Mittwoch, 30. März 2016

Nachtrag: Blogsale

Wie angekündigt habe ich ein paar nagelneue Kleidungsstücke in den Größen 48 bis 54 aussortiert und bei Ebay eingestellt - zusätzlich zu einigen Schuhen, die auf jeden Fall sehenswert sind. ; ) Wie auch bereits gesagt: Ich bin alt und brauche das Geld - und vielleicht kann ja jemand von euch eins von den Schnäppchen brauchen. Darum platziere ich hier mal total schamlos den Link zu meiner Ebay-Seite.




NH

Montag, 28. März 2016

Follow me around 44: Schöner scheitern - Zwischenbericht 1

Ich hänge in der Kurve. Bei allem. Bei der geplanten Buchveröffentlichung im Eigenverlag, Beim "30 Tage Entrümplungsprojekt", bei den Walking-Vlogs und bei den guten Vorsätzen, mich über Ostern mal so richtig zu erholen, erst recht. Außerdem noch beim Karrieremachen und Heiraten, beim Putzen, der Gartenarbeit, beim Lernen für meine IHK-Prüfung, sowie beim Erstellen einer Kapsel-Garderobe.

Typisch, die Abteilung für Faden und Kleber geschlossen. Wie so oft. Wie soll frau da alles zusammenhalten?
(Kunsthalle Kiel)

Eigentlich sollten ja 500 Gegenstände den Haushalt in 30 Tagen verlassen. Jetzt ist nur noch Zeit bis zum 8. April und ich bin gerade eben erst bei Ding Nr. 199 angekommen. Das war eine hasenförmige Kerze, die nun heruntergebrannt ist. Zu meiner Ehrenrettung muss ich sagen, dass ich nicht jeden individuellen Gegenstand gezählt, sondern so Ansammlungen wie z.B. eine "Hand voll Make-up-Schwämmchen" als Einheit verbucht habe - sonst wäre ich vielleicht schon bei der Hälfte. Vermutlich werde ich doch den Keller in das Projekt einbeziehen müssen, und dann so richtig die Ärmel hochkrempeln. Wobei viele der aussortierten Dinge dann natürlich noch lange nicht ganz WEG sind und auf Weitervermittlung und Abtransport warten.

Diesmal plane ich nicht, alles zu Oxfam zu schaffen, denn da ich nun einmal pro Woche die Schulbank einer privaten Ausbildungsstätte drücke und dafür natürlich monatlich Schulgeld bezahlen muss, werde ich ganz im Geiste von "ich bin alt und brauche das Geld" einen Internetverkauf, insbesondere meiner zum Teil nagelneuen Kleidung ab Größe 50 aufwärts, organisieren. Hoffentlich in der kommenden Woche. Ungetragene Schuhe wird es auch geben. Mehrheitlich mit hohen Hacken. Bei diesen Souvenirs aus London ringe ich noch mit mir, ob ich sie auf den Markt werfe...


Ostern war doof. Aus vielen Gründen. Und am Ende wirklich mal wieder einsam und traurig. Erst fehlte der Antrieb. Dann die Zeit. Vom Nachbargrundstück gähnt uns weiterhin das riesige Monsterloch entgegen und trotz fester Vorsätze habe ich es nicht einmal bis ans Meer geschafft, oder irgendein Schloss besichtigt. Meine Therapeutin wird mit mir ganz und gar nicht zufrieden sein.

PS: Hat jemand von euch eine Meinung zu #gamergate, bzw. Frauenfiguren in Computerspielen? Ich würde mich über eine kurze Unterhaltung und erhellendes Input freuen.

PPS: Aber dann kam soeben das Glück, das mich wahrhaftig immer und überall findet: hungrige Katzen.



