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Freitag, 1. Juli 2016

Follow me around 49: Baustellen


Gustav geht es gut.


Frau Behr, ihres Zeichens Tierarzthelferin, Pferdebesitzerin und Vermittlerin von Gustavs neuem Zuhause hatte ja gesagt, dass ich mich in ca. einer Woche melden solle, um zu erfahren, ob Gustav in der neuen Umgebung zurecht kommt. 

Ja, eine Woche ist der tränenreiche Abschied nun schon wieder her. Aber ich weine gelegentlich noch immer ein wenig vor mich hin und hatte von gestern auf heute eine unruhige Nacht, weil mich zunehmend gruselige Fragen und horrende Befürchtungen plagten: Was, wenn irgendetwas schief gegangen ist? Was, wenn es ihm da nicht gefällt? Was, wenn er weggelaufen ist?...Um 9:30 Uhr stand ich heute auf der Matte, bzw. am Empfang der Praxis. 

Frau Behr, die Liebe, rannte gerade von einem Behandlungszimmer zum nächsten, winkte, rief, sie habe jetzt leider gar keine Zeit, aber Gustav gehe es sehr gut, und alles habe sich ganz wunderbar eingespielt. Dann hob sie beide Daumen, um sicherzustellen, dass ich die gehörten Informationen auch ganz sicher richtig einordnen konnte, und ich wischte mir imaginären Schweiß von der Stirn und rief: "Vielen, vielen Dank!"

Puh, das scheint geschafft.

881 Dinge weniger.


Bis jetzt. Und eigentlich wären es mehr, wenn ich nicht manchmal Gruppen von Gegenständen als nur einen Posten vermerken würde. Aber ich arbeite mich auch noch immer und immer weiter vor. Und ich blase das, was in dieser Organisationsphase vor ein paar Wochen als "30 Day Decluttering Challenge" begann, erst ab, wenn ich hier fertig bin. Mit allem. An diesem Wochenende ist vielleicht die Küche dran. Oder zumindest ein Teil von ihr. Auch da gibt es Schubladen, über dessen Inhalt ich nichts mehr weiß, weil ich seit dem Umzug vor sechs Jahren nicht wirklich hineingesehen habe. 

Oh, leere Oberflächen! Nach einem Leben voller Kampf gegen die Übermacht der Dinge, sehe ich jetzt endlich Land. Irgendwann erreicht man den Punkt, da will man nur noch Platz (da!), Ordnung und reibungslose Alltagsabläufe - auch im Kleinsten. Besonders, weil ohnehin kaum jemals etwas leicht zu sein scheint, und ich nun wirklich keine Energie mehr zu verkleckern habe. 

Die Wirkung wird täglich deutlicher. Weniger Kram führt zu mehr Ordnung, Ordnung zu Vereinfachung, Vereinfachung zu weniger Stress, weniger Stress zu mehr Freude, Klarheit und Zeit. Und zumindest Klarheit und Zeit meine ich tatsächlich schon fühlbar etwas mehr zu haben - das mit der Freude kommt vielleicht, wenn ich erst einmal die Abstellkammer zum Xten Mal bezwungen habe.

Tonnen - in Worten: TONNEN von Modeschmuck habe ich unlängst aussortiert. Dabei bin ich nach der Konmari-Methode vorgegangen. Man nimmt jedes Teil aus einer bestimmten Kategorie in die Hand und fragt sich, ob es "Freude in einem entfacht". Nur Dinge, die das tun, können bleiben. Für Modeschmuck eignet sich die Methode gut, weil man den ja niemals wirklich braucht - während man aber z.B. den Dosenöffner sehr wohl braucht, obwohl ich den trotzdem nicht besonders leiden kann. Eigentlich habe ich eine regelrechte Abneigung gegen ihn, wenn ich es recht bedenke...

Anders als zu früheren, reicheren Zeiten werde ich mich in naher Zukunft daran machen, den Schmuck zu fotografieren und Ohrring für Ohrring bei Ebay zu verscherbeln. Ich bin bekanntlich alt und brauche das Geld - und dieser Tage nun ganz besonders, denn:

Der Computer ist hin.


Ja, der Albtraum wurde wahr. Und ich bin selbst am erstauntesten, dass ich das offenbar überlebt habe. Der Bildschirm wurde einfach schwarz, das heftige Schnaufen der Lüftung verstummte, aber die Maschine ging nicht aus. Als ich sie dann ausstellte, um sie neu zu starten, was ja vorher noch immer geklappt hatte, machte es auch nicht mehr ärgerlich "Ping", sondern seufzte nur noch leise und resigniert mit schwachem Stimmchen... Das war das letzte, was ich von ihr gehört habe. Sie lässt sich nicht mehr hochfahren, und ich habe nun die Aufgabe, eine Entscheidung hinsichtlich der Verschrottung zu treffen. 

In einem lichten Moment habe ich mich daran erinnert, dass die Festplatte noch bis zum Rand voll ist mit hausgemachter Pornographie, an die mich die Maschine jetzt ja nicht mehr heranlässt, um sie zu löschen, bevor ich das Gerät aus den Händen gebe. Und dann habe ich natürlich auf irgendwo gelernt, dass man eine Festplatte ohnehin nicht wirksam und vollständig leeren kann...der Computer muss aber weg, weil er in mir schlicht keine Freude mehr entfacht. 

So, wer hierzu im eigenen Interesse u. U. noch ein paar Lösungsvorschläge zu unterbreiten hätte, möge jetzt sprechen (oder so). Oder für immer schweigen...

NH


Montag, 2. Mai 2016

Walking Vlog #2: Die dicke Dame sucht die Liebe (nicht mehr)

Ich habe mich also wieder auf die Socken gemacht und habe die Kamera mitgenommen*. Dummerweise hatte ich vom letzten Mal wenig gelernt (oder schon wieder alles verdrängt) und so habe ich auf den Wind das himmlische, nervige Kind natürlich wieder überhaupt nicht geachtet. Mit dem unbefriedigenden Ergebnis, dass ich an einigen Stellen Untertitel einblenden musste, so als wäre ich mit einem sehr exotischen Dialekt in eine Doku-Soap geraten...

Die Themen Liebe und Partnerschaft sind bekanntlich keine, bei denen ich zu den Gewinnerinnen gehöre. Und dieser Beitrag wird vermutlich der letzte zum Thema sein - es sei denn, ich mache im Zuge des Thin Privilege Projektes noch erhellende Erfahrungen auf dem Gebiet.

Oder ich schwinge mich doch noch einmal einsam und verfügbar dreinblickend auf einen Barhocker. Das passiert aber nicht absehbarer Zeit - auch deshalb nicht, weil mir Zeit und das Geld für Cocktails fehlen - und bei meinem Glück mit den Männern müsste ich mich vermutlich den ganzen Abend auf eigene Kosten mit Flüssigkeit versorgen. Selbst dann, wenn einer anbeißt...

Das ist überhaupt ein Punkt, den ich im Vlog gar nicht angesprochen habe, obwohl ich ihn mir auf meine Stichwortliste gesetzt hatte: Wenn Männer mit einem einzigen Aspekt der Emanzipation WIRKLICH GANZ UND GAR NICHT UND NIEMALS UND UNTER KEINEN UMSTÄNDEN EIN PROBLEM haben, dann damit, dass sie nicht mehr automatisch diejenigen sind, die die Rechnung zahlen. Eigentlich ist es meiner Erfahrung nach eher so, dass sie automatisch nicht mehr die sind, die einladen. Dafür finden sie aber überhaupt nichts dabei, sich automatisch einladen zu lassen und so lassen Professoren, die zehn Jahre älter sind als ihr Date, dieses anstandslos den Kaffee zahlen. Nicht alle, wohlgemerkt. Aber fast alle und unabhängig davon, wie gut es ihnen finanziell geht...Seufz.

