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Dienstag, 17. März 2026

Männer - eine Abschlussrede


Wusstet Ihr, was der Begriff  "Alpine Divorce" bedeutet? Ich auch nicht, bis ihn mir @mirgehts_gucci auf Instagram erklärt hat. Offenbar beschreibt er das Phänomen, dass Männer als primär verantwortliche weil erfahrenere Wanderer und Bergsteiger mit ihren Partnerinnen Ausflüge in die wilde und potentiell gefährliche Natur der Berge machen, um sie dann dort zurückzulassen - mit der Absicht, sich ihrer so zu für immer zu entledigen. Mal klappt das, mal nicht. Wenn es klappt, ist eine Mordabsicht schwer nachweisbar. Alpine Divorce ist offenbar kein isoliertes Freak-Ereignis, es kommt wohl schon lange vor und öfter, als frau sich träumen lässt. It's quasi a thing.

Igitt, was ist das denn?

Im letzten Jahr schrieb Chanté Joseph für Vogue einen Artikel darüber, dass es peinlich ist, mit einem Mann verpartnert zu sein - besonders als Frau. Er sorgte für viel Aufregung, allerdings nicht bei mir, denn ich hatte ja keinen Partner mehr. Und als ich einen hatte, war das fraglos immerzu und auf vielfältige Art extrem peinlich.

Aber Peinlichkeit bringt dich nicht um. Wenn dein Freund nur peinlich ist, dann sei froh. Es ist immerhin erschreckend wahrscheinlich, dass er auch eine Gefahr für Leib und Leben darstellt. Männer bringen dich dauernd in Gefahr, z.B. dann, wenn frau ihnen das Steuer eines Autos überlässt. Meine Mutter hat bereits in grauer Vorzeit meinem Vater gedroht, sie würde mit mir an der nächsten Raststätte nicht mehr weiter mitfahren, wenn er nicht aufhören würde, so zu rasen. Ich habe Jahrzehnte später meinen Partner angeschrien, weil er in Rage auf ein Auto zuraste, das auch mit Idioten besetzt war. Keiner der Männer wollte ausweichen. Ich war diejenige, die eine zusätzliche Versicherung abgeschlossen hatte und diese auch bezahlte, damit er überhaupt mit meinem Auto fahren konnte. Denn er selbst hatte kein Auto mehr. Er war pleite. Und hätte mich an jenem Tag mit meinem eigenen Vehikel womöglich beinahe umgebracht. Ich erinnere mich übrigens auch noch gut an den waidwunden Blick, als ich ihm einst auf einem Parkplatz zurief, er solle sich zum Pinkeln nicht an sondern hinter den Baum stellen, schließlich sei er kein Hund.

Männer sind also gern beides: Peinlich und lebensgefährlich. Und mir kommt keiner mehr ins Haus. Denn der, den ich noch aushalten wollte, müsste aus einem Holz sein, das so gut wie nicht zu finden sein dürfte.

Das Private ist politisch. 

Im toxischen Dunste der Epstein-Files, angesichts der Trumpisierung der USA und fassungslos konfrontiert mit dem schamlosen Rechtsgeruckel durch unsere aktuelle Regierung unter einem Kanzler Merz (#MerzleckEier), dem Prototyp des alten weißen Mannes, und mit einem Frauenanteil von gerade noch 32% im  Budestag, erwarte ich von Männern, dass sie sich erklären, distanzieren, entschuldigen und einschreiten. Die Welt brennt und das ist und war ihre Schuld. Sie verhelfen Faschisten an die Macht. Sie zerstören die Umwelt. Sie beginnen Kriege. Sie vergewaltigen und morden. Alle zehn Minuten wird eine Frau auf dieser Welt Opfer eines Femizids. ALLE ZEHN MINUTEN. 

Frauen hassen das Patriarchat. Männer hassen Frauen.

Natürlich plane ich nach meinem letzten Beziehungscrash, als Crazy Cat Lady zu "enden". Was mehr könnte Frau wollen? Don't threaten me with a good time. Es hat halt nur wieder sehr viele Lektionen gebraucht, um zu begreifen und umzusetzen, was jüngere Generationen sehr viel einfacher kapiert haben. Unter jungen Frauen spricht es sich schneller rum, dass es peinlich ist, in einer Beziehung mit einem Mann zu "enden".

In vier Jahren werden, so die Berechnungen, 45% aller Frauen in westlichen Industrienationen unter 40 kinderlos und alleinlebend sein. Und das ist gut so, denn Frauen, die ohne Mann und Kinder sind, sind statistisch glücklicher. Und sie leben länger.

