Montag, 7. November 2011
Happy diet to me!
Das ist jetzt noch in meinem Kühlschrank:
2 Plastikfische gefüllt mit Sojasoße
2 Fläschchen Champagner
2 Becher mit Bio-Buttermilch (im Januar abgelaufen)
1 Glas mit Senf
Der ewige Apfel
(Er ist mindestens 6 Monate alt und verändert sich nicht mehr – damit ist er wirklich das perfekte Symbol für meine Lebenssituation – nicht weil er ewig frisch bleibt, sondern weil für ihn offenbar auch alles einfach stillsteht…obwohl, wenn der Apfel erzählen könnte, was es ist, das ihn zusammenhält, bekäme er umgehend seine eigene Werbesendung auf QVC. Mein Verdacht ist allerdings auch, dass das, was den Apfel knackig bleiben lässt, Menschen in größeren Dosen eher dahinrafft.)
Zusätzlich befinden sich im Kühlfach (zwischen zwei dicken Schichten aus Eis):
2 aufgerissene Pakete mit Alaska Seelachs (das war Kasimirs Lieblingsessen) und eine Tupperdose mit dem Rest des letzten Weihnachtsrotkohls von meiner Mutter (also von Weihnachten 2008).
Mein Kühlschrank ist jetzt also ein Museum. Ein Museum, in dessen leeren Gängen die Schritte von zufälligen Besuchern minutenlang widerhallen würden. Der im wahrsten Sinne des Wortes coolste Kühlschrank, dessen Inhalt ich in letzter Zeit gesehen habe, gehört einem Künstler, der seine Küche mehr oder weniger zu einem Gewächshaus umfunktioniert hat – weil er sie zum Kochen schlicht nicht benötigt. Sein Kühlschrank allerdings ist gefüllt bis zum Bersten…mit Schokolade UND Filmen für seine nicht-digitale Kamera. Viel mehr Stil kann ein Kühlschrank wohl kaum haben.
Ich persönlich halte mich seit ein paar Wochen mit Tiefkühlpizzen, Weißbrot und Schokoriegeln über Wasser. Das hat mich einer Größe 4/Size 0 (wäre es nicht wunderschön?) natürlich nicht einen Schritt nähergebracht – eher einer Größe 50, aber was diese Art der Ernährung mit Rohkost immerhin gemein hat, ist, dass man nicht kochen muss. Allerdingst muss man auch nichts mehr schälen und raspeln. Was einem noch mehr Zeit lässt, sich zu grämen – aber auch mehr Zeit, um zu arbeiten, was letztendlich auch notwendig war, als ich dann verquollen und zerknittert unter der Decke hervorgekrochen kam, um die Aufträge, deren Erledigung ich Kunden irgendwann mal zugesagt hatte, vielleicht doch noch zu beenden.
Zwischendurch habe ich das Knarren der Knie gar nicht mehr gehört – und auch nicht gefühlt. Ich war zu beschäftigt und zu panisch, meine beruflichen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen zu können.
Aber jetzt ist das Thema wieder auf der Tagesordnung. Und die Eckpunkte sind weiterhin:
• Ich werde nicht so bleiben, wie ich bin (obwohl ich es für eine attraktive Idee halte), weil es gesundheitlich vermutlich im Desaster enden wird.
• Ich will endlich eine Umstellung auf eine vegane Ernährung erreichen.
• Ich will, dass die Beschäftigung mit Essen trotzdem langfristig eine eher untergeordnete Rolle in meinem Leben spielt.
Da mein Kühlschrank nun ohnehin gerade leer ist, habe ich mir gedacht, dass dies mal wieder ein guter Zeitpunkt für ein paar Tage „Auftaktfasten“ wäre. Und ich werde heute beginnen – mit Gemüsebrühe, Wasser und dem goldenen Blüten-Wundertee, den ich aus China mitgebracht habe, weil er einen nicht nur uralt werden lassen, sondern auch strahlend schön machen soll…im Augenblick wäre ich allerdings schon froh, wenn ich aufrecht gehen könnte, ohne Grimassen zu schneiden. Das würde mich vermutlich auch schon irgendwie ansehnlicher machen. Mein Zahnarzt sagte mir übrigens unlängst, ich hätte traumatischen Zahnfleischrückgang am rechten Eckzahn. Ja, mein Zahnfleisch und ich passen offenbar ziemlich gut zusammen – und scheinbar hängt dieses Gebrechen über mehrere Ecken mit meinem verspannten Rücken zusammen. Um es kurz zu machen – mein „System“ braucht Entlastung und Klärung. Und weiterhin weniger Gepäck. In jeder Hinsicht.
Und absolut gar nichts daran ist neu. Außer dass ich auf dem letzten Stück Weg, anstatt komplett zu verzweifeln, tatsächlich ein völlig neues Grimmigkeitsstadium erreicht habe (wer hätte gedacht, dass das möglich wäre). Gleichzeitig habe ich neuerdings immer öfter das Gefühl, ich werde es womöglich noch bis zu „I don’t give a fuck“ schaffen, wenn es darum geht, was andere von mir denken könnten. Und ich habe ja schon immer vermutet, dass dort die Leichtigkeit wohnt. ; )
NH
Samstag, 17. September 2011
7 Leben
Also das hier hat jetzt nichts mit Diät zu tun. Aber - ist ja mein Blog - plötzlich fiel mir ein/auf, dass ich hier ja machen kann, was ich will. Und ich will ein bisschen etwas über den Kater schreiben, denn er ist am vergangenen Montag gestorben.
