto.

Meine Mutter wohnte vor ihrem Tod allein in einem kleinen Haus auf ca. 120 Quadratmetern. Ihre Wohnräume waren nicht vollgestopft mit Kram. Er lag nicht überall offen herum. Das wahre Ausmaß ihres Festhaltens an Gegenständen eröffnete sich mir erst nach ihrem Tod, als ich ihre Schränke öffnete und zwei Monate lang jedes einzelne ihrer Besitztümer in die Hand nahm, bevor ich entschied, was damit geschehen sollte.

Sie besaß ungefähr 50 BHs. Weil man nie weiß, ob man nicht auf der Straße umkippt und ins Krankenhaus muss, war es in ihrer Welt eine Frage der Ehre, auch in einem medizinischen Notfall unter keinen Umständen in abgewetzten Unterkleidern erwischt zu werden. Aber die alten Dinge wurden mal wieder nicht weggeworfen, sondern für schlechte Zeiten aufgehoben. Die älteste Dose in den Tiefen ihres Vorratsschrankes war übrigens 10 Jahre alt.

Ihr Haus beherbergte neben allem anderen auch einige Sammlungen: Eine Glassammlung, eine Hühnergöttersammlung (Steine, die natürlicherweise ein Loch haben), eine Stuhlsammlung, eine Sammlung chinesischer Glücksbringer,...irgendwann fand ich mich am Glascontainer wieder und warf - quasi in Selbstverteidigung - Cocktailgläser aus den 50er Jahren hinein. Denn man kann halt nur so viele Kisten mit Spenden überall in der Stadt anliefern.

Und ich fand Gebirge aus Bett- und Tischwäsche - hoch und scharf gebügelte Kante auf Kante aufgestapelt. Der Besitzerinnenstolz, die Tiefe der Verschriebenheit und der Bemühungen im Dienste der Dinge erschütterte und rührte mich zugleich. Einen Stapel antiker Leinenhandtücher habe ich damals, so wie er war, mitgenommen und in meinen Schrank gelegt. Er war ein Denkmal an die Liebe für die Dinge, die im Leben meiner Mutter immer eine übergeordnete Rolle spielten. In der Zwischenzeit bin ich dazu übergegangen, die streng aufbereiteten Handtücher in der Küche zu verwenden und habe das Denkmal damit aufgelöst.

Sich jetzt noch einmal gezielt und systematisch von Gegenständen zu trennen, ist auch deshalb weiterhin so anstrengend, weil die Dinge nach wie vor mit Gefühlen und Erinnerungen und Plänen aufgeladen sind. Und je mehr ich meine Besitztümer und vor allem auch die ererbten gehen lasse, desto schwerer und emotional geladener werden die Entscheidungen für oder gegen die Dinge, denn vieles von dem, was jetzt wieder zur Disposition steht, habe ich in einem vorherigen Aussortierungsprozess nicht aufgegeben, und dafür gab es zum jeweiligen Zeitraum eben Gründe, die jetzt vielleicht weniger schwer wiegen, aber sich deswegen noch lang nicht komplett aufgelöst haben. Seit zwei Tagen habe ich nun einen blasigen, juckenden Ausschlag an beiden Händen, der, wenn man dem Internet glauben darf, zu einem erheblichen Anteil stressinduziert sein dürfte. Mit den Dingen gerät einem halt auch die eigene Geschichte wieder in die Finger.

Aber es muss sein. 

In diesem Jahr gewinne ich ihn ein für allemal - den Kampf gegen die Macht der Dinge. Am Ende dieses Jahres bin ich nur noch von Dingen umgeben, die mir wirklich gut tun, und deren Anwesenheit einen Zweck und Sinn hat. Außerdem werden es nur noch so viele Dinge sein, dass der Alltag komplett reibungslos und störungsfrei organisiert werden kann. Dazu muss übrigens noch sehr viel mehr Kram hier raus, denn: "You cannot organize the clutter, and if you want to live an organized life, you have to minimize the things that you have."* (Kathy Roberts, TheTidyTutor.com)

Wissenschaftlich erforscht und herausgefunden wurde in der Tat, dass Frauen auf unübersichtliche Räume voll mit Kram und Unordnung mit einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen reagieren. Männer tun das übrigens nicht. (UCLA)

Wobei man bei einigen Dingen schon eine geistesblitzartige Eingebung haben muss, um sie überhaupt eines schönen Tages als überflüssiges Gerümpel zu erkennen. Bei mir ging heute nun endlich der hässliche Mixer, in dem der letzte Smoothie vor ungezählten Monden angerührt wurde. Smoothies my ass...


