Posts mit dem Label 2013 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 2013 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 23. Dezember 2013

Das Fest der Liebe...



...verbringe ich allein. Und das nicht so sehr im Sinne von "ohne andere Leute", denn das ist eher selbstgewählt, sondern gefühlstechnisch. Nach einem Jahr Online-Dating-Selbstversuch, sitze ich wieder einsam unter dem metaphorischen Weihnachtsbaum. Zwar sehe ich momentan den Wald nicht, aber dennoch kann ich zumindest dieses weiterhin als gesicherte Erkenntnis verkünden: Für dicke Frauen, die sich für ihren Körper schämen, ist Sex mit freundlichen, begeisterten Fett-Liebhabern eine großartige Möglichkeit, sich in der eigenen Haut sehr schnell sehr viel besser zu fühlen, lang vermisste Bestätigung zu bekommen, und obendrein eine Menge Spaß zu haben. Es kann gar nicht oft genug gesagt werden, und meine Entwicklung von der ersten Idee über das Zögern bis zur Umsetzung kann man auf dem Blog ganz gut nachvollziehen. Ich habe es zuerst auch nicht für möglich gehalten. Und dann musste ich den nötigen Mut aufbringen. Und natürlich muss man wählerisch, egoistisch, selbstbestimmt und umsichtig sein in der Auswahl der Partner, denn was selbstverständlich nicht passieren soll, ist ein blödes Erlebnis. Peinlichkeit, Herabsetzung oder Unverschämtheit sind Gift fürs ohnehin gebeutelte Selbstwertgefühl einer dicken Dame und auf jeden Fall zu vermeiden. Darum stürze frau sich nur kopfüber ins Vergnügen, wenn die Sicht bis auf den Grund reicht, bzw. wenn sie echt gute Gründe hat, zu vertrauen. Im Zweifel Finger weg, anziehen und gehen.

All I want for Christmas...

Bekanntlich hatte die dicke Dame dann den Plan, den nächsten Schritt zu machen und so etwas wie eine feste Beziehung anzustreben. Zu einem Mann. Um genau zu sein: "Ich suche tatsächlich nach DER altmodischen starken Schulter zum Anlehnen. Nach jemandem, der weiß, was er will, selbstbewusst, klug und verlässlich ist, eine Menge Energie, Humor, und Feuer im Herzen, aber dafür weder Angst vor Verbindlichkeit noch Ungewissheit hat, gern redet, gut riecht und definitiv KEIN Sexmuffel ist. Ach, und es ist von vitaler Bedeutung, dass er Ironie versteht. Ich bin für vieles offen, tolerant, abenteuerlustig und lasse mich gern überraschen. Was ich nicht ertrage, sind Langweiler und Erbsenzähler." Das Vorangegangene ist mein Text im letzten noch bestehenden Profil bei einer Internet-Partnerbörse, nämlich rubensfan.de. Wie schon einmal erwähnt, habe ich alle anderen zwischendurch gelöscht. Man muss meiner Erfahrung nach verdammt aufpassen, dass die Suche nach einem Partner im Internet nicht zum Lifestyle und damit zum Selbstzweck wird. Trotzdem, der obige Text dürfte von selbst erklären, warum sich das Projekt Beziehung bis heute ungleich schwerer gestaltet, als passende Bettgenossen zu rekrutieren.


