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Sonntag, 10. Dezember 2017

Follow me around 57: 46

Weihnachtskasimir 2007

Mütterlicher Weihnachtsbaum 2007

1. Weihnachtsfeiertag 2007

Beim digitalen Sortieren habe ich die vorangehenden Fotos gefunden. Es sind Bilder von 2007. Das war das vorletzte Weihnachtsfest mit meiner Mutter. Und Kasimir ist 2011 gestorben. Meine Güte, ein ganzes Jahrzehnt ist das nun schon wieder her - wie die Zeit vergeht. (Und wie viel besser die Digitalfotografie seither geworden ist! ; ))

Der Fragebogen 2017


Ich fülle ihn auch seit fast 10 Jahren aus - seit 2011, um ganz genau zu sein. Und nun ist schon wieder ein Jahr rum, und ich werde morgen 46 Jahre alt. Ich "gehe auf die Fünfzig zu". Regelmäßige Leserinnen wissen, dass ich Geburtstage nicht leiden kann. Seit ich ein Teenager bin, sind sie für mich Abrechnungstage, bei denen das Ergebnis aus meiner strengen Perspektive niemals stimmt.  Die eigenen Erwartungen an das Leben und die innerhalb eines Jahres zu erbringenden Leistungen haben mir seit bestimmt über dreißig Jahren meine Geburtstage vermiest. Weil ich nie all das geschafft hatte, was ich mir vorgenommen hatte. Oder, wenn ich doch ein Vorhaben gemeistert hatte, sah es im wahren Leben nicht annähernd so glitzernd und glamourös aus, wie eigentlich gedacht. Mein Lied ist das ewige Klagelied der Perfektionistinnen und Selbstverbesserinnen. Ich könnte versuchen, mir für das kommende Jahr überhaupt nichts mehr vorzunehmen...aber ich weiß schon jetzt genau - auch daran werde ich wieder scheitern. 

Die Antworten vom letzten Jahr findet die, die es interessiert, hier. Die aus den Jahren davor, gibt es hier.


1. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie war Dein Jahr? 6 bis 7. 

2. Zugenommen oder abgenommen? Abgenommen. 

3. Haare länger oder kürzer? Gleich. Und noch immer auf dem Weg zurück zu Mausbraun. Das dauert vielleicht...

4. Mehr Geld oder weniger? Etwa gleich. Nicht genug, das steht fest.

5. Mehr Blogleserinnen, oder weniger? Mehr. Insbesondere dank zweier Auftritte im TV und einer Buchrezension.

6. Was war das beste Buch, das du 2017 gelesen hast? Ich glaube, ich habe gar kein gutes Buch mehr ganz gelesen. Ich hatte einfach keine Muße. Ich habe allerdings zumindest ein paar Werke über das Ausmisten und Aufräumen angelesen.

7. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? Nichts.

8. Mehr bewegt oder weniger? Sehr viel mehr gelaufen. Gereist, besichtigt und mit dem neuen Hund spaziert.

9. Die teuerste Anschaffung: Ein Weihnachtsgeschenk. Aber ich kann natürlich jetzt nicht verraten, was oder für wen es ist.

10. Das Beste, was du 2017 gegessen hast: Bratkartoffeln.

11. Das schönste Geschenk: Im letzten Jahr habe ich geantwortet: "Vielleicht kommt es ja noch." In diesem Jahr habe ich schon so viele bekommen, dass ich mich gar nicht entscheiden könnte. Ja ich weiß - verliebte Menschen sind einfach unerträglich...es lässt sich aber offenbar gar nicht verhindern - es passiert einfach. Wie Zombifizierung.

12. Lieblingslied 2017?: I hate my life von Trisha Paytas. (Vorsicht - Satire!)

13. Die meiste Zeit wo verbracht? Im Auto. Aber in diesem Jahr, um was von der Welt zu sehen, bzw. etwas davon zu besuchen.

