Sonntag, 25. Mai 2014

Thank you for nothing!

Erst habe ich gedacht, ich sag' jetzt mal nix. Aber das gelingt mir einfach nicht. Beim Durchblättern des Dossiers "Wir sind schön genug!" im Jubiläumsheft zum sechzigjährigen Bestehen der Brigitte, kam mir dann doch die giftgrüne Galle sooo hoch, dass ich sie nun ausspucken muss.

Offenbar hat irgendwer bei der Brigitte festgestellt, dass sich "im Internet der Widerstand (gegen Schönheits- und Schlankheitsterror) formiert". Und das sogar "stolz und selbstbewusst". Und dann geriet man in der Redaktion in Panik, den Zug zu verpassen und startete sein eigenes Internetprojekt, bei dem Frauen darüber berichten sollen, was sie an sich mögen, obwohl es nicht "perfekt" ist. Wie originell. Wie hilflos.

Und wie unsagbar verlogen.

 
Auf der selben Doppelseite (S. 109) fragt eine Zwischenüberschrift: "Warum haben wir uns selbst so entwürdigt?" Gemeint ist tatsächlich, wieso wir uns von gesellschaftlichen, unmenschlich rigiden und unerreichbaren Schönheitsidealen und -standards das Leben und die Gesundheit so versauen lassen, wie wir es tun...

Das kann doch wohl keine ernstgemeinte Frage sein?! WIR haben uns ganz sicher nicht selbst entwürdigt. Da hatten wir über die Jahrzehnte hinweg verdammt viel tatkräftige Hilfe.

Lesen die ihr eigenes Blatt eigentlich nicht? Sie müssten ja nicht einmal auf vorherige Ausgaben zurückgreifen. Sie brauchen nur ihr bescheuertes, aktuelles Dossier zum Thema "Schönheitsterror" noch einmal zu überfliegen, denn selbst das trieft nur so vor Ambivalenz, Feigheit, Abwiegelei und Inkonsequenz. Auf den Körper "zu achten" ist ja eigentlich schon ganz gut. Mit einer Größe 42 ist man aber nun wirklich noch nicht dick. Es gab aber halt schon immer Schönheitsnormen. Gesunde Disziplin ist gut. Aber in Hollywood sehen sie alle gleich aus. Das wollen wir hier lieber nicht. Genauso wenig finden wir es aber gut, wenn alte Frauen "knallenge Jeans" tragen. Die Tatsache, dass die Mutter der Autorin diese als Teenager ermahnt hat, nicht zu dick zu werden, hat bei ihr jetzt aber auch keine Essstörung verursacht (klar doch, und eine Tracht Prügel hat ja im Rückblick bekanntlich auch noch nie wirklich jemandem geschadet). Außerdem geht es ja bei allem ohnehin hauptsächlich um den Respekt für den eigenen Körper...

Blablabla...

Ich glaube, ich habe bereits erwähnt, dass ich als Kind von meiner Mutter auf die Brigitte-Diät gesetzt worden bin? Ich darf davon ausgehen, dass hier alle wissen, wie die Angelegenheit ausgegangen ist? Meine Mutter war übrigens eine Abonnentin, bis sie selbst schon sechzig war und dann auf einmal entschied, nun sei auch endlich Schluss mit dem Quatsch. Sie hatte plötzlich genug vom Verblödungsprogramm. Und zu Recht.

Die Brigitte ist eine altbackene, engherzige, böse Frau. Und sie sollte die Finger vom Spagat zwischen den Wünschen von Anzeigenkunden und dem Bemühen um weibliche Selbstakzeptanz lassen. Sie kann nur scheitern. So wie sie auch gescheitert ist, als sie ohne Models auskommen und Mode nur noch an "echten Frauen" präsentieren wollte, aber die Redakteurinnen am Ende offenbar auch mit vorgehaltener Waffe nicht dazu zu bewegen gewesen wären, womöglich eine Frau in ihre Kleider zu stecken, die wirklich so aussieht, wie ihre wahren Leserinnen. Dafür hätte man Weitsicht, Einsicht und Kühnheit benötigt. Wer aber all das hat, arbeitet vermutlich nicht bei einer herkömmlichen Frauenzeitschrift. Sei es drum: Auf so eine blutarme Verräterin wie die Brigitte hat die Revolution im Internet, so sie denn wirklich stattfindet, vermutlich gerade noch gewartet.

Ach, und noch etwas: Es geht eben nicht in der Hauptsache um den Respekt für den eigenen Körper. Es geht um den Respekt aller für alle Körper.

