Dienstag, 10. Februar 2015

10 Jahre candybeach.com: Hallo, wie geht es Ihnen?*

Am 10. Februar 2005 habe ich begonnen zu bloggen. Die Domain war UND IST candybeach.com. Warum der Name? Er gefiel mir. Das ist alles. Ich mag Strände. Und Süßigkeiten. Und der Klang war gut.

Alle, die damals schon mitgelesen haben (einige sind ja auch noch hier), wissen, dass die Website in jenen Zeiten etwas pinklastiger war. Und natürlich, dass es sich bei meinen Aufzeichnungen zunächst um ein Diättagebuch handelte. Ich wog über 122 kg und wollte im Leben mal wieder nichts dringender, als dünn zu werden. 

*Die Überschrift des allerersten Eintrages lautete allen Ernstes: "Hallo, wie geht es Ihnen?" Und weiter unten verkündete ich unumwunden, dass ich "gern ein Rennpferd wäre anstelle eines untersetzten Ponys". Ich war grausam und ziemlich gnadenlos mit mir. Wenn man sich auf aktuellen Diät-Blogs umsieht, erkennt man den Ton unschwer wieder. Die Autorinnen sind nicht netter zu sich als ich es war. Wenn ich heute auf mich und mein Verhältnis zu mir selbst zurückblicke, bin ich, ich kann es nicht anders sagen, entsetzt.

Das Diättagebuch war ein echter Hit. Natürlich war der Candybeach danach nie wieder so gut besucht. Aber das ist keine echte Überraschung: Es gibt schließlich kaum größere Themen als Diäten und Sex. Wer richtig viel Aufmerksamkeit will, sollte sich zumindest auf eins spezialisieren (wenn nicht gar auf eine Kombination aus beidem). 





Bekanntlich hatte ich selbst aber vor ungefähr gut zwei Jahren endgültig genug. Genug von Diäten und dem Selbsthass, der mich Zeit meines Lebens dazu angefeuert hat. Ich empfinde diese persönliche Evolution, die ohne die öffentliche Form des Blogs womöglich bis heute nicht stattgefunden hätte, als riesiges Glück. Wer sich öffentlich in Entwicklungsprozesse begibt, hat es manchmal leichter, weiter zu machen, denn da schauen ja welche zu und erwarten Berichterstattung. Das Aufarbeiten für eine Leserinnenschaft, sowie das Schreiben an sich helfen außerdem bei der geordneten Betrachtung der eigenen Situation. Man lernt schneller und mehr über sich, als wenn man ganz mit sich allein wäre.

Außerdem bin ich zahlreichen anderen Bloggerinnen, die sich, als ich als Neuling auf dem Gebiet herum eierte, schon viel länger mit Fett- und Selbstakzeptanz beschäftigt hatten, unendlich dankbar. Sie haben mir buchstäblich den Weg zu einem neuen Leben gezeigt. Und ich weiß heute natürlich auch, dass es anfangs mitunter sehr viel Kraft und Energie kostet, sich mit all seinem gesellschaftlich inakzeptablen Fett ins Schaufenster zu stellen und für sich in Anspruch zu nehmen, dass der eigene Körper so, wie er ist, endlich Respekt verdient. Hätten sie diesen Mut nicht vor mir gehabt, hätte ich ihn heute auch nicht.

Und jetzt? Jetzt mache ich hier einfach so weiter, wie in den letzten zwei Jahren. Danke an all die Beach Babes (dick oder dünn), die regelmäßig für einen kleinen Strandspaziergang vorbeikommen. Mal sehen, was wir in den nächsten 10 Jahren noch alles so finden werden...

In diesem Zusammenhang möchte ich auch nochmals an die heutzutage hier geltenden Regeln für das Erlangen eines perfekten "Beach Bodies" erinnern - 1. Hab' einen Körper. 2. Geh' an den Strand. 

NH

Sonntag, 1. Februar 2015

Follow me around 15: Them skinny bitches...


