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Sonntag, 22. November 2015

Wall Candy



Für mich persönlich war es eine der wirksamsten Übungen auf dem Weg zu dicker Selbstakzeptanz, mich mit Farbe einzureiben und mich auf Leinwände fallen zu lassen, bzw. sie an mich zu drücken. Die Aktionen hatten mehrere wirksame Dimensionen: Die in den vorangegangenen Jahren ausgesprochen seltene Interaktion mit dem eigenen, nackten Körper. Die Erfahrung, dass diese Interaktion Spaß macht. Die Erkenntnis, dass der Körper als Werkzeug in einem kreativen Prozess verwendet kann, und dass mir selbst das Ergebnis und damit die Abbildung meines eigenen dicken Körpers durchaus gefällt, und dass ein dicker Körper eine ihm ganz und gar eigene ästhetische Qualität hat. Schließlich das öffentliche Herzeigen der fertigen Bilder. All meine Po-, Brust- und Körperabdrücke, die in drei Etappen und über einen ziemlich langen Zeitraum entstanden und fertiggestellt worden sind, habe ich nun in einer Dia-Show zusammengestellt (s.o.).

Im Gegensatz zum Ugly Girl Project spielte das traditionell ach so "hübsche Gesicht" der dicken Mädchen keine Rolle. Auf den Leinwänden war nur Platz für den bis dahin gebeutelten und verachteten Körper. Er musste ganz allein arbeiten, um eine Aussage zu machen - mit all den Teilen, die klassischerweise und an so gut wie allen Frauen und fast schon automatisch als "problematisch" eingestuft werden: Hintern, Busen, Bauch, Hüften, Oberschenkel. Für mich hatte das am Ende etwas entschieden Befreiendes und Befriedendes in der Beziehung zu meinem Fett. Aber natürlich braucht man auch eine gute Portion Humor, um sich eine Leinwand an den bunten Po zu drücken.

Besondere Aufmerksamkeit verdienen vor allem auch die deutliche Abbildung meines "Pussy Pouches" (mein fleischiger Venushügel), sowie die, wie ich finde, ziemlich ausdrucksvolle, gestalterische Rolle, die er einfach von selbst übernommen hat. Zusätzlich sind an machen Stellen die Details wirklich ganz erstaunlich - auf manchen Leinwänden zeichnen sich sogar die Dehnungsstreifen ab. Und werden damit zu einem stimmigen Teil der Gesamtkomposition, der wiederum seine unbestreitbare Berechtigung und Wert hat.

Die vorangegangenen Blog-Einträge über die Körperabdrücke:

Juni 2014

Oktober 2013

Vom Mai 2012 gibt es Videoaufnahmen. Vielleicht schneide ich da auch mal was zusammen. Ich hoffe, ich finde sie wieder...

Alle Bilder kann man außerdem in recht guter Qualität auch auf meiner Seite bei Saatchi Art ansehen.


NH

Sonntag, 8. Juni 2014

Körper malen

Es war 2011, als ich mich mit Fingerfarbe bestrichen und meinen Oberkörper auf Leinwände gepresst habe. Im letzten Jahr habe ich mich u. a. mit farbigem Hinterteil auf Leinwände gesetzt. All dieses geschah in der Absicht, irgendwann aus den vorläufigen Ergebnissen des Körperdrucks "richtige" Bilder zu machen, also alle Leinwände noch einmal zusätzlich zu bearbeiten.

Das habe ich nun gestern und heute endlich getan. 26 Bilder sind es nun, die ich maßgeblich mit meinem Körper gestaltet habe. Und die natürlich meinen Körper ziemlich deutlich zeigen. Mitunter in ganz erstaunlichem Detail - so kann man z.B. in einigen Fällen die Dehnungsstreifen sehr genau erkennen - die werden dadurch sozusagen zum Teil des Designs.

