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Dienstag, 1. Januar 2013

Geschafft: Jahresrückblick 2012

Diesen Fragebogen habe ich Anfang des Jahres für einen Rückblick für 2011 von Shushan übernommen. Damals und heute allerdings nicht ganz eins zu eins – ein paar Fragen fehlen, dafür habe ich ein paar hinzugefügt und diesmal das Ganze zur Krönung mit angesäuerten Betrachtungen der Lage versetzt.

Wie beim letzten Fragebogen ist es eine erhellende, aber diesmal leider auch deprimierende Übung gewesen, ihn auszufüllen. Wie für 2011 gilt auch für 2012:  Äußerlich hat sich wirklich nicht viel getan. Und so waren auch die Antworten zum Teil die gleichen.
 

1. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie war Dein Jahr? 5

2. Zugenommen oder abgenommen? Minimal abgenommen.
 
3. Haare länger oder kürzer? Gleich.

4. Mehr Kohle oder weniger? Gefühlt weniger.

5. Besseren Job oder schlechteren? Gleich.

6. Mehr ausgegeben oder weniger? Weiß nicht, aber noch immer zu viel. Es gibt im kommenden Jahr nur eine Lösung: Ich muss viel weniger ausgeben und/oder viel mehr verdienen. Aber das dürfte ja nicht schwer sein, für jemanden, der so viele tolle Dinge kann: Nörgeln, lästern, polemisieren, anzweifeln… Angebote bitte an: office(at)nicola-hinz(dot)com

7. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? Nix.

8. Mehr bewegt oder weniger? Gedanklich vielleicht – mich selbst auf jeden Fall nicht.

Dabei lese ich nun gerade in Kate Hardings „Lessens from the Fat-O-Spere“, dass ich ruhig dick bleiben kann, aber trotzdem „fit“ werden sollte. Mit irgendeiner Art sportlicher Betätigung, die mir Spaß macht.


Oh verflucht noch einmal, wenn es so etwas gäbe, dann würde ich es ja bereits tun!! Ehrlich, da wäre es leichter für mich, wieder Diät zu machen. Außerdem soll ich mich auch und besonders als dicker Mensch regelmäßig ärztlich durchchecken lassen. Oh ja, wenn es etwas gibt, was ich noch lieber mag, als Sport, dann sind es vermutlich Arztpraxen. Es gibt scheinbar kein Gewinnen.

Ich glaube, als nächstes werde ich doch einmal „Fuck it“ von John C. Parkin lesen. Das klingt eher nach etwas, wofür ich mich begeistern könnte.

9. Die gefährlichste Unternehmung: Blind Date. War dann auch ein echter Blindgänger – ist nicht erschienen.

10. Die teuerste Anschaffung? Ein Druck in limitierter Auflage des hippen, britischen Künstlers Lewes Herriot (s. links). Auf seiner Seite bei bigcartel.com bekommt man seine Werke allerdings auch zu sehr günstigen Preisen. Wer also noch Wand frei hat...warum nicht junge Kreative direkt unterstützen?

11. Das leckerste Essen? Das ist jedes Jahr der „Hinzsche Spezialkartoffelsalat“ zu Weihnachten.

12. Das beeindruckendste Buch? Vielleicht „Fat Sex“ von Rebecca Jane Weinstein. Auf jeden Fall hat es viel für mein Selbstbewusstsein als dicke Frau getan.

13. Der beste Film? „Gone“ – wird nicht in die Filmgeschichte eingehen, aber ich fand ihn spannend und mochte das überraschende Ende.

14. Der ergeifendste Song? John K. Samson: “Heart of the Continent”  

15. Die meiste Zeit verbracht wo? Abermals: Im Stau. Im Bett. Am Schreibtisch.

16. Was war die größte Überraschung: Der Einzug von Corbinian.

17. Was ist schiefgelaufen: Die geplante Amerikareise ist ins Wasser gefallen – genug Geld und Zeit waren am Ende nicht vorhanden.

18. Was hat geklappt: Wir haben das Hartz-IV-Projekt durchgezogen, und ordentlich was gelernt. Was mich betrifft, vor allem etwas über Realität und Prioritäten.

19. Was wünschst du dir für das kommende Jahr? Erleuchtung. ; )

20. Und was jetzt? Früh ins Bett gehen. Ich habe das Gefühl (und hoffe), dass 2013 ein Jahr der Entscheidungen wird. Mit High-Noon-Szenen und allem. Auf jeden Fall will ich nicht noch einmal einen Jahresrückblick schreiben, in dem steht: "Alles beim Alten."


