Ich habe den Fragebogen zum Jahresrückblick 2011 von Shushan übernommen und ein wenig gekürzt. Obwohl ich ein bisschen spät dran bin, war es ein interessantes Experiment, bei dem vor allem eines herausgekommen ist: Ich kann mich an 2011 schon gar nicht mehr erinnern.
Ist das nun gut oder schlecht? Im Prinzip war es das ganze Jahr, glaube ich, wie beim Schwimmen Anlauf zu nehmen. Der Alltag, der 2009 und 2010 total aus dem Ruder gelaufen war, musste irgendwie wieder bewältigt werden, während gleichzeitig die Planung für Veränderungen lief. Schnell kommt man da nicht voran. Aber man wird verdammt schnell müde. Und äußerlich hat sich dann auch wirklich nicht viel getan.
1. Auf einer Skala von 1 bis 10 - wie war Dein Jahr?
5-6
2. Zugenommen oder abgenommen? Am Ende kams dann doch wieder ungefähr aufs Gleiche raus.
3. Haare länger oder kürzer? Gleich.
4. Mehr Kohle oder weniger? Mehr. Sonst könnte ich den Laden auch endgültig zumachen.
5. Besseren Job oder schlechteren? Gleich.
6. Mehr ausgegeben oder weniger? Vermutlich weniger. Aber noch immer zu viel.
7. 2011 etwas gewonnen und wenn, was? Nix.
8. Mehr bewegt oder weniger? Gedanklich vermutlich schon…Mich habe ich nicht mehr bewegt. Das steht fest. Ich glaube auch, ich habe niemals zuvor so viel geschlafen, wie 2011. Außer vielleicht in dem Jahr, als ich mich zum Jurastudium verstiegen hatte, und zu deprimiert war, um geradeaus zu gucken.
9. Die gefährlichste Unternehmung: So richtig gefährlich war nichts, außer für Selbstachtung oder Kontostand… Aber wenn ich über die peinlichste Unternehmung was sagen könnte, würde ich mich bestimmt besser fühlen... andere Beteiligte aber möglicherweise nicht. Also lass ich‘s.......Fotos gibt‘s allerdings auch davon...oh-göttin-wie-gut-dass-ich-nicht-bundespräsidentin-bin-sonst-würde-der-diekmann-mich-damit-bis-ans-ende-aller-tage-erpressen!
10. Die teuerste Anschaffung? Eine neue Kamera. Am Tag danach gab die alte dann auch prompt den Geist auf – ich hoffe, sie war nicht beleidigt.
11. Das leckerste Essen? Das ist jedes Jahr der „Hinzsche Spezialkartoffelsalat“ zu Weihnachten.
12. Das beeindruckendste Buch? Zwei Stück. Bestanden beide aus Bildern, sonst hätte ich sie nicht durchbekommen: Paradise Now von Peter Bialobrzeski und Scribblings of a Madcap Shambleton von Noel Fielding.
13. Der ergreifendste Film? Precious mit Gabourey Sidibe
14. Die beste CD? Land of Talk: Some are Lakes (ist schon 2008 erschienen).
15. Die meiste Zeit verbracht wo? Im Stau. Im Bett. Am Schreibtisch.
16. Die schönste Zeit verbracht mit? Kasimir.
17. Zum ersten Mal getan? Einen Tiger gestreichelt.
18. Das beste Geschenk, das ich jemandem gemacht habe? Respekt.
19. Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Einen Reim.
NH
DAS LIED DER DICKEN DAME
www.candybeach.com
Sonntag, 8. Januar 2012
Freitag, 30. Dezember 2011
Wie im Himmel
(© Gahan Wilson - Danke Barbara! : ))
Ich könnte wetten, dass meine Therapeutin sich das irgendwie anders gedacht hatte, als sie mir vorschlug, mich einmal am Tag vor den Spiegel zu stellen und zu mir zu sagen "Du bist liebenswert, so wie du bist". Ich weiß ja dann immer nicht recht, was ich tun soll – den Spiegel zerschlagen, oder mich kaputt lachen. Mein Verhältnis zu mir selbst ist halt – na sagen wir mal – komplex. Bemerkenswerterweise soll ich natürlich gar nicht so bleiben, wie ich bin. Sonst wäre ich ja schließlich nicht ihre Patientin. Veränderung ist der Kern ihres Geschäfts – ohne Veränderung schlägt man in der Therapie irgendwann im Niemandsland auf. Wozu also jetzt noch der ganze Aufwand mit dem alten Ich?
ODER ABER: Man hört auf, sich zu entschuldigen.
Auf der Reise zu mir selbst, so stellt sich nun heraus, bin ich einmal im Kreis gelaufen, und wer macht mir die Tür auf: Eine alte Jungfer mit mieser Laune und Doppelkinn – und Menschenskind, war ich vielleicht froh, sie zu sehen! Je stärker die Bemühungen, sich von ihr zu entfernen, desto größer der Widerstand. Jetzt weiß ich auch warum – hätte man mich im Zuge all des therapeutischen Aufwands dazu bewegen wollen, mir einen Arm amputieren zu lassen, wäre das vermutlich auf ähnliche Weise gescheitert. Ich hätte ihn einfach nicht hergegeben. Und ich gebe sie auch nicht her. Sie ist Teil meiner Show. Und – egal wie weit man die Definition vielleicht auch ausdehnen muss – ich bin ein Showgirl, sonst wäre ich schließlich überhaupt nicht hier.
Ich will mich selbst nicht liebenswert finden. Die bloße Vorstellung fühlt sich einfach nur an, wie eine zu enge Unterhose. Ich fänd es zwar echt magisch, wenn ein bestimmter Herr endlich zu eben jener Einsicht gelangen könnte (Yes, YOU! Call me!), aber im Gegensatz zu allem was die Folklore des positiven Denkens uns lehren will, ist es weder notwendig noch ausschlaggebend, dass man sich selbst liebt, um geliebt zu werden. Das weiß jeder, der den Lauf der Welt ein paar Jahrzehnte beobachtet hat. Aber wo war ich…ach ja – also, ich persönlich würde auch nicht meinen eigenen "Like Button" drücken (aber ich bedanke mich vielmals bei den beiden, die es getan haben : )). Ich will viel lieber denken können, was ich will (auch über mich selbst) – und sei es noch so garstig. Denn das ist es, was ich bin. Und ganz nebenbei habe ich das Gefühl, dieses Blog wird davon noch richtig profitieren.
