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Sonntag, 22. Dezember 2019

Adventsblog 5: Stille


Der Plan war ein anderer. Ich hatte vor, an jedem der Tage vom ersten bis zum zweiundzwanzigsten Dezember einen Blogpost zu verfassen. Das hat bekanntlich nicht geklappt. Der Stichtag war gestern (gerade ist Mitternacht), und das hier ist nur Blogpost Nummer fünf. 

Ich habe es indessen gerade noch hinbekommen, meine Küche von den Geschirrbergen der letzten Wochen (nein, kein Witz) und das Schlafzimmer vom Labyrinth aus Wäsche und Gedöns zu befreien, bevor das Christkind kommt und die Hände überm Kopf zusammenschlägt. Am Ende war das Ziel bis hierher nur noch, die Feiertage nicht in totaler häuslicher Verwahrlosung zu verbringen. Ein weiterer Plan war nämlich auch, dass am 22. Dezember mein letzter Arbeitstag ist - sei es in- oder außerhäusig. Und das bis zum 6. Januar. Das werde ich nicht ganz hinbekommen, aber ich habe beschlossen, mich, egal wie oder was, zumindest weitgehend an diesen Teil der Planung zu halten.

Und so ist nun hier auf dem Blog, aber auch sonst alles Mögliche aufgeschoben. Das Programm lautet essen, rumsitzen und zu schlafen, wenn einer danach ist. Und im Augenblick kann ich mir gar nicht vorstellen, dass mir jemals wieder nach etwas anderem sein könnte.

Aufgeschoben sind also auch die Kellervideos und Rezensionen, die hier halbfertig herumliegen. Ich habe Geschichten über Unsichtbarkeit, Aktivismusmüdigkeit, höllische Nachbarschaft und natürlich Entrümpelung - alle im Entwurfsstadium und nun alle verschoben ins nächste Jahr. Wenigstens ist der Keller fertig. Und nach quasi Jahrzehnten des Aussortierens habe ich 2019 noch einmal gut 750 Gegenstände aus meinem Haushalt geworfen. Darauf bin ich immerhin stolz. Abgesehen von einem Stapel überflüssiger aber mächtig bunter Kissen, über die (am besten in den kommenden Tagen) noch Entscheidungen gefällt werden müssen, habe ich den Kampf gegen die Dinge für beendet erklärt. Und übrigens auch für gewonnen. Das bedeutet nicht, dass meine Wohnung leer ist. Sie ist jetzt nur so organisiert, reduziert und handhabbar, dass ich nicht pausenlos an der Aufgabe meiner Selbstorganisation verzweifle - und das war sie vorher definitiv nicht. Bis vor ein paar Tagen noch nicht. 

2020 kommen nun andere Dinge dran. Ich kann es kaum erwarten zu sehen, WAS sie sind.

Habt alle einen guten Jahresausklang - wir sehen uns (hoffentlich) auf der anderen Seite wieder. Da soll es schließlich Kekse geben. ; )

HAPPY EVERYTHING!

NH

Dienstag, 3. Dezember 2019

Adventsblog 2: Alte weiße Männer



Ich wohne in Aumühle. Das ist ein am Sachsenwald gelegener Villenvorort am Rand von Hamburg. Als solcher ist er der natürliche Lebensraum der ältesten und weißesten Männer, die es gibt. Mit Jagdschein, Porsche Cayenne und dem unerschütterlichen Wissen, dass Ihnen alles, was sie haben, seien es Dinge oder Privilegien, auch absolut zusteht. Das ist ja vermutlich genau das, was einen alten, weißen Mann ausmacht: Der Mangel an Selbstzweifeln und Reflektiertheit gepaart mit der Weigerung, endlich Verantwortung für die Konsequenzen der eigenen Lebensweise und Welthaltung zu übernehmen. 