14. Die größte Enttäuschung: Dass die dritte Staffel von Stranger Things erst Ende 2018 kommen soll. 

15. Die beste Investition: Mein Adventskranz. 




16. Die wichtigste Erkenntnis: Manchmal hat man eben doch Glück.

17. Was machst du zu Weihnachten? Noch immer gibt es Kartoffelsalat und Michel in der Suppenschüssel. Aber in diesem Jahr mit Katze und Mann mit Hund. Man sagt ja immer, Weihnachtsfeste und Urlaube sind Bewährungsproben für Beziehungen. Den Urlaub haben wir geschafft.

18. Was wünschst du dir für das kommende Jahr? Wie auch 2016: Mehr Geld. Weniger Kram. Mehr Klarsicht. Und die eiserne Härte einer Margaret Thatcher in eigener Sache. Ach, und Gesundheit. Ich bin jetzt schließlich langsam in dem Alter, und mein Nacken bringt mich seit Monaten echt um.

19. Was ist dein wichtigstes Ziel für 2017: Vloggen.

20. Und was jetzt? Jetzt breche ich schon mal gleich den Vorsatz, mir nichts mir vorzunehmen. Natürlich habe ich vor, das Blog aufzumöbeln und wieder regelmäßig Posts zu veröffentlichen. Vor Weihnachten wird das hier allerdings der letzte sein. Danke, dass ihr mir 2017 weiterhin hier am Strand Gesellschaft geleistet habt und feiert bitte alle ein 


HAPPY EVERYTHING 

mit schönen, friedlichen Tagen. 



NH

PS: Für die Weihnachtskarten möchte ich natürlich KEIN Porto von euch haben - wo kämen wir denn da hin?! Sie werden übrigens Mitte der Woche verschickt, wenn alles planmäßig läuft.

Freitag, 28. August 2015

Back to School Special

Another day, another drama...

(Britney Spears)

Kipperkarten zum Wahrsagen - Ausgabe von Regula E. Fiechter und Urban Trösch


Ich schlurfe seit geraumer Zeit durch mein Leben und habe das dringende Gefühl, dass es Zeit ist, etwas abzuschließen. Ich weiß zwar nicht was das „etwas“ wirklich ist, existiere aber in der Atmosphäre einer auslaufenden Lebensphase – ein wenig diffuse Erleichterung, ein wenig Desorientierung, eine stark verwackelte Aussicht auf Transformation. Etwas mehr Desorientierung als alles andere, vermutlich.

Fettakzeptanz. Been there, done that.*

Beim Durchgehen meiner Sprachmemos habe ich folgende Nachricht vom 24. April an mich selbst gefunden: "Das Blog hilft mir nicht mehr." Das stimmt übrigens immer wieder mal. Vielleicht sogar öfter als nicht. Ich habe aus meinen Zweifeln und meiner Frustration eigentlich nie ein Geheimnis gemacht. Die Tatsache, dass sich Fettaktivismus auf Deutsch nicht realistisch etablieren und ausweiten lässt und dass er sich weitgehend darin erschöpft, sich in Community-Schutzräumen zusammen zu tun und sich „trotzdem hübsch“ anzuziehen – all das lässt mich pausenlos an meinen Nägeln kauen, mit den Zähnen knirschen und mir meine Haare raufen.

Darüber hinaus stößt frau wieder und wieder auf das Phänomen, dass die Gemeinschaften und Foren von Dicken erstaunlich unzugängliche, ja geradezu elitäre und obendrein von Konkurrenz geprägte Strukturen haben können. Das mag natürlich auch auf das übergroße Bedürfnis zurückzuführen sein, sich zu schützen. Vor schlechten Gefühlen. Vor Negativität. Aber eben auch vor der Wahrheit über das Dicksein in unserer Gesellschaft. Leah hat mehrere Beiträge über dieses Thema und ihre gelegentlich aufflammende Enttäuschung darüber geschrieben. Sie und ich haben im Internet mithin ähnliche Beobachtungen gemacht. Wie startet man z.B. ein so richtig erfolgreiches „Fettakzeptanz-Blog“? 1. Sei nicht zu dick. 2. Lächeln, lächeln, lächeln.