NH

Samstag, 22. Dezember 2012

Eine Weihnachtsgeschichte


Dieser Keks ist 3,5 Jahre alt. Darum sieht er so schäbbich aus. Die Zuckerglasur war mal weiß. Zitrone. Man beachte außerdem die Form: ja - ein Hase. Eigentlich neige ich nicht zum Morbiden - jedenfalls nicht außerhalb der Kunst. Nicht im wahren Leben.

Es handelt sich um ein klassisches Butterplätzchen aus Mürbeteig. Allerdings besonders dünn. Und seinerzeit besonders zitronig. Und es ist eines der letzten, die meine Mutter gebacken hat. 2009 hatte meine Mutter, statt auf Weihnachten zu warten, ihre berühmten Kekse vorsorglich zu Ostern hergestellt - für den Fall, dass sie Weihnachten nicht mehr unter uns sein würde. Wie sich herausstellte, war das eine ziemlich pragmatische und treffende Entscheidung, denn sie starb im Sommer.

Ich kann nicht behaupten, dass Weihnachten bei uns zu Hause jemals eine besonders harmonische Angelegenheit gewesen wäre. Weihnachten war ein Mienenfeld. Mal hatte man mehr Glück, mal weniger - und dann flog einem so ziemlich alles um die Ohren. Alles fing meistens mit dem Baum an, denn der musste PERFEKT sein. Und wenn wir mit Kollegen meines Vaters beim Firmen-Baumschlagen in den Wald gingen, war unsere Familie regelmäßig die letzte, die wieder auftauchte. Nicht selten nach Anbruch der Dunkelheit. Mein Vater nahm das alles in meiner Erinnerung weitgehend mit Humor, bis er den Baum im Wohnzimmer aufstellen musste. Kerzengerade und mit der Schokoladenseite nach vorn. Wobei meine Mutter bestimmte, was gerade und was Schokolade war, und mein Vater jedes Jahr lautstark schwor, das sei das LETZTE MAL, dass er so ein Theater mitmachen würde.

Meine Eltern, Weihnachten 1983
Später, als wir zwei ohne meinen Vater Weihnachtsbäume besorgten, änderte sich an diesem und allen anderen Ritualen nicht viel. Ich verbrachte Stunden damit, Bäume vortanzen zu lassen ("Dreh' den mal um!") und wurde dabei ausgesprochen ungehalten. Klar würde ich heute gern noch einmal mit ihr für eine gefühlte Ewigkeit durch Gartencenter laufen auf der Suche nach einer angemessenen Tanne. Vielleicht stimmt es, dass man gewisse Dinge erst zu schätzen weiß, wenn sie verschwunden sind. Aber manchmal ist es auch einfach nur so, dass die Alternativen eben noch viel, viel schlechter sind als das verlorene Original.

Meine Mutter mag bei der Ausrichtung von Feierlichkeiten (und auch sonst) dominant und perfektionistisch gewesen sein, aber bis sie starb, hatte ich nur einmal in meinem Leben Weihnachten nicht mit ihr verbracht. Niemals hätte mich ein elfstündiger Flug von Kalifornien nach Hamburg davon abgehalten, zu Weihnachten zu Hause zu sein. Denn meine Mutter war mein Zuhause.

Kurz bevor sie starb, sagte ich ihr das auch: "Du kannst nicht sterben, denn dann bin ich heimatlos". Und nun sitze ich hier mit ihrem letzten Keks....Ich frage mich, ob man ihn noch essen kann. Bisher lag er auf seinem Tellerchen wie in einem Minischrein im Regal. Auf jeden Fall ist er mittlerweile total geruchlos. Und das merkwürdigerweise trotz all der Butter. Es fühlt sich so an, als sei es Zeit sich zu trennen. Aber ich weiß nicht wie.

Ich habe versucht, Weihnachten mit anderen Menschen zu feiern. Und fühlte mich hinterher elend. Das war mir und den anderen gegenüber nicht fair. Unter Umständen könnte man sozusagen gezielt zum Weihnachtsmuffel werden, und sich den ganzen Kram abtrainieren. Ich fürchte aber, meine Weihnachtsgeister sitzen mir viel zu sehr im Nacken. Ich hatte die Idee, in diesem Jahr vielleich zu verreisen, aber dann zog ja der neue Kater ein. Damit hatte sich das erledigt. Schließlich ist der jetzt Familie.


