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Dienstag, 14. Januar 2014

OOTD: Gepflastert



Eines habe ich jetzt, wo es Nacht ist, endlich begriffen: Heller wird es heute nicht mehr. Und ich habe außerdem gerade sechsmal hintereinander so geniest, dass ich dachte, das Gesicht fliegt mir davon. Ist es zum Teil auch. Und auf dem Computerbildschirm gelandet. Der Drucker war so entsetzt, dass er daraufhin das Drucken aufgab, obwohl es sich hier eher um einen Zufall handeln dürfte. Zuerst schwor er Stein und Bein, er habe einen Papierstau erlitten. Als Nächstes verlangte er trotzig, dass seine Trommel gereinigt werden müsse. Ich habe ihn dann ausgestellt, damit mir sein rotes Warnlicht nicht mehr auf die Nerven geht. Und ich habe das Drucken eingestellt. Schon wieder eine höchst verstörende Metapher fürs Leben. Stau ohne Grund. Irgendetwas blockiert immer. Irgendetwas fällt immer runter und rollt in die hinterste Ecke. Irgendetwas blinkt oder stürzt wahrscheinlich in wenigen Sekunden schon wieder ab.

Zu den Accessoires der Stunde erkläre ich nun oben abgebildete Pflaster. So kommt es, wenn man nicht mehr aufhören kann, an seinen Fingern herumzubeißen. Die Pflaster sind quasi der letzte Schrei, bevor man die Hände vors Gesicht schlägt. Meine Mutter hat mich immer ermahnt, ich solle aufhören "mich selbst aufzuessen". Ich nehme an, es ist eine besondere Variante des Frustessens. Angst essen Finger auf. Was aber auch bedeutet, dass ich noch immer eher mich selbst verletze, anstatt mir endlich ein Revolvergebiss wachsen zu lassen, meine Zahnreihen in die Welt zu schlagen und sie hin und her zu schütteln, wie ein Hai seine Beute.

Was einen Tag zum Scheißtag macht, ist nicht immer leicht zu erklären. In der Regel kommen viele kleine Dinge dazwischen und es bestehen viele kleine und größere Unklarheiten. Unklar ist oft auch das eigene Verhalten. Aber wenigstens ergibt alles, was im Prinzip unzumutbar ist, in der Regel am Ende immerhin eine prima Anekdote. So wie das Telefonat, dass ich mit einem Mann hatte, der mich ursprünglich kontaktiert hatte, weil er angeblich auf dicke Damen steht und der dann aber gern über das Für und Wider kohlenhydratarmer Ernährung diskutieren wollte, weil er schließlich aus ersichtlichen Gründen in mir so etwas wie eine Expertin auf dem Gebiet erwarten durfte. Seine große Sorge war, mit zunehmendem Alter im Gesicht "fett" zu werden. Ich erklärte ihm, dann solle er doch gefälligst aufhören zu essen. Am besten sofort. Denn so wird man dünn. Einfach nichts mehr essen. Bis ans Ende seines Lebens...

Die Frage ist nicht, warum so ein fettphobischer Idiot mich (BBWxy - ja, der Name ist Programm) auf einem Online-Dating-Portal überhaupt je angeschrieben hat. Die Frage ist nicht, warum ich ihm eigentlich zugetraut habe, mehr als ein Idiot zu sein, und ihm meine Nummer gegeben habe. Die Frage, bevor der Kopf auf die Tischplatte knallt, ist: Was mache ich hier eigentlich?!

Wenn ich dünn wäre, wäre ich nicht hier.

Das Problem ist: DAS ist die Wahrheit. Trotz allem. Wenn Kate Harding behauptet, dass man das, was man dick nicht schafft, auch dünn im Leben nicht erreicht hätte, hat sie halt DOCH Unrecht. Wie sollte es auch anders sein? In einer Gesellschaft, die keinen größeren Feind kennt als Körperfett?

Kate Harding hat aber natürlich Recht, wenn sie uns auffordert, im JETZT mit unseren dicken Körpern neu anzufangen. Seinen Mut zusammen zu nehmen und so, wie man ist, dem Leben abzuringen, was man nur kriegen kann, nachdem man womöglich sein ganzes Leben zuvor den Kopf eingezogen und versucht hat, sich unter schwarzen Zelten zu verbergen, verlangt Biss. Es ist immer eine Frage des Mutes, was man aus seinem Leben macht. Aber die einzige Ermutigung, auf die Dicke immer zählen können, ist die, endlich eine Diät durchzuhalten.

