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Sonntag, 31. Mai 2015

I know what you ate last week*


Genau genommen, weiß ich, was ich letzte Woche gegessen habe - das aber auch nur, weil ich davon Fotos gemacht habe. Normalerweise weiß ich nicht mehr, was ich gestern getan habe - geschweige denn, was vor sieben Tagen auf den Tisch gekommen ist. Ich befinde mich ja, zumindest theoretisch, im Transit - von möglichst-nicht-viel-kochen-aber-low-carb-wäre-besser zu Küchenchaos-in-Schach-halten-aber-trotzdem-möglichst-clean-vegan-low-carb. 

Das Fotoprojekt dazu wirft sogleich auf ein paar Hürden klares Licht: 1. Ich habe noch Reste, im Schrank, die weder vegan noch low-carb sind. Diese brauche ich aber noch auf. 2. Bei der Vorstellung, bald ziemlich viele Lebensmittel nicht mehr essen zu "dürfen", passiert automatisch das, was bei jeder dieser "Ernährungsumstellungen" passiert - man will möglichst viel von dem, was es eigentlich nicht mehr geben soll. In meinem Falle führte dieses zu einer plötzlichen, schier verzweifelten Vorliebe für fettige und überbackene Kohlenhydrate. Das hat mich nicht überrascht, nur bestätigt, was ich weiß und immer wieder jedem erzähle, der es hören oder nicht hören will. 3. Vorkochen hilft bei der Kontrolle der Küchenchaosproblematik, aber sorgt nicht unbedingt für Vielfalt auf dem Speiseplan.

Es war nicht ganz leicht, immer daran zu denken, ein Foto zu machen - aber ich habe nichts wirklich vergessen, nur habe ich hin und wieder erst abgedrückt, als ich fast alles aufgegessen hatte. Es sind auch Getränke dabei - so sie Kalorien, also irgendeinen Nährwert hatten. Die Liste enthält alle Nahrungsmittel von Donnerstag bis Donnersttag.

Inzwischen habe ich nun meinen Kühlschrank in 5 Abteilungen aufgeteilt (auch räumlich durch Körbe, die man hervorziehen kann), und versuche mich, beim Einkaufen daran zu halten: 1. Milch- Eier- und Käse-Ersatz, 2. Saucen und Dips (z.B. Senf, Hummus), 3. Tofu, 4. Gemüse und Obst, 5. Sonstiges (z.B. Reste, Vorgekochtes, Dessert).

Noch sind Milch und Eier da. Und eine Backmischung für Zitronenkuchen...

*Ich weiß, was du letzte Woche gegessen hast


1. Pommes
 2. Laugenbrötchen mit Käse
3. Caramel Latte, Blaubeeren, Keksriegel
 4. Aprikosen
 5. Panierte Garnelen, Reise, Gurken süß-saure Sauce
 6. Laugenstange mit Käse
 7. Tee
 8. Sushi
 9. Caramel Latte
 10. Blaubeeren
11. Keksriegel
 12. Gemüse, Bratkartoffeln, Quark
 13. Dosenobst in Joghurt
 14. Gemüse und Bratkartoffeln
 15. Sushi, Thunfischsalat, Erdbeeren, Himbeeren
 16. Schokolade, Kekse
 17. Caramel Latte
18.  Paprika und Pilze gefüllt mit Gemüse, veganem Chili und Reis, mit Käse überbacken
 19. Erdbeeren
20. Rührei mit Gemüse, Blaubeeren, Vollkorntoastbrötchen mit Butter
 21. Weißbrot mit Dip beim Italiener
 22. Pasta Aglio e Olio
 23. Zwei Kugeln Eis
 24. Paprika und Pilze gefüllt mit Gemüse, veganem Chili und Reis, mit Käse überbacken
 25. Erdbeeren
 26. Zimtrollen
 27. Caramel Latte
 28. Paprika und Pilze gefüllt mit Gemüse, veganem Chili und Reis, mit Käse überbacken
 29. Melone
 30. Joghurt mit Apfel und Grape Nuts
 31. After Eight
 32. Rührei und Bratkartoffeln
 33. Himbeeren, Grünkohlchips
 34. Zerbrochene Frühstückskekse
 35. Paprika und Pilze gefüllt mit Gemüse, veganem Chili und Reis, mit Käse überbacken
 36. Bratkartoffeln
 37. Barbie-Schokolade
 38. After Eight
 39. Pasta
 40. Gurke mit Salz
 41. Tintenfisch, Gemüse, Reis
 42. Joghurt mit Apfel und Grape Nuts
 43. Keks mit Karamellfüllung
44. Pommes
 45. Salat mit Huhn
 46. Orangensaft
 47. Blaubeeren
 48. Quality Street
49. Käsenudeln, Gurke