*Du kannst Krimskrams nicht organisieren, und wenn du ein organisiertes Leben führen willst, musst du die Dinge, die du hast, minimieren."

NH

Dienstag, 1. September 2015

THE UGLY GIRL PROJECT: Finale

Das Ugly Girl Project kommt nun zu einem Ende. Die folgenden Bilder sind sicher nicht meine letzten Selfies, aber die letzten aus einer Reihe experimenteller Inszenierungen.

Dicke wollen bekanntlich oft nicht gern mit aufs Bild. Weil sie glauben, hässlich und monströs zu sein, und ihren eigenen Anblick nicht ertragen. Ganz genau so ging es mir die meiste Zeit meines Lebens. Das Ugly Girl Projekt war Teil meiner Selbstakzeptanz-Reise. Ich nahm mein Selbstbild buchstäblich in die eigenen Hände, und machte mir selbst ein Bild - eins, auf dem ich mich zunehmend gut ertragen und am Ende wirklich ganz OK finden konnte.

Das Projekt begann 2010. Damals hatte ich nur so eine Ahnung, dass Selfies eine Strategie sein könnten, einen frischen Zugang zum eigenen Selbstbild zu entwickeln. Am Anfang hatte ich es gern ein wenig körnig und unscharf, aber es ist mir im Verlauf der letzten Jahre gelungen, mich aus der Unschärfe herauszuschälen - und gleichzeitig habe ich gelernt, mich mit meinem dicken Körper mit sehr viel größerer Selbstverständlichkeit und zunehmender Sichtbarkeit im öffentlichen Raum zu bewegen.

Einen abschließenden Zusammenschnitt der Selbstportraits aus den Jahren 2010 bis heute gibt es HIER.


Krone zurechtrücken...







© Nicola Hinz 2015

Freitag, 31. Juli 2015

Das Lied der dicken Hexe


Seien wir ehrlich - bis jetzt war es ein echtes Scheißjahr. 

So scheiße, tatsächlich, dass mir plötzlich ganz dringend nach Räucherstäbchen zumute war. Meine Therapeutin rät mir schließlich auch immer an, "es mir schön zu machen" - Kerzen anzuzünden, noch einen Milchkaffee aufzusetzen und ein Fußbad zu machen. Oder so. Jedenfalls dachte ich, es kann ja nicht schaden, nach etlichen Jahren mal wieder meinem einstigen Lieblingsesoterikkaufhaus Wrage im hamburger Uni-Viertel einen Besuch abzustatten. Das war äußerst gerissen und höchst verschlagene Selbstüberlistung, denn eigentlich hätte ich natürlich genau wissen müssen, dass ich aus der Sache nicht nur mit etwas Rauchwerk herauskomme. Man könnte auch einfach und durchaus zutreffend konstatieren, dass die Verzweifelten (also ich) halt grundsätzlich und schon immer leichte Beute für die Wellness- und Esoterik-Industrie sind. Wo die wahre Welt sich nur noch querstellt, muss irgendetwas Überirdisches aushelfen, weil es sonst eben keiner tut. 

Aber natürlich habe ich auch einfach seit jeher eine große Freude am Übersinnlichen. Als ich ganz klein war, wollte ich noch eine Prinzessin sein. Spätestens mit dem Schuleintritt und der Lektüre der "Kleinen Hexe" sah ich meine zukünftige Laufbahn ganz klar als weise Frau mit Rabe und Katze im Wald. Streng genommen, hat sich daran bis heute nichts geändert. Streng genommen, könnte man vermutlich sogar sagen, mir fehlt nur noch der Rabe. Allerdings auch der Glaube. Naja, und Weisheit womöglich zudem.