NH

Donnerstag, 10. März 2016

Follow me around 43: Leichter

Jemand sagte zu mir: "Oooh, hast du abgenommen?!" Und ich antwortete ohne zu zögern: "Danke!" Um mich sogleich dafür zu entschuldigen. Mehr bei mir selbst, als bei meinem Gegenüber. Das war verwirrt, bis ich es erklärt habe. Die Frage, ob man dünner geworden ist, sollte kein Kompliment sein. Man müsste sie mit "ja" oder "nein" beantworten können und beides müsste gleich gut sein. Aber so tief sitzt das alte Programm, dass dünner automatisch besser ist, dass ich das Kompliment natürlich als solches sofort erkannt habe, aber eben nicht nur das -  ich habe es auch wirklich als solches "gefühlt" und umgehend verarbeitet. In meiner Selbstwahrnehmung sind noch immer Rückstände, die mich reflexartig positiv darauf reagieren lassen, wenn mir die Außenwelt mitteilt, ich sähe dünner aus. Ein bisschen erschrocken war ich danach. Ich war nicht vorbereitet gewesen, denn es war mir schon sehr lange nicht mehr passiert, auf diese Weise auf meinen Körper angesprochen zu werden. Und meine eigene ungefilterte Reaktion war höchst aufschlussreich. Darum bin ich ganz froh über die Erfahrung. Wenn mir nun in Zukunft wieder so etwas begegnet, wird die Reaktion, zumindest innen, eine andere sein. Aber wie es scheint, war das der Auftakt zum "Thin Privilege Project".


Und sonst noch...

Wo wir gerade in der Erkenne-dich-selbst-Abteilung herumstehen, kann ich dann auch noch dieses berichten: Ich stehe im Zeitschriftengang bei Famila, scanne das Business Punk Magazin und stelle gerade fest, dass frau die Frauen darin ärgerlicherweise offenbar an einer Hand abzählen kann. Dann schaue ich hoch und sehe...noch einen Mann. Der ist riesig hoch, hat einen bunten Schal und ein wirklich angenehmes Gesicht. Er zieht, wie ich, so einen roten geräderten Einkaufskorb hinter sich her und stellt diesen, auch wie ich, am Ende des Ganges ab. Dann kommt er auf mich zu. Und er lächelt mich freundlich an.

Und ich? Ich wende ruckartig den Blick ab und senke in regelrechter Panik den Kopf. Gefühlt ziehe ich den Kopf sogar auch noch ein und die Schultern hoch. Ich raffe die Zeitschrift an mich und kann es im Rückblick nicht wirklich anders beschreiben - ich flüchte. Und schaue nicht zurück.

Hinterher und jetzt noch immer bin ich echt erschüttert. Mache ich das womöglich immer so? Oder so ähnlich? Und merke das selber gar nicht? Weil das alles einfach von selbst und quasi auf Knopfdruck abläuft? Weil auch das ein uraltes, noch immer herumlungerndes dickes Selbsthass-Programm ist? Ich will nicht, dass das Gegenüber womöglich einen Hauch Erwartung oder Hinwendung spürt und ich mich lächerlich mache. Denn in der Tiefe meiner Prägung glaube ich offenkundig noch immer und mit erschreckender Vehemenz, dass ich mich nicht zumuten kann. Und dass mich unmöglich ein Toller auch toll finden kann. Darum bin ich ja auch immer der Überzeugung, dass ich auf freier Wildbahn überhaupt niemanden kennenlernen kann. Aber Fraugöttin, so kann das natürlich ohnehin nichts werden...

The 30-Day Declutter Challenge*

Ich habe ja in den letzten Jahren sehr viel aussortiert, entrümpelt und organisiert. Aber ich habe noch immer zu viel Kram. Und tatsächlich wachse ich im Älterwerden aus dem noch vorhandenen Kram immer weiter heraus. Mir wird es im Status Quo immer wieder zu eng. Nun habe ich beschlossen, meinen Haushalt abermals zu verschlanken. Bei YouTube fand ich unzählige Filmchen zu verschiedenen Strategien, wie man einen eingeschlafenen oder nicht wirklich vorhandenen Entrümpelungsprozess zum Rollen bringt. Eine davon ist, sich innerhalb einer vorgeschriebenen Zeit von einer vorgeschriebenen Anzahl von Gegenständen zu trennen. Zum Beispiel 100 Dinge in 5 Tagen (also täglich 20). Das war mir aber zu wenig, und so mache ich ab heute die "30 Day Declutter Challenge"*. Bei der soll man am ersten Tag einen Gegenstand entsorgen, am zweiten zwei, usw. Am Ende wären das, wenn ich richtig gezählt habe, 465 Gegenstände, die die Wohnung verlassen müssten. Da ich aber etwas Übung auf dem Gebiet habe, und am Ende wirklich fühlbar mehr Freiraum haben will, runde ich auf 500 Dinge auf und sortiere aus, wann immer mir danach ist. Hin und wieder sicher auch im Vorbeigehen. Nur am Ende muss das Ergebnis stimmen, darum führe ich natürlich Buch über den Output.

