Posts mit dem Label Modeblog werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Modeblog werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 7. August 2015

OOTD: Die perfekte Unterhose

Mit den Temperaturen und der Luftfeuchtigkeit, wie sie momentan hier sind, ist SIE das Unter-kleidungsstück der Wahl für alle schweißtreibenden Ausflüge in die Wildnis. Sie ist so eine Art Wohlfühlrüstung.

Und bei heruntergelassenen Jalousien ist sie derzeit auch und vor allem für alle meine einsamen und inhäusigen Wochenendtätigkeiten, schreiben, lesen, staubsaugen, das genau richtige Outfit.


Geräumig, gemütlich, nachgiebig, mit weichen aber zuverlässigen Gummis und Nähten, schon eingetragen, aus blasser, bereits oft gewaschener Baumwolle (keine Chemie mehr drin), saugfähig, mit hohem Bündchen und niedrigem Beinabschluss. Die Superstars in meinem Kleiderschrank und immer nur sehr aufwendig und schwer zu ersetzen.

Und nein - das ist kein Scherz. Sondern eine Lektion in (dicker) Selbstakzeptanz und Selbstfürsorge. Fühl' dich wohl in deiner Kleidung. Scheiß' drauf, ob's anderen gefällt!

NH




Sonntag, 26. April 2015

Das gelbe Kleid - revisited

Das gelbe Kleid hatte ja in den letzten Jahren immer wieder mal seinen Auftritt. Es begann mit meiner Suche nach meinem Wunschkleid, dann folgte der Wunsch, ich könnte es in meiner tatsächlichen Größe bekommen und schließlich mit dem Kauf dieses Kleides, das meinem Wunschmodell zumindest ziemlich nahe kam und damals tatsächlich in einer Größe 50/52 zu haben war.

Das Kleid ist ein Symbol und Begleiterin auf der jahrelangen, oft mühsamen Reise zu dicker Selbstakzeptanz. Die Aufgabe war immer, das Kleid, wo es nun sogar schon in meiner Größe existiert, auszuführen und so richtig SICHTBAR zu werden. In langen zeitlichen Abständen habe ich es aus dem Schrank geholt und immer mal wieder anprobiert. Warten musste das Kleid auf seinen großen, öffentlichen Auftritt allerdings bis heute. Anlässlich dieses Ereignisses habe ich mich bemüht, eine meiner sehr seltenen und eher holprigen OOTD-Produktionen auf die Beine zu stellen.

Mittlerweile habe ich allerdings auch begriffen, dass das Kleid eben nicht nur für ein dickes Ich eine Herausforderung ist, sondern dieses auf für eine dünne Nicola wäre. Es verschiebt sich bei jeder Bewegung. Es ist durchsichtig. Es wird nur durch zwei klitzekleine Knöpfe und zwei Schläufchen aus Fädchen zugehalten. Der Ausschnitt ist sehr tief, klappt leicht auf und ist im Prinzip unberechenbar, wenn man nicht alles extra-gründlich zubindet. Obwohl ich mit Nacktheit heutzutage kaum mehr Probleme habe - die sehr reale Gefahr, mitten auf der Straße oder bei einem Kunden im Büro plötzlich im Schlüpper dazustehen, ist keine angenehme Vorstellung, egal ob dick oder dünn. Man muss es halt dann auch endlich begreifen: Dieses perfekte Kleid ist nun einmal gar nicht perfekt für ein echtes Leben. Und obwohl ich das Kleid (besonders die Farbe) noch immer sehr mag, hat sich mein Geschmack wohl auch etwas verändert. Mein perfektes Kleid sähe heute womöglich doch ein wenig anders aus. Auf jeden Fall hätte es weniger Eigenleben. Mal sehen, vielleicht mache ich mich noch einmal auf die Suche.

Heute habe ich nun den Rat befolgt, den mir  eine Leserin bereits vor Jahren gab: Ich habe unter dem Kleid Vorrichtungen installiert, die unerwünschtes Nackigmachen verhindern. Leggings und ein langes T-shirt. Was ich dabei außerdem festgestellt habe, ist, dass ich mich durchaus an den Anblick meiner Beine, (insbesondere auch der Knie und Oberschenkel) in farbigen Strümpfen gewöhnen könnte. Das ist u. U. mal etwas, was ich zukünftig öfter in die/der Welt tragen werde.