Während ich als Kind plante, nach der Schule am damals noch existierenden landesweit einzigen Lehrstuhl für Parapsychologie zu studieren (dummerweise hat Professor Bender mein Abitur nicht überlebt), mit Anfang zwanzig denkbar verbissen positives Denken praktizierte und mir mit bis Anfang dreißig einen erheblichen Wissens- und Erfahrungsschatz im Bereich Hexerei und Voodoo erarbeitet hatte, so war ich doch auch stets skeptisch. Und am Ende gewann die Skepsis immer. Natürlich auch deshalb, weil die Ergebnisse schlicht nicht zufriedenstellend waren. Übrigens, sollte irgendjemand Angst vor Flüchen, Verwünschung oder schwarzer Magie haben, so kann ich ihn komplett beruhigen. Wenn es möglich wäre, anderen mit Zauberei zu schaden, wäre meine Shit-List zum Jahresende vermutlich leer gewesen, da mit dämonischer Hilfestellung bereits handfest erledigt...(nein, ich bin wirklich nicht besonders nett).

Obwohl ich meine einst ausgesprochen umfangreiche Selbsthilfe- und Esoterikbibliothek (die beiden Gebiete überlappen ja gern) inzwischen sehr stark ausgedünnt habe, gab es natürlich trotzdem einige besonders eindrucksvolle Perlen der Unvernunft, die ich behalten habe. So bin ich noch immer im Besitz von "Der kosmische Bestellservice" von Bärbel Mohr, sowie dem Nachfolgewerk "Reklamationen beim Universum", in dem die Autorin darlegt, warum es mit den Bestellungen beim Universum so oft einfach nicht klappen will. Die höchst frustrierende Erklärung war übrigens, dass man für das, was man beim Universum bestellt, nicht wirklich dringenden Bedarf haben darf, damit das Ganze auch was wird...den berühmten Parkplatz sollte man also niemals gerade dann bestellen, wenn man vorhat, irgendwohin zu fahren. Potzblitz, da schlägt man sich doch erleichtert an die Stirn - da hätte man schließlich wirklich selbst drauf kommen können...

Ich bin mir sicher, ich habe die beiden grotesken Bändchen damals ebenfalls bei Wrage erworben. Und ausgerechnet heute, über 12 Jahre danach, habe ich zum ersten Mal den beim Universum vorbestellten Parkplatz an der Uni auch bekommen. Das Universum hat halt einfach unverschämte Lieferzeiten. Aber wenn ich lange genug lebe, kommt vermutlich irgendwann der Oscar für Regie auch noch an.

Als ich in das Geschäft trat, ging es mir gleich ein wenig besser. Es roch ganz genauso süßlich-muffig, wie vor Jahren (so ziemlich alles, was man dort kauft, riecht dann auch so), und der Laden ist nach wie vor vollgestopft mit hübschen Postkarten, Notizbüchern (viel mehr brauche ich bekanntlich nicht, um gleich etwas fröhlicher zu sein), Glücksbringern, Kristallen, spirituellem Nippes und bunten, von hinten angeleuchteten Aura-Soma-Fläschchen. Die Tarot- und Hexenabteilungen sind nicht mehr so umfangreich, wie ich sie in Erinnerung hatte - dafür sind offenbar Engel der letzte Schrei. Die Autorin Alexandra Strüven lässt uns in einer Leseprobe zum bald erscheinenden Buch "Lass uns über Engel sprechen" sogleich wissen: "Ob ich im Café sitze oder im ICE, die Engel sind immer bei mir." Ich weiß ja nicht, ob ich so etwas herumerzählen würde...während Kinder, die imaginäre Freunde haben, laut Studien kreativer und neugieriger sind als solche ohne, bin ich ich mir ziemlich sicher, dass das für Menschen mit zweistelligem Alter nicht mehr gilt. In den umfangreichen Aufstellern mit Broschüren und Seminar-Angeboten bin ich dann mit dem Instinkt eines nörgeligen Bluthundes auf noch ein besonders perfides Beratungsjuwel gestoßen: "Intelligent(,) gesund, schlank, erfolgreich & glücklich durch Beratung & Energie..." Der Hochglanzflyer in Gold und Weiß bewarb mit haarsträubender Rechtschreibung und Verworrenheit die Dienste einer Heilerin, unter deren Bild ernsthaft "Hamburg - New York" stand, so als sei sie eine Schuhmarke. Make no mistake - hier geht es um Geld, Geld und noch mehr Geld. Und die Frau Fock, die offenbar auch schon mal in New York war, hilft gegen Geld auch gern bei etwaigen Krebserkrankungen...