Obwohl ich für mich selbst riesige Schritte in Richtung Selbstakzeptanz gemacht habe, und ich mein Blog tatsächlich für richtig und manchmal auch richtig wichtig halte, komme ich doch in beiden Disziplinen an Grenzen, die mich nun immer öfter anhalten lassen. Und dann sehe ich mich um – nach neuen Wegen. Wie setze ich in Zukunft die Reise zu dicker Akzeptanz für mich selbst fort? Und wie viel Energie kann ich zukünftig investieren, um andere ebenfalls aufzuwiegeln, sich auch auf die Reise zu machen? Wie wichtig kann es mir weiterhin sein, andere trotz ihres offenkundig nur zögerlichen oder ambivalenten Interesses irgendwie doch in den fahrenden Zug zu zerren? Denn so fühlt es sich mitunter an, wenn man sich pausenlos quasi in Vertretung für andere echauffiert. Und das ist etwas, was ich nicht nur im Hinblick auf Fettakzeptanz tue. Mir antue. Damit ist jetzt erst einmal Schluss. 

Und garantiert nie wieder werde ich meine Nase in ein Weight Watchers Magazin stecken, nur um noch mehr über Fettphobie zu begreifen. Obwohl ich sagen muss, dass mir schleierhaft ist, wie weite Teile der Leserinnenschaft diese Art von Lektüre, die im Hinblick auf weiblichen Selbsthass jede konventionelle Frauenzeitschrift weit in den Schatten stellt, offenbar regelmäßig überstehen, ohne sich die Pulsadern aufzuschneiden. Wie man wiederholt derartige sektengesteuerte Attacken auf das eigene Selbstwertgefühl aushält, ist mir ein Rätsel...

Aber wo war ich eigentlich gerade?

Ach, ja...ich muss meine Zuständigkeiten klären. Und ab jetzt bin ich radikal für mich selbst zuständig. Und wenn es in diesem Blog natürlich auch jetzt schon meistens irgendwie um mich geht, dann wird es in Zukunft sogar so sein:

I’m sorry if that sounds selfish, but it’s ME, ME, ME! 
(Jennifer Saunders, Absolutely Fabulous)
 Der Stand:
  • Ich bin 43 Jahre alt.
  • Ich bin Single. Das ist nicht das, was ich mir wünsche.
  • Beruflich und finanziell befinde ich mich in einem desorientierten und eigentlich auch ziemlich desolaten Zustand.
  • Gesundheitlich arbeite ich daran, einen erhöhten Zuckerwert unter Kontrolle zu bringen. Außerdem fühle ich mich bei Weitem nicht so stark und körperlich fit, wie ich gern wäre.
  • Und was ich trotz aller Fortschritte auf meinem Weg zu dicker Selbstakzeptanz an meinem Körper wirklich gern ändern würde, das sind die ballonartigen, omahaften Wasserfüße, die ich am Abend habe. Da! Ich hab’s gesagt! Diese Füße vertragen sich auch heute einfach nicht mit meinem Selbstbild. Und schon gar nicht mit dem, was von meiner Schuhsammlung übrig ist.
  • Ich hätte wirklich gern mehr Spaß im Leben.

Zunächst einmal werde ich wohl das UGLY GIRL PROJECT abschließen. Da braucht es nun noch ein Finale. Und dann leere ich die Hälfte der Bilderrahmen, die hier in meinem Zuhause herumstehen, und mache Platz für zukünftige Erinnerungen. (In den meisten Rahmen steckt übrigens meine Mutter.) Dann werde ich (u.U. zeitgleich) beginnen, zu trainieren und zu vloggen. In den kommenden Monaten lese ich nur noch Krimis und National Geographic. Womöglich buche ich mir zwischendurch auch noch einige Coaching-Termine mit ein paar Pinguinen. Und dann sehen wir mal weiter.

*Kenn' ich alles schon. / Erledigt.


