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Freitag, 6. Mai 2011

Der Club der dicken Damen

Die Mitgliedschaft kündigen und sich weiter auf der Straße zum Mittelmaß durchhungern, oder einfach Frieden mit dem Fett schließen? Das ist weterhin die Frage. Der Club der dicken Damen ist voll mit großartigen, schönen Frauen. Das hatte ich bisher überhaupt nicht wirklich begriffen. Hier ist jedenfalls als Zwischengang eine sehenswerte Doku zum Thema von Margitte Kristjansson:

The Fat Body (In)visible from Margitte Kristjansson on Vimeo.


ANMERKUNG (hinzugefügt am 15.01.2012): Leider ist an dieser Stelle nur noch der Trailer für den Film zu sehen - und der Erwerb der DVD ist offenbar auch ausschließlich für öffentliche Institutionen (Universitäten, Bibliotheken, etc.) vorgesehen, zu einem unerschwinglich hohen Preis. Eigentlich unverständlich. Sicherlich gäbe es eine große Zahl privater Käuferinnen. So bringt man eine Botschaft jedenfalls nicht flächendeckend unter die Leute. Und verdient vermutlich auch weniger Geld mit diesem Projekt, als man eigentlich könnte (sollte es darum gehen).

Die Website zum Film ist hier: The Fat Body (In)visible Website

NH

Dienstag, 12. April 2011

Der Tanz der dicken Dame

Oh, hier ist etwas Sehenswertes! Den Tanz einer dicken Dame (bzw. des englischen Comedy-Stars Katy Brand):



Echten Hüftschwung gibt es eben da, wo Hüften sind! ; )

NH

Mittwoch, 30. März 2011

Bitter macht lustig


In einem Zeitungsartikel las ich von einer jungen Frau, die erzählte, wie sie mithilfe einer Therapie erfolgreich ihren Zwang „emotional zu essen“ überwunden hat. Und sie hat, ohne Diät, 17 kg abgenommen. U. a. hat sie hierbei auf ein altbekanntes Mittel zurückgegriffen und Zettel mit Affirmationen in ihrer Wohnung verteilt. Auf ihrem Kühlschrank steht beispielsweise:„Was du brauchst, wirst du hier drin nicht finden. Was brauchst du?“

Wir wünschen ihr natürlich viel Glück. Aber an der Stelle waren wir alten dicken Damen natürlich selbst schon eine Million Male. Mindestens. Auf ihrem Eisfach steht übrigens „Wächter“. Ohne zugegebenermaßen den Hintergrund hierzu zu kennen, weckt das Wort an diesem Ort (und nicht nur dort) bei mir Assoziationen, bei denen es mir wahrlich kalt den Rücken runter läuft. Der Kühlschrank als Grotte des Schreckens. Und des emotionalen Verirrens. Der Terror des Schokoladenpuddings. Rette sich wer kann. Und dabei wollte ich doch nur Fisch für Kasimir auftauen.

Was brauche ich? Statt Tiefkühlpizza?...Na, wie viel Zeit haben Sie denn mitgebracht?

ICH BRAUCHE mehr Anerkennung, mehr Lob, mehr Energie, mehr Mut, mehr Erfolg, mehr verkaufte Bilder, mehr Schlaf, weniger Dreck in der Wohnung, mehr Konzentration beim Schreiben, Gesangsunterricht, meine eigene Galerie, einen schwulen besten Freund - und als kleine Erste-Hilfe-Maßnahme einen Anruf von George Clooney.

Ohohoh…Da fangen selbstverständlich gleich alle Sirenen an zu schrillen! UNREALISTISCHE ZIELE!!! UNREALISTISCHE ZIELE!!! Das kann ja auch nichts werden! Nach all der Zeit und Aufklärung weigert sich die dicke Dame noch immer, sich nur Ziele zu setzen, die sie auch erreichen kann. So wie morgens aufzustehen. Oder nicht mit dem Koksen anzufangen. UND DA HABEN WIR ES DOCH SCHON WIEDER: Sie nimmt das alles ja auch nie ernst!!! Und sie isst ihr Abendbrot noch immer nicht vor 18 Uhr. Dann soll sie doch bitteschön fett bleiben!!!

Tja, Tschuldigung, aber so bin ich…Und was is‘ nun? Wo krieg‘ ich das alles jetzt her, was ich eigentlich brauche? Und wovon ich sogar glaube, dass es mir zusteht? (Siehe „Primaballerina-Moment“) Insbesondere mit reglementierter Zielsetzung?