Wie dem auch sei...der Esoterikmarkt ist wie ein Kasino - man kann sich ein wenig treiben lassen, umsehen, kurz und überschaubar amüsieren oder ablenken lassen und dann wieder gehen. Oder man hat Pech, ist anfällig, den Profiteuren ausgeliefert und lässt sich psychisch, gesundheitlich und/oder finanziell ruinieren. 

Ich hab' dann, überwältigt von Nostalgie und Wiedersehensfreude, ebenfalls lauter Geld ausgegeben, dass ich nicht habe. Hauptsächlich allerdings für Postkarten, Notizbücher und die besagten Räucherstäbchen. Aber eben auch für neue Kartendecks, weil mir die Motive so gefielen und es doch Spaß macht, sich hin und wieder unverbindlich und augenzwinkernd in die Zukunft zu schauen (und im Universum verschollene Bestellungen zu tracken), sowie für ein paar Ausgaben aus der Reihe "Das kleine Übungsheft". Das Allererste, was übrigens in meinem Einkaufskorb gelandet ist, war ein Hörbuch fürs Auto: "E²" von Pam Grout. Die liefert hier angeblich "Neun Beweise zum Selbsttesten", dass wir unsere Realität höchstpersönlich und gedanklich erschaffen, etwas, was ich ja bekanntlich gern bestreite. Laut Klappentext ist es "ein Muss, für jeden, der nur glaubt, was er sieht." Ha, das werden wir dann schon sehen! Zumindest ist der Text bisher knackig und kurzweilig, und der Sprecherin Susanne Aernecke kann man ganz gut zuhören.

An der Kasse lagen dann, man mag es kaum glauben, Blöcke mit Bestellformularen ans Universum. Da war der Absurditätsfaktor so groß, dass ich allein zu Beweiszwecken einen mitnehmen musste. Obendrein hab' ich dann jedoch auch gleich schon mal neu damit begonnen, meine Realität zu erschaffen.




Zu guter Letzt habe ich sogar noch eine Flasche Wolke 7 Energetikspray erworben. Das riecht gut und reinigt die "Chakren im Bereich der Aura". Wie gesagt, es war ein Scheißjahr. Wenn gar nichts mehr hilft, kann es vermutlich zumindest nicht schaden, die Aura mal ein wenig vom Dreck zu befreien. 



NH

Samstag, 21. März 2015

Follow me around 20: A day in the life...

...ist ja auch so eine beliebte Vlogging-Kategorie. Aber die meisten meiner Tage eignen sich wahrhaftig nicht für pastellige Selbstdarstellung in bewegten Bildern. Und wer würde schon ernsthaft meine alltägliche, kleinlich-säuerliche Wirklichkeit betrachten wollen? Vorsicht: Nichts für schwache Nerven. ; ) 

Um es noch einmal deutlich mit den Worten von Jack Nicholson in "A Few Good Men" zu sagen: "You can't handle the truth!"


Dienstag:

8:30 Bürste bleibt im Haar hängen, fliegt mir aus der Hand und durchs Badezimmer.

9:00 Kundin ist krank und nicht da. Ich stehe bei ihr vor der Tür. Offenbar hat sie früh am Morgen eine Nachricht auf meinem AB hinterlassen, die ich aber nicht abgehört habe.

9:20 Zurück zu Hause. Sehr gesprächiger Nachbar fängt mich auf der Auffahrt ab und berichtet über den Stand seiner Zahnfleischprobleme.

10:42 Tasche auf dem Beifahrersitz fällt in scharfer Kurve seitlich um.