I'm bringing booty back -                                                                                                          go ahead and tell them skinny bitches that. (Meghan Trainor)



Dünnhäutig

Meghan Trainors "All about that bass" handelt davon, sich dem allgemeinen Schönheitsdiktat, dünn zu sein, nicht mehr zu beugen, und auf den eigenen Körper mit seinen Rundungen stolz zu sein. Und es war natürlich ein schmissiger Riesenhit. Der bemerkenswerteste Aspekt an der Erfolgsgeschichte von Trainors Liedchen ist aus meiner Sicht jedoch noch immer das, was im Internet verbreitet als "The skinny bitch backlash" bezeichnet wurde. Einige Frauen fühlten sich diffamiert durch die oben stehende Textzeile und durch die Beschreibung dünner Frauen als "stick-figure, silicone Barbie doll".

Argumentiert wurde, dass Trainor "skinny shaming" betreibe und dass das ganz genauso verwerflich sei, wie "fat shaming", was sie ja in ihrem Lied auch gerade kritisieren würde. Um glaubwürdig zu bleiben, dürfe sie das Pendel nicht plötzlich in die andere Richtung schubsen. Auch der im Text eingestreute Hinweis, dass die "Beleidigung" nicht ernst gemeint sei, also quasi vorsorglich als satirische Überspitzung erklärt wird, hat offenbar nicht ausgereicht, den Ärger vieler, die sich als "skinny bitch" angesprochen fühlen, zu verhindern oder zu mindern.

Was soll man ihnen bloß raten? Wie wäre es damit, "skinny bitch" in etwas Positives umzuwerten und es sich zu eigen machen? So, wie die Fettakzeptanzbewegung sich eigentlich negativ besetzte Begriffe wie "fat" bzw. "dick" zurückerorbert und ihnen eine neue, stärkende Bedeutung gibt. Schließlich gibt es ja auch längst Diätratgeber, die unter dem Titel "Skinny Bitch" zu Bestsellern geworden sind. Eigentlich will in unserer Kultur doch jede eine "Skinny Bitch" sein, oder? Eine selbstbestimmte, selbstbewusste Frau, die gängigen Schönheitsstandards entspricht und auch sonst alles unter Kontrolle hat? Sie ist ohnehin schon das Ideal. Sie muss sich mithin gar nichts erkämpfen.

Und da tut sich auch schon ganz genau das Problem auf, das ich mit den Anklägerinnen habe, die sich dazu verstiegen haben, gegen ein Lied zu protestieren, in dem sich jemand auf vergleichsweise milde Weise über sie lustig macht. Man kann jemanden nur sehr begrenzt damit beleidigen, zu sagen, dass er dem gängigen Schönheitsideal entspricht. Um genau zu sein, ist es eigentlich gar nicht möglich. So wie man jemanden nicht wirklich damit herabsetzen kann, ihm vorzuwerfen, er sei zu klug. Der Grund, warum es z.B. nicht akzeptabel ist, sich über Behinderte lustig zu machen, ist, dass sie noch immer gesellschaftlich in einer vergleichsweise schwachen Position sind und täglich gegen Diskriminierung, Benachteiligung und Vorurteile kämpfen müssen. Es ist problematisch, sich über Schwächere lustig zu machen. Es ist aber zulässig, sich über die lustig zu machen, die kulturelle und gesellschaftliche Wirklichkeit dominieren, also Macht haben. Würde man Satiriker fragen, ist es sogar unsere Pflicht, weil es ein Mittel gesellschaftlicher Weiterentwicklung ist, Macht und geltende Standards herauszufordern. Diesen Zusammenhang und die eigene, privilegierte Position darin zu erkennen, ist eine Denkleistung, die z.B. auch viele Männer nicht erbringen können, wenn sie sich über weiblichen Spott beklagen.