Nun hatte die junge Frau da auch Zettel an ihren Wänden, die mir wirklich so gut gefallen haben, dass ich mir gleich auch mal wieder ein paar davon gemacht und aufgehängt habe – darauf steht schlicht und ergreifend „Ich“. Sich aus Fremdbestimmung und der Gutmütigkeitsfalle zu lösen, ist vermutlich nach wie vor das Wichtigste, was viele Dicke für sich erreichen sollten.

Ist natürlich aber auch eine Frage der Persönlichkeit, wie weit man hier wirklich gehen kann. Ich meine, was wenn es nicht nur darum geht, ob man es endlich mal schafft, sich erfolgreich dagegen zu wehren, die Girlanden fürs Kindergartenfest basteln zu müssen? Was, wenn ich stattdessen entscheiden muss, ob ich lieber essen oder Amok laufen soll? Und solche Tage sind gar nicht so selten, oder? Ach komm, erzähl‘ mir doch nichts. ; )

In letzter Zeit, gewöhnlich beim Autofahren, schießt mir immer öfter dieses Bild von einem drahtigen, sabbernden Weltraummonster (so eins wie das in „Alien“), das sich aus einem Fatsuit schält, in dem es sich bisher zusammengekauert versteckt hat, durch den Kopf. Und das Bild wird begleitet von einem Gefühlsmix aus tiefer Freude und erheblicher Nervosität. Wie „garstig“ müsste ich wirklich werden, um mich gegen das, was ich im Leben NICHT will, so wirksam zu verteidigen, dass ich als Konsequenz tatsächlich ganz von selbst dünner werde? Und was, wenn es klappt, und man im Verlauf dieser Entwicklung ungefähr den Beliebtheitsgrad einer Lady Death erreicht hat? Vielleicht sollte für das zu entwickelnde Traumkleid vorsorglich schon einmal ein Säbelgürtel mit eingeplant werden. Aber solche Sorgen mache ich mir natürlich nur, weil ich keine Lady Death bin (nicht einmal ansatzweise).

So einiges, was erleichtert, wird bei Dicken nicht gern gesehen. Egoistisch zu sein, oder gar ungehalten, ist das eine. Sind sie im Stande, ihrer dicken Existenz mit all ihren Tücken, Enttäuschungen und Widersprüchen zu viel Komisches abzugewinnen, werden ihnen Zynismus und Verbitterung unterstellt. Dazu habe ich mich selbst übrigens auch schon gelegentlich verstiegen. Dabei gibt es kaum etwas, das mehr befreit, als Humor und Ehrlichkeit. Doch während sie gefälligst nicht zu laut über ihr fettes Problem lachen sollen, dürfen Dicke auch nicht darüber jammern, denn sie sind ja schließlich selber Schuld an allem. Als netter, friedfertiger Moppel habe ich mir in meinem Leben so viel Gejammer von Menschen angehört, die sich selbst ihr Ohr eher abschneiden würden, als es mir zu leihen, dass ich vor ein paar Tagen fand, ich hätte jetzt endlich was gut. Im Zuge meiner Häutung habe ich beschlossen, dass fortan zurückgejammert wird. Stoff gab es ja genug. Was soll ich sagen…es war die helle Freude. Und letztendlich eine ziemlich kurze Unterhaltung. NH

Sonntag, 6. März 2011

Wartet Ihr etwa schon lange?

Es ist fast genau sechs Jahre her, dass ich begonnen habe, ein öffentliches Diät-Tagebuch zu führen. Dann kam eine Buchveröffentlichung. Und dann kam lange nichts. Bis auf die Pfunde – die kamen zurück.

Susanne Fröhlich hat in der Zwischenzeit ein Buch darüber geschrieben, warum sie sich nun doch mit ihrem Moppel-Ich abfinden will. Regierungen verschiedener europäischer Länder haben tatsächlich versucht, Modeschöpfern vorzuschreiben, dass sie ihre Kreationen nicht mehr an spargeldürren Mannequins präsentieren dürfen. Die Brigitte hat sich entschieden, ihre Modestrecken nicht mehr mit professionellen Models zu produzieren, sondern mit „echten Frauen“. Das heißt vermutlich, Olivia Jones muss sich hier nun wirklich keine Hoffnungen mehr machen. Fraglich bleibt, ob eine 19-jährige Studentin auf dem Cover der traditionellen Brigitte-Leserin tatsächlich näher ist, als ein – sagen wir mal 27-jähriges – Model. Der Tag, an dem ich glaube, dass es hier eine aufrichtige Bereitschaft gibt, wirklich etwas zu verändern, ist der Tag, an dem es offiziell keine weitere Auflage der Brigitte-Diät mehr geben wird.

