Posts mit dem Label Ziele werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Ziele werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 5. Dezember 2019

Adventsblog 3: Der Fragebogen



1. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie war Dein Jahr? 3-4. 

2. Zugenommen oder abgenommen? Abgenommen. Und zwar so, dass mir de Unterhosen rutschen. Kann man ja keinen Gürtel drum binden. Nun brauche ich lauter neue Unterhosen. 

3. Was war das beste Buch? "Hunger" von Roxane Gay. Und "Fat - The Owner's Manual" von Ragen Chastain. Rezensionen folgen.

4. Mehr Geld oder weniger? Etwas mehr. Der Göttin sei Dank.

5. Was war der beste Film, den du 2019 gesehen hast? Halloween mit einer grauhaarigen und sehr wehrhaften Scream Queen - der tollen Jamie Lee Curtis. Ich liebe ja Horror, und abgesehen vom allerersten Film der Reihe, fand ich diesen am besten. Dicht und dabei für das Genre fast unaufgeregt durchinszeniert - und voller Frauen, die überleben.

6. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? Nichts. Wie jedes Jahr.

7. Mehr bewegt oder weniger? Vermutlich noch weniger. Wenn das überhaupt geht. Noch weniger Zeit, noch mehr Schmerzen.

8. Die teuerste Anschaffung: Vermutlich ein Kleid im Leomuster und mit passender Jacke. Mal nicht im Ausverkauf erworben. Ein dreistelliger Betrag für zwei Kleidungsstücke - das ist für mich heutzutage eine absolute Ausnahme. Ich erinnere mich auch noch, dass ich regelrecht ein wenig erschrocken aus dem Geschäft gekommen bin.

9. Das Beste, was du 2019 gegessen hast: Ich war wirklich begeistert von all den veganen Hamburgern, die plötzlich erhältlich waren. Ich glaube, wir haben sie jetzt wirklich alle durchprobiert und mein Favorit ist der Next Level Burger von Lidl. 

10. Das schönste Geschenk: Kommt noch. Da bin ich mir sicher.

11. Lieblingslied 2019: Siehe Adventsblog 1.

12. Die meiste Zeit wo verbracht? Gefühlt im Keller. Aber vermutlich doch eher am Schreibtisch.

13. Die größte Enttäuschung: Einer ging nicht ans Telefon. Und das Sommerfestival auf Kampnagel. Selten habe ich mich im Theater so gelangweilt. Und hier waren es gleich vier Veranstaltungen.

14. Die beste Investition: Sechs Adventskalender. Einen mit kleinen Geschenken, einen mit Rätseln, zwei zum Vorlesen, einen mit Schokolade und einen mit Bildchen.

15. Die wichtigste Erkenntnis: Manchmal wird man doch mit etwas fertig. So wie ich - mit meinem Keller. Es ist alles eine Frage des längeren Atems. Keller-Vlogs folgen.

16. Was machst du zu Weihnachten? Niemals andersKartoffelsalat und "Michel in der Suppenschüssel". Und in diesem Jahr keine Familienbesuche am ersten oder zweiten Feiertag. War eine leichte Entscheidung. Und was für eine Erleichterung.

17. Was wünschst du dir für das kommende Jahr? Aufmerksamkeit. Und Gesundheit.

18. Was ist dein wichtigstes Ziel für 2020: Weiterbildung und Vlogging.


NH

Donnerstag, 8. November 2018

Follow me around 59: Nur noch schlafen

Ja, es ist (fast) schon (wieder) Weihnachten.

Das Jahr war schwer. Von einem "annus horribiles" mag ich nicht unbedingt sprechen, denn ich bin ja nicht die Queen. Und es ist nicht 1992. Aber so ähnlich war die Gefühlslage zwischenzeitlich schon. 

Wenn ich mich mir selbst vorstelle, sehe ich mir immer dabei zu, wie ich mit einem keifenden und wild um sich grabschenden Burnout im Einkaufswagen in einer endlos langen Schlange stehe. Mein Burnout ist also buchstäblich "aufgeschoben", während mein Tinnitus so laut ist, wie nie. Er vermischt sich nachts mit dem Schnarren der Luftwärmepumpe, die (wie sollte es auch anders sein) natürlich direkt neben den neuen, obszönen Bunker (ich berichtete) gestellt worden ist. Sozusagen als krönende, billige Cocktailkirsche in der bieder-rücksichtslosen Steinwüste. Wie der Besitzer des Horrorkastens selbst sowie dessen eigene MieterInnen direkt neben der absurden Maschine schlafen können, ist mir ein Rätsel. Aber nun bedarf es natürlich so oder so einer ausgeprägten Stumpfheit, um überhaupt freiwillig und für relativ viel Geld in eine solche Wohnumgebung zu ziehen. Ich müsste einen Anwalt beauftragen. Allein, ich habe, zumindest im Augenblick, nicht die Energie.

Das Ende, zumindest des Jahres, ist in Sicht. Und ich habe mich früher als sonst dazu entschlossen, meinen alljährlichen Fragebogen auszufüllen. Weil ich, irgendwie, mit allem fertig werden will. Es ist noch viel auf der Liste, und ich will sie nicht mit ins neue Jahr nehmen. Das soll nämlich bitte besser und überschaubarer werden.