Und selbstverständlich halte ich weite Teile des Lebens für eine schiere Zumutung: Von der Steuererklärung über das Fernsehprogramm und die neue Brigitte Diät bis hin zum Tod – ABER ich entschuldige mich nicht mehr dafür. NIE MEHR! Ich habe es vermutlich schon einmal gesagt, ich sage es gern immer wieder: Was für eine Einstellung sollte man denn zu Wasserrohrbrüchen und Bankenskandalen bitteschön auch sonst haben?
Ach, und wo es nun schon seit Oktober als Merkwürdigkeit auf meinem Schreibtisch liegt: Was für eine Einstellung ist eigentlich die richtige, wenn man von einer dumpfbackigen, im Ursumpf der 50er festgekeilten Autorin namens Danijela Pilic beim bloßen Blättern in einer Frauenzeitschrift auf folgende Art und Weise angepöbelt wird: "Kennt jeder: Frauen, die allein sind (…) Die Verbitterte: Sie hasst Männer, und, wo wir schon dabei sind, auch Kinder, weil sie wahrscheinlich nie welche haben wird. Dafür liebt sie ihre sieben Katzen abgöttisch (…) Nachts weint sie in ihre Kissen und hat Angst davor, tagelang nicht entdeckt zu werden, wenn sie sterben sollte." Das Bild zu diesem Artikel ist übrigens eine Vogelscheuche. Damit hier kein Missverständnis entsteht – die Chefredaktion des Magazins Myself hat ihr gestattet, über uns alle (und insbesondere über all ihre Leserinnen, die obendrein auch noch was dafür bezahlt haben) herzuziehen, egal ob mit Familienanhang oder tatsächlich alleinstehend, weil sie schlicht unterstellt, dass es eine richtige und eine falsche Art des Frauenlebens gibt und die "falsche" mit der muffigen Lustigkeit einer Schülerzeitung diffamiert. Oder um mal ein themennahes Beispiel zu verwenden: Sie ist ungefähr so nervig wie eine von diesen verbiesterten Ex-Dicken, die sich gerade zum Rothorn Run angemeldet haben, und sich vorher noch kurz in eine Talk-Show setzen, um dort zu behaupten, dass es schier ein Ding der Unmöglichkeit sei, als dicker Mensch ein halbwegs zufriedenes Leben zu führen. Man kann über trutschige Modestrecken ohne Models und die nächste abwegige "Diätenwende" auf dem Cover ja sagen, was man will (und das werde ich auch noch), aber das wäre der Brigitte vermutlich nicht passiert.
Wahrscheinlich könnte man sich den Mist des Lebens vorübergehend schöntrinken. Schöndenken – wer weiß. Mein Grundsatz ist ja immer, so Einiges für möglich zu halten und möglichst wenig zu glauben. Wenn mich zum Beispiel in Hamburgs City ein verdächtig übereifriger Passant wild und wichtig mit den Armen fuchtelnd anhält und mir vorschreiben will "Sie müssen zurück, da geht es nicht weiter!", kann es durchaus vorkommen, dass ich erst einmal…tja, nun…weiterfahre. Ich mache mir halt gern selbst ein Bild. Glauben kann ein feines Lebenskonzept sein. Wie Optimismus. Oder wie Karma. Bis sie ausscheren, wie ein überlanger Schwertransport auf einer richtig engen Dorfkreuzung. Guten Menschen passieren schlimme Dinge. Am Ende gibt es doch Erdbeben der Stärke 8,9 im Nordosten Japans. Obwohl man geglaubt hat, dass das nicht möglich ist. Und eines Tages stellt sich womöglich heraus, dass der liebe Gott in Wahrheit eine "Crazy Cat Lady" ist – so eine, wie die, vor der die Frau Pilic so große Angst hat. Und die natürlich schon längst ihren festen Platz in der Ahnengallerie der Popkultur-Archetypen hat. Sie ist ein bisschen die Hexe des 21. Jahrhunderts, die neue wilde Frau.
Und wo wir gerade beim Thema waren: Eine Vorgängerin meiner jetzigen Therapeutin hatte mir mal als Hausaufgabe aufgegeben, meinen persönlichen Misthaufen zu zeichnen. Was ich prompt vergaß, woraufhin sie mir eine Standpauke hielt, und ich die Arbeit mit ihr abbrach. Aber vielleicht hole ich das jetzt doch noch nach – und male den höchsten und schönsten Haufen persönlichen Mists, den je eine Therapiepatientin gemalt hat – oder je malen wird. Und es erfüllt mich schon jetzt mit tiefer Zufriedenheit, mir vorzustellen, wie weit man von der Spitze meines Misthaufens wohl sehen könnte.
Kurz vor Weihnachten warf ich also tatsächlich einen Blick in den Spiegel. Und fand just meine innere Crazy Cat Lady – zum ersten Mal (hat ja auch nur zwei bis drei Jahrzehnte gedauert). Und ich beschloss, endlich die zu werden, die ich ohnehin bin. Und mich nicht mehr zu entschuldigen. Das wäre mein erster Vorsatz fürs neue Jahr. Mein zweiter ist, endlich und endgültig auf eine vegane Ernährung umzusteigen. Drittens hoffe ich, mehr zu schreiben. Viertens muss ich mich noch immer entscheiden, ob und – wenn überhaupt – wie viel ich abnehmen will (ja, die Frage steht nun doch wieder im Raum). Fünftens plane ich, im Sommer ins Tierheim zu gehen und wieder zwei Notfellchen zu adoptieren. Außerdem soll möglichst bald mein kleines Kunstprojekt zum Thema Körperimage und Schönheitsideal (The Ugly Girl Project) in Schwung kommen. Und ein kurzer Aufsatz zu Sinn, Aussage und Absicht ist bereits in Arbeit. Wenn jemand von euch sich auch kreativ mit dem Kampf um Selbstwert und gegen die verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers befasst, würde ich es mir wirklich sehr freuen, etwas darüber zu erfahren.
Na, ihr Lieben – dann rutscht mal schön!