Die Handabdrücke geben den Darstellungen in einigen Fällen etwas besonders "Insektenartiges" - und sie zeigen natürlich, wie die Bilder enstanden sind (langsame Absenkung auf die Leinwand und keine schmerzhaften Bauchklatscher, bei denen ich womöglich auch quer durch das Zimmer geschliddert wäre). Jedenfalls habe ich mich in den meisten Fallen dafür entschieden, sie nicht zu übermalen.

Zwar zeige ich hier jetzt nicht alle Bilder, aber weil ich so stolz bin, dass das Projekt jetzt zu guter Letzt doch noch abgearbeitet worden ist, zeige ich ziemlich viele. Noch bin ich unschlüssig, was mit ihnen geschehen soll/kann...aber die Übung als solche kann ich, wie schon zuvor, jeder runden Dame empfehlen, die mit ihrer Fülle uneins ist, nur empfehlen. Man lernt sein Fett so richtig neu kennen - und das, was es alles kann. ; )







Eines der "Brustbilder" ; )

© Nicola Hinz 2014
 

Sonntag, 13. Oktober 2013

THE UGLY GIRL PROJECT: The body in color 2 / Der Körper in Farbe 2


Und dafür brauche ich den Platz: Für weitere Abdrücke meines runden Körpers auf Leinwand. Hatte ich mich bisher nur nach vorn auf den Untergrund fallengelassen, so habe ich mich diesmal in der Hauptsache hingesetzt mit der Absicht, mein Hinterteil und die Spuren, die es zu hinterlassen imstande ist, näher zu erforschen. Ein wenig kriegrisch fühlte ich mich auch - besonders, als mir die Strukturkügelchen in die Hände fielen. ; )

Den bloßen Körper als Malwerkzeug zu verwenden, war und ist eine der wichtigsten Übungen auf meinem Weg zur dicken Selbstakzeptanz. Was kann der ungeliebte, getriezte oder vernachlässigte Körper alles sein, wenn man ihn lässt? In Farbe bekommt er neue Rollen, in denen man ihn nie kannte, und die mich immer wieder in Erstaunen versetzen.

NH









© Nicola Hinz 2013

Dienstag, 1. Oktober 2013

Zwischenruf: Sommerschlussverkunst II

Ein kurze Erinnerung (und Bekräftigung / Ermutigung!): Die übrigen Bilder aus der Sommerschlussverkunst (siehe Post unten) sind noch bis Sonntag zu den angegebenen Konditionen zu haben / zu vergeben. Danach werde ich sie wohl doch irgendwo zum Verkauf anbieten, oder Freunde damit beglücken. ; ) Kurz: Ich würde mich über weitere Anfragen freuen. So oder so: Alles muss raus.

NH

Dienstag, 24. September 2013

Sommerschlussverkunst

Welcome to my theme park, 2010

Ich habe noch mehr aussortiert und abgeschlossen. Früher hatte ich ja Probleme, mich von meinen Bildern zu trennen. Aber als ich vor drei Jahren nach langer Zeit wieder begann zu malen, hatte sich das plötzlich komplett verändert. Ich konnte es gar nicht abwarten, meine "Werkchen" in/an gute Hände/Wände abzugeben, und einige haben es in die weite Welt und gar bis nach Australien geschafft. (Das war vielleicht ein Theater mit der Deutschen Post, dem Zoll und der Plastikpistole, die in den Farbschichten klebte...) Insgesamt kann ich auf meine alten Tage Dinge besser loslassen, und das ist ebenso erstaunlich wie positiv. Die Bilder, die hier zu sehen sind, suchen noch eine(n) Besitzer(in), und sollen das Haus möglichst schnell verlassen, weil sie zu einer kreativen Phase gehören, die vorbei ist, und ich Platz für Neues brauche. ; )