In den letzten zwei Jahren bin ich einer substantiellen Anzahl von Männern begegnet, die dachten, es schmeichelt mir, wenn sie sich negativ über schlanke Frauen äußern und mir versicherten, dass "so traurige Gerippe" sie nicht anmachen würden, weil eine "richtige Frau" nun einmal aussehen müsste wie ich. Mit dieser Art von Komplimenten macht man sich bei mir nicht beliebt. Weil ich es nicht lustig finde, Frauen gegen Frauen auszuspielen - basierend auf Äußerlichkeiten oder sonst irgendetwas. Und weil ich der festen Überzeugung bin, dass jeder Körper ein guter Körper ist, alle Körper gleich gut sind und jede Frau eine richtige Frau ist.

Oh, die Ironie!

Und dennoch - im Hinblick auf die Beschwerden über Meghan Trainor und ihren total unausgewogenen Song erlaube man mir den kurzen Verweiß darauf, dass öffentliche Verächtlichmachung sehr viel massiver und bösartiger Art etwas ist, was Dicke tagtäglich aushalten - weil ihnen nichts Anderes übrigbleibt, wenn sie nicht auf eine einsame Insel ziehen wollen...was sind wir Dicken doch für starke Biester, dass wir nicht immerzu und überall Flüsse aus eingeschnappten Krokodilstränen heulen. Man erlaube mir ein paar Sekunden erstaunter Genugtuung. Und ein amüsiertes Kopfschütteln.

Heimweh

Ich habe obendrein das Bedürfnis, meine Begeisterung über die Einkaufsmöglichkeiten im Internet zu teilen. Denn nach ziemlich vielen Jahren kann ich mich nun wieder von dem ernähren, wovon ich während meiner Studienzeit in den USA auch vorrangig und mit Vorliebe gelebt habe: New England Clam Chowder von Campbell's (Muschelsuppe) und Grape Nuts (ungesüßte Getreide-Cluster) mit Joghurt und altmodischen Golden Delicious.



Außerdem habe ich im British Shop in meiner Gegend alle Dosen Erbsensuppe mit Minze aufgekauft. Großartiges Zeug! : ) Und das Aufwärmen von Dosensuppen ist eine wirksame Strategie der Küchenchaosvermeidung.

Vielen Dank für die Blumen!


Und zu guter Letzt habe ich noch einen Blumentopf gewonnen. In den letzten drei Monaten war ich als Aushilfslehrerin an einer öffentlichen Gemeinschaftsschule beschäftigt. Und zur Verabschiedung wurde mir eine Pflanze überreicht. Eigentlich hätte ich bis zum Ende des Schuljahres, also bis zum Sommer dort arbeiten sollen, aber nun wurde der Vertrag doch nicht verlängert. Dass ich ab Montag keinen Job im öffentlichen Dienst mehr habe, habe ich gestern (Freitag) erfahren. Dabei geht es bei den Behörden noch knapper: Von meiner Einstellung erfuhr ich am Sonntagabend vor Arbeitsantritt. Die Tatsache, dass Lehrkräfte mitunter behandelt werden, wie Springer in Fast-Food-Ketten (was übrigens auch nicht akzeptabel ist), ist nur ein Aspekt des deutschen Schulsystems, der mich seit meinem Ausflug in eben dieses, erheblich beunruhigt. Fortsetzung folgt.

NH

Montag, 26. Januar 2015

Follow me around 14

Presseschau

Die "myself", ein Magazin, dessen Mission es ist, "Frauen stark zu machen" enthält in ihrer Januar-Ausgabe keine Diätprogramme. Das heißt nicht, dass Gewicht und Abnehmen nicht darin vorkommen. Tatsächlich gibt es auf den vergleichsweise dünnen 186 Seiten pausenlos mehr oder weniger subversiv eingestreute Bemerkungen, die sich gegen Körperfett richten und seine Bekämpfung anmahnen. Einige mögen harmlos aussehen, sind aber spitz gemeint. Und in der Häufung prägen sie das ablehnende und abwertende Klima, in der alle täglich leben müssen, die sich im Kampf gegen den eigenen Körper befinden. Ich habe mal durchgezählt, und hoffentlich nichts übersehen. Denn ganz ehrlich - ein besonders anspruchsvolles Vergnügen ist die Lektüre nach wie vor nicht.