Ich hoffe, wir sehen uns im Neuen Jahr wieder…also, im Prinzip…gleich. : )
NH
Ich könnte wetten, dass meine Therapeutin sich das irgendwie anders gedacht hatte, als sie mir vorschlug, mich einmal am Tag vor den Spiegel zu stellen und zu mir zu sagen "Du bist liebenswert, so wie du bist". Ich weiß ja dann immer nicht recht, was ich tun soll – den Spiegel zerschlagen, oder mich kaputt lachen. Mein Verhältnis zu mir selbst ist halt – na sagen wir mal – komplex. Bemerkenswerterweise soll ich natürlich gar nicht so bleiben, wie ich bin. Sonst wäre ich ja schließlich nicht ihre Patientin. Veränderung ist der Kern ihres Geschäfts – ohne Veränderung schlägt man in der Therapie irgendwann im Niemandsland auf. Wozu also jetzt noch der ganze Aufwand mit dem alten Ich?
ODER ABER: Man hört auf, sich zu entschuldigen.
Auf der Reise zu mir selbst, so stellt sich nun heraus, bin ich einmal im Kreis gelaufen, und wer macht mir die Tür auf: Eine alte Jungfer mit mieser Laune und Doppelkinn – und Menschenskind, war ich vielleicht froh, sie zu sehen! Je stärker die Bemühungen, sich von ihr zu entfernen, desto größer der Widerstand. Jetzt weiß ich auch warum – hätte man mich im Zuge all des therapeutischen Aufwands dazu bewegen wollen, mir einen Arm amputieren zu lassen, wäre das vermutlich auf ähnliche Weise gescheitert. Ich hätte ihn einfach nicht hergegeben. Und ich gebe sie auch nicht her. Sie ist Teil meiner Show. Und – egal wie weit man die Definition vielleicht auch ausdehnen muss – ich bin ein Showgirl, sonst wäre ich schließlich überhaupt nicht hier.
Ich will mich selbst nicht liebenswert finden. Die bloße Vorstellung fühlt sich einfach nur an, wie eine zu enge Unterhose. Ich fänd es zwar echt magisch, wenn ein bestimmter Herr endlich zu eben jener Einsicht gelangen könnte (Yes, YOU! Call me!), aber im Gegensatz zu allem was die Folklore des positiven Denkens uns lehren will, ist es weder notwendig noch ausschlaggebend, dass man sich selbst liebt, um geliebt zu werden. Das weiß jeder, der den Lauf der Welt ein paar Jahrzehnte beobachtet hat. Aber wo war ich…ach ja – also, ich persönlich würde auch nicht meinen eigenen "Like Button" drücken (aber ich bedanke mich vielmals bei den beiden, die es getan haben : )). Ich will viel lieber denken können, was ich will (auch über mich selbst) – und sei es noch so garstig. Denn das ist es, was ich bin. Und ganz nebenbei habe ich das Gefühl, dieses Blog wird davon noch richtig profitieren.
Und selbstverständlich halte ich weite Teile des Lebens für eine schiere Zumutung: Von der Steuererklärung über das Fernsehprogramm und die neue Brigitte Diät bis hin zum Tod – ABER ich entschuldige mich nicht mehr dafür. NIE MEHR! Ich habe es vermutlich schon einmal gesagt, ich sage es gern immer wieder: Was für eine Einstellung sollte man denn zu Wasserrohrbrüchen und Bankenskandalen bitteschön auch sonst haben?
Ach, und wo es nun schon seit Oktober als Merkwürdigkeit auf meinem Schreibtisch liegt: Was für eine Einstellung ist eigentlich die richtige, wenn man von einer dumpfbackigen, im Ursumpf der 50er festgekeilten Autorin namens Danijela Pilic beim bloßen Blättern in einer Frauenzeitschrift auf folgende Art und Weise angepöbelt wird: "Kennt jeder: Frauen, die allein sind (…) Die Verbitterte: Sie hasst Männer, und, wo wir schon dabei sind, auch Kinder, weil sie wahrscheinlich nie welche haben wird. Dafür liebt sie ihre sieben Katzen abgöttisch (…) Nachts weint sie in ihre Kissen und hat Angst davor, tagelang nicht entdeckt zu werden, wenn sie sterben sollte." Das Bild zu diesem Artikel ist übrigens eine Vogelscheuche. Damit hier kein Missverständnis entsteht – die Chefredaktion des Magazins Myself hat ihr gestattet, über uns alle (und insbesondere über all ihre Leserinnen, die obendrein auch noch was dafür bezahlt haben) herzuziehen, egal ob mit Familienanhang oder tatsächlich alleinstehend, weil sie schlicht unterstellt, dass es eine richtige und eine falsche Art des Frauenlebens gibt und die "falsche" mit der muffigen Lustigkeit einer Schülerzeitung diffamiert. Oder um mal ein themennahes Beispiel zu verwenden: Sie ist ungefähr so nervig wie eine von diesen verbiesterten Ex-Dicken, die sich gerade zum Rothorn Run angemeldet haben, und sich vorher noch kurz in eine Talk-Show setzen, um dort zu behaupten, dass es schier ein Ding der Unmöglichkeit sei, als dicker Mensch ein halbwegs zufriedenes Leben zu führen. Man kann über trutschige Modestrecken ohne Models und die nächste abwegige "Diätenwende" auf dem Cover ja sagen, was man will (und das werde ich auch noch), aber das wäre der Brigitte vermutlich nicht passiert.
Wahrscheinlich könnte man sich den Mist des Lebens vorübergehend schöntrinken. Schöndenken – wer weiß. Mein Grundsatz ist ja immer, so Einiges für möglich zu halten und möglichst wenig zu glauben. Wenn mich zum Beispiel in Hamburgs City ein verdächtig übereifriger Passant wild und wichtig mit den Armen fuchtelnd anhält und mir vorschreiben will "Sie müssen zurück, da geht es nicht weiter!", kann es durchaus vorkommen, dass ich erst einmal…tja, nun…weiterfahre. Ich mache mir halt gern selbst ein Bild. Glauben kann ein feines Lebenskonzept sein. Wie Optimismus. Oder wie Karma. Bis sie ausscheren, wie ein überlanger Schwertransport auf einer richtig engen Dorfkreuzung. Guten Menschen passieren schlimme Dinge. Am Ende gibt es doch Erdbeben der Stärke 8,9 im Nordosten Japans. Obwohl man geglaubt hat, dass das nicht möglich ist. Und eines Tages stellt sich womöglich heraus, dass der liebe Gott in Wahrheit eine "Crazy Cat Lady" ist – so eine, wie die, vor der die Frau Pilic so große Angst hat. Und die natürlich schon längst ihren festen Platz in der Ahnengallerie der Popkultur-Archetypen hat. Sie ist ein bisschen die Hexe des 21. Jahrhunderts, die neue wilde Frau.