Nein, dünne Lebensläufe werden nicht mit Feenblut geschrieben. Und weder ich noch Kate hätten dünn George Clooney geheiratet. (Und seien wir ehrlich - wer will das eigentlich wirklich?) Aber geheiratet hätte ich als "langfristig dünne" Ausgabe von mir selbst möglicherweise dann doch. Vielleicht hätte ich heute bereits ein paar Ehemänner hinter mir. Und wenn ich genau betrachte, wie viel Kraft der Kampf gegen den eigenen Körper und das gleichzeitige Abstrampeln um Selbstwerterhalt in den letzten Jahrzehnten gekostet hat, glaube ich eigentlich auch, dass ich dünn beruflich erfolgreicher wäre. Die Energie, die Dicke oftmals aufbringen müssen, um sich überhaupt der Welt zuzumuten, oder um sich stetig darum zu kümmern, endlich dünn zu werden, können andere in ihre Karriere stecken. So müsste (dürfte) es nicht sein. Wenn es der Welt egal wäre, ob jemand dünn oder dick ist.

Wäre ich dünn, wäre ich nicht nett.

Ich bin mir ziemlich sicher, ich wäre geradezu garstig, super-hochnäsig und egoistisch - und vermutlich meistens sehr, SEHR viel fröhlicher. ; ) Hässlichkeit (Dicksein), so wie jede andere adverse Schicksalskomponente, ist der sicherste Weg, ein besserer Mensch zu werden. Stiller. Weniger stolz. Weniger laut. Geduldiger mit anderen. Mitfühlender. Gerechter. Angepasster. Bescheidener. Weiser gar. Und wenn auch nur für die Außenwelt. Das ist eine Tatsache und nebenbei ein gern verarbeitetes Motiv in amerikanischen Fernsehspielen für Teenager.

Nicht dass ich Gefahr liefe, womöglich wieder abnehmen zu wollen. Ich werde den Teufel tun und den Einsatz meiner Ressourcen noch einmal auf irgendetwas Anderes lenken, als auf das Erlangen größtmöglicher persönlicher Freiheit und Selbstbestimmtheit!

Es ist wohl hauptsächlich die Wut auf eben jene oben genannten Umstände, die mich dieser Tage mal wieder vermehrt mich selbst anfressen lässt. Dass sie sich noch immer nicht genug nach außen richtet und auch nicht annäherend ausreichend in Selbstfürsorge fließt, ist der Tatsache geschuldet, dass meine Umprogrammierung nur schleppend verläuft. Das zieht sich alles mit der dicken Selbstakzeptanz. Grollen ist halt auch eine zeitaufwendige Beschäftigung. Aber vermutlich ein notwendiger Teil des Weges. Dabei kann ich es gar nicht abwarten, eine garstige und egoistische Dicke zu werden.

NH
 

Donnerstag, 25. April 2013

Revolution


Ach guck mal hier: Vor zwei Wochen gekauft. Und dann total vergessen.*
*DAS wäre früher nicht passiert. ; )        
 

NH

Freitag, 19. April 2013

Bis hierher

Meine Reise begann vor ungefähr einem Jahr. Ich mag in den Monaten davor gedanklich Anlauf genommen haben, aber so richtig auf dem Weg bin ich erst seit dem letzten Frühling. Der Abschied von Diäten und der Fantasie vom dauerhaft dünnen Leben – am Anfang kann man sich nicht vorstellen, wie das gehen soll. Die Idee allein stellt alles auf den Kopf was man für richtig hält, und lässt einem zunächst die Haare zu Berge stehen. Erst fühlt es sich in der Tat an, wie Resignation. Wie ein Fall ins Leere. Was soll jetzt aus all den Träumen und Erwartungen an das zukünftige Leben im Barbie-Haus werden? Und dann, wenn man es schafft, nicht in Panik wieder vom Zug abzuspringen, wird man erwachsen – und fängt endlich an, adäquat für sich zu sorgen. Ich bin noch nicht ganz da (und es gibt Rückfälle), aber ich bilde mir ein, ich kann das Ziel schon sehen: Ein Leben in und nicht gegen meinen Körper.