NH


Samstag, 21. März 2015

Follow me around 20: A day in the life...

...ist ja auch so eine beliebte Vlogging-Kategorie. Aber die meisten meiner Tage eignen sich wahrhaftig nicht für pastellige Selbstdarstellung in bewegten Bildern. Und wer würde schon ernsthaft meine alltägliche, kleinlich-säuerliche Wirklichkeit betrachten wollen? Vorsicht: Nichts für schwache Nerven. ; ) 

Um es noch einmal deutlich mit den Worten von Jack Nicholson in "A Few Good Men" zu sagen: "You can't handle the truth!"


Dienstag:

8:30 Bürste bleibt im Haar hängen, fliegt mir aus der Hand und durchs Badezimmer.

9:00 Kundin ist krank und nicht da. Ich stehe bei ihr vor der Tür. Offenbar hat sie früh am Morgen eine Nachricht auf meinem AB hinterlassen, die ich aber nicht abgehört habe.

9:20 Zurück zu Hause. Sehr gesprächiger Nachbar fängt mich auf der Auffahrt ab und berichtet über den Stand seiner Zahnfleischprobleme.

10:42 Tasche auf dem Beifahrersitz fällt in scharfer Kurve seitlich um.

10:53 Stau vorm Hauptbahnhof. Habe Telefonnummer von Kunden nicht dabei. Muss Mail schreiben, dass ich mich verspäte.

11:05 Muss jetzt dringend aufs Klo. Noch immer im Stau.

11:11 Krampf im linken Fuß.

11:35 Beim Kunden. Mir fehlt Material, das vermutlich aus der Tasche gefallen sein muss.

12:40 Beifahrersitz hakt, lässt sich nicht nach hinten schieben. Aber die verlorenen Unterlagen liegen darunter.

12:42 Rüchwärtsgang hakt auch.

12.50 Essen im Auto. Sandwich-Soße am Jackenärmel.

12.51 Stelle fest, dass ich einen Anruf verpasst habe. Private Nummer. Nun kann ich mich für immer fragen, wer das wohl war.

13:21 Bauchschmerzen. Ziemlich stark sogar.

16:50 Bleibe bei Gang durch fremdes Gartentor am Riegel hängen. Loch in T-shirt.

18:15 Im Auto. SMS, dass ich meine Schreibmappe habe liegen lassen. Drehe um, fahre 20 Minuten zurück, um sie abzuholen.

20:37 Keine Blaubeeren bei Penny.

23:07 Klingeln im Ohr.


Donnerstag:

8:31 Kater reißt aus Übermut erst Loch in Schlafanzughose und dann in meine Wade.

8:36 Beim Aufreißen einer Tüte mit Katzenfutter spritzt mir die Soße ins Gesicht und auch sonst überall hin.

18:55 Ankunft in der "Galerie der Gegenwart" in Hamburg.

18:58 Bekomme mit meinem Ticket, für das ich 12 Euro bezahle (obwohl die Deutsche Bank die Ausstellung sponsort), einen orangefarbenen Aufkleber überreicht, den ich sichtbar auf mir anbringen soll.

18:59 Gerate mit übereifriger Kartenabreißerin in einen Streit, als sie mich "beraten" will, wo ich den Aufkleber am besten platziere. Sie ist beleidigt, weil ich ihren Rat nicht will. Und weil sie natürlich nicht begreift, dass ich orangefarbene Markierungen (aus vielerlei Gründen) an den Revers von Leuten echt daneben finde.

19:03 Kann das Klo nicht finden. Weil es im Treppenhaus kein Schild gibt.

19:09 Kein Abfallbehälter in der Kabine. Muss Müll in der Hand mit in den Vorraum tragen.

19:34 Einige deutsche Übersetzungen der englischen Titel sind mir aufgefallen. Sie sind nicht sehr gut/genau, bzw. im Prinzip falsch und verändern damit regelrecht die Bedeutung und/oder Auslegungsmöglichkeiten der betreffenden Kunstwerke.