Dabei waren sie doch alle an meiner Seite, um mir auf die Sprünge zu helfen: Die Petra, die Brigitte, die Maxi und all die anderen Tussis. Wo wäre ich ohne die geballte Weisheit von Frauenmagazinen? Naja, vermutlich genau dort, wo ich jetzt ohnehin bin. Obwohl ich nun doch endlich mal weiß, woran ich einen "richtigen Mann" erkenne: am Bart. Offenbar stehen Männer außerdem auf Pornographie und Grillen - wer hätte das gedacht. Und übrigens sollte frau sich keine Sorgen machen, wenn sie in der Wohnung eines Mannes einen Teddybären entdeckt - was für eine Erleichterung. An anderer Stelle herrscht  allerdings frische Verwirrung: Welcher Typ Partnerin bin ich denn nun? "Kumpel, Sexkätzchen oder Ersatzmutti?" Es soll ja Männer geben, die ihre Partnerin als "Regierung" bezeichnen. Na wenigstens ein Problem hätten wir dann doch für immer aus der Welt geschafft: Wenn Frau nicht will, dass ein Mann nach dem Sex sogleich aufspringt und wegläuft, sollte sie stets "eine Flasche Sekt und etwas Obst neben das Bett stellen." Finde ich vernünftig. Wenn er dann doch wegrennt (und das wird mit der fraglichen Disposition vermutlich trotz der Aussicht auf eine Ladung Vitamin C passieren), muss man selbst wenigstens nicht aufstehen, um es sich allein noch ein wenig gemütlich zu machen. Persönlich würde ich so gesehen ja auch noch ein paar belegte Brote vorbereiten. In dem Zusammenhang ohnehin noch ein Wort zur Warnung: "Sex ohne Verlieben" sollte frau laut Brigitte gleich gar nicht erst versuchen. Seitdem kann ich es nun ja kaum erwarten zu sehen, wann das Cover wieder so züchtige Überschriften zieren werden, wie: "Was Männern so gut schmeckt." Ernsthaft - wer würde sich eigentlich nicht lieber seine Hand abhacken, als so einen Quatsch zu schreiben? Ich glaube, ich erwähnte bereits an anderer Stelle, dass ich noch immer und trotz des anorektischen Personals in den Modestrecken VOGUE-Leserin bin, weil dort der Göttin sei Dank keine bescheuerte Lebenshilfe erteilt wird.

Gern gedruckt wird nebenbei auch der Hinweis, dass Männer im Grunde Kinder sind. Oder so etwas wie Eichhörnchen. Sie sind niedlich, aber tun halt dauernd Dinge, die vernünftige Menschen (Frauen) niemals täten. Im Grunde muss man sie nicht ernst nehmen. Aber lenken muss man sie schon. Das heißt, man muss ihnen sagen, was sie anziehen sollen. Und sie davon abhalten, singende Karpfen an die Wand zu nageln. Was Frauenmagazine eher selten vorschlagen, ist dass man seinem Partner mal deutlich erklärt, warum er gefälligst mehr Frauen in den Vorstand seiner Firma befördern sollte, aber wahrscheinlich bin ich da schon wieder auf einem überwucherten Holzweg unterwegs - quasi in einer lila Latzhose und ohne BH. So wie ich vermutlich auch exotisch in der Hinsicht bin, dass ich um Himmels Willen keinen Mann will, den ich nicht ernst nehmen kann. Ich will kein putziges aber abwegiges Tierchen von einem anderen Planeten in meinem Bett. Ich will kein Augenzwinkern und mildes Lächeln über die angeblich geschlechtsspezifischen Marotten des anderen. Ich will einen ganzen und erwachsenen Kerl, der meine Sprache spricht.

Wo wir gerade bei Ratschlägen waren, die ratlos machen - da ich nun öffentlich erzählt habe, dass ich mir eine Beziehung wünsche, bekam ich zum Geburtstag erstmals in meinem Leben themenbezogene Geschenke, u. a. ein Buch des Autors Eckhart Tolle mit dem schmissigen Titel "Lebendige Beziehungen jetzt!" Mit einem roten Herz auf jeder zweiten Seite und voll mit so bemerkenswerten Betrachtungen wie der folgenden: "Zurzeit befinden sich die meisten Männer ebenso wie die meisten Frauen noch fest in den Klauen des Verstandes: Sie sind mit dem Denker und dem Schmerzkörper identifiziert. Genau das verhindert natürlich die Erleuchtung und das Erblühen der Liebe. In der Regel ist der denkende Verstand das größte Hindernis für die Männer und der Schmerzkörper für die Frauen, obwohl in vereinzelten Fällen auch das Gegenteil der Fall ist und in anderen Fällen beide Faktoren gleichermaßen wirken." (Tolle, S. 62)

Ich werde mich jetzt selbstverständlich nicht dazu hinreißen zu lassen, Witze über Männer zu machen, deren größtes Problem offenbar ihr denkender Verstand ist - obwohl zumindest der Autor selbst es eindeutig verdient hätte, aber eins wird verdammt noch einmal nicht ungesagt bleiben, weil sonst mein Schmerzkörper vermutlich explodieren würde: WOMIT VERFICKT NOCHMAL HABE ICH DAS VERDIENT?!! WIE KOMMT JEMAND DAZU, MIR SO EINEN MÜLL INS HAUS ZU TRAGEN - GETARNT MIT GESCHENKPAPIER?!!