Knapp zehn Jahre haben wir miteinander verbracht. Er ist an dem Tag bei mir eingezogen, an dem wir die letzte von vier alten und kranken Katzen hatten einschläfern lassen müssen. Er war wie ein pelziger Rettungsring, und den Vorbesitzern, die ihn vermutlich einfach im Stich gelassen hatten, so dass er sich eine neue Bleibe suchen musste und mich wie durch ein Wunder fand, werde ich für ihre Verantwortungslosigkeit ewig dankbar sein.
Ich hatte Kasi verdient. Und er mich. Er hatte eine wuchtige, freundliche Persönlichkeit. Er hat mich regelmäßig morgens um vier geweckt, weil er halt fand, dass das eine gute Zeit war, um wach zu sein. Erst patschte er mir mit der Pfote ins Gesicht und stieg dann immer von links über meinen Kopf, sprang auf den Boden, lief ums Bett herum und begann die Prozedur von vorn - bis ich aufstand und eine frische Dose aufmachte. Wir waren wie ein altes Paar. Hätte er sprechen können, wir hätten regelmäßig die Sätze des anderen beendet. Er hat meiner kranken Mutter jeden Abend durchs Telefon etwas vorgeschnurrt, bevor sie vor zwei Jahren starb. Die beiden waren im letzten Jahrzehnt meine Familie. Und nun sind beide weg.
So wie sechs weitere Katzen vor Kasimir:
Molly war meine erste Katze. Sie war eine Amazone. Sie versteckte sich in Büschen und sprang einem plötzlich an die Füße. Aber sie war heißgeliebt. Sie mochte uns auch. Sie lief unserem Auto hinterher, wenn wir in den Urlaub fuhren, so dass wir umdrehen und sie ins Haus bringen mussten. Und dann mussten wir uns aus dem Staub machen, bevor sie durch die Katzenklappe im Keller wieder hervorschoss. Leider wurde sie nicht sehr alt, weil sie von Jägern auf dem Feld hinterm Haus erschossen wurde. Wo ich jetzt schon einmal dabei bin: Es ist NICHT NORMAL, Freude daran zu haben, Tiere zu töten. Es ist roh, unzivilisiert und falsch.
Pünktchen und Anton waren Geschwister. Wir nahmen sie als Babys zu uns, um die Trauer um Molly besser zu bewältigen. Anton war schön und stolz. Pünktchen war schlau. Die beiden hingen aneinander, und als Pünktchen mit 16 an einer Nierenerkrankung starb, hatte Anton auch keine Lust mehr, wurde schwach und folgte seiner Schwester.
Wenn es irgendwo gemütlich ist, spricht sich das unter Katzen herum, so dass unsere WG über die Jahre drei neue Mitglieder bekam. Nach und nach saßen sie alle irgendwann vor dem Fenster und wollten einziehen.
Moses kam zuerst dazu. Er war der freundlichste Kater, den ich je getroffen habe. Gutmütiger sogar als Kasimir. Er rollte sich auf den Schultern, Rücken und Hüften seiner Leute zusammen, sobald sie sich irgendwo hinlegten. Er wurde recht alt, und wäre noch älter geworden, wäre er nicht vor ein Auto gelaufen.
Pietzke zog einige Jahre nach Moses in die Katzen-WG. Mit Getöse erreichte er uns durch die Nacht. Laut klagend und ausgehungert lief er mir im dunklen Garten entgegen, als ich gerade panisch und auf der Suche nach Anton war, der mal wieder nicht pünktlich nach Hause gekommen war. Er schlang drei Dosen Futter hinunter, hörte auf zu jammern - und dann setzen wir uns zusammen vors Haus und warteten auf Anton. Pietzke und ich waren ab da Verbündete. Wir hatten eine geheime Zeichensprache. ; )
Zuletzt kam Bobby. Bobby entschloss sich, aus der Nachbarschaft zu uns zu ziehen, weil es ihm, dort wo er war, nicht gut ging. Seine schlechten Erfahrungen hatten ihn misstrauisch gemacht. Er lebte fortan mit uns, aber hielt vornehme Distanz zu allen - bis auf Pietzke, mit dem er schließlich Rücken an Rücken auf Pietzkes Lieblingssessel schlief.
Bobby hatte eine Immunschwäche, und nachdem wir in kurzen Abständen Moses, Pünktchen, Anton und Pietzke verloren hatten, die offenbar alle ungefähr im gleichen hohen Alter gewesen waren, mussten wir auch ihn einschläfern lassen.