10:53 Stau vorm Hauptbahnhof. Habe Telefonnummer von Kunden nicht dabei. Muss Mail schreiben, dass ich mich verspäte.

11:05 Muss jetzt dringend aufs Klo. Noch immer im Stau.

11:11 Krampf im linken Fuß.

11:35 Beim Kunden. Mir fehlt Material, das vermutlich aus der Tasche gefallen sein muss.

12:40 Beifahrersitz hakt, lässt sich nicht nach hinten schieben. Aber die verlorenen Unterlagen liegen darunter.

12:42 Rüchwärtsgang hakt auch.

12.50 Essen im Auto. Sandwich-Soße am Jackenärmel.

12.51 Stelle fest, dass ich einen Anruf verpasst habe. Private Nummer. Nun kann ich mich für immer fragen, wer das wohl war.

13:21 Bauchschmerzen. Ziemlich stark sogar.

16:50 Bleibe bei Gang durch fremdes Gartentor am Riegel hängen. Loch in T-shirt.

18:15 Im Auto. SMS, dass ich meine Schreibmappe habe liegen lassen. Drehe um, fahre 20 Minuten zurück, um sie abzuholen.

20:37 Keine Blaubeeren bei Penny.

23:07 Klingeln im Ohr.


Donnerstag:

8:31 Kater reißt aus Übermut erst Loch in Schlafanzughose und dann in meine Wade.

8:36 Beim Aufreißen einer Tüte mit Katzenfutter spritzt mir die Soße ins Gesicht und auch sonst überall hin.

18:55 Ankunft in der "Galerie der Gegenwart" in Hamburg.

18:58 Bekomme mit meinem Ticket, für das ich 12 Euro bezahle (obwohl die Deutsche Bank die Ausstellung sponsort), einen orangefarbenen Aufkleber überreicht, den ich sichtbar auf mir anbringen soll.

18:59 Gerate mit übereifriger Kartenabreißerin in einen Streit, als sie mich "beraten" will, wo ich den Aufkleber am besten platziere. Sie ist beleidigt, weil ich ihren Rat nicht will. Und weil sie natürlich nicht begreift, dass ich orangefarbene Markierungen (aus vielerlei Gründen) an den Revers von Leuten echt daneben finde.

19:03 Kann das Klo nicht finden. Weil es im Treppenhaus kein Schild gibt.

19:09 Kein Abfallbehälter in der Kabine. Muss Müll in der Hand mit in den Vorraum tragen.

19:34 Einige deutsche Übersetzungen der englischen Titel sind mir aufgefallen. Sie sind nicht sehr gut/genau, bzw. im Prinzip falsch und verändern damit regelrecht die Bedeutung und/oder Auslegungsmöglichkeiten der betreffenden Kunstwerke.

ORLAN: "LE BAISER DE L'ARTISTE", 1977
Renate Bertlmann

19:44 Erstaunlich, dass eine Ausstellung der "Feministischen Avantgarde der 1970er Jahre" in der Hauptsache voll ist mit Darstellungen nackter Frauenkörper. Und mit Körpern, die durch ihre Besitzerinnen manipuliert und dargestellt werden (Selbstportraits). Körper, die selbst vor feministischem Hintergrund zumindest zum Teil noch immer zu posieren scheinen und irgendwie gefallen wollen (siehe besonders Hannah Wilke). Die hier dargestellte Anklage der damals und heute ja auch noch herrschenden Machtverhältnisse ist zahm. Die Wut ist eher ambivalent und mitunter, scheint sie sogar nach innen gerichtet. Stille Verwirrung bei der Bestimmung und Annäherung an die eigene Identität, Sexualität und Körperlichkeit, ein nicht enden wollendes, aus heutiger Sicht naiv anmutendes Abarbeiten von stereotypen Frauenrollen und Schönheitsstandards, sowie die Gefangenheit in eben jenen, bestimmen die Ausstellung. Die Werke sind, in Übereinstimmung mit fehlender Drastik, zumeist eher kleinformatig und schwarz-weiß. Eine radikalere Ausnahme ist Renate Bertlmann mit ihrer "Schwangeren Braut im Rollstuhl". Persönlich suche ich während meines Rundganges nach irgendeiner inneren Verbindung. Schließlich arbeite ich auch mit Selbstportraits, um mich selbst besser zu erkennen, und um mich in einer Situation der Rebellion zu stärken. Aber (fast) die ganze Zeit denke ich nur: Mehr Lärm! Mehr Farbe! Dann würde das alles vielleicht nicht so verdammt lange dauern! Mit der Freiheit. Man kann nicht rebellieren und kritisieren - und gleichzeitig nicht unangenehm auffallen. Und ja, wie am Meinungsbrett richtig bemerkt: Obendrein sind hier augenscheinlich nur weiße Künstlerinnen vertreten.