1. Auf dem Cover: "18 Kilo weniger, eine neue Haarfarbe - Mensch, siehst du gut aus". Eigentlich geht es in dem Artikel um Frauen, die sich 2014 angeblich neu erfunden haben. Aber nicht so wie Madonna bei jedem neuen Album - jetzt wollen wir es mal nicht übertreiben, bittesehr! Der "myself"-Redaktion reicht schon eine pieselige Anmeldung bei Weight Watchers.

2. Seite 33: Barbara Schöneberger wird zitiert: "Ich bin eine Frau." Die Bildunterschrift lautet weiter: Das zeigt Barbrara Schöneberger mit jedem (...) Auftritt im hautengen Kleid. Soll eigentlich heißen: Die dicke Barbara traut sich ganz schön was, wenn sie ihr Fett dauernd so vorzeigt. Bemerkenswert schauerlich auch die unterliegende Gleichung, die hier aufgestellt wird: Frauenkörper = Körperfett = fragwürdig. Seien wir ehrlich - das ist genau das, was sie denken und wollen, dass auch keine von uns es je vergisst: Frauenkörper = fragwürdig.

3. Seite 61: "Daunen-Diät. Halten warm und machen nicht dick: ultraleichte Steppjacken".

4. Seite 80: "Sophia Loren wusste wie es geht: Ein formender Body mit Balconette-BH..."

5. Seite 83: "Ich habe kräftige Oberarme und suche ein schwarzes Kleid mit langen Ärmeln..."

6. Seite 87: " ...eine figurformende Hose, die Sie optisch eine Größe schlanker aussehen lässt."

7. Auf Seite 98 erfährt die Leserin dann endlich die ganze, inspirierende Geschicht von Nadine, die die oben erwähnten 18 kg abgenommen hat.

8. Seite 112: Die Beauty-Assistentin hat beim Move-it-Fitnesstraining an Hüfte und Bauch 1,5 cm Umfang verloren. Oder wie man es bei "myself" auch gerne einordnet: Sie hat sich selbst quasi neu erfunden.

9. Seite 115: Das Model Cato Van Ee "kompensiert" seine Leidenschaft für Pommes mit Yoga und Pilates.

10. Seite 140: Als heuchlerische Notiz eingestreut und im Grunde nur eine Bekräftigung der Unmöglichkeit einer echten gedanklichen Abkopplung vom fettphobischen Grundfluss wird Bette Midler zitiert: "Irre, wie viel Freizeit ich habe, seitdem ich mich nicht mehr wiege." Aber die Bette, die ist ja eh fast 70. Die darf das.

11. Seite 146: "Spätestens nach Plätzchen und Gans wollen alle wieder gesund leben." Es geht um Kohl.

12. Seite 152: "Die Superbeere - (...) 100 Gramm haben nur 95 Kalorien." Anm. d. dicken Dame: Wer zählt eigentlich wirklich noch Kalorien, selbst wenn er Diät macht?

13. Seite 185: Die Vorschau auf das nächste Heft kündigt sie dann auch endlich an, die "Nordic-Diät". Kein Jahresanfang ohne Diät in der gängigen Frauenpresse. Das wäre ja auch zu schön, um wahr zu sein.

Fastenzeit

Nicht ich faste. Aber meine Wohnumgebung sehr wohl. Nachdem sie nun im Schweiße meines Angesichts am Ende so gründlich aus- und aufgeräumt wurde, wäre es ja auch eine wahre Schande, sich wieder in einen Stau und im Hinblick auf meinen Haushalt in schiere Funktionslosigkeit zu konsumieren. Darum wird nichts mehr gekauft, was nicht in  eine der folgenden Kategorien gehört:
  • Katzenfutter
  • Menschenfutter
  • Papier und Druckertinte
  • Artikel, die für spontane Notfallrepraturen benötigt werden. (Ich habe das Schloss der Waschmaschine schon länger in Verdacht, eine Gemeinheit vorzubereiten.)
  • Notwendige Hygieneartikel und Kosmetik, wenn etwas alle ist.
Die Regeln gelten vorerst für den Monat Februar. Dann folgt eine Sichtung der Vorräte und eine Auswertung der Gefühlswerte. Der Kater hat übrigens in den letzten Tagen kräftig bei der weiteren Befreiung der Wohnung von Nippes geholfen: Er hat es sich zur Gewohnheit gemacht, in die Regale zu hüpfen und ihre Bewohner über Bord zu werfen. Was kaputt geht, wird auch nicht mehr geklebt wie früher, sondern kommt in den Müll. Der Kater ist mithin der Erfinder und Organisator des Kitsch-Darwinismus-Projektes. Manches Dingsbums muss man natürlich auch nur oft genug auf den Boden rempeln, bis es zerbricht.