Und was mache ich jetzt? Ich bin absolut frei. Ich bin für niemanden mehr zuständig. Freunde sagen einem, man soll sich am besten gleich ins Auto setzen und zum Tierheim fahren. Und ich habe auch daran gedacht. Aber der Tod ist bekanntlich nichts für Feiglinge. Mensch oder Tier - die Wahrheit ist, dass die Seele da mitunter keinen großen Unterschied macht, wenn die Verbindung zu dem, der gestorben ist, stark genug war. Und irgendwo habe ich dieses Zitat gelesen - ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat - dass es viel Mut braucht, sein Herz an etwas zu hängen, das man vermutlich überleben wird. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Mut noch einmal aufbringe. Insgeheim hatte ich in den letzten Tagen immer gehofft, das die Antwort einfach wieder plötzlich auf meiner Terrasse sitzt.
NH
Knapp zehn Jahre haben wir miteinander verbracht. Er ist an dem Tag bei mir eingezogen, an dem wir die letzte von vier alten und kranken Katzen hatten einschläfern lassen müssen. Er war wie ein pelziger Rettungsring, und den Vorbesitzern, die ihn vermutlich einfach im Stich gelassen hatten, so dass er sich eine neue Bleibe suchen musste und mich wie durch ein Wunder fand, werde ich für ihre Verantwortungslosigkeit ewig dankbar sein.
Ich hatte Kasi verdient. Und er mich. Er hatte eine wuchtige, freundliche Persönlichkeit. Er hat mich regelmäßig morgens um vier geweckt, weil er halt fand, dass das eine gute Zeit war, um wach zu sein. Erst patschte er mir mit der Pfote ins Gesicht und stieg dann immer von links über meinen Kopf, sprang auf den Boden, lief ums Bett herum und begann die Prozedur von vorn - bis ich aufstand und eine frische Dose aufmachte. Wir waren wie ein altes Paar. Hätte er sprechen können, wir hätten regelmäßig die Sätze des anderen beendet. Er hat meiner kranken Mutter jeden Abend durchs Telefon etwas vorgeschnurrt, bevor sie vor zwei Jahren starb. Die beiden waren im letzten Jahrzehnt meine Familie. Und nun sind beide weg.
So wie sechs weitere Katzen vor Kasimir:
Molly war meine erste Katze. Sie war eine Amazone. Sie versteckte sich in Büschen und sprang einem plötzlich an die Füße. Aber sie war heißgeliebt. Sie mochte uns auch. Sie lief unserem Auto hinterher, wenn wir in den Urlaub fuhren, so dass wir umdrehen und sie ins Haus bringen mussten. Und dann mussten wir uns aus dem Staub machen, bevor sie durch die Katzenklappe im Keller wieder hervorschoss. Leider wurde sie nicht sehr alt, weil sie von Jägern auf dem Feld hinterm Haus erschossen wurde. Wo ich jetzt schon einmal dabei bin: Es ist NICHT NORMAL, Freude daran zu haben, Tiere zu töten. Es ist roh, unzivilisiert und falsch.
Pünktchen und Anton waren Geschwister. Wir nahmen sie als Babys zu uns, um die Trauer um Molly besser zu bewältigen. Anton war schön und stolz. Pünktchen war schlau. Die beiden hingen aneinander, und als Pünktchen mit 16 an einer Nierenerkrankung starb, hatte Anton auch keine Lust mehr, wurde schwach und folgte seiner Schwester.
Wenn es irgendwo gemütlich ist, spricht sich das unter Katzen herum, so dass unsere WG über die Jahre drei neue Mitglieder bekam. Nach und nach saßen sie alle irgendwann vor dem Fenster und wollten einziehen.
Moses kam zuerst dazu. Er war der freundlichste Kater, den ich je getroffen habe. Gutmütiger sogar als Kasimir. Er rollte sich auf den Schultern, Rücken und Hüften seiner Leute zusammen, sobald sie sich irgendwo hinlegten. Er wurde recht alt, und wäre noch älter geworden, wäre er nicht vor ein Auto gelaufen.
Pietzke zog einige Jahre nach Moses in die Katzen-WG. Mit Getöse erreichte er uns durch die Nacht. Laut klagend und ausgehungert lief er mir im dunklen Garten entgegen, als ich gerade panisch und auf der Suche nach Anton war, der mal wieder nicht pünktlich nach Hause gekommen war. Er schlang drei Dosen Futter hinunter, hörte auf zu jammern - und dann setzen wir uns zusammen vors Haus und warteten auf Anton. Pietzke und ich waren ab da Verbündete. Wir hatten eine geheime Zeichensprache. ; )
Zuletzt kam Bobby. Bobby entschloss sich, aus der Nachbarschaft zu uns zu ziehen, weil es ihm, dort wo er war, nicht gut ging. Seine schlechten Erfahrungen hatten ihn misstrauisch gemacht. Er lebte fortan mit uns, aber hielt vornehme Distanz zu allen - bis auf Pietzke, mit dem er schließlich Rücken an Rücken auf Pietzkes Lieblingssessel schlief.
Bobby hatte eine Immunschwäche, und nachdem wir in kurzen Abständen Moses, Pünktchen, Anton und Pietzke verloren hatten, die offenbar alle ungefähr im gleichen hohen Alter gewesen waren, mussten wir auch ihn einschläfern lassen.