Bevor ich zum Fragebogen komme wäre da noch dieses:

Weihnachtliche Schneckenpost, die Dritte.

Nein, die Weihnachtskarten sind noch immer nicht alle aufgebraucht. Ja, es gibt noch immer z.T. regelrecht kuriose Restbestände. Sie kamen beim fortlaufenden Aufräumen abermals aus ihren Ecken gekrochen. Weil ich aufgrund meiner verflixt komplizierten Persönlichkeitsstruktur bekannterweise nach wie vor echte Schwierigkeiten damit habe, sie einfach zu entsorgen, aber in Zukunft so gut wie keine Weihnachtskarten mehr verschicken will, weil ich selbst auch kaum noch welche erhalte, nehme ich nun den dritten Anlauf, mich ein für alle Mal im Guten von den Vorräten zu trennen. Diesmal wird allerdings auch kein Nachschub mehr gekauft, wenn die Karten nicht für alle reichen sollten.

Wer in diesem Jahr zu den Feiertagen noch einmal (und zum letzten Mal) eine Karte bekommen will, kann mir bis zum 1. Dezember 2018 (einschließlich) seine Adresse schicken, und zwar an office(at)nicola-hinz.com oder über das Kontaktformular oben rechts. Da ich Eure Postadressen (wie versprochen) beim letzten Mal nicht gespeichert habe, nennt sie mir bitte auf jeden Fall noch einmal in Eurer Mail. 

Der Fragebogen 2018

Ich fülle ihn seit 2011 aus. Die Fragestellung variiert von Jahr zu Jahr, aber nur ein wenig.
Für die, die gern vergleichen - die Antworten von 2017 findet ihr hier,  von 2016 hier und die aus den Jahren davor, hier.


1. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie war Dein Jahr? 4 bis 5. 

2. Zugenommen oder abgenommen? Erst zugenommen. Dann wieder abgenommen. Alles ohne Absicht.

3. Was war das beste Buch? Ich habe so gut wie nichts gelesen - bis auf die Bücher, die hier rezensiert worden sind. Das war bekanntlich kein Vergnügen. Jetzt lese ich gerade Die Stunde der Waage. Ja, das ist mein eigenes Diät-Buch von 2006. Und ich hatte wirklich überhaupt gar keine Ahnung mehr, was darin alles Fürchterliches zu finden sein würde. Wenn ich fertig bin, schreibe ich eine Kritik. 

4. Mehr Geld oder weniger? Weniger, glaube ich.

5. Mehr Blogleserinnen, oder weniger? Ihr werdet im Schnitt immer noch ein paar mehr. Freut mich natürlich sehr.

6. Was war der beste Film, den du 2018 gelesen hast? Lady in the Van mit Maggie Smith nach einer wahren Geschichte vom Autor Alan Bennett. 

7. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? Nichts.

8. Mehr bewegt oder weniger? Weniger. Keine Zeit. Keinen Mumm. Schmerzen.

9. Die teuerste Anschaffung: Ich habe 2018 nichts Teures angeschafft. Und "teuer" ist bekanntlich relativ. Auf jeden Fall gab es bei mir aber definitiv keine Einzelanschaffung über 50 Euro und insgesamt wurde für meine Verhältnisse ohnehin sehr wenig eingekauft. Zum ersten Mal in meinem Leben musste ich eigens ins Geschäft gehen, um Shampoo zu erwerben, weil ich keins mehr in Reserve hatte. Lagerhaltung aus Angst, im Alltag plötzlich ohne etwas Notwendiges dazustehen, verstopft einer Packratte wie mir ja gern mal die Schränke. Bei mir sind die Vorräte im Bad jetzt allerdings aufgebraucht. Im Prinzip ist das gut. Ich habe noch immer zu viel Gerümpel und Konsumverzicht ist ein lang gehegtes Ziel. Nur erzwungenermaßen ist er eben manchmal nicht mehr ganz so lustig.

10. Das Beste, was du 2018 gegessen hast: Ich habe ja noch immer das Glück, regelmäßig bekocht zu werden. Der Bratreis ist immer ein ganz besonderes Highlight.

11. Das schönste Geschenk: Ein Bilderbuch vom Flohmarkt: Ein Jahr mit Familie Maus. Oliver hatte den Auftrag, bei seinem Rundgang nach Mäusen, die Kleider tragen und in Baumstümpfen mit Blumenkästen vor den Fenstern wohnen, Ausschau zu halten. Und er kam prompt mit welchen zurück.



12. Lieblingslied 2017?: Seventeen von Janis Ian

13. Die meiste Zeit wo verbracht? Gefühlt wieder im Stau.

14. Die größte Enttäuschung: Dass das wahre Leben einen mit seinen Grässlichkeiten doch immer wieder aufspürt und einholt. Manchmal mit ungeahnter Wucht. Und dass Sartre noch immer und immer wieder Recht hat: "Die Hölle, das sind die anderen."