ORLAN: "LE BAISER DE L'ARTISTE", 1977
Renate Bertlmann

19:44 Erstaunlich, dass eine Ausstellung der "Feministischen Avantgarde der 1970er Jahre" in der Hauptsache voll ist mit Darstellungen nackter Frauenkörper. Und mit Körpern, die durch ihre Besitzerinnen manipuliert und dargestellt werden (Selbstportraits). Körper, die selbst vor feministischem Hintergrund zumindest zum Teil noch immer zu posieren scheinen und irgendwie gefallen wollen (siehe besonders Hannah Wilke). Die hier dargestellte Anklage der damals und heute ja auch noch herrschenden Machtverhältnisse ist zahm. Die Wut ist eher ambivalent und mitunter, scheint sie sogar nach innen gerichtet. Stille Verwirrung bei der Bestimmung und Annäherung an die eigene Identität, Sexualität und Körperlichkeit, ein nicht enden wollendes, aus heutiger Sicht naiv anmutendes Abarbeiten von stereotypen Frauenrollen und Schönheitsstandards, sowie die Gefangenheit in eben jenen, bestimmen die Ausstellung. Die Werke sind, in Übereinstimmung mit fehlender Drastik, zumeist eher kleinformatig und schwarz-weiß. Eine radikalere Ausnahme ist Renate Bertlmann mit ihrer "Schwangeren Braut im Rollstuhl". Persönlich suche ich während meines Rundganges nach irgendeiner inneren Verbindung. Schließlich arbeite ich auch mit Selbstportraits, um mich selbst besser zu erkennen, und um mich in einer Situation der Rebellion zu stärken. Aber (fast) die ganze Zeit denke ich nur: Mehr Lärm! Mehr Farbe! Dann würde das alles vielleicht nicht so verdammt lange dauern! Mit der Freiheit. Man kann nicht rebellieren und kritisieren - und gleichzeitig nicht unangenehm auffallen. Und ja, wie am Meinungsbrett richtig bemerkt: Obendrein sind hier augenscheinlich nur weiße Künstlerinnen vertreten.

19:45 Am schwarzen Brett, an dem man auf roten Zetteln seine Meinung zur Ausstellung mitteilen soll, gibt es keine Stifte mehr in den Haltern. Kunstbewachungsdamen laufen hin und her und am Brett vorbei. Bleiben sogar davor stehen. Merken aber nichts.

20:02 Es gibt im Museumsshop so gut wie keine Postkartenmotive aus der Ausstellung. Nur den Katalog für 40 Euro. Den kaufe ich diesmal nicht.


 20:08 Kartenabreißerin grüßt nicht zum Abschied, wirft mir aber hämisch-giftigen Blick zu.

20:20 Gehe durch die Bahnhofshalle auf dem Weg zum Auto. Offenbar komplett zugedröhnter, gefährlich schwankender Herr taucht neben mir auf und schickt sich an, einen Schluck aus dem Strohhalm zu nehmen, der aus meinem Smoothie ragt.

20:25 Kaufe neuen Smoothie.

20:29 Gehirnfrost.

20:49 Im Auto. Sehe die Leuchtreklame für den Dom am Horner Kreisel. Ist wieder keiner da, der mit mir in der Geisterbahn knutscht...

NH

Sonntag, 1. März 2015

Follow me around 17: Klimawandel


Tatsächlich ist die Überschrift dieses Blogposts irreführend. Denn echten Wandel gibt es hier nicht. Alles ist wie immer. Das ist ja das Schlimme. Sogar das Abendessen ist mir schon wieder angebrannt. Ich sollte sie wirklich nur noch einmal blitzeblank überpolieren, und dann nie, nie, nie wieder benutzen. Diese verdammte Küche. Ich spiele ja ohnehin schon so lange mit dem Gedanken, mich nur noch von Blaubeeren, Joghurt und Baileys zu ernähren.