Im Hinblick auf die Abgänge, die dann auch wirklich gültig sind, gelten die folgenden Regeln: 

1. 
Alltagsmüll wird natürlich nicht mitgezählt. Also z. B. Kartoffelschalen und Milchkartons, oder der Ulla Popken Katalog, der mich regelmäßig ereilt und ohnehin immer gleich im Altpapier landet. BTW, ich verstehe ja 7/8-Hosen nicht. Schon gar nicht, wenn sie "Mony" heißen. Sie waren und sind mir ein grausliches Rätsel. Sind sie die Bermuda-Shorts der dicken Frau? Wenn ja, warum um alles in der Welt? Warum trägt frau dann um Himmels Willen nicht genau solche! 

2.
Wo war ich?...Ach ja...Ebenso zählen keine aufgebrauchten Dinge des täglichen Bedarfs, die dann auch sofort wieder ersetzt werden müssen. Zum Beispiel Klopapier oder Katzenfutter. Man darf aber Produkte aufbrauchen, die schon lange unbenutzt herumstehen. Wenn man zum Beispiel ein halbes Dutzend Flaschen mit Duschgel in der Dusche hat, darf man gezielt einige davon leeren oder wegwerfen, und diese dann auch auf die Liste setzten. 

3. 
Es ist egal, was man mit den Gegenständen macht, so lange sie innerhalb von 30 Tagen den Wohnraum verlassen. Man darf sie wegwerfen, verschenken, spenden oder verkaufen. Ich werde wohl mal wieder durch den Kleiderschrank gehen, und diesmal Kleider in großen Größen auf den Markt werfen.

Genau genommen habe ich schon vor ein paar Tagen einigermaßen intensiv damit begonnen, mich von Sachen zu trennen. Heute, am offiziellen Beginn des Projektes, war es aber erst ein altes Geschirrhandtuch. Stichtag ist dann der 8.April.

*30-Tage-Entrümplungsprojekt

Leichter ums Herz

Auf der Baustelle nebenan tobt die Hölle. Der Kater geht jetzt nur noch am Wochenende spazieren, weil er Angst vor dem Kran und den Baufahrzeugen hat, und sich bis zum Nachmittag regelmäßig in der Abstellkammer verkriecht - wie zu Sylvester. Mir kommt das eigentlich entgegen, weil ich eine Heidenangst hätte, dass er überrollt oder zugeschüttet wird. Aber auch das verlassene Loch am Samstag hat mich enorme Nerven gekostet, weil ich nicht wusste, ob der Kater allein wieder raus käme, wenn er hineinklettern würde. Ich weiß, dass ich dort unten auf jeden Fall gefangen wäre, und besser nur mit Handy in der Tasche am Rand entlang balanciere. Als gute und total hysterische Cat Lady bin ich dem renitenten Kater, der sich zusätzlich gerade von einer Bauchspeicheldrüsenentzündung erholt hatte, bestimmt eine Stunde lang hinterher gelaufen, um sein Verhältnis zur Grube zu beobachten und, wenn nötig, die Feuerwehr anzurufen. Und dann passierte es. Der Kater war auf dem Weg in die Tiefe und nicht mehr aufzuhalten.

Darum weiß ich nun, dass er sich an annähernd senkrechten Sandwänden mit leichter Tatze und ohne Probleme wieder empor hangelt. Was für ein Supervieh. Und was für eine Erleichterung. Wenigstens das.







NH

Sonntag, 28. Februar 2016

Nie wieder Diät!

Na, was habt ihr gedacht, was jetzt kommt? Womöglich Diättipps? So abwegig wäre die Erwartung nicht. Denn meistens folgen einer solchen Schlagzeile heutzutage genau diese.