Und was mache ich jetzt? Ich bin absolut frei. Ich bin für niemanden mehr zuständig. Freunde sagen einem, man soll sich am besten gleich ins Auto setzen und zum Tierheim fahren. Und ich habe auch daran gedacht. Aber der Tod ist bekanntlich nichts für Feiglinge. Mensch oder Tier - die Wahrheit ist, dass die Seele da mitunter keinen großen Unterschied macht, wenn die Verbindung zu dem, der gestorben ist, stark genug war. Und irgendwo habe ich dieses Zitat gelesen - ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat - dass es viel Mut braucht, sein Herz an etwas zu hängen, das man vermutlich überleben wird. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Mut noch einmal aufbringe. Insgeheim hatte ich in den letzten Tagen immer gehofft, das die Antwort einfach wieder plötzlich auf meiner Terrasse sitzt.
NH
Dienstag, 16. August 2011
Die Verortung der weiblichen Hölle - oder: Lass gut sein.
Und - habt ihr’s schon gelesen? Na was wohl - Charlotte Roches „Schoßgebete“…Ich? Na um Himmels Willen…ich hab’s natürlich nicht gelesen...seid ihr verrückt, oder was? ; ) Man muss sich ja nun nicht noch extra Ärger aufhalsen, wenn im Leben eh schon alles so beschwerlich ist – der Kater hat eine Altersallergie und wir wissen nicht wogegen, und ich ändere dauernd die Stühle vorm Schreibtisch, weil ich dort so viel Zeit verbringe, dass ich nicht mehr weiß, wie ich sitzen soll. Mein Hintern, anders als der der Frau Roche, ist plattgesessen ein wie Mühlenrad.
Alice Schwarzer bezeichnet das Werk übrigens als „verruchte Heimatschnulze“…Und ich neige dazu, ihr zu glauben. Dass das deutsche Feuilleton sich beinahe geschlossen dazu verstiegen hat, mit vereinten Kräften aus dem Buch nach Roches „Feuchtgebieten“ einen zweiten Megaseller machen zu wollen, ist obendrein verdächtig…den Erfolg des Vorgängers des aktuellen Buches hatte die Autorin ja noch so erklärt: „Pimmel, Muschi und Aua – das interessiert doch alle.“
Woher ich nun über den Hintern der Frau Roche Bescheid weiß? Tja, in Ermangelung größerer Zeitfenster lese ich im Augenblick nur noch auf dem Klo. Und was liegt bei mir auf dem Klo? Die Zeit. Auf dessen Magazin-Cover Frau Roche als strenge Handarbeitslehrerinnenkarikatur verkündet: „Wenn ich keinen Sex habe, habe ich Angst.“ Ja…hm…bedauerlich für sie.
Im Gespräch mit Jana Hensel kommt dann heraus, dass sie in der Tat voller Angst ist. Angst, nicht ernstgenommen zu werden („Ich hasse Schriftsteller, die ernstgenommen werden wollen.“). Oder Angst, nicht krass genug zu sein („Aber wie so viele Süchte, die ich hatte, ging auch die (Anorexie) Dank der Therapie vorbei und wurde durch andere Süchte abgelöst: Alkohol, Shopping – you name it, I had it!“). Frau Roche ist also nach eigenen Angaben eine Sucht-Hopperin, bei der die „Süchte“ kommen und gehen, wie Mückenstiche. Das scheint der Natur einer Sucht grundsätzlich zu widersprechen. Aber das schreckt die Frau Roche nicht. Sie war „bis vor Kurzem noch magersüchtig“. Jetzt isst sie aber „was sie will, wann sie will.“ (Wie oft haben wir den abgegrabbelten, unfairen und überheblichen Satz eigentlich schon von Prominenten gehört?) Insgesamt kann man angesichts dieser Ausführungen nur staunen, wenn man selbst sich fast sein ganzes Leben lang mit einer Essstörung oder einer anderen Sucht herumgeschlagen hat.