Das war es also. 

Ein "Lebens-Update" gibt es im nächsten Blogbeitrag. Ich bin schon gefragt worden, wo ich denn bin, und dazu kann ich nur sagen: Weiterhin so ziemlich außer mir. Aber dazu später mehr. Hier kommt jetzt das Filmchen. Links zu alten Beiträgen aus meiner Dating-Geschichte findet ihr darunter.

Dienstag, 5. Mai 2015

Wie man so richtig schlechten Sex hat

"Some people have real problems" (Sia)

Hin und wieder betreibe ich ja bekanntlich Feindbeobachtung - und kaufe mir dazu eine herkömmliche Frauenzeitschrift. Nicht zu oft, denn das ist schlecht für meinen Blutdruck und die allgemeine Stimmung für den Rest des Jahres. Manchmal sind die Bösartigkeit und Blödheit, die einer aus den Seiten entgegen schwappen eben einfach so haarsträubend, dass man vorübergehend so unsagbar sauer auf das eigene Geschlecht wird, dass man nicht übel Lust hätte, die eine oder andere Redakteurin während ihres fettfreien Lunches vom Nachbartisch mit vollen Windeln und Büchern von Birigit Kelle zu bewerfen.

Die Tipps für ein beschisseneres Frauen(sex)leben kommen heute aus der Mai-Ausgabe der Shape. Zu finden ist der fragliche Text unter der Überschrift "Heißer aussehen beim Sex" auf Seite 108 - eigentümlicherweise in der Kategorie "Psychologie". Das ist meiner Auffassung nach nicht sehr passend, aber vermutlich war der Kram halt schlecht einzuordnen - eine (offensichtliche) Rubrik für "Selbsthass" gibt es ja nicht.

Mir ist natürlich klar, dass solche Magazine davon leben, dass wir unsere Körper nicht leiden können. Mich überrascht nicht, dass sie im Hinblick auf das Überleben ihres Blattes kein echtes Interesse daran haben, daran wirklich etwas zu ändern. Was mich überrascht, ist nicht das, was sie nicht für Frauen tun. Aber was mich mitunter (fast) sprachlos macht, ist das, was sie tun. Gegen Frauen. Und damit gegen sich selbst.

Christy Forers (das ist die Verfasserin des Artikels) "schlimmster Albtraum" ist, dass sie "eines Tages Sex mit einem Mann (hat), der vergessen hat, seine GoPro-Kamera auszuschalten." Nicht, weil sie etwa Angst davor hat, der Mann könnte sein Werk womöglich im Internet in Form von Rache-Porn veröffentlichen, oder sowas. Nein, sie befürchtet vielmehr, dass sich unwiderlegbar herausstellen könnte, dass sie beim Sex scheiße aussieht. Ihre sorgenvolle Frage, die aber doch uns alle regelmäßig umtreibt, ist: "Ob mein Körper immer so sexy und durchtrainiert wirkt, wie er wirklich ist?"

GÄHN.

Dazu würde ich zunächst einmal gern dieses einwerfen:

1. Meiner ja!*

2. Es ist immer gut, wenn der/die mit der Kamera auch ein wenig Talent im Umgang mit eben jener hat.

3. Ich würde tatsächlich jeder Frau, die an ihrer körperlichen Selbstakzeptanz arbeitet, empfehlen, sich auch mal beim Sex zu filmen. Meiner Erfahrung nach, kann das die selbe heilende Wirkung haben, wie Selbstportraits und Nacktbilder. Man kann besser akzeptieren, was man auch kennt. Und wie soll man sich der Welt endlich in voller Größe zumuten, wenn man sich vor sich selbst immer weiter versteckt? Das eigene Bild zunächst auszuhalten und sich dann daran zu gewöhnen und es anzunehmen, ist in meinen Augen noch immer einer der ersten und wichtigsten Schritte.

Bei der Aufzeichnung von Sex kommt hinzu, dass man sich währenddessen in einer Situation mit jemandem befindet, der den Körper, den man selbst gerade hat, offenbar aufregend und attraktiv genug findet, um...mit ihm Sex zu haben! Während man also vielleicht vom eigenen Anblick zunächst nicht begeistert oder gar erschrocken ist, muss man zumindest zur Kenntnis nehmen, dass das Gegenüber das vermutlich anders gesehen hat. Dass das also möglich ist. Sich dieses klar zu machen, hilft. Sogar ungemein.

*Ja, mein Körper wirkt im Film immer genauso sexy und untrainiert, wie er wirklich ist. Ich brauche also keinen der "5 kleinen Tricks", um mich beim Sex "super in Szene zu setzen". Außer der verunsicherten Christy selbst braucht die ohnehin keine andere Frau mehr, als ein Loch im Kopf.

Schockstarre

1. Dicke Hintern
Hier rät die Christy Frauen "mit etwas mehr Po" zur Seitenlage, denn die ist "schmeichelhafter, weil sie Hüftknochen und Taille betont". Wer seinem Partner unbedingt sein mächtiges Hinterteil entgegenstrecken will, der sollte wenigstens einen "langen Rücken" machen, um insgesamt "schmaler zu wirken".

2. Doppelkinn
Kissen unter dem Kopf sind bei Rückenlage verboten.

3. Keine Kissenschlacht
Für einen straffer wirkenden Busen, muss man ein Hohlkreuz machen (beim Sitzen auf ihm oder in der Rückenlage) und dieses dann bitte auch bis zum Ende durchhalten, damit nicht womöglich doch noch irgendein schwer erziehbares Fettgewebe anfängt, in bewegten Zeiten wild herumzuschlackern. Für scheinbar mehr Busen bitte "gerade liegen bleiben". Ich frage mich, ob man hier nicht realistischerweise grundsätzlich "bewegungslos" einfügen müsste, um den gewünschten Effekt zu erhalten.

4. Sitz gerade!
Wer will, dass der Bauch flacher wirkt, muss sich liegend oder sitzend grundsätzlich "gerade halten". Wem das auf oder unter dem Partner nicht gelingt, hat der Christy zufolge gute Chancen auf eine ganz besondere Auszeichnung: "Plauze des Jahres".

5. Posen
Wer hat der hat, und darf dann nicht nur, sondern soll sogar mit dem Becken kreisen, "denn gerade bei trainierten Frauen zeichnen sich (auf diese Weise) wunderschöne Muskeln (am Bauch) ab".

Wahrheitsfindung

Natürlich geht es in der Shape ausschließlich um Frau/Mann-Sex. Umso mehr müsste man mal einen Mann fragen, was er eigentlich so von Hohlkreuzen und verschämter Seitenlage im Bett hält. (Wo ist denn eigentlich gerade mal der Theo?) Nicht dass ich womöglich irgendjemanden dazu ermutigen möchte, sich primär an männlichen Präferenzen zu orientieren, wenn es um die eigene Sexualität und Selbstakzeptanz geht, aber wenn uns die giftigen Schwestern aus den Redaktionen weismachen wollen, dass Männer fraglos und mehrheitlich ganz besonders auf stocksteife Frauen mit ordentlichem Muskelspiel am Bauch abfahren, lohnt sich hier womöglich doch mal wieder eine praktische Überprüfung dieser Behauptungen. Könnte ja sein, dass das am Ende gar nicht stimmt, und dass es aus seiner Perspektive ebenfalls komplett umsonst wäre, auch nur den Versuch zu unternehmen, aus ästhetischen Gründen kerzengerade auf seinem Schwanz sitzen zu bleiben.

