Freitag, 11. August 2023
Montag, 24. Juli 2023
Erstes Online-Treffen des Clubs der dicken Damen
Obwohl es im Forum bisher keine echte Drängelei gibt, ich aber doch genug Feedback bekommen habe, dass eine solche Gruppe eine gute Idee sein könnte, werfe ich hiermit auch einfach schon den ersten Termin für ein Treffen des Clubs der dicken Damen via Skype in den Ring - den
26. August, 2023 um 19:00 UhrWer dabei sein möchte, muss sich nur bei mir melden:
office(at)nicola-hinz.com
Wenn ihr schon bei Skype seid, schickt mir den Namen gleich mit und ich füge euch zur Gruppe hinzu.
Wer Hilfe mit Skype braucht, bekommt zumindest die beste Hilfe, die ich liefern kann. ; )
Sonntag, 9. Juli 2023
Und wie geht es dir so?
Am Samstagabend war ich so verzweifelt und allein, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben versucht habe, bei der Telefonseelsorge anzurufen. Spoiler: Ich habe es kurz nach Mitternacht und dutzenden Versuchen geschafft. Zuvor war stundenlang kein Durchkommen. Eine merkwürdig strenge (vermutlich soll sie nur neutral wirken) Stimme teilte mir immer wieder mit, dass alle im Gespräch seien und mein Anruf deshalb jetzt nicht angenommen werden könne. Was sie mir nicht mitgab, war der Hinweis, dass ich besser den Notruf oder die Polizei anrufen solle, bevor ich mich aus dem Fenster stürze. Das war ernüchternd und beunruhigend. Die Hotline reicht ganz offensichtlich nicht aus, um Menschen in akuter Not beizustehen. Denn am Ende des Abends kann es zu spät sein. Dass das zermürbende Warten Verzweifelten erheblich zuzusetzen vermag, kann frau im Internet in Erfahrungsberichten nachlesen.
Allerdings scheint die Telefonseelsorge so ziemlich das
einzige Angebot dieser Art zu sein, das existiert. Überall, wo im Internet
Suizid-Notfallhilfe draufsteht, sind die Nummern der Telefonseelsorge drin. Was
dann allerdings nach der kühlen Bandansage immer folgte, war noch zusätzlich verstörend:
Nach der Aufnahme erklingt dann das quäkende „Kein-Anschluss-unter-dieser-Nummer“-Zeichen.
Bis die*der Hilfesuchende auflegt. Ob sich irgendwer bei der offenbar kirchlichen
Veranstaltung der Ironie bewusst ist, wage ich zu bezweifeln. Dass das für
Ratsuchende in gefühlt ausweglosen Situationen leicht wie eine Ohrfeige wirken
kann, scheint dort auch keinem*r bewusst zu sein. Im Anschluss versuchte ich,
mich für die Seelsorge per Chat zu registrieren und landete auf einer Liste mit
zehn Terminen. Der letzte davon war bereits am Dienstag um 20:30 Uhr. Und alle
Termine waren eh schon vergeben.
Wie immer, wenn ich im Leben versuche, irgendwo adäquate Hilfe für mich selbst oder andere zu bekommen (bei Behörden, Ärzt*innen, Tierheimen,
Polizei etc.) und dabei fast immer scheitere, verwandelt sich Sorge nach und
nach in Ärger und Fassungslosigkeit. Das ist ein Nebeneffekt, für den ich
vielleicht dankbar sein sollte, weil er mich wieder aufpeppt und in
Kampfposition bringt, aber…ganz ehrlich Leute, so geht das doch nicht. Was soll
das? Bei angeblich 7700 ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen, die laut Angabe auf
der Website dazu verpflichtet sind, im Monat 15 Stunden für die Telefonseelsorge
zu arbeiten, haben die am Wochenende ganze 10 Chat-Termine zu vergeben? Was
läuft da schief? Und wieso überlasse ich eine so wichtige gesellschaftliche und
in bestimmten Fällen lebensnotwichtige Aufgabe überhaupt einem kirchlichen Verein?
Wieso ist das nicht staatlich, gut finanziert und ordentlich ausgebaut?
Der Herr, der schließlich abnahm, war in der Hauptsache freundlich
und hatte definitiv etwas Beruhigendes. Ich glaube, dass er einem lebensmüden
Menschen den Interventionspunkt bieten könnte, der den rollenden Zug erst
einmal stoppt. So weit so gut. Ich sagte am Anfang überrascht, ich hätte gar
nicht mehr damit gerechnet, noch mit jemandem sprechen zu können. Er sagte, er
würde sich dafür nicht entschuldigen. Und ich dachte, das ist mal ein echt
unangebracht konfrontativer Einstieg, aber zum Glück kriegten wir das noch
umgebogen. Dann versuchte er es im Laufe der Unterhaltung mit praktischen
Tipps, wo ich mir Rat holen könnte. Ich hörte mich sagen: „Ja, ja.“ Und dann
wollte er mich am Ende als Mitarbeiterin für die Telefonseelsorge rekrutieren…gelacht haben wir auch ein wenig.