Aber wovor hat Frau Roche nun am meisten Angst? Und warum ist sie im thematischen Rahmen dieses Blogs überhaupt von Interesse? Naja, sie hat halt obendrein eine SCHEISSANGST, hässlich zu sein. Es ist diese Angst, die sie – anders als alle anderen, die sie eher herzeigt wie Trophäen – versucht zu leugnen. Gleichwohl ohne Erfolg. Sie mag ein Opfer von Schönheits- und Schlankheitswahn gewesen sein. Aber sie besteht darauf, dass das jetzt nicht mehr so ist. Und dann wird das Ganze wirklich ärgerlich: „Ich verachte Frauen, die Yoga machen, um keine schlaffen Oberarme zu bekommen.“
Verräterisch ist jedoch auch der Raum, den die platitüdenfarbene Erörterung der Problematik körperlicher Attraktivität im Gespräch mit Frau Hensel einnimmt. Die sagt ihr, dass sie einen „geilen Arsch“ habe und dieses auch wisse. Vorher hat uns Frau Roche allerdings gerade mitgeteilt, dass sie für eben jenen Hintern gar keine Übungen mehr mache – da haben wir es wieder, dass Märchen von der Frau, die sich vom Schönheitszwang befreit hat, aber trotzdem ein straffes Hinterteil besitzt. Es war die Allgegenwart retuschierter Frauenbilder, die sie krank gemacht hat, aber nun ist sie ja wieder gesund. Sie findet Frauen, „die langsam verfallen viel schöner“. Dummerweise sind es die gerade diese „Verfallenden“, denen sie bereits am Anfang des Gesprächs sanfte Geringschätzung entgegenbringt: „Einsamkeit, (…) das ist doch was für alte Leute, die zur Massage gehen, damit sie mal von jemandem berührt werden.“ Sexuell nicht attraktiv zu sein, davor hat sie selbst möglicherweise am meisten Angst – und macht Sexualität zu einem exklusiven Bewertungskriterium, das als Alternative zur bloßen Schönheit dient und das offenbar nur Auserwählte auf obskure Art und Weise anzuwenden wissen: „Ich sehe Menschen an, wenn sie lange Zeit mit niemandem geschlafen haben.“ Frau Roche kennt sich aus: „Mit 35 oder 40 ist die Gefahr, körperlich zu vereinsamen (…) sehr groß.“ Ich bin mir nun ziemlich sicher, dass sie regelmäßig beides – zumindest gedanklich – gegen andere verwendet: deren uncoole Vereinsamung sowie ihre fetten, klumpigen Pos. Im Leben würde ich ihr jetzt kein Buch mehr abkaufen, weil man ihr schlicht nichts abkaufen sollte. Alice Schwarzer hofft indessen auch, dass junge Frauen sich nicht zu sehr auf die gestörte Charlotte verlassen mögen, sollten sie auf der Suche nach Lösungen für persönliche Verwirrung sein, denn, so wendet sie sich an die ehemalige Freundin, „du hast nicht die Lösung, du hast das Problem.“
Ich sag es jetzt einfach mal – der „Ehrlichkeit bis zur Selbstaufgabe“ halber: Bloß weil Papier bedruckt ist, heißt das noch lange nicht, dass es irgendetwas anderes ist als Klopapier. ; )
NH
Alice Schwarzer bezeichnet das Werk übrigens als „verruchte Heimatschnulze“…Und ich neige dazu, ihr zu glauben. Dass das deutsche Feuilleton sich beinahe geschlossen dazu verstiegen hat, mit vereinten Kräften aus dem Buch nach Roches „Feuchtgebieten“ einen zweiten Megaseller machen zu wollen, ist obendrein verdächtig…den Erfolg des Vorgängers des aktuellen Buches hatte die Autorin ja noch so erklärt: „Pimmel, Muschi und Aua – das interessiert doch alle.“
Woher ich nun über den Hintern der Frau Roche Bescheid weiß? Tja, in Ermangelung größerer Zeitfenster lese ich im Augenblick nur noch auf dem Klo. Und was liegt bei mir auf dem Klo? Die Zeit. Auf dessen Magazin-Cover Frau Roche als strenge Handarbeitslehrerinnenkarikatur verkündet: „Wenn ich keinen Sex habe, habe ich Angst.“ Ja…hm…bedauerlich für sie.
Im Gespräch mit Jana Hensel kommt dann heraus, dass sie in der Tat voller Angst ist. Angst, nicht ernstgenommen zu werden („Ich hasse Schriftsteller, die ernstgenommen werden wollen.“). Oder Angst, nicht krass genug zu sein („Aber wie so viele Süchte, die ich hatte, ging auch die (Anorexie) Dank der Therapie vorbei und wurde durch andere Süchte abgelöst: Alkohol, Shopping – you name it, I had it!“). Frau Roche ist also nach eigenen Angaben eine Sucht-Hopperin, bei der die „Süchte“ kommen und gehen, wie Mückenstiche. Das scheint der Natur einer Sucht grundsätzlich zu widersprechen. Aber das schreckt die Frau Roche nicht. Sie war „bis vor Kurzem noch magersüchtig“. Jetzt isst sie aber „was sie will, wann sie will.“ (Wie oft haben wir den abgegrabbelten, unfairen und überheblichen Satz eigentlich schon von Prominenten gehört?) Insgesamt kann man angesichts dieser Ausführungen nur staunen, wenn man selbst sich fast sein ganzes Leben lang mit einer Essstörung oder einer anderen Sucht herumgeschlagen hat.