Ist es nicht genug, dass ich einem Horrorladen wie elitepartner.de ein Jahr lang fast 40 Euro pro Monat gezahlt habe, weil ich schlicht blöd bin? (Aber dazu in einem späteren Post mehr.) Reicht es nicht, dass ich mich monatelang täglich mit Männern auseinandergesetzt habe, die die Verwendung von "das" und "dass" bisher nicht gemeistert haben und ihre erste E-Mail an eine ihnen zwar sympathische aber eigentlich unbekannte Frau mit "Moinsen, schöne Frau, geht's gut?" beginnen? War es wirklich kein ausreichendes Opfer, sich 2013 wahrhaftig mehrmals sagen zu lassen, dass es sich nicht lohnt, mit mir Kaffee trinken zu gehen, weil ich ja keine Kinder will und es deshalb mit mir ja auch keine Zukunft geben kann?

Nicht so schlimm

Wie dem auch sei, ein sehr viel erfreulicheres und lebensnäheres Geschenk war auf jeden Fall die Körperlotion, die mir eine Verwandte übergab - in Verbindung mit dem Hinweis, dass ich mich ja jetzt schließlich hübsch machen muss, wenn ich einen Mann suche. Aus der selben Richtung kam sodann obendrein das durchaus nett gemeinte Lob, dass ich in einem bestimmten T-shirt, dass ich an jenem Abend trug, ja "gar nicht so schlimm" aussähe. Gemeint war natürlich "nicht so dick" (merke: dick = schlimm).

Golda Poretsky hat einen Leitfaden für dicke Frauen erstellt, der es ihnen erleichtern soll, die Feiertage zu überstehen - besser gesagt, die Vielzahl der versteckten und offenen Angriffe auf das eigene Selbstwertgefühl, denen die meisten Dicken vermehrt ausgesetzt sind, wenn die folgenden Dinge aufeinandertreffen: Freunde und Familie in größeren Mengen auf engem Raum zusammen mit einer noch größeren Menge Essen. Alle futtern und jammern, dass sie fett werden. Und sie beobachten die Dicke, die erst recht nichts essen sollte. Denn die ist ja schon fett. Wenn man Pech hat, machen sie Anspielungen oder äußern ihre Meinung über Körper und Essverhalten anderer unverblümt.

Tatsächlich sind Diet Talk und seine Allgegenwart etwas, wofür ich erst in den letzten Monaten eine entsprechende Sensibilität entwickelt habe. Ich hätte zuvor schwören können, dass er um mich herum die meiste Zeit gar nicht vorkommt, aber da lag ich total falsch. Würde ich Buch darüber führen, wie oft sich Menschen in meiner Gegenwart zumeist ohne böse Absicht sondern nur basierend auf ihrer kulturellen Prägung direkt oder indirekt negativ über Dicke und Essen äußern, über Diäten reden und ihren eigenen Kampf um eine "gute Figur", hätte ich mittlerweile vermutlich eine kleine Bibliothek füllen können: "Der Pullover steht dir, der kaschiert gut." "Eigentlich dürfte ich ja nicht." "Ich muss ja auch aufpassen." "Nach Weihnachten ist aber Schluss, da wird wieder trainiert." "Man muss auch mal sündigen." "Ab morgen ist wieder Schluss." "Sie sah richtig gut aus - so schlank." "Er hat so ein Glück, er kann essen, was er will." Sogar Fettliebhaber können erstaunliche Ambivalenz an den Tag legen, wenn es um Diäten und Dicksein im Allgemeinen geht. Auch das wäre in einer Beziehung schlicht nicht akzeptabel.

Vor dem eben geschilderten Hintergrund ist es vermutlich auch gar keine so schlechte Entscheidung, Weihnachten 2013 ohne Leute zu verbringen. Dafür gehe ich Anfang des Jahres zu meiner ersten Dildoparty. Ich habe das Gefühl, Fett wird dort kein Thema sein. Größe schon. ; )

Von allen Männern, die im fast vergangenen Jahr für ein Weilchen an mir hängengeblieben sind, ist übrigens nur das Ei noch immer da. Hat sie alle überdauert. Indem es ist, was es ist. Indem es mir am liebsten von allen ist. Obwohl es selbst mich eigentlich gar nicht so unbedingt wirklich mag und auch lieber überhaupt nicht so richtig will vielen Dank aber nein danke vielmals......oooh, wie sehr ich mir wünschte etwas Hulkartiges, Wildes würde die Schale von innen sprengen und IRGENDETWAS TUN. Egal was.