Die Zeichen stehen auf Selbstrespekt:
1. Zum ersten Mal seit bestimmt einem Jahrzehnt besitze ich mehr Kleider, die mir tatsächlich passen, als solche, die zu eng sind, aber auf ihren Auftritt in einer fernen, goldenen, weil selbstverständlich abgespeckten Zukunft warten.
2. Würde eine gute Fee mir heute anbieten, morgen in einer Größe 36 aufzuwachen, würde ich das gar nicht mehr wollen. Ich würde höchstens darum bitten, dass das, was da ist, ein wenig geebnet und gestrafft wird. ; )

3. Ich erobere mein Gesicht zurück. „So ein hübsches Gesicht“ ist keine Verschwendung an einen dicken Körper. Ich glaube, es sickert auch langsam in tiefere Bewusstseinsschichten, dass ich nicht ein Gesicht habe, ABER dick bin. Tatsächlich bin ich dick UND habe ein Gesicht.
4. Ich hole meine Sexualität aus dem Drydock. Vielleicht erinnern sich ja noch einige an den Tipp der Sex-TrainerinSheri Winston, für eine wirksame Wiederannäherung u. a. die Atmung und außerdem gezielt das persönliche Repertoire an „Sex-Geräuschen“ zu trainieren. Seitdem mache ich das ja gelegentlich gern beim Autofahren. Aus dem gleichen Grund, aus dem ich mich mittlerweile von allen Seiten und in allen Winkeln fotografiert und gefilmt habe, um endlich mal mein Körper-Territorium genau kennenzulernen, das ich bis vor Kurzem ja noch lieber systematisch ausgeblendet habe, habe ich eine solche „Übungseinheit“ mal aufgenommen. Denn beim Sex hört man sich selbst ja auch eher selten zu. So oder so – es ist eine großartige Übung gegen Zurückhaltung. Das Ergebnis gibt es hier. Wohlgemerkt: Alles mit beiden Händen fest am Steuer, um nicht im Graben zu landen, oder im Gegenverkehr! ; )

5. Ich mache mehr Sport (und niemanden überrascht das mehr als mich selbst ; )) – vermutlich, weil er eben nicht mehr dazu dient, Gewicht zu verlieren. Das nimmt den Druck und erhöht den Spaß. 

6. Ich versuche, intuitiv zu essen und werde immer besser darin, Nahrungsmittel nicht mehr zu kategorisieren und im Hinblick auf ihre Diättauglichkeit zu bewerten. Ich trenne mich nach und nach von der Programmierung, die mir fortgesetzt weismachen will, es gäbe braves und böses Essen 

Seit ich das esse, was ich will wann ich es will, habe ich nicht zugenommen. Tendenziell verringert sich mein Gewicht eher langsam, denn der Körper will gar nicht andauernd hochkalorische Lebensmittel, nur weil alles "erlaubt" ist. Er will vielmehr nur das immerzu, was "verboten" ist. Man muss also sorgfältig in sich hineinören, und die Mischung wird dann vermutlich bunt. Das hier ist ein Querschnitt meiner Nahrung aus den letzten Wochen:


7. Ich networke mit anderen Dicken auf einem ähnlichen Weg, und lerne von ihnen.

8. Ich bin entschlossen, weiterzumachen. Und in diesem Sommer ziehe ich das gelbe Kleid an, UND gehe damit auf die Straße... ; )


NH

Sonntag, 20. Januar 2013

Fuck Diets!


Ich wusste ja gar nicht, dass die Brigitte im letzten Jahr schon wieder aufgehört hat, mit "echten Frauen" statt mit Models zu arbeiten. Und das nach einer Testphase von nur - wie lange war das - 2 Jahre(n), die offenbar erheblich danebengegangen sein muss. Der Grund dafür wurde übrigens den Leserinnen in die Schuhe geschoben, denn die wollten angeblich gar keine "echten Frauen" mehr sehen. Was vielleicht auch damit zu tun haben könnte, dass die "echten Frauen" in der Brigitte so ziemlich allesamt jünger, dünner und glatter, als die echten Leserinnen waren - also im Prinzip unentdeckte Models. Das heißt, die Optik blieb weitgehend gleich, nur der Druck auf die Leserin stieg, weil die jetzt gefühlt nicht einmal mehr mit der normalen Frau von der Straße konkurrieren konnte. Von der man dann ja obendrein auch noch lesen musste, dass sie in Kopenhagen Architektur studiert und leidenschaftliche Snowboarderin ist. Oder so ähnlich. Kurzum, jung, schön, erfolgreich UND "echt" - ich kann mir gut vorstellen, dass das ein wenig zu viel für das gebeutelte Publikum war. Aber das ist natürlich nicht die Schuld des Publikums. Da haben sich unfähige Redakteurinnen einfach nicht von ihren Vorstellungen lösen können, was ansehnlich ist. Und hatten zu wenig Schneid, um - Achtung! - ECHTE Veränderungen vorzunehmen.