NH

Montag, 21. April 2014

Strandkörper!

Man denkt nicht viel und trödelt so am Computer herum - und dann plötzlich: Post vom Detlef (D!)*. Pünktlich am Ostermontag. Mit erstaunlichem Inhalt. Denn der Detlef (D!) kennt seine willensschwachen, schwabbeligen Pappenheimer schon sehr genau - schließlich sind sie ja auch seine Brötchengeber: "Fühlst du dich (...) träge nach der Osterschlemmerei?"

...Gut, das tue ich persönlich jetzt tatsächlich nicht. Ich fühle mich ganz normal. Mein Körper hatte über die Feiertage schlicht nicht das Bedürfnis, sich sozusagen vorsorglich mit vermeintlich "Verbotenem" vollzustopfen, weil die nächste Hungerkur (bzw. der Detlef (D!)) schon hinter der nächsten Ecke lauert. Das kommt daher, dass ich nun doch versuche, trotz weniger Kohlenhydraten noch immer halbwegs intuitiv zu essen und möglichst wenig zu "verbieten".

Denn wenn irgendwer hingegen noch immer glaubt, man könne gefahrlos und ohne Jojo-Effekt eine Diät machen, und diese dann eines Tages problemlos auch wieder beenden, sollte er sich wirklich mal mit dem Detlef (D!) unterhalten. Der weiß es besser. Muss er ja auch, denn er vertreibt schließlich ein Diät-Programm, und lebt, wie alle anderen Anbieter, davon, dass das mit dem Aufhören eben nicht klappt. Was ihn jedoch hervorzuheben scheint, ist die Art, auf die er das eingebaute Versagen seines Verkaufsschlagers zur expliziten Werbebotschaft gemacht hat. Nach "BodyChange" folgt konsequenterweise "BodyChange NEXT". Damit kann man "nach einer Pause wieder durchstarten". Oder sein "Gewicht dauerhaft halten".

Zwar schiebt er die Schuld für das Versagen seines Produktes ganz klar dem Kunden in die Schuhe, denn was soll er sonst auch tun, aber versichert uns sogleich, dass man "kein schlechtes Gewissen" zu haben braucht. Schließlich nützt es ja auch niemandem, und am allerwenigsten dem Detlef (D!), wenn man im Ärger zurückblickt - auf ein Programm, das so komplex und gleichzeitig beliebig ist, dass es ohnehin kaum einer durchziehen wird (bis auf den Josef aus dem Werbevideo natürlich), und auf das Geld, das man mal wieder für Diätquatsch zum Fenster hinausgeschmissen hat.

Nein, nein, nein - immer munter voran: Die "Mission Beachbody" beginnt heute, und für 12,90 Euro im Monat hilft einem der Detlef (D!) dabei, endlich sexy!, sexy!, sexy! zu werden - mit so revolutionären Mitteln wie Kochrezepten, Turnanleitungen und aufmunternden Kalendersprüchen, sowie einer Internet-Selbsthilfegruppe (Forum). Bei wem das die ersten einhundert Male nichts gebracht hat - diesmal wird alles anders sein (!). Man muss sich nur "jetzt für einen neuen Lifestyle" entscheiden. Huch, das hätte ja von meinem Hausarzt kommen können... Dauerhafter Erfolg entsteht schließlich nur, wenn man sich "langfristige Ziele setzt!". Übersetzt heißt das: Einmal Diät, immer Diät, bzw. für immer prekär oder gestört-kontrolliert essen. Und wo er recht hat, hat er recht, der Detlef (D!)...