Allerdings ändert sich das Klima im Kopf. Es wird rauer. Als Frau E. aus B. mir in einem ihrer Kommentare schrieb, dass man sich als "Leserin, die mit ihrer Protagonistin mitfühlt, natürlich auch mal das ein oder andere (Zwischen)-Happy-End" wünscht, wusste ich ganz genau, was sie meinte. Was bei ihr aber Bedauern war, ist bei mir ein schon länger grummelnde Unzufriedenheit mit dem Blog und vor allem mit mir selbst, weil halt nichts Aufregenderes zu berichten ist. Fast könnte man es als bloggerische Sinnkrise bezeichnen. Auch weil ich gefühlsmäßig ohnehin wenig bewege.Während andere Fettakzeptanz-Blogger, gleichwohl hauptsächlich im englischsprachigen Ausland, immer wieder berichten, wie sie mit fettphobischer Besserwisserei und Bösartigkeit überschüttet werden, gelingt es mir hier nicht einmal, die Gemüter so zu erhitzen, dass mir ein paar Trolle gelegentlich ein paar Schimpfwörter ins Poesiealbum tippen. Nicht ein einziges Mal hat man mir so richtig wutentbrannt vorgeworfen, ich würde einen ungesunden Lebensstil propagieren und damit meine Leserinnen mit ins Unglück reißen. Wenig Kontroverse, wenig Ehre? Wer weiß.

Ach, ja...nicht einmal für einen impulsiven Sofakauf hat es gereicht. Dieses wäre das erste Sofa meines Leben gewesen - wären im Augenblick etwas mehr Schwung und weniger Zukunftssorgen im Spiel:


Zu allem Überfluss geht mir in letzter Zeit immer mal wieder das wirklich Blödeste, was einer dicken Feministin einfallen kann, durch den Kopf: Nimm schneller und mehr ab, vielleicht findest du dann doch endlich einen Partner. Also einen Mann, den du in deinem Leben willst, und der dich in seinem auch will. Und triffst nicht nur auf Fettliebhaber, die tatsächlich in letzter Konsequenz doch nur dicken Sex wollen. Dass mein Körper, so wie er ist, regelrecht begehrt sein könnte, hatte ich mir vor zwei Jahren nicht vorstellen können. Das habe ich ja auch oft genug erzählt. Zu wissen, dass es so ist, ist eine wirklich feine Sache. Aber wie es ist, wenn ein Mann, den ich interessant finde, im Gegenzug ebenfalls ernsthaft an mir als äußeres/inneres Gesamtpaket interessiert ist - daran kann ich mich kaum mehr erinnern. Man kann seine Wünsche oftmals schwer steuern. Sie sind kulturell geprägt und begleiten einen womöglich schon seit einer Ewigkeit. Manchmal ohne, dass man sich ihrer so richtig bewusst ist. Aber ich erinnere mich, dass ich mir diese Frage in ähnlicher Form schon 2013 während der Online-Vortragsreihe zum Thema dickes Internet-Dating gestellt habe: Was ist, wenn die meisten der Männer, die ich persönlich mir gern mal näher ansehen würde, von mir nichts wissen wollen, solange ich dick bin? Da nützt es wenig zu sagen, "der Richtige nimmt dich so, wie du bist". Das tut der aus meiner Sicht Richtige eben nicht...und der Richtige ist nun einmal der, den ich dafür halte. Richtig ist nicht automatisch irgendeiner, bloß weil er mich dick ok findet. Sonst wäre ich tatsächlich längst zumindest ernsthaft verbandelt und würde fortan Europa in einem Wohnmobil durchkreuzen, oder im schleswig-holsteiner Hinterland Dressurpferde züchten...Oh, Göttin...

Ich glaube, ich hol' mir noch ein Gläschen. Ich meine, das Gute daran, am ganzen Wochenende wieder allein zu Haus zu sitzen, ist ja immerhin, dass man nicht mehr fahren muss.