Wenn ich übrigens einen Euro hätte für jeden Fall, in dem sich ein alter, weißer Mann in meinem Wohnort anschickt, mir in seiner panzerartigen Dreckschleuder die Vorfahrt zu nehmen und dann wutentbrannt mit den Händen fuchtelt und mir einen Vogel zeigt, weil ich nicht für ihn bremse, dann hätte ich mittlerweile ein ganz hübsch gemästetes Sparschwein. Möge diese Anekdote als Symbol dienen für die grundsätzliche Sicht der Dinge durch die Brille alter, weißer Männer: Im Unrecht sein, andere gefährden und dann um sich schlagen, wenn jene Anderen sich das nicht mehr gefallen lassen.

Sie sind das Problem. Und das hört natürlich niemand gern. Gleichzeitig ist es in der Tat so, dass sie ein Problem sind, dass sich wenigstens zum Teil auf natürliche Weise erledigen wird. Zumindest in den USA wird vom Census Bureau nämlich für 2044 damit gerechnet, dass die Bevölkerungsgruppe der weißen US-Amerikaner ab da zahlenmäßig zur Minderheit wird, bzw. dass ihr Anteil unter 50% fällt. Das wird höchstwahrscheinlich erhebliche Auswirkungen auf kommende politische Wahlergebnisse haben. Es soll Leute geben, die auch das nicht gern hören wollen. Darunter vermutlich haufenweise alte, weiße Männer. Dabei sollten die sich vermutlich besser mal Sorgen um die Auswirkungen des Klimawandels im Jahr 2044 machen. Aber das setzt natürlich voraus, dass man an den Klimawandel glaubt.

Meine Feststellung, dass der alte, weiße Mann das Problem ist, ist natürlich schon wieder schrecklich undiplomatisch und unausgewogen - und geradezu gemein. Das liegt daran, dass ich undiplomatisch und gemein bin. Nicht so Sophie Passmann, deren Buch "Alte weiße Männer" ja den Untertitel "Ein Schlichtungsversuch" trägt. Ich dachte, das sei ironisch gemeint und griff munter zu. Natürlich hätte ich mir die Lektüre auch gleich ganz ersparen können, hätte ich die Rückseite nur aufmerksamer gelesen, denn dort attestiert Anne Will der Autorin, "unbestechlichen Feminismus" gäbe "es auch in lustig". Lustiger Feminismus...der Traum aller Maskulisten.

Ob der Feminismus der Frau Passmann unbestechlich ist, würde ich auf jeden Fall für fraglich halten. Dass er nicht sehr entschlossen ist, liegt zumindest in diesem Werk klar auf der Hand. Besonders lustig fand ich das Ganze dann auch nicht mehr. Für ihr Buch hat sie Männer aus Medien und Politik getroffen und sich mit Ihnen über das Thema Feminismus unterhalten. Den Zugang zu diesen Männern ermöglichten ihr ein gewisser Bekanntheitsgrad (Neo Magazin Royale, Zeit Magazin, etc.) und (meine Vermutung) die zu erwartende Harmlosigkeit. 

Das Problem der Frau Passmann ist, dass sie Zugang nicht nur bekommen, sondern ganz offenkundig auch behalten wollte, nachdem das Buch veröffentlicht worden war. Nur einer der Kotzbrocken wird auch am Ende als solcher portraitiert werden - der unsägliche Rainer Langhans. Anderen Antifeministen wie Ulf Poschardt oder Kai Diekmann wird am Ende keine Rechnung serviert, nicht für Überheblich- noch für regelrechte Schlüpfrigkeiten, offenbar weder im Gespräch selbst noch hinterher im Buch. Die Frau Passmann findet (fast) alle ihre Gesprächspartner klug und wundert sich umso mehr, dass sie dumme Witze machen, die sie ihnen dann aber auch "entspannt durchgehen lässt" (S. 109) - und das immer und immer wieder. 