15. Die beste Investition: Ein Eichhörnchen auf einem weihnachtlich geschmückten Fahrrad. In den Korb vorn am Lenker kann man ein Teelicht stellen.

16. Die wichtigste Erkenntnis: Die anderen sind auch nicht viel schneller.

17. Was machst du zu Weihnachten? Natürlich: Kartoffelsalat und Michel in der Suppenschüssel. Dann Weihnachtsbesuch bei der Familie (nicht meine, seine). Haben wir letztes Jahr schon überstanden. Werden wir dann diesmal wohl auch.

18. Was wünschst du dir für das kommende Jahr? Ruhe und Frieden.

19. Was ist dein wichtigstes Ziel für 2018: Ordnung und Gesundheit.

20. Und was jetzt? Schlafen. So viel, wie möglich. Für alle, die es auch so dringend brauchen können: Ich wünsche euch Nerven aus Stahl und viel Kraft - und ansonsten, wie auch im letzten Jahr:



HAPPY EVERYTHING!




NH



Donnerstag, 31. Dezember 2015

Follow me around 38: Was vom Jahr übrig blieb


Presseschau

Was ich wirklich bedauere ist, dass die Business Vogue nicht mehr regelmäßig, sondern nur noch gelegentlich als Beilage zum eigentlichen Magazin erscheint. Ich sehe mir halt so gern Kostüme, Designer-Aktentaschen und Zeitplaner aus Schlangenleder an. Sie ergänzen mein ideales Selbstbild vermutlich einfach mehr als alles andere. In der letzten Ausgabe gab es natürlich auch Modestrecken, und ich habe das Bild oben ausgeschnitten und in mein Scrapbook geklebt, weil es mir besonders gefiel... aus vielen verschiedenen Gründen. Dass dieses Model ganz offensichtlich keine Mustergröße 34/36 trägt, habe ich zunächst gar nicht registriert. Streng genommen und insbesondere gemessen an Vogue-Standards handelt es sich bei ihr um ein geradezu fleischiges Plus-Size- Model. Als ich das Foto ausschnitt, fiel mir nichts Ungewöhnliches mehr auf - in meinem Kopf ist "nicht dünn und Model" offenbar nichts mehr, worüber ich gedanklich grundsätzlich stolpere. Und ich habe auch deshalb zunächst nichts gemerkt, weil mit keinem Wort in Über- oder Unterschrift darauf hingewiesen wurde. Bei den Fotos ging es nicht explizit um Mode für große Größen. Die Business Vogue steckt einfach ein runderes Mädchen (und lass sie nicht mehr als eine 38 sein) in Fotos und verliert kein Wort mehr darüber. So, als wäre das schlicht normal. ; ) Damit schafft sie das, was die Brigitte nicht einmal vollbracht hat, als sie sich, statt mit Models, mit "normalen Frauen" abgemüht hat. Wow.

Und wo wir sie gerade erwähnt haben: Der Artikel über Adele auf Seite 85 der Brigitte 25/2015 besteht aus rund 340 Wörtern. In ungefähr 120 davon (also einem guten Drittel) geht es darum, dass Adele die Spielregeln der Unterhaltungsindustrie vor allem dadurch bricht, dass sie sich weigert "ihr Übergewicht zu bekämpfen". Besonders vielsagend dürfte diese Zeile sein: "Auch Adele hat ein schönes Gesicht, aber..."

Die Wahrheit

Während mein nächtliches, einsames Turnen bei McFit ja ganz erfreulich war, ist die Werbung des Unternehmens regelrecht beängstigend (und) unoriginell - bis auf den Slogan "Mach dich wahr". Der wiederum ist auf verstörende Weise faszinierend. Und jeder Dicken in seiner Bedeutung und Reichweite nur zu vertraut. Da ist doch bekanntlich eine dünne Frau in jeder von uns. Eine, die im Gefängnis unserer Unzulänglichkeit festsitzt, und viel gesünder, schöner und erfolgreicher, kurz viel besser und wertvoller ist als wir. Denn wir sind nicht unser wahres Ich. Dick existieren wir in der Tat nur bedingt. Immerhin wird unsere Existenzberechtigung medial und gesellschaftlich immerzu und überall in Frage gestellt. Erst durch die Anpassung des Körpers an herrschende Körpernormen beginnt das wahre, weil gute und legitime Leben. Davor gibt es nichts bis auf das muffige Wartezimmer des Universums. Allein darum darf ich nicht vergessen, meine Mitgliedschaft auch wieder rechtzeitig zu kündigen.

In Eile

Und dann war da ja noch das Speed Dating am Sonntag in der Gecko-Bar, unter deren Kuppel auf staubigen Vorsprüngen irgendwie zerfleddert wirkende, aber dafür lebensgroße Actionfiguren und Dinosaurier im Kunstschilf lauern.