Diäten funktionieren sehr wohl, wenn es darum geht, Gewicht zu verlieren. Wer wenig isst, wird meistens dünner. Tatsache ist aber bekanntlich auch, dass kaum einer danach dünn bleibt. Weit über 90% aller durch Diäten bewerkstelligte Gewichtsreduktionen lassen sich nicht über fünf aufeinander folgende Jahre aufrecht erhalten, weil 90% aller Diätelnden irgendwann nicht mehr in der Lage sind, unter den erheblich verschärften Bedingungen einer Diät zu leben. Das kann nicht nur als wissenschaftlich gesichert betrachtet werden - es wird auch täglich von Millionen von Menschen weltweit bewiesen. Also - bitte nie vergessen: Erfolgreiche Diäten sind in der Regel FÜR IMMER. 

Dieser ebenso freudlose wie unumstößliche Umstand hat sich nun sogar bis in die undurchlässigsten Bastionen der Begriffsstutzigkeit durchgesprochen: bis in die Redaktionen von Frauenzeitschriften. Die wollen es zwar nicht glauben, aber müssen was tun, weil ihnen ihre Leserinnen irgendwann nicht mehr glauben. Und so kommt es zu einem breitangelegten Etikettenschwindel, der einem ob seiner Unverfrorenheit schier den Atem stocken lässt.

Oh, wie sich die Bilder gleichen...

Über die Nie-wieder-Diät-Diät in der Februarausgabe von myself hatte ich ja schon hinreichend gemotzt. Worauf ich wirklich mit Neugier gewartet hatte, war die Märzausgabe des von Barbara Schöneberger als "Editor at Large" herausgebrachten Magazins, das auch ihren Vornamen trägt. Die Barbara soll, so die erklärte Philosophie der ganzen Veranstaltung, grundsätzlich diätfrei sein. Man würde denken, dass das für eine Ausgabe, deren übergeordnetes Motto "Nie wieder Diät" lautet, ganz besonders gilt. Aber wie so oft, stellt man schnell fest, dass Denken offenbar komplett überbewertet ist.

Denn bloß weil man keine expliziten Diätpläne abdruckt, und sogar mal dicke Frauen abbildet und direkt zu Wort kommen lässt, ist man noch lange kein Hafen bedingungsloser Körperakzeptanz. Im Gegenteil: In der Anti-Diät-Edition der Barabara strömt der Leserin die altbekannte Ambivalenz was herkömmliche Körpernormen angeht, aus allen Poren nur so entgegen.

Gleich am Anfang steht die Behauptung das Leben sei ein "ewiges Hin und Her zwischen Verzicht und Maßlosigkeit." Eine denkbar ungünstige Gegenüberstellung zur Einleitung des Themas, denn nun ratet doch mal, was hiervon traditionell negativer belegt ist?

Christine Schaum ist Surferin und Schwimmerin, und hielt früher immer Diät, weil bei ihrer Statur (sie ist wohl 1,87 groß) "ein paar Kilo mehr tatsächlich schnell wuchtig wirken." Das findet sie offenbar noch immer. Aber heute lebt sie eben damit. (S. 24)

Dann kommt die auch hier bereits ausgiebig besprochene Nicole Jäger auf die Bühne. Auch ihre Karriere basiert bekanntlich darauf, das Märchen von der diätfreien Gewichtsreduktion zu verbreiten. Man fragt sich, was ein Abnehmcoach überhaupt in einem Magazin zu suchen hat, in dem es keine Diättipps geben soll...nun, sie ist natürlich da, um Diättips zu geben: "Ich habe aufgehört, Diäten zu halten und habe angefangen zu essen. Ohne Schuldgefühle, ohne Verzicht. Dann statt drei Schokoriegel eben nur zwei und einen Apfel." ("Schokoriegel-n" Anm. d. dicken Dame) (S. 25) Facepalm.