19:45 Am schwarzen Brett, an dem man auf roten Zetteln seine Meinung zur Ausstellung mitteilen soll, gibt es keine Stifte mehr in den Haltern. Kunstbewachungsdamen laufen hin und her und am Brett vorbei. Bleiben sogar davor stehen. Merken aber nichts.

20:02 Es gibt im Museumsshop so gut wie keine Postkartenmotive aus der Ausstellung. Nur den Katalog für 40 Euro. Den kaufe ich diesmal nicht.


 20:08 Kartenabreißerin grüßt nicht zum Abschied, wirft mir aber hämisch-giftigen Blick zu.

20:20 Gehe durch die Bahnhofshalle auf dem Weg zum Auto. Offenbar komplett zugedröhnter, gefährlich schwankender Herr taucht neben mir auf und schickt sich an, einen Schluck aus dem Strohhalm zu nehmen, der aus meinem Smoothie ragt.

20:25 Kaufe neuen Smoothie.

20:29 Gehirnfrost.

20:49 Im Auto. Sehe die Leuchtreklame für den Dom am Horner Kreisel. Ist wieder keiner da, der mit mir in der Geisterbahn knutscht...

NH

Dienstag, 10. Februar 2015

10 Jahre candybeach.com: Hallo, wie geht es Ihnen?*

Am 10. Februar 2005 habe ich begonnen zu bloggen. Die Domain war UND IST candybeach.com. Warum der Name? Er gefiel mir. Das ist alles. Ich mag Strände. Und Süßigkeiten. Und der Klang war gut.

Alle, die damals schon mitgelesen haben (einige sind ja auch noch hier), wissen, dass die Website in jenen Zeiten etwas pinklastiger war. Und natürlich, dass es sich bei meinen Aufzeichnungen zunächst um ein Diättagebuch handelte. Ich wog über 122 kg und wollte im Leben mal wieder nichts dringender, als dünn zu werden. 

*Die Überschrift des allerersten Eintrages lautete allen Ernstes: "Hallo, wie geht es Ihnen?" Und weiter unten verkündete ich unumwunden, dass ich "gern ein Rennpferd wäre anstelle eines untersetzten Ponys". Ich war grausam und ziemlich gnadenlos mit mir. Wenn man sich auf aktuellen Diät-Blogs umsieht, erkennt man den Ton unschwer wieder. Die Autorinnen sind nicht netter zu sich als ich es war. Wenn ich heute auf mich und mein Verhältnis zu mir selbst zurückblicke, bin ich, ich kann es nicht anders sagen, entsetzt.

Das Diättagebuch war ein echter Hit. Natürlich war der Candybeach danach nie wieder so gut besucht. Aber das ist keine echte Überraschung: Es gibt schließlich kaum größere Themen als Diäten und Sex. Wer richtig viel Aufmerksamkeit will, sollte sich zumindest auf eins spezialisieren (wenn nicht gar auf eine Kombination aus beidem). 





Bekanntlich hatte ich selbst aber vor ungefähr gut zwei Jahren endgültig genug. Genug von Diäten und dem Selbsthass, der mich Zeit meines Lebens dazu angefeuert hat. Ich empfinde diese persönliche Evolution, die ohne die öffentliche Form des Blogs womöglich bis heute nicht stattgefunden hätte, als riesiges Glück. Wer sich öffentlich in Entwicklungsprozesse begibt, hat es manchmal leichter, weiter zu machen, denn da schauen ja welche zu und erwarten Berichterstattung. Das Aufarbeiten für eine Leserinnenschaft, sowie das Schreiben an sich helfen außerdem bei der geordneten Betrachtung der eigenen Situation. Man lernt schneller und mehr über sich, als wenn man ganz mit sich allein wäre.