Obwohl die Christy in ihrem Artikel wirklich alles gegeben hat, damit ihre Leserinnen in Zukunft wieder das Licht beim Sex ausmachen, stimmt der folgende Satz selbstverständlich: "Wer sich selbst gut findet, hat mehr Spaß an Sex." Das ist übrigens eine Bildunterschrift und dürfte den meisten Leserinnen entgehen. Sie ist ja auch nicht gut gemeint. Ich glaube ja außerdem, wer mit dem richtigen Partner Sex hat, hat mehr Spaß an Sex. Richtige Partner sind die, bei denen man sich schön fühlt. Ganz besonders dann, wenn es wackelt und bebt.


NH

Samstag, 18. Oktober 2014

Follow me around 9: Das Ende der Jagd

Schmetterlingsnetz 1

Betrachten wir das Experiment hiermit als abgeschlossen.

Seit ich auf Online-Dating-Plattformen nach nichts außer einer festen Partnerschaft suche, wird es, wie bereits berichtet, ausgesprochen zäh. In meinem Postkasten im biederen Dating Cafe herrschte gähnende Leere - bis gestern, weil da nämlich der letzte Tag meiner Mitgliedschaft war. Eigenartig, wie das Geschäft auf diesen Seiten immer kurz vor Ladenschluss so überdeutlich anzieht.

Bei Neu.de schaue ich gar nicht mehr rein. Das Publikum ist schlicht zu deprimierend und in vielerlei Hinsicht zu alt, obwohl die Mitgliedschaft dort noch für ein knappes Jahr bezahlt ist. Bei Zoosk ist eine Menge los. Wer fortgesetzt Bewegung und eine große Auswahl will, dem würde ich diese Partnerbörse durchaus empfehlen. Aber für mich war dort auch nach einem Monat Schluss. Ich bin zu schlapp, um die Schlechten immer weiter ins Kröpfchen zu sortieren, wenn es vor den Augen bereits nur noch flimmert.

Ich hätte zu gern noch einmal gewusst, wie echte (Ver)bindung geht, bevor ich alt und grau werde. Aber sei es drum. Einer könnte mich retten. Wenn er wollte. Will er nicht. Ich könnte ihn im Gegenzug auch ein bisschen retten. Wenn er wollte. Will er nicht. Ich gehe neuerdings immer mit Wärmflasche ins Bett. Kein Scherz - die wärmt meine Seele und meine zerlöcherte Mitte, und das ohne Wenn und Aber.

Schmetterlingsnetz 2

Dating down*

Sex ohne alles hingegen wäre noch immer kein Problem. Wenn man ihn noch wollte. Ich will ihn, glaube ich, nicht, obwohl ich eigentlich ein wenig Rehabilitation auf dem Gebiet gebrauchen könnte...

Es war eigentlich immer eine meiner Grundregeln, und dennoch habe mich zuletzt dämlicherweise selbst nicht daran gehalten: * Es ist eine ganz schlechte Idee, die eigenen Erwartungen bei der Partnersuche der Qualität des aktuellen Angebots anzupassen. Andere mögen es Oberflächlichkeit nennen, ich nenne es Bauchgefühl. Und damit ist nicht zu spaßen.

Natürlich ist da aber auch der einfältige Rat, den jede berufene Stelle gerne gibt: Ansprüche zurückfahren. Sich mal auf jemanden einlassen, der die Eierstöcke auf den ersten Blick nicht hüpfen lässt, weil er vielleicht doch zu spießig, einfach gestrickt, langweilig oder buckelig erscheint...denn das könnte alles nur Tarnung sein. Ein schwaches Bild, projeziert auf Pergamentpapier, durch das dann zur Belohnung für die Überwindung eigener, vermessener Standards der wahre Prinz dahinter auf  seinem feurigen Ross zu gegebener Zeit hervorbrechen wird. Das zumindest ist die Annahme, die Autoren von Büchern mit schlicht gelogenen Titeln wie "Make Every Man Want You" (Marie Forleo) im Brustton der Überzeugung unters Weibervolk streuen. Aber auch auf den Dating-Portalen im Internet wird immer wieder vehement daran erinnert, dass man besonders als Frau willens sein muss, tiefer zu graben und hinter die Kulissen zu schauen, um verborgene Schätze der Männerwelt zu heben.

Meine Damen: So wird es nicht laufen. Warum sollten tolle Männer sich mit verschrobener Mittelmäßigkeit tarnen, wenn es auf einem Dating-Portal doch auch ihr Ziel sein dürfte, sich möglichst attraktiv zu präsentieren? Wieso sollten sich dort lauter Supermänner auf geheimer Mission tummeln? Die sind schon so, wie ihre Profile: Sie geben sich Namen wie Master666 und posieren dann fürs Foto vor Wasserkochern auf Spitzendeckchen. Oder sie haben ein kluges Profil. Dann sind sie vermutlich auch nicht ganz dumm.

Und wer live bereits nach dem ersten Händeschütteln nach Lahmheit und schlechtem Sex riecht, bei dem wird es keine Überraschungen der spritzigen Art geben. Ich hab's ausprobiert. Ich war sehr gründlich und hatte dank dieses Umstandes am Ende den schlechtesten Sex meines Lebens. Zweimal. Ist schwer zu entscheiden, wer der traurigere von beiden war. Und bevor ich mich sodann aufraffen und von meiner Seite die Abschlussgespräche initiieren konnte, hatten sich beide Kandidaten spontan anderweitig verknallt und mich ihrerseits ohne viel emotionales Trara schriftlich abserviert. Wenn einen dann auch schon die nicht mehr wollen, die man selbst auch nicht gewollt hätte, wird es langsam kritisch. ; ) Man kann die Nase rümpfen und sich lustig machen so viel wie man will - Tatsache ist, dass man den betulichen Langweilern mit ihren behaarten Rücken, ihren kurzen Schwänzen sowie ihrer Humorlosigkeit nicht gut genug war.



Fette, geile Weiber (tanzend)

Etwas, was ich früher (also vor dem Einstig ins Online-Dating) noch nie hatte, ist ein kleines (sehr dünnes und auch nur symbolisches) schwarzes Büchlein mit Nummern von Männern, die man als Single-Frau im Notfall anrufen kann. Also, im Prinzip Typen, mit denen man ehrlich nicht zusammen passt, sich aber aus unbestimmten Gründen gut genug versteht, um locker in Kontakt zu bleiben. Da meldet man sich dann einfach mal, wenn man  z.B. jemanden braucht, der mit einem auf eine Ü100-Party geht. So wie ich gestern Abend. "Oh ja, lass uns fette, geile Weiber angucken gehen!" freute sich Richard durchs Telefon. Natürlich nur, um mich mal wieder zu ärgern.

