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Montag, 22. Oktober 2012

Das Hartz IV Kochstudio - Halloween Edition


Also, Zuckerpudel hat mir jetzt schon angeboten, mir mit Kuchen-Care-Paketen unter die Arme zu greifen. Und ich war so ___ nah dran, das Angebot anzunehmen. Erstens macht sie tolle Kuchen und Kekse, und zweitens habe ich bis zum Ende des Oktobers nur noch € 4,21 für Lebensmittel übrig. Vom Gesamtbudget sind es noch € 33,57. Ich habe allerdings noch Vorräte, so dass ich die Kurve in den kommenden 9 Tagen doch noch kriegen könnte. Michael hatte am Freitag übrigens noch € 3,48 für Lebensmittel, aber dafür noch € 116,88 vom Gesamtbudget. Eben hatte er nur noch ca. € 25,- vom Gesamtbudget, aber nach dem Wochenende auch mehr zu erzählen, als ich.

Letzte Woche hatte er noch berichtet, dass er im Zuge unseres Experiments möglicherweise auch ein wenig abgenommen hat. Und dass er tatsächlich in den letzten Tagen regelmäßig hungrig war. Außerdem geht es ihm wie mir, was das Resteessen angeht: Wenn im Single-Haushalt mehrere Tage hintereinander immer wieder das selbe Essen aufgewärmt auf den Tisch kommt, kann man es irgendwann nicht mehr sehen und isst am Ende auch noch davon weniger, als da ist. Bei mir gab es heute zum vierten Mal seit letztem Dienstag Rosenkohl mit Kartoffeln (wenn ich da Michaels Rezept für Rosenkohl* schon gehabt hätte, wäre das sicher spannender gewesen, aber ich freue mich ja über jedes Gemüse). Während mir nun in meinem Umfeld regelmäßig nahegelegt wird, diese "Hartz IV Geschichte" doch ruhig noch ein wenig länger zu betreiben, wenn man "damit so schön abnehmen kann", ist es für Michael eigentlich nicht erstrebenswert, Gewicht zu verlieren, und ich fand erst, Experiment hin oder her, er sollte lieber wieder anfangen, normal zu essen. Aber er hat gesagt, ich brauche mir keine Sorgen zu machen. Und nun ist es ja auch nicht mehr lang, und wir planen schon das Festessen, wenn das Projekt beendet ist. 

Was ich jedoch, angeregt durch Kommentare von Leserinnen, auf jeden Fall noch einmal ausprobieren werde, ist „Urban Foraging“ – ich habe mir vorgenommen, mal nachsehen, wie es im Container unseres örtlichen Supermarktes mit abgelaufenen, aber eigentlich noch guten und essbaren Lebensmitteln aussieht. Ich habe schon in den Kommentaren gesagt, dass es da für mich eine nicht zu vernachlässigende Hemmschwelle gibt, und darum denke ich mir, ich werde es nicht gar so abenteuerlich gestalten und im Schutze der Nacht losziehen, sondern werde schlicht und ergreifend vorher eine offizielle Erlaubnis einholen. Und dann erzähle ich euch, was der Filialleiter für ein Gesicht gemacht hat ; ).

*
Rosenkohl in einzelne Blätter zerpflücken, die kleinen Kohlblätter in Salzwasser 30 Sekunden blanchieren, abschrecken und in einer Pfanne mit brauner Butter und Muskat schwenken. Hierzu passen normales Kartoffelpüree und Spiegelei

Weil Suppen vergleichsweise preiswert und nahrhaft sind, und wir uns natürlich außerdem im Monat des Kürbisses befinden, hat Michael mir verraten, wie er seine Kürbissuppe macht. Und er hat gleich noch ein paar weitere Ideen für eine bessere Grundsicherungs-Küche beigesteuert.

Rezept für Kürbissamtsuppe:

1 Zwiebel würfeln und in Olivenöl anbraten
1 Hokaidokürbis mit Schale würfeln und mitbraten
2 Kartoffeln schälen, würfeln und auch braten
1 Knolle Ingwer geschält und gerieben dazugeben
1 - 2 EL Currypulver mitdünsten
2 Liter Gemüsebrühe auffüllen
15 min kochen bis das Gemüse weich ist, dann pürieren und durch ein feines Sieb passieren
1 Becher Sahne und 1 Schuss Weißwein dazugeben, mit Salz und Pfeffer abschmecken
Garnieren mit gerösteten Kürbiskernen und Schmand


Möhren sind ja eine ganz gute Möglichkeit, für relativ wenig Geld an Vitamine zu kommen. Michael schlägt vor, sie auf folgende Weise zuzubereiten:

Möhren in feine Scheiben hobeln
1 Zwiebel fein würfeln und in Butter anschwitzen
Möhren mitdünsten
mit Salz, Pfeffer, Zucker und Rosmarinnadeln würzen
mit wenig Wasser und Sahne aufgießen und garziehen lassen - die Möhren sollten noch bissfest bleiben


Nudeln mit Käsesauce sind auch ein Klassiker aus der preiswerten Küche, aber so werden sie besonders gut:

1 Packung Gorgonzola und 1 Packung Schmelzäse in 1 Becher Sahne schmelzen - ist besonders lecker mit Gnocchi.

Oder Käsespätzle: Spätzle kochen, mit 1 Becher Schmand und 1 Packung Reibekäse mischen und im Ofen 20 Minuten backen, danach mit Röstzwiebeln bestreuen. Wenn man dazu noch einen kleinen Salat machen kann, ist das ein perfektes aber günstiges Abendessen.