Warum sollte ich mit mehr als fünf Jahrzehnten und mit vermutlich rund 100 Beziehungsanbahnungsversuchen (Dates) mit Männern auf dem Buckel noch ein einziges Mal meinen häuslichen Frieden und meine Sicherheit für das Privileg eintauschen, einem ebenso alten Mann erklären zu dürfen, wie die Spülmaschine eingeräumt wird und warum es rassistisch ist, sich über asiatische Akzente lustig zu machen. 

Männer laufen entweder auf der Straße in dich rein, wenn du dich weigerst, ihnen auszuweichen. Oder sie laufen 100 Meter vor dir her. Ich bin dann immer mal gern stehengeblieben um abzuwarten, wie lang es wohl dauern würde, bis mein Partner merkt, dass er allein unterwegs ist. Manchmal war er schon außer Sichtweite, wenn das endlich passierte.

Was hat dich radikalisiert?

Ich war immer Feministin - immer, seit ich ungefähr zehn war und "Die dressierte Frau" von Hannelore Schütz in den Bücherwänden meiner Familie fand. Das war eine feministische Antwort auf das lächerliche, antifeministische Werk "Der dressierte Mann" von Esther Vilar und es machte mich zu dem, was ich heute noch immer bin. Ich erzähle immer wieder gern, dass meine Eltern von der Existenz des Buches gar nichts gewusst haben wollten und dementsprechend auch nicht wussten, wie es ins Haus gekommen war. Für mich war es ein intellektuelles und prägendes Wunder. Meine Mutter habe ich in den Jahren danach mit meinen Versuchen, sie zu emanzipieren, fast in den Wahnsinn getrieben - sie war damals gedanklich noch nicht so weit. Kurz danach wurde ich dann auch noch Vegetarierin. Es hörte halt nie auf mit dem Kind.

Ich dachte als junge Frau zuerst, Feministin und in einer Beziehung mit einem Mann zu sein - das geht. Mir wurde schnell klar, dass es nicht geht, ohne Federn zu lassen. Es kostete in (beinahe) jedem Fall unendliche Kraft, Prinzipien aufrechtzuerhalten, dauernde Konflikte auszuhalten und auszudiskutieren, zu erklären und zu belehren, oder sich mit den Kompromissen kompromittiert und mies zu fühlen. 

Die romantisch gemeinte Gesellschaft eines Mannes, das ist nun auch endlich bei mir angekommen, ist die Mühe nicht wert. Und Sex war meiner Erfahrung nach auch immer mit unverhätnismäßig viel Aufwand verbunden für etwas, was ich am Ende ohne Mann viel einfacher hätte haben können. Ehrlich, wenn ich noch einmal so viel Zeit für irgendetwas übrig habe, lese ich lieber mal wieder ein gutes Gedicht.


NH

Sonntag, 25. Oktober 2015

Follow me around 34: Budenkoller

Ich habe es getan - ich habe mich wieder im Fitness-Studio angemeldet. Hach, wie haben sie mir gefehlt, die aufgepumpten Männer mit den Halbkörpertätowierungen und den gezupften Augenbrauen.... Nicht wirklich. Aber nun habe ich nach 20 Jahren mal wieder einen Ausweis fürs Drehkreuz.

Ich spielte laut mit dem Gedanken, in den kommenden Monaten gern ein paar Geräte für bestimmte Körperteile nutzen zu können, bräuchte aber ein Studio, das wirklich günstig da liegt, wo ich auch oft und sozusagen natürlicherweise vorbeikomme, wo es niemals, wirklich niemals Parkprobleme und vor allem großzügige Öffnungszeiten gibt. Teuer sollte es bittesehr auch nicht sein. Ich hatte da auch schon eins im Auge, und ein schwuler Bekannter sagte dann, da würde er nicht hingehen wollen, denn er habe gehört, dass sei eine echte "Muckibude" voll mit lauter hypereitlen Muskelmännern, die dort voreinander angeben würden. Und schwupp - gekauft! Wenn ich schon turnen muss, dann will ich wenigstens die passende Show dazu sehen. Tatsächlich weiß ich zufällig, dass zwei meiner verpatzten Ex-Dates dort auch Mitglied sind/waren. Einer von ihnen litt bedauernswerterweise an einer Testosteroninsuffizienz, der andere an einer Gehirnzelleninsuffizienz. Aber das Risiko, einem von ihnen dort zu begegnen, halte ich angesichts all der anderen Vorteile jetzt einfach mal aus. Überhaupt muss man ja erst einmal hingehen.

In Eile

Und dann noch: Speed Dating. Ach, geh' mir wech.