NH
 

Dienstag, 10. Dezember 2013

THE UGLY GIRL PROJECT: 42





© Nicola Hinz 2013
 

Happy Birthday to me!*

 *In 24 Stunden bin ich offiziell "fortysomething" (41 war nur zur Eingewöhnung). Ich war noch nie gut im Älterwerden. Und nein, ich will nicht darüber reden, danke sehr...

Happy Birthday to me, 1981
 
Trotzdem, das fast vergangene Jahr verdient einen Rückblick. Den folgenden Fragebogen habe ich Anfang 2012 für einen Rückblick für 2011 von Shushan übernommen. 2012 gab es auch eine Version. Und hier ist nun aus gegebenem Anlass (s. oben) die Ausgabe für 2013. Die Fragen sind nicht in jedem Jahr genau die gleichen - ein paar lasse ich auch diesmal aus. Und stelle mir dafür einige andere. Wie gewohnt geschieht das Ganze nicht ohne angemessene Nörgelei.
 
1. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie war Dein Jahr? 7 (Das ist auf jeden Fall schon einmal besser als 2012.)
 
2. Zugenommen oder abgenommen? Minimal zugenommen (ca. 2 kg).
 
3. Haare länger oder kürzer? Gleich. Nur die Zahl der grauen Haare nimmt zu. Meine Schläfen werden tatsächlich silbern. Eigentlich passt das gut zu den blauen Adern, die dort auch neuerdings hervortreten, wenn ich mich aufrege. Trotzdem habe ich mir immer vorgenommen, wieder rothaarig zu werden, wenn ich ohnehin in meinem Leben erneut beginne zu färben. Und dass ich anfange, meine Haare zu färben, wenn sie grau werden, ist eigentlich auch beschlossene Sache...bis jetzt wurde aber noch nichts unternommen. Ich werde die Lage wohl noch ein wenig beobachten.
 
4. Mehr Kohle oder weniger? Weniger. Definitiv.
 
5. Besseren Job oder schlechteren? Gleich.
 
6. Was war der schlechteste Film, den du 2013 gesehen hast? "Gloria". Meine Göttin, war der langweilig. Und meine Herren, war das Feuilleton mal wieder berechenbar in seinen Lobgesängen auf eben jenes trübe Werk.
 
7. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? Wieder nix ; ).
 
8. Mehr bewegt oder weniger? Mehr! Mehr Rad gefahren. Mehr zu Fuß gegangen. Mehr Sex.
 
9. Die gefährlichste Unternehmung: Auf der Straße zurückgepöbelt. Und das war so: Jemand kam mir auf meiner Seite des Fußweges entgegen, und weil ich nicht auswich, beschimpfte er mich. Erst habe ich gedacht "Lass es gut sein". Aber dann dachte ich "Mit mir nicht mehr!". Und dann habe ich dem jungen Mann aus vollstem Herzen "Ach, fick dich doch!" hinterhergerufen. Der drehte sich erstaunt um, und man konnte sehen, wie es in seinem kleinen, schwerfälligen Hirn aufgeregt ratterte: "Was erlaubt sich diese fette Schlampe?!" Für einen Moment schien es dann auch so, als wollte er auf mich losgehen. Und ich suchte im Kopf schon einmal schnell die Selbstverteidigungsroutine zusammen, die ich für den Fall eines körperlichen Angriffes mal gelernt habe. Aber dann machte er kehrt und verschwand. Wut trägt. Dennoch: Zur Nachahmung vermutlich nicht empfohlen.
 
10. Die teuerste Anschaffung: Ein Haarentfernungssystem mit "pulsierenden Lichtblitzen" ; ). Ich habe die Maschine aber noch nicht benutzt - zu viel Angst vor Brandschäden...
 
11. Das beste Essen: Garnelen im Baan Rao in Hamburg. Ja, ich mache hier Werbung. Wer wissen will, warum, muss hingehen und die einzelkämpferische Betreiberin kennenlernen. Und ihr Bambus-Esszimmer sollte man auch gesehen haben. Lange hat man dazu übrigens nicht mehr Zeit, denn sie plant bereits ihren Ruhestand.
 
12. Größte museale Enttäuschung: "Böse Dinge - Eine Enzyklopädie des Ungeschmacks" im Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg. Der Titel war so schön. Das Thema so vielversprechend. Aber am Ende kamen meine Freundin und ich zu dem Schluss, dass allein der kombinierte Inhalt unserer Keller eine interessantere Schau zur Intention hergegeben hätte.
 
