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Sonntag, 17. Dezember 2023

The Ugly Girl Project: Closure

Was vielleicht jetzt einmal noch als trendige Körnigkeit zu rechtfertigen ist, ist tatsächlich nichts Anderes, als das Ergebnis des Versuchs, eine alternde Kamera noch einmal zu annehmbaren Resultaten zu zwingen. Sie hat offenbar so ziemlich den Geist aufgegeben. Das passt zu meinem Jahr, könnte aber auch ein Zeichen sein, dass das Projekt des hässlichen Mädchens jetzt auch langsam ausläuft. 

Der Göttin sei Dank ist es dieser Tage nichts so richtig Besonderes mehr, dicke Frauen in Zusammenhängen von Normschönheit darzustellen. Das wenigstens scheint geschafft, wenn die von mir bevorzugte Frauenzeitschrift, die VOGUE, jetzt regelmäßig dicke Models beschäftigt und sie auch aufs Cover hebt. Es ist ein (sehr) kleiner Sieg für die "Normalisierung" von dicken Körpern. Es ist kein Sieg gegen Objektifizierung und den Terror von Schönheitsanforderungen und -normen. Das ist mir bewusst. 

Ich hatte trotzdem noch einmal meine Beine in die Kamera halten wollen, habe dann aber gemerkt, dass das Ablichten des eigenen dicken Körpers für mich kein sehr wichtiges Werkzeug mehr ist, um diesen Körper zu akzeptieren. Ich akzeptiere meinen Körper. Wenigstens das ist auch erreicht. BTW, nein - es ist nicht notwendig, den eigenen Körper zu lieben. Das ist nur wieder so eine schnulzige Behauptung von denen, die es nicht lassen können, neue Quellen des Druckes zu erschließen. Darum sage ich es ja auch immer wieder gern: Body Positivity my ass. ;)










 NH

Sonntag, 10. September 2023

THE UGLY GIRL PROJECT - Body of Evidence: Beine / Legs

Ein Jahrzehnt nach dieser und dieser und dieser und dieser Fotoreihe zum Thema Beine habe ich The Ugly Girl Project wieder aufleben lassen - aus gegebenem Anlass...





Das Ugly Girl Project diente einst dazu, Bilder von mir selbst zu erzeugen, auf denen ich mich gut aushalten konnte. Es war Teil meiner Reise zu dicker Selbstakzeptanz. Obwohl es sich auf in der Zwischenzeit eher angestaubte Standards und Darstellungen von weiblicher Attraktivität und Sexualität stützte und das auch jetzt (zugegebenermaßen) wieder tut, war es ein Werkzeug zur Annäherung an den eigenen verachteten und bekämpften Körper.

Die Einhaltung solcher Standards war damals notwendig, damit es für mich funktionieren konnte. Ich, VOGUE-Leserin seit dem 16. Lebensjahr, wollte mich "schön" finden, weil ich, wie die meisten von uns, aus meiner persönlichen Entwicklungsgeschichte heraus dachte, Normschönheit sei das Wichtigste. 

Heute geht es nun nicht mehr nur um einen dicken Frauenkörper, sondern um einen, der über fünfzig Jahre alt ist und in einer Welt existiert, in der sich die  Erwartungen an die Bemühung um das Äußere nur bedingt aufgelöst haben. Eher sind sie hier und da noch rabiater geworden (siehe Instagram).

Ich finde meine Beine nicht schön. Das Missverständnis ist ja oft, dass Fett- und Selbstakzeptanz damit einhergehen sollten, sich selbst schön zu finden. Das ist nicht so. Vielmehr geht es darum, zu begreifen, dass es nicht so wichtig ist, den eigenen Körper schön zu finden, um ihn zu respektieren und als Wohnort adäquat nutzen zu können. Dellen und Wellen und Hautfalten. Und von all dem noch viel mehr als vor zehn Jahren - klar.

Hinzukommt, dass meine Beine und Füße mich im Augenblick ohnehin nicht besonders gut tragen. Ich stehe nicht mit beiden Beinen fest auf dem Boden, sondern muss regelrecht aufpassen, dass ich nicht umkippe oder mich nur noch setzen kann und aufgeben. Meine MS und ein starker Schmerz in der Hüfte, den ich schon lange hätte abklären lassen müssen, sorgen u.a. für Empfindungsstörungen in den Füßen und lassen mich im Augenblick buchstäblich durchs Leben wackeln und schlingern. 

Ich liebe ja hohe Absätze.

Ich habe seit vielen Jahren keine hohen Schuhe mehr getragen und es ist ein maßgeblicher Teil meines Bitterkeitsrepertoires, nicht mehr auf ihnen laufen zu können. Mein ideales Ich ist mir auf ihnen davongerannt und ich weiß, dass ich es mit meinen knarrenden Knien und den am Nachmittag bereits schon geschwollenen Füßen nie wieder werde einholen können. Ich habe viel zu wenig Absätze getragen, als ich es gekonnt hätte. 