Ein wenig ist es so, als ob die Frau Passmann ein Buch über schräge Blind Dates geschrieben hat. Es gibt viel Weißwein und ständig wird gegessen. Meistens will sie das Gegenüber lieber nicht wieder treffen, aber lässt dennoch ein gerüttelt Maß von deplatzierten Flirtversuchen und Anbiederung über sich ergehen, weil alles andere vermutlich zu peinlich oder unhöflich wäre. 

Ein ums andere Mal weiß die lustige Feministin aber auch gar nichts mehr zu sagen: "Ich öffne den Mund, sage aber nichts." (S. 252); "Mein Mund steht offen." (S. 253); "Ich presse die Lippen zusammen." (S. 80). Bei dieser Art des feministischen Kampfes haben alte, weiße Männer nicht viel zu befürchten. Dabei sagt Passmann in ihrem Vorwort selbst: "Die Machtfrage wird nie höflich gestellt..." (S. 11). Dann tut sie das genaue Gegenteil und das wird dann gedruckt. Vorsatz für 2020: Keine schlechten Bücher mehr lesen.

Natürlich gibt es auch alte, weiße Frauen. Das erste Mal, als ich diese Bezeichnung öffentlich gehört habe, beschrieb sie Barbara Schöneberger als Reaktion auf deren grotesken Rant über Männer, die Make-up tragen. Erst beledigt sie dicke Menschen, jetzt mag sie auch keine geschminkten Männer...ich glaube ja die Frau Schöneberger ist gar keine Frau, sondern ein alter, weißer Troll.

NH



Sonntag, 1. Dezember 2019

Adventsblog 1: Nach Hause



Trigger Warning: Lustig wird es hier nicht.

Da haben wir es wieder fast geschafft - das Jahr ist vorbei. Zeit für den Fragebogen, der hier mittlerweile zur Tradition geworden ist. Eine der Fragen ist für gewöhnlich, was das "Lieblingslied" des vergangenen Jahres war.

Vor ein paar Tagen habe ich durch Zufall Catie Turners "Home" auf YouTube entdeckt. Und aus heiterem Himmel Rotz und Wasser geheult.

Wenn man mich fragt, wie es mir geht, antworte ich bereits seit Jahren: "Danke, man tut immer sein Bestes." Dabei lächle ich und vermutlich denken die Meisten, ich mache einen drolligen Witz. Dabei ist es mein voller Ernst und die absolute Wahrheit. Aus Unterhaltungen mit meinen Leserinnen weiß ich aber auch, dass viele ganz genau verstehen dürften, was ich meine.

Catie Turners Lied beginnt mit "I miss you when I least expect it" (Ich vermisse dich dann, wenn ich es am wenigsten erwarte) Mittendrin heißt es "I just wanna go home" (Ich will einfach nur nach Hause). Es waren wohl diese beiden Stellen im Text, die mich besonders erwischt und aufgemischt haben.

Es war wieder kein leichtes Jahr. Wenn ich mich durch den Alltag boxe und in der Tat immer mein Bestes versuche, rede ich oft mit mir selbst (natürlich nur, wenn ich mit mir allein bin : )), besonders morgens. Mein reflexartiges Grundeingestellungsmantra ist: "Ich will nach Hause. Ich will nur noch nach Hause. Bitte lasst mich doch endlich nach Hause." Offenbar bricht sich in dieser Ansprache das kulturell tief verwurzelte Konzept einer unsichtbaren aber zuständigen Instanz Bahn. Es überrascht mich immer wieder, denn natürlich bin ich nicht religiös. Manchmal wünschte ich, ich könnte es sein. So, wie ich mir manchmal wünsche, ich könnte mich einfach mal sinnlos betrinken. Aber ich kann weder das Eine noch das Andere, denn wenn ich etwas mehr hasse als alles andere, dann ist es, Kontrolle abzugeben.

Meiner Mutter habe ich kurz vor ihrem Tod verordnet, dass sie nicht sterben dürfe, denn ohne sie würde ich kein Zuhause mehr haben. Auch das war die Wahrheit.