NH

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Kassensturz

Und NOCH EINMAL zur Erinnerung (eigentlich kann es ja auch gar nicht oft genug gesagt werden: Alleinstehende, die von Hartz IV leben, verfügen für die Bereiche Nahrung, Bekleidung, Wohnungseinrichtung, Gesundheitspflege, Freizeit, Bildung, Unterbringung oder Restaurants sowie Sonstiges über ein Gesamtbudget von € 276,83*. Michael, mein „Sparcoach“, und ich haben im September nicht  wirklich sonderlich sparsam gelebt, aber über unsere Ausgaben in diesen Abteilungen genau Buch geführt, um einen Eindruck zu bekommen, wie groß die Einschnitte im Oktober sein müssen, um auf einen grünen Zweig zu kommen.

Als jemand, der bisher nicht genau wusste, was sie so im Laufe eines Monats ausgibt, kann ich mir da nur die Haare raufen. Meine Ausgaben für Nahrung lagen wieder bei € 274,24 (der Hartz-IV-Satz beträgt € 128,46), für Gesundheitspflege waren es € 133,41 (€ 15,55 hätten es sein dürfen) und für Freizeit/Unterhaltung € 117,42 (also ebenfalls weit entfernt von den eigentlich zugestandenen € 39,96). Es gab nur eine Kategorie, in der ich den Regelsatz nicht mit gesprengt habe: In die Einrichtung meiner Wohnung habe ich € 25,50 investiert. Also tatsächlich € 1,91 weniger, als ich mit Hartz IV gedurft hätte.
Michael, der Gewohnheitssparfuchs, hat zwar nur € 90,66 für Nahrungsmittel ausgegeben, aber so Kleingkeiten wie etwa der Besuch des Oktoberfests haben seine Rechnung für Freizeitgestaltung und Gaststättendienstleistungen auf insgesamt € 485,23 ansteigen lassen (im Oktober sind wie gesagt nur € 39,96 für Freizeit und € 7,60 für Gaststättendienstleistungen erlaubt). Die Maß Bier kostet auf der Wiesn in diesem Jahr immerhin € 9,40, ein halbes Hendl € 9,90. Und während Michael in München mit ein paar Freunden seinen Geburtstag feierte, war ich für vier Tage in London (lasst uns nicht über Hotelpreise reden), so dass wir beide den September mit einem erheblichen Defizit beendet haben.

Nun aber hat der Oktober begonnen, und damit die heiße Phase unseres Experiments, denn im Oktober dürfen die Regelsätze nicht überschritten werden. Michael hat mich zur Inspiration schon einmal mit einer Liste mit preiswerten Gerichten versorgt: Reibekuchen, Nudeln mit Spinat-Käse-Sauce, gebackene Kartoffeln mit Quark, Pfannkuchen, überbackener Toast, etc. Außerdem empfiehlt er, immer eine Grundausrüstung aus Brot, Eiern, preiswertem Käseaufschnitt, Frischkäse, Nudeln, Kartoffeln und Marmelade oder Nutella für den Heißhunger auf Süßes im Haus zu haben (bei diesen Basisprodukten können auch Großpackungen eine gute Idee sein). Beim Einkaufen selbst ist Disziplin der Schlüssel zum Erfolg: Man sollte sich nie hungrig oder ohne Einkaufsliste in den Supermarkt aufmachen, denn das geht garantiert daneben.
 
Bei meinem ersten Einkauf im Oktober habe ich mich natürlich an all das schon wieder gar nicht gehalten. Aber ich wollte einfach unbedingt MEINE Kürbissuppe machen, denn das tue ich jedes Jahr. Der Unterschied ist, dass ich sie normalerweise weitgehend an andere Leute verfüttere. Diesmal kriegt keiner was ab, und es ist meine Hoffnung, dass sie für sieben bis acht Mahlzeiten reicht. Insgesamt habe ich € 13,59 für die Zutaten ausgegeben, das wären also optimistisch gerechnet € 1,70 pro Portion. Ich weiß, Eigenlob und so…aber wo Halloween fast vor der Tür steht, behaupte ich jetzt einfach, dass der Herr Myers für diese Suppe töten würde ; ). Hier ist das Rezept:

Soupy Scream Queen Surprise

Zutaten:
1,5 kg Hokkaido Kürbis, 500 g Lauch, 6 große Kartoffeln, 3 große Möhren, ca. 300 g gelbe Zucchini, 1 rote Paprika,  1 große rote Zwiebel, 1 Becher (Soja-)Sahne, 1 Peperoni (ohne Innenleben), 1 Bund Petersilie, 6 EL Olivenöl, Gewürze (Salz, Pfeffer, Zucker, Curry, Paprika, Knoblauch), 250 ml Rotwein

Alle Zutaten würfeln (bis auf die Petersilie), nach und nach kurz andünsten (zuerst Zwiebeln und Lauch, zuletzt Möhren und Kürbis) und dann mit Wein und Wasser (je nach gewünschter Konsistenz) auffüllen, würzen und ca. 30 Minuten köcheln lassen. Anschließend ganz kurz mit einem Mixstab durchgehen (ich persönlich habe es lieber „chunky“ statt cremig), Sahne hinzufügen, abschmecken, anrichten und die gehackte Petersilie darüber streuen.

NH