Aber wovor hat Frau Roche nun am meisten Angst? Und warum ist sie im thematischen Rahmen dieses Blogs überhaupt von Interesse? Naja, sie hat halt obendrein eine SCHEISSANGST, hässlich zu sein. Es ist diese Angst, die sie – anders als alle anderen, die sie eher herzeigt wie Trophäen – versucht zu leugnen. Gleichwohl ohne Erfolg. Sie mag ein Opfer von Schönheits- und Schlankheitswahn gewesen sein. Aber sie besteht darauf, dass das jetzt nicht mehr so ist. Und dann wird das Ganze wirklich ärgerlich: „Ich verachte Frauen, die Yoga machen, um keine schlaffen Oberarme zu bekommen.“
Verräterisch ist jedoch auch der Raum, den die platitüdenfarbene Erörterung der Problematik körperlicher Attraktivität im Gespräch mit Frau Hensel einnimmt. Die sagt ihr, dass sie einen „geilen Arsch“ habe und dieses auch wisse. Vorher hat uns Frau Roche allerdings gerade mitgeteilt, dass sie für eben jenen Hintern gar keine Übungen mehr mache – da haben wir es wieder, dass Märchen von der Frau, die sich vom Schönheitszwang befreit hat, aber trotzdem ein straffes Hinterteil besitzt. Es war die Allgegenwart retuschierter Frauenbilder, die sie krank gemacht hat, aber nun ist sie ja wieder gesund. Sie findet Frauen, „die langsam verfallen viel schöner“. Dummerweise sind es die gerade diese „Verfallenden“, denen sie bereits am Anfang des Gesprächs sanfte Geringschätzung entgegenbringt: „Einsamkeit, (…) das ist doch was für alte Leute, die zur Massage gehen, damit sie mal von jemandem berührt werden.“ Sexuell nicht attraktiv zu sein, davor hat sie selbst möglicherweise am meisten Angst – und macht Sexualität zu einem exklusiven Bewertungskriterium, das als Alternative zur bloßen Schönheit dient und das offenbar nur Auserwählte auf obskure Art und Weise anzuwenden wissen: „Ich sehe Menschen an, wenn sie lange Zeit mit niemandem geschlafen haben.“ Frau Roche kennt sich aus: „Mit 35 oder 40 ist die Gefahr, körperlich zu vereinsamen (…) sehr groß.“ Ich bin mir nun ziemlich sicher, dass sie regelmäßig beides – zumindest gedanklich – gegen andere verwendet: deren uncoole Vereinsamung sowie ihre fetten, klumpigen Pos. Im Leben würde ich ihr jetzt kein Buch mehr abkaufen, weil man ihr schlicht nichts abkaufen sollte. Alice Schwarzer hofft indessen auch, dass junge Frauen sich nicht zu sehr auf die gestörte Charlotte verlassen mögen, sollten sie auf der Suche nach Lösungen für persönliche Verwirrung sein, denn, so wendet sie sich an die ehemalige Freundin, „du hast nicht die Lösung, du hast das Problem.“
Ich sag es jetzt einfach mal – der „Ehrlichkeit bis zur Selbstaufgabe“ halber: Bloß weil Papier bedruckt ist, heißt das noch lange nicht, dass es irgendetwas anderes ist als Klopapier. ; )
NH
Sonntag, 7. August 2011
Zwischenruf: Altweibersommer!
Und wenn die Oberarme im Sommerwind flattern und die Sonne es nicht schafft bis auf den Grund der Dellen am Oberschenkel zu scheinen - immer dran denken, während man vor den Augen einer ganzen Gruppe von Grundschulkindern einen Bauchklatscher vom 1-Meter-Brett macht:
"Du hast keine Seele. Du bist eine Seele. Du hast einen Körper."
(C.S. Lewis)
NH
Mittwoch, 27. Juli 2011
Zwischenruf: Der blanke Sommer
Darum sag' ich ja auch immer, man soll sich tunlichst von Fernsehern fernhalten, denn es führt unweigerlich ins Verderben, wenn man die Höllenmaschinen einschaltet. Naja, jedenfalls stehen die Chancen für Schrecken und Chaos ziemlich gut. Wobei das natürlich wie alles eine Frage der Einstellung ist. Wer Freude daran hat zu beobachten, wie Frauen in großer seelischer Not ausgebeutet werden, um auf möglichst billige Art und Weise Sendezeit zu füllen, für den gibt es offenbar bereits schon seit 4 Staffeln eine echte Alternative zu Bauer sucht Frau ; ): Extrem Schön bei RTL2, dienstags um 22:10.
Ich hatte ja mal wieder keine Ahnung, was alles möglich ist, bis mir jemand davon erzählte. Und das hier ist beileibe kein Fernsehtipp. Es ist mehr eine Art Erfahrungsbericht. Immerhin kann man sich mit dem Thema Selbsthass und Körperbild kaum drastischer auseinandersetzen, als den Körper in einer nicht unblutigen Monsteroperation unter Einsatz seiner Gesundheit bzw. seines Lebens und von Kameras festgehalten umformen zu lassen. Ich erinnere mich, wie beeindruckt ich von der Radikalität der Operations-Inszenierungen der Künstlerin Orlan war, deren Erhöhungen über den Augen nach wie vor ein Symbol für die Konflikte und Möglichkeiten der Selbstgestaltung sind. Eine ihrer Feststellungen war, dass die Haut in der man steckt, ohnehin nie zum dem passt, was man gerade sein will.
