Ein 25jähriger "Unternehmer" schrieb mir auf finya.de:
"Für 44 siehst du aber noch verdammt gut aus."
Ich antwortete ohne zu zögern: "Verpiss dich."
Ich nehme keine Gefangenen mehr.*
*Soll heißen: Meine Geduld ist am Ende, und ich lasse keinen mehr
leben, der mir irgendwie dumm kommt. Ein Ergebnis meiner zunehmend rabiaten
Grundhaltung ist natürlich, dass ich den Valentinstag wieder allein verbringe.
Wie in den ca. letzten 15 Jahren auch. Man würde denken, ich hätte mich
inzwischen daran gewöhnt. Habe ich aber nicht nur nicht, es ist bekanntlich in
den letzten Jahren obendrein nicht leichter geworden, allein zu sein.
Der Kater hatte unlängst einen besonders schlimmen Allergieschub
und muss nun doch auf hypoallergenes Futter umsteigen, weil ich seine tägliche
Kortisondosis nicht weiter erhöhen kann, aber er sich sonst nackig kratzt. Er
will das neue Essen nicht und gibt mir die Schuld. So wie sonst an schlechtem
Wetter. Er meckert und randaliert. Und obwohl ich weder für das Wetter noch
seinen Stoffwechsel etwas kann, fühle ich mich dieser Tage selbst in meiner
Funktion als Crazy Cat Lady als Versagerin.
Dann
steckte vorgestern ein Rundbrief der Familie Band in allen Briefkästen der
umliegenden Häuser. Auf dem Grundstück vor all meinen Fenstern wird ab nächster
Woche offenbar ein Haus abgerissen. Und dann baut die Familie Band, wer immer
diese Leute sind, dort ein Mehrfamilienhaus. Die Fertigstellung soll im Herbst
sein. Da gehen der Frühling und der Sommer begleitet von Baulärm also schon
einmal den Bach runter. Die Bands freuen sich indessen, uns alle "als neue
Nachbarn begrüßen zu dürfen" - so als wären wir neu in der Straße - und
nicht sie. Merkwürdige Wortwahl. Sowie vergebliche Liebesmüh. Für mein
Verständnis brauchen sie sich auch nicht im Voraus zu bedanken. Denn ich werde
es im Ernstfall nicht haben.
Ich ertrage ja keinen (fortgesetzen) Lärm. Oder Verkehrsbehinderungen
vor meiner Haustür. Darum wohne ich ja auch eigentlich hier und nicht woanders.
Außerdem bin ich grundsätzlich in einer veritablen Scheißstimmung, denn ich
hatte bisher ein Scheißjahr. Mein Nachbar, der seit drei Monaten und
vorzugsweise vor acht Uhr oder am Wochenende meiner persönlichen Einschätzung
nach eher orientierungslos an seiner Wohnung herum renoviert, was den
restlichen Bewohnern neben Müll und Lärm unter anderem eine Überflutung im
Keller und einen Stromausfall im Treppenhaus beschert hat, könnte beim nächsten
sonntäglichen Aufjaulen seiner Schleifmaschine derjenige sein, bei dem mir der
berühmte Faden reißt. Der Kragen platzt. Das Fass überläuft. Ich rechne jeden
Tag damit. Ich weiß nicht, was passieren würde. Aber es wäre wahrscheinlich
kein Bild fürs Familienalbum.
Und wenn das alles noch nicht gereicht hätte, um meine Dysthymia
im trüben Fluss meines Lebens so richtig unterzugluckern und in ganz neue
Tiefen zu befördern, habe ich mich dann dummerweise gestern auch noch durch das
Buch "Die Fettlöserin" von Nicole Jäger gearbeitet, um darüber
zu schreiben. Die Lektüre war so unerwartet fürchterlich und frustrierend, und
ich war ohnehin so mies drauf, dass ich ungelogen über den letzten Seiten
unvermittelt in Tränen ausgebrochen bin. Und während ich im Wohnzimmer auf und
ab ging und mal wieder darum rang, nicht an einem Schwall aus Schleim und Rotz
zu ersticken (verschleppte Nebenhöhlen- UND Magenschleimhautentzündung), sprang
der Kater verärgert an mir hoch und krallte sich in meine Wade...
Meine Besprechung des Buches erscheint hier nun im Laufe des
Tages.
NH