Und wo wir gerade beim Thema waren: Eine Vorgängerin meiner jetzigen Therapeutin hatte mir mal als Hausaufgabe aufgegeben, meinen persönlichen Misthaufen zu zeichnen. Was ich prompt vergaß, woraufhin sie mir eine Standpauke hielt, und ich die Arbeit mit ihr abbrach. Aber vielleicht hole ich das jetzt doch noch nach – und male den höchsten und schönsten Haufen persönlichen Mists, den je eine Therapiepatientin gemalt hat – oder je malen wird. Und es erfüllt mich schon jetzt mit tiefer Zufriedenheit, mir vorzustellen, wie weit man von der Spitze meines Misthaufens wohl sehen könnte.
Kurz vor Weihnachten warf ich also tatsächlich einen Blick in den Spiegel. Und fand just meine innere Crazy Cat Lady – zum ersten Mal (hat ja auch nur zwei bis drei Jahrzehnte gedauert). Und ich beschloss, endlich die zu werden, die ich ohnehin bin. Und mich nicht mehr zu entschuldigen. Das wäre mein erster Vorsatz fürs neue Jahr. Mein zweiter ist, endlich und endgültig auf eine vegane Ernährung umzusteigen. Drittens hoffe ich, mehr zu schreiben. Viertens muss ich mich noch immer entscheiden, ob und – wenn überhaupt – wie viel ich abnehmen will (ja, die Frage steht nun doch wieder im Raum). Fünftens plane ich, im Sommer ins Tierheim zu gehen und wieder zwei Notfellchen zu adoptieren. Außerdem soll möglichst bald mein kleines Kunstprojekt zum Thema Körperimage und Schönheitsideal (The Ugly Girl Project) in Schwung kommen. Und ein kurzer Aufsatz zu Sinn, Aussage und Absicht ist bereits in Arbeit. Wenn jemand von euch sich auch kreativ mit dem Kampf um Selbstwert und gegen die verzerrte Wahrnehmung des eigenen Körpers befasst, würde ich es mir wirklich sehr freuen, etwas darüber zu erfahren.
Na, ihr Lieben – dann rutscht mal schön!
Ich hoffe, wir sehen uns im Neuen Jahr wieder…also, im Prinzip…gleich. : )
NH
Labels:
Brigitte,
Crazy Cat Lady,
Diät,
Diät-Tagebuch,
Feminismus,
Frauen,
Karma,
Katzen,
Kunst,
Körperbild,
Motivation,
Mut,
Optimismus,
Selbstfindung,
Selbstwert,
Therapie
Montag, 7. November 2011
Happy diet to me!
Das ist jetzt noch in meinem Kühlschrank:
2 Plastikfische gefüllt mit Sojasoße
2 Fläschchen Champagner
2 Becher mit Bio-Buttermilch (im Januar abgelaufen)
1 Glas mit Senf
Der ewige Apfel
(Er ist mindestens 6 Monate alt und verändert sich nicht mehr – damit ist er wirklich das perfekte Symbol für meine Lebenssituation – nicht weil er ewig frisch bleibt, sondern weil für ihn offenbar auch alles einfach stillsteht…obwohl, wenn der Apfel erzählen könnte, was es ist, das ihn zusammenhält, bekäme er umgehend seine eigene Werbesendung auf QVC. Mein Verdacht ist allerdings auch, dass das, was den Apfel knackig bleiben lässt, Menschen in größeren Dosen eher dahinrafft.)
Zusätzlich befinden sich im Kühlfach (zwischen zwei dicken Schichten aus Eis):
2 aufgerissene Pakete mit Alaska Seelachs (das war Kasimirs Lieblingsessen) und eine Tupperdose mit dem Rest des letzten Weihnachtsrotkohls von meiner Mutter (also von Weihnachten 2008).
Mein Kühlschrank ist jetzt also ein Museum. Ein Museum, in dessen leeren Gängen die Schritte von zufälligen Besuchern minutenlang widerhallen würden. Der im wahrsten Sinne des Wortes coolste Kühlschrank, dessen Inhalt ich in letzter Zeit gesehen habe, gehört einem Künstler, der seine Küche mehr oder weniger zu einem Gewächshaus umfunktioniert hat – weil er sie zum Kochen schlicht nicht benötigt. Sein Kühlschrank allerdings ist gefüllt bis zum Bersten…mit Schokolade UND Filmen für seine nicht-digitale Kamera. Viel mehr Stil kann ein Kühlschrank wohl kaum haben.
Ich persönlich halte mich seit ein paar Wochen mit Tiefkühlpizzen, Weißbrot und Schokoriegeln über Wasser. Das hat mich einer Größe 4/Size 0 (wäre es nicht wunderschön?) natürlich nicht einen Schritt nähergebracht – eher einer Größe 50, aber was diese Art der Ernährung mit Rohkost immerhin gemein hat, ist, dass man nicht kochen muss. Allerdingst muss man auch nichts mehr schälen und raspeln. Was einem noch mehr Zeit lässt, sich zu grämen – aber auch mehr Zeit, um zu arbeiten, was letztendlich auch notwendig war, als ich dann verquollen und zerknittert unter der Decke hervorgekrochen kam, um die Aufträge, deren Erledigung ich Kunden irgendwann mal zugesagt hatte, vielleicht doch noch zu beenden.
Zwischendurch habe ich das Knarren der Knie gar nicht mehr gehört – und auch nicht gefühlt. Ich war zu beschäftigt und zu panisch, meine beruflichen Verpflichtungen nicht mehr erfüllen zu können.
Aber jetzt ist das Thema wieder auf der Tagesordnung. Und die Eckpunkte sind weiterhin:
• Ich werde nicht so bleiben, wie ich bin (obwohl ich es für eine attraktive Idee halte), weil es gesundheitlich vermutlich im Desaster enden wird.