Unwetter

Ich hab' ja gesagt, dass Aussortieren und Heim-/Selbstorganisation süchtig machen können. Heute habe ich sodann die drei Kisten, die eigentlich mit Flohmarktartikeln gefüllt und inzwischen zum ständigen Hochsitz des Katers geworden waren, abgebaut und den Inhalt auf drei Empfänger verteilt: Oxfam, die Kemenate in Hamburg (ein Tagestreff für obdachlose Frauen) und das örtliche Sozialkaufhaus. Nun liegt alles im Auto und wartet darauf, ausgeliefert zu werden. Ganz ehrlich - ein freier Durchgang ist jetzt mehr wert, als die zu erwartenden Einnahmen aus einem langen Flohmarkttag. Und ich habe in meinem Leben so viele davon hinter mich gebracht, dass ich auf der Basis einschlägiger Erfahrungen verkünden kann, dass man sich in den Stunden zwischen 5 und 17 Uhr oft sehr viel mehr ärgert als freut. Am Ende ist man dann so geschafft, dass man abends die Hälfte des Verdienstes in ein Restaurant trägt, um sich dafür zu belohnen, dass man es hinter sich gebracht hat und jetzt eine Kram-Kiste weniger zurück in Auto stopfen musste.

Umzugskartons also erledigt. Und dann fiel mein Blick auf die Schneekugeln. Ich holte sie vom Regal und schüttelte sie alle mal so richtig gut durch. Und stellte fest, dass die Wetterbedingungen in den meisten von ihnen längst nicht mehr stürmisch genug sind. Das Wasser ist bis zur Hälfte verschwunden, oder es ist trüb geworden. Die Glitzer- und Schneepartikel vermischen sich mit grauslichen, grauen Schwebteilchen, die da nicht hingehören, sie klumpen oder legen sich wie ein Film über die Figuren, auf die sie eigentlich herabrieseln sollen. Also: Weg damit! Ich bin noch immer ein wenig verwirrt, wenn ich jetzt plötzlich freie Flächen habe, für die es nicht sofort wieder eine Verwendung gibt. Dann suche ich regelrecht nach einer. Ich nehme an, ich werde mich noch gewöhnen - an die Leerstellen. Wenn das so weiter geht.





Presseschau

Die EMMA für Januar/Februar enthält einen Artikel über den "großen Diätschwindel". Darum habe ich das Heft gekauft. Entweder er ist sehr schlecht aus dem Englischen übersetzt, oder, freundlich gesagt, sehr viel mittelprächtiger und am Thema vorbei, als sich das das wichtigste deutsche feministische Magazin im Hinblick auf die offensichtliche Verknüpfung von Fettphobie, Diskriminierung und der massiven kulturellen Schwächung von Frauen durch destruktive Schönheitsideale eigentlich erlauben sollte. Druckfehler und eigenartige Gedankensprünge seien dahin gestellt. Bei der im letzten Satz implizierten Mahnung, sich "gesund" zu erhalten, wird das Ganze allerdings langsam Brigitte-würdig und verdammt ärgerlich. Und wer z.B. das Folgende vor der Lektüre noch nicht wusste, dem ist ohnehin nicht zu helfen: "Laufend erscheinen auf den Bestsellerlisten neue Diätratgeber, die entweder völlig undurchführbaren Diäten oder Neuauflagen altbekannter Rezepturen das Wort reden." (S. 46, Emma Jan./Feb. 15)

Dafür fällt auf den ersten Blick scheinbar mal wieder die Brigitte Woman mit ihrer Februarausgabe dem Mutterblatt in den Rücken und fordert ihre Leserinnen allen Ernstes schon auf dem Titel auf: "Lasst's euch schmecken!" Mit Aurufezeichen! Im Heft gibt es gar ein mehrere Seiten langes "Plädoyer", endlich zu essen, was man will. Und was kommt dann? Eine ganzseitige Anzeige für die Brigitte Kochbuch-Edition: "Ganz ohne Diät zum Gleichgewicht - gesund bleiben und glücklich essen." Aha. So ist das also. Traut niemandem, liebe Schwestern.

NH

Donnerstag, 12. September 2013

Back to school!