Nicht die Männer waren das Problem. Die waren nämlich zu 50% gar nicht angetreten. Hatten tatsächlich die Schwänze eingezogen und waren der Veranstaltung ferngeblieben. Doch dann begannen die Dates in meiner Altersgruppe auch noch viel zu spät und wurden kurzerhand von zehn auf fünf Minuten verkürzt, vermutlich, weil "Love Angel" Arthur auch irgendwann mal Feierabend haben wollte. Die Organisation war schlecht. So schlecht, dass wir Gutscheine für ein weiteres, kostenfreies Speed Dating in Anspruch nehmen können. Wenn wir unbedingt wollen. Ich überlege noch.

Unter den fünf Männern, die anwesend waren, waren drei durchaus freundliche Gesprächspartner, sowie eine Nervensäge ohne böse Absicht, die ich aus einem Dating-Forum vom Sehen (auf meiner Besucherliste) schon kannte. Er erkannte mich auch - das war klar, aber wir haben es lieber nicht angesprochen. Der zweite echte Flop war ein Zahnarzt, der Golftennispolo spielt, pausenlos in die exotischsten Länder reist, schnelle Autos fährt und ansonsten sehr, sehr, sehr, sehr, sehr viel arbeitet. Hinterher waren sich in der "Frauenlounge" (also einer Ecke in der Turmbar) alle einig - das war DER ARSCH DES ABENDS. Überhaupt - Freundinnen hätte frau auf dem Event sehr viel leichter finden können, als einen Mann. Und es war ja auch mal interessant zu sehen, mit was für Frauen ich in meiner Altersklasse so oben auf dem Single-Regal sitze. Und ja, da scheinen sie sich wirklich zu tummeln, die starken Weiber mit dem trockenen Humor ; ).

Mein letztes Fünf-Minuten-Date hatte ich übrigens mit dem - einen Tusch bitte und das Augenrollen nicht vergessen - Vertreiber eines Diätprogrammes... Der hielt mich für gefundenes Fressen und wandelte unsere Unterhaltung mit leichtfüßigem Pragmatismus in ein Verkaufsgespräch um. Seufz. Darauf kam es aber dann auch schon nicht mehr an. Zumindest war er ganz hübsch und brachte eine zum Lachen.

Nach der Veranstaltung hatte jeder 48 Stunden lang Zeit, seine Dates im Internet zu bewerten. Erstens konnte man angeben, ob und wen man gern wiedersehen würde. Und zweitens konnte man einen ganzen Fragebogen zu den anderen Personen abarbeiten und ihren Sympathiewert, das Aussehen, die Kleidung, die Körpersprache und noch irgendetwas bewerten. Von den fünf Männern hatten nur zwei von dieser Möglichkeit überhaupt Gebrauch gemacht. Von diesen beiden (und ich weiß nicht, wer sie waren, weil man diese Informationen nur bei Übereinstimmung bekommt) wollte mich einer gern treffen und einer fand offenbar, dass ich ziemlich Scheiße aussehe.

Der Gründlichkeit halber hatte ich ja zwei Termine gebucht, bei zwei verschiedenen Veranstaltern. Der zweite Termin wäre heute gewesen. Ist aber abgesagt und auf den 22. November verschoben worden. Vermutlich gab es von vornherein nicht genug männliche Anmeldungen und ich war fast froh, mich heute nicht mehr aufrüschen zu müssen.

Trotzdem, wenn ich an das Universum glauben würde, würde ich mittlerweile den Verdacht hegen, es will schlicht verhindern, dass ich jemanden neues kennenlerne.

Ein Schwein ruft mich an

Allerdings ist es ja nun in den letzten Tagen nicht wirklich so gewesen, dass ich zuwenig männliche Aufmerksamkeit bekommen hätte. Und als Krönung kriegte ich dann doch nach 20 Jahren plötzlich auch mal wieder einen "obszönen" Anruf. Nachts um zwölf - da ruft hier sonst nur noch Ilse an, denn die sieht ja immer, ob noch Licht ist. War das wohl ein Zufall nach all dem, was hier auf dem Blog vorangegangen war? I think not. 

An all die besserwisserischen Heulsusen und Spinner, die hier in den letzten Tagen vorbeigetrieben sind, und die heutzutage offenbar noch immer Bücher kaufen müssen, um überhaupt zu wissen, dass Wenigessen oft dünner macht: Immer schön die Lippen zusammenpressen, damit ihr nicht am Ende zu viel von meinem Staub schluckt!

Es sei denn, da kommt mittendrin noch ein richtig schicker und schlauer Fettliebhaber mit wedelnden Armen um die Ecke gerannt und  ruft "Neiiiin!" - dann wäre das Thin Privilege Project nämlich mit einem Schlag sowas von gestorben, das kann ich euch aber versprechen. ; )


NH