• Ich will endlich eine Umstellung auf eine vegane Ernährung erreichen.
• Ich will, dass die Beschäftigung mit Essen trotzdem langfristig eine eher untergeordnete Rolle in meinem Leben spielt.
Da mein Kühlschrank nun ohnehin gerade leer ist, habe ich mir gedacht, dass dies mal wieder ein guter Zeitpunkt für ein paar Tage „Auftaktfasten“ wäre. Und ich werde heute beginnen – mit Gemüsebrühe, Wasser und dem goldenen Blüten-Wundertee, den ich aus China mitgebracht habe, weil er einen nicht nur uralt werden lassen, sondern auch strahlend schön machen soll…im Augenblick wäre ich allerdings schon froh, wenn ich aufrecht gehen könnte, ohne Grimassen zu schneiden. Das würde mich vermutlich auch schon irgendwie ansehnlicher machen. Mein Zahnarzt sagte mir übrigens unlängst, ich hätte traumatischen Zahnfleischrückgang am rechten Eckzahn. Ja, mein Zahnfleisch und ich passen offenbar ziemlich gut zusammen – und scheinbar hängt dieses Gebrechen über mehrere Ecken mit meinem verspannten Rücken zusammen. Um es kurz zu machen – mein „System“ braucht Entlastung und Klärung. Und weiterhin weniger Gepäck. In jeder Hinsicht.
Und absolut gar nichts daran ist neu. Außer dass ich auf dem letzten Stück Weg, anstatt komplett zu verzweifeln, tatsächlich ein völlig neues Grimmigkeitsstadium erreicht habe (wer hätte gedacht, dass das möglich wäre). Gleichzeitig habe ich neuerdings immer öfter das Gefühl, ich werde es womöglich noch bis zu „I don’t give a fuck“ schaffen, wenn es darum geht, was andere von mir denken könnten. Und ich habe ja schon immer vermutet, dass dort die Leichtigkeit wohnt. ; )
NH
Samstag, 17. September 2011
7 Leben
Also das hier hat jetzt nichts mit Diät zu tun. Aber - ist ja mein Blog - plötzlich fiel mir ein/auf, dass ich hier ja machen kann, was ich will. Und ich will ein bisschen etwas über den Kater schreiben, denn er ist am vergangenen Montag gestorben.
Knapp zehn Jahre haben wir miteinander verbracht. Er ist an dem Tag bei mir eingezogen, an dem wir die letzte von vier alten und kranken Katzen hatten einschläfern lassen müssen. Er war wie ein pelziger Rettungsring, und den Vorbesitzern, die ihn vermutlich einfach im Stich gelassen hatten, so dass er sich eine neue Bleibe suchen musste und mich wie durch ein Wunder fand, werde ich für ihre Verantwortungslosigkeit ewig dankbar sein.
Ich hatte Kasi verdient. Und er mich. Er hatte eine wuchtige, freundliche Persönlichkeit. Er hat mich regelmäßig morgens um vier geweckt, weil er halt fand, dass das eine gute Zeit war, um wach zu sein. Erst patschte er mir mit der Pfote ins Gesicht und stieg dann immer von links über meinen Kopf, sprang auf den Boden, lief ums Bett herum und begann die Prozedur von vorn - bis ich aufstand und eine frische Dose aufmachte. Wir waren wie ein altes Paar. Hätte er sprechen können, wir hätten regelmäßig die Sätze des anderen beendet. Er hat meiner kranken Mutter jeden Abend durchs Telefon etwas vorgeschnurrt, bevor sie vor zwei Jahren starb. Die beiden waren im letzten Jahrzehnt meine Familie. Und nun sind beide weg.
So wie sechs weitere Katzen vor Kasimir:
Molly war meine erste Katze. Sie war eine Amazone. Sie versteckte sich in Büschen und sprang einem plötzlich an die Füße. Aber sie war heißgeliebt. Sie mochte uns auch. Sie lief unserem Auto hinterher, wenn wir in den Urlaub fuhren, so dass wir umdrehen und sie ins Haus bringen mussten. Und dann mussten wir uns aus dem Staub machen, bevor sie durch die Katzenklappe im Keller wieder hervorschoss. Leider wurde sie nicht sehr alt, weil sie von Jägern auf dem Feld hinterm Haus erschossen wurde. Wo ich jetzt schon einmal dabei bin: Es ist NICHT NORMAL, Freude daran zu haben, Tiere zu töten. Es ist roh, unzivilisiert und falsch.
Pünktchen und Anton waren Geschwister. Wir nahmen sie als Babys zu uns, um die Trauer um Molly besser zu bewältigen. Anton war schön und stolz. Pünktchen war schlau. Die beiden hingen aneinander, und als Pünktchen mit 16 an einer Nierenerkrankung starb, hatte Anton auch keine Lust mehr, wurde schwach und folgte seiner Schwester.
Wenn es irgendwo gemütlich ist, spricht sich das unter Katzen herum, so dass unsere WG über die Jahre drei neue Mitglieder bekam. Nach und nach saßen sie alle irgendwann vor dem Fenster und wollten einziehen.
Moses kam zuerst dazu. Er war der freundlichste Kater, den ich je getroffen habe. Gutmütiger sogar als Kasimir. Er rollte sich auf den Schultern, Rücken und Hüften seiner Leute zusammen, sobald sie sich irgendwo hinlegten. Er wurde recht alt, und wäre noch älter geworden, wäre er nicht vor ein Auto gelaufen.
Pietzke zog einige Jahre nach Moses in die Katzen-WG. Mit Getöse erreichte er uns durch die Nacht. Laut klagend und ausgehungert lief er mir im dunklen Garten entgegen, als ich gerade panisch und auf der Suche nach Anton war, der mal wieder nicht pünktlich nach Hause gekommen war. Er schlang drei Dosen Futter hinunter, hörte auf zu jammern - und dann setzen wir uns zusammen vors Haus und warteten auf Anton. Pietzke und ich waren ab da Verbündete. Wir hatten eine geheime Zeichensprache. ; )
Zuletzt kam Bobby. Bobby entschloss sich, aus der Nachbarschaft zu uns zu ziehen, weil es ihm, dort wo er war, nicht gut ging. Seine schlechten Erfahrungen hatten ihn misstrauisch gemacht. Er lebte fortan mit uns, aber hielt vornehme Distanz zu allen - bis auf Pietzke, mit dem er schließlich Rücken an Rücken auf Pietzkes Lieblingssessel schlief.