Die App der Telefonseelsorge habe ich mir dann auch noch
runtergeladen. Entweder bin ich zu blöd, oder aber das Produkt ist schon wieder
viel zu hakelig, buglastig und inhaltsleer, als dass ich erkennen könnte, was
ich damit machen soll, damit es mir besser geht. Ich habe bei der Navigation
nur geflucht. Und mich noch mehr gewundert.
Warum habe ich überhaupt bei der Telefonseelsorge
angerufen?
Weil es mir mies ging. Das passiert. Und in den letzten
Jahren immer öfter. Das miese Gefühl wächst zu einer überwältigenden und komplett
unübersichtlichen Flutwelle und es ist, als würde frau in der Tat
gleich im Chaos der Sorgen und Beschwernisse erdrückt werden.
Ich habe gesundheitliche Befürchtungen und fühle mich oft medizinisch
nicht besonders gut versorgt. Allein der Versuch, als Neupatient*in irgendeiner
Fachärztinnenpraxis aufgenommen zu werden…don’t get me started. Gefühle
wirtschaftlicher Instabilität und Statusangst sind seit Beginn meiner Berufstätigkeit
vor knapp 30 Jahren meine ständige Begleitung. Zahlreiche Lebensträume sind über
die Jahrzehnte evaporiert und haben einer wabernden Bitterkeit immer mehr Platz
gemacht. Hinzu kommt, dass ich ohnehin in meinen Werkseinstellungen eher motzig
und nicht besonders fröhlich bin. Ich bin empfindlich und anspruchsvoll.
Und allein.
Das hat sich so ergeben – aus einer Mischung aus
Persönlichkeit und Lebensumständen. Auf der Liste meiner WhatsApp-Kontakte gibt
es nur zwei private. Wenn ich eine Party feiern wollte, wüsste ich nicht, wen
ich überhaupt einladen soll. Und dass eine Partnerschaft eine*n nicht unbedingt
davor bewahrt, sich allein und verloren zu führen, dürfte so ziemlich jeder
Frau in mittleren Jahren klar sein. Dass eine Partnerschaft diese Gefühle auch
gern erst erzeugt, liegt ebenso auf der Hand. Der Herr von der Telefonseelsorge
sagte mir, dass sich dort mindestens 50% aller Anrufer*innen wegen akuter
Einsamkeit meldeten. Die Mehrheit der Anrufenden ist weiblich.
Und wie geht es dir so?
Ich plane ja schon so lange, einen Club der dicken Damen
zu gründen. Nun nehme ich diesen persönlichen Tiefpunkt zum Anlass. Das ist
vielleicht nicht furchtbar elegant, aber dass sich einige Leser*innen hier
am Strand ebenfalls mitunter einsam und ungesehen fühlen, scheint mir sicher. Mir schwebt ein Platz
zum Quatschen vor, ein Ort, an dem frau einfach was loswerden kann – Schlechtes
oder Gutes. Ein Netz aus Unterstützer*innen und Zuhörer*innen. Mit einem Forum
und einem regelmäßigen Online-Treffen. Im Grunde eher ein „Und-wie-geht-es-dir-so?“-Club.
Die Frage ist nun: Wärt Ihr interessiert?
(E-mail, Kontaktformular oder Kommentare sind natürlich alle gleich gut geeignet für Feedback. : ))
office(at)nicola-hinz.com
NH
Dienstag, 20. Dezember 2022
Dürfen Fettaktivist*innen Diät machen?
Offenbar stellt sich diese Frage. Denn es geschieht gar nicht so selten, dass öffentlich sichtbare Vertreter*innen von Fat Acceptance abnehmen. Genaugenommen wirkt es manchmal gar so, als ob der Rückfall in die Diätkultur für viele dicke Ikonen nur eine Frage der Zeit ist. Gabourey Sidibe, Adele, Melissa McCarthy und Rebel Wilson fallen mir als besonders prominente Ex-Dicke spontan ein.
Selbst Tess Holliday hat offenbar abgenommen und der
Außenwelt das Ergebnis stolz präsentiert. Als Antwort auf den Backlash, der zu
erwarten gewesen war, servierte sie dann eine überstandene Anorexie als Grund.
Mein Ton verrät es vermutlich – ich habe da erhebliche Zweifel. So oder so
finde ich ihr Vorgehen mächtig schattig.
Gerne passiert die Gewichtsabnahme infolge der Einsetzung
eines Magenbandes. Oder mit straffen Diät- und Trainingsprogrammen, für die im
wirklich ungünstigsten Fall auch noch gleichzeitig Werbung gemacht wird. Nach
eigenen Angaben wird immer aus gesundheitlichen Gründen diätet, nie weil frau
doch lieber etwas normschöner sein will. Diese Darstellung ist in
den meisten Fällen bestimmt nicht ganz aufrichtig. Und natürlich sind die, die Hoffnung
in die Unterstützung und Repräsentanz gesetzt oder sich durch das Vorbild
gestärkt gefühlt haben, häufig enttäuscht bis sauer. Zu Recht.