13. Lieblingslied 2013? "Pale Green Ghosts" von John Grant
 
14. Die meiste Zeit verbracht wo? Wieder am Schreibtisch.
 
15. Die größte Überraschung: Intuitives Essen funktioniert. Und Selbstakzeptanz auch!
 
16. Die beste Investition: Kleider in meiner aktuellen Größe.
 
17. Die wichtigste Erkenntnis: Meine Selbstfürsorge war bisher eher mangelhaft. "Ich, ich, ich" darf kein leeres Versprechen bleiben. ; ) Auch und vor allem im Sinne dicker Selbstakzeptanz.
 
18. Was machst du zu Weihnachten? Ich habe einen Stapel DVDs, die ich "abarbeiten" werde. Und dann werde ich mich mit meiner Perlensammlung beschäftigen. Das kommt mir jetzt gerade so in den Sinn, denn ich habe schon so lange nichts mehr aufgefädelt - und das ist ja irgendwie auch symbolisch-besinnlich.
 
19. Was wünschst du dir für das kommende Jahr? Liebe. Und Geld. ; )
 
20. Und was jetzt? Jetzt schreibe ich endlich noch ein Buch.
 
 
NH

Donnerstag, 31. Oktober 2013

HAPPY HALLOWEEN!


Es ist mein liebster Feiertag. Das Fest für alles was krumm, schief, und düster ist, schleicht, huscht und gehässig vor sich hinkichert, geisteskrank und häßlich ist und im Schatten wartet, für alles Abgründige, das in uns wohnt und einfach nicht totzukriegen ist...Leider wohne ich in einer Gegend / einem Haus, zu der / dem sich selbst zu Halloween kaum Kinder verirren. Nicht einmal die gelegentlichen Hänselchen und Gretelchen. Dabei würde die Crazy Cat Lady anderer Leute Brut nur zu gern das Fürchten lehren und dann mit Schokolade entschädigen. ; ) In diesem Sinne: Trick or treat!* (Ist eigentlich auch ein ziemlich gutes Selbstbehauptungs- / Lebensmotto, wenn man es recht bedenkt...)

NH

Und so hört es sich an ; ).

*Süßes oder Saures!


© Nicola Hinz 2013

Donnerstag, 12. September 2013

Back to school!


Wo ist die Zeit nur hin? Die Sommerpause ist vorbei, der Kater bekommt seinen Winterpelz, die Lebkuchen stehen schon im Supermarktregal, und ich habe inzwischen so einiges über das Leben als dicke Dame im Allgemeinen und über Fettakzeptanz im Besonderen gelernt  - ab Montag, so der Plan, werde ich hier wieder regelmäßig ein Lied davon singen.

NH

 

Sonntag, 20. Januar 2013

Fuck Diets!


Ich wusste ja gar nicht, dass die Brigitte im letzten Jahr schon wieder aufgehört hat, mit "echten Frauen" statt mit Models zu arbeiten. Und das nach einer Testphase von nur - wie lange war das - 2 Jahre(n), die offenbar erheblich danebengegangen sein muss. Der Grund dafür wurde übrigens den Leserinnen in die Schuhe geschoben, denn die wollten angeblich gar keine "echten Frauen" mehr sehen. Was vielleicht auch damit zu tun haben könnte, dass die "echten Frauen" in der Brigitte so ziemlich allesamt jünger, dünner und glatter, als die echten Leserinnen waren - also im Prinzip unentdeckte Models. Das heißt, die Optik blieb weitgehend gleich, nur der Druck auf die Leserin stieg, weil die jetzt gefühlt nicht einmal mehr mit der normalen Frau von der Straße konkurrieren konnte. Von der man dann ja obendrein auch noch lesen musste, dass sie in Kopenhagen Architektur studiert und leidenschaftliche Snowboarderin ist. Oder so ähnlich. Kurzum, jung, schön, erfolgreich UND "echt" - ich kann mir gut vorstellen, dass das ein wenig zu viel für das gebeutelte Publikum war. Aber das ist natürlich nicht die Schuld des Publikums. Da haben sich unfähige Redakteurinnen einfach nicht von ihren Vorstellungen lösen können, was ansehnlich ist. Und hatten zu wenig Schneid, um - Achtung! - ECHTE Veränderungen vorzunehmen.