Bobby hatte eine Immunschwäche, und nachdem wir in kurzen Abständen Moses, Pünktchen, Anton und Pietzke verloren hatten, die offenbar alle ungefähr im gleichen hohen Alter gewesen waren, mussten wir auch ihn einschläfern lassen.
Und was mache ich jetzt? Ich bin absolut frei. Ich bin für niemanden mehr zuständig. Freunde sagen einem, man soll sich am besten gleich ins Auto setzen und zum Tierheim fahren. Und ich habe auch daran gedacht. Aber der Tod ist bekanntlich nichts für Feiglinge. Mensch oder Tier - die Wahrheit ist, dass die Seele da mitunter keinen großen Unterschied macht, wenn die Verbindung zu dem, der gestorben ist, stark genug war. Und irgendwo habe ich dieses Zitat gelesen - ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat - dass es viel Mut braucht, sein Herz an etwas zu hängen, das man vermutlich überleben wird. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Mut noch einmal aufbringe. Insgeheim hatte ich in den letzten Tagen immer gehofft, das die Antwort einfach wieder plötzlich auf meiner Terrasse sitzt.
NH
Knapp zehn Jahre haben wir miteinander verbracht. Er ist an dem Tag bei mir eingezogen, an dem wir die letzte von vier alten und kranken Katzen hatten einschläfern lassen müssen. Er war wie ein pelziger Rettungsring, und den Vorbesitzern, die ihn vermutlich einfach im Stich gelassen hatten, so dass er sich eine neue Bleibe suchen musste und mich wie durch ein Wunder fand, werde ich für ihre Verantwortungslosigkeit ewig dankbar sein.
Ich hatte Kasi verdient. Und er mich. Er hatte eine wuchtige, freundliche Persönlichkeit. Er hat mich regelmäßig morgens um vier geweckt, weil er halt fand, dass das eine gute Zeit war, um wach zu sein. Erst patschte er mir mit der Pfote ins Gesicht und stieg dann immer von links über meinen Kopf, sprang auf den Boden, lief ums Bett herum und begann die Prozedur von vorn - bis ich aufstand und eine frische Dose aufmachte. Wir waren wie ein altes Paar. Hätte er sprechen können, wir hätten regelmäßig die Sätze des anderen beendet. Er hat meiner kranken Mutter jeden Abend durchs Telefon etwas vorgeschnurrt, bevor sie vor zwei Jahren starb. Die beiden waren im letzten Jahrzehnt meine Familie. Und nun sind beide weg.
So wie sechs weitere Katzen vor Kasimir:
Molly war meine erste Katze. Sie war eine Amazone. Sie versteckte sich in Büschen und sprang einem plötzlich an die Füße. Aber sie war heißgeliebt. Sie mochte uns auch. Sie lief unserem Auto hinterher, wenn wir in den Urlaub fuhren, so dass wir umdrehen und sie ins Haus bringen mussten. Und dann mussten wir uns aus dem Staub machen, bevor sie durch die Katzenklappe im Keller wieder hervorschoss. Leider wurde sie nicht sehr alt, weil sie von Jägern auf dem Feld hinterm Haus erschossen wurde. Wo ich jetzt schon einmal dabei bin: Es ist NICHT NORMAL, Freude daran zu haben, Tiere zu töten. Es ist roh, unzivilisiert und falsch.
Pünktchen und Anton waren Geschwister. Wir nahmen sie als Babys zu uns, um die Trauer um Molly besser zu bewältigen. Anton war schön und stolz. Pünktchen war schlau. Die beiden hingen aneinander, und als Pünktchen mit 16 an einer Nierenerkrankung starb, hatte Anton auch keine Lust mehr, wurde schwach und folgte seiner Schwester.
Wenn es irgendwo gemütlich ist, spricht sich das unter Katzen herum, so dass unsere WG über die Jahre drei neue Mitglieder bekam. Nach und nach saßen sie alle irgendwann vor dem Fenster und wollten einziehen.
Moses kam zuerst dazu. Er war der freundlichste Kater, den ich je getroffen habe. Gutmütiger sogar als Kasimir. Er rollte sich auf den Schultern, Rücken und Hüften seiner Leute zusammen, sobald sie sich irgendwo hinlegten. Er wurde recht alt, und wäre noch älter geworden, wäre er nicht vor ein Auto gelaufen.
Pietzke zog einige Jahre nach Moses in die Katzen-WG. Mit Getöse erreichte er uns durch die Nacht. Laut klagend und ausgehungert lief er mir im dunklen Garten entgegen, als ich gerade panisch und auf der Suche nach Anton war, der mal wieder nicht pünktlich nach Hause gekommen war. Er schlang drei Dosen Futter hinunter, hörte auf zu jammern - und dann setzen wir uns zusammen vors Haus und warteten auf Anton. Pietzke und ich waren ab da Verbündete. Wir hatten eine geheime Zeichensprache. ; )
Zuletzt kam Bobby. Bobby entschloss sich, aus der Nachbarschaft zu uns zu ziehen, weil es ihm, dort wo er war, nicht gut ging. Seine schlechten Erfahrungen hatten ihn misstrauisch gemacht. Er lebte fortan mit uns, aber hielt vornehme Distanz zu allen - bis auf Pietzke, mit dem er schließlich Rücken an Rücken auf Pietzkes Lieblingssessel schlief.
Bobby hatte eine Immunschwäche, und nachdem wir in kurzen Abständen Moses, Pünktchen, Anton und Pietzke verloren hatten, die offenbar alle ungefähr im gleichen hohen Alter gewesen waren, mussten wir auch ihn einschläfern lassen.