Richard, mit seiner Vorliebe für Fülle aber ohne Ü100-Erfahrung (h65tttttttttttttttttttttttttttttt - geheime Botschaft vom Kater), hatte mich seinerzeit dazu bewegen wollen, im fleischfarbenen Oma-Hüfthalter und mit hohen Stiefeln durch sein Wohnzimmer zu stöckeln. Nun ist es nicht so, dass ich nicht bei Gelegenheit dazu bereit wäre, etwas Bestimmtes anzuziehen, wenn es meinen Partner scharf macht. Nur muss man dafür auch mein Partner sein. Und warum kann man mit mir noch einmal keine Beziehung haben, Richard? - "Du würdest mich einfach fertigmachen. Du bist so ein unglaublich anstrengendes und resolutes Menschenkind." - Ach ja, das war es... Und dann machte sich Richard am Rande des Tanzbodens doch tatsächlich an die einzige dünne Dame heran, die da herumstand, bis ich ihm sein Jacket entgegen schleuderte und sagte: "Ab nach Hause!" 

Eigentlich hatte ich über die Party schreiben wollen. Aber es gibt nicht viel zu erzählen. Wenig Publikum, viele freie Sitzplätze, Leere auf der Tanzfläche. Um halb zwölf warteten die Taxis auf Fahrgäste vor der Tür. Und Richard sagte, als wir gingen: "Von all den Frauen, die ich heute hier gesehen habe, haben allenfalls zwei oder drei den Eindruck gemacht, dass sie sich in ihren Körpern richtig wohl fühlen und sich nicht verstecken wollen." Und ich glaube, er hatte recht. Traurig irgendwie, aber so war es.

Barhocken

Wohlgemerkt und das letzte Mal verkündet, für alle, die es noch einmal hören wollen/sollen: Sex zu bekommen, ist für dicke Frauen kein Problem im Internet, wo Leute mit spezifischen Vorlieben gehäuft und konzentriert auf einen zusteuern.

Auf freier Wildbahn sah und sieht das anders aus. Da will mich so, wie ich bin, offenbar weiterhin keiner. Für gar nichts. Ich habe auch dieses schon öfter gesagt, ich sage es noch einmal: Nichts macht einen so auffällig und gleichzeitig so unsichtbar wie Fett.

Meine grundsätzliche Annahme/Erfahrung ist nach wie vor diese: Desexualisiert und entfraut durch sein Fett muss man sich keine Sorgen um plumpe Abschleppversuche machen. Man kann den ganzen Abend in Ruhe in der Öffentlichkeit herumlungern, ohne dass einem jeMANNd zu nahe kommt. Selbst dann nicht, wenn man sich strategisch und äußerlich aufgerüstet im passenden Rahmen, also in einer nächtlichen Barlandschaft platziert. Dafür muss man dann aber auch alle Martinis selbst bezahlen. Und das kann teuer werden.

Und obgleich die Männerjagd nun vorzeitig auf Eis gelegt worden ist, werde ich dieses Experiment auf jeden Fall noch einmal machen. Ich werde mich in die Bar begeben. Noch ist nicht ganz klar, wann. Aber es wird so kommen. Denn womöglich ist mit meiner neuen Einstellung zu mir selbst ja alles anders. Vielleicht war es ja meine Säuerlichkeit als Dicke und nicht mein Fett, die mir die Männer in dicken Zeiten stets effektiver vom Leib gehalten hat, als Pockennarben oder Schwefeldünste. Wäre ja mal nett, das wenigstens zu wissen.

NH

Montag, 21. Juli 2014

Follow me around 3



Schön ist das nicht


Vor ein paar Stunden habe ich softpornografische Filmaufnahmen gemacht. Von mir selbst, um jemand anderem eine Freude zu machen. Zentrales Motiv der Arbeit war das Aufbringen von Sprühsahne auf meinen Busen...in den Initialen des Beschenkten...

Kennt das noch jemand, dass einem bei so ziemlich jeder Unternehmung mit mehr als einer Unbekannten fast unvermeidlich erst einmal alles um die Ohren fliegt? Nichts ist jemals einfach. So ziemlich alles, was einem wichtig ist, muss erkämpft werden. Wenn es mal nicht so ist, ist man komplett verwirrt und kann es nicht recht fassen. Durch den Impuls trotzdem zu rackern, um zu erringen, kann man dann gute, leichte Sachen auch schnell wieder dazu bringen, zu verschwinden. Und zwar noch bevor man sie als das erkannt hat, was sie sind.

Jedenfalls schüttelte ich enthusiastisch die Dose, drückte dann den kleinen Knopf, und es sagte vorwurfsvoll "kriggsch", worauf ich einen eingerissenen, blutigen Nagel und das Gesicht voller Sahne hatte. Der Dinosaurier auf dem Fensterbrett sah aus, als sei er in einen Schneesturm geraten und was ich heute außerdem noch gelernt habe, wäre dieses: Sprühsahne aus Jalousien zu putzen ist eine Schlacht, die man nicht gewinnen kann.

Ich sprühte noch einmal und traf diesmal, erregte aber auch die Aufmerksamkeit des Katers, der entschlossen auf meinen Schoß kletterte, fasziniert an mir roch und anfing, mir die Sahne vom Arm zu lecken. Als ich ihn endlich trickreich aus dem Bild befördert hatte, war die Sahne flüssig und unlesbar. Dafür tropfte sie umso wilder und unkontrollierbarer ÜBERALL HIN.

So ist das. Immerzu kracht irgendetwas zusammen und/oder auf den Boden, wo es dann in die hinterste Ecke und/oder unter den Schrank kullert. Wenn man dann hinterher kriecht, findet man einen Haufen von Dingen, die man wirklich lieber niemals gesehen hätte. Die Welt, in der ich lebe, ist eine gigantische Handtasche, in der konsequenterweise alles, was man braucht, gerade unauffindbar ist. Und wenn man dann die kleine Taschenlampe am Schlüsselbund anknipsen will, um die Sache hilfreich zu erhellen, ist die Batterie alle.

Was allerdings so schnell nicht verloren gehen wird, ist der Geruch der Sprühsahne auf der Haut. Dem war auch mit Körperpeeling irgendwie nicht beizukommen.

Das bisschen Haushalt


Erwähnte ich schon, dass ich seit einiger Zeit nicht mehr koche? Weil mir regelmäßig alles anbrennt? Abgesehen von der frustrierenden Verschwendung von Lebensmitteln ertrug ich auch das Einweichen und Ausschrubben der Töpfe nicht mehr. Auch im Ofen verbrutzelte immer alles zu Kohle. Ich dachte, ich wäre clever, und stellte einen Timer. Der klingelte, die Pizza war noch nicht fertig, ich vergaß, die Uhr nochmals zu stellen - Bingo!

Nun mache ich nur noch Essen, das roh, oder für die Mikrowelle geeignet ist. Auf diese Weise schlagen mir zwar keine offenen Flammen mehr entgegen, dafür wird jetzt oft alles wieder kalt, bevor ich dazu komme, es aus der Küche abzuholen. Ja, ich vergesse zu essen. Ich habe tonnenweise Wichtigeres zu tun - äußerlich wie innerlich. Am vergangenen Wochenende habe ich hauptsächlich von Wassereis gelebt. Ich glaub' übrigens, daran könnte ich mich durchaus gewöhnen. Abendessen am Stiel. Gar kein Abwasch mehr...bis auf die Katzenteller. Die allerdings sind insbesondere bei den aktuellen Temperaturen eine echte Herausforderung.Hm, vermutlich hätte der Kater keine Probleme damit, auf Pappteller umzusteigen. Ich weiß, mein Kampf mit der Küche soll mir etwas sagen. Aber es wäre geprahlt, zu behaupten, ich wüsste wirklich, was.