Jetzt bin ich fast 48 Jahre alt und statt sich von der Zeit heilen zu lassen, wird meine Haut immer dünner. Mir sind bis heute zu viele weggestorben und mir war nicht klar, wie nah unter der Oberfläche die Trauer sich, vermischt mit panischer Verlustangst, abgelagert hat. Mir graut es vor noch mehr Gräbern. Und wenn es nur eine weitere kleine Katzenurne im Regal ist. Die Verluste bis hierher stapeln sich wie die Kisten im Keller. Und die dazugehörenden Schmerzen brechen unerwartet aus dem Unterholz.

Wenn mir irgendetwas Erzählenswürdiges passiert, ist der erste Impuls auch nach 10 Jahren noch zumeist, es meiner Mutter erzählen zu wollen. Das verschiebt sich nun ein wenig, und Oliver rückt langsam an die Stelle des wichtigsten Empfängers für Neuigkeiten.

Wie dem auch sei, es ist ein schönes und tieftrauriges Lied. Der Rest des Fragebogens kommt später.

NH



Sonntag, 23. Dezember 2018

Fröhliche Feiertage!

Diese Karte kommt von hier. 
So, nun ist das Jahr schlicht rum. Ich hoffe, dass alle, die gern eine Karte zum Fest bekommen wollten, auch eine erreicht hat. Sollte jemand nichts mehr gehört haben, tut es mir sehr leid. Entweder waren die Karten alle, oder ich zu zerstreut. So oder so hoffe ich, ich kann euch auf diesem Wege noch alles Liebe und Gute für die kommenden Tage wünschen - und natürlich auf das Jahr, das auf der anderen Seite schon auf uns wartet.

In diesem Sinne,
Eure Nicola

Sonntag, 10. Dezember 2017

Follow me around 57: 46

Weihnachtskasimir 2007

Mütterlicher Weihnachtsbaum 2007

1. Weihnachtsfeiertag 2007

Beim digitalen Sortieren habe ich die vorangehenden Fotos gefunden. Es sind Bilder von 2007. Das war das vorletzte Weihnachtsfest mit meiner Mutter. Und Kasimir ist 2011 gestorben. Meine Güte, ein ganzes Jahrzehnt ist das nun schon wieder her - wie die Zeit vergeht. (Und wie viel besser die Digitalfotografie seither geworden ist! ; ))

Der Fragebogen 2017


Ich fülle ihn auch seit fast 10 Jahren aus - seit 2011, um ganz genau zu sein. Und nun ist schon wieder ein Jahr rum, und ich werde morgen 46 Jahre alt. Ich "gehe auf die Fünfzig zu". Regelmäßige Leserinnen wissen, dass ich Geburtstage nicht leiden kann. Seit ich ein Teenager bin, sind sie für mich Abrechnungstage, bei denen das Ergebnis aus meiner strengen Perspektive niemals stimmt.  Die eigenen Erwartungen an das Leben und die innerhalb eines Jahres zu erbringenden Leistungen haben mir seit bestimmt über dreißig Jahren meine Geburtstage vermiest. Weil ich nie all das geschafft hatte, was ich mir vorgenommen hatte. Oder, wenn ich doch ein Vorhaben gemeistert hatte, sah es im wahren Leben nicht annähernd so glitzernd und glamourös aus, wie eigentlich gedacht. Mein Lied ist das ewige Klagelied der Perfektionistinnen und Selbstverbesserinnen. Ich könnte versuchen, mir für das kommende Jahr überhaupt nichts mehr vorzunehmen...aber ich weiß schon jetzt genau - auch daran werde ich wieder scheitern. 

Die Antworten vom letzten Jahr findet die, die es interessiert, hier. Die aus den Jahren davor, gibt es hier.


1. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie war Dein Jahr? 6 bis 7. 