Und was mache ich jetzt? Ich bin absolut frei. Ich bin für niemanden mehr zuständig. Freunde sagen einem, man soll sich am besten gleich ins Auto setzen und zum Tierheim fahren. Und ich habe auch daran gedacht. Aber der Tod ist bekanntlich nichts für Feiglinge. Mensch oder Tier - die Wahrheit ist, dass die Seele da mitunter keinen großen Unterschied macht, wenn die Verbindung zu dem, der gestorben ist, stark genug war. Und irgendwo habe ich dieses Zitat gelesen - ich weiß nicht mehr, wer es gesagt hat - dass es viel Mut braucht, sein Herz an etwas zu hängen, das man vermutlich überleben wird. Ich bin mir nicht sicher, ob ich diesen Mut noch einmal aufbringe. Insgeheim hatte ich in den letzten Tagen immer gehofft, das die Antwort einfach wieder plötzlich auf meiner Terrasse sitzt.
NH
Dienstag, 16. August 2011
Die Verortung der weiblichen Hölle - oder: Lass gut sein.
Und - habt ihr’s schon gelesen? Na was wohl - Charlotte Roches „Schoßgebete“…Ich? Na um Himmels Willen…ich hab’s natürlich nicht gelesen...seid ihr verrückt, oder was? ; ) Man muss sich ja nun nicht noch extra Ärger aufhalsen, wenn im Leben eh schon alles so beschwerlich ist – der Kater hat eine Altersallergie und wir wissen nicht wogegen, und ich ändere dauernd die Stühle vorm Schreibtisch, weil ich dort so viel Zeit verbringe, dass ich nicht mehr weiß, wie ich sitzen soll. Mein Hintern, anders als der der Frau Roche, ist plattgesessen ein wie Mühlenrad.
Alice Schwarzer bezeichnet das Werk übrigens als „verruchte Heimatschnulze“…Und ich neige dazu, ihr zu glauben. Dass das deutsche Feuilleton sich beinahe geschlossen dazu verstiegen hat, mit vereinten Kräften aus dem Buch nach Roches „Feuchtgebieten“ einen zweiten Megaseller machen zu wollen, ist obendrein verdächtig…den Erfolg des Vorgängers des aktuellen Buches hatte die Autorin ja noch so erklärt: „Pimmel, Muschi und Aua – das interessiert doch alle.“
Woher ich nun über den Hintern der Frau Roche Bescheid weiß? Tja, in Ermangelung größerer Zeitfenster lese ich im Augenblick nur noch auf dem Klo. Und was liegt bei mir auf dem Klo? Die Zeit. Auf dessen Magazin-Cover Frau Roche als strenge Handarbeitslehrerinnenkarikatur verkündet: „Wenn ich keinen Sex habe, habe ich Angst.“ Ja…hm…bedauerlich für sie.
Im Gespräch mit Jana Hensel kommt dann heraus, dass sie in der Tat voller Angst ist. Angst, nicht ernstgenommen zu werden („Ich hasse Schriftsteller, die ernstgenommen werden wollen.“). Oder Angst, nicht krass genug zu sein („Aber wie so viele Süchte, die ich hatte, ging auch die (Anorexie) Dank der Therapie vorbei und wurde durch andere Süchte abgelöst: Alkohol, Shopping – you name it, I had it!“). Frau Roche ist also nach eigenen Angaben eine Sucht-Hopperin, bei der die „Süchte“ kommen und gehen, wie Mückenstiche. Das scheint der Natur einer Sucht grundsätzlich zu widersprechen. Aber das schreckt die Frau Roche nicht. Sie war „bis vor Kurzem noch magersüchtig“. Jetzt isst sie aber „was sie will, wann sie will.“ (Wie oft haben wir den abgegrabbelten, unfairen und überheblichen Satz eigentlich schon von Prominenten gehört?) Insgesamt kann man angesichts dieser Ausführungen nur staunen, wenn man selbst sich fast sein ganzes Leben lang mit einer Essstörung oder einer anderen Sucht herumgeschlagen hat.
Aber wovor hat Frau Roche nun am meisten Angst? Und warum ist sie im thematischen Rahmen dieses Blogs überhaupt von Interesse? Naja, sie hat halt obendrein eine SCHEISSANGST, hässlich zu sein. Es ist diese Angst, die sie – anders als alle anderen, die sie eher herzeigt wie Trophäen – versucht zu leugnen. Gleichwohl ohne Erfolg. Sie mag ein Opfer von Schönheits- und Schlankheitswahn gewesen sein. Aber sie besteht darauf, dass das jetzt nicht mehr so ist. Und dann wird das Ganze wirklich ärgerlich: „Ich verachte Frauen, die Yoga machen, um keine schlaffen Oberarme zu bekommen.“
Verräterisch ist jedoch auch der Raum, den die platitüdenfarbene Erörterung der Problematik körperlicher Attraktivität im Gespräch mit Frau Hensel einnimmt. Die sagt ihr, dass sie einen „geilen Arsch“ habe und dieses auch wisse. Vorher hat uns Frau Roche allerdings gerade mitgeteilt, dass sie für eben jenen Hintern gar keine Übungen mehr mache – da haben wir es wieder, dass Märchen von der Frau, die sich vom Schönheitszwang befreit hat, aber trotzdem ein straffes Hinterteil besitzt. Es war die Allgegenwart retuschierter Frauenbilder, die sie krank gemacht hat, aber nun ist sie ja wieder gesund. Sie findet Frauen, „die langsam verfallen viel schöner“. Dummerweise sind es die gerade diese „Verfallenden“, denen sie bereits am Anfang des Gesprächs sanfte Geringschätzung entgegenbringt: „Einsamkeit, (…) das ist doch was für alte Leute, die zur Massage gehen, damit sie mal von jemandem berührt werden.“ Sexuell nicht attraktiv zu sein, davor hat sie selbst möglicherweise am meisten Angst – und macht Sexualität zu einem exklusiven Bewertungskriterium, das als Alternative zur bloßen Schönheit dient und das offenbar nur Auserwählte auf obskure Art und Weise anzuwenden wissen: „Ich sehe Menschen an, wenn sie lange Zeit mit niemandem geschlafen haben.“ Frau Roche kennt sich aus: „Mit 35 oder 40 ist die Gefahr, körperlich zu vereinsamen (…) sehr groß.“ Ich bin mir nun ziemlich sicher, dass sie regelmäßig beides – zumindest gedanklich – gegen andere verwendet: deren uncoole Vereinsamung sowie ihre fetten, klumpigen Pos. Im Leben würde ich ihr jetzt kein Buch mehr abkaufen, weil man ihr schlicht nichts abkaufen sollte. Alice Schwarzer hofft indessen auch, dass junge Frauen sich nicht zu sehr auf die gestörte Charlotte verlassen mögen, sollten sie auf der Suche nach Lösungen für persönliche Verwirrung sein, denn, so wendet sie sich an die ehemalige Freundin, „du hast nicht die Lösung, du hast das Problem.“
Ich sag es jetzt einfach mal – der „Ehrlichkeit bis zur Selbstaufgabe“ halber: Bloß weil Papier bedruckt ist, heißt das noch lange nicht, dass es irgendetwas anderes ist als Klopapier. ; )
NH
Alice Schwarzer bezeichnet das Werk übrigens als „verruchte Heimatschnulze“…Und ich neige dazu, ihr zu glauben. Dass das deutsche Feuilleton sich beinahe geschlossen dazu verstiegen hat, mit vereinten Kräften aus dem Buch nach Roches „Feuchtgebieten“ einen zweiten Megaseller machen zu wollen, ist obendrein verdächtig…den Erfolg des Vorgängers des aktuellen Buches hatte die Autorin ja noch so erklärt: „Pimmel, Muschi und Aua – das interessiert doch alle.“
Woher ich nun über den Hintern der Frau Roche Bescheid weiß? Tja, in Ermangelung größerer Zeitfenster lese ich im Augenblick nur noch auf dem Klo. Und was liegt bei mir auf dem Klo? Die Zeit. Auf dessen Magazin-Cover Frau Roche als strenge Handarbeitslehrerinnenkarikatur verkündet: „Wenn ich keinen Sex habe, habe ich Angst.“ Ja…hm…bedauerlich für sie.