Die Möglichkeiten, sein Körperbild selbst zu bestimmen, sind heute scheinbar beinahe unendlich. Ich kann mit meiner Erscheinung machen, was ich will - vorausgesetzt ich habe einen freien Willen. Warum gehen eigentlich nicht mehr Leute zum Chirurgen, um sich Spock-Ohren machen zu lassen? Oder um auszusehen, wie ihre Großmutter, die sie sehr bewundert haben - und die eine richtig große, stolze Adlernase hatte? Naja, weil man das eben nicht macht. Alle würden denken, man spinnt! Der Chirurg würde den Eingriff ablehnen! Und in die Bewerbung zur Teilnahme an "Extrem schön" sollte man das auch nicht schreiben. Wir sind nicht frei. Wir bekommen dauernd gesagt, was "extrem schön" ist. Und den Kandidatinnen wird offenbar gleich "ein neues Leben" mitgeliefert - implantiert, wenn man so will.
Was man zunächst sieht, sind geschundene Körper. Dass es schorfig und anstrengend werden würde, hatte ich vermutet. Ich sehe Nicole dabei zu, wie sie sich windet und "vor Schmerzen kaum atmen kann", während die Musik mit grotesker Theatralik immer weiter anschwillt. Und mir geht aus irgendeinem Grund die biblische Drohung "unter Schmerzen sollst du (...) gebären"* durch den Kopf. Dann schwant mir Übles: Hier wird jemand für seine Hässlichkeit bestraft und gleichzeitig errettet. Aber kein Zuschauer soll auf die Idee kommen, eine Errettung sei so einfach zu haben.
*(Ich sehe gerade, Orlan verwendet die Bibelstelle in ihren Ausführungen auch - vermutlich war sie mir deshalb so präsent. Auf jeden Fall bezeichnet Orlan sie als das, was sie auch ist - als lächerlich.)
Während Nicoles Ehemann dafür ist, die Sache abzubrechen, macht Nicole tapfer weiter und verdient und erleidet sich so am Ende eine neue Nasenspitze, einen Po, der mit Fett aus ihrer eigenen Taille aufgepolstert wurde, ein neues Kinn, gestraffte Augenlider, Silikonkissen in der Brust, einen gestraften Bauch sowie - man höre und staune "weibliche" Zähne. Überhaupt ist jetzt endlich alles an ihr weiblich, weiblich, weiblich! Man fragt sich, was die mehrfache Mutter vorher war - eine gigantische Arbeiterameise vom Planeten Zuberon?
Nicole hat vor, von nun an durch das Leben zu tanzen. Man wünscht es ihr. Und trotzdem wünscht man sich viel mehr, man hätte das alles lieber nicht miterlebt. Man wünscht sich, Nicole hätte sich selbst einfach mal die Haare gewaschen und sich einen neuen Zahnarzt gesucht. Und hätte dann gesagt "ihr könnt mich alle mal". Und man hätte sich niemals in ihre Wiedergeburt im Operationssaal hineingezappt. Man versteht den Selbsthass und die Selbstzweifel der Kandidatinnen so erschreckend gut - und fühlt gleichzeitig, dass es höchste Zeit ist für einen Aufstand der Hässlichen...nur selber anführen möchte man ihn lieber auch nicht...
Mein neues Lieblingswort ist übrigens "Fettverteilungsstörung".
Und wo ich nun schon auf Krawall gebürstet bin: Sollte jemand gerade die Bunte letzter Woche zur Hand haben?...Ja?...Ist es nicht fabelhaft, wie unverkrampft die Redaktion die Begriffe "Schlankheitswahn" und "lustvoll" miteinander verknüpft? Die in sonnengelben Lettern gestellte Frage "Macht dünn glücklich?" kann man damit wohl getrost als beantwortet betrachten. Klar, Hungern ist die pure Freude. Fast so schön, wie sich lustvoll die Haare auszureißen. Oder sich lustvoll vor einen Zug zu werfen. Die Chefredakteurin Riekel gibt in ihrem "Bild der Woche" dann noch zu bedenken, dass Dünnsein das "Ticket in die Society" sei. Ebenfalls bemerkenswert - der kleine Beitrag über Frauen-Fußball auf Seite 71. Alice Schwarzer erklärt im Kasten links: "Am besten, eine Fußballerin erregt Aufsehen mit dem Ball - und nicht mit dem Busen." Und rechts kürt die Bunte dann die "fünf attraktivsten Spielerinnen". Mit Verlaub - im Sommerloch kann es doch immer noch ein wenig schwärzer werden, als man denkt.
Und das Abendessen steinreich:
Ja doch, ich mache weiterhin Diät...Mal sehen, in was für Gesellschaft ich da noch gerate.
NH
Ich hatte ja mal wieder keine Ahnung, was alles möglich ist, bis mir jemand davon erzählte. Und das hier ist beileibe kein Fernsehtipp. Es ist mehr eine Art Erfahrungsbericht. Immerhin kann man sich mit dem Thema Selbsthass und Körperbild kaum drastischer auseinandersetzen, als den Körper in einer nicht unblutigen Monsteroperation unter Einsatz seiner Gesundheit bzw. seines Lebens und von Kameras festgehalten umformen zu lassen. Ich erinnere mich, wie beeindruckt ich von der Radikalität der Operations-Inszenierungen der Künstlerin Orlan war, deren Erhöhungen über den Augen nach wie vor ein Symbol für die Konflikte und Möglichkeiten der Selbstgestaltung sind. Eine ihrer Feststellungen war, dass die Haut in der man steckt, ohnehin nie zum dem passt, was man gerade sein will.