Nun kam unlängst noch die Erfahrung hinzu, in einer Beziehung für jemanden verlassen zu werden, der nicht normschöner ist, als frau selbst. Das stellt sich für mich noch immer als verwirrend und nagend heraus. Mir hat es den Teppich aus Selbstwertgefühl und Stolz auf meinen Körper und seine Sexualität just like that unter den Füßen weggerissen. Da ist es auch egal, dass es eigentlich der persönliche Anspruch ist, Äußerlichkeiten erstens nicht nach gängigen Regeln und zweitens am besten überhaupt nicht zu bewerten. Beides ist Übungssache und eine Frage der Umstände. Im Augenblick bin ich nicht gut darin. 

Obwohl das Ugly Girl Project eine alte Strategie ist, sind die Bilder diesmal doch anders geworden. Deutlich weniger bemüht und auf jeden Fall kaum gefällig. Finde ich. : )






NH

Montag, 20. Januar 2014

THE UGLY GIRL PROJECT: Red Ambition*

Oh, na das ist mal ein Post, der ALLES zu bieten hat und gleich mehrere schwierige Körperregionen / Dispositionen abarbeitet: Oberarme (noch so eine ausstehende Mutprobe: kurzärmelig aus dem Haus), fleischige Unterarme und Ellenbogen, Busen (ja, wenn ich es mir aussuchen könnte, hätte ich noch immer gern Nippel, die in den Himmel zeigen), Doppelkinn, den störrischen Kater und die neue Haarfarbe, um die allein es ursprünglich gehen sollte. Aber die gibt nicht viel her. Das vermeintliche Rot heißt "Granat" und verschwindet nach ca. 15 Haarwäschen wieder. Was für ein Glück, dass ich einmal im Leben vernünftig war und mich für einen Testlauf entschieden habe, denn zufrieden bin ich wirklich nicht.

Unbeabsichtigt dunkel ist es, und erstaunlich blaustichig. Und obendrein regelrecht ein wenig strohig. Jünger macht es nicht wirklich - da hatten die grauen Schläfen fast doch noch weniger Durchschlagskraft. Also habe ich nun dieses gelernt: Wenn Rot, dann Tomatenrot oder Erdbeerblond. Beides kann ich jedoch auf keinen Fall in Heimwerkerinnenmanier in meiner Dusche vollbringen. Und schon gar nicht alle sechs Wochen. Überhaupt hatte ich gar keine Erinnerung mehr daran, was für eine Kleckserei das Home-Färben ist - ein T-shirt, zwei Handtücher sowie ein Kopfkissenbezug haben bis jetzt dran glauben müssen. Ein halbe Stunde habe ich gespült, und das Wasser wurde und wurde nicht klar. Schon wieder so eine Metapher für die Undurchdringlichkeit des Lebensdickichts - Fraugöttin es bleibt einer rein gar nichts erspart. Dafür sieht die Dusche jetzt noch immer aus, als hätte ich dort jemanden zersägt...

Was mich an einen meiner letzten Besuche beim Friseur erinnert. Es liegt schon viele Jahre zurück, aber ich werde wohl nie das gequälte, resignierte Seufzen des Mitarbeiters des Unternehmens Vidal Sassoon vergessen, der angenervt hinter mir stand, meine Haare ein wenig hin- und herflippte und dann sagte: "Nun ja, man muss halt mit dem arbeiten, was man hat." Der arme Mann. Ich weiß nicht, was genau es war, das seine Inspiration so lahmlegte: Haare doof. Oder Gesicht doof. Vielleicht zu pausbäckig (dicke Phase)? Eine Kombination aus allem womöglich? Ich jedenfalls fühlte mich klein und elend. Heute würde ich ihm zumindest einen guten Grund geben, vielleicht sogar noch ein wenig pissiger zu werden. Und heutzutage würde ich sodann ein Schwätzchen mit seinem Chef halten, anstatt stillzusitzen und am Ende gar zu bezahlen. Heute würde er mich ebenso wenig jemals vergessen, wie ich ihn.Wie dem auch sei - jedenfalls schneide ich mir seit jener Zeit die Spitzen selbst und gut is'. Für den (beinahe) täglichen Pferdeschwanz hat es zumindest bisher gereicht. Wer weiß, vielleicht sollte ich es machen, wie die kühne Rachele?

NH




Ja, es ist wirklich rot. Im richtigen Licht.



 
 

*MADONNA!

© Candybeach.com 2013

Mittwoch, 25. Dezember 2013

Body of Evidence: Chin-Chin!*

Da ist es nun, das Doppelkinn. Groß und nah. Es wäre mir lieber, ohne Kinn-Groll ins neue Jahr zu ziehen. Und was für den Bauch klappt, funktioniert vielleicht auch hier. Ach, und wenn man ganz genau hinsieht, erkennt man obendrein noch ein paar graue Haare. ; )










*Prost!

© Nicola Hinz 2013

Sonntag, 17. November 2013

Body of Evidence: Bauchgefühl

Das Motto meines Selbstakzeptanz-Programmes ist bekanntlich: Halte in die Kamera, was dich am meisten verunsichert. In meinem Fall ist das irgendwie noch immer der runde Bauch. Also: Brust raus! Bauch auch!

NH





 







© Nicola Hinz 2013