Aber die Antwort lautet:
Ja, dürfen sie. Fettaktivist*innen
dürfen dünn werden. Sie dürfen sich auch kleine Teufelshörnchen in die Stirn
implantieren lassen. (Yes, that is a thing.) Es können selbstverständlich alle
mit ihren Körpern machen, was immer sie wollen.
Die echte, unterliegende Frage ist natürlich, ob eine
Fettaktivistin Diät machen und trotzdem für die Sache eine glaubwürdige
Vertreterin sein kann.
Die Antwort ist:
Nein.
Es ist nicht möglich, das, für dessen Akzeptanz eigentlich
gekämpft werden soll, gleichzeitig mehr oder weniger erfolgreich am eigenen
Leib zu bekämpfen. Egal, was meine Gründe sind. Ich kann mich, an dem Punkt
angekommen, vielleicht noch als Ally (Verbündete) bewerben, aber ich kann auf
keinen Fall weiter Vorreiter*in sein. Ich kann auch nicht privat Pelzmäntel
tragen und öffentlich als Präsidentin von PETA auftreten. Die akzeptierende Haltung
zum Fett ist, wie jede konfliktträchtige gesellschaftliche Baustelle, eine
grundsätzliche und ethische Angelegenheit. Sie ist ernst - und auch in der
Praxis ziemlich klar umrissen. Sie erfordert auf jeden Fall Konsequenz bis in
den privaten Bereich, sonst bleibt sie wirkungslos.
Wenn ich zu dieser Konsequenz nicht mehr in der Lage bin
oder keine Lust mehr dazu habe, dann muss ich abtreten, aus dem Club austreten
und ehrlich sein. Wenn meine bisherige Karriere womöglich darauf aufgebaut war,
als Vorbild und/oder Sprachrohr für die Fettakzeptanz-Community zu wirken, dann
sollte diese Karriere beendet sein. Da hilft übrigens auch kein scheinheiliges
Umschulen auf milde, sinnlose „Body Positivity“.
Wenn ich mich als öffentlich agierende Fettaktivistin dazu
entscheide, mein Gewicht maßgeblich zu verringern, sollte ich das begreifen,
umsetzen und vor allem den Anstand aufbringen, bestimmte Dinge bitteschön ganz zu
unterlassen:
1. Es ist unredlich und eine vollständige Abkehr vom
ehemaligen Grundsatz, wenn sich eine Ex- Fettaktivist*in dazu versteigt,
auch noch Werbung für Diäten, Pulver, Pillen, Tees, Trainingsprogramme oder
Fitnessclubs zu machen.
2. Zumeist zutiefst subjektives, womöglich selbstzufriedenes
und im schlimmsten Falle triggerndes öffentliches Geschwärme über die
Gesundheit, die durch die Gewichtsreduktion erheblich verbessert worden sei,
ist auf jeden Fall zu unterlassen.
3. Es wäre auch nett, das Publikum mit der Behauptung zu verschonen,
es gehe beim Abnehmen nicht ums Abnehmen, sondern um Self Care oder Wellness
oder Healing oder was auch immer für einen blumigen Scheiß. Und die Überwindung
einer Essstörung gar mit großer Geste als Erklärung und Rechtfertigung aus dem
Ärmel zu ziehen, ist respektlos und ekelig.
4. Lauter sorgfältig produzierte aber auch deutlich
erschlankte Selfies von sich zu posten, um dann so zu tun, als seien die
Komplimente, die in einer von Diät-Kultur geprägten Welt auf jeden Fall kommen,
unerwünscht, ist verlogen und rettet auf keinen Fall die eigene Integrität. Vielmehr sind die vorgetäuschte Überraschung und Vehemenz, mit der positive Kommentare
zum Diäterfolg mitunter zurückgewiesen werden, geradezu erbärmlich.
5. Sich als ehemals Dicke noch immer basierend auf der Identität einer betroffenen Dicken gegen die Diskriminierung Dicker zu engagieren wird spätestens dann lächerlich, wenn das Gruppenfoto gemacht wird. Ich kann nicht in den Genuss von Thin Privilege kommen und so tun, als habe sich an meiner Position im Kampfgeschehen nichts Grundsätzliches verändert.
HAPPY EVERYTHING und bis zum nächsten Jahr!
NH
Donnerstag, 31. März 2022
Zwischenmeldung
Heute, in diesen Zeiten, fand ich das hier in meinem Postfach:
Hallo Nicola,
![]() |
| Meine Mädchen: Tippi und Willow |
Manchmal helfen bekanntlich nur Katzenbilder. Besonders schön ist das Leben hier weiterhin nicht, aber der Einzug von Willow nach Corbinians Tod war für uns alle ein Hauptgewinn. Tippi hat in ihr ihre Meisterin im Toben und Wetzen gefunden. Natürlich ist sie viel schneller als Corbi und verfügt überdies naturgemäß über viel mehr Energie. Dafür wird sie in den Pausen von Tippi bemuttert und geputzt. Und Tippi teilt ihre Hängematte. Noch geht das. Bis die Kleine der Großen über den Kopf wächst.