NH

Sonntag, 11. Januar 2015

Follow me around 13: Die Ordnung während des Sturms

Für jeden Gegenstand einen Platz, und jeder Gegenstand an seinem Platz - fast fertig!


Ich habe ja schon geschrieben, dass das Organisieren meiner Wohnung im letzten Jahr und zuletzt auch noch über die Feiertage eine wirkliche Verbesserung und Erleichterung für die Bewältigung meines Alltags und meine Zufriedenheit bedeutet. Ich liebe es, zu wissen, wo alles ist und was wo drin ist. Ich finde es wunderbar, jetzt jeden Gegenstand, der hier mit mir wohnt, auch zu kennen. (Kontrollfreak, der ich nun einmal bin.) Das heißt beileibe nicht, dass meine Wohnung jetzt leer ist. Ich habe herausgefunden, dass es nicht Leere ist, die ich brauche. Ich brauche strukturierte Fülle. Wenn ich zu sehr ausdünne, füllt sich das Regal fast wie von selbst wieder mit Dingen, bzw. es entsteht das überstarke, quälende Bedürfnis, einen Eisbären aus Meissener Porzellan und eine solarbetriebene Winkekatze hineinzustellen. Jojo-Diäten im häuslichen Bereich nach Ausmistaktionen sollen keine Seltenheit sein, habe ich mir sagen lassen. Also lässt man lieber wohlgeordnet gleich etwas stehen, was man mag.

Eine Freundin sagte, die Videos amerikanischer Declutter- und Organisationsexpertinnen, die man bei YouTube in Mengen finden kann, machen ihr regelrecht Angst. Ich kann das durchaus verstehen. : ) Das mit dem Organisieren des Haushaltes und ALL der Dinge, die sich darin befinden, kann süchtig machen. Und fanatisch. So wie alles eben. Und dann hat man natürlich gleich wieder das nächste Problem. Man hat immer noch bessere Ideen. Und man findet noch immer schönere Körbe oder Dosen oder Ordner. Und man muss ohnehin noch alle handgeschriebenen Schilder durch gedruckte ersetzen. Und eigentlich könnte man immer Keller ja auch gleich noch einmal durch alles durchgehen, denn vielleicht hat sich das Verhältnis zu bestimmten Gegenständen in den letzten Monaten schon wieder komplett geändert, und es könnte noch mehr weg...irgendwann muss man es auch wieder gut sein lassen. Ich habe ja sogar eine neue Arbeitstasche, sowie eine neue Kosmetiktasche für unterwegs angeschafft - mit mehr und größeren, viiiel besseren Fächern. Ich habe meinen Kühlschrank in Sektionen unterteilt. Und ich habe die Füllung aus Kissen genommen, die Hüllen gefaltet und sie fein säuberlich weggelegt. Die Kissenberge wurden einfach zu hoch. Und ja - ich habe neuerdings "Organisations-Clutter". Behälter ohne Einsatzort. So kann es gehen. Mein Projekt ist fast abgeschlossen. Das muss ich jetzt begreifen, und mich, mal wieder im Leben, disziplinieren. Nur noch ein paar Kabel müssen geordnet und beschriftet werden. Und da sind noch einige alte Akten, die aussortiert werden sollen.