Aber wie gesagt, davon hätte ich gar nichts mitbekommen, hätte ich neulich am Kiosk nicht die zweite Ausgabe dieses Jahres erworben, um mir "Die neue Brigitte Diät" (die ja noch nie wirklich neu war) anzusehen. Das tue ich halt immer. Feindbeobachtung sozusagen. Oder doch eher eine rituelle Rückkehr an den Tatort. Es ist die Brigitte-Diät, der ich einen großen Teil der Kilos verdanke, die ich heute mit mir herumschleppe, denn sie war unter den Diäten, mit denen als Kind meine Jojo-Karriere begann. Die Brigitte-Diät auf dem Papier und die im Kopf meiner Mutter haben maßgeblich dazu beigetragen, mich zu einer "echten", dicken Frau zu machen, die Jahrzehnte später noch immer mit den Folgen für ihren Körper und ihr Selbstbild kämpft. Wie so viele andere auch.

Und ohnehin: Das Problem der blanken Ungleicheit, das wir als Gesellschaft weiterhin haben, dürfte kaum plastischer darzulegen sein, als durch die Sätze, mit denen die Chefredakteurinnen (von denen eine männlich ist) ihr Editorial zur Diät-Ausgabe einleiten. Brigitte Huber sagt: "Frauen verheimlichen, vertuschen und unterschlagen. Zumindest, wenn es um sensible Daten geht, wie die Zahl der Kalorien, die sie zu sich nehmen." Stephan Schäfer sagt: "Meine schönste Diät habe ich mit 16 gemacht. Wir waren sechs Jungs, wild und entschlossen, Südfrankreich zu erobern. Leider hatten wir für die gesamten Sommerferien nur 250 Mark pro Mann. (...) Baguette, ein bisschen Käse, Fisch aus Dosen; der Rest versank in französischem Landwein." Sie fühlt sich schuldig und muss vertuschen, damit ihr die große Universumskalorienpolizei mit dem langen, weißen Bart nicht auf die Schliche kommt. Er hat offensichtlich noch nie in seinem Leben eine Diät gemacht. Und wird es auch nicht tun. Fat is a feminist issue?* Heute mehr denn je. Wenn ich mich dafür entscheide, Frauen auch nach fast sechzigjährigem Bestehen meiner Zeitschrift weiterhin mental und körperlich zu schwächen, indem ich sie anhalte, ihre Nahrung zu reglementieren, kann ein Bericht über Hillary Clinton ganz hinten im Blatt das jetzt ein für allemal auch nicht mehr rausreißen. Das hatte meine Mutter offenbar auch instinktiv begriffen, als sie ihr Abo mit Anfang 60 dann endlich kündigte.

Fuck it!

Und wie hört man nun endlich auf, Diät zu machen und permanent Diät zu denken? Das ist noch immer die alte neue Frage, um die sich hier im Prinzip alles dreht. Wie entreißt man jetzt wirklich und ernsthaft seinen Körper, seinen Alltag und seine Lebensfreude den Klauen eines seit Ewigkeiten verinnerlichten Kontrollprogramms?

John C. Parkins (Autor von "Fuck it!") Antwort ist ebenso einfach wie eindeutig: "Sagen Sie Fuck It zur "richtigen" Ernährung." Solange es kein "essensfreies" Essen gibt, wird es immer Ernährungsexperten geben, die an der Ernährung anderer Leute etwas zu nörgeln haben. Parkin rät, man solle seine Essgewohnheiten einfach so annehmen, wie sie sind. Wer irgendwann frei sein will vom Diätwahn, muss diesen Schritt machen. Die Angst, dass man immer weiter zunehmen könnte, wenn man die ständige Selbstkontrolle aufgibt, ist seiner Erfahrung nach unbegründet - im Gegenteil: er hält es für wahrscheinlich, dass man sogar Gewicht verliert, denn sobald man essen darf was und wann man will, will man vermutlich vieles gar nicht mehr so dringend essen. Das ist plausibel, denn dass restriktiver Umgang mit Nahrung zwangsläufig zu einer Obsession mit Nahrungsmitteln führt, ist schon lange erwiesen**, entspricht außerdem natürlich unseren persönlichen Erfahrungen und lässt sich in den Medien eindrucksvoll im Hinblick auf eine quasi gesamtgesellschaftliche Essstörung nachvollziehen: Nicht abreißende Berichterstattung über Diäten und vermeintlich gesunde Ernährung einerseits, Kochsendungen mit komplexen, hochkalorischen Kreationen im Minutentakt andererseits. Auch der Arzt Gunter Frank beschreibt in "Lizenz zum Essen" das Phänomen, dessen möglichen Eintritt Parke vorhersagt. Patienten verloren leicht an Gewicht, nachdem sie sich endlich entschieden hatten, keine Kalorien mehr zu zählen. Bei mir hält eine Tafel Schokolade übrigens auch entscheidend länger, seit ich mich mit der Möglichkeit beschäftige, einfach so zu bleiben, wie ich bin. Neulich habe ich hinten im Schrank sogar eine gefunden, die ich total vergessen hatte - das wäre früher nie passiert. ; ) Trotzdem darf man natürlich das Ende der Diäten nicht als neuen Diätplan begreifen - dass man sich damit ins eigene Knie schießt, dürfte auf der Hand liegen. Solche Erwartungen werden sich nicht erfüllen, sondern einen bei der Rückkehr zu einem nicht schuldbeladenen Essverhalten nur blockieren.