Und so feiere ich Weihnachten zwar ohne Mutter und ohne Baum, aber ansonsten genauso wie immer: Ich schneide die Zutaten für den Kartoffelsalat und schaue mir dabei "Michel aus Lönneberga" an. Und dann packe ich die Geschenke aus, die ich mir selbst von Amazon habe schicken lassen. Denn im Grunde war auch das so eine Art Tradition. Seit ich lesen konnte, gab ich meiner Mutter eine Wunschliste mit Büchern, die sie dann im Buchladen im Ort bestellte. So war es ihr am liebsten. ("Ich weiß einfach nie, was du wirklich willst.") Kekse backe ich keine mehr - was aber nicht heißt, dass mein bunter Teller nicht weiterhin der prächtigste (und am sorgfältigsten arrangierte) im ganzen Land wäre.

Während ich diesen Text schreibe, habe ich parallel schon mit der Arbeit am Jahresrückblick begonnen. Was aus dem Keks geworden ist, erzähle ich auch nächste Woche. Jetzt bleibt erst einmal nur, euch allen ein buntes Weihnachtsfest und wenig Stress zu wünschen - in Anlehnung an die schönen Teddybär-Inszenierungen von SchneiderHein, mit einer kleinen Weihnachtszene von meinem Schreibtisch. : )
 

FROHE WEIHNACHTEN!

 

NH

Sonntag, 8. Januar 2012

Im Archiv, Teil 1

Ich habe den Fragebogen zum Jahresrückblick 2011 von Shushan übernommen und ein wenig gekürzt. Obwohl ich ein bisschen spät dran bin, war es ein interessantes Experiment, bei dem vor allem eines herausgekommen ist: Ich kann mich an 2011 schon gar nicht mehr erinnern.

Ist das nun gut oder schlecht? Im Prinzip war es das ganze Jahr, glaube ich, wie beim Schwimmen Anlauf zu nehmen. Der Alltag, der 2009 und 2010 total aus dem Ruder gelaufen war, musste irgendwie wieder bewältigt werden, während gleichzeitig die Planung für Veränderungen lief. Schnell kommt man da nicht voran. Aber man wird verdammt schnell müde. Und äußerlich hat sich dann auch wirklich nicht viel getan.

1. Auf einer Skala von 1 bis 10 - wie war Dein Jahr?
5-6

2. Zugenommen oder abgenommen? Am Ende kams dann doch wieder ungefähr aufs Gleiche raus.

3. Haare länger oder kürzer? Gleich.

4. Mehr Kohle oder weniger? Mehr. Sonst könnte ich den Laden auch endgültig zumachen.

5. Besseren Job oder schlechteren? Gleich.

6. Mehr ausgegeben oder weniger? Vermutlich weniger. Aber noch immer zu viel.

7. 2011 etwas gewonnen und wenn, was? Nix.

8. Mehr bewegt oder weniger? Gedanklich vermutlich schon…Mich habe ich nicht mehr bewegt. Das steht fest. Ich glaube auch, ich habe niemals zuvor so viel geschlafen, wie 2011. Außer vielleicht in dem Jahr, als ich mich zum Jurastudium verstiegen hatte, und zu deprimiert war, um geradeaus zu gucken.

9. Die gefährlichste Unternehmung: So richtig gefährlich war nichts, außer für Selbstachtung oder Kontostand… Aber wenn ich über die peinlichste Unternehmung was sagen könnte, würde ich mich bestimmt besser fühlen... andere Beteiligte aber möglicherweise nicht. Also lass ich‘s.......Fotos gibt‘s allerdings auch davon...oh-göttin-wie-gut-dass-ich-nicht-bundespräsidentin-bin-sonst-würde-der-diekmann-mich-damit-bis-ans-ende-aller-tage-erpressen!

10. Die teuerste Anschaffung? Eine neue Kamera. Am Tag danach gab die alte dann auch prompt den Geist auf – ich hoffe, sie war nicht beleidigt.

11. Das leckerste Essen? Das ist jedes Jahr der „Hinzsche Spezialkartoffelsalat“ zu Weihnachten.

12. Das beeindruckendste Buch? Zwei Stück. Bestanden beide aus Bildern, sonst hätte ich sie nicht durchbekommen: Paradise Now von Peter Bialobrzeski und Scribblings of a Madcap Shambleton von Noel Fielding.

13. Der ergreifendste Film? Precious mit Gabourey Sidibe

14. Die beste CD? Land of Talk: Some are Lakes (ist schon 2008 erschienen).

15. Die meiste Zeit verbracht wo? Im Stau. Im Bett. Am Schreibtisch.

16. Die schönste Zeit verbracht mit? Kasimir.

17. Zum ersten Mal getan? Einen Tiger gestreichelt.

18. Das beste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Respekt.

19. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Einen Reim.

NH