Aber wie gesagt, davon hätte ich gar nichts mitbekommen, hätte ich neulich am Kiosk nicht die zweite Ausgabe dieses Jahres erworben, um mir "Die neue Brigitte Diät" (die ja noch nie wirklich neu war) anzusehen. Das tue ich halt immer. Feindbeobachtung sozusagen. Oder doch eher eine rituelle Rückkehr an den Tatort. Es ist die Brigitte-Diät, der ich einen großen Teil der Kilos verdanke, die ich heute mit mir herumschleppe, denn sie war unter den Diäten, mit denen als Kind meine Jojo-Karriere begann. Die Brigitte-Diät auf dem Papier und die im Kopf meiner Mutter haben maßgeblich dazu beigetragen, mich zu einer "echten", dicken Frau zu machen, die Jahrzehnte später noch immer mit den Folgen für ihren Körper und ihr Selbstbild kämpft. Wie so viele andere auch.

Und ohnehin: Das Problem der blanken Ungleicheit, das wir als Gesellschaft weiterhin haben, dürfte kaum plastischer darzulegen sein, als durch die Sätze, mit denen die Chefredakteurinnen (von denen eine männlich ist) ihr Editorial zur Diät-Ausgabe einleiten. Brigitte Huber sagt: "Frauen verheimlichen, vertuschen und unterschlagen. Zumindest, wenn es um sensible Daten geht, wie die Zahl der Kalorien, die sie zu sich nehmen." Stephan Schäfer sagt: "Meine schönste Diät habe ich mit 16 gemacht. Wir waren sechs Jungs, wild und entschlossen, Südfrankreich zu erobern. Leider hatten wir für die gesamten Sommerferien nur 250 Mark pro Mann. (...) Baguette, ein bisschen Käse, Fisch aus Dosen; der Rest versank in französischem Landwein." Sie fühlt sich schuldig und muss vertuschen, damit ihr die große Universumskalorienpolizei mit dem langen, weißen Bart nicht auf die Schliche kommt. Er hat offensichtlich noch nie in seinem Leben eine Diät gemacht. Und wird es auch nicht tun. Fat is a feminist issue?* Heute mehr denn je. Wenn ich mich dafür entscheide, Frauen auch nach fast sechzigjährigem Bestehen meiner Zeitschrift weiterhin mental und körperlich zu schwächen, indem ich sie anhalte, ihre Nahrung zu reglementieren, kann ein Bericht über Hillary Clinton ganz hinten im Blatt das jetzt ein für allemal auch nicht mehr rausreißen. Das hatte meine Mutter offenbar auch instinktiv begriffen, als sie ihr Abo mit Anfang 60 dann endlich kündigte.

Fuck it!

Und wie hört man nun endlich auf, Diät zu machen und permanent Diät zu denken? Das ist noch immer die alte neue Frage, um die sich hier im Prinzip alles dreht. Wie entreißt man jetzt wirklich und ernsthaft seinen Körper, seinen Alltag und seine Lebensfreude den Klauen eines seit Ewigkeiten verinnerlichten Kontrollprogramms?

John C. Parkins (Autor von "Fuck it!") Antwort ist ebenso einfach wie eindeutig: "Sagen Sie Fuck It zur "richtigen" Ernährung." Solange es kein "essensfreies" Essen gibt, wird es immer Ernährungsexperten geben, die an der Ernährung anderer Leute etwas zu nörgeln haben. Parkin rät, man solle seine Essgewohnheiten einfach so annehmen, wie sie sind. Wer irgendwann frei sein will vom Diätwahn, muss diesen Schritt machen. Die Angst, dass man immer weiter zunehmen könnte, wenn man die ständige Selbstkontrolle aufgibt, ist seiner Erfahrung nach unbegründet - im Gegenteil: er hält es für wahrscheinlich, dass man sogar Gewicht verliert, denn sobald man essen darf was und wann man will, will man vermutlich vieles gar nicht mehr so dringend essen. Das ist plausibel, denn dass restriktiver Umgang mit Nahrung zwangsläufig zu einer Obsession mit Nahrungsmitteln führt, ist schon lange erwiesen**, entspricht außerdem natürlich unseren persönlichen Erfahrungen und lässt sich in den Medien eindrucksvoll im Hinblick auf eine quasi gesamtgesellschaftliche Essstörung nachvollziehen: Nicht abreißende Berichterstattung über Diäten und vermeintlich gesunde Ernährung einerseits, Kochsendungen mit komplexen, hochkalorischen Kreationen im Minutentakt andererseits. Auch der Arzt Gunter Frank beschreibt in "Lizenz zum Essen" das Phänomen, dessen möglichen Eintritt Parke vorhersagt. Patienten verloren leicht an Gewicht, nachdem sie sich endlich entschieden hatten, keine Kalorien mehr zu zählen. Bei mir hält eine Tafel Schokolade übrigens auch entscheidend länger, seit ich mich mit der Möglichkeit beschäftige, einfach so zu bleiben, wie ich bin. Neulich habe ich hinten im Schrank sogar eine gefunden, die ich total vergessen hatte - das wäre früher nie passiert. ; ) Trotzdem darf man natürlich das Ende der Diäten nicht als neuen Diätplan begreifen - dass man sich damit ins eigene Knie schießt, dürfte auf der Hand liegen. Solche Erwartungen werden sich nicht erfüllen, sondern einen bei der Rückkehr zu einem nicht schuldbeladenen Essverhalten nur blockieren.