Was nun den Beach Body angeht, so habe ich im Internet ein nur zu einleuchtendes Rezept gefunden, das viel billiger, fröhlicher und gesünder ist:  

1. Hab' einen Körper.

2. Geh' an den Strand.

Die Partnerin vom Josef (dem aus dem BodyChange-Werbevideo) versteigt sich am Ende des Filmchens übrigens noch dazu, zu implizieren, dass sie gar nicht mehr so recht weiß, wie sie ihren Freund eigentlich attraktiv finden konnte, als er noch kein Sixpack hatte. Hm. Mir scheint, mein lieber Josef, da hat jemand womöglich an der komplett falschen Stelle Ballast verloren...

In diesem Sinne - macht euch lieber mal auf und hinterlasst Spuren im Sand.


*Detlef D. Soost

NH

 

Donnerstag, 6. März 2014

Einfach essen


Mein Hausarzt sagte am Telefon: "Hatten Sie denn doch schon gefrühstückt, bevor Sie zur Blutabnahme gekommen sind?" Und ich sagte: "Nein." Denn ich frühstücke nie. Dann gab er mir einen Termin, um eine eventuelle Medikation zu besprechen, weil mein Blutzucker erhöht war. Zwar besteht die Möglichkeit, dass ich erst drei oder vier Stunden vor der Blutabnahme um 7:30 Uhr ins Bett gegangen bin - und kurz davor tatsächlich noch etwas gegessen habe. Aber ich kann mich nicht erinnern, ob es so war. Darum mache ich mir nun Sorgen.

Die Situation macht mich in der Tat sehr wütend. Weil ich halt nicht gern zuckerkrank sein will. Aber auch, weil ich ja nie, nie, nie mehr nach einem übergestülpten Programm essen wollte. Und weil ich obendrein natürlich schon hören kann, wie einige Idioten sich regelrecht freuen werden: "Aha, Fett macht also doch krank, und jetzt hat es sie auch erwischt! Geschieht ihr recht, wo sie immer über Diäten  herzieht und behauptet, die ach so böse Welt sei fettphobisch. Fett zu bekämpfen hat eben doch im Grunde nichts mit Oberflächlichkeit zu tun, sondern ist notwendig, wie man sieht, blablabla."

Ich habe es schon einmal gesagt: Intuitives Essen funktioniert. Ich war in den letzten Monaten satt, frei von Nahrungsmittelzwanghaftigkeiten, Schuldgefühlen, nahm weder zu noch ab, und ein einwöchiges Nahrungstagebuch hat ergeben, dass auch die Kalorienzufuhr ganz von selbst fast jeden Tag gleich war, nämlich so um die 2500. Ich hatte Quarkbrötchen-, Bananen- und Spiegelei-Phasen, aber am Ende blieb alles bunt und vielfältig. Ich habe öfter mal was weggeworfen, weil ich einfach keinen Appetit mehr darauf hatte. Und manchmal bin ich ziemlich weit gefahren, um genau das Essen zu bekommen, das ich wirklich wollte. Aber für nichts würde ich etwas ändern, was mein Leben qualitativ so verbessert hat...

Es sei denn - Diabetes.