Das Dating war bereits zweimal verschoben worden und am fraglichen Nachmittag sowohl auf Frauen- als auch Männerseite eine veritable Seniorenveranstaltung. Angemeldet hatte ich mich gezwungenermaßen für die Altersgruppe 40 bis 54. Nur einer der 7 Männer, die auftauchten, lag tatsächlich innerhalb dieser Spanne, der Rest zum Teil deutlich darüber. Ein 72jähriger Taxifahrer seufzte, dass ich doch viel zu jung sei. Das hielt ihn jedoch nicht davon ab, mir in den 7 Minuten unseres "Dates" nuschelnd seine gesamte Lebensgeschichte zu unterbreiten. Ich saß da und nickte. Das war übrigens in der Mehrzahl der Unterhaltungen komplett ausreichend - die alten Herren interessierte wenig, und wenn ich mit Absicht aufhörte, die Unterhaltung durch knappe Nachfragen am Leben zu erhalten, erstarb sie tatsächlich auch immer wieder und wir saßen uns schweigend gegenüber.

Am Ende bin ich dann allerdings doch noch in meine ganz eigene Episode von "Bauer sucht Frau" katapultiert worden. Um herauszufinden, ob irgendeiner der Gesprächspartner eine gern noch einmal treffen würde, muss frau im Internet selbst auch ankreuzen, dass sie von diesem oder jenem gern die Kontaktdaten hätte. Vom Forscherinnendrang getrieben habe ich die Kontaktdaten der drei Männer angefordert, mit denen ich ein erneutes Treffen und einen kurzen Kaffee ziemlich sicher überstehen würde, sollten sich hier Übereinstimmungen ergeben. Von diesen hatte einer mich ebenfalls ausgewählt, bekam so vom System meine Telefonnummer und rief dann auch noch an. Nun habe ich also gleich am zweiten Tag des neuen Jahres eine Verabredung mit einem 56jährigen Landwirt (zu seinem Beruf waren wir in den sieben Minuten in der Bar gar nicht gekommen), der, der Natur seiner Profession gemäß, gar nicht in Hamburg, sondern sehr, sehr weit davon entfernt in der Pampa wohnt. Speed Dating: Hiermit erledigt. Im nächsten Jahr binde ich mir nicht mehr offenen Auges nur aus Neugier, verirrter Hoffnung und/oder Höflichkeit irgendwelche abwegigen Begegnungen ans Bein. Jedenfalls ist das einer meiner vielen guten Vorsätze.

Zu guter Letzt hier noch einmal mein Tipp für alle, denen bis jetzt eine zündende Idee für den Jahreswechsel fehlt.

Prost!

NH

Samstag, 12. Dezember 2015

Fragen über Fragen



Der Fragebogen zum Rückblick auf das Jahr ist seit 2011 hier eine Tradition. Die ursprüngliche Version habe ich von Shushan übernommen, die aber leider im Internet wohl nicht mehr da wohnt, wo ich sie einst traf... Ihn jedes Jahr neu auszufüllen eröffnet einem aufschlussreiche Einblicke in die persönliche Entwicklung. Das ist nicht immer lustig, aber interessant. Die Fragebögen der vorangegangenen Jahre gibt es hier: 

2014       2013

2012       2011


1. Auf einer Skala von 1 bis 10, wie war Dein Jahr? Na, ich sag mal 5 bis 6. Es hat sich eben alles auch schon mal noch schlechter angefühlt.

2. Zugenommen oder abgenommen? Abgenommen. 

3. Haare länger oder kürzer? Gleich. Dafür neublond.

4. Mehr Kohle oder weniger? No comment.

5. Mehr Blogleserinnen, oder weniger? Mehr.

6. Was war das beste Buch, das du 2015 gelesen hast? Such A Pretty Face von Marcia Millman. Und obendrein das beste Buch über das persönliche Drama, als dicke Frau in einer fettphobischen Welt zu existieren, das ich je gelesen habe. Von 1980.

7. Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was? Wieder nichts. Aber auch wenig um Glück gespielt.

8. Mehr bewegt oder weniger? Mehr. Vor allem Rad gefahren - im Wohnzimmer.

9. Die teuerste Anschaffung: Augencreme. Von Chanel. Glaube ich.

10. Die größte Überraschung: Es gibt vegane Schokolade, die wirklich gut (genug) ist. (iChoc)

11. Das schönste Geschenk: Eine afghanische Festtafel. : )

13. Die meiste Zeit verbracht wo? Schreibtisch und Auto. Auto und Schreibtisch. Bett.

14. Die größte Enttäuschung: Keiner will mit mir spielen.

15. Die besten Investitionen: Molly Bretts Bilderbücher im Antiquariat. Warum ich nicht viel eher darauf gekommen bin, dass die vermutlich alle, alle, alle im Internet zu bekommen sind... Wer weiß, vielleicht stellt sich noch heraus, dass die Anmeldung im Fitnessstudio die beste Investition war.



16. Die wichtigste Erkenntnis: Ich finde, ich habe genug gelernt. Ich will nichts mehr lernen. Ich will vor allem von allen weiteren Lebenslektionen verschont bleiben - besonders dann, wenn sie nur wieder zusätzliche Gemütsschwere und Grübelei mit sich bringen. Und das tun sie meistens, sonst würde man ja nichts daraus lernen.

17. Was machst du zu Weihnachten? Alles wie immer in den letzten Jahren: Kartoffelsalat, Michel in der Suppenschüssel (in Ermangelung eines Fernsehers auf DVD), selbstbestellte und von Amazon liebevoll verpackte Geschenke...