Die Möglichkeiten, sein Körperbild selbst zu bestimmen, sind heute scheinbar beinahe unendlich. Ich kann mit meiner Erscheinung machen, was ich will - vorausgesetzt ich habe einen freien Willen. Warum gehen eigentlich nicht mehr Leute zum Chirurgen, um sich Spock-Ohren machen zu lassen? Oder um auszusehen, wie ihre Großmutter, die sie sehr bewundert haben - und die eine richtig große, stolze Adlernase hatte? Naja, weil man das eben nicht macht. Alle würden denken, man spinnt! Der Chirurg würde den Eingriff ablehnen! Und in die Bewerbung zur Teilnahme an "Extrem schön" sollte man das auch nicht schreiben. Wir sind nicht frei. Wir bekommen dauernd gesagt, was "extrem schön" ist. Und den Kandidatinnen wird offenbar gleich "ein neues Leben" mitgeliefert - implantiert, wenn man so will.
Was man zunächst sieht, sind geschundene Körper. Dass es schorfig und anstrengend werden würde, hatte ich vermutet. Ich sehe Nicole dabei zu, wie sie sich windet und "vor Schmerzen kaum atmen kann", während die Musik mit grotesker Theatralik immer weiter anschwillt. Und mir geht aus irgendeinem Grund die biblische Drohung "unter Schmerzen sollst du (...) gebären"* durch den Kopf. Dann schwant mir Übles: Hier wird jemand für seine Hässlichkeit bestraft und gleichzeitig errettet. Aber kein Zuschauer soll auf die Idee kommen, eine Errettung sei so einfach zu haben.
*(Ich sehe gerade, Orlan verwendet die Bibelstelle in ihren Ausführungen auch - vermutlich war sie mir deshalb so präsent. Auf jeden Fall bezeichnet Orlan sie als das, was sie auch ist - als lächerlich.)
Während Nicoles Ehemann dafür ist, die Sache abzubrechen, macht Nicole tapfer weiter und verdient und erleidet sich so am Ende eine neue Nasenspitze, einen Po, der mit Fett aus ihrer eigenen Taille aufgepolstert wurde, ein neues Kinn, gestraffte Augenlider, Silikonkissen in der Brust, einen gestraften Bauch sowie - man höre und staune "weibliche" Zähne. Überhaupt ist jetzt endlich alles an ihr weiblich, weiblich, weiblich! Man fragt sich, was die mehrfache Mutter vorher war - eine gigantische Arbeiterameise vom Planeten Zuberon?
Nicole hat vor, von nun an durch das Leben zu tanzen. Man wünscht es ihr. Und trotzdem wünscht man sich viel mehr, man hätte das alles lieber nicht miterlebt. Man wünscht sich, Nicole hätte sich selbst einfach mal die Haare gewaschen und sich einen neuen Zahnarzt gesucht. Und hätte dann gesagt "ihr könnt mich alle mal". Und man hätte sich niemals in ihre Wiedergeburt im Operationssaal hineingezappt. Man versteht den Selbsthass und die Selbstzweifel der Kandidatinnen so erschreckend gut - und fühlt gleichzeitig, dass es höchste Zeit ist für einen Aufstand der Hässlichen...nur selber anführen möchte man ihn lieber auch nicht...
Mein neues Lieblingswort ist übrigens "Fettverteilungsstörung".
Und wo ich nun schon auf Krawall gebürstet bin: Sollte jemand gerade die Bunte letzter Woche zur Hand haben?...Ja?...Ist es nicht fabelhaft, wie unverkrampft die Redaktion die Begriffe "Schlankheitswahn" und "lustvoll" miteinander verknüpft? Die in sonnengelben Lettern gestellte Frage "Macht dünn glücklich?" kann man damit wohl getrost als beantwortet betrachten. Klar, Hungern ist die pure Freude. Fast so schön, wie sich lustvoll die Haare auszureißen. Oder sich lustvoll vor einen Zug zu werfen. Die Chefredakteurin Riekel gibt in ihrem "Bild der Woche" dann noch zu bedenken, dass Dünnsein das "Ticket in die Society" sei. Ebenfalls bemerkenswert - der kleine Beitrag über Frauen-Fußball auf Seite 71. Alice Schwarzer erklärt im Kasten links: "Am besten, eine Fußballerin erregt Aufsehen mit dem Ball - und nicht mit dem Busen." Und rechts kürt die Bunte dann die "fünf attraktivsten Spielerinnen". Mit Verlaub - im Sommerloch kann es doch immer noch ein wenig schwärzer werden, als man denkt.
Und das Abendessen steinreich:
Ja doch, ich mache weiterhin Diät...Mal sehen, in was für Gesellschaft ich da noch gerate.
NH
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