Der Plan ist nicht mehr, sie zu verkaufen, ich hätte nur gern 20 Euro für Shipping und Handling. Auf den Fotos ist der Kontrast in der Regel sehr hoch - im Original werden die Bilder matter und etwas blasser erscheinen. Das Format ist 60x60 cm, wenn nicht anders angegeben. Es sind alles "Collagen" mit einem Grund aus Acrylfarbe - von Federn über Spielzeugautos, Handschellen, Stoffblumen bis zu Schokoladenpapier findet man alles Mögliche auf den Leinwänden. Für die Geschichten, die sie mit ihrem scheinbar skrupellosen und grellen Kitsch erzählen (können), braucht der/die Betrachter(in) zumeist einen leicht angeschrägten oder schwarzen Humor. Und wie gesagt, ich würde mich freuen, für meine verrückten Babies angemessen verrückte Mütter/Väter zu finden. ; )

Man kann alle Bilder auch hier ansehen.

Wer gern eines der Bilder hätte, kann sich einfach über das Kontaktformular melden oder unter office(at)nicola-hinz.com. Was weg ist, ist weg. (Allerdings behalte ich mir für alle Fälle vor, die Bilder so zu vergeben oder u.U. auch nicht herauszurücken, wie ich es für richtig halte! ; )) Die Versandkosten können überwiesen oder per PayPal bezahlt werden.

NH

The candy man can, 2011, 80x80 cm VERGEBEN

I wish you'd taste more like you, 2012 VERGEBEN

Is my voodoo working?, 2012 VERGEBEN

But I really want you for your body, 2010

The cat's pyjamas, 2012 VERGEBEN

I love you too, 2012

The new pink, 2011

You are my one true love, 2012, 100x100 cm VERGEBEN


We are fish... (James Dean), 2011 VERGEBEN

A wet t-shirt, 2012

He doesn't even know, 2011

I'll bring the chainsaw (Tango & Cash), 2011

© Nicola Hinz 2010-2012

Samstag, 12. Mai 2012

THE UGLY GIRL PROJECT: The body in color 1 / Der Körper in Farbe 1

Im letzten Jahr habe ich meinen Körper einige Male als Malwerkzeug für Selbstportraits benutzt. Ich habe ihn in Farbe eingerieben und mich buchstäblich über Leinwände gerollt und geschoben. Es waren für mich äußerst wertvolle Übungen zur Annäherung an das eigene Fett, das ich zuvor ja eigentlich immer nur loswerden wollte, und im Hinblick auf mehr Selbstrespekt und Wertschätzung. Die folgenden Bilder sind einem Video entnommen, das ich davon gemacht habe. Und ja, auf manchen der entstandenen Gemälde habe ich mich passenderweise in Kafkas Käfer verwandelt.

NH




© Nicola Hinz 2012

Montag, 25. April 2011

Metamorphosen

Umgeben von Ostereiern und mit einem Kopf voll wüster, wilder Gedankenknoten kann schon so Einiges passieren. Ich für meinen Teil habe mich mit Farbe eingerieben und auf Leinwände fallen lassen – eine Übung, die ich nur empfehlen kann. Besonders, wenn man mit dem eigenen Körper mindestens eine Rechnung offen hat und der Ausgang noch mehr als ungewiss ist. Wie runde, bunte Insekten sehen sie aus, meine Bauchklatscher. Wobei es sich bei den Facettenaugen um meine Brustabdrücke handelt. Ich zeige sie auch alle her (die Bilder - nicht die Brüste, jedenfalls ist das im Augenblick nicht Stand der Planung). Hier. Und vielleicht in einer kleinen Ausstellung. Irgendwann in diesem Jahr, wenn die Bilder ganz fertig und ich bereit bin.

Denn die Antwort auf die Frage, wohin die Reise geht, ist so unklar wie nie zuvor. Dick bleiben oder dünn werden? Und ich höre schon alle rufen: GESUNDES MITTELMASS! Oh bitte…WAS soll das sein? Von Mäßigung verstehe ich viel. Denn das tut jede dicke Dame. Beim Essen und auch sonst. Ich sage nur: Dicke Mädchen sind nette Mädchen. Dass mich das besonders gesund gemacht hat, kann ich nicht wirklich behaupten. Wer versucht, gleichzeitig nach Paris und Oberfelsberg zu reisen, der wird nirgends ankommen. Punkt. Bei Experten heißt dieses Prinzip dann ja auch noch immer gern „Der Weg ist das Ziel“.