Ich werde gegebenenfalls den Zuckerwert mit passender Ernährung in den Griff bekommen. Ich will keine Medikamente. Ich weiß ja, wie es geht. Meine Mutter bekam Diabetes mit 50plus. Sie war eine schlanke, ziemlich fitte Frau, die allerdings, solange ich sie kannte, NIE regelmäßig Sport betrieben hatte (außer Garten- und Hausarbeit). In meiner Familie gibt es eine genetische Disposition für Diabetes: Meine kleine, dünne Großmutter und meine Tante hatten/haben die Krankheit auch. Meine Mutter und ich hatten eine sehr enge Beziehung, und ich fühlte mich immer für sie verantwortlich, so dass ihr Diabetes nach der frischen Diagnose irgendwie automatisch in meinen Zuständigkeitsbereich fiel - und ich sie in der Konsequenz zu einer Ernährung aus fettarmem Eiweiß, Vollkornbrot und Grünzeug verdonnerte. Außerdem fingen WIR an, gemeinsam zu joggen, denn allein hätte sie das nie getan, obwohl sie mir dann regelmäßig davongelaufen ist. Ich ging mit ihr einkaufen und kochte mit ihr - und nach ungefähr einem Monat schrien wir uns im Supermarkt an, weil ich wollte, dass sie ewig lebt. Und weil sie SO nicht leben wollte. Unter meiner Überwachung brauchte meine Mutter keine Medikamente, denn sie hatte Superwerte. Vermutlich besser, als jemals zuvor. Der Plan ist, dass das bei mir genauso sein wird. Aber sie entschied sich dennoch, Medikamente zu nehmen (und irgendwann Insulin zu spritzen), weil sie auf eine für sie so freudlose Ernährung langfristig keine Lust hatte. Und das war, nur so nebenbei bemerkt, die selbe Frau, die ihr Kind mit vier Jahren auf Diät gesetzt hatte. Als schlanke Diabetikerin hatte meine Mutter übrigens statistisch schlechtere Langzeitaussichten, was die Entwicklung der Krankheit anging, als ich. Auch so eine Variante des Adipositas-Paradoxons: Das Fett, das vermeintlich die Entstehung der Krankheit begünstigt, sorgt im Endeffekt dann aber für einen leichteren Verlauf eben dieser bzw. statistisch für ein längeres Leben.


Natürlich werde ich dabei auch abnehmen. Bereits am ersten Tag nach dem Telefongespräch war eine Abnahme von 2 kg zu verzeichnen. Das alte Spiel - zuerst verliert man schnell viel Wasser. Zunächst war mir der Appetit total vergangen und dann gab es am Abend vor Schreck nur noch Putenfleisch und Rosenkohl. Man kann sich mit Rosenkohl halt nicht rundessen. Das wahre Problem ist natürlich, dass ich mich damit auch nicht sattessen kann. Weder körperlich noch gefühlsmäßig. Wenigstens muss ich mir um Jojo-Effekte keine Gedanken machen, denn wenn ich wirklich ein Zuckerproblem habe, dann ist diese "Ernährungsumstellung" ohnedies eine lebenslange Angelegenheit.

Ach, und wenn ich dann an all die Kleider in kleineren Größen denke, die ich erst aussortiert und weggegeben habe...Ein Bekannte hat zu mir gesagt: "Na, dann gibt es eben etwas Neues. Das ist doch auch schön, sich neue Kleider zu kaufen, wenn man abgenommen hat." Sie meinte natürlich, dass man sich schließlich eine Belohnung verdient hat, wenn man Gewicht abwirft. Und ich hätte mich fast vergessen und geschrien: JA, VERSTEHT EIGENTLICH IRGENDWER VON EUCH, WORUM ES MIR HIER DIE GANZE ZEIT WIRKLICH GEHT!?!?!

Lasst es mich noch einmal wiederholen: Es ist meine absolute Überzeugung, dass es die richtige Entscheidung ist, Diäten aufzugeben, sich so zu akzeptieren, wie man jetzt ist - und JETZT sein Leben zu leben. Mir mag etwas dazwischen gekommen sein, aber das ändert nichts daran, dass ich das für den richtigen Weg halte. 

Hm,... was für ein Glück, dass ich noch ein paar anständige Fotos von meinem Bauch gemacht habe, bevor ich mich jetzt womöglich doch wieder verkleinere. ; )

NH