Außerdem bin ich zahlreichen anderen Bloggerinnen, die sich, als ich als Neuling auf dem Gebiet herum eierte, schon viel länger mit Fett- und Selbstakzeptanz beschäftigt hatten, unendlich dankbar. Sie haben mir buchstäblich den Weg zu einem neuen Leben gezeigt. Und ich weiß heute natürlich auch, dass es anfangs mitunter sehr viel Kraft und Energie kostet, sich mit all seinem gesellschaftlich inakzeptablen Fett ins Schaufenster zu stellen und für sich in Anspruch zu nehmen, dass der eigene Körper so, wie er ist, endlich Respekt verdient. Hätten sie diesen Mut nicht vor mir gehabt, hätte ich ihn heute auch nicht.

Und jetzt? Jetzt mache ich hier einfach so weiter, wie in den letzten zwei Jahren. Danke an all die Beach Babes (dick oder dünn), die regelmäßig für einen kleinen Strandspaziergang vorbeikommen. Mal sehen, was wir in den nächsten 10 Jahren noch alles so finden werden...

In diesem Zusammenhang möchte ich auch nochmals an die heutzutage hier geltenden Regeln für das Erlangen eines perfekten "Beach Bodies" erinnern - 1. Hab' einen Körper. 2. Geh' an den Strand. 

NH

Freitag, 5. Dezember 2014

Follow me around 11: Unboxing

Im Zuge meines Organisierungs- und Aussortierungs-/Trennungsprojekts habe ich nun die Kiste geöffnet, in der ich die übrig gebliebenen Kosmetika meiner Mutter bis heute aufgehoben habe. Nein, gefilmt habe ich das "Unboxing" nicht, obwohl es ja angedacht war. Mir ist bewusst, dass das Aufbewahren von Hustenbonbons und benutzter Seife einen morbiden Hauch mit sich trägt. Aber es war meine Art, zu trauern. Bis jetzt, denn heute ist es Zeit für die meisten der Gegenstände zu gehen. Weil ich bekanntlich so viel Platz brauche, wie ich mir nur erkämpfen kann - gedanklich und natürlich räumlich. Dass hier eine ganz klare Verbindung besteht, war mir ja schon immer klar. Aber erst jetzt lichtet es sich um mich herum so deutlich, dass ich den Effekt anhaltender Ordnung und Klarheit der Dinge zum ersten Mal so richtig zu spüren beginne. Und dabei bin ich noch lange nicht fertig damit, meine Vergangenheit zu bändigen und zusätzlich die täglichen Material- und Informationsschlachten zu koordinieren. Ich kann es gar nicht erwarten, zu erfahren, wie viel leichter das Leben dann wohl erst sein wird.

Was nun die Kosmetik-Box meiner Mutter angeht, so treffen keine der folgenden Kriterien, die einem eigentlich dabei helfen sollen, zu entscheiden, ob man etwas wegschmeißt oder nicht, auf ihren Inhalt zu: 1. Benutzt du es? 2. Brauchst du es? 3. Liebst du es? Ich benutze und liebe nichts aus der Box. (vielleicht mit Ausnahme des Lippenstiftes und des Lavendelwassers). Trotzdem habe ich nicht alles weggeworfen.Vielleicht könnte man am ehesten sagen, ich brauche den kleinen Rest einfach wirklich noch, um mich weiter zu verabschieden. Wie gesagt, ich bin ja noch längst nicht fertig...