Es geht bei mir nicht mehr um Kleidergrößen. Es geht um echte, schlotterige, nervöse Selbstidentität. Und ich habe nur fast vier Jahrzehnte gebraucht, um an diesen Punkt zu kommen. Das ist doch mal was. Die Vorstellung, sich wirklich und wahrhaftig gegen eine weitere Diät zu entscheiden, wäre mir noch vor einigen Monaten vorgekommen, wie eine Einladung zur Bata-Illic-Karaoke-Nacht. Jetzt ist das etwas anders.

Was ich NICHT meine: Die Idee vom Dünnsein aufzugeben, „weil man es ohnehin nicht schafft“. Ich rede nicht davon, sich mit leisem oder auch augenzwinkerndem Bedauern „abzufinden“, und „trotzdem“ Freude am Leben zu haben (so nett die Frau Asgodom auch ist). Jeder kann dünn werden. Aber zum ersten Mal in meinem Leben entsteht in mir die Vorstellung, dass es nicht nur ein grotesker Unfall ist, dass ich dick bin, sondern dass es womöglich ein integraler Bestandteil meiner eigenen Identität ist, der gar nicht verändert werden SOLLTE.

(Wenn hier jemand von euch in seiner Entwicklung schon weiter ist als ich – ich freue mich auf jeden Fall über Erfahrungsaustausch: office(at)nicola-hinz(dot)com)

Ferner habe ich unlängst so eine Art Wette abgeschlossen. Zwar werde ich mich nicht mit im Winde wehender Fettschürze vom Dreimeterbrett stürzen, an einem Samstagnachmittag, bei praller Sonne...und es vorher noch mit einem Megaphon ankündigen – aber was ich vorhabe, ist trotzdem eine Art Mutprobe für mich: Ich habe die Aufgabe, im Badeanzug in ein öffentliches Schwimmbad zu gehen, und zwar nicht erst in drei Monaten, sondern möglichst gleich. Das mag albern klingen, aber ich habe das – wie so vieles – seit Jahren nicht gemacht, und auch nicht in meiner aktuellen Größe. Ich hatte gar keinen passenden Badeanzug. Mein Kleiderschrank spuckte nach langem Suchen etwas aus, das mit mir im Augenblick so viel zu tun hat, wie ein Edmund Stoiber mit Rhetorik:


Ich will mich hier nicht schon wieder über die Unbill des Kleiderkaufs in Übergrößen auslassen, aber ehrlich: Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass es vorteilhaft ist, dicken Frauen in Badebekleidung nun zusätzlich so eine Art Gardine (wahlweise mit Fransen oder Pailletten) um den Leib zu schlingen? Da kann man nur hoffen, dass man sich beim Sprung ins kalte Wasser nicht verheddert und sich an den Pailletten schneidet. Aber, jajaja, lassen wir das verbiesterte Gejammer (zumindest für den Augenblick)…ich habe dann ja Glück gehabt, und noch etwas Passendes gefunden.

Krawumm!

Darf ich vorstellen, das wahre Leben. Aber wenigstens in angenehm unaufdringlicher Farbgebung und mit gnädiger Raffung in allen kritischen Abteilungen.

Wenn ich mich u. U. dafür entscheide, nicht mehr abzunehmen, dann muss ich mich so, wie ich jetzt bin, im Badeanzug unter Leute wagen. Und Leute gucken womöglich. Aber ich werde mich selbstverständlich NICHT dafür entscheiden, nie mehr an einem öffentlichen Ort ins Wasser zu gehen…
Vielleicht übe ich ja erst einmal an einem einsamen See……Bei Nacht. ; ) NH