Hautbild


Auch was meine Haut mir mit ihrem absurden Ausbruch mitteilen wollte, ist mir ich nicht so recht klar. Oder sagen wir, ich verstehe einfach nicht, warum sie so lange gewartet hat, und sich ausgerechnet jetzt als Spiegel der Seele aufspielen musste. Und ich will, dass sie wieder damit aufhört und traue ihr nicht. Darum beschmiere ich sie immer weiter mit antibiotischer Creme, damit sie ja die Klappe hält. Sie rächt sich und lässt einfach die Verfärbungen, die von der Dermatitis geblieben sind, nicht so richtig abklingen. So habe ich noch immer eine reduzierte, rötliche Weltkarte mitten im Gesicht. Links Südamerika, rechts Russland - und meine Nase als Bergkette dazwischen. 

Obendrein habe ich bei großer Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit immer ein Problem mit juckenden Pickelchen auf der Stirn. Normalerweise rücke ich diesen ziemlich erfolgreich mit Kortison zu Leibe. Aber in diesem Jahr geht das ja nicht. Also kratze ich mich viel am Kopf und trage weiterhin kein Make-up. Das könnte der m,kkkkk.l-öööö (Kater ist über die Tastatur gewandert) Anfang einer völlig neuen Phase des Ugly Girl Projects sein...ich bin mir nur nicht sicher, ob ich dafür bereit bin. Für die ungeschminkte Wahrheit.

NH

Dienstag, 25. März 2014

Die Liebe zur Masse

© candybeach.com 2014
Theo und ich kennen uns bereits ein Weilchen, und ich dachte, er sei ein Fettliebhaber. Darum hatte ich auch schon lange vor, ein Interview für Das Lied der dicken Dame mit ihm zu führen. Gleich am Anfang des folgenden Gespräches stellte sich dann heraus, dass er gar keiner ist…irgendwie. Trotzdem - nichts ist für jemanden, der mit seinem Körper hadert, hilfreicher beim Perspektivenwechsel, als die Wertschätzung eines anderen, dessen Meinung einem wichtig ist und den man ernst nimmt. (Besonders, wenn derjenige 1,90 m groß ist und Oberarme hat wie Mr. Proper. ; )) Achtung: Wer etwas gegen Ausdrücke wie „Titten“ und „Arsch“ sowie  eine gewisse Deutlichkeit bei Gesprächen über Sexualität hat, sollte an diesem Post besser vorbeisurfen.
T(heo): Ich glaube, ich bin eigentlich gar kein ausgesprochener Fettliebhaber. Ich bin eher ein Fettrealist.
N(icola): Was bitte ist denn ein Fettrealist?
T: Fettrealist heißt, dass ich nicht alles was Fett ist in den Himmel lobe, nur weil es Fett ist. Es gibt gutes und…nicht so gutes Fett.
N: Welches Fett ist denn eher unbeliebt bei dir?
T: Na, ich sag mal, der Fettrand am Nackensteak…
N: Au weia.
T: Spaß beiseite. Ich glaube, wenn bei Oberschenkeln das Fett in überlappenden Lagen so ausgeprägt wäre, dass man sich grabenderweise dem Leckerchen nähern müsste, das würde mich eher abstoßen. Aber lass‘ uns das einfach mal positiv formulieren, das ist einfacher und macht den Ausdruck „Fettrealist“ im Verlauf vielleicht klarer. Mann findet halt immer irgendwelche Attribute besser oder schlechter. Ich erfülle ja dieses männliche Klischee und finde große Brüste besser als kleine, einen großen Arsch besser als einen kleinen und außerdem finde ich, dass das Gefühl in der Umarmung besser ist, wenn da mehr ist. Eine gewisse Brustgröße haben Frauen aber in der Regel nicht, wenn sie nicht sehr dick sind und eben auch an anderen Stellen eine entsprechende Körpermasse aufweisen. Es sei denn, es sind fake Titten, und fake Titten sind ja…nicht so schön. Die sehen auch peinlich aus…
N: Falsche Titten? Die findest du peinlich?
T: Ja! Ich finde sie peinlich. Und sie fassen sich zunächst einmal auch ganz schlecht an. Für mich ist die Haptik ja viel wichtiger als die Optik. Darum finde ich hängende Brüste viel besser als stehende, es sei denn natürlich, es sind riesengroße, echte, stehende Brüste…und vielleicht existiert ja so ein Paar auch irgendwo auf der Welt.
N: Da kommt einem halt immer die Schwerkraft ins Gehege.
T: Bei Kunsttitten nicht, die sitzen immer mittig und aufrecht. Aber zurück zum Fettrealisten. Ich habe also eine Vorliebe für besonders voluminöses Frausein. Also die Rubensfrau – in diese Richtung geht es schon. Aber kennst du die Zeichentrickfigur Jessica Rabbit? Die hat auch diese extremen Eigenschaften. Extremer Busen, extremer Arsch, aber dann ebenfalls eine extreme Taille, wie eine Sanduhr. Mit Fettrealist meine ich also in diesem Fall, den persönlichen Kompromiss zu finden. Es ist eine Frage des Gesamtbildes. Und wenn die Brust nicht mehr weiter fällt, als der Bauchumfang, finde ich das nicht mehr attraktiv. Obwohl ich natürlich auch gern in einen weichen, runden Bauch greife.
N: Es gibt also Grenzen, was die Fettfülle angeht?
T: Fett ist bei mir kein Fetisch. Ich erinnere mich da an den Film Feed, in dem es um einen Mann geht, der eine Frau mästet, bis sie nur noch völlig unbeweglich als Fleischberg dahinvegetiert. Das war auf verstörende Weise faszinierend, aber sexuell stimulierend finde ich das nicht.
N: Wie steht es denn mit der Unterwelt von dicken Frauen? Mit fleischigen Schamlippen zum Beispiel?
T: Je dicker die Schamlippe, desto größer die Spannung, was wohl dahinter sein mag!
N: Auch in Zeiten, in denen Frauen sich den Unterleib vom Schönheitschirurgen aufräumen und alles zurechtstutzen lassen?
T: Tun sie das? Ach, doch – davon habe ich auch schon gehört. Aber ich habe es nicht verstanden.
N: Naja, damit das alles übersichtlich und sportlich aussieht.
T: Na, aber es gibt halt viele verschiedene Ausprägungen. Mal sind sie so, und dann wieder so. Und dann so. Und dann hier so. Und dann da so. Oder auch so.
N: Ich habe ja auch eine überlappende Schamlippe…
T: Ja. Dann lass uns doch mal eine Situation konstruieren, in der das relevant sein könnte.
N: Also, was mich ja tatsächlich schon erstaunt, ist die Furchtlosigkeit vor dunklen Winkeln und Ecken, die viele dicke Frauen an ihren Körpern selbst nicht so genau kennen, bzw. mitunter regelrecht vermeiden, schon. Ich hatte mir z.B. jahrelang die Innenseite meiner Oberschenkel nicht mehr so richtig angesehen, bevor ich mit meinem Selbstakzeptanz-Projekt anfing.
T: Ja, und das ist nicht deine Zuckerseite, das wissen wir beide.
N: Erzähl‘ mal etwas, über das Gefühl, unter einer dicken Frau zu liegen.
T: Ich glaube, unter ist noch geiler als über, weil man voll umfasst ist, von allem. Man hat die Hände auf dem Hintern, wenn man möchte und man kann gleichzeitig im Tittenmeer ertrinken. Eigentlich ist das für mich die ideale Stellung. Oben ist aber auch gut, weil man alles so schön im Blick hat.
N: Wie ist das mit all den vermeintlichen Makeln, die das Selbstbewusstsein von Frauen so stark beeinflussen können? Streifen, Wellen, Dellen? Stört dich das gar nicht?
T: Wenn sie nicht da wären, wäre es besser. Aber sie stören mich auch nicht. Sie sind nicht im Fokus der Wahrnehmung, denn die Brüste und der Hintern sind zu groß und zu prächtig. Und womöglich in Bewegung. Und wenn man dann nur noch die Hand auszustrecken braucht, um sie anzufassen, wen sollen in dem Zusammenhang – was war das? –  Streifen, Wellen und Dellen interessieren? Wellen und Dellen klingt unterhaltsam. Wie ein Fahrgeschäft auf dem Dom.
N: Wie ist es mit angezogenen dicken Frauen? Gibt es etwas, das sie besser nicht tragen sollten?
T: Ich finde, dicke Frauen sollten nicht in Leggings herumlaufen. Wenn sie schon ein Statement machen wollen, dann sollten sie in Latex das Haus verlassen.
N: Ich würde das ja heutzutage fertigkriegen.
T: Das glaube ich nicht. Du gehst nicht so über die Mönkebergstraße und kaufst bei Karstadt ein.
N: Doch, das mach‘ ich.
T: Sag‘ mir wann und wo. Ich halte die Kamera…Besser noch als Latex, wäre ja Körperfarbe.
N: In Körperfarbe gibt’s mich schon im Internet.
T: Aber nicht, wie du so durch die Fußgängerzone läufst.  Da hätten wir doch mal eine Aktion – einen Auflauf von lauter stolzen, dicken Frauen in Körperfarbe. Das wäre Femen, Teil 2!
N: Was symbolisiert weibliches Fett?
T: Ich würde eher sagen „Was symbolisiert Weiblichkeit? Fett.“
N: Oh!
T: Das beantwortet jetzt vielleicht nicht die Frage, aber meine Antwort finde ich viel geiler als deine Frage…Na schön. Fett ist weich. Fett ist Geborgenheit. Fett ist warm. Fett ist Energie. Fett ist Sicherheit. Dicke Frauen haben ja oft fast etwas Mütterliches. Sie sind keine Bedrohung, sondern können Bedrohungen abwehren – einfach mit ihrer Präsenz.
N: Hattest du schon immer eine Vorliebe für runde Frauen, oder gab es einen bestimmten Auslöser?
T: Da muss ich mal zurückblättern in meiner Liebschaftsgeschichte. Meine Partnerinnen waren tatsächlich alle sehr unterschiedlich. Ich hatte Freundinnen, die gängigen Schönheitsstandards durchaus entsprachen. Und es waren auch sehr dicke Frauen dabei, aber ich glaube, und das ist die Kernbotschaft hier, dass nicht ständig irgendwelche Schubladen aufgerissen werden sollten. Ihr (Frauen) guckt vielleicht auf eure Einzelteile und seid verunsichert, aber „er“ sieht zunächst das Ganze. Und dann guckt er ohnehin auf seine Favorites.
N: Na, ich weiß nicht, ob der Blick überall so freundlich ist. Erkläre es mir noch einmal – warum bleibst du da, wo andere, im übertragenen Sinne, schreiend raus rennen? Dem Druck gesellschaftlicher Normen folgend, oder aus welchem Grund auch immer.
T: Weil ich eine Frau holistisch wahrnehme. Und übrigens auch als Person. Frauen ziehen ihr Selbstbewusstsein oft ganz extrem aus ihrem Äußeren. Das ist nicht wirklich klug, denn damit setzen sie dann natürlich von Anfang an auf ein sterbendes Pferd.
NH