2. Zugenommen oder abgenommen? Abgenommen. 

3. Haare länger oder kürzer? Gleich. Und noch immer auf dem Weg zurück zu Mausbraun. Das dauert vielleicht...

4. Mehr Geld oder weniger? Etwa gleich. Nicht genug, das steht fest.

5. Mehr Blogleserinnen, oder weniger? Mehr. Insbesondere dank zweier Auftritte im TV und einer Buchrezension.

6. Was war das beste Buch, das du 2017 gelesen hast? Ich glaube, ich habe gar kein gutes Buch mehr ganz gelesen. Ich hatte einfach keine Muße. Ich habe allerdings zumindest ein paar Werke über das Ausmisten und Aufräumen angelesen.

7. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? Nichts.

8. Mehr bewegt oder weniger? Sehr viel mehr gelaufen. Gereist, besichtigt und mit dem neuen Hund spaziert.

9. Die teuerste Anschaffung: Ein Weihnachtsgeschenk. Aber ich kann natürlich jetzt nicht verraten, was oder für wen es ist.

10. Das Beste, was du 2017 gegessen hast: Bratkartoffeln.

11. Das schönste Geschenk: Im letzten Jahr habe ich geantwortet: "Vielleicht kommt es ja noch." In diesem Jahr habe ich schon so viele bekommen, dass ich mich gar nicht entscheiden könnte. Ja ich weiß - verliebte Menschen sind einfach unerträglich...es lässt sich aber offenbar gar nicht verhindern - es passiert einfach. Wie Zombifizierung.

12. Lieblingslied 2017?: I hate my life von Trisha Paytas. (Vorsicht - Satire!)

13. Die meiste Zeit wo verbracht? Im Auto. Aber in diesem Jahr, um was von der Welt zu sehen, bzw. etwas davon zu besuchen.

14. Die größte Enttäuschung: Dass die dritte Staffel von Stranger Things erst Ende 2018 kommen soll. 

15. Die beste Investition: Mein Adventskranz. 




16. Die wichtigste Erkenntnis: Manchmal hat man eben doch Glück.

17. Was machst du zu Weihnachten? Noch immer gibt es Kartoffelsalat und Michel in der Suppenschüssel. Aber in diesem Jahr mit Katze und Mann mit Hund. Man sagt ja immer, Weihnachtsfeste und Urlaube sind Bewährungsproben für Beziehungen. Den Urlaub haben wir geschafft.

18. Was wünschst du dir für das kommende Jahr? Wie auch 2016: Mehr Geld. Weniger Kram. Mehr Klarsicht. Und die eiserne Härte einer Margaret Thatcher in eigener Sache. Ach, und Gesundheit. Ich bin jetzt schließlich langsam in dem Alter, und mein Nacken bringt mich seit Monaten echt um.

19. Was ist dein wichtigstes Ziel für 2017: Vloggen.

20. Und was jetzt? Jetzt breche ich schon mal gleich den Vorsatz, mir nichts mir vorzunehmen. Natürlich habe ich vor, das Blog aufzumöbeln und wieder regelmäßig Posts zu veröffentlichen. Vor Weihnachten wird das hier allerdings der letzte sein. Danke, dass ihr mir 2017 weiterhin hier am Strand Gesellschaft geleistet habt und feiert bitte alle ein 


HAPPY EVERYTHING 

mit schönen, friedlichen Tagen. 



NH

PS: Für die Weihnachtskarten möchte ich natürlich KEIN Porto von euch haben - wo kämen wir denn da hin?! Sie werden übrigens Mitte der Woche verschickt, wenn alles planmäßig läuft.

Montag, 28. März 2016

Follow me around 44: Schöner scheitern - Zwischenbericht 1

Ich hänge in der Kurve. Bei allem. Bei der geplanten Buchveröffentlichung im Eigenverlag, Beim "30 Tage Entrümplungsprojekt", bei den Walking-Vlogs und bei den guten Vorsätzen, mich über Ostern mal so richtig zu erholen, erst recht. Außerdem noch beim Karrieremachen und Heiraten, beim Putzen, der Gartenarbeit, beim Lernen für meine IHK-Prüfung, sowie beim Erstellen einer Kapsel-Garderobe.