Im Gespräch mit Jana Hensel kommt dann heraus, dass sie in der Tat voller Angst ist. Angst, nicht ernstgenommen zu werden („Ich hasse Schriftsteller, die ernstgenommen werden wollen.“). Oder Angst, nicht krass genug zu sein („Aber wie so viele Süchte, die ich hatte, ging auch die (Anorexie) Dank der Therapie vorbei und wurde durch andere Süchte abgelöst: Alkohol, Shopping – you name it, I had it!“). Frau Roche ist also nach eigenen Angaben eine Sucht-Hopperin, bei der die „Süchte“ kommen und gehen, wie Mückenstiche. Das scheint der Natur einer Sucht grundsätzlich zu widersprechen. Aber das schreckt die Frau Roche nicht. Sie war „bis vor Kurzem noch magersüchtig“. Jetzt isst sie aber „was sie will, wann sie will.“ (Wie oft haben wir den abgegrabbelten, unfairen und überheblichen Satz eigentlich schon von Prominenten gehört?) Insgesamt kann man angesichts dieser Ausführungen nur staunen, wenn man selbst sich fast sein ganzes Leben lang mit einer Essstörung oder einer anderen Sucht herumgeschlagen hat.
Aber wovor hat Frau Roche nun am meisten Angst? Und warum ist sie im thematischen Rahmen dieses Blogs überhaupt von Interesse? Naja, sie hat halt obendrein eine SCHEISSANGST, hässlich zu sein. Es ist diese Angst, die sie – anders als alle anderen, die sie eher herzeigt wie Trophäen – versucht zu leugnen. Gleichwohl ohne Erfolg. Sie mag ein Opfer von Schönheits- und Schlankheitswahn gewesen sein. Aber sie besteht darauf, dass das jetzt nicht mehr so ist. Und dann wird das Ganze wirklich ärgerlich: „Ich verachte Frauen, die Yoga machen, um keine schlaffen Oberarme zu bekommen.“
Verräterisch ist jedoch auch der Raum, den die platitüdenfarbene Erörterung der Problematik körperlicher Attraktivität im Gespräch mit Frau Hensel einnimmt. Die sagt ihr, dass sie einen „geilen Arsch“ habe und dieses auch wisse. Vorher hat uns Frau Roche allerdings gerade mitgeteilt, dass sie für eben jenen Hintern gar keine Übungen mehr mache – da haben wir es wieder, dass Märchen von der Frau, die sich vom Schönheitszwang befreit hat, aber trotzdem ein straffes Hinterteil besitzt. Es war die Allgegenwart retuschierter Frauenbilder, die sie krank gemacht hat, aber nun ist sie ja wieder gesund. Sie findet Frauen, „die langsam verfallen viel schöner“. Dummerweise sind es die gerade diese „Verfallenden“, denen sie bereits am Anfang des Gesprächs sanfte Geringschätzung entgegenbringt: „Einsamkeit, (…) das ist doch was für alte Leute, die zur Massage gehen, damit sie mal von jemandem berührt werden.“ Sexuell nicht attraktiv zu sein, davor hat sie selbst möglicherweise am meisten Angst – und macht Sexualität zu einem exklusiven Bewertungskriterium, das als Alternative zur bloßen Schönheit dient und das offenbar nur Auserwählte auf obskure Art und Weise anzuwenden wissen: „Ich sehe Menschen an, wenn sie lange Zeit mit niemandem geschlafen haben.“ Frau Roche kennt sich aus: „Mit 35 oder 40 ist die Gefahr, körperlich zu vereinsamen (…) sehr groß.“ Ich bin mir nun ziemlich sicher, dass sie regelmäßig beides – zumindest gedanklich – gegen andere verwendet: deren uncoole Vereinsamung sowie ihre fetten, klumpigen Pos. Im Leben würde ich ihr jetzt kein Buch mehr abkaufen, weil man ihr schlicht nichts abkaufen sollte. Alice Schwarzer hofft indessen auch, dass junge Frauen sich nicht zu sehr auf die gestörte Charlotte verlassen mögen, sollten sie auf der Suche nach Lösungen für persönliche Verwirrung sein, denn, so wendet sie sich an die ehemalige Freundin, „du hast nicht die Lösung, du hast das Problem.“
Ich sag es jetzt einfach mal – der „Ehrlichkeit bis zur Selbstaufgabe“ halber: Bloß weil Papier bedruckt ist, heißt das noch lange nicht, dass es irgendetwas anderes ist als Klopapier. ; )
NH
Abonnieren
Posts (Atom)