Is‘ aber auch eh alles völlig egal, denn währenddessen werden die Models auf den Laufstegen der Welt nachweislich immer noch ein wenig dünner. Es mag zwar „ein Leben jenseits der Konfektionsgröße 40“ (Frau Fröhlich) geben – nur dummerweise gibt es noch immer nichts Anständiges zum Anziehen. Wie, das stimmt nicht? In letzter Zeit mal versucht, ein einfaches, schwarzes Business Kostüm in Größe 48 zu bekommen? Womöglich sogar eins, dass nicht komplett aus dehnbarem Plastik ist? Eins, bei dem nicht die Funken zu sprühen, nur weil man die Arme ein wenig zu hektisch bewegt? Also bitte – damit wären wir wieder beim alten Thema. Alle, die mal schlank waren, wissen, dass das Leben in der Regel einfacher und damit besser ist, wenn man weniger wiegt. Und für die, die irgendwann, irgendwie als Dicke Damen programmiert wurden, bleibt es verdammt schwer, dünner zu werden und zu bleiben.

Die Pfunde kommen zurück, wenn man nicht IMMER, IMMER, IMMER am Ball bleibt. Seien wir ehrlich: It ain’t over till the fat lady sings. Und das Lied der Dicken Dame, so scheint es, geht NIE vorbei. Es sei denn, sie fällt tot um. Was andererseits schneller passieren kann, als man denkt. Ich wäre vor ein paar Wochen fast in voller Fahrt in einen plötzlich vor mir bremsenden Lastwagen gekracht, bin dann jedoch durch eine wundersame Eingebung in letzter Sekunde stattdessen über den Bürgersteig gekesselt und hinter einem Bushaltestellenhäuschen zum Stehen gekommen. Vor Peinlichkeit fast gestorben wäre ich unlängst, als ich auf jemanden traf, den ich bewundere und wirklich gern beeindruckt hätte – und ein Foto gemacht wurde. Erst wollte ich die Mail mit dem Anhang gar nicht öffnen, aber ich war natürlich doch zu neugierig. Und dann sah ich sie – meine erstaunlichen Hamsterbacken...

Im Auto sitzend, einer wahrscheinlichen Katastrophe gerade um Haaresbreite entkommen, war die erste Überlegung: „Puh, das war eng.“ Und dann fuhr ich weiter. Beim Anblick des Fotos nahm ich meine letzte halbe Valium und legte mich für den Nachmittag ins Bett. Später schrieb ich dann auf ein großes Stück Pappe: DAS passiert mir nicht noch einmal. Man könnte an seinen grundsätzlichen Prioritäten und Einstellungen arbeiten. Oder wieder abnehmen…

Abnehmen ist leichter.

Bestimmt. Und klar will das was heißen.

Mir steht ein Primaballerina-Moment zu, VERDAMMT! So wie allen anderen, die ihn auch wollen. Davon bin ich weiterhin überzeugt, obwohl ich nicht einmal genau weiß, was genau dieser Moment ist. Ich vermute zwar, es hat etwas damit zu tun, sich einmal im Leben uneingeschränkt großartig in seiner Haut zu fühlen, wenn alle gucken und jemand obendrein ein Foto macht, aber sicher bin mir nur: Er war noch nicht da. Und ich weigere mich, diesen Wunsch aufzugeben.

Vor sechs Jahren dachte ich, dass ein öffentliches Diät-Tagebuch den nötigen Druck erzeugen könnte, um endlich abzunehmen (damals wog ich über 120 kg). Das tat es auch – allerdings schreckte ich auch regelmäßig nachts schweißgebadet aus dem Schlaf hoch. Diesmal machen wir es anders. Diesmal machen wir es uns nett. Es gibt kein Zielgewicht. Ich beginne, wie gesagt, mit einer Größe 48 und Körperkonturen, an denen das Auf-und Ab der Vergangenheit natürlich nicht spurlos vorbeigegangen ist. Die Größe soll kleiner werden. Das ist alles. Aber auf dem Weg gibt es erfahrungsgemäß immer wieder viel zu erzählen. Fett bleibt ein weites Feld. Besonders für die, die es loswerden wollen. (Vermutlich aber auch für die, die sich doch endlich so akzeptieren wollen, wie sie sind.)

Und bunt werden soll es dann auch. Website und Blog sind noch Baustellen – egal, man musste jetzt halt irgendwo mal anfangen. Aber wenn ich an all die Dinge denke, die vor sechs Jahren (zumindest bei mir) noch gar nicht auf dem Programm standen: Diashows, Vlogs, Liegestütze im live stream – oh, die Möglichkeiten! Mal sehen, was ich mich getraue. Und mal sehen, wer überhaupt zuschaut . NH