Ansonsten ist zwischen dem gelben Kleid und mir alles wie sonst auch - wir sind beide ungebügelt.



Kleid: alt, von Manon Baptiste
Schuhe: alt, Primark UK
Leggings: weiß nicht mehr
T-shirt: sehr alt, H&M
Kette, alt, ZARA
Armreif: alt, Topshop London






Links: Badezimmerspiegel-Selfie mit Dreckwäsche und Gerümpel. Rechts: Die Entdeckung der eigenen Oberschenkel.















© Nicola Hinz 2015

Montag, 4. August 2014

Selbstbespiegelung (die eigene und die anderer)



Verdünnt 

Ich gehe ja nicht oft aus. Also "aus"-aus. Also so, dass man sich vorher länger überlegt, was man anzieht. Und dabei habe ich viele, viele Kleider. Also, "Kleider"-Kleider. Zum ersten mal habe ich einen Schrank voller partytauglicher Kleider, die ich aktuell auch (noch) alle anziehen könnte. Schließlich war das ein entscheidender Teil meiner dicken Selbstakzeptanzreise. Die meiste Zeit meines Lebens habe ich ja keine Kleider getragen. Denn da guckte halt immer was raus. Und Arme und Beine zu verhüllen, war ein festgeschriebener Teil meiner Garderobenreligion. Die Idee, gar Busen oder Taille zu zeigen, war weiter von mir entfernt als Jupiter. Und ich tue mich noch immer schwer. Ich bin nach wie vor nicht wirklich mutig genug für das gelbe Kleid. Das Lieblingskleid von Manon Baptiste besitze ich übrigens inzwischen auch in Rot und Schwarz. Es ließe sich zum Glück mit dem einfachen Versetzen von zwei Knöpfen etwas verkleinern. Das war ja allerdings auch immer einer der Gründe, es nicht anzuziehen. Man war stets auf zwei dünne Lochschlaufen angewiesen und realistischerweise nie weit davon entfernt, der Welt den Bauch und den Schlüpper gleich mit entgegenzustrecken.

Aber jetzt müsste ich  die Kleider in diesen Größen endlich anziehen, bevor sie mir nicht mehr passen. Denn ich werde weiter abnehmen müssen, um meinen Zuckerwert ohne Medikamente in den Griff zu kriegen. Und am Ende könnte ich mich in der Situation befinden, wieder mal einen Schrank voller ungetragener Kleider zu haben, die mir nicht passen. Nur diesmal in umgekehrter Konstellation. Was aber genauso bescheuert wäre. Denn wenn ich mich nicht jetzt im Hinblick auf Fatshion endlich mal auch im Alltag angemessen ausrüste, bringe ich mich mit einem Körper, der irgendwann weniger (auffällig) sein wird, vielleicht gar um die volle Selbstakzeptanzerfahrung.

Andererseits: Wenn ich nun wirklich den nötigen Schwung zur kühneren Selbstdarstellung entwickle, muss ich mich gleichzeitig  aber womöglich auch fragen, ob das mit dem bereits verringerten Körperumfang zu tun hat. Das wäre aus Sicht eines Selbsterfahrungs- und Selbstakzeptanzprojektes jetzt ehrlich nicht besonders gut, wenn der plötzliche Mut zum gelben Kleid sich tatsächlich aus ausgerechnet dem speist, aus dem heraus das sich das Selbstbewusstsein vorher auch schon immer und fast ausschließlich definiert hat - aus dem Verlust von Körpermasse. Und nicht so sehr aus vermehrter Freundlichkeit dem eigenen, runden Spiegelbild gegenüber.Vielleicht sieht das eine oder andere Kleid jetzt schon anders an mir aus, als beim Kauf (auf jeden Fall sitzen sie lockerer), und da schleicht sich möglicherweise unterbewusst der alte, fiese Wertungskatalog hinter die Kulissen und man sagt sich: Och, das geht ja jetzt schon besser.







Zur Auswahl des Ausgehkleides habe ich den Spiegel aus dem Bad ins Wohnzimmer gestellt. Ja, ich bin eine fürchterlich schlechte Modebloggerin. Da kommt der fehlende Kleidermut auch ganz deutlich ins Spiel. Und ja, der Spiegel war ungeputzt - das hat mich bisher nicht gestört. Ich benutze ihn halt noch immer nicht besonders oft. Was ich mir bei dem tantigen weiß-gelben Teilchen gedacht habe, weiß ich wirklich nicht mehr. Das schwarze, kurze Kleid ist aus London von M&S und bislang ungetragen, obwohl es eigentlich das Zeug zum Lieblingsstück hätte. Mit Schuhen sieht natürlich ohnehin immer alles anders aus. Geworden ist es dann letztendlich wenig überraschend das schwarze, lange Jerseykleid mit seitlicher Raffung. Wenigstens zeigte es ordentlich Dekolleté. In das mir dann auch gleich fast einer hineingefallen wäre, den ich da ganz bestimmt nicht hätte haben wollen...