Sonntag, 9. Februar 2014

Zum Kugeln

Sind sie nicht hübsch?

 


Ich LIEBE ja Plastik in klaren, knalligen Farben. Das ist auch der Grund, warum ich jetzt im Besitz von drei Paaren Vaginalkugeln, sowie einer Analkette bin. Die Ostereier und die Kette stammen von einer Dildo-Party, zu der ich vor Kurzem eingeladen war (ein Haul, ein Haul!*) - das ist quasi eine Tupperparty, nur halt mit Vibratoren und anderen nützlichen Produkten wie Toy-Reiniger, billigen, aufdringlich riechenden Massageölen, quietschbuntem Badesalz, Lotion für frisch rasierte Körperregionen, etc.

Ja, die Dildo-Verkaufspräsentation war überraschenderweise in weiten Teilen mit Körperpflegeprodukten befasst. Wie ich später von der "Dildo-Fee" persönlich erfuhr, ist das ein Zugeständnis an die Tatsache, dass offenbar auch heutzutage noch viele Kundinnen leicht an ihre Grenzen kommen, wenn bei Kaffee und Schnittchen zu viel von Penetration die Rede ist. Und der kühlende und knisternde Schaum, den ich am Ende zusätzlich erworben habe, lässt sich im Sommer auch ganz hervorragend für heiße und geschwollene Füße verwenden. Man muss sich nicht alles zwischen die Beine schmieren, was hier die Runde machte. Nicht einmal das Gleitgel - das eignet sich nämlich auch sehr schön als Handcreme.

All das Phallusartige, das dann doch noch herumgereicht wurde, war zumeist pastellfarben, hatte lustige Tierköpfe, oder sah aus, wie Softeis. Seit wann ist es eigentlich abgemachte Sache in Biedermeierland, dass Frauen lieber vibrierende Delfine als Schwänze in ihrer Vagina haben? Ist es gar eine Frage von sauber gegen schmutzig / unschuldig gegen unanständig? Ich kann nicht umhin zu sagen, dass mich dieser Verdacht einigermaßen betroffen macht. Die anwesenden Einkäuferinnen hielten sich der Reihe nach auf Anraten der Dildo-Fee die Maschinchen an die Nasespitze, um die vermeintlich beachtliche Vibrationsleistung zu erfahren und be-uhhten und be-ahhten auch wahrlich den offenbar durchschlagenden Effekt. Ich war nicht beeindruckt - ich glaube ja, dass sich da seit dem Kauf meines ersten und einzigen Vibrators vor rund zwanzig Jahren nicht viel geändert hat. Das nervige Geräusch ist auf jeden Fall noch immer da. Und die Position der Häkchen an einigen der Geräte, die angeblich die Klitoris adequat stimulieren sollen, ist auch noch immer die selbe - und mir nach wie vor ein Rätsel.

Das Highlight der Veranstaltung war eine vibrierende Vaginalklammer mit Fernbedienung. Diesen Teil der Gerätschaft, so hieß es, könne man dann ja dem Partner anvertrauen, weil Männer doch so viel Spaß an Technik haben. Das fanden scheinbar alle lustig - außer mir natürlich. Eine Fernbedienung mit der ein anderer die Vorgänge in meiner Muschi kontrolliert - geht's noch?! Für den Partner dürfte das unter Umständen natürlich ausgesprochen praktisch sein, denn wenn er über die eine Fernbedienung verfügt, muss er die für den Fernseher ja im Prinzip ebenfalls gleich gar nicht mehr aus der Hand legen. Und womöglich die Hosen runterlassen.