Parkins Strategie mag radikal erscheinen, deckt sich aber auch mit den Empfehlungen und Beobachtungen der Fettaktivistinnen Kate Harding und Marianne Kirby. Diese legen in ihrem Buch "Lessons from the Fat-O-Sphere" dar, dass die Angst, sich ins Koma zu futtern, wenn man sich plötzlich alles gestattet, jeder realistischen Grundlage entbehrt. Klar, wer gerade eine Diät hinter sich hat, wird wieder zunehmen. Das hätte man mit riesiger  Wahrscheinlichkeit jedoch ohnehin. Aber anders als von der Brigitte et al. immer suggeriert, sind die allermeisten von uns eben keine mehr schlecht als recht getarnten Fressmaschinen, die ohne Reglementierung im Transformermodus den Planeten schmatzend ratzekahl machen würden. Vielleicht stopft man sich anfangs ein paarmal mit vorher "Verbotenem" voll, weil es halt jetzt erlaubt ist, aber, so Harding/Kirby, diese Phase wird für gewöhnlich nicht lange dauern. Irgendwann will der Körper automatisch zu einer abwechslungsreichen Ernährung zurück, die mengenmäßig den momentanen Bedürfnissen entspricht, und er wird einem dieses auch wahrnehmbar mitteilen. An dem Punkt wird es dann wichtig, genau hinzuhören und "hinzufühlen", um folgende Fragen genau zu beantworten: Bin ich jetzt hungrig? Und was will ich jetzt essen? Für Harding/Kirby ist intuitives Essen die einzige Chance auf eine Flucht aus der grimmigen Welt der Diäten in ein diätfreies Leben und zu einer selbstbestimmten Ernährung - etwas, was viele von uns eigentlich gar nicht (mehr) kennen.

  • Grundvoraussetzung hierfür ist, dass man akzeptiert, dass Diäten schlicht nicht funktionieren. Dabei kann eine gesunde Portion Wut helfen.
  • Außerdem ist es von entscheidender Bedeutung, damit aufzuhören, Nahrungsmittel in gute und schlechte einzuteilen.
  • Wie Parkin raten die beiden, sämtliche Diät- und Ernährungsratgeber in den Müll zu werfen. Und ab da sollte man sich strikt an den Harding-Kirby Lifetime Diet Plan halten:
"Eat what you're hungry for, when you're hungry for it, and stop when you're full. Period."
(Iss wonach dir ist, dann, wenn dir danach ist und höre auf, wenn du satt bist. Punkt.)

Das ist nun eines meiner großen Ziele für das kommende Jahr - ich werde versuchen, hier weiter an mir zu arbeiten und besser darin zu werden, ohne Schuldgefühle das zu essen, was ich will. Meinen Plan einer kompletten Umstellung auf eine vegane Ernährung werde ich allerdings vorerst drangeben. Ich werde weiterhin vegetarisch leben und vielleicht versuchen, den Anteil tierischer Produkte nach und nach zu reduzieren. Ich hatte ja auch noch immer vor, mein Körpergewicht gezielt noch etwas zu verringern. Wegen der Knie und so. Aber ich werde ab jetzt keine Diät mehr machen. Und ich werde auch nicht "meine Ernährung umstellen". Wenn ich dann also einfach so bleibe, wie ich jetzt bin: FUCK IT! ; )

P.S.: Dann kann höchstens die Ausräumaktion im Kleiderschrank weitergehen - diesmal dann bis Größe 46 (einschließlich).

*Susie Orbach
** siehe z.B. Minnesota Starvation Experiment


NH