Typisch, die Abteilung für Faden und Kleber geschlossen. Wie so oft. Wie soll frau da alles zusammenhalten?
(Kunsthalle Kiel)

Eigentlich sollten ja 500 Gegenstände den Haushalt in 30 Tagen verlassen. Jetzt ist nur noch Zeit bis zum 8. April und ich bin gerade eben erst bei Ding Nr. 199 angekommen. Das war eine hasenförmige Kerze, die nun heruntergebrannt ist. Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass ich nicht jeden individuellen Gegenstand gezählt, sondern so Ansammlungen wie z.B. eine "Hand voll Make-up-Schwämmchen" als Einheit verbucht habe - sonst wäre ich vielleicht schon bei der Hälfte. Vermutlich werde ich doch den Keller in das Projekt einbeziehen müssen, und dann so richtig die Ärmel hochkrempeln. Wobei viele der aussortierten Dinge dann natürlich noch lange nicht ganz WEG sind und auf Weitervermittlung und Abtransport warten.

Diesmal plane ich nicht, alles zu Oxfam zu schaffen, denn da ich nun einmal pro Woche die Schulbank einer privaten Ausbildungsstätte drücke und dafür natürlich monatlich Schulgeld bezahlen muss, werde ich ganz im Geiste von "ich bin alt und brauche das Geld" einen Internetverkauf, insbesondere meiner zum Teil nagelneuen Kleidung ab Größe 50 aufwärts, organisieren. Hoffentlich in der kommenden Woche. Ungetragene Schuhe wird es auch geben. Mehrheitlich mit hohen Hacken. Bei diesen Souvenirs aus London ringe ich noch mit mir, ob ich sie auf den Markt werfe...


Ostern war doof. Aus vielen Gründen. Und am Ende wirklich mal wieder einsam und traurig. Erst fehlte der Antrieb. Dann die Zeit. Vom Nachbargrundstück gähnt uns weiterhin das riesige Monsterloch entgegen und trotz fester Vorsätze habe ich es nicht einmal bis ans Meer geschafft, oder irgendein Schloss besichtigt. Meine Therapeutin wird mit mir ganz und gar nicht zufrieden sein.

PS: Hat jemand von euch eine Meinung zu #gamergate, bzw. Frauenfiguren in Computerspielen? Ich würde mich über eine kurze Unterhaltung und erhellendes Input freuen.

PPS: Aber dann kam soeben das Glück, das mich wahrhaftig immer und überall findet: hungrige Katzen.



NH

Sonntag, 20. Dezember 2015

Follow me around 36: Große Erwartungen




Ich kann mich nicht daran erinnern, so darauf gewartet zu haben, dass es endlich Weihnachten wird. Weil ich es in diesem Jahr nicht erwarten kann, meine Ruhe zu haben. Ich nehme an, hier machen sich dann doch fünf urlaubsfreie Jahre bemerkbar. Frau wird in der Tat nicht jünger. Davor war ich ein ganzes Jahrzehnt ohne herkömmliche Verschnaufpause ausgekommen. Und mit denkbar wenig Erbauung zwischendurch.

Einen Schaden

Vor einer Woche stand ich mit einem Klempnermeister in meinem Bad und war mir klar darüber, dass ich gerade ausgeraubt wurde, während ich daneben stand. Und die Polizei konnte ich nicht rufen.

Sein Mitarbeiter hatte seiner Problemanalyse und seinem Geheiß zufolge ein Teil ausgetauscht, das gar nicht hätte ausgetauscht werden müssen. Der minderbemittelte Geselle hatte 45 Minuten nach dem vereinbarten Termin in meiner Wohnungstür gestanden und hatte auf meinen Hinweis angesichts der Verspätung geantwortet: "Ach, ich bin zu spät? Das ist ja schlecht." Da hätte ich ihn vors Schienbein treten und vom Hof jagen sollen. Aber ich bin zu zivilisiert. Leider.