Parkins Strategie mag radikal erscheinen, deckt sich aber auch mit den Empfehlungen und Beobachtungen der Fettaktivistinnen Kate Harding und Marianne Kirby. Diese legen in ihrem Buch "Lessons from the Fat-O-Sphere" dar, dass die Angst, sich ins Koma zu futtern, wenn man sich plötzlich alles gestattet, jeder realistischen Grundlage entbehrt. Klar, wer gerade eine Diät hinter sich hat, wird wieder zunehmen. Das hätte man mit riesiger  Wahrscheinlichkeit jedoch ohnehin. Aber anders als von der Brigitte et al. immer suggeriert, sind die allermeisten von uns eben keine mehr schlecht als recht getarnten Fressmaschinen, die ohne Reglementierung im Transformermodus den Planeten schmatzend ratzekahl machen würden. Vielleicht stopft man sich anfangs ein paarmal mit vorher "Verbotenem" voll, weil es halt jetzt erlaubt ist, aber, so Harding/Kirby, diese Phase wird für gewöhnlich nicht lange dauern. Irgendwann will der Körper automatisch zu einer abwechslungsreichen Ernährung zurück, die mengenmäßig den momentanen Bedürfnissen entspricht, und er wird einem dieses auch wahrnehmbar mitteilen. An dem Punkt wird es dann wichtig, genau hinzuhören und "hinzufühlen", um folgende Fragen genau zu beantworten: Bin ich jetzt hungrig? Und was will ich jetzt essen? Für Harding/Kirby ist intuitives Essen die einzige Chance auf eine Flucht aus der grimmigen Welt der Diäten in ein diätfreies Leben und zu einer selbstbestimmten Ernährung - etwas, was viele von uns eigentlich gar nicht (mehr) kennen.

  • Grundvoraussetzung hierfür ist, dass man akzeptiert, dass Diäten schlicht nicht funktionieren. Dabei kann eine gesunde Portion Wut helfen.
  • Außerdem ist es von entscheidender Bedeutung, damit aufzuhören, Nahrungsmittel in gute und schlechte einzuteilen.
  • Wie Parkin raten die beiden, sämtliche Diät- und Ernährungsratgeber in den Müll zu werfen. Und ab da sollte man sich strikt an den Harding-Kirby Lifetime Diet Plan halten:
"Eat what you're hungry for, when you're hungry for it, and stop when you're full. Period."
(Iss wonach dir ist, dann, wenn dir danach ist und höre auf, wenn du satt bist. Punkt.)

Das ist nun eines meiner großen Ziele für das kommende Jahr - ich werde versuchen, hier weiter an mir zu arbeiten und besser darin zu werden, ohne Schuldgefühle das zu essen, was ich will. Meinen Plan einer kompletten Umstellung auf eine vegane Ernährung werde ich allerdings vorerst drangeben. Ich werde weiterhin vegetarisch leben und vielleicht versuchen, den Anteil tierischer Produkte nach und nach zu reduzieren. Ich hatte ja auch noch immer vor, mein Körpergewicht gezielt noch etwas zu verringern. Wegen der Knie und so. Aber ich werde ab jetzt keine Diät mehr machen. Und ich werde auch nicht "meine Ernährung umstellen". Wenn ich dann also einfach so bleibe, wie ich jetzt bin: FUCK IT! ; )

P.S.: Dann kann höchstens die Ausräumaktion im Kleiderschrank weitergehen - diesmal dann bis Größe 46 (einschließlich).