Basis-Schlachtplan für ein organisiertes, vereinfachtes Zuhause

1. Aussortieren/Sichten: Das ist mitunter ein langer Prozess und viel Arbeit. Auch emotionaler Art. Und ich weiß wirklich wovon da die Rede ist. Expertinnen raten, bei jedem Gegenstand einen kleinen Fragenkatalog abzuklopfen: Brauchst du den Gegenstand? Benutzt du den Gegenstand regelmäßig? Ist der Gegenstand einer deiner Lieblinge/magst du ihn sehr? Wenn die Antwort auf alle diese Fragen immer wieder "Nein" ist, sollte der Gegenstand natürlich weg. Daran habe ich mich offenbar nicht ganz gehalten. Manchmal verwischen halt auch die Linien. Und was heißt schon "brauchen"?

Beim Wegschmeißen sollte man in der Hitze des Moments aber auch nicht unangemessen streng zu sich sein - es gibt Dinge, an denen hängt man eben einfach. Und wenn sie halt nur bis in alle Ewigkeit in einer Schachtel im Schrank liegen werden. Dann wiederum behält man andere Dinge, die man nicht mag, weil man sich schuldig fühlt: "Das war ein Geschenk von..." oder "Das war aber so teuer...". Das sind aber natürlich keine guten Gründe, um etwas zu behalten, das einem das Leben und den Alltag zumüllt, oder einen immerzu ärgert, wenn man es sieht.

Mitunter muss man auch Projekte aussortieren und aufgeben: Man wird die alte Kaffeemaschine nicht mehr reparieren. Punkt. Sie kann weg und aus dem Weg. Ich selbst musste begreifen, dass ich mein Parkett nicht mehr abschleifen und wachsen werde. Also, jedenfalls nicht in den nächsten Jahren. Kann der Kanister mit dem Hartwachs-Öl auch endlich aus der Abstellkammer. Dafür habe ich das Dutzend Hosen, das ewig herum lag, weil sie alle zu lang waren, endlich zur Schneiderin verfrachtet, damit ich sie noch mal anziehen kann, bevor sie mir zu weit werden. Die drei Kisten mit Sachen für den Flohmarkt stehen allerdings noch immer da im Flur herum. Inzwischen hat Corbi sie zu seinem Hochsitz erklärt und ich habe ihm eine Decke draufgelegt. Er wird sie vermissen, wenn sie gehen. Vielleicht wird es dann Zeit für einen neuen Kratzbaum. Es gibt halt auch hässlichen Kram, der wirklich notwendig ist.

Dinge zu verschenken oder zu spenden, ist natürlich befriedigender, als wegzuwerfen. Ich selbst habe über die Jahre oft Dinge hierher gebracht: Oxfam.

2. Ist alles, was ich regelmäßig brauche, leicht zugänglich? Kann ich die täglichen Abläufe im Haushalt vereinfachen, wenn ich Dinge umräume oder anders organisiere?

3. Schubladen, Regale und Schränke durch Unterteilung strukturieren.

4. Platz gewinnen durch stapelbare Behältnisse.

5. Alles schneller finden durch Beschriftung.

6. Gibt es Flächen, die immer frei bleiben sollen oder müssen?

7. Optische Einheitlichkeit beruhigt und schafft Ordnung fürs Auge.

8. Möglichst kaum etwas Neues mehr ins Haus lassen, das nicht automatisch und in absehbarer Zeit aufgebraucht wird, so wie z.B. Kaffee, Klopapier und Deo.

Eine einfache Übung wird auch das nicht. Aber wenn es einfach wäre, würde es ja auch jeder machen. Spaß beiseite...es verhält sich mit Krempel und Organisation natürlich so, wie es eigentlich mit allem sein sollte. Nur wenn er einen wirklich stört, einen einschränkt und daran hindert, ein schönes Leben zu führen, muss man sich auch daran machen, ihn zu bearbeiten. ; ) Bei mir war es so. Ich glaube, jetzt ist es ok.



Was vom Make-up übrig blieb.



Schilder helfen dabei, sich an die neue Ordnung auch zu halten.




NH