Und was lernen wir noch in Frau Schönebergers Land der Nicht-Diäten-Diäten? Ach ja,..."das perfekte Verhältnis von weiblicher Taille zur Hüfte entspricht dem Quotienten 0,7." Dieser Vermerk steht übrigens in der Beschreibung einer Blumenvase. Nicht einmal Haushaltsgegenstände sind offenbar vor Körpernormierung sicher. Oder wie jetzt? Oder ist da doch eher wieder die Taille der Leserin gemeint?  (S. 31) Der Verdacht liegt nahe, denn just blättert diese um und wird darüber informiert, dass Shapewear heutzutage auch mit Spitze besetzt zu haben ist.

Richtig dicke kommt es im Text der Autorin Nikola Helmreich. Bei der kommen sich nämlich ihr "dickes und dünnes Ich" immerzu "in die Quere". (ab S. 35) Wie sollte es auch anders sein? Wie sollte es denn bitte sehr auch möglich sein, eine Schreiberin zu finden, die tatsächlich dick ist und sich total ok findet? Die Frau Helmreich weiß zu berichten, dass sich "nun wirklich keine Frau" freut, wenn sie zu hören bekommt: "Gut siehst du aus, hast du zugenommen?" Dass das aber ohnehin nie jemand sagt (außer das Gegenüber ist anorektisch und gerade dem Tod von der Schippe gesprungen) und dass gerade diese Tatsache aber auch Teil des Problems ist, entzieht sich ihr natürlich komplett. Sie schwadroniert weiter über flache Bäuche, die "einfach nur grandios gut aussehen" und darüber, dass ihr dünnes Ich "die Hüftknochen spüren will", während dem dicken Ich womöglich soziale Kontakte und Essen wichtiger sind als Sport. Und die Redaktion lässt sie einfach so machen.Schließlich beweint sie noch aus dem Nichts heraus den Verlust "traditioneller Weiblichkeit" im Zuge der Emanzipation, und man kann als verblüffte Leserin wirklich nur raten, was sie wohl mit "traditioneller Weiblichkeit" meinen könnte. Womöglich hat sie dabei auch nur mal wieder an Sophia Lorensche Kurven gedacht - sowas kommt bei dem Thema ja immer gut.

Noch etwas dicker kommt es allerdings da, wo sich sie Herausgeberin at Large, also Barbara Schöneberger höchstselbst, zum Thema äußert. Denn die wäre ganz offensichtlich auch lieber dünn. Und beneidet im Gespräch mit Steffen Henssler diesen darum, dass der wohl noch nie eine Diät machen "musste" (ab S. 39). Da kennt sie den Steffen und seine Sorgen aber schlecht, denn der muss zumindest aufpassen, nicht zuzunehmen, denn "ab einem gewissen Alter setzt man schneller an." Darum achtet er darauf, was und wie viel er isst. Und er schläft genug, denn "wer schläft, isst nicht." Dass die Frau Schöneberger so "gut in Form ist", wie der Steffen findet, verdankt sie mithin einem Personal Trainer.

Die Frau Schöneberger erklärt an anderer Stelle, sie habe sich in ihrer Nische als "TV-Vorzeigedicke (...) gut eingerichtet" (S. 66). Das ist natürlich nichts weiter als ziemlich lahme Koketterie und wird von ihr selbst auch sogleich richtiggestellt: "Ich (...) wirke in Natur ganz normal, im Fernsehen aber wie eine Walküre." Was immer auch normal ist. Walküren sind es offenbar nicht. Gleichzeitig redet sie von "grauenvollen Fotos", auf denen sie vergessen hat, den Bauch einzuziehen. Aber zum Glück passt die Frau Schöneberger fortan in Kleider von Viktoria Beckham, weil die nun auch in 38/40 produziert werden. Jetzt wissen wir also, dass die Walküre tatsächlich nur eine Größe 38 trägt. Die Walküre ist nicht wirklich dick. Und es war ihr sehr wichtig, das bitte noch einmal zu sagen.