*Susie Orbach
** siehe z.B. Minnesota Starvation Experiment


NH

Dienstag, 1. Januar 2013

Geschafft: Jahresrückblick 2012

Diesen Fragebogen habe ich Anfang des Jahres für einen Rückblick für 2011 von Shushan übernommen. Damals und heute allerdings nicht ganz eins zu eins – ein paar Fragen fehlen, dafür habe ich ein paar hinzugefügt und diesmal das Ganze zur Krönung mit angesäuerten Betrachtungen der Lage versetzt.

Wie beim letzten Fragebogen ist es eine erhellende, aber diesmal leider auch deprimierende Übung gewesen, ihn auszufüllen. Wie für 2011 gilt auch für 2012:  Äußerlich hat sich wirklich nicht viel getan. Und so waren auch die Antworten zum Teil die gleichen.
 

1. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie war Dein Jahr? 5

2. Zugenommen oder abgenommen? Minimal abgenommen.
 
3. Haare länger oder kürzer? Gleich.

4. Mehr Kohle oder weniger? Gefühlt weniger.

5. Besseren Job oder schlechteren? Gleich.

6. Mehr ausgegeben oder weniger? Weiß nicht, aber noch immer zu viel. Es gibt im kommenden Jahr nur eine Lösung: Ich muss viel weniger ausgeben und/oder viel mehr verdienen. Aber das dürfte ja nicht schwer sein, für jemanden, der so viele tolle Dinge kann: Nörgeln, lästern, polemisieren, anzweifeln… Angebote bitte an: office(at)nicola-hinz(dot)com

7. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? Nix.

8. Mehr bewegt oder weniger? Gedanklich vielleicht – mich selbst auf jeden Fall nicht.

Dabei lese ich nun gerade in Kate Hardings „Lessens from the Fat-O-Spere“, dass ich ruhig dick bleiben kann, aber trotzdem „fit“ werden sollte. Mit irgendeiner Art sportlicher Betätigung, die mir Spaß macht.


Oh verflucht noch einmal, wenn es so etwas gäbe, dann würde ich es ja bereits tun!! Ehrlich, da wäre es leichter für mich, wieder Diät zu machen. Außerdem soll ich mich auch und besonders als dicker Mensch regelmäßig ärztlich durchchecken lassen. Oh ja, wenn es etwas gibt, was ich noch lieber mag, als Sport, dann sind es vermutlich Arztpraxen. Es gibt scheinbar kein Gewinnen.

Ich glaube, als nächstes werde ich doch einmal „Fuck it“ von John C. Parkin lesen. Das klingt eher nach etwas, wofür ich mich begeistern könnte.

9. Die gefährlichste Unternehmung: Blind Date. War dann auch ein echter Blindgänger – ist nicht erschienen.

10. Die teuerste Anschaffung? Ein Druck in limitierter Auflage des hippen, britischen Künstlers Lewes Herriot (s. links). Auf seiner Seite bei bigcartel.com bekommt man seine Werke allerdings auch zu sehr günstigen Preisen. Wer also noch Wand frei hat...warum nicht junge Kreative direkt unterstützen?

11. Das leckerste Essen? Das ist jedes Jahr der „Hinzsche Spezialkartoffelsalat“ zu Weihnachten.

12. Das beeindruckendste Buch? Vielleicht „Fat Sex“ von Rebecca Jane Weinstein. Auf jeden Fall hat es viel für mein Selbstbewusstsein als dicke Frau getan.

13. Der beste Film? „Gone“ – wird nicht in die Filmgeschichte eingehen, aber ich fand ihn spannend und mochte das überraschende Ende.

14. Der ergeifendste Song? John K. Samson: “Heart of the Continent”  

15. Die meiste Zeit verbracht wo? Abermals: Im Stau. Im Bett. Am Schreibtisch.

16. Was war die größte Überraschung: Der Einzug von Corbinian.

17. Was ist schiefgelaufen: Die geplante Amerikareise ist ins Wasser gefallen – genug Geld und Zeit waren am Ende nicht vorhanden.

18. Was hat geklappt: Wir haben das Hartz-IV-Projekt durchgezogen, und ordentlich was gelernt. Was mich betrifft, vor allem etwas über Realität und Prioritäten.

19. Was wünschst du dir für das kommende Jahr? Erleuchtung. ; )

20. Und was jetzt? Früh ins Bett gehen. Ich habe das Gefühl (und hoffe), dass 2013 ein Jahr der Entscheidungen wird. Mit High-Noon-Szenen und allem. Auf jeden Fall will ich nicht noch einmal einen Jahresrückblick schreiben, in dem steht: "Alles beim Alten."


NH