18. Was wünschst du dir für das kommende Jahr? Ach, fast mag man es nicht mehr sagen. Gesundheit vielleicht. Für den Kater und mich. Und vielleicht eine 
Buchveröffentlichung.

19. Was ist dein wichtigstes Ziel für 2016: Unbedingte Selbstfürsorge.

20. Und was jetzt? Was weiß denn ich? Schlafen oder so. Hab ich schon erwähnt, dass ich es bei "Nibblers" bereits bis zu Level 300 geschafft habe?

NH


Sonntag, 4. Oktober 2015

Follow me around 33: Die Frau meiner Träume

"Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr."

(Rilkes Herbsttag)


Vor ein paar Tagen habe ich nach einem Spaziergang um den Block mit meiner Nachbarin Ilse (77) auf der Bank im Dorfzentrum neben der Apotheke gesessen, und auf verzweigten Wegen sind wir irgendwie auf das Thema gekommen, was ich tun würde, wenn ich die wirtschaftliche/berufliche Unabhängigkeit hätte, ganz genau so zu leben, wie es mir gefällt. und das Ergebnis war einerseits nicht sehr erstaunlich: Ich lebe im Augenblick nicht so, wie ich es als ideal empfunden würde.

Andererseits war es ziemlich überraschend, weil sich an meiner Vorstellung vom wirklich guten Leben nicht viel geändert hat, seit ich ein Kind bin. Offenbar auch nicht im Zuge all der Selbstbespiegelung, der Analysen und all der Versuche der letzen Jahre, erwachsene und gesunde weil realistische Ziele und Pläne zu entwickeln. Obwohl ich mich lange nicht mit ihnen aufgehalten habe, sind die alten Vorstellungen und Wünsche nicht nur gar nicht aufgegeben, sie haben auch kein echtes vernünftiges Update erhalten: Haus mit wildem Garten und Pool, Katze(n), Hund, vom Schreiben leben,...

Ein Kleiderschrank voll mit Kostümen, so dass frau nie darüber nachdenken muss, was sie anzieht, war ja auch schon immer Teil des Märchenplans, der sich scheinbar nicht wirklich abschütteln lässt. Er bricht immer wieder durch. Dünnsein ist übrigens wirklich nicht mehr auf der Liste. Das wäre zumindest geschafft. Obgleich in letzter Zeit die Erkenntnis (egal wie das jetzt klingt, seien wir einfach ehrlich), dass ich insbesondere als junge Frau durchaus als norm-attraktiv hätte durchgehen können, wenn ich nicht dank Jojo wirklich immer mehr zugenommen und mich in dünneren Zeiten trotzdem verunsichert und traumatisiert durch die ständige negative Bewertung von außen in Sack und Asche versteckt hätte, immer mehr an mir nagt. Ich hätte in den Genuss der wissenschaftlich gesicherten, gesellschaftlichen Bevorzugung gutaussehender Menschen kommen können. Ich hätte von positiven Vorurteilen und womöglich einem ganz natürlich von außen gestärkten Selbstbewusstsein profitieren und getragen werden können. Aber daraus ist ja nun bekanntlich nichts geworden. Erst kam das von meiner nächsten Umgebung imaginierte Fett dazwischen, später das tatsächlich vorhandene.

Ich weiß, dass ich es in frühen Blogposts am Anfang meiner Selbstakzeptanz-Reise für absolut schlüssig hielt, was ich insbesondere in Ausführungen der Aktivistin Kate Harding gelesen hatte. Was im dicken Leben nicht gelingt, gelingt auch im dünnen nicht, weil Dünnsein nicht der Schlüssel zu Erfolg und Glück ist. Persönlichkeit und Talent sind wichtiger und am Ende maßgeblich. Und es ist für Dicke eine heilsame Übung, dass großartige, dünne Fantasieleben im Kopf endlich zugunsten der Realität aufzugeben. Wirklich? Ist das alles so? Heute würde ich das nicht mehr ganz so schnell und auch nicht mehr in vollem Umfang unterschreiben.

Denn natürlich ist man in einer fettphobischen Gesellschaft als dicker Mensch grundsätzlich im Nachteil, wenn es darum geht, das zu erreichen und zu bekommen, was man will. Und allein die Arbeit und Energie, die Dicke zumeist investieren müssen, um gegen den eigenen Selbsthass UND den der Gesellschaft anzukämpfen, bzw. sich darüber hinwegzusetzen und trotz dieser Hindernisse ihr Leben in die Hand zu nehmen, stellen eine Erschwernis dar, die ich nicht mehr unterschätzen, geschweige denn großzügig abtun würde. Schon gar nicht nach vier Jahren dicker Selbstakzeptanz. Ich weiß jetzt, wie hart die Arbeit ist.Und wie gigantisch die Widerstände.

Die Frage ist und bleibt: Wie viel einfacher wäre mein Leben wirklich gewesen? Wie viel unbeschwerter und glücklicher? Und wäre ich dünn womöglich mittlerweile doch zu meinem Swimming-Pool gekommen?