Es gibt noch so viel, was ich an dem Heft nicht begreife. So z.B. den "Snackcheck" (in jeder Ausgabe), der den "Hüftgoldfaktor" von Nahrungsmitteln überprüft. Oder einen vor echter Besorgtheit/Kritik triefenden Beitrag über ein Burgerrestaurant in Las Vegas. Der Name des Lokals ist ironisch gemeint und womöglich gar als Rebellion gegen all die Voruteile, mit denen Nahrungsmittel gern belegt werden, zu lesen - er lautet "Heart Attack Grill". Die Ironie freilich ist dem Texter Björn Krause schier entgangen. Auch die Tatsache, dass es sich um Erlebnisgastronomie handelt, und darum Patienten Untersuchungshemdchen tragen und die Kellnerinnen als Krankenschwestern verkleidet sind, hat er nicht so wirklich gerafft. Der Autor versteigt sich gar zu der Schlussfolgerung, ein Stammkunde des Restaurants, der irgendwann an einem Herzinfarkt gestorben ist, habe sich "buchstäblich totgefressen." Das Food-Bashing, das hier stattfindet, ist nicht nur Quatsch, sondern scheint im Kontext des Magazins erstaunlich deplatziert. Ebenso wie die Bewertung eines Frauenkörpers mit statistischen Normmaßen (1, 67, 67 kg, Größe 42)  durch einen Fitnesstrainer. Der würde naturgemäß gern alles an der Frau verändern und wegtrainieren. Was bitte soll das? Warum lässt man die, die doch ohnehin von morgens bis abends und überall andere Körper niedermachen, es auch noch hier tun?

Und noch eine Enttäuschung. Dieses Kleid hätte ich tatsächlich gern gehabt. War aber auf der Website des Herstellers weit und breit nicht zu finden.


Nichts als Diät

Der Schwindel geht natürlich erst recht weiter und immer weiter, wenn es darum geht, ohne Diät abzunehmen. Nichtsdestotrotz habe ich hier mal die schönsten Tipps  aus dem Büchlein, das der Joy im März beilag, zusammengetragen. Wohlgemerkt - alles ganz easy und komplett ohne Diätstress...

1. Reiswaffeln haben "haufenweise Kohlenhydrate". Besser sind Hüttenkäse oder Magerquark.
2. "Ein Glas Cranberrysaft gleich nach dem Aufstehen ist ein absoluter Fettkiller!"
3. "Wer die Kilos purzeln lassen will, sollte nie weniger als 20 Prozent der gewohnten Energiemenge zu sich nehmen. Bei 2000 Kalorien also mindestens 400 pro Tag." (Jahaa, ich musste auch erst zehnmal lesen und hab dann große Augen gemacht...)
4. "Gute Dinner-Alternative: fettarmer Fisch mit gedünstetem Gemüse."
5. "Geben Sie Peperonis (...) ins Essen: Ihre Körpertemperatur erhöht sich und der Körper verbrennt Kalorien, um wieder abzukühlen!" Ich dachte immer, die Mehrzahl von Peperoni sei Peperoni...
6. "Verkneifen Sie sich lieber den Snack vorm Schlafengehen."
7. "Smoothies - Ein Mix aus Gurke, Minze und Limettensaft belebt und sättigt!"
8. "Algenbauchwickel reduzieren Wasserablagerungen über Nacht."
9. "Wie wär's statt mit einem Glas Wein mit einer Tasse Entschlackungstee zum Einschlafen?"
10. "Rechtshänder sollten mit der linken Hand snacken, Linkshänder mit der rechten - so isst man viel weniger!"
11. Blaue oder grüne Wände "zügeln den Appetit".
12. "Eine Viertel Stunde bügeln, verbrennt 37 Kalorien." Abgesehen davon, dass das nun wirklich nicht ermutigend ist, müsste es natürlich eine "Viertelstunde" sein. Bin ich übrigens die Einzige, die findet, dass es mit der Rechtschreibung im öffentlichen Raum (Schilder, Bücher, Zeitschriften, TV) in den letzten Jahren erschreckend den Bach runter geht? Und diese groteske Flut von Ausrufezeichen in Publikationen für junge Frauen geht mir sowas von auf die Eierstöcke. Vermutlich war ich noch nie jung genug dafür.
13. Und zum großen Finale: Dicke Frauen sollten einen Mittelscheitel tragen, denn der "schummelt Pfunde weg". WARNUNG: "Haare nie hinter die Ohren klemmen!"

Btw...wenn ich ein Magazin mit meinem Namen herausgeben würde, sähe jede Ausgabe natürlich so aus:

Nicola Magazine Mai 2012, Japan 

NH