Jetzt bekomme ich eine Rechnung für eine unnötige Reparatur. Dass sie unnötig war, hatte ich ermittelt, indem ich mich halb unter mein Klo geschoben und beobachtet hatte, wo das Wasser wirklich hervorquoll und sich zu Tropfen formte. Da war der Geselle schon weg. Vorher hatte er mir die Tupper-Schüssel gereicht, die unter dem Leck gestanden hatte, weil ich die ja nun nicht mehr brauchte. Aber ich hatte eine dunkle Ahnung, und stellte sie sofort wieder an Ort und Stelle. Der erste Tropfen fiel nur Minuten nach dem Abgang des Eingehirnzellers.

Auf meine vehemente telefonische Beschwerde hin erschien sein Chef einige Stunden später noch einmal höchstpersönlich. Er war sowieso im Ort und hatte gerade etwas bei der Polizei repariert, wie er mir stolz erklärte. Und als ich ihm sagte, dass er sich bei meinem Tropfproblem geirrt hatte, antwortete er: "Nein, nein. Das hat schon gestimmt. Vielleicht hat sich hier oben bei der Reparatur etwas gelockert." Damit zog er Schrauben und Dichtungen fest, die von Anfang an das das Problem gewesen waren. Der Kater und ich sahen ihm zu und ich sagte zum Kater: "Das glauben wir doch im Leben nicht, oder?" Der Kater zuckte die Schultern, während der Handwerksmeister pissig wurde und mir mitteilte, dass er "sowas" schließlich jeden Tag machen würde. Woraufhin ich ihm mitteilte: "Ja, darum dachte ich ja auch, dass Sie das eigentlich können müssten."

Ich habe die Nase sooo voll von solchen Typen. Sie lügen einem ins Gesicht und wissen genau, dass alle Anwesenden es wissen. Aber sie halten das ganz leicht aus, weil ihnen entscheidende, soziale und selbstbeschränkende Mechanismen schlicht ins Klo gefallen sind. Ich frage mich, ob die Polizeistation wohl noch steht, oder ob sie nach fachmännischer Reparatur inzwischen auf einer Flutwelle aus polizeilichen Exkrementen hinweg geschwommen und im Sachsenwald verschwunden ist...das wäre immerhin eine kleine Entschädigung. Ich und die Polizei sind bekanntlich auch nicht befreundet.

Ruhe

Möglichst wenig Kontakt mit der Außenwelt ist mein erklärtes Ziel für die Feiertage. Zwei Wochen, in denen man in der Welt so gut wie nichts bewegen kann - und darum auch nicht muss. Nichts müssen - das wäre mal was. Und damit ich nicht zwischen den Jahren rumsitze und immer denke "du müsstest", versuche ich vorher, noch alles Mögliche zu reißen - aufräumen, abschließen, abschicken, aufstocken...mein Albtraum ist, am 24. morgens festzustellen, dass ich vergessen habe, irgendetwas einzukaufen und doch noch einmal aus dem Haus muss.

Am liebsten wäre es mir, ich könnte mich bis Neujahr einigeln. Tatsächlich habe ich aber zumindest am 27. um 16:00 Uhr in der Gecko Bar einen neuen Termin zum Speed Dating. Der ist übrigens inzwischen schon zweimal mangels Teilnehmern verschoben worden. Diesmal wurde er nun bestätigt - offenbar versuchen einsame Leute ausgerechnet zwischen den Jahren doch noch einmal ihr Glück.

Mir fällt in den letzten Wochen noch öfter etwas runter/aus der Hand/daneben, als sonst. Vorhin knallte mir eine Schachtel mit Schokostreuseln auf den Küchenboden. Sie war voll. Und offen. Irgendjemand sagte: "Immer, wenn dir etwas runterfällt, denkt jemand an dich und will dich sehen." Ich frage mich, wer das wohl sein könnte. Muss irgendwie dringend sein.

Der Dekorateur...

...hat ein beunruhigend intensives Interesse an der Dekoration.

NH