Vision Thing III

Mittlerweile ist es schon zwei Jahre her, dass ich mein letztes Vision Board erstellt habe. Vision Boards sind eine Visualisierung aktueller, persönlicher Ziele und Prioritäten. Sie sind ein Werkzeug zur Selbsterkenntnis, aber auch zur Motivation und zum Selbstmanagement. Zum Vergleich befinden sich hier Teil I und Teil II. Ich selbst sehe schon eine Entwicklung, glaube ich. Während ich nicht all das habe, was ich mir wünsche, ist die Liste doch, so mein Eindruck, knackiger und konsequenter geworden.

Eindrücke
Ordnung
Abgrenzung
Partnerschaft
Unabhängige Arbeit
Haltung
Heimkehr
Liebesbriefe
Freiraum
Bücher
Netzwerk
Geschichten
Swimmingpool
Selbstverteidigung
Sicherheit
Sichtbarkeit

Verlegenheit

Was mein dringendes Vorhaben angeht, mehr zu schreiben UND zu veröffentlichen, so werde ich nun zunächst einmal übungshalber meine ersten Schritte in die für mich bisher ambivalente Welt des Selbstverlegens machen. Ich habe Bücher in mir und auf der Festplatte. Und bislang war es ein wenig schwierig, einen Agenten hinreichend für das Thema Fettakzeptanz zu begeistern. Zumindest auf die Art und Weise, wie ich mir das so vorstelle.

Bisher gab es drei Buchveröffentlichungen in meinem Leben. Einen Gedichtband, einen Roman und einen Diät-Ratgeber. Zwar wurde jedes von einem Verlag angenommen und herausgebracht, aber Buch 1 und 2 waren, wenn man ehrlich ist, Flops. Das letzte war ein wenig erfolgreicher, aber das war eben auch nicht schwer. Was die Chancen angeht, schreibend zukünftig auch nur einen substantiellen Teil meines Lebensunterhalts zu bestreiten, mache ich mir wenig Illusionen. Aber ich erlaube mir auch, ein wenig zu träumen.

Der kleine Roman wurde 2003 unter dem Titel "Mirjas Macht" veröffentlicht. Das war der Titel des Verlags. Meiner war "Hexe im Regen", aber der wurde abgelehnt, weil sie fanden, er sei gleich doppelt negativ belegt. Ich liebe ja beides: Hexen und Regen. Nun werde ich die "Hexe" vielleicht neu überarbeiten und als, wie gesagt, ersten selbstverlegerischen Gehversuch und als Kindle-Version im Netz verfügbar machen.

Ach, und hier noch zwei Gedichte aus dem Bändchen, das 2000 erschienen ist. Ich kann mir nicht helfen - die Möglichkeit, Texte mithilfe des Internets heutzutage zumindest theoretisch der gesamten Welt zu zeigen, ist zu verführerisch. Für wen Lyrik nichts ist, dem wünsche ich schon mal eine gute Nacht! ; )


Erkältung

Seine dünnen langen
weißen Hände (mit dem tätowierten
Drachen über dem Daumen) graben
den Strand um auf der Suche
nach Kieselsteinen. Zum Spielen.
Geduldig blicken
die ältesten Geschöpfe über
das schwarze Wasser.
Todd sagt: Es wird gleich regnen. Und
du hast den Schirm im wagen gelassen.
Sie haben Altersringe in ihren
Panzern. Wie Bäume. Der
Strand ist leer. Was ist
im Herzen einer Schildkröte.
Meine Mutter
hat mich der Erde
übergeben bevor ich geboren
wurde. Sie vergrub mich
und kam nie zurück um nach mir
zu sehen. Wir alle
tragen unsere Leben
in Schachteln herum. Todd sagt:
Wenn wir jetzt nicht gehen
bin ich morgen erkältet. Ich
weiß es einfach.


Für Harry Hinz

Hey
alter Mann auf deine
Gesundheit.
Jetzt da sie dich
sicher unter die Erde gebracht
haben. Sieht so aus
ich werde du. Haben uns beide
in meiner Nabelschnur
verheddert. Hatte immer Angst
mir könnten über Nacht die Zähne
wegfaulen. Kindheit im Bad
verbracht. Bürste im Mund. Bukowski
auf den Knien. Was soll's.
Nu wird meine Tochter auch
ne Gauklerin.
Hey alter Gaukler
danke für die Stimmen
in meinem Kopf. Danke
dass du mir die
Revolution gegen die Frauen
beigebracht hast. Danke
dass du nicht so getan hast
als wären deine Hände
nicht leer. Wo wäre ich heute
wenn ich gewusst hätte
wo es lang geht.
Auf dich.


NH


Sonntag, 7. Juni 2015

Follow me around 25: It's a small world after all


Liebster Award


Ich bin schon vor einiger Zeit von Hendrikje, die ihr Blog hier führt: Septemberwelle, nominiert worden - für den Liebster Award. Vielen Dank dafür! : ) Teil des Awards ist ja wohl immer die Beantwortung einer Liste von Fragen, und nun komme ich endlich dazu, hier meine Antworten zu liefern. 