Ist noch geblieben: die letzte Flasche des Eau de Toilettes. Meine Mutter war wie ich - 
sie wechselte selten im Leben den Duft.
Die Puderdose aus der Handtasche.Estee Lauder und nachfüllbar.
Uralter Lippenstift - und wenn ich "uralt" sage, dann  meine ich ca. aus den 60er Jahren. Von Revlon. Auch nachfüllbar. Ein Beweis, dass das Festhalten von Gegenständen in der Familie liegt.
Eine Cremedose von Avon - vermutlich auch aus den 60ern. Ich habe als Kind damit gespielt. Früher war mal eine Parfum-Creme drin - mit dem Namen "RAPTURE".
Lavendelwasser - ein Erbstück von meiner Großmutter. Ich habe mich nicht getraut, es zu öffnen.
Nagelschere - noch ein Erbstück von der Mutter meiner Mutter, war aber durchaus noch lange in Gebrauch in unserem Haushalt.
Lippenstifte - mit charakteristischen Abnutzungsformen.
Meine Mutter hatte (fast) immer rote Fußnägel.
Und ja - ihre Loyalität Dingen gegenüber war mitunter fast unendlich. Diese Klammern kamen in den letzten Jahren jeden Morgen beim Föhnen zum Einsatz.
Der Kamm.
Die letzte Dose Nivea.

Schlussendlich: Die kleine Box bleibt. Alles, was in der großen ist, geht.












NH

© Candybeach.com 2014

Montag, 5. Mai 2014

Bekleidung des Tages / Guckbuch / Nachher

Das OOTD (Outfit of the Day) ist keine neue Kategorie dieses Blogs in dem Bemühen, es auf meine alten Tage anderen Fatshion-Bloggerinnen gleichzutun. Das überlasse ich auch weiterhin denen, die das sehr viel besser können und mit großer Leidenschaft betreiben. Aber ich habe mich daran versucht, weil ich ja schließlich damit geprahlt habe, dass ich es tun würde...

Mir war nicht klar, wie verdammt viel Arbeit so ein Fotoshooting ist - wenn man allein für alles zuständig ist. Und wenn der neue Selbstauslöser (hama) wirklich das Letzte ist! Wie im Leben - irgendwas is' imma. Das Kleid rutscht hoch, der Busen fällt (BH-Träger defekt), das Make-up zerfließt, die Haare falten sich zusammen, die Sonne kommt raus, man kann nicht mehr gucken und kriegt außerdem Schweißflecken. Und wenn man sich dann entnervt in den Türrahmen stellt, weil nur da das Licht einigermaßen brauchbar ist, dann wird einem erst hinterher klar, wie mitgenommen das gesamte Drumherum aussieht. (Wobei dieses, wie beim Haul-Video, natürlich auch für Authentizität sorgt.) Aus oben genannten Gründen stehen bei professionellen Produktionen ja mitunter so viele scheinbar untätige Menschen herum... Wie dem auch sei, allen Bloggerinnen, die uns täglich und als One-Woman-Show mit OsOTD versorgen, gebührt Respekt und Bewunderung für ihre Disziplin und ihren Elan.

Aber eigentlich war es schon immer so: Wenn ich zu viele Dinge am Körper trage, die günstigsterweise Bewegungen NICHT mitmachen und möglichst an Ort und Stelle bleiben sollen, wird's aufregend. Immer, immer, immer schon. An mir rebelliert Kleidung, ganz unabhängig von der Kleidergröße. Und sie wandert außerdem. Natürlich stets in die falsche Richtung. Außerdem werde ich leicht und auf wundersame Weise schmutzig. ; ) Als ich ein Kind war, sagte die Nachbarin, ich sähe immer aus, wie eine Räuberin. Nachdem ich mich redlich abgemüht hatte, die Fotos für diesen Beitrag zu machen, fragten mich meine Nachbarn übrigens später, ob ich zum fraglichen Zeitpunkt Besuch gehabt hatte...das freute mich dann doch ganz besonders, festzustellen, dass ich bisher alltags offenbar regelmäßig so abgerissen aussehe, dass man mich im Kleidchen schlicht nicht wiedererkennt.

Was ich hier übrigens anhabe: Bodycon-Kleider von Excite Clothing (Internet). Beim blauen Modell hatte ich mein Vorhaben zwar so gut wie aufgegeben, aber mir gefielen am Ende trotzdem besonders die aufgescheuchten Schmetterlinge am Hintern. ; )

NH


 






© Nicola Hinz 2014