Ich persönlich habe ja grundsätzlich nicht sehr viel übrig für Sex mit Platzhaltern. Ich finde, sie sind irgendwie wie diese Tampons mit den prüden Applikatoren. Sie halten einen fern von sich selbst. Man macht sich halt die Hände nicht "schmutzig". Ein "Auflegevibrator" für die Klitoris? Ernsthaft? Für jemanden, der seit geraumer Zeit um Selbstakzeptanz, Selbsterfahrung und das Abschütteln von Scham ringt, scheinen sie ein eher steriles und damit eindeutig entgegengesetztes Verständnis von weiblicher Körperlichkeit und Körperbewusstsein zu symbolisieren. Naja..., und wenn man mich fragt, ist Sex im Idealfalll ohnehin stürmische und achtsame Kommunikation mit jemand anderem, den man so richtig toll findet.

Was nun allerdings die Kugeln angeht - diese dienen natürlich weniger der Stimulation, als dem Training des Beckenbodens. Wenn die Unterwelt schön straff ist, ist das schließlich gut fürs Gefühl und obendrein hat frau bessere Chancen, sich nicht irgendwann beim Husten ins Höschen zu machen. Von diesen Hochglanz-Schönheiten kann man also gar nicht genug haben. ; )

*"Haul" (Beute): Blogger-Ausdruck für die Präsentation von Einkäufen.

NH


 

Montag, 23. Dezember 2013

Das Fest der Liebe...



...verbringe ich allein. Und das nicht so sehr im Sinne von "ohne andere Leute", denn das ist eher selbstgewählt, sondern gefühlstechnisch. Nach einem Jahr Online-Dating-Selbstversuch, sitze ich wieder einsam unter dem metaphorischen Weihnachtsbaum. Zwar sehe ich momentan den Wald nicht, aber dennoch kann ich zumindest dieses weiterhin als gesicherte Erkenntnis verkünden: Für dicke Frauen, die sich für ihren Körper schämen, ist Sex mit freundlichen, begeisterten Fett-Liebhabern eine großartige Möglichkeit, sich in der eigenen Haut sehr schnell sehr viel besser zu fühlen, lang vermisste Bestätigung zu bekommen, und obendrein eine Menge Spaß zu haben. Es kann gar nicht oft genug gesagt werden, und meine Entwicklung von der ersten Idee über das Zögern bis zur Umsetzung kann man auf dem Blog ganz gut nachvollziehen. Ich habe es zuerst auch nicht für möglich gehalten. Und dann musste ich den nötigen Mut aufbringen. Und natürlich muss man wählerisch, egoistisch, selbstbestimmt und umsichtig sein in der Auswahl der Partner, denn was selbstverständlich nicht passieren soll, ist ein blödes Erlebnis. Peinlichkeit, Herabsetzung oder Unverschämtheit sind Gift fürs ohnehin gebeutelte Selbstwertgefühl einer dicken Dame und auf jeden Fall zu vermeiden. Darum stürze frau sich nur kopfüber ins Vergnügen, wenn die Sicht bis auf den Grund reicht, bzw. wenn sie echt gute Gründe hat, zu vertrauen. Im Zweifel Finger weg, anziehen und gehen.

All I want for Christmas...

Bekanntlich hatte die dicke Dame dann den Plan, den nächsten Schritt zu machen und so etwas wie eine feste Beziehung anzustreben. Zu einem Mann. Um genau zu sein: "Ich suche tatsächlich nach DER altmodischen starken Schulter zum Anlehnen. Nach jemandem, der weiß, was er will, selbstbewusst, klug und verlässlich ist, eine Menge Energie, Humor, und Feuer im Herzen, aber dafür weder Angst vor Verbindlichkeit noch Ungewissheit hat, gern redet, gut riecht und definitiv KEIN Sexmuffel ist. Ach, und es ist von vitaler Bedeutung, dass er Ironie versteht. Ich bin für vieles offen, tolerant, abenteuerlustig und lasse mich gern überraschen. Was ich nicht ertrage, sind Langweiler und Erbsenzähler." Das Vorangegangene ist mein Text im letzten noch bestehenden Profil bei einer Internet-Partnerbörse, nämlich rubensfan.de. Wie schon einmal erwähnt, habe ich alle anderen zwischendurch gelöscht. Man muss meiner Erfahrung nach verdammt aufpassen, dass die Suche nach einem Partner im Internet nicht zum Lifestyle und damit zum Selbstzweck wird. Trotzdem, der obige Text dürfte von selbst erklären, warum sich das Projekt Beziehung bis heute ungleich schwerer gestaltet, als passende Bettgenossen zu rekrutieren.


Dabei waren sie doch alle an meiner Seite, um mir auf die Sprünge zu helfen: Die Petra, die Brigitte, die Maxi und all die anderen Tussis. Wo wäre ich ohne die geballte Weisheit von Frauenmagazinen? Naja, vermutlich genau dort, wo ich jetzt ohnehin bin. Obwohl ich nun doch endlich mal weiß, woran ich einen "richtigen Mann" erkenne: am Bart. Offenbar stehen Männer außerdem auf Pornographie und Grillen - wer hätte das gedacht. Und übrigens sollte frau sich keine Sorgen machen, wenn sie in der Wohnung eines Mannes einen Teddybären entdeckt - was für eine Erleichterung. An anderer Stelle herrscht  allerdings frische Verwirrung: Welcher Typ Partnerin bin ich denn nun? "Kumpel, Sexkätzchen oder Ersatzmutti?" Es soll ja Männer geben, die ihre Partnerin als "Regierung" bezeichnen. Na wenigstens ein Problem hätten wir dann doch für immer aus der Welt geschafft: Wenn Frau nicht will, dass ein Mann nach dem Sex sogleich aufspringt und wegläuft, sollte sie stets "eine Flasche Sekt und etwas Obst neben das Bett stellen." Finde ich vernünftig. Wenn er dann doch wegrennt (und das wird mit der fraglichen Disposition vermutlich trotz der Aussicht auf eine Ladung Vitamin C passieren), muss man selbst wenigstens nicht aufstehen, um es sich allein noch ein wenig gemütlich zu machen. Persönlich würde ich so gesehen ja auch noch ein paar belegte Brote vorbereiten. In dem Zusammenhang ohnehin noch ein Wort zur Warnung: "Sex ohne Verlieben" sollte frau laut Brigitte gleich gar nicht erst versuchen. Seitdem kann ich es nun ja kaum erwarten zu sehen, wann das Cover wieder so züchtige Überschriften zieren werden, wie: "Was Männern so gut schmeckt." Ernsthaft - wer würde sich eigentlich nicht lieber seine Hand abhacken, als so einen Quatsch zu schreiben? Ich glaube, ich erwähnte bereits an anderer Stelle, dass ich noch immer und trotz des anorektischen Personals in den Modestrecken VOGUE-Leserin bin, weil dort der Göttin sei Dank keine bescheuerte Lebenshilfe erteilt wird.