1. Hast du lange nachgedacht, bevor du deinen (ersten) Blog eröffnet hast, oder war das eher eine spontane Idee?
Ich habe schon ein wenig geplant, bevor ich mein Diät-Tagebuch gestartet habe. Das war 2005. Ja, das Blog gibt es seit 10 Jahren. Nur ist es natürlich heute ein anderer Planet.

2. Hast du schon mal ein Posting bereut? 
Nein. Ich bedauere es ein wenig, überhaupt jemals über Diäten geschrieben zu haben. Aber das ist alles. Es gibt ja die Regel: Wenn du es nicht auf dem Titel der Bildzeitung über dich lesen wollen würdest, stelle es auch nicht ins Netz. Daran halte ich mich, und bin gleichzeitig nicht sehr ängstlich, wenn es darum geht, persönliche Dinge zu teilen - schon allein darum nicht, weil ich noch immer glaube, dass das Private auch politisch ist, und ich bekanntlich eine Mission habe. Es ändert sich halt nichts, wenn keiner den Kopf aus dem Fenster hält.

3. Weiß dein näheres Umfeld dass du bloggst?

Ja! 
 
4. Falls du/ihr einen Garten habt: wer mäht den Rasen?

Ich habe keinen Rasen, für den ich persönlich zuständig bin. Den macht also der Gärtner. 

5. Wenn du wählen müsstest: Katze oder Hund? 
Naja...ich kenne da jemanden, der wäre not amused, wenn ich jetzt etwas Falsches sage. Aber ich mag natürlich Katzen und Hunde sehr. Ich wollte ja auch immer eine Dogge...

6. Stell dir vor, du bist unter der Woche krank, liegst auf der Couch und möchtest unbedingt fernsehen. Es ist 14 Uhr - für welches Programm/welche Sendung entscheidest du dich? 
Ich habe weder eine Couch noch einen Fernseher.

7. Wenn du die Chance bekämst, mit all deinen Erfahrungen noch mal 18 zu sein und neu anfangen zu können - würdest du etwas anders machen? (Beruf/Partner...)
Ja! Ich würde keine Diäten mehr machen. Und ich würde konsequent und total berechnend alle beruflichen Verbindungen und das Vitamin B, das mein Vater zu bieten hatte, ausnutzen und nicht, wie geschehen, aus Stolz ausschlagen.

8.  Was glaubst du, wie wir uns in 50 Jahren fortbewegen werden?
Ich wünschte, wir könnten uns hin und her beamen, aber ich glaube, es werden wohl eher Elektroautos sein, die von Computern gesteuert werden. Wenn ich mit über 90 noch immer im Stau stehen muss, werde ich jedenfalls sowas von sauer sein...

9. Kannst du stricken/häkeln/nähen? 

Nein. Nichts davon.

10. Auf wen oder was bist du manchmal neidisch? 

Ich bin neidisch auf jeden, der einen apfelgrünen Porsche hat. ; )

11. Bist du ein spontaner Mensch?
Eher nicht, denke ich. Ich weiß auch ganz ehrlich nicht genau, was das überhaupt bedeutet. Es scheint immer positiv gemeint zu sein und Lebensfreude zu implizieren. So wie in Fernsehwerbung für Margarine, wo sich Leute mit dem Gartenschlauch bespritzen...Ich plane auch jeden Fall eher viel und gründlich, sonst komme ich leicht durcheinander.


Kleine Gärten für kleine Frauen

Ich hatte schon immer etwas für Bühnen und Kunstwelten übrig. Als Kind habe ich Möbelgeschäfte geliebt, weil ich in ihren Ausstellungen immer so tun konnte, als wäre ich an Film-Sets.Ganz besonders mag ich allerdings auch solche, die in Schuhkartons oder Wassereimer passen - siehe unten. Tatsächlich habe ich insbesondere in den letzten Jahren in dem Bereich ein paar Arbeiten produziert.

Wenn doch alles so einfach abzuarbeiten wäre, wie das japanische Set für den Magic Garden, das ich bei The Optimistic Project in der hamburger Hafencity gekauft habe. Das war mal ein Produkt, bei dem das Foto auf der Packung vom Ergebnis im wahren Leben übertroffen wurde - zumindest was die Fluffigkeit der Bäumchen anging. Nachdem Corbi den Garten dann nach ein paar Tagen mit kräftiger Pfote und biestiger Begeisterung zerstört hatte, machte ich noch ein paar Fotos von einer Frau und einem Drachen in den Überresten, bevor das Ganze in die Tonne wanderte.

Ich wünschte, die Dinge würden einfach funktionieren. Aber das tun sie mehrheitlich einfach nicht. Meiner Erfahrung nach ist nichts jemals einfach einfach.









So ein Theater

Die Frage "Was will ich eigentlich im Leben?" stellt sich ja immerzu, wenn man keinen Anhang oder zukunftsorientierte Partnerschaft hat, und noch immer den selben Job macht, den man als Studentin mal begonnen hat. Der Plan war und ist ein anderer - das muss ich nicht mehr erzählen. Das habe ich ja schon so oft. Ich weiß nur nicht, wohin. Soll ich noch eine Ausbildung machen? Als was? Soll ich mein Buch endlich selbst verlegen, wenn es keiner für mich tut? Soll ich für das Alter sparen, oder doch lieber für einen Ausflug in ein japanisches Einkaufszentrum? Soll ich mich mit dem Alleinsein abfinden? Sollen Corbi und ich eine frauchenlose Dogge adoptieren? Die passt nicht in mein aktuelles Auto, und das Geld für ein Abendstudium müsste ich dann stattdessen in eine Huta (Hundetagesstätte) investieren.