Wo ist die Zeit nur hin? Die Sommerpause ist vorbei, der Kater bekommt seinen Winterpelz, die Lebkuchen stehen schon im Supermarktregal, und ich habe inzwischen so einiges über das Leben als dicke Dame im Allgemeinen und über Fettakzeptanz im Besonderen gelernt  - ab Montag, so der Plan, werde ich hier wieder regelmäßig ein Lied davon singen.

NH

 

Montag, 20. Mai 2013

Schreibarbeit


Shushan hat unter dem Titel „Wie ich arbeite“ den folgenden Fragebogen ausgefüllt. Außerdem hat  sie einigen anderen Bloggerinnen vorgeschlagen, das auch tun, und ich bin eine von ihnen. Weil ich ihr Ergebnis so spannend fand und Fragebögen dieser Art ohnehin mag, da man auch immer Dinge über sich selbst erfährt, die einem vorher möglicherweise gar nicht so klar waren, sind hier nun meine Antworten:

Bloggerinnen-Typ:
Dickes Showgirl auf einer echten Mission, aber leider oft mit zu wenig Zeit.
Gerätschaften digital:
Zwei Notebooks verschiedenen Alters, aber keins ist neu. Tablet (immer dabei). Blackberry (eher aus nostalgischen Gründen – Göttin, habe ich meinen ersten Blackberry geliebt: so lila, so rund, so unkaputtbar… ; )), ein paar Kameras verschieden Alters und Qualität.

Gerätschaften analog:
Küchenmaschinen, Taschenrechner, Wecker, Beatrix Potter Spieluhr, Sound Machine mit Horror-Geräuschen (ist die überhaupt analog?), Auto (?!).

Arbeitsweise:
Spontan und im „Jetzt-oder-nie-Modus“. Die Planung für einen Eintrag läuft oft schon länger, aber die Umsetzung erfolgt, wenn es endlich mal so hinkommt.

Wo sammelst du deine Blogideen?
Auf bunten Zetteln. Aus Papier und digital auf meiner Computer-Pinnwand. Ich habe versucht, damit zu leben, dass mir Ideen auch wieder verloren gehen, wenn ich sie einfach nicht aufschreibe. Das ist mir nicht gelungen. Also sammle ich fleißig weiter und ärgere mich ein wenig über alles, was nie zur Umsetzung kommt. Und das wird ja täglich mehr...

Was ist dein bester Zeitspar-Trick/Shortcut fürs Bloggen im Internet?
Da habe ich nichts zu bieten. Zeit zu sparen ist nicht meine starke Seite. Zeit im Internet zu vertun, allerdings schon.

Benutzt du eine To-Do-List-App? Welche?
Nein. Ich schreibe meine Listen mit der Hand. Das aber unermüdlich.
Gibt es neben Telefon und Computer ein Gerät, ohne das du nicht leben kannst?
Kamera und Selbstauslöser.
Gibt es etwas, das du besser kannst als andere?
Mich aufregen. Biestig und leicht verbittert Spott austeilen. Mit Katzen sprechen.

Was begleitet dich musikalisch beim Bloggen?
Nichts.
Was ist dein Schlafrhythmus?
Ich bin eine Nachteule. Ich gehe nur vor zwei Uhr ins Bett, wenn es mir ganz schlecht geht, oder ich um vier wieder aufstehen muss. Ich bekomme darum wochentags allerdings auch selten mehr als 5 Stunden Schlaf.

Wer sollte diese Fragen auch beantworten:
Alle, die es noch nicht getan haben. ; )
Eher introvertiert oder extrovertiert?
Neuerdings sehr viel extrovertierter.

Der beste Rat, den du je bekommen hast? „
Man bereut später nur das, was man nicht getan hat.“ Und: „Du wirst sterben. So oder so.“ Und: „Fuck it!“ Und: „Man sollte niemals hässliche, alte Unterhosen anziehen. Das schuldet man sich selbst.“

Noch irgendetwas Wichtiges?
Nö. ; )

NH