NH

Donnerstag, 15. Mai 2014

Missy Magazine

Ich hatte die Freude, den einleitenden Beitrag für das Fett-Dossier der neuen Ausgabe von Missy Magazine verfassen zu dürfen. Das Heft 02/14 mit seinen "18 Seiten zur neuen Wunschfigur" liegt ab Montag im Zeitschriftenregal.



NH
 

Mittwoch, 14. Mai 2014

Meine große Liebe

Oh, Göttin - Godzilla, Mon Amour! In 3D! Wer geht mit mir ins Kino?

Filmplakat für "Godzilla vs. SpaceGodzilla" von 1994

NH
 

Sonntag, 11. Mai 2014

Pro Ana Haul

Mein Post über Pro Ana und die damit verbundene "Subkultur" ist nach wie vor der meistgelesene in der Geschichte dieses Blogs. Ich bin überzeugt, dass eine Viel- und vielleicht auch Mehrzahl derjenigen, die diesen Suchbegriff eingeben, dieses nicht tun, um sich schlicht zu informieren. Da hilft alles nichts: Anstiftung zur Anorexie ist in unserer Kultur nuneinmal weitaus beliebter als Fettakzeptanz. Ich weiß, ich habe es schon oft gesagt, aber man kann es ja gar nicht oft genug wiederholen - um herauszufinden, dass das die Wahrheit ist, braucht man einfach nur irgendeine beliebige Frauenzeitschrift aufzuschlagen.

Oder man geht in den Supermarkt.


Als ich bei real in der Schreibwarenabteilung vor dem Regal mit Produkten für Mädchen stand, weil mich eine Federtasche in Pink mit einer dicken, grauen Katze vorne drauf wie eine Schlafwandlerin herangewunken hatte (ja, ich bin 42, deswegen darf ich doch wohl trotzdem gucken, wenn etwas glitzert), lief es mir plötzlich eiskalt den Rücken runter. Es war ein veritables Déjà Vu. Ich brauchte nur ein Weilchen, um die Bilderwelt auf den Ordnern, Bleistiften, Notizbüchern und Kaffeebechern zuzuorden. Zuerst dachte ich: Wäre ich so um die 12 Jahre alt - ich würde mich um dieses Tagebuch reißen. Und irgendetwas im mir tut es sogar auch jetzt noch." Tatsächlich fiel mir erst auf dem Weg nach Hause ein, woher ich eine ähnliche Ästhetik kannte. Die dünnen, verhuschten Feen mit den weitaufgerissenen Augen. Die schwachen Ärmchen, die Flügel und die im Wind verkitschter Todessehnsucht wehenden Haare, der leere, generische Gesichtsausdruck. Und zwar kannte ich das alles von den Pro-Ana-Seiten im Internet, auf denen ich einst Recherche zum Thema betrieben hatte.

Wie passend auch, das Ganze auf ein verschließbares Tagebuch zu drucken, wo doch das Abschirmen gegen den Rest der Welt und das Konstruieren einer mystischen, traurig-pastelligen Geheimwelt ein integraler Bestand der Pro-Ana-Kultur sind und waren. 2007 habe ich gesagt, dass wir alle ein wenig "Ana" sind. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Sieben Jahre später sieht die eisige Märchenwelt der Pro-Anas noch immer gleich aus. Nur die Hersteller von Papier- und Geschenkartikeln scheinen irgendwie tatsächlich nachgezogen haben. Dabei ist nicht nur die Übereinstimmung der Motive und der Farbgebung bemerkenswert, sondern auch die bestimmter Schwerpunkte. Im Post von 2007 habe ich beschrieben, wie einige Merkmale von Magerkeit von besonders großer Bedeutung sind - so ist das Hervorstehen des Schlüsselbeins ein entscheidender Schönheitsstandard in der Welt von Pro Ana. Auf Kaffeebechern für junge Mädchen aber offenbar auch, siehe weiter unten.

Tagebuch von Top Model

Bilder von Pro-Ana-Seiten aus dem Netz
 
Tasse von Top Model
 
Frische Bilder von Pro-Ana-Seiten aus dem Netz - und ja, die sind da so kopflos. Auf Köpfe kommt es schließlich nicht an.
 
Da lobe ich mir alle Prinzessinnen, die noch genug Kraft haben, um einen Hasen und einen Malstift anzuheben, um ihre Krone selbst zu basteln. In meinem Buch stinkt Pink ja bekanntlich nicht. Und Kronen kann man nie genug haben...solange man sie mit der richtigen Einstellung trägt.
 

Voilà! ; )

NH