Was meine Therapeutin für mich will, weiß sie ganz genau. Sie findet, wenn ich schon ohne Familie, Beziehung und solides Netzwerk aus Freunden bin, brauche ich wenigstens eine Gruppe, um wenigstens einmal pro Woche "unter Leute zu kommen", mit denen ich nicht arbeite, und aus denen vielleicht "Freunde" werden könnten. Sie entwickelt kühne Fantasien von mir in Yoga-Kursen oder bei ehrenamtlicher Wohltätigkeitsarbeit. 

Ich selbst hatte ja immer so eine romantische Vorstellung von der Mitwirkung in einer lokalen Amateur-Theatergruppe - diese resultierte vermutlich aus meinem Überkonsum betulicher, britischer Fernsehserien aus den 80er Jahren. Und weil ich an Freitagabenden selten etwas Besseres vorhabe, ging ich mit meiner Nachbarin zu der ersten Vorstellung eines Amateurtheaters meines Lebens. 

Es kann selbstverständlich durchaus sein, dass andere Theatergruppen anders sind. Vielleicht sollte man sich hiernach doch noch unverdrossen weitere ansehen. Und wenn etwas an der Darbietung nicht schrecklich war, dann die spürbar große Spielfreude, mit der einige der alters- und geschlechtsmäßig wirklich gut gemischten Mitglieder offenbar und trotz teilweise grober Unbegabung auf ihrer Bühne standen. Der Titel des Stückes war "Mörderstund ist ungesund", und so sehr mir einleuchtet, dass man eines wählen musste, bei dem viele eine Rolle abbekommen, kann ich schlicht noch immer nicht glauben, dass irgendjemand sich jemals irgendwo für eine Aufführung dieses Blödsinns entscheiden konnte. Und da zeigt es sich doch schon wieder: Ich eigene mich nicht für Gruppen. Und schon gar nicht für solche, die das, was sie tun, ausschließlich für sich und zum Spaß tun. Ich gehe auf keine Bühne, ohne mir vorher ziemlich ausladende Gedanken darüber zu machen, was ich da vor Publikum und für das Publikum zu tun gedenke. Ich bewerte immerzu und viel zu streng. Meine Gruppe muss mithin noch gebacken werden. 

Vielleicht wäre meine Einschätzung der Vorstellung eine andere, wenn meine Oma im Ensemble gewesen wäre. Denn vermutlich setzte sich das Publikum ohnehin fast ausschließlich aus Freunden und Verwandten der Darsteller zusammen. Obwohl ich keine meiner Großmütter persönlich kennengelernt habe, schließe ich allerdings, zumindest was meine Großmutter mütterlicherseits angeht, aus Schilderungen ihrer Persönlichkeit, die der meiner Mutter nicht unähnlich gewesen sein dürfte, dass auch sie eher dem Ich-mach-mich-doch-nicht-zum-Affen-Club angehörte. 

Während ich noch die Männer mittleren Alters unter den Schauspielern auf Attraktivität scannte (denn seien wir doch ehrlich - warum wohl sonst jemals eine Gruppe?), begann meine Nachbarin bereits nach einer halben Stunde, unruhig auf ihrem Stuhl hin- und herzurutschen, und raunte mir genervt zu, ob wir nicht doch lieber in die Eisdiele gehen wollten. Wir haben noch bis zur Pause ausgehalten und uns dann verdrückt. 

Sie braucht übrigens keine Gruppe. Sie ist 77 und hat gleich zwei glühende Verehrer, die sie täglich auf Trapp halten. Da kann ich selbstverständlich nicht mithalten, und um auf die Frage aus dem Award-Fragebogen zurückzukommen, auf was ich manchmal neidisch bin - ja, darauf auch. Wobei es sich bei beiden Herren um in letzter Zeit wiedergefundene und ursprünglich platonische Bekannte handelt. Mit dem einen ist sie zur Schule gegangen, den anderen haben sie und ihr Mann offenbar vor Jahrzehnten in der Hundeschule kennengelernt. Ein ähnliche Konstellation wünsche ich mir lieber nicht, weil mir aus meiner Schulzeit beileibe kein Junge einfällt, von dem ich mir heute gern nachstellen lassen würde. 
......

Die Möglichkeiten sind angeblich unendlich, aber ich sitze am Samstagabend wieder zu Hause und schmiere mir zum ersten Mal Argan-Öl in die neublonden Haare. Meine Göttin, was ist das denn für ein schrecklicher Geruch!?! ; )

Eine der ersten kleinen Welten - mittlerweile fast so alt, wie ein Dino.

"Doll House", 2012

"Other Worlds", 2012

2013


© Nicola Hinz 2015