Gern gedruckt wird nebenbei auch der Hinweis, dass Männer im Grunde Kinder sind. Oder so etwas wie Eichhörnchen. Sie sind niedlich, aber tun halt dauernd Dinge, die vernünftige Menschen (Frauen) niemals täten. Im Grunde muss man sie nicht ernst nehmen. Aber lenken muss man sie schon. Das heißt, man muss ihnen sagen, was sie anziehen sollen. Und sie davon abhalten, singende Karpfen an die Wand zu nageln. Was Frauenmagazine eher selten vorschlagen, ist dass man seinem Partner mal deutlich erklärt, warum er gefälligst mehr Frauen in den Vorstand seiner Firma befördern sollte, aber wahrscheinlich bin ich da schon wieder auf einem überwucherten Holzweg unterwegs - quasi in einer lila Latzhose und ohne BH. So wie ich vermutlich auch exotisch in der Hinsicht bin, dass ich um Himmels Willen keinen Mann will, den ich nicht ernst nehmen kann. Ich will kein putziges aber abwegiges Tierchen von einem anderen Planeten in meinem Bett. Ich will kein Augenzwinkern und mildes Lächeln über die angeblich geschlechtsspezifischen Marotten des anderen. Ich will einen ganzen und erwachsenen Kerl, der meine Sprache spricht.

Wo wir gerade bei Ratschlägen waren, die ratlos machen - da ich nun öffentlich erzählt habe, dass ich mir eine Beziehung wünsche, bekam ich zum Geburtstag erstmals in meinem Leben themenbezogene Geschenke, u. a. ein Buch des Autors Eckhart Tolle mit dem schmissigen Titel "Lebendige Beziehungen jetzt!" Mit einem roten Herz auf jeder zweiten Seite und voll mit so bemerkenswerten Betrachtungen wie der folgenden: "Zurzeit befinden sich die meisten Männer ebenso wie die meisten Frauen noch fest in den Klauen des Verstandes: Sie sind mit dem Denker und dem Schmerzkörper identifiziert. Genau das verhindert natürlich die Erleuchtung und das Erblühen der Liebe. In der Regel ist der denkende Verstand das größte Hindernis für die Männer und der Schmerzkörper für die Frauen, obwohl in vereinzelten Fällen auch das Gegenteil der Fall ist und in anderen Fällen beide Faktoren gleichermaßen wirken." (Tolle, S. 62)

Ich werde mich jetzt selbstverständlich nicht dazu hinreißen zu lassen, Witze über Männer zu machen, deren größtes Problem offenbar ihr denkender Verstand ist - obwohl zumindest der Autor selbst es eindeutig verdient hätte, aber eins wird verdammt noch einmal nicht ungesagt bleiben, weil sonst mein Schmerzkörper vermutlich explodieren würde: WOMIT VERFICKT NOCHMAL HABE ICH DAS VERDIENT?!! WIE KOMMT JEMAND DAZU, MIR SO EINEN MÜLL INS HAUS ZU TRAGEN - GETARNT MIT GESCHENKPAPIER?!!

Ist es nicht genug, dass ich einem Horrorladen wie elitepartner.de ein Jahr lang fast 40 Euro pro Monat gezahlt habe, weil ich schlicht blöd bin? (Aber dazu in einem späteren Post mehr.) Reicht es nicht, dass ich mich monatelang täglich mit Männern auseinandergesetzt habe, die die Verwendung von "das" und "dass" bisher nicht gemeistert haben und ihre erste E-Mail an eine ihnen zwar sympathische aber eigentlich unbekannte Frau mit "Moinsen, schöne Frau, geht's gut?" beginnen? War es wirklich kein ausreichendes Opfer, sich 2013 wahrhaftig mehrmals sagen zu lassen, dass es sich nicht lohnt, mit mir Kaffee trinken zu gehen, weil ich ja keine Kinder will und es deshalb mit mir ja auch keine Zukunft geben kann?

Nicht so schlimm

Wie dem auch sei, ein sehr viel erfreulicheres und lebensnäheres Geschenk war auf jeden Fall die Körperlotion, die mir eine Verwandte übergab - in Verbindung mit dem Hinweis, dass ich mich ja jetzt schließlich hübsch machen muss, wenn ich einen Mann suche. Aus der selben Richtung kam sodann obendrein das durchaus nett gemeinte Lob, dass ich in einem bestimmten T-shirt, dass ich an jenem Abend trug, ja "gar nicht so schlimm" aussähe. Gemeint war natürlich "nicht so dick" (merke: dick = schlimm).

Golda Poretsky hat einen Leitfaden für dicke Frauen erstellt, der es ihnen erleichtern soll, die Feiertage zu überstehen - besser gesagt, die Vielzahl der versteckten und offenen Angriffe auf das eigene Selbstwertgefühl, denen die meisten Dicken vermehrt ausgesetzt sind, wenn die folgenden Dinge aufeinandertreffen: Freunde und Familie in größeren Mengen auf engem Raum zusammen mit einer noch größeren Menge Essen. Alle futtern und jammern, dass sie fett werden. Und sie beobachten die Dicke, die erst recht nichts essen sollte. Denn die ist ja schon fett. Wenn man Pech hat, machen sie Anspielungen oder äußern ihre Meinung über Körper und Essverhalten anderer unverblümt.

Tatsächlich sind Diet Talk und seine Allgegenwart etwas, wofür ich erst in den letzten Monaten eine entsprechende Sensibilität entwickelt habe. Ich hätte zuvor schwören können, dass er um mich herum die meiste Zeit gar nicht vorkommt, aber da lag ich total falsch. Würde ich Buch darüber führen, wie oft sich Menschen in meiner Gegenwart zumeist ohne böse Absicht sondern nur basierend auf ihrer kulturellen Prägung direkt oder indirekt negativ über Dicke und Essen äußern, über Diäten reden und ihren eigenen Kampf um eine "gute Figur", hätte ich mittlerweile vermutlich eine kleine Bibliothek füllen können: "Der Pullover steht dir, der kaschiert gut." "Eigentlich dürfte ich ja nicht." "Ich muss ja auch aufpassen." "Nach Weihnachten ist aber Schluss, da wird wieder trainiert." "Man muss auch mal sündigen." "Ab morgen ist wieder Schluss." "Sie sah richtig gut aus - so schlank." "Er hat so ein Glück, er kann essen, was er will." Sogar Fettliebhaber können erstaunliche Ambivalenz an den Tag legen, wenn es um Diäten und Dicksein im Allgemeinen geht. Auch das wäre in einer Beziehung schlicht nicht akzeptabel.

Vor dem eben geschilderten Hintergrund ist es vermutlich auch gar keine so schlechte Entscheidung, Weihnachten 2013 ohne Leute zu verbringen. Dafür gehe ich Anfang des Jahres zu meiner ersten Dildoparty. Ich habe das Gefühl, Fett wird dort kein Thema sein. Größe schon. ; )

Von allen Männern, die im fast vergangenen Jahr für ein Weilchen an mir hängengeblieben sind, ist übrigens nur das Ei noch immer da. Hat sie alle überdauert. Indem es ist, was es ist. Indem es mir am liebsten von allen ist. Obwohl es selbst mich eigentlich gar nicht so unbedingt wirklich mag und auch lieber überhaupt nicht so richtig will vielen Dank aber nein danke vielmals......oooh, wie sehr ich mir wünschte etwas Hulkartiges, Wildes würde die Schale von innen sprengen und IRGENDETWAS TUN. Egal was.


NH