Fußnote: Aufgeregte Männer

Ich weiß auch nicht, was es genau ist, aber offenbar hängt schon beim Betreten einer Party regelmäßig über meinem Kopf der Hinweis: Natural Born Bitch. Das hält frau viele vom Leib. Eine ganz bestimmte Sorte Mann nicht - die, die sich beim Busengucken gern ein wenig auf ZEIT-Leser-Niveau streiten will, weil sie eigentlich Angst vor Busen und insbesondere vor den daran befestigten Frauen hat. Wenn sie dann jedoch bei einem verbalen Gerangel mit der Bitch die Oberhand behalten, verringert das kurzfristig ihre allgemeine Verunsicherung. Was ihnen in ihren 50 Jahren auf diesem Erdball jedoch noch immer nicht klar geworden ist, ist die Tatsache, dass Mann Leuten, denen man eigentlich gern an die Wäsche will, vorher keine sinnlosen, ausgeleierten Debatten aufdrängen sollte. Die zwei Themen, an denen sich solche Hobby-Maskulinisten am liebsten und zumeist ohne Veranlassung und Einleitung (denn ICH habe das Thema ganz bestimmt nicht angeschnitten) abarbeiten, sind, frau höre und staune, die Frauenquote (warum sie NATÜRLICH Quatsch ist) und feministische Linguistik (warum sprachliche Varianten wie "LeserInnen" NATÜRLICH Quatsch sind). Dabei gibt es bemerkenswerte Stürme in den Weingläsern, wenn sie von den ungefragten Rednern mit wilden Gesten durch die Luft gerissen werden, die, genauso wie die Stimme des sich in Rage palavernden Mannes, an diesem Punkt leicht ein wenig dünn zu werden droht. Was müssen diese Typen sich angefasst, ja geradezu betatscht fühlen, von eben jener Welt, in der sie als weiße, privilegierte Männer leben müssen...

PS: Tote Frauen 

NATÜRLICH bin ich für eine Frauenquote in den Führungsetagen. NATÜRLICH war und ist die Arbeit der Sprachwissenschaftlerin Louise F. Pusch (z.B. Das Deutsche als Männersprache, 1984) prägend für meine Selbstpositionierung in der Welt. Denn ich weiß sehr wohl, dass die Sprache, die ich einerseits so sehr liebe, mich andererseits eben KEINESWEGS automatisch mitmeint, wenn sie weibliche Formen aus "Gründen der Vereinfachung" weglässt. Ich lebe halt damit und mit dem Bewusstsein, dass es vermutlich total anders für das Selbstverständnis ist, in einer Umgebung aufzuwachsen und zu existieren, in der Mann von der eigenen Muttersprache ganz offensichtlich immer und zuallererst gemeint ist. In meinem eigenen Umgang mit Sprache habe ich mich entschieden, sie nicht durchgängig konsequent umzuformen. Ich mache das einfach so, wie ich lustig bin. Das heißt nicht, dass ich da nicht trotzdem für wirklich gerechte Ansätze und eine entsprechende Erneuerung der Sprache wäre.

Aber das alles sage ich dem doch nicht. 

Ich trage in meinem Erbe als Frau die Bilder von anderen Frauen wie Emily Davison und Olympe de Gouges bei mir. Und übrigens auch das Bild der zwei Mädchen, die im vergangenen Mai im indischen Bundesstaat Uttar Pradesh von einer Gruppe von Tätern vergewaltigt und dann an einem Baum erhängt wurden...

Ich diskutiere mit so einem nicht über Frauenrechte. Wie käme ich dazu? Ich vertue meine Zeit ungern mit Blödmännern. Das Einzige, was wohl zu sagen bliebe: "Wow, bei so viel Frusttoben hat es dir aber auch schon lange KEINER mehr so richtig besorgt, oder?"

...

Ich sagte ja, ich bin eine echt schlechte Modebloggerin.

NH